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Nr. <22 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Dienstag, 28. Mai (929

Oie Neichsanleihe.

Von Dr. Rudolph Schneider, M. d.

Der Reichstag hat das Gesetzüber Maß­nahmen zur Besserung der Kassenlage" nun also doch angenommen I Die hinter der Regierung stehenden Parteien haben schweren Herzens für die Regierungsvorlage gestimmt, obwohl bei den meisten ihrer Mitglieder ganz genau die­selben Bede-nken gegen den vorgeschlagenen verzweifelten Schritt bestanden, wie bei den Oppositionsparteien, wie auch bei den Mitglie­dern des Kabinetts selbst. Denn die Finanz­lage, die leeren Kassen, das Defizit, d i e abso­lute R 0 t zwangen das Reich zu diesem kost­spieligen, bedenklichen und folgenschweren Borgt Es bietet sich kein anderer Ausweg. An das Ausland können wir uns nicht wenden. Die Banken verweigern weiteren kurzfristigen Kredit. Die Kassen sind leer. Jeden Monatsersten fehlt weit über eine Milliarde Mark. RnD wir können unmöglich die Gehälter den Beamten oder die Löhne den Staatsarbeitern schuldig bleiben, sie auf den 10. oder 20. des Monats vertrösten.

Disher hat sich die Hauptkasse des Reiches von Ultimo zu Ultimo mit mühsamen, ja be­schämenden Rotmahnahmen durchgeholfen. Man erinnert sich an die langwierigen Berhandlungen mit den Banken im April, als es dem Reichs- sinanzministerium mit Mühe und Rot gelang, wenigstens noch 150 bis 170 Millionen von den Danken für kurze Zeit geborgt zu erhalten. Auch für das bevorstehende Monatsende hat man diese demütigenden Borgversuche wiederholt, und diesmal nun ohne Erfolg. Daher Hals über Kopf die jetzige Gesetzesvorlage, und un­glaubliches Drängen auf Beschleunigung: Der Hauptausfchuß des Reichstages hielt binnen 24 Stunden drei Sitzungen ab. Die Zwischenzeit wurde mit äußerst schwierigen Verhandlungen über diese Vorlage in den Fraktionen und durch Besprechungen mit der Regierung in Anspruch genommen. Kaum jemals hat dem Reichstage eine Vorlage vorgelegen, gegen die sich soviel Bedenken, wirtschaftlicher und politischer, fi­nanzieller und sozialer Art richteten, wie gegen diese Anleihe! Und kaum jemals mußte die Regierung so dringlich dem Parlament darlegen, daß jeder andere Ausweg verschl 0 s - s e n war, daß kein Ausweichen und kein Zögern mehr half, daß die Rot zur Annahme zwang.

Runmehr ist das Gesetz beschlossen: Die Re­gierung hat die Genehmigung, allen, die ihre Anleihe zeichnen, die der Reichsregierung Geld borgen wollen, dafür Steuerfreiheit zuzu­sichern. Die Anleihemöglichkeit selbst war an sich seit Jahren der Regierung bewilligt, aber nach den traurigen Erfahrungen, die die Reichs­regierung mit der 1926 zu 5 Prozent heraus­gebrachten Reinhold-Anleihe gemacht hat, und nach der inzwischen fortgeschrittenen Verknappung des Kapitalmarktes und Erhöhung des Zins­fußes war es völlig ausgeschlossen, daß die Reichsregierung fifc eine weitere zu herkömm­lichen Bedingungen aufgelegte Anleihe Zeichner in nennenswertem Umfange gefunden hätte. Um einen Betrag, wie er notwendig ist, um 500 Mil­lionen geborgt zu erhalten, mutzte die Reichs­regierung diesmal ganz besonders ver­lockende Bedingungen für die Zeichner Vorschlägen. Demgemäß sollen die Zeichner der Anleihe den in dieser Reichsanleihe von ihnen angelegten Betrag von der Erbschafts­steuer befreit erhalten (ein Anerbieten des Reiches, welches bei größeren Beträgen und bei Erbschaften, die an entferntere Verwandte fallen, dem Reiche ganz unerwartet große Steuerbeträge entziehen kann). Und die künftigen Besitzer der Anleihe sollen für ihre Zinsen von der K api- talertragssteuer und von der Einkom­me n st e u e r, für ihren Anleihebesih obendrein noch von der Vermögenssteuer befreit sein.

