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Hr. 254 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)Dienstag, 29. Ottober (929
Turnen, Sport und Spiel.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
o. Das Gesellschaftsspiel am Sonntag auf dem 1900er»Sportplah wurde, da der von der Schiedsrichtervereinigung angeforderte Schiedsrichter ausblieb, von Herrn Zutt vom Plahverein geleitet. Beide Parteien befleißigten sich einer selten gesehenen fairen Spielwcise und erleichterten dadurch dem Spielleiter das Amt ganz außerordentlich. Die Gäste, der F. C. G e r m a - nia94 Frankfurt a. M., konnten dasTreffen verdient mit 2:0 Toren (Halbzeit 0:0) für sich entscheiden, denn sie waren den Gießenern durch ihr famoses Kombinations» und Stellungsspiel in allen Phasen des Kampfes überlegen. Berücksichtigen muß man dabei allerdings, daß 1900 bei weitem unter der Form des Borsonntaas spielte. Auffallend war jedoch bei den Süddeutschen, trotz des herrlichen Feldspiels, die außerordentliche Schußschwäche des Angriffs, llnb so tarn es auch, daß die Spielvereinigung ebensoviel sichere Torchancen herausarbeitcte, als ihr berühmter Gegner, aber auch hier wurde alles versiebt. Die Frankfurter begannen mit dem Aückenwind und waren anfangs im Feldspiel leicht überlegen. Bei 1900 machte sich das Fehlen von Hohmann und vor allen Dingen von Katz in der Läuferreihe sehr nachteilig bemerkbar, denn der Spielaufbau litt sichtlich darunter. Als man die Seiten wechselte, stand das Spiel noch 0:0. Zum ersten Treffer kamen die Gäste in der Mitte der zweiten Spielhälfte, und zwar durch ein Eigentor des linken Verteidigers der Blauweißen, der mit einem wuchtigen Abschlag den eigenen fallenden linken Läufer anschoß, von dem der Ball ins eigene Tor sprang, für den Torwart unerreichbar. Gleich darauf bot sich dem Platz- Verein eine glänzende Ausgleichschance, der Rechtsaußen trat aber, wohl in der Aufregung, frei vor dem gegnerischen Tor über den Ball und vergab damit die einzigartige Gelegenheit. Einen Strafstoß aus 16 Meter setzte derselbe Spieler mit scharfem Schuß nur um Millimeter nebelt den Pfosten, einen ebensolchen hielt der Gästehütcr glänzend. Es dunkelte bereits, als die Germanen nach äleberspielen der Gießener Hintermannschaft unhaltbar ihr zweites Tor erzielten. Den Rest des Spieles konnte man infolge der Dunkelheit nicht mehr recht verfolgen. Die weiteren beiderseitigen Bemühungen um Torerfolge blieben unbelohnt.
1900s dritte Mannschaft bestritt das Ver- bandsspiel gegen Steinbachs erste Elf in Steinbach durch ein Mißverständnis nur mit acht Spielern. Umsomehr muh das günstige Abschneiden wundern, denn die acht Gießener unterlagen nur ganz knapp mit 3:2 Toren, nachdem sie zeitweise sogar mit 2:1 in Führung gewesen waren.
Eine sehr schwache vierte Elf 1900s unterlag auf dem Heuchelheimer Platz gegen die dortige Ligareserve außerordentlich hoch mit 12:2 Treffern.
Recht spannend verlief das Zugendgesellschaftsspiel 1900 I. gegen Dillenburg I. Anfangs dominierte die Spielvereinigung 1900 ausgezeichnet und lag auch bis kurz nach der Pause mit 4:0 Treffern in Führung. Schnitzer in der Hintermannschaft verhalfen dann aber auch den Gästen zu drei Toren, so daß man sich mit 4:3 für Gießen trennte.
V. f. B.
Daß. dieLigamannschaft in Wetzlar einen sehr schweren Stand haben würde, war vorauszusehen und auch in der Freitagsvorschau
Liebe in Ketten.
Roman von Hans Mitteweider.
Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale).
24 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Wie, um Himmels willen, kam Felix dazu, diesen Menschen hierherzubringen?" fragte sie sich. „Sollte er etwas erfahren haben? Begann jetzt schon Isoldes Rache?"
Doch da hatte Felix seine junge Frau erblickt. Er schwenkte grüßend die Mütze und rief jauchzend ihren Hamen.
Da richtete Käthe sich auf. Sie preßte berde Hände auf das Herz.
