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hatte. Die Abändcrungsanträge bezogen sich vor allem auf die Kontrollrechte der Regierung über die zugelasscnen Ordensgesellschaften, über den Vermögensübergang u. a. m. Ruch in einer Rachtsihung, die kurz nach Mitternacht zu Ende ging, konnte die Beratung der Kongregations­vorlage noch nicht beendet werden. Dis jetzt sind die Gesetzentwürfe über 8 Missionsgesellschaften verabschiedet worden. Heute nachmittag soll über die neunte und letzte Missionsgesellschaft und über die Diözesanen beraten werden. Der Minister­präsident und der Innenminister Tardieu griffen mehrmals in die Aussprache ein, an der sich auch der ehemalige LInterrichtsminister Herriot lebhaft beteiligte. Die Aussprache betrifft hauptsächlich Organisationsfragen und das Problem, inwieweit fich die neuen Gesetze von der Dorkriegslaien- gesehgebung unterscheiden.

Die englischen plane in Ostafrika.

Ter Raub des Mandatsgebiets.

London, 27. März. (WB.) 3m Unterhaus erklärte der Staatssekretär für die Kolonien, A m e r y , es sei beabsichtigt, den ständigen ä.lnterstaatssekretär für die Kolonien, Sir Sa­muel Wilson, so rasch als möglich nach Oft» afrika zu entsenden. Cs werde seine Auf­gabe sein, dort den empfohlenen Plan eines engeren Zusammenschlusses von Ke­nya, Tanganhika und Llganda und etwa wünschenswert erscheinende Abänderungen der Empfehlung des ostafrikanischen Komitees sowohl mit den interessierten Regierungen, wie auch mit den die verschiedenen interessierten pri­vaten Kreise vertretenden Körperschaften zu be­sprechen und zwar mit dem Ziele, festzustellen, wie weit es möglich sein werde, die Grund­lage einer allgemeinen Einigung zu finden. Ebenso werde es Wilsons Aufgabe sein, festzustellen, auf welchen Grundlinien der Plan für einen engeren Zusammenschluß verwal­tungstechnisch durchführbar und auch in anderer Beziehung annehmbar gestaltet werden könne. Er werde über das Ergebnis seiner Bespre­chungen Bericht zu erstatten haben. Es liege auf der Hand, daß sein Bericht erst nach den Wahlen zum neuen Parlament vorliegen könne. Alle Borschläge über zu ergreifende Maßnahmen würden, soweit sie noch ins Tätigkeitsgebiet der derzeitigen Regierung fallen, dem Parlament unterbreitet werden. Durch Anfragen verschie­dener Abgeordneter wurde festgestellt, daß Wil­son keine Vollmacht haben werde, in irgendeiner Beziehung die englische Regierung festzulegen.

Gemeinsames Sparprogramm der Weimarer Parteien.

Ein Ultimatum an die Bolkspartei?

Berlin, 28. März. (TU.) Wie die®. QI. Z." erfährt, haben nach der Vertagung des Reichs­tags zwischen den Finanzsachverständigen der Sozialdemokraten, der Demokraten und des Zentrums Etatsbefprechungen statt­gefunden und zu einer weitgehenden Annähe­rung dieser Fraktionen, sowie zum Entwurf eines gemeinsamen Sparprogramms geführt. Rach derD. A. Z." soll der Plan be­stehen, das Zentrum noch möglichst vor Verab­schiedung des Etats in die Reichsregie­rung wieder aufzunehmen. Die Deutsche Dolksp artei solle vor die Wahl gestellt werden, entweder das vereinbarte Deckungsprogramm mitzumachcn. oder end­gültig aus der Regierung auszuscheiden. Das neue Deckungsprogramm sehe 18 0 Mil­lionen Abstriche an der bisherigen Regie­rungsvorlage vor, darunter 40 Millionen am Verkehrsetat und 25 Millionen am Wehr­etat. Außerdem solle der Ansatz für die T a bat­st e u e r um 70 Millionen erhöht werden.

SelWilsederAordmark-Vauern

Berlin, 28. März. (Priv.--Tel.) Rach mo­natelangen Verhandlungen ist die Fleischwaren­fabrik P. Rasch in Schleswig, ein Unternehmen mit einem jährlichen älmsatz von 3'/e Millionen Mark, in die Hände der unter dem Ramen Bauernhand A. - G. wirtschaftlich organisier­ten Bauernschaft des Kreises Schleswig über­gegangen. Damit ist die Bauernhand A.-G. in der Lage, die gesamte Verwertung von Lebend- Vieh, Butter, Milch und Eiern im Interesse der Bauernschaft desKreisesSchles- w i g zu regulieren. Der Vorsitzende der neuen Bauernhand A.-G. M. T ö n n s e n teilt mit, daß die Beschaffung der notwendigen Barmittel (man spricht von 800 000 Reichsmark) nur dadurch mög­lich geworden sei, daß dem Plane vom Reichs­ernährungsministerium wie auch vom preußischen Landwirtschaftsministerium volles Verständnis entgegengebracht wurde.

