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Nr. 150 Drittes Blatt

DerderlinerFrauenkongreß.

Von E. Schmitt-Hauser.

Der 11.Kongreß desWeltbundes für staatsbürgerliche Frauenarbeit", der Dom 17. bis 23. 3unt in Berlin stattgefunden hat,

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ist zu Ende. Die Tagung war eine Rückschau über das, was die Arbeit des Weltbundes in den 25 Jahren seines Bestehens erreicht, und - galt der Formulierung dessen, was er sich als weitere Ziele gestellt hat. Berlin ist die Stadt, in der vor 25 Jahren die Gründung des Welt­bundes erfolgte. Rur wenige Länder waren an ' dieser Gründung beteiligt, denn die Hauptauf­gabe des Weltbundes, die Erlangung des Frauen st immrechts galt selbst in Frauen- lreisen vielfach als eine unmögliche Forderung. Die Entwicklung dieser 25 Jahre hat dem mutigen Optimismus der Gründerinnen Recht gegeben: Delegierte aus 45 Ländern aller Erdteile sind zu dieser Jubiläumstagung zusammengetreten und in 25 dieser Länder ist das Frauenstimmrecht eute eine Tatsache. In den zweieinhalb Jahr» hnten seines Bestehens hat der Weltbund seinen ufgabenkreis weit über das ursprüngliche Ziel -.cweitert und umschließt heute wichtige politische, soziale, wirtschaftliche und ethische Einzelgebiete, an deren Gestaltung die Frauen der ganzen Welt mit der ihnen gemäßen Wesenheit mit­zuarbeiten als ihr Recht empfinden und fordern.

Friede undFreiheit, das sind die Leit­sterne, denen die Frauen des Weltbundes folgen. Friede den Völkern, und beiden Geschlechtern die Freiheit zur Entwicklung ihrer ethischen, geistigen und sozialen Fähigkeiten. In den Ramen der sechs Ausschüsse, in denen sich der innere Aufbau des Weltbundes gliedert, sind die Pro­gramme ausgedrückt, die ihre Tätigkeit bestimmen. Ein Ausschuß erstrebtgleiche Sittlich­keit für Mann und Frau" undBe- kämpfung des Mädchenhandels". Ein Ausschuß fürgleiche Arbeitsbedingun­gen für Mann und Frau" will Gleich­wertigkeit d,er Schul- und Berufsbildung für beide Geschlechter, gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit: er bekämpft die Beschränkung der Be­rufsarbeit der verheirateten Frau. Eine radikale Minderheit in diesem Ausschuß hat beim Kon­greß eine Entschließung eingebracht, die die Ab­schaffung oder Abänderung folgenderäleber- einkünfte (Konventionen) und Empfehlungen (Re- kommendationen) der Internationalen Arbeits­organisation beim Völkerbund fordert, soweit sie erwachsene Frauen betreffen: Rachtarbeit der Frauen (1919); Schuh von Frauen und Kindern gegen Bleivergiftung (1919); Rachtarbeit von Frauen in der Landwirtschaft (1921); Gebrauch von Dleiweih im Malergewerbe (1921). Diese Ueberspitzung des Prinzips, die sich auch für Aufhebung aller Schutzmaßnahmen für die werdende Mutter und ihr Kind einsehte, fand jedoch bei der Mehrheit des Kongresses keine Unterstützung.

Der Frage derF a m i l i e n z u l a g e n" wid­met sich ein Sonderausschuß. Es wird gefordert, daß die Familienzulagen, die dazu bestimmt sein ; sollen, die Aufbringung der Mittel für die Auf­zucht der Kinder aus anderen Mitteln als dem Lohn des Vaters aufzubringen, an d i e Mut­ter gezahlt werden sollen. Zur weiteren Beratung dieser schwierigen und verwickelten, oft ineinander übergehenden Fragen wird die Bil­dung eines besonderen Ausschusses beschlossen, dem die weitere Bearbeitung und Material- sammung obliegt.