Das ist eine Steuerbefreiung, wie sie steuer­politisch und sozialpolitisch bedenklicher kaum ge­dacht werden kann. Der Geldmann, alle, die

Wohnungen im alten Rom.

Von A Strukat.

Das rasche Anwachsen der Großstädte, wobei Millionen von Menschen auf einem verhältnismäßig kleinen Raum wohnen, wird als eine Erscheinung der Neuzeit angesehen, und doch wiederholt sich hier nur ein typischer Zustand, den viele Weltstädte o>ie Babylon, Konstantinopel und Rom bereits in alter Zeit durchgemacht haben.

Als Rom in höchster Blüte stand, etwa zur Zeit der Geburt Christi, bestand ein großer Gegensatz zwischen den Wohnungen der Reichen und der Armen. Die reichen Familien bewohnten mit ihren Dienern einen ganzen Palast, wie es heute noch 31 den Villenvierteln unserer Großstädte der Fall Die römischen Paläste waren meist einstöckige yäuser mit reichem Außenschmuck und prachtvoller Inneneinrichtung. Von dem flachen Dach gewährten schattige Dachgärten einen weiten Ausblick. Diese yäuser standen besonders im westlichen Teile der Stadt, auf dem Palatin und den übrigen Hügeln, also in den schönsten Gegenden des alten Rom. Dort wurden auch entsprechend hohe Preise gezahlt, und es ist nicht verwunderlich, wenn Millionen von Mark für solche Paläste ausgegeben wurden. Das Haus des Crassus hat fünfzehn Millionen Goldmark gekostet.

Dagegen waren die Wohnverhältnisse bei der är­meren Bevölkerung jämmerlich. Von den eineinhalb Millionen Einwohnern gehörte wenigstens ein Drittel zu den Proletariern. Die Unterbringung dieser Menschenmassen war nur möglich mit Hilfe ron Mietskasernen. Durch die ärmeren Viertel der östlichen Stadtteile zogen sich enge und krumme Straßen, welche durch Vorbauten mit Ladenräumen ier Kleinhändler, Gastwirte und Barbiere noch ver­schmälert wurden. Die Suburra war wohl das 'übervölkertste Stadtviertel. Da wohnten Gemüse­händler, Tabernenbesitzer und Handwerker aus klein- ftem Raum zusammengedrängt, und ein ebenso Licht bewohnter Stadtteil lag hinter dem Walle des Servius, welcher die alte Stadt im Osten begrenzte. Fischer, Gärtner, Trödler und Hausierer wohnten am Tiber, und hier befand sich auch das Juden­viertel der Weltstadt.

Die Miethäuser durften im alten Rom nicht mehr als siebzig Fuß hoch sein; Kellerwohnungen waren darin nicht vorgesehen. Der Unterbau der sechs und mehr Stockwerke umfassenden Gebäude war von Stein, während die Stockwerke aus Holz leicht aufgebaut waren. Steile Treppen führten bis unter das Dach, das stets von Tauben bevölkert

flüssige Mittel besitzen, oder solche Mittel flüssig machen können (indem sie sie der Wirtschaft, den kreditbedürftigen Unternehmungen entziehen! In­dem sie sie bei den Danken oder Sparkassen ab­heben!) denen muß Steuerfreiheit versprochen werden, um so wirksamere und vollständigere Steuerbefreiung, je größer ihre Mittel sind, je vollständiger sie ihren Geldbesih der neuenReichs- anleihe zur Verfügung stellen. Zu einer solchen Maßregel, die das genaue Gegenteil einer sozia­len und gerechten Steuerpolitik ist, sind wir gezwungen durch die verzweifelte Kassenlage des Reiches.

