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träumen durch das dämmernde Licht und werfen Diamanten auf das Wasser. Wie schwere Gardinen hängen Schlinggewächse von den Aesten. Gelbe und rote Farben blühender Sträucher leuchten auf, und durch die lappigen Blätter einer Baumgruppe schimmern Bananen. Mit dem Fernglas erkennt man ein paar turnende Affen. Tropenfülle und Ueppigkeit, Blütenbllndel in allen Farben, grüne Girlanden über bizarren Baumfiguren, zerfranste Riesenblätter eigenartiger Pflanzen, bunte Vögel und schlammige
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Mangrovenufer. Das ist bas Bild des Kanals bis Culebra-cut. Da kommen vereinzelt Häuser in Sicht, felsige Ufer steigen auf und die Passage wird schmal. Unmittelbar neben der Bordwand ziehen Krokodile durch schmutziges Wasser. Andere bilden streckenweise an Land ein sinniges Soalier. Die Nachmittagssonne strahlt über Culebra. Graubraun wächst uns der hohe Felsen entgegen. Beim Bau des Kanals war die Bewältigung dieses Kolosses die größte Schwierigkeit. Immer wieder gab das brock-
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Epoche hat Frankreich ja mit einer Reihe der bedeutendsten Frauen begnadet. Die Frauen um Franz I., seine hochgebildete, während der Religionskriege unentwegt für die Versöhnung der Konfessionen sich einsetzende Schwester Marga- rete von Anjouleme, spätere Königin von (Navarra und deren Tochter, die sittenstrenge, eifrige Hugenottin Jeanne d'2llbret, ebenfalls Königin von (Navarra und Mutter des späteren Königs Heinrich IV., dann die Frauen um Heinrich II., seine Gattin, die herrschsüchtige, ehrgeizige Catarina Medici, Mutter dreier französischer Könige, und seine schöne Geliebte Diane von Poitiers und schließlich die Frauen um Heinrich IV., seine Gattin, Margarete von Valois, Tochter Heinrichs II. und der Catarina Medici, seine der Wissenschaft und Dichtung zugeneigte Schwester Catharine von Bourbon und seine Geliebte Gabriel l e d'E st r 6 e s, schließlich die unglückliche Elisabeth von Valois, Tochter Heinrichs II. und der Catarina Medici, als Gemahlin Philipps II. von Spanien auch einem breiten Publikum aus Schillers Don Carlos bekannt. — Sie alle haben in der Geschichte ihrer für die Entwicklung der modernen französischen Kultur bahnbrechenden Zeit eine bedeutsame Volle gespielt. Ihre in diesem mit feinem Geschmack ausgestatteten und gut illustrierten Buche zusammengetragenen Briefe werden füglich auf große Anteilnahme stoßen.
— Friedrich von O p p e l n - B r o n i - kowski: Schlüssel und Schwert, ein Papstleben aus dem Cinquecento mit 16 Lichtdrucktafeln. Geh. 6,80 Mark, geb. 8,80 Mark. Verlag G. Grote, Berlin. (213) — Dies neue Werk unseres, den Lesern des „Gießener Anzeigers" durch zahlreiche literaturhistorische und politisch-historische Aufsätze bekannten Mitarbeiters hält äußerst glücklich die Mitte zwischen historischem Bericht und historischem Roman. Das Leben und die Zeit des großen Papstes Sixtus V. sind an sich schon so spannend und farbig, daß die Erzählung dieser fünf kurzen Jahre seiner Herrschaft wie ein fesselnder Roman anmutet. Vom einfachen Fastenprediger aus niedrigem Stande steigt Montalto zur Kardinalswürde auf und wird im Widerstreit der Meinungen innerhalb des Konklave von der Faction der Medici zum Papst erhoben. Aus dem schlichten Greis wird ein gewaltiger Herrscher, der sich große Ziele steckt und auf allen Gebieten in wenigen Jahren Ungeheures leistet. Das Buch, das mit einer Reihe wertvoller zeitgenössischer Bilder geschmückt ist, ist außergewöhnlich fesselnd.