Daß wir Deutsche an demAusschuß für Frieden und Völkerbund" angesichts unserer politischen Lage ein ganz besonderes In­teresse nahmen, ist selbstverständlich, ebenso selbst-

Aels'riWWMlMn.

Vornan von Edgar Wallace.

14. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Wollen Eie wirklich sagen, daß ich nicht ge­schnappt bin?" stieß Fred ungläubig hervor und t blieb stehen.

.Was mich anbetrifft," antwortete Larry,sind Sie nicht geschnappt, falls nicht Sergeant Reed eine private Verabredung mit Ihnen hat."

Ich auch nicht, Sir," Lächelte der Sergeant. Wie kommen Sie denn überhaupt auf den Ge­danken, daß Sie verhaftet sind, Fred?"

,Ra, da schlag' doch einer lang hin," stotterte Fred verdutzt.Was soll denn das nun be- ; deuten?" .

Kennen Sie dann jemand in dem Heim? ,

Ich kenne das Heim ebensowenig wie n Kuhstall," antwortete Fred.Ich habe einen Milchmann nach dem Wege fragen müssen.'

Sie Hütten sich an einen Schutzmann wenden sollen," murmelte Larry.Es gibt 'ne ganze Passe hier." , . ,,, _

Für meinen Geschmack zu viel, war sreds bissige Antwort.Hören Sie mal, Mr. Holt, sagte er plötzlich ernsthaft,Sie sind ein an­ständiger Mensch, und ich bin sicher, Sie wurden mich nicht reinlegen." . «,-rr

Larry überging das Kompliment mit Still­schweigen. . . .

Run?" fragte er. Fred tauchte m eine semer inneren Taschen und brachte einen Brief hervor.

Was halten Sie davon, Sir?" fragte er.

Larry öffnete den Brief, der an Fred Grogan adressiert war, und las:

Man wird Sie morgen verhaften. Larry Holt hot den Haftbefehl. Kommen Sie morgen früh halb sieben nach Todds Heim, Lissom Lane, und fragen Sie nach Lew. Der wird Ihnen Mit- ieilunaen machen, die es Ihnen ermöglichen, zu entwirren. Seien Sie vorsichtig, daß man Ihnen | nicht nachfolgt, und erzählen Sie niemand, wohin

Sie gehen."

Der Brief war nicht unterzeichnet. Larry wollte ihn schon an Fred zurückgeben, als er sich eines Besseren besann.

Haben Sie etwas dagegen, wenn ich den Brief behalte?" fragte er.

Rein, Sir, behalten Sie ihn ruhig. Aber, Mr. Holt, fragte er unruhig,wollen Sie mir nicht sagen, ob da irgend was Wahres dran ist, daß ich gefaßt werden soll?"

Larry schüttelte den Kopf.

Soweit mir bekannt ist, sind Sie nicht auf der Liste, und ich habe ganz sicher keinen Haftbefehl gegen Sie. Tatsächlich," fügte er hinzu,lauten die Auskünfte über Sie jetzt so gut, daß Sie,

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, 29. Zuni 1929

verständlich, daß der Ausschuß irgendwelche posi­tiven Errungenschaften in der Friedensfrage nicht vorzuweisen hatte. Trotzdem soll nicht verkannt werden, daß der Ausschuß bemüht ist. die Ideen der Völkerverständigung und der Be­friedung der Welt: Schiedsgerichtsbarkeit, Ab­rüstung, Kellogg-Pakt usw. bei den Regierungen und im Völkerbund zum Durchbruch zu verhelfen. In der von Dr. Bakker van Bosse, der Vize­präsidentin der Minderheitenkommission beim Völkerbund, vertretenen Resolution findet sich als Artikel 3 die Forderung,daß militärische Be­setzungen ebenso wie Bedrückungsmahnahmen auf wirtschaftlichem, politischem und kulturellem Ge­biet" künftig ausgeschlossen sein müßten. Wäh­rend Mme. Malaterre-Seillier, Paris, sich per­sönlich für die Annahme der Resolution ohne Einschränkung einsetzt, protestierte namens der französischen Delegation deren Führerin Maitre, Verone, gegen diesen Artikel 3, weil seine Fassung statutenwidrig sei, da er sich mit politisch-nationalen Fragen befasse, die die Satzungen des Bundes von der Erörterung aus- schließe. Sie verlangte eineneutrale" For­mulierung. Der Antrag gelangt gegen die Stim­men der französischen Delegation zur Annahme. Hier zeigt sich eine sehr merkliche Schwäche der vom Bund erstrebten Verbreitung der Frie­densidee. Gerade wenn man ernsthaft ihre Durch­setzung will, wird man die Tatsächlichkeiten nicht scheu umgehen dürfen, gerade aus dem konkreten Fall werden die Argumente genommen werden müssen.