Ein Wort über das Verhalten des Reichs- rats bei der Verabschiedung der Vorlage. Es scheint, als ob der Reichsrat hier weniger als verantwortlicher Faktor der Gesetzgebung, sondern vielmehr als egoistischer Sachwalter der Länder und ihrer Finanzverwaltungen auftritt. Er wollte den Gedanken der steuerfreien Anleihe nicht zu­rückweisen, s ondern noch ausdehnen. Auch die Länder sollten nach dem Beschlüsse des Reichsrats an dem süßen Gift dieser Anleihe mit teilnehmen, auch ihnen sollte die Ausbrin­gung steuerfreier Anleihen erlaubt werden. Im Reichsrat hat sogar ein Antrag vorgelegen, der Anleihe mit Steuererleichterung sogar den Ge­meinden zugänglich machen wollte! Es ist erfreu­lich, daß der Reichstag an der Regierungsvorlage die Einfügung des Reichsrats wieder heraus­gestrichen hat. Im Hauptausfchuß des Reichstags ist auch nicht eine Stimme für die Ausdehnung der Steuerfreiheit auf die Länderanleihen abge­geben worden.

Uebrigens enthielt das Gesetz noch eine wei­tereMaßnahme zur Besserung der Kassen­lage". Um sich Mittel zu beschaffen, wird das Reich ermächtigt, die in seinem Eigentum befind­lichen Vorzugsaktien der Reichsbahn an Sparkassen, Girozentralen, Kommunalbanken und an die Träger der Sozialversicherung zu verkaufen. Dabei wird das Reich den Käufern eine Garantie für die Zahlung einer Vorzugs­dividende der Reichsbahn von 7 Proz. geben. Mit diesen Vorzugsaktien ist nun aber ein Stimmrecht in der Generalversammlung der Reichsbahn-Gesellschaft verbunden, welches im vaterländischen Interesse nicht veräußert werden Darf. Aus diesem Grunde hat der Hauptausschuh des Reichstags in die Regierungsvorlage die Be-

roar. In solchen Häusern lebten Hunderte von Men­schen, und das führte besonders bei Erdbeben, an denen der vulkanische Boden reich war, sowie bei Bränden, die in dem Holzwerk reiche Nahrung fanden, zu den schlimmsten Katastrophen. Der große Brand unter dem Kaiser Nero im Jahre 64 v. Ehr. legte mehrere Stadtteile in Asche.

Die Wohnungen waren im Sommer zu heiß und im Winter zu kalt, und gegen beides gab es keine Schutzvorrichtungen, nicht einmal Defen. Man be­zeichnete die Häuser nicht durch Nummern, sondern mit dem Namen des Eigentümers. Frei gewordene Wohnungen wurden durch Wandanschriften bekannt- gemacht. Die Mietpreise waren in Rom viermal so doch wie im übrigen Italien, gerade so wie auch heute die Wohnungen in den Großstädten teuerer sind als auf dem Lande. Die ärmere römische Be­völkerung konnte die Miete kaum erschwingen, und daher erließen manche Kaiser solchen Bürgern, die bis 300 Mark Jahresmiete zahlten, mehrmals die Entrichtung derselben. Zwei Jahre durfte der Römer mit der Zahlung feiner Miete im Rückstand bleiben, ehe man ihn auf die Straße setzen konnte. Der 1. Juli war Umzugstermin.

Da Rom den größten Teil des Jahres «ine milde Witterung hat, sah man die Wohnungen nur als Obdach für die Nacht an und hielt sich den größten Teil des Tages auf der Straße auf, wo dann ein dichter Menfchenfchwarm den Verkehr in den engen Gaffen noch mehr erschwerte. Agrippa, durch den Bau der großen Wasserleitung berühmt noch heute sind die Reste derselben vorhanden legte auch eine Straßenkanalisation an, welche die Ab­wässer in den Tiber führte.

Ein Wagenverkehr für Personenverkehr im heu­tigen Sinne war nicht vorhanden, und Lastfuhr­werke durften die Straßen nur in der Nacht be­fahren; so gab es in Rom damals auch nicht die Straßenunfälle, die heute in jeder Großstadt fast an der Tagesordnung sind.

Das beste Rezept für eine Maibowle.

Die Anfertigung einer guten Bowle ist eine Kunst, und wie in jeder Kunst machen sich auch hier die Dilettanten und die Barbaren breit. Es gibt," so schreibt Carl Georg von Maaßen im soeben erschienenen Juniheft von Velhagen & Klasings Monatsheften,sonst ganz ehrenwerte Leute, die der Meinung sind, es sei schade, einen guten Wein zu einer Bowle zu nehmen, denn man merke es ja doch nicht. Oder die Gäste wüßten die Wahl eines guten Tropfens dazu doch nicht zu würdigen. Aber darf man solche

stimmung eingefügt, daß beim Verkauf an jene öffentlich-rechtlichen Kreditanstalten ein Ver­bleiben des Stimmrechts der Vorzugsaktien beim Reich gesichert werden müßten.

