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Nr. 99 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GberlMn)Montag. 29. April (929

0 s

Geschichten aus aller Welt

lind je niedriger Lande ist. um so d i e älteren, Klassen an Zahl

in Vorbereitung befindlichen Rhein-Mainischen Regionalplanungsverband als Mitglied beitritt Der Regionalplanungsverband soll die Aufgabe haben, die allseitig als notwendig erkannte Füh- lung zwischen den Staaten hcrbeizuführen und die technischen Planungen derselben nach ein­heitlichen Gesichtspunkten zusammenzufafsen. Ins­besondere wird er als nächste Ausgabe die Ver­einheitlichung des Kartenwesens, Beschaffung einer Luftbildaufnahme, die zur Berichtigung des vielfach unzureichenden Kartenmatcriols not­wendig ist, und die interkommunale Planung des Verkehrs, der Grünflächen, Siedlungen usw. zu bearbeiten haben. Vis jetzt haben ihren Bei- tritt erklärt die Städte Darmstadt, Fried berg, Hanau, Vad Homburg. Mainz, Dad - Vauheirn, Offenbach und Wiesbaden. Die Kosten der Verbandsarbeiten sollen durch Um­lagen auf die Mitglieder gedeckt werden. Sie werden jährlich von der Mitgliederversamm­lung nach Maßgabe der für die Planungsarbei­ten entstandenen Ausgaben festgesetzt.

von Familien oder E l t e r n s ch a s t s Ver­sicherung. Welche (Erfolge mit einer solchen Ein richtting in der genannten Richtung erziel» werden können, läßt sich natürlich nicht voraussagen. Jeden alls sollte man aber angesichts der aus dem zu tarken Geburtenrückgang drohenden Gefahren für unser Volk den Versuch mit derartigen Mitteln machen.

die Geburtenhäufigkeit in einem mehr müssen in der Bevölkerung dem Sterben mehr ausgesetzten z u n e h m e n , wodurch natürlich wieder erhöht werden muß. Die

Mücke ist geschlagen worden. Mit einem schwe­ren dicken Stock. Die Vase ist hin, ein einziger Brei.

Federmann besucht Mücke. Besieht sich den Schaden.

Als Federmann noch jung war, wollte er em reiches Mädchen heiraten.

Wie groß," sragte der Vater, als Federmann bei ihm um ihre Hand anhielt,ist Ihr Ver­mögen?"

Zweihunderttausend Mark."

Sehr gut, sagte der Vater.Das wären mit den Zweihunderttausend, die ich meiner Tochter mitgebe, also zusammen--"

Verzeihung," sagte Federmann,das sind ja die Zweihunderttausend."

Federmann besichtigt eine Baumwollspinnerei. Rauchen verboten", steht überall mit großen Buchstaben. Und überall stehen Feuerwehr­männer herum.

Plötzlich kommt so ein Feuerwehrmann auf Federmann zu, bleibt vor ihm stehen, runzelt die Stirn und fragt mit scharfer Stimme:Rau­chen Sie?" .

Gern." sagt Federmann,wenn Sw nur viel­leicht mit einer Zigarre aushelfen wollen!"

Immerhin," sagt er.Du hast Glück gehabt. Wenn die Vase nicht da gewesen wäre, hättest du den Schlag mitten ins- Gesicht bekommen."

Federmann kann englisch. Und wie er ba auf der Straße eine sehr blonde, junge Dame sieht, fällt ihm etwas ein.

Gentlemen prefer blonds, sagt et und zieht den Hut.

Aber die junge Dame kann auch englisch. Blonds prefer gentlemen", sagt sie. Und geht.

Oer Geburtenrückgang und das deutsche Bevölkerungsproblem

Von Or. Paul Mombert, o. ö. Professor der Staatswissenschafien an der Universität Gießen.

Vor einem Monat," erzählt jemand,habe ich einen erstklassigen Watteau getauft. Gleich bar bezahlt. Meinen Sie, daß er mir bis heute ge­liefert ist? Kein Gedanke!"

Ja," zuckt Federmann die Achsel,rm Früh­jahr dauert das immer etwas länger.

Im Frühjahr? Wieso?"

Was glauben Sie wohl", klopft Federmann bem anderen aut die Schulter,was die Auto­mobilfabriken im Frühjahr zu tun haben!"