Die Not des besetzten Gebiets.

Eine Denkschrift dcsOberPräsidenten Fuchs.

WSR. Koblenz, 27. März. Wie bekannt, steht die Reichsregierung im Begriff, dem Reichs­tag eine Denkschrift über die besetzten Gebiete vorzulegen. Bezüglich des besetzten preußischen Gebietes ist die Denkschrift vom Oberpräsidenten der Rheinprovinz verfaßt. Ober­präsident Dr. h. c. Fuchs nahm heute Gelegen­heit. die Denkschrift in einer Pressekonferenz der Oesfentlichkeit zu unterbreiten. Die Denkschrift weist einleitend auf die Folgen hin, die die E r - Dichtung von Zollgrenzen gegen das Saargebiet und Luxemburg und der Wegfall von Elsaß-Lothringen als Absatzgebiet für die Rheinprovinz hotte. Der von Reich und Staat zur Verfügung ge­stellte Grenzfonds von rund 12 Millionen Mark hat sich im Verhältnis zu der Länge der Grenze und zur Größe der Rot nur wenig auswirkcn können. Hierzu kommt die Ql b l c n - kung des Fremdenverkehrs vom be­setzten Gebiet infolge des Person alaus - weis-Zwanges, der unvermeidlichen Be­tatzungszwischenfälle und der ausgebliebenen Re­vision der Ordonnanzen. Die Bäder können in- tolge der Rückwirkungen der ersten Besatzungs- iahre mit der Entwicklung im übrigen Deutsch­land nicht Schritt halten. Die Gemeinden haben durch die Verheerungen des Wal­des und die Vernichtung des Wild­bestandes und des Fischbcstandes durch die Besatzung ungeheuer gelitten. Die Landwirtschaft leidet unter Absatz­stockung bei gesunkenem Ernteertrag. Der

Das Rätsel auf Schloß Zannowitz.

Das Geständnis oes Grafen Christian. Ungeklärte Widersprüche. Neue Ermittlungen der Berliner Kriminalisten.

3 a n n o w i h, 27. März. (WTD.) Die bei der Untersuchung gegen den Grafen Christian Fried­rich zu Sto.oerg-Wernigerode tätigen Schieß­sachverständigen haben heute morgen festgestellt, daß es sich bei dem Schuß, durch den der Graf Eberhard getötet worden ist, um einen sogenann­ten Flachschuß handeln kann, d. h. die Kugel hätte zunächst einen festen Gegen st and getroffen, von dem sie in der Richtung auf den Grafen Eberhard abprallte, den sie tödlich verletzte. Für diese Qlnnahme spricht allerdings vorläufig lediglich die Tatsache, daß die Ein- schußwunde zwei Zentimeter breit gewesen ist. Dagegen haben die Ermittlungen nach dem Gegenstand, an dem die Kugel abgeprallt sein soll, kein Ergebnis gezeitigt. 3n dem Mordzimmer hat sich nichts vorgefunden, was erlauben würde, die Annahme eines Prell­schusses zu beweisen.

Graf Christian hat zu seinem gestrigen Ge­ständnis keine weiteren Erläuterungen gegeben: doch sieht man vom kriminalistischen Standpunkt feine Qlussagen als zumindest vorläufig zwei­felhaft an, da nach Sachlage und nach der Schußrichtung zu urteilen, das Gewehr, aus dem der Schuh abgegeben worden ist, nicht auf dem Tisch gelegen haben kann. Der Schuh hätte sonst durch die Rückwand des Sofas gehen müssen, auf dem Graf Eberhard sah. Also nimmt man vorläufig noch an, dah Graf Christian Friedrich das Gewehr hochgehoben hat. Bei dem fraglichen Geschoß handelt es sich nicht um ein Dum-Dum-Geschoß, wie bisher angenom­men wurde, sondern um ein sogenanntes Teil- m a n t e l g e s ch o h, bei dem der Hartbleikern teilweise aus dem Geschohmantel herausragt. Diese Geschosse sind bei den gräflichen Jagdgesell­schaften fast ständig gebraucht worden, um Hirsche zu jagen.

Die Berliner Kriminalisten stehen nach dem heutigen Stand der Ermittlungen vor folgenden Fragen: Warum hat Graf Christian erst nach reichlich acht Tagen eingestanden, dah er die Tat angeblich aus Fahrlässigkeit be­gangen hat? Warum hat Graf Christian an­fänglich angegeben, er wolle aus Pietätsgründen dem Vater gegenüber erst später reden? Warum hat er dann direkt eine ganz be­stimmte Person mit Ramen und Stand be­zeichnet und des Mordes beschuldigt? Cs handelt sich hier um einen Mann, mit dessen Frau der alte Graf ein Liebesverhältnis unter­hielt. Warum hat dann der junge Graf einen Tag später sich selbst beschuldigt? Wie war es möglich, dah der junge Graf, der nach der Tat den Eindruck eines vollkommen ver­wirrten Menschen machte, doch noch in aller Eile einen Raubmord vortäuschen konnte? Hat Graf Christian in der Mordnacht tatsächlich seiner Schwester Antonie ein Ge­ständnis abgelegt? Wenn es nur Fahrläs­sigkeit war, warum hat dann der Graf und die Familie dies nicht gleich gestanden, da es doch im 3nteresse der Familie selbst hätte lie­gen müssen, den umlaufenden Gerüchten und Kombinationen damit einen Riegel vorzuschieben?

