meyer, S. C. 80 Frankfurt a. M., 12,1 Sekunden. Müller, dessen Stampfschritt typisch ist, gewinnt sicher.
4 0 0 M e t e r: 1. Henrich, S. C. 80 Frankfurt a.M., 52,8 Sek.; 2. Husch, Griesheim-Elektron, 54,3 Sek.; 3. Haus, S. C. 80 Frankfurt a. M., 55 Sekunden. Die 52,8 Sekunden sind eine für die dritte Klasse ganz hervorragende Zeit und stellen in der genannten Klasse die absolut beste Leistung dar.
1500Meter: 1. Garst, Viktoria Worms-Neuhausen, 4:25,2 Min.; 2. Hofmann, Jugend 06 Betzdorf, 4:26,1 Min.; 3. Döring, Hessen-Preußen Kassel, 4:27,6 Minuten. Ein scharfes Rennen mit Leistungen, die der Klasse II zuzuteilen sind.
4X100-Meter-Staffel : 1. Sportclub 80 Frankfurt a. M., 46,9 Sek.; 2. Spielvereinigung 1900 Gießen, 47,1 Sek.; 3. Sportv. Griesheim-Elektron 47,2 Sekunden. Wenn die 1900er beim ersten Wechsel nicht soviel verschenkt hätten, wäre wohl ein Brust- an-Brust-Rennen mit S. C. 80 zustande gekommen.
Hochsprung: 1. Lehmann, Griesheim-Elektron, 1,60 Meter; 2. Steuerwald, Opel-Rüsselsheim, 1,55 Meter; 3. Wolf, 1900, 1,55 Meter.
Kugel st oßen: 1. Steuerwald, Opel-Rüsselsheim, 11,32 Meter; 2. Schmelz, 1900, 10,90 Meter; 3. Wolf, 1900, 10,81 Meter.
Handball imMännerturnvereinsO.T.) 1. Schülermonnschasl Dito — 1. Schüler To. Grohcn- vnseck 13:3 (6:0).
Am Sonntag trug die erste Schülermannschaft des M.T.D. auf eigenem Platze ein Handball- Freundschaftsspiel gegen die gleiche des T.B. Gr.- Buseck aus. Trotzdem niemand auf ein hohes Resultat gerechnet hatte, konnten die Gießener Schüler nach überlegenem Feldspiel, trotz zahlreicher Lattenschüsse, diesen hohen Sieg erringen. Die besten Leute der Gießener Mannschaft waren der Mittelstürmer, der Mittelläufer und der Torwart.
Großer Erfolg des Tv. 1846.
Turner Erich Dilges nahm am Sonntag an den vom M.T.B. 1817 ausgeschriebenen reichsoffenen Wettkämpfen teil. D i l g e s zeigte hier gutes Können. 3m Kugelstoßen errang er den er st en Sieg und im Diskuswerfen (offen) kam er mit einem Wurf von 3 4m vor dem ehemaligen Sieger des Kreisturnfestes in Gießen, Höflich, an vierter Stelle. Wenn man bedenkt, daß gerade zu solchen Wettkämpfen des M.T.D. 1817 Mainz nur erstklassige Dolks- turner, wie Lammers, Feistel, Höflich. We igeroth, Löfer und Mährlein kommen, so ist der Sieg von Turner Dilges hoch einzuschühen.
V. f. B.
Wie zu erwarten war, mußte D. s. R. Butzbach am Samstagabend auf dem Waldsportplatz eine hohe Niederlage hinnehmen. 03. f. 03. war seinen Gästen fast während des ganzen Spiels weit überlegen und gewann wie er wollte. Butzbach war durchaus nicht schlecht, neben seinem großen Eifer muh seine recht gute Ballbehandlung anerkannt werden. Was ihm fehlt, ist vor allem die richtige Zusammenarbeit der Mannschaftsteile untereinander und das Stellungsvermögen des einzelnen. Die Platzmannschaft zeigte eine sehr flüssige und produktive Kombination und stellte, ohne sich dabei besonders anstrengen zu müssen, bis Halbzeit das Resultat auf 4:0. Rach dem Wechsel gelang es den Gästen durch verdoppelten Energie- und Kräfteaufwand, ihr Spiel gleichwertiger zu gestalten, um jedoch bald darauf wieder nachzulassen. Obgleich sich die Platzmannschaft in der zweiten Spielhälfte sichtlich Reserve auferlegte, mußte der 03. f. R.-Tormann bis zum Schluß sich noch dreimal geschlagen bekennen. Wit 7:0 für die Einheimischen trennten sich die uwgleichen Gegner.