Höhe gehalten werden kann. Wenn das der Fall ist, dann läßt sich leicht erkennen, daß die eben dar­gelegten Ziele und Wünsche derer, die durch Klein­haltung der Familie ihre soziale Lage und die Zu­kunft ihrer Nachkommen verbessern wollen, in Frage gestellt werden können. Dann ist zwar die Zahl der Menschen geringer geworden, es kann aber als-

Federmann fiirbi nicht ans...

Von Hans Riebau.

Federmami fitzt am Schreibtisch. Und schreibt. Auf der Straße spielt ein Orgeldreher: Valen­cia. Spielt und spielt. Immer Valencia. Jeder­mann wirst fünfzig Pfennig hinunter.Auf- hören!" ruft er. Der Orgeldreher hört auf. Und geht. Desgleichen der zweite. Jedermann schreibt. Da kommt ein dritter Orgeldreher. Valencia! Jedermann geht gleich auf die Straße. Bleich. Vier Wochen," sagt er,ist hier auf der Straße nicht gespielt worden, und heute

Ja," lächelt der Orgeldreher,ich habe gehört, für Valencia gibt es hier 50, Pfennig. Die an­deren kommen auch alle noch."

Jedermann hat, er weih selbst nicht wie, feine Zigarrenspitze verschluckt.

Mehlbrei", empfiehlt Mücke.

Jedermann ißt Mehlbrei.

Rizinus", sagt Mücke.

Jedermann nimmt Rizinus.

Ist die Zigarrenspitze da?" fragt Mücke am nächsten Tag.

Vein", sagt Jedermann.

Mücke macht ein bedenkliches Gesicht.Was könnte man denn da noch tun?"

Schlimmstenfalls," zuckt Jedermann die Ach­sel,schlimmstenfalls müßte ich mir eine neue Zigarrenspitze laufen.

bann auch fein, daß durch den Rückgang in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes d

die Sterblichkeit , ,

niedrige Sterblichkeit, die wir heute in Deutsch­land haben, beruht eben auch darauf, daß aus frü­heren Geburtenjahrgängen herrührend, die jünge­ren "Altersklassen noch in großem Umfang in der Bevölkerung vertreten find. Wenn diese dann in ein höheres Alter hineinwachsen, wenn infolge des Geburtenrückganges der jugendliche Nachwuchs ab­nimmt, dann muß die Sterblichkeit wieder ft c i = g c n. Daß unsere jetzige geringe Sterblichkeit des­halb in diesem Sinne eine anormale Erscheinung ist, zeigt eine einfache Ueberlcgung. Im Jahre 1927 starben bei uns auf 1000 Einwohner 12,6 Personen. Nehmen wir einmal an, daß alle Menschen bei uns, was ja eine äußerst günstige und für unsere heutigen Verhältnisse unmögliche Annahme ist, 70 Jahre alt würden, daß also kein Todesfall im Alter von unter 70 Jahren einträte, so würden jährlich auf 1000 Einwohner 14,3 Personen ster­ben ; dann wäre also die Sterblichkeit schon wesent­lich höher als sie es heute ist. Es gibt sogar ange- scheue Schriftsteller, die mit guten Gründen die Mei­nung vertreten, daß wir bei der jetzigen Geburten- häusigkeit in Deutschland in nicht allzu langer Zeit mit einem Rückgang der Dolkszahl und der Gefahr einer Entvölkerung zu rechnen haben.

Es ist wichtig, sich die Folgen einer solchen Er­scheinung, besonders in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht klar zu machen. Auf den ersten Blick scheint es sich dabei um eine Entwicklung zu handeln, die rein sozialpolitisch gesehen, günstig zu beurteilen ist. Diejenigen, die heute keine zu große Kinderzahl haben wollen,' tun dies auch in der Hauptsache deshalb, weil sie über die Mittel verfügen wollen, um diese Kinder besser aufziehen zu können, um ihnen ein besseres Fortkommen zu jichern. Man will auf diese Weise den Lebensspielraum für sich und die Seinen

und die Le-

Volkseinkommen sinkt

II.