„Mut!" raunte sie sich zu. „Besser letzt als später! Es ist eine Schicksalsfügung. Vielleicht erkennt er dich nicht wieder!"
Und sie winkte mit der einen Hand zurück und lief dann die Wege entlang, bis sie Felix erreichte, der sie liebevoll an seine Brust zog.
Käthe schaute über seine Schulter hinweg nach Klausen. Sie sah ihn nicht und war froh darüber. Run durfte sie sich ganz der Seligkeit des Wiedersehens hingeben, und als Felix ihr tief in die blauen Augen schaute, ehe er sie küßte, da las er in ihnen die reinste Liebe, und auch sein Herz jubolte auf. Alle Zweifel schwanden aus seiner Seele. Er wußte, daß sein Weib ihn nie, nie betrügen würde, ihn nie betrogen haben konnte.
Hastig flüsterte er ihr zu, wie sehr er sich nach ihr gesehnt habe: doch dann besann er sich, daß er nicht allein gekommen war.
,Ich habe *.t dem Ingenieur in Berlin zu tun gehabt und konnte es nicht über mich bringen dir nicht .Guten Tag!' zu sagen," rief er. , Wirst du mir zürnen, weil ich Herrn Klausen mitgebracht habe, um ihn dir vorzustellen?"
Er schämte sich dabei wieder, daß eine ganz andere Absicht ihn bewogen hatte: aber er nahm sich vor, seiner Frau so bald wie möglich alles zu beichten, und damit entschuldigte er sich vor sich selbst- _
Ruch Käthe tat sich allen Zwang an, um nicht wieder schwach zu werden, und so ging sie am Rrme ihres Gatten dem Manne entgegen, der ihr Gluck so schrecklich bedrohte. .
Dort stand er! Sie sah von weitem, daß sein Gesicht ganz unbewegt war. und sie atmete auf.
„Er kemit mich nicht mehr!" rief es m ihr, und das gab ihr drn Wut, ihm unbefangen entgegen-
Lieber Herr Klausen, das ist meine Stau" sagte Felix Surnau, vor Gluck strahlend. „Und das. Käthe, ist der Herr Klausen, den Altberg mir ab treten will, um auf Turnau einige Reuerungen zu schaffen, die dringend notig er« lcheinen."
schon gesagt. Trotzdem glaubte man. ihr allgemein doch einen Sieg, wenn auch nur einen knappen, zutraucn zu können, da man mit Recht sagen kann, daß sie in technischer und taktischer Beziehung der Elf des Sportvereins unbedingt einiges voraus hat. zumal diese gerade in den letzten Verbandsspiclen verhältnismäßig schlecht abgcschnitten hat. Cs überraschte deshalb etwas, daß D. f. B. nur ein Unentschieden (2:2) erringen konnte und damit einen wertvollen Punkt verlor. Das Treffen konnte trotz seines wechselvollen Verlaufs nicht gefallen, sondern enttäuschte in mancherlei Hinsicht sehr. Abgesehen davon, daß es ihr nicht gelang, sich auf den zu schmalen Platz einzustellen, fand sich die Gießener Mannschaft im übrigen doch recht bald und war etwa zwanzig Minuten lang dem Gegner glatt überlegen, der es lediglich seiner geschickten Verteidigung und einer guten Dosis Glück zu verdanken hatte, daß er in dieser Zeit nicht schon mit einigen Toren ins Hintertreffen (am. D. f. B. spielte den weitaus besseren Fußball, aber auch viel zu weich und energielos, um seine zahlreichen Angriffe mit Erfolg abschließen zu können. In der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit war das Spiel ausgeglichener: beiderseits wurden eine Reihe von Torchancen herausgearbeitet, aber auch ausgelassen, so daß das Resultat bei der Pause noch 0:0 lautete. Rach dem Wechsel ging D. f. B. wieder aus sich heraus und diktierte das Spiel. Wetzlar wurde stark bedrängt und konnte trotz zahlreicher Verteidigung nicht verhindern, daß Gießen innerhalb kurzer Zeit zweimal einschoh. Don da ab nahm das Spiel wenig schöne Formen an. Die Mehrzahl der Spieler der V. f. B. - Elf legte sich verständlicherweise größtmöglichste Reserve auf, um sich vor Schaden zu bewahren. Die Folge davon war, daß Wrtzlar etwas aufkam und einen schlecht abgewehrten Ball des Gießener Torhüters zum ersten Gegentor einsenden konnte. Wenig später ließ sich der Spielleiter bestimmen, dem Plah- berein einen Elfmeter wegen Handspiel zuzusprechen. Sportverein erzielte auf diese Weise den Ausgleich. Bis zum Schluß lag D. f. B. dann wieder fast ständig im Angriff und machte verzweifelte Anstrengungen, den Sieg doch noch an sich zu reißen, ohne daß es ihm gelang, an dem Ergebnis von 2:2 noch etwas zu ändern.