Schon gleich am Sonntag lieferte die Liga- mannschaft B. f. R. Butzbach das Rückspiel und gewann auch dieses mit hoher Tordifferenz. Der 6:1-Sieg bzw. seine Höhe überrascht insofern, als B. f. B. eine verhältnismäßig schwache Ber-
tretung nach dort geschickt hatte. Daß die zum großen Teil aus Spielern der zweiten und dritten Mannschaft zusammengestellte Elf sich auf fremdem Platz so gut schlug, verdient besondere Anerkennung. In stärkster Aufstellung wäre der Sieg Gießens noch ein wesentlich höherer geworden.
Bom Spiel der Ligareserve gegen die erste Mannschaft des Post-Sportvereins Frankfurt hatte man sich einiges mehr versprochen. Beide Mannschaften enttäuschten, 03. f. B. jedenfalls noch mehr, als die Gäste. Ms Entschuldigung für die schwachen Leistungen mag das ungewohnt heiße -libetter gelten. Das Schluß - refultat von 3:2 für Gießen hätte ebensogut auch umgekehrt zugunsten: der zeitweise besseren Frankfurter lauten können.
Die stark ersatzgeschwächte dritte Mannschaft mußte sich der er st en Daubrin- g e n s auf dortigem Platz mit 1:2 geschlagen bekennen.
Gießener Tennis-Club 1922 — Roi-Weiß Mainz 15:6.
Dieser Klubkampf brachte abermals eine freudige Ueberraschung für den Gießener Club, da man im Gießener Lager nach Absagen von Noll, Dr. Schop- per, Müller und Frl. Berg mit einer sicheren Niederlage gerechnet hatte. Daß Gießen trotzdem so glatt gewann, zeigt erneut die beachtliche Spielstärke seiner Turnierspieler.
Im Herren-Einzel gewann Kirchner mühelos gegen Brinkmann 6:0, 6:2, Dr. Fischer und Hamann gaben ebenfalls nie die Führung ab und siegten sicher. Von Grolmann erfreute durch einen 6:2-, 6:0-Sieg an fünfter Stelle, S c r i b a erledigte seinen guten Gegner in eleganter Form und K. Fischer gab Mainz in drei harten Sätzen das Nachsehen. Nur zwei Spiele gingen im Herren-Einzel verloren, für sie zeichnen verantwortlich Dr. Dönges und Schüßler.
Im Damen-Einzel gewann Frl. Kempff glatt gegen Frl. ran der Does 6:2, 6:3; zwei weitere Pluspunkte brachten Frl. Stark und Frl. S t ü rf= ratl) für Gießen nach Hause, während Frau D ü 11 m a n n mit den weichen Bällen ihrer Gegnerin nicl>ts aazufangen wußte, die Lust am Spiel und damit das Match verlor.
In den Herren-Doppelspielen gabenKirchner— Hamann nur zwei Spiele ab, die anderen Kombinationen brachten durchweg glatte Siege und nur eine Niederlage.
Knappere Resultate wurden in den Mixed-Spielen erzielt. Frl. Kempff — Hamann siegten sicher 7:5, 6:1.
Gesamtergebnis: Gießen siegt mit 15:6 Punkten, 30:15 Sätzen und 232:185 Spielen.
Erfolgreiche Gießener Automobilisten.
Der Automobil- und Motorrad-Club E. V. Gießen (ADAC.) errang bei der am Sonntag stattgefundenen Strahlenfahrt des Gaues 111b nach Bad Hersfeld den 1. Preis. Ferner errangen von seinen Mitgliedern je zwei.einen 1. Preis (goldene Plakette) und drei einen 2. Preis in Gestalt einer silbernen Plakette.
Arbeiier-Turn- und Syortbund.
