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Nr. 125 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, 29. Mai 1929

Spanien während der Weltausstellung.

Von E. von Llngern-Gternberg.

Di« Eröffnung der Weltausstellung in Barce­lona hat die Augen der ganzen Welt auf Spanien gelenkt. Auch das Deutsche Reich hatte Gelegenheit, sich nach langen Jahren wieder vor einem großen internationalen Forum zu zeigen und zu beweisen, daß deutsche Leistungen nicht ihren Wert verloren haben. Leider sind die Kredite, die der Reichstag für die Weltausstellung bewilligt hat, so gering, daß das Reich im Wettbewerb mit den anderen Nationen nur einen bescheidenen Platz einnehmcn kann, und daß der deutsche Sonderkommissar für die Ausstellung, Dr. von Schnitzler, manche bereits belegten Plätze aus Geldmangel den Spaniern wie­der zurückgeben mußte. Die Sparsamkeit hat den Nachteil, daß die französische Propaganda auf und für die Weltausstellung, die noch durch den gleichzeitigen Besuch der französischen Flotte in Barcelona verstärkt wird, kein Gegengewicht findet, wenn auch sicherlich alles das, was der deutsche Handel und Industrie zur Schau stellen, auch ohne Reklame volle Anerkennung findet. Bon allen Re­gionen Spaniens ist Katalonien am meisten dem französischen Einfluß geöffnet, und zwar nicht nur wegen der geographischen Lage, sondern, weil die Katalaner sich mit den Kastiliern nicht allzugut vertragen, weil ihnen die Zentralisation Madrids unbequem ist, weil sie ihr kulturelles Eigenleben betonen, ihre eigene Sprache, das Katalanische (die langue doc der Troubadoure) sprechen, und weil sie sich in manchen Dingen den Südfranzosen näher verwandt als den Spaniern fühlen. In Würdigung dieser psychologischen Grundlage hat Frankreich seine Expositur auf der Weltausstellung in Barce­lona besonders glänzend gestaltet.

Ob die Ausstellung alles das erfüllen wird, was versprochen worden ist und was von ihr erhofft wird, bleibt abzuwarten. Roch sind nicht alle groß­artigen Anlagen vollendet und inanch« Pavillons stehen lc«r. Immerhin war der Gesamteindruck der prunkvollen Eröffnungsfeier durch den König ein Erfolg und ein Triumph für Spanien: General Primo de Rivera konnte die offiziellen und inoffiziellen Vertreter des Auslandes durch den Augenschein davon überzeugen, daß in dem von ihm regierten Lande Ruhe, Ordnung und Fort­schritt herrschen, und daß die Schauermären, die noch vor wenigen Wochen über die Zustände in Spanien von den Feinden der Diktatur verbreitet wurden, einer überhitzten Phantasie entsprangen. Aus Anlaß der Ausstellung wurden die Vorlesungen in den meisten Universitäten, die wegen der Stu­dentenunruhen und wegen der Haltung eines Teils der liberalen Professoren geschlossen worden waren, wieder ausgenommen. Ueber die Dummeiungen­streiche der akademischen Jugend wurde der Schleier der Vergessenheit gebreitet und auch der letzte Ope­rettenputsch des ersten leichten Artillerieregiments fand feinen Abschluß. Das Kriegsgericht Ciudad Real fällte zwar sieben Todesurteile und vierzehn Offiziere wurden auf Lebenszeit ins Zuchthaus ge­schickt, aber diese schweren Strafen werden schwer­lich zur Vollstreckung kommen. Primo de Rivera hat niemals, im Gegensatz zu anderen Diktatoren der Neuzeit, ein politisches Verbrechen mit dem Tode ahnden lassen, und auch diesmal wird die königliche Gnade nicht ausbleiben. Als nach dem Artillerie­aufstand vom Jahre 1926 der Kommandeur der Ar­tillerieakademie in Segovia zum Tode verurteilt wurde, wurde ihm gleichzeitig mit dem Urteil die volle Begnadigung verlesen. Sicherlich wird Spanien den vielen Ausländern nicht das grausige Schauspiel von Hinrichtungen geben.

