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erhöhung nicht tragen. Die deutschnationalen An­träge erbrächten über die in der Regierungs­vorlage errechnete Ersparnis von 92 Millionen hinaus eine weitere Ersparnis von rund 160 bis 170 Millionen. Der Red­ner brachte dann noch eine Ergänzung seines Antrages dahingehend vor, daß bei der Ab­staffelung der Unterstützungen nach der An­wartschaftszeit die Leistungen einer höheren Klasse in derselben Staffel nicht die einer unteren Lohn­klasse unterschreiten dürsten.

Abg. Schneider (Dem.) sah In den bis- herigen Beschlüssen des Ausschusses eine wesent­liche Verbesserung der Regierungsvorlage. Erheb­liche Ersparnisse könnten damit erzielt werden. Eine allgemeine Herabsetzung der Leistungen wür­den die Demokraten ablehnen. Dagegen könnten sie einer Verlängerung der Warte zeit für die Ledigen zustimmen. Rotwendig sei eine besondere Behandlung der Sai­sonarbeiter in der Frage der Wartezeit. Hier müsse beim Eintritt der berufsüblichen Ar­beitslosigkeit die Wartezeit länger bemessen wer­den als bei den übrigen Arbeitslosen.

Rach "weiterer Diskussion vertagte sich der Ausschuß, ohne Beschluß gefaßt zu haben, auf Donnerstag, 15. September.

gebungen der Araber statt, an denen etwa 20 000 Personen teilnahmen. Da die Kundgebun­gen im Zusammenhang mit den Ereignissen in Palästina standen, war das jüdische Vier- t e l durch die Wehrabteilungen abgesperrt. Auch die Bazare, Geschäfte und Hotels waren verbarrikadiert.

Entschließungen des Reichsmietertages.

Berlin, 28. Aug. (Priv.-Tel.) Der Reichs­bund deutscher Mieter, der in diesen Tagen in Eisenach zusammengetreten war, faßte Entschlie­ßungen, die sich erstens mit der Mietzins- höhe, zweitens mit dem M i e t r e ch t befaß­ten, und drittens die Schaffung des endgül­tigen Reichswirtschaftsrates forder­ten, und sodann die alsbaldige Vorlegung und Verabschiedung des Wohnheim st ättenge- s e h e s nach den Beschlüssen des ständigen Aus­schusses für Heimstättenwesen beim Reichsarbeits­ministerium verlangten, damit die Gemeinden endlich in die Lage verseht würden, Boden- vorratswirtschaft und eine gesunde Woh-

kesitzern ins Benehmen zu sehen, damit diejeni­gen Filme, die zu Kundgebungen Anlaß geben könnten, g e st r i ch e n werden. Rach dem Paris Midi", der von einer Verordnung des Innenministeriums und der Polizeipräfektur spricht, handelt es sich um Aufnahmen, in denen Snowden sichtbar wird. Als am Dienstag in den Pariser Kinotheatern die Wochen­schau mit Bildern aus dem Haag vor- gesührt werden sollte, verlangten vor der Vor­stellung Polizeibeamte die Absetzung der Wochenschau vom Spielplan. Man befürchtete, daß es bei dem Erscheinen des englischen Schah­kanzlers auf der Leinewand zu Mißfallenskund- gebungen gekommen wäre.

Französische Anmaßung.

Saarbrücken, 28. Aug. (TU.) Bei der Stadtverwaltung von Saarbrücken ging dieser Tage ein vom französischen Ministe­rium des Innern abgesandtes Schreiben ein, das die Adresse trägt:An den Maire der Stadt Saarbrücke n". 3n diesem Schreiben wird die Stadt Saarbrücken ersucht, für den Bau eines neuen französischen Ra­tion aldenkmals einen Zuschuß zu l e i st e n. Falls der Bürgermeister persönlich nicht in der Lage sein sollte, die Sammlung selbst zu leiten, wird er aufgrfordert, einen Ausschuß zu bilden, der für die Sammlung verantwortlich ist. Die Ramen der Mitglieder des Ausschusses sind nach Paris zu melden. Man fragt sich nun, ob man in Paris noch immer nicht weiß, daß Saarbrücken eine rein deutsche Stadt ist und das Saargebiet unter der vorläufigen Verwaltung des Völker­bundes steht.