Heuchelheim I — Alsseld I 3:0.
Alsfelds erste Mannschaft war am Sonntag in Heuchelheim. Vom Anstoß ab entwickelte sich ein flottes Spiel, in dem die Gäste, trotzdem sie nur mit 10 Mann antraten, manche gefährliche Situation vor dem Tore der Einheimischen schufen. Halbzeitergebnis 1:0 für Heuchelheim. Rach Seitenwechsel lieh das Spiel etwas nach. Heuchelheim konnte sein zweites Tor buchen, dem nach kurzer Zeit bereits das dritte Tor folgte. Obwohl die Gäste mit aller Kraft aus sich herausgingen, blieb ihnen, außer einigen Ecken, jeder verdiente Erfolg versagt.
Gießen Ib — Lollar I 1:2.
Auf dem Trieb lieferten sich beide Mannschaften in kompletter Aufstellung ein spannen-
Wrttlaus um Lllinor.
Vornan von Senta Neckel.
Copyright bei ©reiner & Co., Berlin NW 6.
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Ellinor ließ sich an der Garderobe Hmhang und Zylinder reichen. 03ewundemd sah die Garderobenfrau den schönen Jüngling an. Roch ganz jung mußte der Bengel sein, so ein zartes, bartloses Gesicht, so eine schmale Weiße Hand.
3a, ja, die Reichen hatten es gut, die brauchten nicht zu arbeiten, da konnten die Hände weiß bleiben.
Ellinor sah die bewundernden Blicke der Frau. Eine kleine Genugtuung bereitete sie ihrem wunden Herzen. Sie hatte immer gewußt, daß sie schön war. Sie hatte beobachten gelernt.
Keiner ging an ihrer Erscheinung achtlos vorüber. Sie kannte hinter gesenkten Wimpern neidische Frauenblicke, kannte schüchterne, bewundernde Knabenaugen, oder dreist zupackende Männerblicke, die einem das Blut in die Backen jagen konnten.
3a, sie war schön, sie wollte schön sein.
Sie blickte zu dem großen Garderobenspiegel, sah einen wundervoll gewachsenen Iünglings- körper, die schmale Stirn, die glatt zurückgestrichenen Haare, den edel geschnittenen Mund und dann ihre Augen, diese Äugen, von denen niemand wußte, ob sie blau oder grün waren, ob sie zürnten, oder lachten, weil sie in ewigem Wechsel schillerten, Augen, die man nie vergessen konnte.
Olie?
George hatte sie vergessen.
Und plötzlich packte Ellinor eine unbändige Wut, die Wut der gekränkten Frau, und aus dieser Wut hinaus, die im Grunde genommen nur verzweifelte Liebe war, faßte sie den Entschluß, nun in einem tollen Wirbel der Ereignisse zu leben, nicht zum Atem zu kommen, um zu vergessen, was man ihr tat.
3n diesem Moment öffnete sich leise die Tür einer Loge. Eine junge Frau in einem tief ausgeschnittenen Kleid huschte heraus, tuschelte mit der Garderobenfrau und lieh sich von ihr irgend etwas holen. Reugierig betrachtete sie den schönen jungen Mann, der sich da eben vor dem Spiegel seinen Frackmantel zuLand.
Donnerwetter, war der 3unge schön.
Wie unabiichtlich lieh das kleine kokette Wesen das blitzende Achselband ihres Kleides von der Schulter rutschen.
Ellinor sah das Treiben der kleinen Frau, noch hatte sie sich nicht ganz in ihre Rolle hinein- gefunden, noch überlegte fte sich nicht, daß daS
Kokettieren ihr galt, aber als die Kleine jetzt ihren Rocksaum bis zu den Knien hob und ein schönes seidenbestrumpftes Dein zeigte, da wuhte Ellinor plötzlich, dah diese nicht mihzuverstehende Koketterie dem schönen jungen Mann galt, und dieser schöne junge Mann war sie selbst.
Blitzschnell schoh ihr ein Gedanke durchs Hirn.
Hier war ein Abenteuer, ein tolles, wirbelndes Abenteuer, bei dem man vergessen konnte.