Cs war die Pflicht des Reichstags, nach Mög­lichkeit sich Sicherheit dafür zu verschaffen, daß die Wiederkehr einer so bedenklichen Zwangslage nach aller Möglichkeit verhütet werde. An der jetzigen, dem Bankrott verzweifelt ähnlichen Kas­senlage und Finanzlage des Reiches ist die Ausgabewirtschast und Bewilli­gungsfreude der letzten Jahre schuld. Davon können sich weder die jetzigen Regierungs­parteien noch die früheren frei, sprechen. Don den Steuernotverordnungen von £924, von der Zeit der Stabilisierung her hatte man sich an das großzügige Geldausgeben und -bewilligen ge­wöhnt: Immer steigende Tleberweisungen an die Länder und Gemeinden, die Rückzahlungen der Goldanleihe von 1924, die großem Rückzahlungen zum Ausgleich der Micum-Derträge und dann alle die Bewilligungen für Kredite und Bei­hilfen für Rentenerhöhung, Gehältererhöhung und was sonst geschah. Keine der Parteien des Reichstages kann sich davon frei sprechen. Die Rot hat hier einen entscheidenden Wendepunkt heraufgeführt. Rachdem in der Osterzeit die Par­teien mit der Regierung schwerwiegende Ab­striche am Etat vereinbart und die Bewilligung des vorgelegten Steuerprogramms glatt zurück­gewiesen hatten, hat nunmehr die Reichsreaie- rung den Regierungsparteien vor der Annahme des jetzigen Rotgesehes bindende Erklä­rungen abgeben müssen, datz energische Maß­regeln und Einschränkungen weiterhin erfolgen werden.

Schwer genug ist für den Reichstag die Ver­abschiedung der Vorlage geworden. Hoffentlich bleibt die Lehre unvergessen und werden die jetzi­gen Versprechungen erfüllt. Run ist der Schritt getan. Die Anleihe wird von allen Danken zur Zeichnung aufgelegt werden. Auch wer sich ge­gen die schuldenfreie Anleihe bis zuletzt ge­sträubt hat, wird nun den Wunsch haben müssen, daß das verzweifelte Mittel, einmal angewandt, auch den gewünschten Erfolg bringe und dem Reiche nun wenigstens den erhofften Ertrag und eine endgiltige Besserung der Kassenlage er­mögliche.

Gäste überhaupt zu seinen Zechgenossen wählen? Ich selbst habe es erlebt, wie ein Gastgeber der noch dazu aus Hamburg stammte Selters - wasser in einen schlechten Mosel goß, in dem die ausgelaugten Maikräuter stundenlang herum- schwammen, und dies elende Gepansch eine Mai­bowle nannte. Aber er war von Beruf Chirurg und daher wohl etwas sadistischer Veranlagung. Vielmehr ist zu loben, auf je zwei Flaschen Mosel eine gute Flasche Rheinwein zu sehen, auch schadet es gewiß nicht, mit ein bis zwei Flaschen Sekt die muntere Spritzigkeit des Getränkes äu erhöhen. Rotwein, wie es so oft geschieht, toüroe ich nicht hineingießen, denn zu den grünen Kräutern paßt die leuchtende Helle des Trankes am besten. Vor allen Dingen wende man der Wahl der Kräuter die größte Aufmerksamkeit zu, sie müssen von einwandfreier Frische fein und dürfen noch nicht geblüht haben. Man entferne die Stiele und die unteren Blätter und hänge sie an einem Faden so lange in die Bowle, bis diese die nötige Feinheit des Aromas erreicht hat. Dann aber hinaus mit den Kräutern! Hat man von ihnen reichlicheren Vorrat, dann empfiehlt es sich, sie in ein Sieb zu legen und den Wein durch sie hin­durchzugießen. Solch ein Trank bringt eitel Segen und macht keine Kopfschmerzen."