Neben der Ausstellung in Barcelona wird die Aufmerksamkeit durch den Kongreß der Völ­

kerbundsliga in Madrid gesesielt. Die Sensa­tion hat der Vertreter Argentiniens, Sr. S i v o r i gegeben, indem er sich gegen die Bevormundung des amerikanischen Kontinents durch die Vereinigten Staaten auflehnte, dieMonroe-Doktrin als eine imperialistische Waffe Washing­tons bezeichnete und die Streichung des Para­graphen 21 der Dölkerbundsfatzungen verlangte, in dem die Monroe-Doktrin als nicht im Gegensatz zum Völkerbundsstatut stehend, bezeichn t wird. Der Vertreter Spaniens, Sr. E l o r r i e t a , summte dem Argentinier bei und auch die Delegierten der ande- ren lateinamerikanischen Staaten erklärten, daß ihre Regierungen nicht länger die Fesseln der Monroe- Doktrin dulden wollten. Dieser Sturm gegen die Monroe-Doktrin in Madrid fällt mit der Eröffnung der pa n iberischen Ausstellung in Se- o i'l l a zusammen, deren Sinn und Zweck es ist, alle Völker spanischen und portugiesischen Blutes unter der gelb-rot-gelben Fahne des Mutterlandes £ versammeln und die p a n i b e r i s ch e Ein-

i t der panamerikanischen, deren Ausfluß die onroe-Doktrin ist, entgegenzustellen.

Es gab eine Zeit, wo die halbe Erde spa- n i s ch war, und wo die Schotten Karls V. und Philipp II. über der alten und neuen Welt lagen. Spanische Vizekönige beherrschten in den Goldlän­dern der Mayas Landesstrecken, die größer als Kaiserreiche waren. Die Zeiten sind zwar oorüber, aber die spanischen Sitten und Traditionen, vor allem die spanische Sprache als Lebendiges Binde­glied sind geblieben. Es ist nun eine der Hauptauf­gaben der Außenpolitik Primo de Riveras gewesen, die locker gewordenen Bande zwischen Spanien und den flügge gewordenen Tochterländern zu festigen und das Gemeinsamkeitsgefühl der Völker spanischen Blutes zu stärken. So ist denn die paniberische Ausstellung m Sevilla nicht nur eine glänzende wirtschaftliche Schau, son­dern sie ist ein Ereignis von politischer Bedeutung. Die Synthese einer allspanischen Kultur wird dort zur Geltung gebracht und den Lateinamerikanern wird das Rückgrat in ihrer Auflehnung gegen die Fesseln der nordamerikanischen Bevormundung ge­stärkt. Die Schwäche der paniberischen Politik Primo de Riveras liegt darin, daß es ihm nicht gelungen ist, zwischen Spanien und den früheren Kolonien gesunde wirtschaftliche Grundlagen für eine Annäherung zu schaffen. Der spanische Handel mit Süd- und Mittelamerika ist verhältnismäßig gering. Es gibt außer derTransatlantico" auch keine größeren spanischen Schiffahrtslinien, die den Verkehr nach Südamerika vermitteln. Aus Sevilla soll jetzt nach Buenos Aires eine direkte Fluglinie Colon" eingerichtet werden, die von der Regierung eine Subvention von sechs Millionen Pesetas er­hält, aber auch diese Linie dürfte keinen erheblichen praktischen Wert für den Ausbau der spanisch-süd- amerikanischen Beziehungen haben. Der nordameri­kanische Dollar übt das Pfandrecht in Lateinamerika aus und er wird sich nicht so leicht aus seiner Vor- Machtstellung durck die Peseta und durch schöne Rede verdrängen lasten.

Aber wie dem auch sein mag, so ist Spanien durch seine Kongresse und Ausstellungen jetzt doch ganz besonders ins Gesichtsfeld des Auslandes gehoben worden. Es zeigt sich als moderner, fortschrittlicher Staat, in dem Ordnung und Ruh« herrscht, in dem die sozialen Gegensätze keine Reibungsflächen bie­ten, und das einen würdigen Platz in der großen Völkerfamilie Europas einnimmt.