Hnd als die kleine Frau jetzt mit zögernden, absichtlich langsamen Schritten zur Logentür wieder zurückkehrte, da war ihr Entschluh gefaht.
Mit zwei schnellen Schritten stand sie neben der Frau und sagte mit ihrer dunklen, wohl- tönenden Stimme:
„Pardon, Madame, warum wollen Sie mich nicht kennen?"
Die kleine Frau stotterte errötend irgend etwas, es klang wie:
„Ach ja, natürlich, ja, Mr. Wolf, nicht wahr?"
Sie hatte natürlich feinen Schimmer, wer der entzückende Mann war, aber diese Chance konnte man sich doch nicht entgehen lassen, also gab man zu, daß man sich kannte. Sie hatte irgendeinen Otamen genannt, sie kannte gar keinen Mr. Wolf, aber nun muhte der andere sich ja vorstellen, und dann würde man gleich wissen, mit wem man das Vergnügen hatte.
Ellinor hatte natürlich sofort das Manöver der kleinen Frau durchschaut.
Sie kam ihr zu Hilfe.
„Madame verwechseln mich mit meinem Vetter 3ames Wolf, er sieht mir allerdings sehr ähnlich, ich selbst bin Axel 3ohnson!"
„Ach ja, Axel 3ohnson, wie konnte ich Sie auch verwechseln!"
Rach einigem Hin und Her stellte es sich heraus, dah die kleine Frau Mabel Peers hieß und dah sie sich schrecklich einsam fühle, weil ihr Mann verreist fei, Mr. Johnson erinnere sich doch an ihren Mann.
„Selbstverständlich!"
Hnd dann wurde man sehr schnell einig, dah man noch irgendwo zusammen einen Coctail nehmen wolle, natürlich einen alkoholfreien, weil andere ja nicht erlaubt waren.
Während Elttnors schmale Hände der Frau den Pelzmantel umlegten, stieg noch einmal die Bitterkeit in ihr hoch.
Warum tatest du das, George? -
Tränen stiegen bis in die Kehle.
Da drehte sich die kleine Frau um und sagte mit einer Hellen, ein wenig triumphierenden Stimme:
„Also gehen wir!"
Wit einem Ruck warf Ellinor den Kopf zurück.
„Gehen wir!"
Arm in Arm traten sie in den Regen hinaus. 03eide hatten nicht bemerkt, daß sich eine kleine
des Spiel. 3n der ersten Spielhälfte sah man Gießen in Front, das auch bald das Führungstor errang. Rach Seitenwechsel wurde Lollar leicht überlegen und errang den Ausgleich, dem bald auch das Führungstor folgte. Drei Minuten vor Schluß entschied der Hnvarteiische Handelfmeter für Gießen, darauf touröe infolge Differenzen das Spiel von dem Unparteiischen abgebrochen.
Dehlar I — wieseck I 2:6.
Wieseck trug sein erstes Serienspiel in Wetzlar aus. Während Wetzlar komplett, trat Wieseck mit einem Mann Ersatz an. Bis Halbzeit stand das Spiel 3:2 für Wieseck. Rach Seitenwechsel erzielte Wieseck sein viertes Tor. Wetzlar stellte um, konnte jedoch nichts mehr an der Heber* legenheit der Gäste ausrichten. Trotz zahlreicher OZerteidigung konnten die Gäste noch dreimal einsenden, wovon jedoch ein Tor vom Unparteiischen nicht anerkannt wurde.
„Lorbeer" Hamburg
Bundsfußballmeisker des Arbeiter-Turn- und Sportbundes.
3n Hamburg standen sich am Samstagabend Lorbeer-Hamburg und Döbern-Lausitz im Endspiel um die Dundesmeisterschaft des Arb.-Turn- und Sportbundes gegenüber. Hamburg konnte mit 5:4 Toren als Meister das Spielfeld verlassen.
Große Strafkammer Gießen.
* Gießen, 27. Mai. Heute vormittag begann die Berufungsverhandlung gegen den Angeklagten R., der in dem großen Betrugs- prozeß vor einigen Monaten durch das hiesige Schöffengericht zu einem Jahr zehn Monat G e f ä g n i s verurteilt worden war, und der gegen dieses Urteil zum Zwecke seiner Freisprechung Berufung verfolgt. Der damalige Mitangeklagte H., der, wie erinnerlich, zu drei Jahren sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden war, hat inzwischen seine Berufung zurückgenommen und damit das erstinstanzliche Urteil anerkannt.