aus. Alles geschieht schweigend. Sonntäglich mutet cs an. Die Neger tragen dicke Lederhandschuhe. Alle amerikanischen Arbeiter in der Kanalzone tragen sie. Man pflegt seine Hände, man zieht sich gut an, verdient Dollars und hat keine Sorgen. So manchen Hafen der Welt habe ich kennengelernt auf großen Reisen, und überall habe ich Armut und Elend gefunden; aber die Arbeiter und Beamten dieses Kanals kennen sie nicht. Man hat ihnen schöne luftige Häuser erbaut, man bezahlt sie gut, denn: „Hohe Löhne haben Amerika reich gemacht", hat einmal der amerikanische Völkerbundsdelegierte in Genf gesagt. So oft ich den Panama-Kanal passiert habe, nie sah ich, wie gewöhnlich an anderen Küsten, zerlumpte Menschen. In den Gesichtern hier steht Zufriedenheit, und ihr fröhliches Wesen steckt an. Man muß sich Überlegen: welcher Hafenarbeiter Europas käme auf die Idee, während seines Tagewerkes lederne Handschuhe anziuiehen? Er kann es sich gar nicht leisten! Aber die Neger hier tragen sie und es macht ihnen nichts, sie an den stählernen Trossen zu zerschleißen. Sie verdienen Dollars und kaufen neue!
Treidelwagen rollen heran, und kaum hat man den letzten an das Schiff gekoppelt, so öffnet sich schon das riesige graue Tor der Schleuse, der Dampfer wird hereingezogen, die Flutventile geöffnet. Brodelnd und schnell hebt sich der Wasserspiegel. Keine Minute geht verloren, die nächsten Torflügel gehen auseinander, die Treidelwagen rücken an, wieder brodelt das Wasser, so geht es fort durch zwei, drei Abteilungen. Jeder Augenblick ist kostbar, denn schon drängen wieder andere Schiffe nach. Dennoch geht alles ruhig und ohne Hast. G a • tum-lock ist passiert und das Schiff zieht dem künstlichen Seebecken des C h a g r e s r i v e r zu. Diesem kleinen Fluß verdankt eigentlich der Kanal seine Existenz, er versorgt Fahrstraße und Schleusen mit Wasser. „Full anead“ singt der Lotse, „ganze Kraft", antwortet klingelnd der Maschinentelegraph. An Backbord schnauft eine Eisenbahn durch idyllische Siedlungen, die Landschaft wird herrlich. lieber die Hügel ziehen sich tropische Wälder, Schlingpflanzen klettern an silbergrauen Riesen weitoerästelter Bäume empor. Aus dem Buschwerk flattert ein Pärchen grüner Wellensittiche auf und läßt sich verliebt auf der Reeling nieder. Kleine Inselchen schieben sich in das anmutige Bild. Auf ihnen ist tropische Pflanzenwirrnis, Palmen, Mangroven und dickes Ge- ftrüvp. Durch dos seichte Ufer stelzt gravitätisch eine Reiherschar, und im warmen Morast sonnen sich, den Rachen halb geöffnet, dösende Krokodile; Wasservögel suchen ihnen das Ungeziefer aus ihrem dicken Lederwams. Der Lotse hält uns einen langen Dortrag über das Leben dieser Tiere. Dem Zoologieprofessor wird er immer ähnlicher. „Und das Fleisch der jungen Krokodile. Sir! Ein Genuß! Probieren Sie bei Gelegenheit!" Er schnalzt mit der Zunge, der navigierende Gourmand, und seine guten Aeuglein blitzen. Man konnte sie wein- selig nennen, wenn ihr Besitzer nicht zu dem unglücklichen Volke der Prohibition gehören würde!
Aus dem Wasser ragen hier und da die Aeste des im Chagres-river ertrunkenen Waldes. Graue Pelikane fallen wie schwere Sleine aus der Lust, ver- schwinden unter dem ans .nischenden Wasserspiegel, wenn sie auftauchen, lassen sie aus dem weiten Beutelschnabel zappelnde Fische den Schlund heruntergleiten. Immer schöner und wilder werden die .Ufer.'Seltsame Bäume wölben über stille Buchten einen grünen Baldachin. Spärliche Sonnenstrahlen
— Clara Diebig: Die mit den tausend Kindern. Roman. Ganzleinen geb.7Mk. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. (141) Mit tiefem Ernst spürt Clara Diebig in ihren letzten Romanen den Problemen der Zeit nach. Heute weit mehr denn je wird die Frau von ihrer eigentlichen Lebensaufgabe in den Beruf abgedrängt, aber auch heute mehr denn je such t die Frau ihren eigenen Kreis, sucht ihre geistige und wirtschaftliche Unabhängigkeit im Beruf, nicht ohne daß es an Versuchen fehlte, Ehe und Beruf zu vereinigen. Aber man kann nicht zween Herren dienen. Das erfährt auch die kleine VolksschuUchrerin, die sich in mit Liebe erfüllter Arbeit an den im Sumpf der Großstadt von Krankheit und Verderbnis bedrängten, aufwachsenden Geschöpfen des Berliner Vordens zur Klarheit durchkämpft. Mit unendlicher Zartheit und verstehender Güte schildert Clara Viebig die Gestalten ihres Romans, wie sie ihr das Leben des Alltags in seiner ganzen Differenziertheit geboten hat. Jede an den brennenden Fragen ihrer Zeit interessierte Frau wird gern zu diesem Buch greifen.
