Montag, 29. Juli 1929
Ur. 175 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
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Don unserem ständigen ilirchdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Madrid, 19. Juli.
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Oer moderne Vagabund.
Ts gibt auch heute noch Landstreicher, und die Romantik der Landstraße ist noch nicht ausge. storben. Haben doch die Vagabunden vor kurzem sogar in Stuttgart einen richtigen Kongreß ab- gehalten. Man findet auch heute, wie Professor Dr. Hans Druhle im Augustheft von Del- hagen & Klasings Monatsheften schreibt, unter den Landstreichern reizvolle und eigenartige Charaktere. Wenn man sich erzählen läßt, wie ein passionierter Wanderer in seinem dritten Lebensjahrzehnt zu Fuß über die Alpen nach Italien kommt, wie sich in seiner Perspektive ine Fremde cruSnimmt, wie er es versteht.
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Hochschulnacknchien.
Der beamtete außerordentliche Professor für Statistik in der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Jena Dr. Paul chermberg ist zum persönlichen ordentlichen Professor ebenda ernannt worden.
tuhrnährne. Die Gestalt ledoK regte: srch nichts tnb die Dunkelheit der Dacht bkeb undurch- triirglich. Gut möglich, daß es nur ein Brett |tr mochte, das am Baume lehnte, oder ern M cidungsstück, das man zum Lüften nrrsgehangt saite, oder irgendein anderer Gegenstand, tote ran oft in der Dacht vor etwas erschrtat, was fidg bet näherer Betrachtung als sehr harmlos irtreift. Aber ich war unruhig, zumal tch an sie Haustür dachte, die ich unverschlossen vor- ke'anden, und weil ich mich mit dem alten Groh- ta er allein zu Hause wußte.
Schließlich griff ich vorsichtig nach mein« Sachen lampe, die auf dem Schreibtisch lag. Ich
i.^igen Bewohner des Hauses.
In jener Dacht kam ich gegen zehn Ihr aus ter Stadt zurück und war etwas verwundert, ie Haustür nicht abgeschlossen zu finden, ent- ccgm der sonst streng gewahrten Ordnung. Ich Bähte aber, daß der Großvater, wie wir ihn innten, heute allein zu Hause war, weil seine jetten Töchter an einem Fest in der Stadt teil« rahmen, und ich sagte mir, der alte Mann habe v einfach vergessen. Ich schloß hinter mir zu
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bisher ist es wohl nur selten in der Geschichte kgetvmmen, daß ein Diktator sich freiwillig ner Machtstellung begibt und noch dazu vor nem Rücktritt die Wege zur Einführung neuer cHmähiger Derhältnisse im Lande ebnet, r . m o d e Rivera hat schon seit zwei Iah- eine Kommission der beratenden Rational-
Oie Gestalt im Garten.
Son Fried Ranihsch.
£3 mag sein, daß in dem folgenden Erlebnis iWllammenhänge vorliegen, die nicht mehr als »i«.ürlich" zu bezeichnen sind.
Ich wohnte in einer Billa ziemlich weit vor t?c Stadt, in einem Giebelzimmer, das nach V m Garten hinausging. Im Erdgeschoß lebten rei unverheiratete Schwestern, beide schon m cc Dreißigern, mit ihrem Vater, einem alten tcicn von etwa siebzig Iahren. Wir waren die
Staatssekretär V, 'Abenteurer G.^ u d v Beteiligung le° Verschwinden j spannende
Verbrechern r um.
Sonnenaufgang: 4,20 ilfjr, Sonnenuntergang: 19,51 Ihr. — Mondaufgang: 23,13 Ihr, Mond« untergang: 14,11 Ihr. . r
1838: der Politiker Eugen Richter in Düsseldorf geboren (gestorben 1906); — 1898: Fürst Otto von Bismarck in Friedrichsruh gestorben (geboren 1815); — 1914: Mobilmachung in Rußland; — 1918: der Generalfeldmarschall H. von Eichhorn in Kiew ermordet.
Bornotizcn.
— Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhof str.: „Abenteurer G. m. b. H."
— Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Die Inszenierung der Tragödie „Salome" in einem Akt von Oscar Wilde hat Intendant Dr. P rasch selbst übernommen. Besonderes Interesse dürste diese Deueinstudierung dadurch erwecken, daß das Stück auf der Waldbühne zur Aufführung gelangen soll, die als Schauplatz für die Handlung besonders geeignet erscheint. Die Titelrolle spielt und tanzt Trude Heß, das Elternpaar, Herodes und Herodias, wird von Ebert-Grassow und Lieselotte Fuhrmann dargestellt. Es wirken ferner mit Ilse Iahn (Page der Herodias) und die Herren Hais (Iochanaan), W e s e n e r (der junge Syrier), Arzdorf, de Castro, Dom- rnisch, Haeser, Heitzig, Hub, Linkmann, Tannert, Volck, Zingel. Die musikalische Leitung hat Kapellmeister Bauer jun. Der Tanz der Salome wurde einstudiert von Frau Dr. Rosenberg jun. Inspektion d e C a st r o. Beginn 21 Ihr, Ende 22.15 Ihr. Vor und nach der Vorstellung verstärkter Stra- ßenbahnverkehr. Wenn die Vorstellung wegen ungünstiger Witterung im Stadttheater statt- findet, wird dies durch Aushängen von Fahnen ab Mittags angezeigt.
Aus der Provinzialhauptstadt
Gießen, den 29. Iuli 1929.
Mittagsgespenst.
Wenn im Dörslein die Glocke zum Mittag läutet, dann liegt eine große Stille über den Feldern des reifenden Getreides. Glutet an heißen Tagen schwer die Sonne darauf, dann webt ein eigenartiger Hauch über den goldgelben Flächen, wie ein flimmerndes Atmen aus lebender Scholle; geht aber der Wind durch die Aehren, dann wogt es wie Wellenspiel des Meeres... Großmutter aber sagte zu uns Kindern: „Geht nicht in der Mittagsstunde in das reifende Korn, da ist das Mittagsgespenst darinnen und ihr kommt nicht mehr heim oder nehmt körperlichen Schaden, werdet behext mit allerlei Gebrechen."
3a, so war es damals ... da lebten in den Feldern geheimnisvolle Dämonen, die nicht eher aus der Flut der Halme herauswichen als bis zum letzten Erntetage. Selbst dann flohen sie vor den Sensenhieben der fleißigen Schnitter bis hinein in die letzte Garbe. Verschieden waren die Bräuche, die sich an diese letzte Garbe knüpften: die einen durchstachen sie mit den Sensen, um den Dämon, der in verschiedenen Gestalten gedacht wurde, zu töten; andere wieder wickelten den Schnitter, der die letzte Garbe mähte, darin ein und fuhren ihn als den eingefangenen „Roggenwolf" auf dem Erntewagen im Triumph nach Hause, während andererorts die letzte Garbe ungedroschen aufbewahrt wurde, damit, so hieß es, der segenspendende Geist bis zur nächsten Ernte darin bliebe, solange noch Körner in der Aehre sind.
Der Geist der Zeit entthronte Götter, riß den Schleier des Geheimnisvollen aus Wald und Feld, und wenn heute die Mähmaschine die goldenen Halme umlegt, dann... Ob wohl noch in der unheimlichen Stille dieser Dacht, es kam von der Lampe her, ein feines, gleichsam gequältes Klingen, das abbrach und sogleich wieder einsehte, eine Folge solcher Töne von zunehmender Höhe und Eindringlichkeit, während das Licht in gleichem Maße dunkler wurde, nur noch rot glühte und mit dem letzten und stärlsten dieser Töne endgültig erlosch. Hierauf war beklemmende Finsternis und Stille.
Am Morgen erwachte .ich von großer In- ruhe im Hause, jemand schrie laut. Tritte polterten die Treppe zu mir herauf. Man rief mir zu, ich solle kommen und helfen, der Großvater habe sich im Garten erhängt.