Nach der Berichterstattung, mit der die ersten Vormittagstunden ausgefüllt waren, wurde der Angeklagte R. vernommen. Er gab an, vor dem Kriege Chemie studiert zu haben. Nach Kriegsende ist er hierher gekommen, um seine Kenntnisse in physikalischer Chemie zu vervollkommnen, was ihm aber durch die Inflation nicht möglich war. 1924 lernte er dann H. kennen, mit dem er im folgenden Jahre unter gemeinschaftlicher Firma eine offene Handelsgesellschaft gründete, deren Hauptzweck in der Vermittlung von Darlehn und Hypotheken bestand. Bereits nach sechseinhalb Monaten schied R. wieder aus der offenen Handelsgesellschaft aus. Dem H. wirft er vor, daß er ihn über die Geschäftsvorfälle nicht genügend informiert habe.
Daraus wurde in die Zeugenvernehmung eingetreten. Aus der Vernehmung der Buchhalter ergab sich, daß zur Zeit der Gründung der Firma keine ordnungsmäßigen Buchaufzeichnungen vorhanden waren. Aber auch in der Folgezeit konnte von einer ordnungsmäßigen Buchführung keine Rede sein. So mußten oft Konten auf Grund von Notizen oder auch nur nach Diktat angelegt werden.
Hieran schloß sich die Vernehmung der Vorsteher bzw. Geschäftsführer der einzelnen Bankinstitute, mit denen die Angeklagten zum Zwecke der Geldbeschaffung in Verbindung traten. Es waren das die Volksbank Philippstein, das Bankhaus RaschL-Co., Frankfurt a.M. und die Sparkasse Rodheim. Auf Grund eingereichter hypothekarischer Sicherheiten wurde den Angeklagten von den Banken ein Wechseldiskontkredit eingeräumt. In der Regel wickelten sich dann die Geschäfte der Angeklagten mit ihren Geldsuchern in der Weise ab, daß diese zunächst ihren Grundbesitz mit einer Hypothek bestellen mußten, deren Beleihung in voller Höhe oder in Zweidrittel-Höhe von den Angeklagten versprochen wurde. Außerdem mußten sie alsdann noch Geldbeschaffungsakzepte einreichen, worauf ihnen dann nach und nach Teilbeträge in oft geringer
dunkle Gestalt vom Eingang löste und ihnen folgte.
3ules Smith hatte die Verfolgung aufgenommen.
Das kleine Auto, von Ellinor selbst gesteuert, raste wie ein Pfeil durch die unendlichen Straßen- züge Reuyorks, die wie ein quadratisches Retz die steinernen Häusermassen schachbrettartig ein- tcilten.
Dom Central-Park bis hinab zur Dattery schwoll der Derkehr zu einem unabsehbaren Strom, der nie versagte, der immer neue Kräfte ansog und sich in breiten Schwaden durch die Stadt wälzte.
„Wohin wollen wir?" fragte Ellinor die junge Frau, die sich, in ihren Pelz gehüllt, dicht an den vermeintlichen Axel 3ohnson kuschelte.
„O, wohin Sie wollen! 3rgendwohin, wo es lustig ist und wo viele Menschen sind!"
Das ist mir recht, dachte Ellinor, je mehr Trubel um mich herum ist, desto weniger werde ich merken, wie einsam ich bin und im Frack wird mich so leicht keiner erkennen.
Sie merkte nicht, daß der Wagen 3ules Smiths dem ihren in stets gleichbleibendem Abstand folgte.
„Alfo fahren wir zum Madison Square Palast."
Die kleine Frau klatschte in die Hände.
„Himmlisch!"
Der Madison-Square-Palast war ein riesiges Vergnügungshaus, das man erst vor wenigen Wochen eröffnet hatte.
Heber ein 3ahr lang hatte man an dem Palast gebaut, der sich nun wie ein Gigant vierzig Stockwerke hoch erhob.