Wie bekannt, haben sich die Frauen der Deutsch- nationalen Partei, sowie Verbände stark rechts gerichteter Anschauung offiziell von der Teil­nahme am Kongreß ferngehalten. Erfreulicher­weise waren aber doch eine ganze Anzahl der Führerinnen aus diesen Gruppen sowohl bei den Arbeitssihungen des Kongresses als auch bei den Empfängen der Reichs- und der preußi­schen Regierung, der Stadt, der Frauenorgani­sationen wie der Privathäuser zu bemerken. Es kam auf diese Weise doch eine Berührung der beiden Anschauungswelten zustande: der eindeutig nationalen und der mehr und minder internatio­nal gerichteten.

Die sonstigen Ausschüsse: für die Arbeit in den Frauenstimmrechtsländern und für weibliche Polizei brachten manches Bemerkenswerte vor das Forum des Kongresses und namentlich der letztere fand auch bei seinem öffentlichen Vor­tragsabend stärkstes Interesse beim Publikum. Ebenso die beiden vom Ausschuß veranstalteten öffentlichen Kundgebungen des Ausschusses für Frieden und Völkerbund. Die erste bei Kroll, dem Tagungsort des Weltbundes unter Teilnahme von Vertretern der Reichsregierung. Von den Rednern des Abends war es Gertrud Bäu­mer, deren gedankenreiche, von tiefem Ernst durchglühte Ansprache auf die Kluft hinwies, die zwischen der Idee des Friedens und ihrer Verwirklichung trotz Völkerbund und zahlloser Konferenzen auch heute noch, zehn Jahre nach Kriegsende, zwischen Deutschland und den übrigen Ländern klaffe. Die Kundgebung in der Volksbühne trug ein mehr künstlerisches Gepräge, und zwar mehr der Ideologie als der Realität zugewandt.

Wenn man das Ergebnis des Kongresses zu fassen sucht, so wird es für diesmal wohl nur in der menschlichen Bedeutung dieser Zu­sammenkunft von zweitausend Frauen aus allen Weltgegenden, aus allen Teilen Deutschlands in der deutschen Reichshauptstadt liegen. Afrika, Asien, Australien. Amerika und Europa waren wahrhaft zu einem Weltbund vereinigt. Man sah Inderinnen in ihrer schwermütigen Schönheit, ihren farbigen, wallenden Seidengewändern, Ja­pans Kimono, Stickereitleider vom Balkan, aus

falls Sie ehrlich bleiben würden, ohne jede Furcht vor der Polizei leben könnten."

Klingt verdammt uninteressant für mich," war Freds Antwort, als er mit gesenktem Kopf in eine Seitenstraße einbog.

14.

Coram Street 280 war ein Mietshaus, in dem Mrs. Fanny Weldon zwei Räume bewohnte, von denen einer auf die Coram Street, der an­dere auf eine Seitenstraße ging. Sie lebte gut, be­zahlte gut, verursachte wenig oder gar keine Um* stände und hielt ihren Ramen frei von jeder üblen Rachrede. Sie war in Wahrheit der Haupt­mieter, und ihre Wirtin würde alles Mögliche tun, um Hr gefällig zu sein, vorausgesetzt na­türlich, daß der gute Ruf von Rr. 280 nicht zu leiden hätte.