Ich sah ihn von meinem Fenster aus; er war jfne Gestalt, die unbeweglich neben dem Daum zu stehen schien, während er in Wirklichkeit an einem niedrigen Aste hing. Sein Gesicht war meinem Fenster zugekehrt. —
Ich bin bald darauf in die Stadt gezogen. — Es ist natürlich möglich, daß ich selber im Schlafe das Licht eingeschaltet habe; aber das wäre mir dann in jener Dacht zum ersten und einzigen Male geschehen. Cs mag fein, daß ich Dorrn Einschlafen den Schalter nicht ordentlich herumgedreht habe, zumal ich es hastig tat, und daß er später zurückgegütten ist. Iebrigens war die elektrische Birne i ungebrannt. Die Störungen in der Leitung mögen verursacht haben, daß sie mit jenem seltsamen Sterbegesang er- losch, und es mag Zufall gewesen sein, daß sich dies gerade in jener Dacht ereignete. Aber ich kann nicht umhin, zu denken, ob es nicht vielleicht anders zusammenhängt.
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rat auch dem Anschein nach zunächst nur ein beratendes und die Macht der Krone einschränkendes Organ zu fein scheint, so steht er in Wirklichkeit doch über dem Landtag und über der Regierung, da in der Verfassung die Pflicht zur Anhörung des Kronrats für den König sowohl, wie für die Regierung und den Landtag fe st gelegt, und außerdem das I n t erventionsrecht desKronratsinallenwichtigen Fragen gesetzlich verankert ist. Bei genauerem Studium der oben dargestellten Zusammensetzung des Kronrates erhellt, daß der maßgebende Einfluß des Königs auf dieses Organ außer jedem Zweifel steht, wenn man sich theoretisch betrachtet auch wohl denken könnte, daß der Kronrat einfchränk.nd auf die Befugnisse der Krone einwirke. Iedenfalls bedeutet die Schaffung des Kronrates praktisch eine ganz außerordentliche Stärkung und Erweiterung der Befugnisse des Königs, ebenso wie die Imgestaltung des Landtags die Imwandlung eines Parlaments in eine mehr ober weniger nur mit beratenden Befugnissen ausgestattete Volksvertretung darstellt. Es bleibt noch zu erwähnen, daß in der neuen Verfassung eine Reihe von sozialen Forderungen berücksichtigt sind, die in der alten Verfassung nicht enthalten waren. Dagegen fehlt immer noch die Festlegung des Schulzwanges.
Zusammenfasfend kann gesagt werden, daß sich das Projekt der neuen Verfassung durch radikales Durchgreifen auszeichnet. Bei der Beurteilung darf nicht vergessen werden, daß die Masse des spanischen Volkes politisch recht wenig interessiert ist und infolgedessen kaum ernstlicher Widerstand gegen dieses Dovum von dieser Seite aus zu erwarten ist. Anders verhält es sich mit den ehemaligen Politikern, die mit einem großen Teil der Presse sich strikt ablehnend verhalten. Da die Pressc aber hier nicht als das Sprachrohr großer politischer Volksgruppen angesehen werden kann, ist es leicht möglich, daß dieser Entwurf nach nochmaliger Durchsicht und der einen oder anderen Abänderung im Iah re 1931 doch gesetzliche Form erhalten wird.
muh gestehen, es kostete mich einige Ieberwin- dung, das Licht aufflammen zu lassen. Im übrigen war der Versuch ohne Erfolg, denn der Lichtschein drang nicht durch; nachdem ich mich davon überzeugt hatte, schaltete ich aus und sah wieder im Dunkeln, mit dem peinlichen Gefühl, als müßte nun auch von feiten der mutmaßlichen Gestalt etwas erfolgen. Da sie aber noch immer unverändert auf ihrem Platze verharrte, fing ich an. auf mich selber ärgerlich zu werden; denn wenn es ein Mensch gewesen wäre, nahm ich an, so müßte er sich doch endlich einmal bewegen und hätte alle Irsache, sich zu entfernen. Diese ileberlegungen waren natürlich nicht stichhaltig, aber ich beruhigte mich damit.