Die Wirkungen dieses Geburtenrückganges auf Volkszahl und Volkswachstum find früher nicht tief­greifend gewesen, weil, wie gezeigt, gleichzeitig die Sterblichkeit etwa in dem gleichen Maße gesunken ist. Das hat sich nun in der Zeit nach dem Kriege geändert. Der Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle ist gewaltig gesunken und, was noch weit wichtiger ist, dieser Geburtenüberschuß wird noch weiter sinken müssen, auch wenn die Fruchtbarkeit der Bevölkerung nicht weiter, als dies bis jetzt der Fall ist, zurückgeht. Das wird der Fall fein, wenn auch zunächst noch weitere Fortschritte in der Bekämpfung der Sterblichkeit erzielt wer­den. Je mehr nämlich die Sterblichkeit zurückgeht

Jedermann träumt: Er ist krank.Vikotmver- giftung", sagt der Arzt.Hoffnungslos." Feder- mann stirbt also. Kommt in den Himmel. Petrus bietet ihm eine Zigarre an. .Jedermann schüt­telt den Kopf.So ein Unfug," sagt er,dann hätten Sie mich auch unten weiter rauchen lassen können!"

Allerdings", kratzt sich Petrus den Kops und macht ein verlegenes Gesicht.

Da wacht Jedermann auf.Va also!" sagt er. Greift aus den Vachttisch. Und steckt sich ein. dicke, schwarze Zigarre an.

vergrößern.

Hierbei handelt es sich jedoch um Zusammenhänge, die in ihren wirtschaftlichen und sozialen Auswir­kungen keineswegs so einfach sind, wie man sich das in weiten Kreisen der Bevölkerung oorzustellen pflegt. Vom Standpunkt einer einzelnen Familie aus mag diese eben bargelegte Meinung vielleicht richtig sein. Man darf jedoch nicht vergessen, daß jeder einzelne von uns nureinTeildesGanzenist und daß das Schicksal jedes einzelnen auch davon abhängt, wie sich die wirtschaftliche Lage des Ganzen bei einer Stagnation der Volkszahl oder gar einer Abnahme derselben gestalten wird. Dabei sei von rem poli­tischen und nationalen Gesichtspunkten einmal ganz

Zunächst fann die Stagnation der Volkszahl oder gar eine Abnahme derselben ein Hindernis für die wirtschaftliche Fortentwicklung eines Landes fern. Es können sowohl in der Industrie als auch na­mentlich in der Landwirtschaft die Arbeits­kräfte zu fehlen beginnen, so daß die Leistungs- fähigkeit der Wirtschaft nicht auf der bisherigen

Skizze.

Von Anna Elisabet Weirauch.

Dunkle widerhallende Kreuzgewölbe. Schwarze feuchte Mauern, schwelende Oellämpchen hier und da. Aber in dem gelben flackernden Licht blinken goldene Stickereien, gleißt Atlas von der Farbe des Schnees, des Himmels, der Wiesen. Dumpf und modrig und verbraucht ist die Luft, aber immer noch durchzittert von dem Duft wolkig aufstäubenden schmeichlerischen Puders, von dem verwehenden Hauch köstlicher Essenzen.

Stapfend dröhnen die Schritte der Garden vor den verschlossenen Türen Aber hier drinnen rauscht die schwere gebauschte Seide, knistern die Spitzen um die schmalen weißen Handgelenke der kartenspielenden Herren, schlagen die facher in den zarten wächsernen Singern der anmutig plaudernden Damen. .

Sorgsam geschminkte Lippen . plelen nnt der zierlichsten Sprache der Welt, leises Lachen perlt auf, wohl auch ein trällerndes Singen: eines Schäferliedchens kecker oder chniachtender Refrain

In einer Vische liegt ein Fieberkranker auf schmutzigem Stroh, mit einem ^verbrämten Sammetmantel bedeckt. Er stöhnt grauenvoll, und das Stroh knistert, wenn er sich ruhelos umher-

Schritte poltern auf den Treppen über öie Gänge, Schlüssel und Waffen flirren Fackelschein loht aus. ... Einen Augenblick stockt der Atem, schweigt das Geplauder, knistern die Karten­blätter nicht mehr in geschmeidigen Yagern-w o jede Bewegung zu Stein, die die Seide so lieblich aufrauschen ließ.

Vur der Fiebernde stöhnt. .

Klobige Fäuste halten ein namenbedecktes Vtatt in den zuckenden Lichtschein, eine rauhe Sllmme brüllt die Vamen wie Peitschenhiebe durch die hallenden Gewölbe.

Manche zucken nur leicht, wenn der Pe,t'^n hieb sie trifft, und lächeln mit verkrampften Lippen und sagenHier". Manche wimmern auf, ober brechen in die Knie, oder umklammern ihre Vachbarn.

Lang ist die Liste, lang, lang.

Citoyenns D^siröe dHauteville."