— John Galsworthh: Ein Heiliger. Roman. Verlag Paul Zsolnay, Wien IV. (171) Das ist fast ein Kriegsroman, aber weit ab von dem, was heute Mode ist. Der überwältigende, aUes umstürzende, umwertende, befreiende, lösende Eindruck des Kriegsgeschehens geht auch an den festen, so fundamental dünkenden Rönnen der britischen Gesellschaft nicht spurlos vorüber. Lind es waren nicht immer die schlechtesten, unwertesten, die in diesem Brodeln der Zeit nach dem Sinn des Lebens suchten, nach einen anderen Sinn, wie. ihn die Väter erkannt hatten. Der Glaube an die ethische Gesetzmäßigkeit dieses Lebens und die echte große Liebe, die keine Hemmungen, keine Vorurteile kennt, was führt vorwärts? — Das Buch ist ein echter Gals° wvrthtz, in der Problemstellung tote in den Charakteren. Sehr viel Güte, Milde, Abgeklärtheit liegen in diesem Buch.
— Frauenbriefe aus der französischen Renaissance, gesannnelt imd übertragen von Curt Sigmar Gutkind, mit sieben Tafeln und vier Faksimiles. Hyperion- Verlag, Leipzig. Preis 6,50 Mk. (71). — Diese bislang wenig bekannten Renaissance-Briefe stehen zwar an formaler Eleganz und beweglichem Charme hinter den oft publizierten Damen- - briefen aus dem Zeitalter des Sonneickönigs zurück, aber ald wichtigste Quelle für die psychologischen Hintergründe des 16. Jahrhunderts bieten sie viel des Interessanten. Gerade diese
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lige Gestein nach und polierte in die liefe, arbeitende Menschen unter sich begrabend. Diel Zeit, Schweiß und Blut hat der Felsen den Menschen abgerungen, bis er sich bezwingen ließ. Langsam und vorsichtig fahren wir durch den hohen Schacht. In die Felswand ist ein Relief gehauen, zur Erinnerung an das barte Werk des Culebra-out.
In der Scyleuse San Pedro Miguel sinkt schnell der Wasserspiegel und wir mit ihm. Der Kanal nähert sich seinem Ende. Der Postmaster os Cristobal sendet die für uns angekommenen Briefe, Briefe aus aller Welt, wie auch die Besatzungen der Transozeanfrachter sich aus den Hafenstädten Der ganzen Welt zusammenfinden. Aber für jeden sind es Briefe aus der Heimat. An einer Leine schaukelt der Postsack über die Reeling und mit einem Male kann man es kaum erwarten, bis er geöffnet ist. Mit hastigen Händen greift jeder nach seinen Briefen. Während ich die meinen lese, zieht das Schiff an fruchtbarem Hügelland vorüber, an weißen Wollen« und Palmenhainen. Die Tropensonne versinkt in bleichen Wolken und macht aus dem uns entgegenkommenden nagelneuen Hapagdampfer eine plumpe Silhouette. Dann ist es dunkel. Die Nacht kommt schnell in den Tropen.
Miraflores ist die letzte Schleuse. Sie entläßt uns in den Pazific. Lange noch leuchten uns die Perlenketten ihrer elektrischen Bogenlampen nach. Plötzlich beginnt es in Strömen zu regnen. Ein Panama-Wolkenbruch. Hoch steht das Wasser auf Deck. Aber so plötzlich wie er kommt, zieht er auch von dannen und es ist wieder klarer Himmel. Eine halbe Stunde noch bleiben wir vor Balboa liegen. Aus dem schwarzen Schatten der Stadt leuchten die Lichter wie zu einem Sommerfest. In den Sternenhimmel ragen die Umrisse einiger Palmen. Ein Motorboot bringt den bestellten Proviant längsfeit. Wintschen ziehen ihn ächzend an Bord. Dann passieren wir langsam die Leuchffeuer des amerikanischen Forts, der Lotse verabschiedet sich. „Good bye, Herr Professor!"
Die Nacht hat einen roten Schimmer, und über dem Urwald ist Wetterleuchten. Wir aber schlingern durch die lange rollende Dünung des Stillen Ozeans, den ewigen Sternen vom „Kreuz des Südens" zu und einer fernen, fernen Küste.
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