Dieser weibliche Hochstapler hatte eine viel­beschäftigte Rächt hinter sich, aber trotzdem war es ihr nicht möglich, den ganzen Tag hindurch zu schlafen. Sie stand um drei Uhr nachmittags auf und fing an, sich mit den Arbeiten zu be­schäftigen, die für alle Frauen immer von In­teresse sind. Da war ein Hut zu garnieren, eine seidene Bluse mußte geplättet werden; sie hatte verschiedenes auszubessern und zu stopfen.

Sie sind heute nacht spät nach Haus gekom­men, Mrs Weldon," sagte die Wirtin, als sie ihr eigenhändig den Tee brachte.

Fanny nickte.

Um genau zu sein, bin ich heut nacht über­haupt nicht ins Bett gekommen," sagte sie.Ich war tanzen. Wie spät ist es denn?"

Sechs Uhr. Ich dachte, Sie schliefen noch, und da Sie nicht klingelten, wollte ich Sie nicht stören." ,

Heute abend gehe ich aber früh zu -Bett, gähnte Fanny.Was gibt's Reues?"

Richt Diel, liebes Kind," sagte die Vermieterin mit berufsmäßiger Mütterlichkeit.2m Zimmer gegenüber," sie wies mit dem Daumen nach der Tür,wohnt jetzt ein junger Mann. Ein Herr aus 'Manchester, sehr ruhig. Mrs. Hoopec hat sich mal wieder über das Essen beklagt." Und sie begann den täglichen Pensionsklatsch zu er- ^Schicken Sie mir irgendwas Kaltes nach oben," sagte Fanny.Ich will zeitig zu Bett gehen. Morgen habe ich eine sehr wichtige Verab- ^Si erdachte an die Verabredung mit Larry Holt, der sie mit sehr gemischten Gefühlen ent- gegensah.

Um halb acht zog sich Fanny aus und legte sich hin Sie war todmüde und schlief beinahe tm gleichen Augenblick, als ihr Kops das Kisten berührte Der Schlaf der Bösewichte ist in den meisten Fällen nicht weniger tief und ruhig als

Rorwegen und Schweden und elegante Pariser Mode, wie das bescheidene Kleid der ganz in sachlicher Arbeit aufgehenden Frau nur den früher belächelten Typus der vermännlich­ten Frau, den sah man nicht. Im Gegenteil, der Kongreß hat es unmißverständlich ausge­sprochen: den Mann zu kopieren, würde man für eine Schwäche halten. Die Frauen des Welt­bundes wollen ja gerade ihre frauliche Wesenheit in den Dienst der Völker und Staaten stellen.

Empfänge über Empfänge fanden statt. Die Arbeit des Kongresses war oft allzu sehr von geselligen Veranstaltungen umrankt, diese Ver­anstaltungen mitunter ein wenig zu prunkvoll, zu sehr eine schöne Fassade, als daß hinter ihr die deutsche Rot irgendwie zu spüren gewesen wäre, von der die fremden Gäste zwar viel hörten, aber nur dann etwas gewahrten, wenn sie sich von der Geselligkeit frei machten und sich den Führungen widmeten, die die soziale Kommission des deutschen Zweiges des Welt­bundes durch Berlin veranstaltete.

Auch die deutsche Jugend nahm am Kongreß teil 1500 Jugendliche waren da, die den Willen hatten, sich in die Ideenwelt der reifen Frauengeneration einzufühlen. Aber als auf der Schlußsitzung des Kongresses ihre Führerin zu einer Ansprache das Wort nahm, da wurde

klar, daß man über das Rebeneinander nicht hinausgekommen war. Die Jugend sieht in der Arbeit und vielfach auch in den Zielen des Weltbundes im wesentlichen nur den Kampf gegen den Mann, den sie aus dem Gemeinschafts- crlebnis der Jugendbewegung, die beide Ge­schlechter als gleichwertige Kameraden ins Leben wachsen läßt, ablehnt. Die jetzt herangewachsene Generation wird nun ihrerseits zu beweisen haben, ob das Gemeinschaftsgefühl in denWetter- stürmen des Lebens sich als so Wurzelhaft er­weist, daß Mann und Frau wirklichSeif an Seit'" in die neue Zeit hineingehen. Man hat sich in diesen Tagen leitet zu wenig persönlich um diese horchende und suchende Jugend be­müht zu viel Ansprüche wurden von osti- ziellen Stellen und von Organisationen an die Zeit und die Kräfte der führenden Frauen des Weltbundes gestellt, aber es ist schade, daß eS darum zu einem Mißverstehen kam.