Handball im Männerturnverein (D.T).
T.D. Wehlar 1. —M.T.D. 1- 4:1 (2:0).
Das erste Verbandsspiel in der Rachrirnde führte die erste Mannschaft des M.T.V. am Sonntag in Wetzlar mit der ersten des dortigen Turnvereins zusammen. Die Gastgeber steltten auf eigenem Platze eine schwer zu schlagende Mannschaft ins Feld, zumal sie durch verfchie- dene neue Leute in letzter Zeit sehr an Spielstarke zugenommen hat. Die M.T.D.-Mannschaft kannte man gegen den vorhergehenden Sonntag nicht wieder: die Hintermannschaft leistete sich verschiedene Deckungsfehler, die den Wetzlarern auch jeweils zum Erfolg verhalfen. Da sich auch der M.T.V.-Sturm zu keiner einheitlichen Handlung zusammenfinden konnte, wurde das Spiet von den Gastgebern verdient gewonnen. Die wenigen schwachen Würfe, die auf das Wetzlarer Tor gingen, waren eine sichere Beute des guten Wetzlarer Torhüters.
T. u. Spv. Butzbach 1. —M.T.D. Gießen 2. 4:3 (3:1).
Die zweite Mannschaft des Männerturnvereins trug in Butzbach gegen die erste Mannschaft des
Berndt Klausen hielt schon lange die Mühe in der Hand und verbeugte sich nun tief und fast ehrfurchtsvoll vor der, die doch dem Gesetz nach seine Frau war. Er küßte flüchtig die Hand, und als er sich aufrichtete, war in feinem Gesicht nicht zu lesen, was in seinem Innern vorging.
Unwillkürlich hatte Felix Surnau die beiden doch beobachtet, obwohl er sich bittere Vorwürfe deshalb machte, erst recht, als er gewahrte, daß sie sich als vollkommen Fremde gegenüberstanden, und in seinem Herzen wuchs der Zorn über die Verleumdung, mit der Isolde ihn zu beeinflussen versucht hatte.
Trotzdem wandte er seinen Blick nicht von den beiden, als er nun sagte:
„Ich hoffe, es wird keine Störung verursachen, wenn ich Herrn Klause einlade, mit uns zu speisen. Willst du es übernehmen, Tante Adelheid zu verständigen und sie zu fragen, wann ich ihr Herrn Klausen präsentieren darf?"
Käthe nickte. Sie war ja so froh, daß nun endlich diese furchtbar quälende Sorge von ihr genommen war. Berndt Klausen hatte sie nicht wiedererkannt, dessen war sie nun sicher, und so war sie ihm gegenüber sehr liebenswürdig, sagte, wie sehr ihr Gatte seine Fähigkeiten gerühmt habe, und er erwiderte ebenso höflich einige Worte. „ _.
Ruch Tante Adelheid gewann den besten Eindruck von dem jungen Manne, und als sie dann zu vieren bei Tische sahen, da konnte Käthe schon wieder silberhell auflachen.
Felix Surnau aber dachte nicht mehr an den Argwohn, der ihn kurze Zeit gemartert hatte. Und als er am nächsten Sage mit Klausen Nvn- nenwerth wieder verließ, da war er vollkommen überzeugt, daß dieser seine Frau nod)_ nie gesehen. geschweige denn irgendein Verhältnis zu ihr gehabt hatte.
Käthe aber war so von Herzen froh, daß ne, als Felix schon im Auto saß, ihm noch zurief:
„Rimm dich in acht, daß ich dich nun nicht ebenfalls einmal überrasche!"
„Du wolltest nach Surnau kommen?" erwiderte er freudig überrascht. „Tue es, Käthe, tue es! Roch sind die Arbeiter nicht dort eingezogen: wir können noch herrliche Sage dort verleben."
„Vielleicht komme ich!" sagte sie, und schaute ihn verheißungsvoll an. „Es wird dir sicher sonst einsam!"