Der Chefingenieur, Peter Halmer, ein Deutscher, hatte während des Baues ein Heer von Journalisten allein für sich beschäftigt, die die Spalten ihrer Blätter mit Sensationsnachrichten über den Bau des Palastes füllten.
„Schassen Sie uns eine Feerie, Halmer," hatte das Daukonsortium gesagt, „der Palast muß alles bisher Dagewesene totschlagen!" Hnd Halmer hatte ein vierzig Stock hohes Gebäude errichtet, mit allen Schikanen, die man sich nur träumen kann, ein Märchenschloß, das nun im Lichte der tausend bunten Scheinwerfer weithin sichtbar glänzte.
Ellinor und ihre Begleiterin fuhren mit einem der vielen Lifts bis zum Dachgarten hinauf.
Dieser Dachgarten war eine besondere Attraktion des Palastes. Es war eine riesige, glasüberdeckte Halle mit grünem Pflanzenschmuck und wundervollen, blühenden Blumen, Papageien schaukelten sich in goldenen Ringen, kleine Marmorbassins sprudelten, herrlich beleuchtete Springbrunnen, in deren Wassern seltsame exotische Fische schwammen, schillerten in allen Farben.
Höhe teils in bar, bzw. Schecks, teils in Wechseln, die oftmals wieder mangels Zahlung zu Protest gingen, gegeben wurden.
Gegen 7.30 Uhr abends wurde dann die Verhandlung auf morgen vormittag vertagt.
Zwangsetat
für die Stadt Worms?
WSR. Worms, 27. Mai. Wie verlautet, beabsichtigt die hessische Regierung bei der außerordentlich ungünstigen Finanzlage der Stadt Worms einen Zwangsetat vorzuschlagen. Cs ist der Stadtverordnetenversammlung in Worms bisher nicht gelungen, das Defizit von 1,7 Mill. Mark aus der ODelt zu schaffen. Cs wurde lediglich erreicht, daß das Defizit auf einen Stand von 9 5 0 0 0 0 M a-r k herabgedrückt wurde. Die hessische Regierung steht auf dem Standpunkt, daß eine Stadt von 47 000 Einwohnern mit einem derartigen Defizit nicht ein Ctatsjahr abschliehen darf und nicht zu noch höheren Steuern greifen sollte, um das Defizit aus der Welt zu schaffen. Deshalb beschäftigt man sich mit der Frage, für die Stadt WormS einen Zwangsetat vorzulegen.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
- a. Reiskirchen, 27. Mai. Arn gestrigen Sonntag sand im Fritzelschen Saale dahier die Generalversammlung der hiesigen Spar- und Darlehenskasse, G.m.b.H., statt. Auch aus den Orten Burkhardsfelden, Oppenrod, Linden- struth, Hattenrod und Bersrod gehören Mitglieder der hiesiigen Kasse an. Im ganzen waren etwa 150 Mitglieder anwesend. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist die Mitgliederzahl von 275 auf 300 gestiegen. Der Rechner La un spach verlas die Bilanz von 1928, und die Mitglieder mußten dadurch den Eindruck gewinnen, daß sich die Kaste glänzend entwickelt hat. Die Spareinlagen haben sich um 73 000 Mark erhöht, so dah sie jetzt 143 879 Mark betragen. Außerdem sind auf laufende Rechnung eingelegt 52 847 Mark, die Gesamtspareinlagen belaufen sich danach auf 196 727 Mark. Eine erfreuliche Spartätigkeit haben auch die Schulen gezeigt, die der Kasse angeschlossen sind. So wurden bei der Schule Reiskirchen 2122 Mark, bei der Schule Hattenrod 533 Mark eingelegt. Die der Kasse angegliederte Bezug- und Absatzgenossenschaft hatte einen Umsatz von 20 000 Mark. Vor Jahresfrist ließ die Kasse eine Saat» getreibereinigungsanlage aufstellen, die viel in Anspruch genommen wurde. An der Anlage konnten 1277 Mark abgeschrieben werden, so daß sie nur noch mit 1000 Mark belastet ist. Die Kasse hat einen Reingewinn von 4867 Mark, der auf Reservefonds, Betriebsrücklage und Aufwertungsfonds verteilt wurde. Bei den Wahlen wurden die Vorstandsmitglieder I ü n g c r und Stumpf und die Auf- sichrsratsmitglieder Hoffmann Nürnberger und Müller wiedergewählt.