, Hier", sagt eine blonde Frau und neigt oas Haupt, als fordere ein Herzog sie zum Menuett.

Sie tritt an den Tisch der Spieler und be­rührt leise einen goldbestickten Aermel von zimmetfarbenem Samt:

Rhein-Mainischer ^egionalplanungöverband.

WSV. F r a n 11 u r t a. M., 27. April. In einer hier stattgefundenen Versammlung der Oberbür­germeister, Bürgermeister und technischen Sach­bearbeiter der 'wichtigeren Rhein-Main-Städte ist kürzlich einmütig beschlossen worden, einen Regionalplanungsverband f Ü r das Rhein-Main-Gebiet zu gründen Der Franksurtcr Magistrat hat nunmehr an die Stadtverordnetenversammlung das Ersuchen ge­richtet. daß die Stadt Frankfurt a. M. dem

in einem bisher kaum erreichten Maße erfrischend. Der tschechische Gelehrte schlägt nun vor, an zahl­reichen Meeresstranden große Laboratorien an- zulegen und hier das Meerwasser in konzentrier­tem Zustande in Flaschen abzufüllen, auf daß es auf dieseeinfache" Weise auf den Tisch des kleinen Mannes gelange. Vor jeder Mahlzeit soll dann ein Eßlöffel voll wieder verdünnten Meer­wassers dazu beitragen, die ganze Welt, und vor allem wohl die Tschechen, zu erfrischen Sie scheinens nötig zu haben! - Man kann ja gespannt sein, ob die interessanten Projekte des tschechischen Menschenbeglückers zur Ausführung gelangen. Meerwasserbrauereien waren bisher be­stimmt noch nicht da!

Alle Mädchen mässen heiraten.

(h) Schanghai.

Der Gouverneur der chinesischen Provinz Honan (südlich von Peking gelegen) geruhte zu befehlen, daß alle seiner Obhut anvertrauten Mädchen in kürzester Zeit zu heiraten haben. In die offizielle Liste der heiratsfähigen jungen Männer kann jede Schöne einsehen, follte., aber die eine oder die andere nichtspassendes" fin­den, muß sie nach Ablauf der feftgelegten Ehefrist mit einem Bräutigam bzw. Ehemann vorlieb nehmen, den ihr die Behördezu st eilt". Da die Macht der chinesischen Gouverneure ine der gekrönten Häupter des Abendlandes bei wei-' tem "übertrifft, ist keineswegs daran zu zweifeln, daß alle Junggesellinnen des Kantons Honan programmäßig im Hafen der Ehe landen wer­den. Daß die Obrigkeit Eheglück stiftet, ist recht rühmenswert und bisher bestimmt nirgends da­gewesen. Was würden aber die Europäer zu so einem Befehl sagen?! . . .

Die Akademie der Feinschmecker.

(g) Rom.

Vor vielen Jahren schon wurde von berufener Seite der Untergang der Gastronomie voraus­gesagt, und diese Prophezeiung hat in allen Kulturländern die Feinschmecker auf den Plan gerufen, um kräftige Maßregeln gegen den Vie- Ziergang derleckeren Kunst zu ergreifen.

Italien, das hierin eine ehrwürdige Tradition aufrecht zu erhalten hat, ist nunmehr ebenfalls mobilisiert worden, und dreihundert Leckermäuler haben sich unter Vorsitz des königlichen Koches Pettini zu einernationalen gastronomischen Akademie" vereinigt.

Seit der blühenden Zeit der Renaissance hat die italienische Küche sich zu veredeln verstanden, und die italienischen Köche waren so berühmt, daß z. B. Friedrich der Große dem Küchenkönig Italiens den Vorzug vor seinem französischen Kollegen gab. Pettini wies in seiner Eröffnungs-

Vachdruck. auch mit Quellenangabe, verboten!

David und die beiden Goliaths.

Paris.

Jiu-Jitsu (Dschin-Dschutsu). ursprünglich ein altes Kampfspiel, ist bekanntlich die japanische Methode der vollendeten Kampffertigkeit auch gegen Stärkere. Eine recht raffinierte Methode, die auch die Europäer gern erlernen, wenn sie bloß in richtiger Form dafür interessiert werden.