„Meine Gedanken sind doch immer bei dir! versicherte Felix.
Es schwebte ihm auf der Zunge, ihr zu sagen, daß Isolde bei ihm gewesen war. Er wußte nicht, warum er auf einmal wieder an dieses Weib dachte, das er nun tief verachtete: aber et schwieg. ..
3n vollster Harmonie schieden die beiden Gatten.
Felix Xumau ahnte nicht, daß das Gift der
dortigen Turn- und Sportvereins das fällige Derbandsspiel aus. Rach ziemlich verteiltem Spiel mußten sich die Gießener vor dem Sabcllen- (5 r ft en mit nur 4:3 beugen. Da dem Spielverlauf ,iach das Resultat auch ebensogut umgekehrt hätte lauten können, kann die M.S.V.-Mannschafk stolz auf dieses Ergebnis sein.
1. Igd. T.D. Wetzlar-1. 3gb. M.T.D. Gießen 0:5 (0:3).
Die 1. Jugend des M.T.D., die bei der 1. Jugend des S V. Wetzlar zu Gast war, konnte ihren Siegeszug fortsetzen. Rach jederzeit überlegenem Spiel errang sie einen glatten 5:0-Sicg.
Handball im Turnverein 1846 Gießen.
Tv. 1846 I — Sb. Rauheim I 2: 3 (0: 2).
Daß die Rauheimer auf eigenem Platze schlecht zu schlagen sind, muhten die 1846er am vorigen Sonntag erfahren. Bei Halbzeit lag der Gastgeber schon 2:0 in Führung. Dann aber legte Gießen ein mächtiges Sempo vor, das innerhalb zehn Minuten zwei Sore und damit den Ausgleich brachte. Sroh weiteren überlegenen Feldspiels gelang es den Rauheimern, drei Minuten
vor Schluß im Anschluß an eine Ecke das entscheidende Sor zu erzielen.
Die Jugend spielte planlos und hat es vollkommen verdient, daß die kleinen Rauheimer die Punkte errangen.
Handball der Sp.-Dg. 1900.
1900 1. Jugend — D. f. L. Wetzlar 1. Jugend 8:1 (3:1).
o. Die erste Iugendmannschast der Spielvereinigung 1900, die schon vor einigen Wochen im Spiel gegen den Lokalgegner V. f. B. Gießen in ausgezeichneter Form war, bewies diese auch am Sonntag gegen den spielstarken V. f. L Wetzlar. Die V. f. L.-Iugend. seit Jahren im hiesigen Gau ungeschlagen, mußte sogar eine ganz empfindliche Schlappe hinnehmen. Etwas gemildert wird die Niederlage allerdings durch den Umstand, daß Wetzlar mit nur zehn Mann antrat. Aber auch mit kompletter Mannschaft wäre ein sicherer Sieg des Plahvereins, dessen Elf in fast allen Seilen gut beseht war und die vor allem sehr produktiv spielte, nicht in Frage gestellt gewesen. Schiedsrichter Birkenstock hakte das Spiel fest in der Hand.
Mannschastskampf im Fechten im Turngau Hessen (D. T.) Tv. Wetzlar siegt knapp vor Tv. 1860 Vad-Rauheim.
bpw. Ein beachtliches kurnsportliches Ereignis war der Mannschaftskampf im Florett, den die Fechterschar des Surngaues Hessen — wie gestern schon kurz berichtet — am Sonntag in der Surnhalle der Oberrealschule zu Gießen durchführte. Was technisch und ästhetisch geboten wurde, war zum Teil recht gut. Besonders die gleichwertigen Mannschaften von Wetzlar und Bad-Rauheim konnten durch sichere Klingenführung gefallen. Aber auch die Sgm. Friedberg hat sich gut gehalten, und selbst dem Mtv. Gießen darf man die Anerkennung nicht versagen: in Anbetracht der Satsache, daß feine Mannen das Durchschnittsalter der Seilnehmer weit überragten, hat er sich recht tapfer geschlagen.