Dann kam mir dec Gedanke, es könnte der Großvater sein, obgleich ich nicht einsah, warum er so unbeweglich im Garten stehen sollte. Ich rief zweimal seinen Damen, so laut, daß er es hätte verstehen müssen; es kam keine Antwort. Gleich darauf ging das Licht wieder an. Ich dachte einen Augenblick daran, hinunterzugehen und mich davon zu überzeugen, daß es nichts sei, konnte mich aber nicht dazu entschließen, sondern zog es vor, das Fenster zuzumachen und auch die Vorhänge zwischen mich und die Dacht zu bringen. Ich arbeitete noch eine Weile und ging zu Bett, ohne noch einmal hmauszu- feBcn
Dor dem Einschlafen las ich noch die Zeitung; dann schaltete ich die elektrische Lampe aus, die auf einem kleinen Tisch am Kopfende meines De:tes stand. Ich entsinne mich noch genau an die unbehagliche Empfindung, mit der ich im Dunkeln hastig die Hand von der Lampe zuruck- zog und unter der Decke barg.
3n der Dacht erwache ich — die Lampe neben meinem Bett brennt! Ich verhielt mich völlig still, lauschte mit angehaltenem Atem und versuchte umherzusehen, ohne den Kopf zu betoe* gen. Die Vorhänge waren noch vor den Fenstern. der Schlüssel stak noch in der Tür, die ich abgeschlossen hatte. Das Zimmer war klein und übersichtlich — ich entdeckte nichts darin, lernen Menschen, keine Veränderung. Ob jemand unter meinem Bett läge, brauchte ich nicht festzustellen, denn dieses Bett war eigentlich ein Ruhesofa von solcher Bauart, daß kein Mensch darunter Platz hatte. , . .
Plötzlich ging das Licht aus, flammte wieder auf, und nun erhob sich ein seltsames Geräusch
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v. Oss.-Berichterstatter.
Rand des Abgrundes gebracht. Es ist klar, dah das Haupt ziel der neuen Verfassung die Stärkung der vollziehen, den Gewalt und deren Sicherung gegen parlamentarischen Mißbrauch fein muhte. Gleichzeitig war man bemüht, die Monarchie noch fester zu verankern. Es handelt sich also in der Hauptsache um den Versuch, die allein seligmachende Herrschaft einer ihrer Verantwortung nicht bewußten Mehrheit einzudämmen und trotzdem eine maßgebende Beteiligung des Volkes an der Regelung seiner Geschicke sicherzustellen. Diese Aufgabe hat man in dem Projekt durch zwei grundsätzliche Deuerungen zu lösen versucht.
Erstens durch, eine völlige Imgestaltung der Volksvertretung und zweitens durch Schasfung eines neuen Organs im Staate. An Stelle der bisherigen zwei Kammern, des Landtags und Senats, tritt eine einzige, der Landtag. Während der frühere Landtag sich lediglich aus gewählten Abgeordneten zusammensetzte, bildet sich der neue aus drei verschiedenen Gruppen: aus Abgeord- neten auf Grund direkter, allgemeiner Wahl, aus solchen, welche innerhalb der korporativen Vertretung der wichtigsten Derussgruppen gewählt werden und schließlich aus von 5er Krone zu ernennenden Abgeordneten. Die Gesamtzahl beträgt 412, von denen auf die erste Gruppe 206, auf die zweite 176 und auf die dritte 30 Abgeordnete entfallen. Die Wahlen werden provinzweise vorgenommen, wobei auf 100 000 Einwohner ein Abgeordneter kommt. Iede von den fünfzig spanischen Provinzen muh aber mindesten- zwei Deputierte wählen, auch wenn die Einwohnerzahl 200 000 nicht erreichen sollte. Besonders zu bemerken ist hier noch, daß mindestens sechs, höchstens zwölf Abgeordnete in dieser Gruppe vom ganzen Land direkt zu Wahlen sind und zwar aus den höchsten Würdenträgern des Landes. Aktives und passives Wahlrecht innerhalb der allgemeinen Dörmen haben sämtliche Spanier und Spanierinnen, welche das fünf» undzwanzigste Lebensjahr vollendet haben. Im Gegensatz zu früher sind in dem Projekt nun auch Frauen und Geistliche wählbar und Wahl berechtigt.