Deutscher Pfadfinderbund.

Bundcslager bei Potsdam Pfingsten 1929

Alle zwei Jlahre sammelt der Deutsche Pfadfinderbund, der schon seit nahezu 20 Zähren der größte Pfadfinderbund Deutsch­lands ist, seine Mitglieder zum Bundestag. Das diesjährige Pfingsttreffen hatte die Ber­liner Landesmark des Bundes mustergültig vor­bereitet. Am Großen Seddiner See bei Potsdam reihte sich Zelt an Zelt, um fast 4000 deutsche Pfadfinder darunter auch 27 An­gehörige des Horstes Gießen aufzuneh­men, die aus allen Teilen des Reiches zusammen­gekommen waren. Auch aus dem uns durch das Versailler Diktat entrissenen Danzig und Oberschlesien, ferner aus Innsbruck und dem besetzten Rheinland nahmen Gruppen an dem Bundestag teil.

Am ersten Pfingsttag eröffnete der Bundes- führer das Lager und ließ feierlich das Dundes- banner aufziehen. Darauf verlas er folgenden Gruß des Reichspräsidenten:

Den bei Potsdam versammelten deutschen Pfadfindern entbiete ich herzlichste Grütze. Liebe zum Vaterland und zur schönen deutschen Hei­mat sind die besten Grundlagen für das Her- anwachsen aufrichtiger Menschen und guter Staatsbürger. von Hindenburg."

Bei strahlendem Frühsommerwetter verlebten die Zungen nun sieben Tage heiteren Spiels und ernster Arbeit. So brachte der zweite Pfingst­tag die großen Wettkämpfe des Bundes, die bei jedem Treffen ausgefochten werden. Die Hessen konnten beim Schwimmen, den Pfadfinderwettkämpfen und der P f a ö* sinder st reife den ersten Platz erringen, während andere Landesmarken beim Singwett­streit und vielerlei sportlichen Hebungen Sieger waren.

Rach dem anstrengenden Lagerdienst jedes Ta­ges vereinigte der Abend den ganzen Bund kurze Zeit ums Feuer, das Banner wurde ein­geholt, und bald schliefen alle dem neuen Tag entgegen.

Den Höhepunkt des Lagers bildete der Auf­marsch des Bundes in Potsdam. Dor der Garnisonkirche bekannten sich der Deutsche Pfadfinderbund und der Grotzdeutsche Zugend- bund zum Geist der Pflichterfüllung und Vaterlandsliebe. Ein stummer Vorbei­marsch an der Gruft des großen Königs beschloß die Feier.

Als das Danner zum letztenmal eingeholt wurde, war jeder der Teilnehmer um ein tiefes Erlebnis reicher. Alle kehrten mit frischen Kräften und im Bewußtsein der hohen Aufgaben der deutschen bündischen 3ugenb in ihre Heimat zu­rück.

Kommunale Gemeinschaftsarbeit zwischenVad-Aauheim undIriedberg

<£ Bad-Nauheim, 28. Mai. In der Heu- tigen Stadtratssitzung wurden zwei wich­tige Beschlüsse gefaßt, die für die kommunalpoli- tisck^e Entwicklung unseres Gemeinwesens von größ­ter -Ledeutung sind.

Einmal wurde der Vereinbarung mit der Nachbarstadt Friedberg über Errichtung eines gemeinsamen Städteausschusses zuge­stimmt. Derüberstädtische" Ausschuß besteht nach der Vereinbarung, die noch die Zustimmung des Friedberger Stadtrats finden muß, aus zwan - z i g Mitgliedern (von jeder Stadt 10) und wird sich beschäftigen mit kommunalpolitischen Aufgaben allgemeiner Art, bei denen durch Zu­sammenarbeit Erfolge entweder zuverlässiger, oder

»i M'niHiniin. mn~ Mimin--nrar*"~**7*~^_~

Wrlklaus um Ellinor.