Die teilnehmenden Fechterriegen hatten die folgenden Altmannen xur Kampfstätte entsandt: M tv. Gießen: Bürck, Vogel, Hennig: Sv. Wetzlar: K. Mulch, H. Mulch, Hövels: Sv. 1 860 Bad-Rauheim: Hahn, Berlich. Pfeffer: Sgm. Friedberg: Brack. Fran- fenberger, Stein. Die Kampfleitung lag in Händen von Gausechtwart Kühn (Friedberg), dem als Kampfrichter die ehemaligen Gaufechtwarte K. Roll (Gießen), R i e h s ch (Bad- Rauheim) und G r o o s (Marburg) und die Fechter Vaubel, Maltzan, Holzheimer, 3ö r b (Gießen) und Feige (Bad-Rauheim) zur Seite standen. Vom GauturnarMchuß wohnte ©aufrauenturntoart R. Paul (Gießen) der Veranstaltung bei; Gauober turnwart Will, der am Erscheinen verhindert war, ließ durch den Gaufechtwart grüßen und dem Sreffen echt turnerischen Verlauf wünschen.
Der Kanipf bestand aus 54 Einzelgefechten und stellte damit hohe Anforderungen an Körper und Geist der einzelnen Fechter, von denen lebet neun Waffengänge zu bestehen hatte. Cs
Verleumdung ein ganz furchtbares, tückisches Gift ist, das ständig in dem Menschen frißt, dem es einmal eingeträufelt ist.
Käthe aber winkte den Davonfahrenden nach, solange sie den Wagen sehen konnte, und als sie dann allein war, war sie sehr froh, daß sie weder Verth noch Herrn von Bodenstein etwas von dem gebeichtet, was sie die ganze Zeit über so bedrückt hatte.
Sie war noch nicht ganz sicher, ob Berndt Klausen sie nicht doch wiedererkannt hatte: aber sie sagte sich, daß er, auch wenn dies der Fall gewesen sein sollte, allen Grund hatte, zu verschweigen, was zwischen ihr und ihm stand. Er selbst trug doch allein die Schuld, daß sie nicht in Wahrheit seine Frau geworden war. Sein böses Gewissen würde jttjn zum Schweigen veranlassen.
Wie dem aber auch sein mochte, Käthe war wie erlöst, und so kam es, daß sie tatsächlich eines Sages mit Sante Adelheid nach Surnau fuhr und Felix überraschte.
Sie sah Berndt Klausen nicht wieder, da er auf Altberg weilte, und auch jetzt erzählte Felix ihr nichts von dem Besuch Isoldes. Er kam sich schuldbeladen vor, weil er diese Frau überhaupt aiigehört hatte, und erst recht, daß er nicht den Mut finden konnte, Käthe alles zu beichten.
Eines Sages hielt es ihn nicht mehr: er mußte Käthe beichten.
„Du muht mir etwas verzeihen. Schah, etwas, was ich dir verschwiegen habe. Isolde von Kletten war bei mir. Sie war angeblich auf der Durchreise, und so unwillkommen sie mir war, ich konnte ihr doch nicht die Sür weisen. Sie ist jedoch am nächsten Morgen vor Sau und Sag wieder abgereist."
„Und vorher, Felix?" forschte Käthe.
„Was sollte vorher gewesen sein?" entgegnete er ausweichend. „Wir haben zusammen gespeist und sind dann ein wenig in den Park gegangen.“
Da er schwieg, und da Käthe wohl merkte, daß er etwas verhehlte, drang sie nicht weiter in ihn. Sie wußte ja selbst, wie peinlich manche Fragen werden können; aber sie erschauerte bei dem Gedanken, daß ihre Sobfeinbin Felix ausgesucht hatte, unb war überzeugt, bah es nur aus Haß gegen sie geschehen war.
„Sie hat mich bei ihm verleumden wollen!" sagte sich Käthe, und war froh, daß sie Felix alles gebeichtet hatte, was er hatte wissen dürfen, bis auf das letzte — und da war jede Beichte überflüssig geworden.
Um ihn zu beruhigen, schlug sie ein anderes Thema an und merkte, wie froh et darüber war. Sie lächelte jedoch: bertn sie hakte nun wieder die beglückende Ueberzeugung, daß Felix sie wahrhaft liebte, und diese Gewißheit gab ihr die vollkommene seelische Ruhe zurück. Mit keinem Worte kam sie in den nächsten Tagen auf Isolde
wurde auf fünf Treffer gefochten. — In der ersten Runde kreuzten
Tv. 1860 Bad-Rauheim — Tgde. Friedberg die Klingen. Die besser geschulten unb kampferfahreneren Rauheimer gingen gleich in Führung unb konnten die Drei ersten Siege für sich buchen. Im dritten und vierten Gang holte Friedberg etwas auf, vermochte aber im weiteren Verlauf des Kampfes den Ausgleich nicht mehr herbeizuführen. Rach dem neunten Gefecht verliehen die Mannschaften den Fechtboden mit dem Ergebnis von 6:3 Siegen für Bad- Rauheim bei einem Trefferverhältnis von 33:22. Die ersten zwei Punkte des Kampfes wurden für Dab-Rauheim gebucht. — Dann begegneten sich bie Mannschaften von
To. wehlar — 2Hfo. Gießen.