Entschließungen des Genfer 7!aiionalitätenkongresses.

Genf, 28. Aug. (WTB.) Der 5. Europäische Rationalitätenkongreh hat seine Arbeiten mit der Annahme verschiedener Entschließungen ab­geschlossen. Die wichtigste betont, daß der Völ­kerbund als Hüter der vertrag­lichen Minderheitsschuhbestimmun- gen bisher versagt habe. Die übrigen Ent­schließungen betreffen organisatorische Fragen, wie die Schaffung eines intereuropäi­schen Instituts für Rationalitäten­kunde, die Bildung eines Verbandes der Min­derheitenjournalisten und die Hinzuziehung von Minderheitenvertretungen zur internationalen geistigen Zusammenarbeit im Rahmen des ent» sprecAnden Dölkerbundsausschusses. In seiner Schlußrede würdigte Präsident Wilf an, Triest die Erfolge, die der Kongreß in den fünf Jahren seines Bestehens erzielte, und richtete an die Kongreßmitglieder das dringende Ersuchen, im Interesse der Fortführung und Durchführung der angestrebten Ziele die bisher geübte Soli­darität weiter zu pflegen. Der Präsident ent­kräftete den Vorwurf, daß die Forderung nach Kulturautonomie eine Erfindung der RcuAriegszeit sei. In Wirklichkeit sei diese Forderung bereits auf dem klassischen Boden der Kulturkämpfe im alten Oesterreich zu finden. Das Ziel des Kongresses sei der Friede und die gegen­seitige Achtung unter den europäischen Völkern, wofür der Kongreß bewußt und aufrichtig arbeite.

Boni Lustschiff zum Flugzeug übergestiegen.

Cleve land, 28. Aug (WTB. Funkspruch.) Im Verlaufe von Schauflügen, die auf dem hiesigen Flugplatz gestern nachmittag veranstaltet wurden, stieg Leutnant Boloer von der Marinestation Lakehurst von dem Luftschiff Los Ange­les, das mit 72 Kilometer Geschwindigkeit "fuhr, in ein angehängtes Flugzeug über. Es ist dies der erste Versuch, vom fahrenden Luft­schiff auf ein fliegendes Flugzeug überzusteigen.

Schlechte Aussichten für die Reichskaffe.

Das drohende Defizit im Reichshaushalt. - Oer Zwang zum Sparen für die öffentliche Zinanzwirtschast.

nungsbaupolitik zu betreiben. In den Entschlie­ßungen heißt es u. a.:

Jede Mieterhöhung ist unbedingt abzulehnen. Die Reubaumiete ist durch geeignete Maß­nahmen bis auf die Höhe der gesetzlichen Miete zu senken. Die H a u s z i n s st e u e r ist zu be­seitigen. An die Stelle der Hauszinssteuer ist eine für das Reich einheitliche Wohnungs­bau st euer zu schaffen. Solange die Hauszins­steuer besteht, ist sie restlos für He Zwecke des kommunalen und gemeinnützi­gen Wohnungsbaues, insbesondere auch zurSenkung der Reubaumieten, zu verwenden. Die gesetzliche Miete ist so­fort unter Herabsetzung der Hauszinssteuer um den gleichen Betrag auf 100 Prozent der Friedensmiete zu senken. Die Instand­haltung der Wohnung ist durch reichsgesehliche Bestimmungen zu sichern."

Weiter fordert der Mietertag eine soziale Ausgestaltung des Kündigungsrech- t e s. Der Mietzins müsse angemessen sein. Die Aufgaben der Wohnungsfürsorge, Wohnungs­aufsicht und Wohnungspflege seien den Gemein­den zu übertragen. Obdachverpflichtung der Gemeinden sei zwingend. Schließlich werden M i e t g e r i ch t e verlangt und als zweite Instanz Landesmietgerichte. Vertreter der Mieterorganisationen seien zwingend in allen Verfahren als Rechtsvertreter zuzulassen. So­lang,: das soziale Miet- und Wohnrecht nicht geschaffen sei, dürfe ein weiterer Abbau des Mieterschutzes nicht erfolgen. Der Mietertag for­derte ferner die Berufung eines Vertreters des Reichsbundes der deutschen Mieter als stän­diges Mitglied in den Reichswirtschaftsrat, und zwar spätestens mit der Schaffung des endgülti­gen Reichswirtschaftsrates.