Herr Kawa-Ta-Akira hat aber leider nicht die richtige Form gewählt. Er verabredete sich mit zwei polnischen Riesen, die den kleinen Japaner auf Schritt und Tritt provozierten. Vatürlich in öffentlichen Lokalen, und nur in solchen, die voll beseht waren. Der Japaner lieh sich die Beleidigungen nicht gefallen, und so führte der kleine gelbe David an den beiden polnischen Goliaths sämtliche Kniffe des Kampfspiels vor. Die Riesen liehen ihn gewähren, und das hatte schon seine besondere Bewandtnis. Der Sieger und Meister der Kampffertigkeit verteilte nämlich, nachdem er seine Gegner einwandfrei geschlagen, bescheiden lächelnd seine Visitenkarte, woraus in einwandfreiem Französisch zu lesen stand, daß er notariell beglaubigter Jiu-Jitsu-Professor fei und für ein recht billiges Entgelt Unterricht er­teile. Die Besiegten erhielten selbstverständlich entsprechende Provision für ihrepassive" Mit­wirkung. Die Pariser Polizei fand diese eigen­tümliche Reklameart unpassend, und nachdem der geschäftstüchtige David die zwei ebenfalls geld­gierigen Goliaths Wochen hindurch täglich meh­rere Dutzend Male vorschriftsmäßig und gegen vereinbartes Stundenhonorar besiegt hatte, wan­derte die ganze Jiu-Jitsu-Aktiengesellschaft ins Kittchen. Das konnten sie leider nicht einmal durch ihre altehrwürdigen Kniffe verhüten. ...

Trinkt Meerwasscr!

(s) Prag.

Ein tschechischer Wissenschaftler namens Ru- zicka, der vor einiger Zeit mit einer individuellen Verjüngungsmethode sein Glück versuchte (aller­dings ohne Erfolg), wartet jetzt, wohl um wieder einmal angenehm aufzufallen, mit einer in der Tat neuartigen Gesundheitstheorie auf. Er be­hauptet nämlich, daß das Meerwasser eine über­aus gesundheitsfördernde Wirkung auf den menschlichen Organismus ausübt. Das wußte man ja auch schon vor der epochemachenden Erfindung des tschechischen Meisters. Seine Reform besteht aber darin, daß man das Wasser der Meere nicht wie bisher für Badezwecke, sondern vielmehr für Trinkwasser anwenden solle. Die Chlor» und Iodsalze, die im Meerwasser enthalten sind, för- dern Herrn Ruzicka zufolge nicht nur die Blut- kreisung, sondern wirken auf den ganzen Körper

Leise, mit vergehendem Lächeln, neigt sich das blonde Haupt, von dem längst der Puder ent­staubte:

Sterben Sie Wohl, Marquis!"

be ns Haltung zurückgeht. Freilich fann in einem solchen Falle, wie die neueste Entwicklung in Frankreich zeigt, sich der Gang der Dinge auch anders abspielen. Fehlen in der Heimat zur Fort­führung der Wirtschaft die erforderlichen Arbeits­kräfte, dann werden volksfremde Elemente einwandern, und zwar aus Gebieten, die kulturell und sozial tiefer stehen. Damit fann ein lohn drückender Einfluß in Deutschland ausgeübt werden. Es fei nur auf die umfangreiche Einwan­derung von Polen und Italienern nach Frankreick) verwiesen. Gerade die Tatsache, daß unsere slawi­schen und östlichen Nachbarn, Russen und Polen, eine viel stärkere Volksvermehrung haben als wir, läßt eine solche Gefahr als durchaus wahrscheinlich erscheinen. Faßt man diese Möglichkeiten ins Auge, dann sieht man, daß es ein recht verfehltes Mittel fein kann, durch eine zu starke Einschränkung der Kinderzahl die soziale Lage eines Volkes auf die Dauer heben zu wollen. Das mag vorübergehend und für die einzelnen Familien möglich fein, es fann aber reichlich in fein Gegenteil Umschlägen, wenn die Entwicklung den eben dargelegten Gang nimmt. In einem neueren Buche über diese Frage ist deshalb mit Recht gesagt worden:Für den ein­zelnen Arbeiter mag Geburtenbeschränkung einen wirtschaftlichen Vorteil bedeuten und ihm eine höhere Lebenshaltung ermöglichen, für die Gesamt­heit der deutschen Arbeiterschaft aber bedeutet die Geburtenbeschränkung und das dadurch bedingte Hereinströmen volksfremder Elemente eine nicht minder große Gefahr, als für die deutsche Wirtschaft im ganzen*).