Der Vorstand des Weltbundes ist der gleiche geblieben: die liebenswürdige Präsidentin Mrs. Corbett A s h b h ist einstimmig wiedergewählt unb Deutschland ist wiederum durch Adele Schrei­ber-Krieger und Dorothee v. Velsen in ihm vertreten.

Der erste internationale Kongreß nach dem Kriege in Berlin! Bezeichnenderweise waren es Frauen, die zuerst den Weg zu uiu3 fanden.

Passage durch den Panamakanal.

Von Kurt Zeserich.

Die bisher bewegte Karibische See hat sich allmählich beruhigt, lieber Nacht ist sie glatt ge­worden. Das Schiff läuft längs der Küste von Panama, aus deren Wäldern ein junger Morgen silberne Nebelschleier zieht. Es ist noch früh, aber schon flimmert die feuchte Luft unter der unerbitt­lichen Sonne des blauen Aequatorhimmels. Wenige weiße Wolken ziehen über ihn hin. Die flache Dü­nung glitzert in schmerzhaft grellem Licht. Erschreckt springt manchmal eine Schar fliegender Fische aus dem Bugwasser auf ... schwirrende, metallschim­mernde kleine Leiber! An Backbord liegen die Berge der Sierra Quebrandja. Mit dem Glas erkennt man den dichten tropischen Urwald. Palmen und graue Baumriesen überragen ihn noch. Ein Boot mit fischenden Negern zieht an uns vorüber und über der amerikanischen Kanalzone erhebt sich ein Flug­zeuggeschwader und steuert auf die Ubootflottille zu, die sich hier draußen auf der wiegenden See zu sonnen scheint. Langsam geht an unserm Fockmast zur Begrüßung das Sternenbanner hoch.

Eine Stunde später schiebt sich das Schiff durch die Oeffnung des langen Breakwater in den Außen­hafen von C6lon. Unter dem Schatten hoher Ko­kospalmen liegt die Stadt. Neue schöne Häuser, leicht und einfach wie man sie in den Tropen baut. Don See aus ein liebliches Bild.

Lotsensignal und Quarantäneflagge werden gesetzt. Maschine langsam voraus!" Dann dröhnen die Kolben schleifender; keuchend wie das Aufatmen eines erschöpften Nenners. Fünfundzwanzig Tage sind wir durch Seemeilen und Seemeilen gestampft. Endlose Wege ...Stopp!" ... Das erste Mal stopp" seit Europa! In einer Wolke von Rost saust polternd die Ankerkette zu Wasser.

Welch ein Genuß es ist, wieder einmal Land be­trachten zu können, nach dem wochenlang ewig­gleichen Atlantikhorizont. Wie schön dieser Strand ist ... lächelnd und hell strahlen die Häusergruppen. Heber ihnen beugen sich stille Palmen.

Elegante Boote kommen längsseit, und über das Fallreep klettern einige Herren, schlank, blond, in

der der Gerechten und Tugendhaften. Aber Fanny war übermüdet und träumte. Schreckliche Träume von drohenden Ungeheuern, von riefen* hohen Gebäuden, auf deren äußerstem Dachrand sie sah, von Männern, die sie mit langen, blitzen­den Messern verfolgten und sie warf sich, ruhe­los im Bett hin und her. Dann träumte sie, sie hätte einen Mord begangen:'sie hätte Gordon Stuart ermordet. Riemais zuvor hatte sie den Ramen Gordon Stuart gehört, bis ihn Larry erwähnt hatte, und sie stellte sich Stuart als einen weichlichen, jungen Mann vor.