Gespannte Lage in Palästina. Man befürchtet einen allgemeinen Araber­aufstand.

London, 28. Aug. (WTB.) Das Kolonial­amt gab heute abend folgenden Bericht aus: Es ist keine besondere Veränderung in der Lage in Palästina zu verzeichnen. Jeru­salem, Jaffa und Haifa sind ruhig, Unruhen in der Umgegend von Haifa wurden von einer Landungsabteilung des SchlachtschiffesBar- ham" unterdrückt. Flugzeuge beobachteten das Llnruhegebiet und feuerten auf Trupps von Arabern in der Umgebung von Haifa, Ramleh und dem Hügelland um Jerusalem. Gestern abend wurden wiederholt Angriffe gegen Beit Alpha, 6 Kilometer westlich von Bei­san, von einer Abteilung transjordanischev Grenztruppen erfolgreich abgeschlagen. Die Tele­phonleitungen von Jerusalem nach Razareth, Haifa und Tiberias sind durchschnitten worden. Die Lage im Transjordanland ist normal.

Der TU. wird aus Jerusalem gemeldet, daß man dort trotz der Anwesenheit starker englischer Truppenkontingente einen allgemeinen arabischen Ausstand befürchtet. Die letzte Rächt verlief zwar ruhig, nur in der Vorstadt Bethhakerem sind einige Plünderungen borge* , kommen. Rach der Ansicht nationaljüdischer Kreise ' ist dieser angeblich jüdisch-moslemische Konflikt tatsächlich eine englandfeindliche Bewe­gung der Araber. Bisher sind im ganzen acht jüdische Siedlungen zerstört worden, wobei die Einwohner verschleppt oder getötet sein sollen. Man zählt im ganzen 110 jüdische Todesopfer. Der jüdische Selbstschutz unter Führung jüdischer Studenten aus Oxford versucht, mit allen Mit­teln, seine Volksgenossen vor weiteren Ueber- sällen zu schützen. Die Zeitungen in Palästina haben ihr Erscheinen eingestellt.

Kundgebungen in Syrien und Aegypten

Beirut, 28. Aug. (Reuter.) Eine aus shri­schen Mohammedanern, Christen und Juden be­stehende Abordnung zog heute vormittag nach dem Palast des Präsidenten der syrischen Repu­blik, um gegen die Verdrängung der eingeborenen Bevölkerung Palä­stinas durch die Zionisten Einspruch zu erheben. Dem Zug wurden französische und sy­rische Flaggen vorangetragen. Zwischenfälle er­eigneten sich nicht. In Damaskus wurden bei einem Zusammenstoß zwischen einer Men­schenansammlung und Polizisten mehrere Per­sonen verletzt. In Hama sind die Bazare ge­schlossen: doch herrscht im übrigen Ruhe. In Kairo fanden am Mittwoch große Kund-

Eröffnung des Freiburger Katholikentages.

Freiburg, 28. Aug. (WTB.) In der für die Abhaltung der 68. Generalversammlung der deutschen Katholiken besonders errichteten Schwarzwaldhalle wurde vom Präsidenten des Lokalkomitees, Geheimrat Herder, der Frei­burger Katholikentag eröffnet. Anwesend waren u. a. der Runtius Pacelli, der badische Staatspräsident Dr. Schmitt, der bayerische Ministerpräsident Held, Vertreter der Katho­liken aus Ungarn, der Tschechoslowakei, Frank­reich, Hollaird, Japan usw. Geheimrat Herder gab einen Rückblick über die Geschichte der Erz­diözese Freiburg. Stürmisch begrüßt wurden seine Willkommensworte an die Vertreter der katholi­schen Bevölkerung des benachbarten Elsaß. An den Papst wurde eine Adresse gesandt, in der auf das Leitmotiv der Veranstaltungen bezug genommen wird, nämlich auf die großen Ge­fahren, die der christlichen Familie der Ge­genwart von allen Seiten drohen. Gleichzeitig gedenkt die Adresse des weltgeschichtlichen Ereig­nisses der Aussöhnung 3tauend mit dem Hei­ligen Stuhl. Die Anbellnahme der gesamten Bevölkerung zeigt sich auch im Straßenbild. Es gibt im Inneren der Stadt kaum ein Haus, das nicht festlichen Schmuck trägt.