Die zweite grundsätzliche Deuerung ist die Schaffung eines K r o n r a i e s. Er seht sich außer den Söhnen des Königs und des Thronfolgers aus 36 Mitgliedern zusammen. Davon sind die Hälfte lebenslängliche Mitglieder, und zwar neun aus eigenem Recht und neun, die der König aus den obersten Würdenträgern ernennt. Die andere Hälfte wird auf die Dauer von zehn Iahren gewählt, wobei wieder sechs davon der Gruppe der Würdenträger, Iniversi- tätsprofessoren, Ex-Minister usw. zu entnehmen sind. Bedingung ist die Vollendung des fünfund- dreißigsten Lebensjahres. Der Präsident des Krvnrates wird vom König ernannt und kann von ihm abgeseht werden.
Die neue Verfassung beschränkt die Gesetzesinitiative des Landtags. Während diese bisher beim König und dem Landtcltz ausschließlich gelegen hat, liegt sie jetzt in bestimmten Fällen, wie in den die Außenpolitik, die Landesverteidigung, die Verfassung betreffenden Fragen und bei Steueränderungen lediglich beim König und seinen Ministern, nach Anhörung des Kronrates. Ferner ist dem Landtag 5as Recht genommen, Mißtrauensanträge gegen die Minister v o r z u b r i n g e n , die allein dem König verantwortlich find. Als Verbindungsorgan zwischen dem König, der Regierung und dem Landtag funktioniert der Kronrat. Er ist praktisch infolge seines Interventionsrechtes in der Lage, in sämtliche Staatsgewalten einzugreifen. Er kann nicht nur vom Landtag beschlossene Gesetze zurückweisen und Kompetenzstreitigkeiten innerhalb der Regierung entscheiden, sondern es obliegt ihm auch das Richteramt über die Minister, die Miternennung der obersten Justizbehörden usw. Wenn der Kron-
- irfaffung und neuer Grundgesetze beauftragt, bei seinem Rücktritt in Kraft treten und
E u Lande eine neue verfassungsmäßige Struk- geben sollen. Die letzte öffentliche Sitzung
V Lieser Saison brachte nun in der Ratio. RilDerfammlung die lang erwarteteVer. Ifang des Vorprojekte s der neuen 3c : f a ff u n g, die an Stelle der alten vom 3il>re 1876 treten soll. Rach Beendigung der 3clefung wies Primo de Rivera in einer tempe. m cntbollen Rede auf die Wichtigkeit dieses | schichtlichen Augenblicks hin und betonte, daß B’!er Akt einen Markstein auf dem Wege zum Teberaufflieg Spaniens darstelle. Gleichzeitig et eß die Regierung an die Zensur die nötigen ÄiOrdnungen, damit der Presse eine umfang» «He Kritik der CKeuerungen, sofern sich diese in ehe n ernsten und sachlichen Rahmen bewege, ermöglicht werde. Primo schloß seine AuSsührun- <sm mit dem Hinweis darauf, daß das Der . I eiben der Diktatur in der Regie. Ung noch weitere eineinhalb Iah re nö- ti; lei, eine Zeitspanne, welche zum gründlichen 6?.i7>ium der Vorschläge und zu ihrer endgül. Ü;m Formgebung unerläßlich sei. Rach dieser i'criobe, welche durch eine Volksabstimmung i‘et die neue Verfassung beendigt werde, sähe fr? Diktatur ihre Aufgabe für erfüllt an.