Vornan von (Senta Neckel.

Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6.

8. Fortsetzung Nachdruck verboten.

Auf einer weihgetünchten Wand lief unaufhör­lich ein Rcklamefilm. unaufhörlich wurden den Menschen Sprüche und Ramen eingehämmert, die sich im Gehirn mechanisch fest saugen.

Soap! Melk! Best Butter here, you are, here you are!

Selbst der phlegmatischste Mensch mit den ruhig­sten Aerven mußte in Schwingungen geraten, beim Anblick dieser infernalischen Großstadt­symphonie.

Wie ist das schönl", sagte Mabel Peers und schaute mit glänzenden Augen um sich. Dann suchte sie mit entzückender Koketterie aus der Speisekarte die raffiniertesten Dilikatessen zu­sammen, knabberte vergnügt Salzmandeln und sprach von Gott und der Welt. ..Wissen Sre, Mr. Johnson," sagte Mabel und schob mit unnach­ahmlicher Gebärde eine köstliche Frucht in den Mund,nachher gehen wir aber noch in den Spielsaal. Spielen ist meine Leidenschaft. O, nein; ich spiele nicht hoch, offen gestanden, ich habe kein Geld dazu. Ich bin in Geldsachen immer ehrlich, was nutzt es, einem andern etwas vorzumachen, ich spiele, weil ich spielen muß, es macht so ungeheuer viel Spaß. Silan muß etwas riskieren, man muß im Leben einmal alles auf eine Karte setzen, allein schon, um dieses Gefühl kennenzulernen, sonst stirbt man ja vor Langeweile!"

Und wenn man dann verliert, kleine Mabel?

Run, dann verliert man! Was liegt daran? Es bietet sich stets eine neue Chance, und eines Tages wird man gewinnen!"

Mabel lächelte ihr hübsches Gegenüber ver­liebt an.

Sie fand den Zungen goldig, er war so herz­erfrischend jung. Und sie war doch grade so einsam, und etwas fürs Herz mußte der Mensch doch haben und Mabel Peers hatte ein sehr weites Herz.

Ellinor hob das Glas.

Also trinken wir auf diese Chance, kleine Mabel"

Der Reporter Zules Smith saß hinter einer Palmengruppe verborgen und ließ Ellinors Tisch nicht aus den Augen.

Smith war einer von den Menschen, der, selbst unfruchtbar, sich von jeher auf fremde Zdeen gestürzt hatte, um sich daran zu erwärmen, sich zu entflammen und sich über die eigene Dumpf­heit und Leere hinwegzutäuschen.

Er wußte, das Leben war heiß und schnell, wahnsinnig und mörderisch, er wußte, Tausende warfen es weg, weil sie nicht damit fertig wer­den konnten.

Er aber wollle leben. Er wollte sich nicht her­ausdrängen lassen aus der Gruppe derer, von denen die Welt sprach.

Erst heute abend wieder, in der Metropolitan Opera, als er die upper five Hundred in ihren Logen hatte sitzen sehen, hatte der Ehrgeiz ifjn wieder angefallen wie ein wildes Tier. Er kannte die Menschen, er kannte dieses Heer von Zei­tungslesern. die sich dreimal täglich ihre Seele mit den Schicksalen unbekannter Menschen heizten. Er wußte, nur wenige Auserwählte konnten sich den Luxus leisten, selbst etwas zu erleben. Fast allen fehlte Geld, Zeit und Mut, das Leben ließ ihnen nichts. Sie wurden fortgerissen vom sau­senden Schwungrad der Zeit und wer nicht auf­paßte, der wurde an die Wand gedrückt und totgequetscht, wer den Atem verlor, der stürzte ab und blieb zerschmettert liegen, und keiner drehte sich nach ihm um. Mitgefühl war Luxus geworden, denn keiner hatte Zeit, Geld und Mut, sich um den anderen zu kümmern. Eine neue Melodie ging jetzt durch die Welt, eine tolle, wilde Melodie, man konnte schon beinah sagen ein Gassenhauer.