Reform der Krankenversicherung.

Berlin, 29. Aug. (WTB.) Das Arbeite Ministerium bereitet lautVoss. Ztg." zur Zeil eine Reform der Krankenversicherung vor, deren Entwurf voraussichtlich zu Beginn des Winters den parlamentarischen Körperschaften zugehen wird. Die Reform soll eine Rationalisie­rung der Leistungen undder Organik s a t i o n herbeiführen. Durch Einschränkung un­nötiger und Ausmerzung von Doppelleistungen hofft man, ohne Erhöhung der Bei­träge die sozialpolitisch bedeutsamen Aufwen­dungen der Kassen steigern zu können.

Nie Arbeitslosenversicherung im sozialpolitischen Ausschuß.

Berlin, 28. Aug. (VDZ.) Der Sozialpoli­tische Ausschuß des Reichstages setzte die Einzel­beratung der Rvvelle zum Arbeitslosenversiche- rungsgeseh fort mit der Desprechung der zurückge st eilten Ziffern, die die Haupt­streitpunkte der Reform der Arbeitslosenversiche­rung betreffen. (Erhöhung der Deitragsleistun- gen, Staffelung der Arbeitslosenunterftützung je nach Arbeitsentgelt und Deschäftigungsdauer, Be­handlung der Saisonarbeiter usw.)

Vorsitzender Dr. Esser (Z.) erklärte, daß seine Partei nach der eifrigen Mitarbeit im Sachverständigenausschuß eine lückenlo-se Vorlage erwartet habe. Die Deckung sei nicht vollständig. 4 7 Millionen seien un­gedeckt. Wenn man also heute zu Abstimmun­gen kommen sollte, so sei die Abstlmmung seiner Freunde heute nur eine vorläufige. Er bitte den Minister, die Reichsanstalt zu einer Schätz ung de r Ersparnisse zu veran­lassen, in denen die beschlossene Beseitigung der Mißstände sich auswirken werde.

Abg. Graßmann (S.) stellte Rechnungen über die finanziellen Auswirkungen der vorgeschlagenen Maßnahmen zur Abstellung der Mißstände an und bemerkte, wenn diese Abstellungen gelingen, werde eine vollständige Sanierung der Anstalt auch mög­lich sein. Seine Fraktion wollte die Auswirkung dieser Maßnahmen abwarten. Ein Abbau der Un­terstützung werde sich auch in den Lohnforderungen auswirken. Wenn die Maßnahmen zur Sanierung nicht ausreichten, müßten Mittel der Allgemeinheit herangezogen werden.

Abg. S) u e d (DV.) erklärte, seine Fraktion halte unverändert daran fest, daß die Sanierung der Reichsanstalt durch geeignete Reform­maßnahmen ohne Beitragserhöhung möglich sei. Die Reform dürfe allerdings nicht be­schränkt bleiben auf die Saisonarbeiter, sondern müsse auf die Allgemeinheit der Erwerbslosen aus­gedehnt werden, soweit ihre Anwartschaft unter 52 Wochen bleibe. Auch einer befristeteten Bei­tragserhöhung könne die Volkspartei nicht zustim- men. Eine Verlängerung der Wartezeit für berufsmäßige Arbeitslose von zwei Wochen auf drei Wochen sei erforderlich und keines­wegs unbillig.

Abg. Haß lach er (Dn.) wiederholte den grundsätzlichen Standpunkt seiner Fraktion, daß die Reichsanstalt in sich selbst saniert werden müsse dergestalt, daß die Ausgaben den Einnahmen angepaht würden, was durch Annahme seiner Fraktionsanträge möglich sei. Die deutsche Wirtschaft, könne eine Deitrags-

im Zusammenhang mit dem Zurückbleiben hinter den Soll-Ansätzen ergeben eine derart große Belastung für die Reichsfinanzen, daß es heute noch gar nicht zu übersehen ist, wie hier ein Ausweg gefunden werden kann.