Shinf) diese ohne Zweifel seltene Sebstlosigkeit tn> Großzügigkeit beweist Primo de Rivera, daß Ihn die Interessen des Landes und die Zukunft br Ration weit über jedes persönliche Inter. |lc gehen. Andere, leichtere Wege standen ihm mt Verfügung, er hat sie nicht beschritten. An. Idle des mühseligen und ehrlichen Versuches, eine neue Verfassung zu schaffen, hätte er all. gemeine Wahlen nach dem berühmten unb berück) - iden Muster des alten Parlaments organi- bren lassen können, wobei ihm die Mehrheit irantiert gewesen wäre. Er hätte auch die -Iloglichkeit gehabt, eine neue gesetzliche ©traf, hr zu diktieren. Auch das hat er nicht getan, son» hrn sich lediglich darauf beschränkt, von der lat ionalDerfammlung durch kompetente Leute ein Tarprojekt für eine neue Konstitution ausarbeiten zr lassen und diese der Kritik der igan. z N Ration zu unterbreiten. Mehr LiberaliS- mS und Aufrichtigkeit kann man von einem T.itator wohl schwerlich verlangen. Schon die Asommensehung dieses Derfassungsausschusses hat Gewähr für eine sachgemäße, ernste Arbeit. Lniversitätspiofesforen. ehemalige politische Grö. sm, Praktiker und Sachverständige aller Art ji'jcn mit großer Gewissenhaftigkeit an der rtbfübrung ihrer Aufgabe gearbeitet. Das Er.
g.'bnid ist denn auch, vom theoretischen Stand, tnrlt aus betrachtet, einwandfrei, logisch und lülcnlod aufgebaut. Für die Paktische Hand» h5 ung dürfte sie Schwierigkeiten bieten, da biete in dem Projekt zu langatmig und zu ver. BanMiert ist. was mit wenigen Worten klar ir> deutlich hätte gesagt werden können.
Wenn man die in bem Projekt gebrachten Teuerungen verstehen will, muß man sich vor eilen Dingen vergegenwärtigen, daß der vor hr Diktatur in Spanien herrschende Parlamen- IiriSmus durch und durch korrumpiert und L-rleucbt war. Die , Wahlen waren zu tner Farce geworden, die Regierungen Schein» (k5 i(be. Eine geradezu unsinnige Häufigkeit von 1 Tceierungswechfeln machte jede Verfolgung einer | enheitlichen politischen Linie unmöglich, Spanien . hie durch eine heillose Mißwirtschaft an den
in einem Bauernhause solche sinnvollen Bräuche gepslegt werden, ob noch irgendwo die Mär vom Mittagsgespenst erzählt wird, das durch reifend« Felder geht? Leider har die Technik mit ihrem poesielosen Rützlichkeitsstreben schon allzuviel von altem Volksglauben zerstört, sie verleidet jedem Sput das Dasein. Mitleidlos gab sie den aufgeklärten Menschen der Gegenwart das Gelächter über den Aberglauben der Alten. Dicht mehr spricht die Datur in geheimnisvollen Zauber- stimmen. zerrissen sind die innigen Beziehungen von Pflanzen und Menschen. Ind doch wird die Sehnsucht nach den alten Sagen und Mären von der geiftcrbclcbten Datur in den Menschen wach bleiben und sie einmal wieder neu erstehen lassen, weil sie tief in der Seele des Dolles verankert find. M. G.
Daten für Dienstag, 30. Juli.
* Beginn der Ernte. Die heißen Tage der letzten Woche haben in unserer näheren Umgebung das Korn schnell reifen lassen, so daß mit dem Schnitt allenthalben begonnen ist. Durch den Ende voriger Woche niedergegangenen Regen ist das Getreide auf vielen Feldern umgelegt worden. Die Wieseck führt trotz der letzten Regenfälle in unserer Gegend zur Zeit wenig Wasser. Die Be- und Entwässerungsgräben in den Wiesen des Bu- seckertals find durch Schließen der Schützen dagegen bis zum Rand mit Wasser gefüllt, um den Wiesen Feuchtigkeit zum besseren Wachstum des Grummetgrases zuzuführen, denn die Heuernte war infolge Fehlens des jg. Untergrafes nicht sehr ergiebig.
"* Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberhessifchen Automobilclub (A. v. D.): Die Ortsdurchfahrt Merkenfritz im Zuge der Straße Ortenberg—Gedern—Lauterbach ist vom 5. bis 10. August für alle Fahrzeuge gesperrt. Umleitung über Gelnhaar—Wenings. — Die Sperre auf der Strecke Lauterbach — Angersbach ist aufgehoben.