Sankt Bureaukratius geht wieder um.

Obwohl das Pferd langsam durch das Auto­mobil verdrängt zu werden scheint, lebt der Amtsschimmel immer noch, und so bald wird kein anderes Gefährt ihn beseitigen können. Eine der schönsten Geschichten hat sich vor wenigen Tagen ereignet. Im Jahre 1922 war Herr Karl Mel­chior, der 45 Jahre treu gedient hatte, von feiner Hamburger Firma entlassen und pensioniert wor­den. Da er seinen Lebensabend bei seinem Sohn verbringen wollte, zog er zu diesem, der in Westfalen eine gute Stellung gefunden hatte. Um zu wissen, wie es dem alten Melchior gehe, beauftragte die Hamburger Firma das Wohl­fahrtsamt der Stadt, in welcher der Alte jetzt wohnte, jährlich einmal einen Bericht über die Verhältnisse des Vaters zu erstatten. Was Denn auch geschah. Jahr für Jahr, in Den ersten Tagen Des April, traf in Hamburg ein Brief Des west­fälischen Wohlfahrtsamtes ein, Der jeDesmal Den Wortlaut enthielt:

..Rach unseren Feststellungen haben sich Die wirtschaftlichen Verhältnisse Des pp. Mel­chior nicht geändert."

5000 Meter: 1. Gerhard, Weilburger F.V., 16:40,9 M., 2. Roessing, Spv. Wiesbaden, 16:53.2 Min., 3. Paul, 1900, 17:13,6 M Das 15 Mann starke Feld geht sofort in voller Fahrt weg und wird von Gerhard, Weilburg, angeführt. Roef- sing, Wiesbaden, Der Mann mit dem besten Stil, kommt in Der Mitte Der Strecke stark auf, muß aber schließlich Dem kraftvolleren Gerhard den Vortritt lassen. Pauls dritter Platz ist ein Ach­tungserfolg.

4 x 100-Meter - Staffel: 1. D. f. L. Hessen-Preußen Kassel 46 S., 2. Spv. 1900 Gießen 46,2 S. Die Hessen-Preußen kamen nur dadurch zu dem Wanderpreis, daß Die stärkste Mann­schaft, Eintracht, den Stab verlor und Der Ver­teidiger Sp.-Cl. 80 Frankfurt, Der in 44,8 S. ein­kam, infolge äleberwechfelns distanziert werden mußte. 1900 mußte für seinen durch eine Zer­rung behinderten Schlußmann Seifert Ersatz ein­stellen, Der aber nicht genügen konnte.

Weitsprung: 1. Schaurig I, Hess.-Pr. Kassel, 6,78 Meter; 2. Esser. S. C. M.-Gladbach, 6,75 Meter; 3. Semmelroth, Ballspielv. 09 Hamm, 5,98 Meter. Schaurig unD Esser ernteten für ihre prächtigen Leistungen viel Beifall. Rur schaD«, daß Rausch, Hess.-Pr. Kassel, fehlte.

Kugelstoßen: 1. Schnei Der,Opel" Rüs­selsheim, 13,85 Meter; 2. Schäfer E., 1900, 13,50 Meter; 3. EnDers, Eintracht, 12,16 Meter.

Der Rüsselsheimer kam erst mit Dem letzten Stoß Der 14-Meter-Grenze nahe, während Der 1900er Schäfer, Der sich fabelhaft entwickelt hat, seinen zweiten Platz bereits im Dorkampf be­festigte.

Diskuswerfen: 1. Schäfer E., 1900, 37,05 Meter; 2. Deyer, S. C. M.-Gladbach, 36,85 Me­ter; 3. Enders, Eintracht, 33,61 Meter. Da Pau­lus, Wetzlar, fich merkwürdigerweise nur auf Den Fünfkampf beschränkte, erhielt Schäfer Die Dis­kusplakette.

Fünfkampf (bestehend aus 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Hochsprung, Kugelstoßen und Dis­kuswerfen): 1. Paulus, V. f. L. Wetzlar, 249 P.; 2. Doppler, Kurhessen-Kassel, 215 P.; 3. Ring­kamp, Dallspielv. 09 Hamm, 167 Punkte. Die Position des deutschen und englischen Diskus­meisters 1928 seine Leistung in dieser Disziplin war 42,54 Meter war nie gefährdet, jedoch hielt sich der talentierte Kasselaner recht gut.