f Treis a. d. Lda., 27. Mai. Gestern nachmittag und abend ließ der hiesige Turnverein „Gut Heil" den Kulturfilm „Das 14. Deutsche Turnfest in Köln 1928" in Wills Saal dahier vorführen. Die glänzenden Darbietungen, die auch mehrmals den Sieger im Zwölfkampf, Turner Reuter (Gießen) zeigten, der, einer Einladung unseres Vereins folgend, anwesend war, fanden die einstimmige Anerkennung der zahlreichen Anwesenden. Der Fi!m ist durch die Lichtbildstelle des Kreisschulantts Lauterbach beschafft worden und wurde von Lehrer Schädel hier vorgeführt.
Kreis Friedberg.
# Butzbach, 27. Mai. Endlich ist die verkehrsreiche Straße nach Hochweisel wieder dem Verkehr freigegeben worden. Sie mußte in den letzten Wochen, da sie durch
Lautlos glitt eine Schar von gut geschulten Dienern in kostbaren stilisierten japanischen Gewändern hin und her servierte auf silbernen Platten erlesene Speisens
Gedämpfte Musik erscholl aus einem Wall» von Palmen.
Das Schönste aber war der Blick aus den riesigen Glasfenstern auf die Stadt Reuhork, die vierzig Stockwerke tiefer wie eine Schale voll Licht vor einem ausgebreitet lag.
Reuhork brodelte und dampfte. Reuhork schwitzte wie ein Boxkämpfer nach getaner Arbeit. Die Autos, die das Asphalt der Sttatzen blank polierten, surrten und brummten in der Broad- wahschlucht entlang, die sich in Sekundenfolge ablösenden Züge der elektrischen Cars hämmerten ihre Glockensignale.
Plötzlich schrillte irgendwo ganz fern ein lang- gezogenes gellendes Signal: ein Feuerlöschzug fegte durch die Straßen! Ringsherum funkelten Lichter in der blauen Rächt, von denen man nicht wußte, ob sie zum Himmel oder zur Erde gehörten.
Vom Dachgarten aus sahen die Gäste in die zwanzig Kilometer lange Broadwayschlucht, die ganz Reuhork in zwei Hälften spaltet.
3rqendwo am Boden dieses heißen, quellenden Schachtes, kabbelten wie Ameisen schwarze Gestalten: Menschen.
Seitenstraßen mündeten wie silberglänzende Flüsse. Aus fernergelegenen Querstraßen, quoll ein lichter Rebel auf.
Der Wolkenkratzer des Woolworthgebäudes und des Paramounthauses ragten wie riesige glühende Pfeile gen Himmel, Riesenspielzeug I
Dann wieder standen Gruppen von eng aneinandergedrängten Turmhäusern, dunkel, schweigsam, wie riesige Zypressen. Wie Fackeln lohten vierzig Stockwerke hohe Türme aus: die Dachgärten von Regis, Metropolitain, Waldvrf- Astoria und Republie. Wenn man sich ein wenig vorbeugte, so sah man rings am Horizont rote Flammenscheine glühen, die Vorstädte Hoboken. 3ersey, City, Brooklyn und Cast Reuhork. Wie eine Raht von blitzenden Perlen zogen sich die ausgedehnten Rehe der Hochbahnen durch die Häuserschächte. Rings um den Palast schossen Lichtfontänen in die Luft. Strahlende Farben- bündel wurden aus unsichtbaren Quellen geschleudert. Riesige ReklarnebaUons schwebten wie Racht- gespenster durch die Lust.
Ein Haus erglühte plötzlich rot auf, Flammen schlugen heraus, im nächsten Moment verlöschte alles, um nach einigen Sekunden wieder im Flammenschein aufzuflackern. Eine Reklame für eine Feuerversicherung.
Eine orangefarbene Sonne kreiste wie irrsinnig geworden über den Dächern Manhattans und spie funkelnde Garbenbündel.
(Fortsetzung folgt)