Aber jetzt war der Tag der Hinrichtung gekom­men, träumte sie, man schleppte sie au i ihrer Zelle, die Hände auf den Rücken gefesselt, und langsam schritt sie an der Seite eines weiß­gekleideten Priesters in einen kahlen Raum hinein. Und dann erschien der Henker, und er hatte das höhnische Gesicht Jakes des Blinden. Sie fühlte den Strick um ihren Hals und ver­suchte zu schreien, aber er zog sich enger und enger, würgte sie, erstickte sie. Sie wachte jäh auf.

Zwei Hande lagen um ihren Hals, und in dem ungewissen Lichtschein einer Straßenlaterne blickte sie entsetzt in die ausdruckslosen Augen des blin­den Jake. Cs war kein Traum es war Wirk­lichkeit. Sie versuchte, sich zu bewegen, aber in seinen enormen Händen war sie machtlos. Eins- seiner Knie preßte sich auf ihren Leib, und er sprach leise in zischendem Flüstern, das nur für ihr Ohr bestimmt war:

Fanny, du hast mich verraten! Du hast mich verraten, du Schlange. Du hast mich hinter eiserne Gardinen bringen wollen. Den armen blinden Jake! Ich weiß alles. Ein guter Freund bei Todd hat mir alles erzählt. Und jetzt bist du geliefert, Kleine!"

Sie kämpfte vergebens nach Atem, sie konnte keinen Schrei, kein Wort hervorbringen, sie fühlte, wie ihr Blut in den Schläfen hämmerte, wie die grausamen Hände sich immer mehr und mehr zusammengezogen. Plötzlich flammte das Licht auf. ,Der junge Mann aus Manchester', der das Zimmer gegenüber gemietet hatte, der geduldig die ganze Rächt hindurch auf die leisen Schritte Jakes's des Blinden gewartet, weil er wußte daß er kommen würde, um sich an der Verräterin zu rächen, der junge Mann aus Manchester' Larry Holt, stand in der Tür, und sein langer Browning war auf den Würger gerichtet.

Hände hoch, Jake", sagte er, und Jake der Blinde drehte sich mit einem tiefen Knurren herum. Es klang wie das Fauchen eines gestell­ten Tigers.

15.

Einen Augenblick standen beide Männer re­gungslos. dann streckte Jake langsam seine Hände in die Höhe.

weißen Leinenanzügen, mit Strohhut und Horn­brille. H. S. A. ° Hafenbeamte, der Arzt und der Agent. Er fragt nach unseren Wünschen. Ja, natür­lich... Panamahut, Bananen, Mangos, Eiscreme, Camelzigaretten! Langentbehrte Genüsse für See­fahrer! Eine Schar Neger wird an Bord gebracht, um im Kanal die Schleusenarbeiten für das Schiff zu leisten. Dann kommt auch der Lotse: Spitzbäuchlein, blaue Brille, Strohhut mit Schnur, ältlich, lächelnd und freundlich.Pilot of Panama" oder Professor der Zoologie? »Man weiß es nicht recht.

Dann steuern wir langsam in den Kanal, des­sen Bau so viel Schweiß und Arbeit gekostet hat. lieber feine Herstellung haben erste Ingenieure ge­grübelt und die Geschichte seines Gründungsskandals hat die Welt einmal aufhorchen lassen. Die Vereinig­ten Staaten haben den Bau vollendet und sie haben ihn gut vollendet. Aber ja! Mit Dollarmillionen läßt sich vieles erreichen!

Flaches Land zieht vorüber, ein Durcheinander tropischer Pflanzen. Magrovenwurzeln säumen die Ufer, wunderliche weiße Vögel mit langen, schön- geschweiften Schwanzfedern kreisen um die Spitzen der Masten.