Klasse II:

200 Meter: 1. Schmid, Eintracht, 24,4 S.; 2. Geist, 1900, 24,6 S.; 3. Guhot, 1900, 24,7 Se­kunden. Geist schien nicht seinen besten Tag zu haben, sonst hätte er sich den Sieg nicht entgehen lassen Dürfen.

400 Meter: 1. Goergen, Spv. Wiesbaden, 53;1 S.; 2. Cippitelli, S. C. 80 Frankfurt a. M., 53,2 Sekunden. Ein Energiesieg des Wiesbade­ners.

800 Meter: 1. Bepperling, 1900, 2:04,4 Min., 2. Hofmann, Griesheim-Elektron, 2:06 Minuten; 3. Doinet, Spv. Wiesbaden, 2:08,1 Minuten. Bepper­ling lief ein wunderschönes Rennen und bekam herzlichen Beifall.

4X800-Meter-Staffel: 1. Sportclub 80 Frankfurt a. M 8:40,5 Min.; 2. Hessen-Preußen Kassel, 8:42,1 Min.; 3. Sp. 23g. 1900 Gießen, 8:45,8 Minuten. Ein äußerst abwechslungsreicher Rennver­lauf. 1900 wurde Durch den zweiten Mann, dem die 800-Meter-Strecke nicht lag, stark zurückgeworfen. Peters und Bepperling sorgten jedoch noch für einen guten dritten Platz.

Hochsprung: 1. Cappello, 23. f. L. Wetzlar, 1,68 Meter; 2. Schaurig II., Hessen-Preußen Kassel, 1,68 Meter; 3. Wolf, 1900, 1,59 Meter. Cappello und Schaurig find äußerst talentiert und hätten unter etwas besseren Verhältnissen wohl auch 1,70 Meter übersprungen.

Speerwerfen: 1. Dr. Ebner, Mainz 05, 48,43 Meterr; 2. Keilhauer, Eintracht Ffm., 47,46 Meier; 3. Beyer, M.-Gladbach, 46,10 Meter. Bei dem herr­schenden Gegenwind war man über die erzielten Lei­stungen angenehm enttäuscht.

Klasse III:

100 Meter: 1.Müller, Weilb.F.-V., 11,9 Sek.; 2. BecSe^, Griesheim-Elektron, 12 Sek.; 3. Staube-

Wie aber staunte man in Hamburg, als am 6. Aprü 1929 Der gleiche Dries mit Dem gleichen Inhalt eintraf, obwohl bereits im Rovember 1928 Der Sohn Der Firma mitgeteilt hatte, daß sein Dates: sanft entschlafen sei. Dadurch wird man an das Erlebnis einer Berliner Steno­typistin erinnert. Die sich bei einer ganz großen Firma um Anstellung schriftlich beworben hatte unD jetzt, nach acht Monaten, Den Bescheid er­hielt, daß man sie leider nicht gebrauchen könne. Worauf sie Gelegenheit nahm, Dem Personalchef mitzuteilen, Daß sie auch feine Anstellung mehr brauche, toeü sie ja seit acht Monaten in Der gleichen Finna tätig sei!

Hochschulnachrichten.

Prof. Dr. Adolf Hasenclever in Halle hat einen Ruf auf Den Lehrstuhl Der mittleren unD neueren Geschichte an Der Universität Göt­tingen als Rachfolger von A. O. Meyer er­halten. Die ordentlichen Professoren an Der Berliner Technischen Hochschule, Geheimen Regierungsräte Hermann B 0 0 st (Baukonftruk- tionslehre in Holz unD Stein) unD Dr.-Jng. ehrenhalber Johannes Stumpf (Dampf­maschinenbau) sink zum 1. Oktober 1929 von Den amtlichen Verpflichtungen entbunDen worDen. -Zur Wiederbesetzuug Des durch den Weggang von Prof. W. Jellinek nach Heidelberg an der Uni­versität Kiel erledigten Lehrstuhls für Stasis-, Verwaltungs-, Kirchen- und Völkerrecht ist ein Ruf an Prof Dr. tfjeol. et jur. Günther Hol­stein in Greifswald ergangen.