Die Wetzlarer schlugen den Gegner hoch mit 8:1 Siegen. Das Trefferverhältnis 42:26 bezeugt aber, baß bie Mtv.er sich der überlegenen Wetzlarer Drei nur mit angestrengtestem Kampfeswillen gebeugt haben. Bürck gewann gegen H. Mulch 5:2, Bürck, Vogel und Hennig machten auch dem Wetzlarer Hövels den Sieg nicht leicht. Selbst der treffliche Wetzlarer K. Mulch mußte es sich gefallen lassen, von Vogel vier Tresser zu erhalten. — Die dritte Runde sah als Gegner
2Tlfo. Gießen — Tv. 1860 Bad-Rauheim, dessen Mannschaft mit den besten.Siegesaussichten an dem Gesamtkampf teilnähm. Das Ergebnis konnte nicht gut anders lauten, als bas ber vorherigen Begegnung: Bad-Rauheim gewann hoch mit 8:1 Stegen bei einem Sref- ferverhältnis von 43:21. Auch hier war es Bürck, der ben Gießenern ben einen Sieg holte. — Näher an ben Sieg kam
von Kletten zurück, und Felix war ihr aufrichtig dankbar dafür.
Er selbst fuhr oft nach Altberg hinüber, auch wiederholt nach Berlin: aber Käthe dachte nicht daran, Surnau zu verlassen, selbst, nachdem Sänke Adelheid nach Wiesbaden abgereist war.
Sie fühlte sich so sicher, daß sie niemals bestrebt war, neuen Begegnungen mit Berndt Klausen auszuweichen: wohl aber schien dieser sie zu meiden.
Und wieder einmal war Felix in ber Hauptstadt.
Käthe hatte einen längeren Spaziergang unternommen und war schließlich müde geworden, so daß sie sich im Walde auf einen Baumstamm setzte, der gefällt am Wege lag.
Sie spielte mit dem Sonnenschirm, den sie mitgenommen hatte, und dachte an allerlei unb nichts, als plötzlich ein Schatten auf die seltsamen Kritzeleien fiel, die sie mit der Schirm- spitze in den Boden gezeichnet hatte.
Ohne groß zu erschrecken, schaute Käthe auf. Aber ihr' war, als müßte das Herz ihr ftill- stehen, als sie Berndt Klausen vor sich stehen sah-
In dieser Sekunde wußte sie auch, daß nicht ber Zufall ihn hierhergeführt hatte.
Dieser eine Blick in sein Gesicht verriet ihr, daß er sie wiedererkannt, baß sie sich zu früh dem Gefühl vollkommener Sicherheit hingegsben hatte.
„O mein Gott!" dachte sie. „Was will er von mir?“
Da sah sie, bah er sich vor ihr verneigte, nicht ehrerbietig wie an ben borangegangenen Sagen —nein, nur leicht, nachlässig, vertraulich fast; dabei sagte er halblaut:
„Guten Sag. Käthe!"
Da wußte sie, daß alles, alles vergebens gewesen war. Jetzt war die Stunde da, die sie gefürchtet batte, seit dieser Mann zum zweiten Male in ihrem Leben auf getaucht war.
Zugleich aber erwachte in ihr der feste Wille, sich durch ihn ihr Glück nicht zertrümmern zu lassen. Sie dachte an die Verzweiflung, die sie in London um seinetwillen hatte erleiden müssen, als er sie schnöde verlassen hatte.
Tiefste Empörung war in ihr.
Aber sie hatte zu ihrer Verteidigung keine andere Waffe als — Lüge.
Erlogen war es, als sie nun hochmütig auf- stand, als ihre blauen Augen ihn voll Entrüstung anblitzten, und sie hatte Mühe, ihrer Stimme einen harten Klang zu geben, als sie hervorstieß:
„Herr Klausen, was unterstehen Sie sich?!"
Doch er lächelte nur, nicht einmal spöttisch, sondern fast nachsichtig, und so erwiderte er:
„Darf ein Marrn seine Frau nicht mit ihrem Vornamen anreden?" (Fortsetzung folgt)