Und Zules Smith wußte, daß nur der rück­sichtslose Mensch vorwärts kam. Zules Smith kannte von Zugend auf nur einen Plan: Vor­wärts! Er lebte elender als ein Hund.

Und eines Tages war er einer von den tau­send Zeitungsjungen, die an den Abenden die Ramen üjrcr Blätter in die Luft bellen.

Keiner konnte den schmalen blassen Zungen mit den stets hungrigen Augen leiden, aber keiner verschloß sich auch vor der Tüchtigkeit dieses Bengels, der die frechste Schnauze Reuyorks sein eigen nannte.

Abend für Abend starrte er zu den hellerleuch­teten Fenstern der Zeitungspaläste hinauf und ertoußte, daß der Tag kommen müsse, wo auch er da oben sitzen würde und vom Redaktionstisch aus die Well regieren würde.

Zn seinen freien Stunden lernte er. was das Hirn nur aufnehmen konnte. Er stürzte sich auf fremde Sprachen und saugte die Vokabeln auf wie ein Löschblatt die Tinte.

Sein Ehrgeiz schüttelte chn. Seine tollen Wünsche hielten ihn wach, wenn ihm im grauen Morgen­dämmern die Augen zufallen wolllen.

Er kannte keine Pause, keine Erholung, keine Liebelei und keinen Schlaf. Er scharrte die paar verdienten Cents zusammen und legte sie nutz­bringend an.

Keine Demütigung und Züchtigung des Lebens konnte ihn mürbe machen. Er schluckte sie her­unter und dachte an die Zukunft. Er schlief in einer elenden Baracke mit drei Pennbrüdern zu­

sammen. Zm Winter froren ihm die Hände steif, so daß er kaum seine Zeitungen halten konnte.

llnö eines Tages hatte er es geschafft. Er sprach fließend französisch und deutsch.

Er kaufte sich einen neuen Anzug und neue Schuhe, band sich einen sauberen Kragen um, und ging zum Chefredakteur desHerald", stellte sich vor, und hatte das Glück, angenommen zu werben, denn der alte Zeitungsmann hatte auf den ersten Blick gesehen, daß in dem Burschen eine Vitalität steckte, die man nutzbringend ver­wenden konnte.

Endlich konnte Zules Smith frei atmen.

Und der junge Reporter schuftete, daß ihm das Blut in den Ohren sauste.

Er tnußte, keiner konnte ihn leiden. Er war auch jetzt noch hysterisch sparsam, er gab nie einen Pfennig Trinkgeld, er hatte den Mut, die frechste Anspielung eines Kellners zu übergehen. Er hatte nur eine Leidenschaft: Geld zu verdienen.

Er schikanierte seine Leute genau so, wie man ihn einst getreten hatte, er kämpfte gegen den Strudel, um hoch zu kommen.

Aber das Hochkommen war verdammt schwer, die Zeiten, wo man in Amerika aus nichts Mil­lionenvermögen machte, waren längst vorüber.

Doch Smith wußte, daß augenblicklich eine große Chance sich bot, mit einem Schlag 100 000 Dollar zu verdienen.

Ellinor!

An dem Tag, als man ihm im Gebäude der Cvening Review" die Tür gewiesen hatte, da hatte es sich in ihm festgesetzt wie ein glühender Stein: Rur ich werde Ellinor finden. Und an dem Tag, als jeder Quadratfuß Reuyorks von Ellinors Bild bedeckt war, da hatte auch er es verstanden, von sich reden zu machen. Er hatte einen wahren Feldzugsplan ausgearbeitet, aber er Wechte niemand in seine Pläne ein. Er sah, wie die Menschen sich Ellinors wegen heiße Köpfe redeten, er sah die Parteien, die für und wider waren.Bluff, Bluff, the greatest Bluff ot the world! schrien die einen. Die andern aber ver­teidigten ihren Standpunkt und schrien, daß sie die anderen übertrumpften:Ronsens, kein Bluff, Mac Stanley weiß, was er will, und Ellinor wird uns 100 000 Dollar schenken!"