Es mag fein, das läßt sich jedoch heute noch nicht ganz übersehen, daß wir es bei dem besonders star­ken Geburtenrückgang der letzten Jahre doch mit einer vorübergehenden Erscheinung zu tun haben, und daß sich bei einer Besserung der wirt­schaftlichen Lage auch hier vielleicht wieder ein ge­wisser Anstieg zeigen wird. Eine besonders große Rolle spielen ja hierbei auch d i e ungünstigen Wohnungsverhältnisse, besonders in den Großstädten' Wie dem aber auch sei, so ist die Frage für uns wichtig genug, um schon heute an Maß­nahmen zu denken, dieser starken Abnahme der Ge­burtenzahl entgegen zu arbeiten. In Betracht kommen hierbei vor allem zwei Mittel und Wege: einmal die Bekämpfung d e r Landflucht, hauptsächlich durch eine energisch betriebene Sied- lungspolitif; nur muß sie viel tatkräftiger in die Wege geleitet werden, als es bei uns in den letzten Jahren geschehen ist. Hat doch die Landbe- völkerung eine weit größere Geburtenhäufigkeit, als die Städte und ist doch auch auf dem Lande die Aufzucht der Kinder wesentlich leichter als in der Stadt. In zweiter Linie denkt man bei uns vielfach an einen finanziellen Ausgleich zugunsten der kinderreichen Familien auf Kosten der Unver­heirateten, der Kinderlosen und der kinderarmen Familien. Der Artikel 115 der Reichsverfassung be­stimmt ja auch:Kinderreiche Familien haben An­spruch auf ausgleichende Fürsorge." Die Wege, die zu diesem Ziele hinführen, find verschiedenartig. Es handelt sich im wesentlichen um den Ausgleich der Familienlasten in der Bevölkerung durch eine Art

) F. Burgdörfer: Der Geburtenrückgang und feine Bekämpfung. Berlin 1929.____________________

~2Iuf ein Wort, Marquis."

Der Angeredete springt auf, verneigt sich tief, starrt in das süße, lächelnde, o so bleiche Ant- lih, in dem die Augen wie blaues Feuer brennen.

Ich halte die Stunde für günstig, um Ihnen ein Geständnis zu machen", Tagt eine Stimme, die singt, wie edeles Glas. ..Ich habe seit Wochen nach diesem Augenblick gefiebert, der mich abberuft. Sie werden es nicht für schamlos und ausdringlich halten, wenn ich Ihnen in dieser Minute sage, daß ich Sie liebe.

Dieje Wochen im Kerker waren die glücklich­sten meines Lebens. Ich durfte um Sie sein, durfte Ihre Stimme hören, durfte Ihre Augen, Ihr Lächeln, jede Geste Ihrer Hände in mich aufnehmen. Wenn man mich ohne Rahrung ge­lassen hätte, so hatte ich davon gelebt.

Ich habe in einem Winkel gesessen und habe Sie angesehen immer und immer. Sie hätten es bemerkt haben müssen, wenn ich Ihnen nicht unendlich gleichgültig gewesen wäre. Aber viel­leicht werden Sie mich jetzt ein wenig heb ge­winnen, jetzt, wenn ich fort bin. Versprechen Sie mir, daß Sie an mich denken wollen, eine Stunde lang, die Stunde, die jetzt kommt. Ich will Ihre mitleidigen und zärtlichen Gedanken wie einen Mantel um mich fühlen, wenn uns ber Karren durch den Pöbel schleift..." Ganz lepe wird die süße, klingende Stimme, wie ein Hauch:

Ich will meine Lippen auf den Block pressen und denken, daß es deine Lippen wären, und der Augenblick, der andern wie eine Ewigkeit erscheint, wird mir zu kurz fein. Immer war mein Blut eingeengt in meinem Körper, wie in einem Sarge, und es schrie Tag und Rächt und peitschte mein Herz und wollte zu dir. Es wird aufsprühen aus meinen durchschlagenen Adern und wird Zteinen Vamen singen und wird einen Teppich auf den Block breiten, der dich empfangen soll so lind, wie meine Arme dich empfangen hätten. Mein Blut wird dir Liebes- Worte flüstern, wenn du das Haupt auf den Block legst, und du wirst nicht das Gröhlen der Menge hören und nicht das Sausen des Beils .. "

Eine rote Faust stößt in den Weißesten Vacken: Vorwärts, vorwärts, Bürgerin!"

Die schmalen Hände umklammern den Fächer und strecken sich nicht zu einer letzten und ein­zigen Berührung.