Dieser Ausweg ist aber einzig und allein durch ein rigoroses Sparsystem zu finden, und durch eine Finanzreform an Haupt und Gliedern, bei der eben alle in Mitleidenschaft gezogen werden müssen, geht es doch hierbei um das Reich, also um das Ganze, dem zu opfern alle als Teile desselben verpflichtet sind. Kommunen und Länder, ja selbst jeder einzelne Staatsbürger, muß mit dazu beitragen, daß der Reichshaushalt in Ord­nung kommt. Voraussetzung dazu ist allerdings, daß das Reich selbst dabei den Anfang macht. Auch die Reichsausgaben müssen eingeschränkt werden. Rur dann werden auch die Teile des Reiches zu überzeugen sein, ebenfalls an den Einschränkungen teilzunehmen. Der Finanzausgleich muß für das kommende Rechnungsjahr reformiert werden. Es muß eine Kürzung der EtatsPosi­tionen soweit wie es nur irgend möglich ist, durchzuführen sein, und schließlich müssen alle Aus­gaben Wegfällen, die nicht unbedingt lebensnotwen­dig sind. Es ist daher durchaus begreiflich, daß der Reichsfinanzminister darauf besteht, die Reform der Arbeitslosenversicherung so durchzuführen, daß das Reich fortan nicht mehr in Mitleidenschaft gezogen zu werden braucht. Wird man dieses Programm durchführen, dann werden die Einsparungen, die der Poungplan erbringen wird, dazu zu verwenden sein, um auch einmal an die schon seit langem er­wartete Senkung der Steuern heranzu­treten. Aber im Augenblick geht es darum, im Wege Der Einschränkungen eine geordnete Finanzlage des Reiches sowie der Länder und Kommunen wieder­herzustellen.

Berlin, 28. Aug. (Priv.-Tel.) Die Vor­arbeiten für den neuen Etat gehen ihrem Ende zu und schon wirst der Abschluß des laufenden Rechnungsjahres recht bedrohliche Schatten vor­aus. Die Reichskasfe bekommt das Geld nicht ein, das im Soll angeseht war. Der Vierteljahrs­abschluß der Reichsrechnung zeigt, daß die Ein­kommensteuer um 25 Millionen, Llmsahsteuer um 35 Millionen und die Zölle um 75 Millionen gegenüber dem Voranschläge imRück- st a n d sind. Das kommende Etatsjahr wird des­halb ein Defizitjahr werden. In politischen Kreisen rechnet man Damit, daß das Defizit etwa 260 Millionen Mark erreicht. Tritt nun der Voungplan in Kraft, so erfährt die Reichskasse allerdings dadurch eine Esrleichterung von 460 Millionen Mark, die aber sowohl von dem Defizit des ordentlichen Haushaltes von 1928 als auch des kommenden Defizits für 1929 f a st restlos auf gebraucht werden. Aus diesem Grunde mühte sich eigentlich eine Sen­kung der Ausgaben ergeben. Dem ist aber nicht so. Denn erstens müssen im neuen Etat di e Raten des belgischen Markabkom­mens figurieren, außerdem di e Zinsen der R e i ch s k r e d i t e, die zur Deckung des Kassen­defizits ausgenommen wurden und dann i. .'.men noch die in einer Höhe von 100 Millionen Mark angeforderten Beträge des Reichs- arbeitsministeriums hinzu, die dieses für die Krisenfürsorge, die Invalidenver­sicherung und die Kriegsbeschädigten braucht. Weiter sind noch 47 Millionen Mark des Defizits der Arbeitslosen - Versiche­rung zu decken und außerdem wird ja auch ein­mal ein Betrag zur Durchführung des West- Programms eingesetzt werden müssen, das ebenfalls zu denzwangsläufigen" Ausgaben zählt. Kurzum, die Anforderungen an die Reichskasfe

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Wettervoraussage.

Das britische Tief ist unter Abflachung nordöstlich weitergewanDert und somit für unser . Wetter ziem- lich ungefährlich geworden, lieber Deutschland hat wieder Luftdruckanstieg eingesetzt, so daß sich eine Brücke hohen Druckes heranaebildet hat, die die Verbindung zwischen dem Azorenhoch und dem Rußlandhoch herstellt. Wenn auch auf der Rückseite der abziehenden Störung zeitweise ozeanische Kalt­lustmassen zufließen, die stellenweise gewitter- drohende Bewölkung Hervorrufen werden, so behält doch im allgemeinen Der hohe Druck die Vorherr, schäft und läßt das sommerliche Wetter zunächst noch fortbestehen.