Es lag haarscharf auf der Hand: Diese Speku­lation des alten Stanley war die grandioseste Zeitungsreklame aller Zeiten. Und Smith wuhte, daß Stanley schon Tausende an der Sach« ver­dient hatte, weil die Auflage derEvening Re­view" um das Zehnfache gestiegen war.

Smith faß ganz allein an seinem Tisch und saugte durch einen Strohhalm Zitronenlimonade. Er freute sich, daß er endlich einmal einen Augen­blick ruhig sitzen konnte, beim diese letzten zehn Tage war er kaum einen Moment zur Ruhe ge­kommen, diese Ellinor hatte es einem verdammt schwer gemacht, sie zu finden.

mit geringerem Kräfteaufwand erreicht werden können; mit Einzelaufgaben der Selbstverwaltung, die zum Nutzen beider Städte am besten gemein- sam gelöst werden: mit der Pflege eines freund­nachbarlichen Verkehrs und infolgedessen gegebenen» falls auch mit dem Ausgleich von Gegensäken.

Durch den andern Beschluß wurde dem Beitritt der Stadt Bad-Nauheim zum Rheinischen Regionalplanungsoerband zugestimmt. Diesem Verband, der am 12. April unter dem Vor­sitz von Oberbürgermeister Dr. Landmann in Frankfurt a. M. gegründet wurde, traten ferner bei die Städte Darmstadt, Friedberg, Frankfurt am Main, Hanau, Hornburg, Mainz, Offenbach und Wiesbaden.

Die Stadtratssitzung nahm ferner die neue städ­tische Besoldungsordnung an und geneh­migte den von der Stadtverwaltung vorgelegten Stellenplan. Für Instandsetzung des Saales im ehemaligen GasthausZ u m Rit» ter" wurden bis zu 6 0 0 0 Mark bewilligt. Der Saal soll in der Hauptsache Vereinen und Jugend­organisationen für ihre Versammlungen zur Ver­fügung gestellt werden.

Aus der Provinzialhauptfiadi.

Gießen, den 29. Mai 1929.

Kinder als Helfer im Garten.

Bei genügender Aufsicht und guter Anleitung können schon Kinder i m Alter von 7 bis 8 Zähren sich im Garten recht nützlich erweisen, besonders im Kampfe gegen Ungeziefer und Unkraut. Der Vorteil ist ein doppelter, nämlich für den Garten und nicht weniger für die Kinder selbst.

Mit Vorliebe helfen die Kinder beim Ablesen der Raupen und Larven. Zeigen sich an den Stachelbeersträuchern die Larven der Stachel- beerwespe, oder an den Kohlpflanzen die Kohl­raupen, so sind die Kinder unbezahlbare Heiser. Ihren scharfen Augen entgeht kein Tier, und chre kleinen Finger greifen geschickter zu, als die meist arbeitssteise, harte Hand des Erwachsenen. Einige gut angelernte Kinder können in dieser Beziehung in wenigen Stunden Großes leisten. Sie lernen leicht durch die Reihen der Pflanzung gehen, ohne die Pflanzen zu schädigen. So habe ich einmal mit Kindern einem Landwirt sein Rapsfeld gerettet vor den Verwüstungen durch den Rapsglanzkäfer, ebenso eine Kohlpflanzung vor dem Kahlfressen durch Raupen. Weiter lernen die Kinder sehr bald das ilntraut mit zwei Fingern unterhalb des Wurzelhalses fassen, damit die Wurzeln mit herauskommen, sie wer­den darüber belehrt, wie dadurch doppelte Ar­beit gespart wird. Sie lernen hocken und knien, ohne die Füße zu bewegen, damit sie auf den hinter ihnen liegenden Beeten keinen Schaden anrichten. Bald lernen sie auch die Schädlinge kennen und sie von den nützlichen Znsekten, wie z. D. vom Marienkäferchen und den nützlichen Laufkäfern, unterscheiden, ebenso das Unkraut von den Kulturpflanzen, wie sie auch bald die nützlichen Dogeiarten im ©arten kennenlernen. Dadurch lernen sie praktische Raturkenntnis, die für ihr ganzes Leben Wert hat. Die Deobach- tungsgabe und die Sinne werden früh geschärft, sie gehen bald offenen Auges durch die Ratur und sehen dann vieles, an dem andere achtlos vorübergehen, sie lernen früh arbeiten und sich nützlich erweisen. So hat der große Raturforscher Drehm in seiner Zugend den Grund gelegt zu seinen eminenten Forschungen in der Tierwelt, indem ihn sein Vater schon in der Kindheit die Vogelwelt des Gartens kennen lernte.