Ga tum-lock, die erste Schleuse! Drüben, nicht weit entfernt, entsteigen junge Menschen dem neue- stenFordtyp". Blonde Mädchen winken uns mit Golfschlägern zu. Es sind Stenotypistinnen derCom- misfary-Division of the Panama Canal, erklärt uns der Lotse. (Welche Stenotypistin in Europa hätte Zeit, vormittags Golf zu spielen?) Neu sieht alles aus in den locks, frisch gestrichen, sauber, unbenutzt. Und dennoch zieht unablässig ein Schiff nach dem anderen durch diese Schleusen, vom Atlantic zum Pazific und vom Pazific zum Atlantic. Vom frühen Morgen bis in die Nacht herein kommen und gehen sie, es gibt keinen Aufenthalt, denn die großen Schiffsagenturen in London und Neuyork haben es eilig und dem wird hier Rechnung getragen. Am langen Betonpier macht der Dampfer fest. Der Lotse gibt mit den Händen Zeichen, und die Neger be­folgen seine Befehle, stumm, richtig, sofort. Jeder kennt feinen Platz, seine Arbeit und er führt sie

Sie haben wohl ein kleines Schießeisen?" grollte er.Mr. Holt, Sie werden sich doch nicht an einem armen, alten Mann bergreifen?

Kommen Sie langsam vorwärts," sagte Larry, und machen Sie keine Dummheiten, oder es wird Ihnen leid tun.

Es tut mir jetzt schon leid genug, brummte der Mann.

Es war wunderbar, ihn zu beobachten. Er bewegte sich so leicht wie ein junges Mädchen, und sein außerordentlich entwickelter sechster Sinn ermöglichte es ihm, jedes Hindernis in seinem Wege zu vermeiden.

Larry war in einer schwierigen Lage. Der Mann kam langsam auf ihn zu und brachte so die halb ohnmächtige Frau auf dem Bett in seine Schußrichtung. Er war fest entschlossen, zu schie­ßen, falls der Mann Widerstand leisten sollte, aber jetzt war ihm dies unmöglich, auch nicht um sein eigenes Leben zu retten, ohne Fanny Weldon zu gefährden. Andererseits wäre es aber unbillig Don ihm gewesen, Don dem Blinden Unmögliche^ zu Dcrlangen und zu erwarten, daß dieser sich ihm auf einem anderen Wege näherte, als es die Anordnung der Möbel im Zimmer gestattete. Aber die wirkliche Gefahr, die ihn bedrohte, erkannte Larry erst, als es zu spät war.

Der große, starke Mann kam langsam mit hochgehaltenen Händen Dorwärts. Die eine kam in Berührung mit der elektrischen Hängelampe. Und plötzlich, beDor Larry sich Rechenschaft geben konnte, was Dorging, schloß sich die eine Hand um die elektrische Birne, die unter dem Druck mit betäubendem Krachen zersprang, und das Zimmer lag in Dunkelheit. Jetzt zu schießen wäre Wahnsinn gewesen, und Larry einen Fuß Dorwärtsgestellt spannte all seine Muskeln zu­sammen, um den Anprall des Körpers, der sich jetzt auf ihn stürzen würde, aufzufangen. Und dann war er in den Griffen des blinden Jake. Diana hatte nicht übertrieben, als sie Don seiner riesigen Kraft sprach. Sie war erschreckend, un­menschlich, und Larry, doch selbst ein kräftiger Mann, fühlte seine Kräfte schwinden. Was das Resultat dieses Kampfes gewesen wäre, wagte Larry sich auch später kaum auszudenken. Hier aber kam eine Unterbrechung: der Klang einer sich öffnenden Tür auf dem oberen Treppen­absatz und die Stimme eines Mannes. Der blinde Jake hob den Detektio in die Höhe wie ein Bündel Lumpen und schleuderte ihn in die Ecke des Zimmers, wo er keuchend und halb betäubt liegenblieb.

Einen Augenblick später wurde die Tür auf­gerissen und Jake flog die Treppe in Windeseile hinunter, schneller als ein Mann im Dollen Besitz seines Augenlichtes es je gewagt hätte.

(Fortsetzung folgt)