** Der Hund als Straßenräuber. Man schreibt uns: Am Samstag konnte man gegen 18 Ihr folgende Szene beobachten: Geht da ein Fräulein die Bahnhofstraße herunter. Ecke Liebigstratze taucht plötzlich ein großer Deut- scher Schäferhund auf, packt das Ledertäschchen des Fräuleins und beginnt daran zu zerren. Das Täschchen öffnet sich, die erschrockene De- siherin wagt es nicht, sich mit dem großen Hunde die deutschen Landsleute am Vesuv, auf Sizilien zu schröpfen, — wie er nach Aegypten und schließlich Indien gerät und mit mancherlei Kennt» nissen bereichert, es schließlich doch zuletzt fertig bringt, als Fünfzigjähriger die deutsche Heimat wieder zu erreichen, so kann man eine gewisse Freude nicht unterdrücken, dah es auch heute noch Originale gibt. Gruhle kannte einen Welt» Wanderer, der mit so guter Kenntnis der arabischen Imgangssprache zurückkehrte, daß er den gelehrten Vertreter dieses Faches an einer Uni» versität in Verlegenheit brachte. Auch in den Vereinigten Staaten Dordamerikas gibt es Vaganten, nur bedienen sie sich dort anderer Le» bensformen: sie eignen sich ausrangierte Autos an und fahren los. Manche Heineren Städte geben ihnen als Ortsgeschenk Benzol, nur um sie möglichst schnell wieder los zu werden. Iack L o nd o n weiß in seinen Abenteurern des Schienenstranges (Trampfahrten durch Dordamerika) Ergötzliches zu berichten. In Deutschland werden die tiefstehenden als Knopftalfer (Pfennigbettler) von den anderen gering geachtet, sie „arbeiten" besonders erfolgreich am Zahltag nachmittag z. D. in den Saargrubendistrikten. Der Speckjäger steht viel hoher, er hat seinen, festen Bezirk (Tirach) und kennt seine Kundschaft; oft reist er mit Frau und Kind (Henne und Schrawiner). Der Kommandoschieber hat ein dauerndes Standquartier in einer wilden Penne; von dort geht er auf Beute aus. Der Ladenstoßer sucht in den Städten die kleinen Kaufleute auf; die Schmalmacher, meist organisiert, betteln gegen Abend in den Arbeiterwirtschaften. Die Klufttalfer kennen sich untereinander, fachen — besonders in Ostpreußen — handgewebte Hemden zu erbeuten. Me Cßriefbettlec Tappenreiter (Anfertiger falscher Ausweispapiere), Krankheitsiimutanten, falschen Epileptiker (Orantnem) sind hochstehende Spezialisten, die sich zum Teil auch noch durch das alte Rotwelsch verständigen können.
®arictirtuble- M-Nküvv-,«.W ä» Ms einfach ver elfen, uaj fchtvy SSbttiW^C® H ging in mein Zimmer hinauf, nvcrwai» ain’ Stunde faß id> noch
Sine halbe Stunde sah ich noch am Schreibtisch arbeitete bei offenem Fenster; es war eine rüde Ottobernacht. Plötzlich ging das elektrische fidjt aus. Eine solche Störung kam öfters vor Inl war meist nur von kurzer Dauer. Ich blieb Cte ruhig im Dunkeln sitzen und schaute aus __ ;.nl Fenster. Dabei erblickte ich im Garten etwas,
Schweres ^'über ich erschrak; mir war, als wenn neben
tiiiem der Obstbäume eine Gestalt stände und ÄllUVr1 icZungslos zu mir herauf sähe.
. L luf Ich saß eine Werke, ohne mrch zu ruhrem au kau e ö ö„ versuchte angestrengt, ob rch etwas Genaueres S ! flterscheiden konnte oder ob rch eine Bewegung
V* ($lfn —. m n ,fi ! i/t\ rrimr