Das durch das Ableben des Geheimen Rates E. Schling erledigte Ordinariat für Kirchenrecht an der Universität Erlangen ist dem Privat­dozenten für Staatsrecht, Derwaltungsrecht, all­gemeine Staatslehre umö Kirchenrecht an der Universität Freiburg i. Dr. Dr. jur. Hans Ciermann (gebürtig aus Frankfurt a. M.) an- geboten worden.

Der Ordinarius für Haut- und Geschlechts­krankheiten an Der RniverDät granfurt a. M. Geh. Medizinalrat Pros- Dr. Karl Herr- Heimer ist Zum 1. OttcLer 1929 von seinen amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Der durch den Weggang von Prof. PH. Funk an der Staatlichen Akademie j$u Draunsberg erledigte Lehrstuhl der Geschichte ist dem Re­gierungsrat am Staatsarchiv in Stuttgart Dr. phil. Hermann Hefele angeboten worden.

Turnen, Sport und Spiel.

VIII. Nationale Wettkämpfe der Sp.-Vg. 1900.

Hervorragende Leistungen bei guter Abwicklung.

5. Die am Sonntag zum achtenmal statt­gehabten nationalen Wettkämpfe Der Spielvereinigung 1900 haben die nach den eingegangenen zahlreichen Meldungen (über 150 Teilnehmer!) gehegten Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern noch erheblich übertroffen. Es wurde ausgezeichneter Sport geboten und Er­gebnisse erzielt, die jeder Großstadtveranstaltung zur Ehre gereicht hätten. Die Kräfte waren ziemlich ausgeglichen, wodurch, besonders in den Läufen, erbitterte Kämpfe entstanden. Meist waren Die in Der Vorschau benannten Favoriten in Front. Im Mittelpunkt Des Interesses ftanD Das MitglieD Der WeltrekorDviererstaffel Der FrankfurterEintracht", Salz, Der zu Den besten Deutschen Mittelstrecklern zählenDe Magde­burger Germane Zimmermann, sowie der Kugelstößer Schneider (Opel" Rüsselsheim). Daneben verfolgte man natürlich auch mit großer Anteilnahme das Abschneiden Der einheimischen Vertreter, von Denen sich nur Die 1900er für Die EnDkämpfe qualifizieren konnten. Hier bestätig­ten Die Spielvereinigungsleute E. Schäfer (zweiter im Kugelstoßen mit 13,50 Meter),

H. Peters (zweiter über 800 Meter Kl. I in 2:01,8 Min.) unD R. Bepperling (erster im 800-Meter-Lauf Kl. II in 2:04,4 Min.), Daß sie zur ersten Klasse in Der Deutschen Leichtathletik zu zählen sinD. RachstehenD Die Ergebnisse:

Klasse I:

100 Meter: 1. Salz,Eintracht" Frankfurt; a. M., 10,9 S., 2. Freund, Hess.-Pr. Kassel, 11,1 S. Außer Den Genannten waren noch Welscher, Eintracht, Esser, S. C. 94 M.-Gladbach, und Schmalz, S. C. 80 Frankfurt, im Rennen. Ersterer erlitt auf der Strecke eine Zerrung, die beiden anderen, die dicht hinter Salz einkamen, konnten nicht gewertet werden, da sie bereits zwei Fehlstarts verursacht hatten.

200-Meter-Einladungslauf: 1. Esser M.-Gladbach, 23,2 S., 2. Salz, Eintracht, 23,3 S., 3. Schaurig I., Hess.-Pr. Kassel, 23,6 S. Der favo­risierte Salz kann den tapfer kämpfenden Glad­bacher nicht mehr erreichen und muß sich um Brustbreite geschlagen bekennen. Die Zeiten wären wesentlich besser geworden, wenn nicht Gegen­wind vorgeherrscht hätte.

800 Meter: 1. Zimmermann, Germania Magdeburg, 2:00,3 M., 2. Peters, 1900,2:01,8 M., 3. Leunig, Eintracht, 2:02,2 M. Zimmermann und Leunig führen schon bald in scharfem Tempo. Peters hält sich bei und hat noch Kraft genug, 15 Meter vor Dem Ziel an Cintrachts bestem Mittelstreckler vorbeizugehen.