Wettervoraussage für Freitag: Hei­ter, vorübergehend gewitterdrohende Bewölkung, Temperaturen wenig verändert, trocken.

Wettervoraussage für Samstag: Wenig Aenderung Der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 28. August: mittags 28,6 Grad Celsius, abends 19,2 Grad; am 29. August: morgens 17 Grad. Maximum 29 Grad, Minimum 13,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. August: abends 24,4 Grad: am 29. August: morgens 18,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 10 Stunden.

Polnische Manöver.

Berlin, 28. Aug. (Priv.-Tel.) Die Polen, de­nen das Kriegspielen Spaß macht, veranstalten jetzt an der deutschen Ost grenze in der Ge­gend von Bromberg große Manöver, von denen das erste am 10. September beendet werden soll. Wie wir erfahren, finden diese Manöver i n einem besonders großen Rahmen statt, denn man hat polnischerseits ein Menschen­material nach dieser Gegend befördert, wie es bis­her noch niemals bei polnischen Manövern Der Fall war. Aus Der Anlage Der Manöver erkennt man, daß sie sich ausgesprochen als Probe- kampf gegen Deutschland Dartun, Denn so­wohl die einzelnen Dispositionen als auch Der ganze Aufmarsch der polnischen Truppen lassen Darauf schließen, Daß es sich hierbei gewissermaßen u m eine strategische Feuerprobe handelt. Die mannigfachen Vorfälle von Heber fliegen Der Deutschen Grenze Durch polnische Militärflugzeuge Dürften sich Daraus eben­falls erklären lassen. Wenn auch Deutscherseits ge­genüber Diesen polnischen Manövermätzchen nichts unternommen werden kann, so erscheint es Doch angebracht, Diese merkwürDig herausfordernden pol­nischen Hebungen zur Kenntnis zu nehmen, um sie einmal im gegebenen Falle zur Sprache bringen zu können.

Der KonW m die Mandschurei.

Russisch-chinesische

Ausgleichsvcrhandlungen in Berlin?

London, 28.Aug. (TU. Funkspruch.) Im Aus­wärtigen Amt in Nanking herrscht auf Grund eines Meinungsaustausches zwischen Dem chinesischen unD russischen GesanDten in Berlin Die Auffassung, Daß Die Aussichten für eine Beilegung des ostchinesischen Eisenbahnkonfliktes sich wesentlich gebessert haben. Daß man in Moskau bereit fei, Die Verhandlungen aufzunehmen, wenn China zuvor in die Ernennung eines neuen sowjetrussischen Leiters Der Bahn ein- willige, wirD als Zugeständnis gegenüber Dem bis­herigen russischen StanDpunkt aufgefaßt. Angeblich sinD Die beiden anderen Forderungen Der sowjet­russischen Regierung auf Herstellung Des Status quo ante und Der Freilassung Der Gefangenen bei Diesem neuen Schritt nicht erwähnt worden. AnDere Stellen jeDoch finDen in Dem neuen Schritt RußlanDs keine Meinungs- önDerung, Da RußlanD stets Den StanDpunkt ver­treten habe, daß Die Personalfrage vorher geklärt roerDen müsse. Im übrigen lägen GrünDe für Die Annahme vor. Daß RußlanD sein Ultimatum Dem chinesischen GesanDten in Berlin gegenüber wieder- holt unD China erneut vor Den Folgen gewarnt habe. Das Nankinger Auswärtige Amt hat Dem chinesischen GesanDten in Berlin telegraphisch Die Anweisung erteilt, Die Deutsche Regierung zu bit­ten, weitere Nachforschungen Darüber an­zustellen, ob Die sowjetrussischen AufstänDe auf chine­sischem Gebiet auf Anweisung von Mos­kau erfolgt seien. An Berliner zuständiger Stelle ist von einer Derartigen Bitte Des chinesischen Auswärtigen Amts noch nichts bekannt.