Der Gartenfreund wird seinem Kinde zur Be­lohnung ein Beet zur eignen Bewirtschaftung Überlassen. Durch die Freude, die erlangten

Er hatte Reuyork kreuz und quer durchstreift, war in allen Luxushotels gewesen, hatte die fin­stersten Kaschemmen besucht, ohne eine Spur zu finden.

Er hatte das eine Hausmädchen der Stanleys in Philadelphia, wo Stanleys ihren Wohnsitz hatten, bestochen, ihm die Ramen der Bekannten zu verraten, wo Stanleys in Reuyork verkehrten. Und an der Hand dieser Ramen hatte er unter irgendeinem Vorwand diese Leute aufgesucht, ohne den geringsten Erfolg.

Er war Untergrundbahn gefahren so oft, wie noch nie in feinem Leben, hatte sich stundenlang an den Brennpunkten des Verkehrs aufgebaut, und jedes Auto beobachtet.

An dem Tag, als angekündet worden war, daß Ellinor im Lafahette Einkäufe machen würde, da war er der erste, der dort war, und er war der letzte, der abends das Haus verließ. Zmmer war es erfolglos gewesen. Aber nun ist seine Stunde gekommen. Da drüben sitzt Ellinor, greif­bar nahe, er braucht bloß hinzugehen und zu sagen:

Hallo, Ellinor Stanley, wo sind die 100 000 Dollar?"

Er weiß selber nicht, warum er es nicht tut, er weiß selber nicht, warum er auf dem Sessel sitzen bleibt und Zitronenlimonade durch einen Strohhalm saugt. Er weiß nichts, er hat nur das Gefühl einer unendlichen Ruhe. Wieder nimmt er gierig einen Schluck. Rur durch einen Zufall hat er Ellinor heute abend entdeckt. Zedes an­kommende Auto vor der Metropolitan Opera hatte er beobachtet, denn er wußte ja, daß Elli­nor kommen würde. Der Regen hatte ihn bis auf die Haut durchnäßt, geduldig war er stehen- geblieben, was machte ihm ein bißchen Regen? Er hatte schon ganz andere Sachen erlebt. Er dachte nur an seine erste Reportage, da hatte man chn stundenlang im Schneegestöber herum- geheht, und damals hatte er nicht die Aussicht auf ein Riesen vermögen. Er hatte an dem Abend schon fast die Hoffnung aufgegeben, keine der an­kommenden Damen war Ellinor gewesen, er hatte ein scharfes Auge. Dann war auf einmal ein junger Mann aus dem Auto gestiegen. Run, das war nichts Besonderes, es waren viele junge Männer im Auto gekommen, aber dieser junge Mann hatte mit einer so unnachahmbaren Ge­bärde den Frackmantel zusammengerafft, wie es eben doch nur eine Frau tun konnte, und als dieser junge Mann dann noch mindestens zehn Minuten lang vor dem Garderobespiegel gestan­den hatte, da stand es für Zules Smith fest, daß das nur eine verkleidete Frau sein konnte.

Und im Laufe des Abends war ihm die Ge­wißheit seiner Annahme klar geworden und er hatte sich dem schicken jungen Mann an die Fer­sen geheftet und ließ ihn nicht aus den Augen.

(Fortsetzung folgt.)