Tatsache ist, dah Dr. Panitz , der übtzr 38 Jahre lang ständiger Hausarzt bei der Familie ist, der

festen Ueberzeugung ist, daß derHchuh im St eh en und nach genauem Zielen abgegeben fein mäste. Das beweise der Umstand, daß der Tote in derselben Stellung verharrte, in der er getötet worden ist. Der Aussage des Kutschers Müller, daß das Zimmer nach der Tat einen wüsten Eindruck gemacht habe, steht gegenüber, daß der Landjäger Beyer etwa eine halbe Stunde nach der Tat abge­schlossen und den Schlüssel mitgenommen hat und daß am Morgen das Zimmer in demselben Zu- stand der Mordnacht geöffnet worden ist, ohne daß diese Angaben bestätigt worden sind. Ferner taucht die Bermutung auf, daß die Angehörigen des Hauses den Grafen Christian systematisch ge­stützt haben. Denn erst, nachdem die Angaben des jungen Grafen sich als Wider spräche und als offensichtliche Ausreden herausstellten, und die Sache durch hinreichende Beweise widerlegt wurde, wurde von Angehörigen des Hauses die Sache so dargestellt, als könne Fahrlässigkeit vorliegen. Wenn es sich bestätigen sollte, daß der junge Graf den Vater vorsätzlich getötet hat, dann würde es sich fragen: hat der junge Graf dem Vater das fragliche Buch erst dann auf die Brust gelegt, nachdem der Vater bereits tot war und hat er es so gelegt, daß es erst nachträglich mit Blut beschmutzt worden ist?

Schließlich muß noch die Frage gelöst werden, ob die Verschuldung des Gutes ein An­laß zum Tod gewesen sein kann. Tatsache ist jeden­falls, daß nicht ein Pfennig Steuern rückständig ist, daß aber auf dem Gut eine Hypothekenschuld in Höhe von etwa 500 000 Mark lastet. Trotzdem hofft die Verwaltung auf das bestimmteste, das Gut vor finanziellem Bankrott zu retten. Endlich sagt man sich, wenn der Gräf den Vater wirklich hätte töten wollen, dann hätte er dazu bei den vie­len gemeinsamen Jagden reichlich Gelegenheit gehabt. Ein wichtiges Moment bei dem Stand der gegenwärtigen Untersuchungen ist auch noch die Aussage Dr. Panitz', daß eine psychologisch erklär­bare Affekthandlung nach seinen Beobach­tungen und Erfahrungen nicht ausgeschlossen ist.

Graf Christian zum Majoraisherrn erklärt.

Berlin. 27. März. Die Frage der Erb­folge auf dem Stolbergschen Majorat ist durch die gräfliche Familie geregelt worden. Der ver­haftete Graf Christian hat gestern seinem Rechtsanwalt mitgeteilt, dah er auf das Erbe verzichten möchte und seinen Bruder Theo­dor, den Zweitältesten Sohn des Grafen Eber­hard, als Erben Vorschläge. Graf Theodor und die übrigen gräflichen Familienmitglieder lehn­ten dieses Anerbietenjedochab. Heute vormittag berief der Bruder des Ermordeten Graf Karl die Gutsbeamten, die Pächter und das übrige Personal zusammen und eröffnete ihnen, daß Graf Christian Majorats­herr auf dem Stolbergschen Besitze zu 3anno- wih und Umgebung sei. Die Gutsangehörigen sollten sich, wenn sie Wünsche hätten, an den Grafen Theodor wenden, der zusammen mit dem Bevollmächtigten, einem. Hirschberger Rechtsan­walt, die Verwaltung des Gutes übernommen habe.

Weinbau wird nicht nur durch den Wegfall der Garnisonen und den Rückgang des Fremden­verkehrs. sondern auch durch die Erhöhung der Frachtkosten und die Erschwerung des Ausland- absahes betroffen. Die 3ndustrie weist in zahlreichen Zweigen einen Rückgang der Pro­duktion und der Belegschaften äuf. Die allge­mein schlechte Lage der kulturellen Ver­hältnisse ist eine Folge der schlechten Wirt­schaftslage. Die Denkschrift schlägt eine Reihe von Hilfsmaßnahmen vor, die jedoch nur nach Maßgabe der verfügbaren Mittel durchgeführt werden können, insbesondere den Bau von Eisenbahnen, Maßnahmen zugunsten des Winzer st andes, weitere finanzielle Betreu­ung des besonders betroffenen Saargrenz­gebiets sowie eine geeignete Fürsorge für das Aachener Wirtschaftsgebiet.

Der Brand derEuropa".

Ein Kommunique des Llohd.

Bremen, 27. März. (WB.) Die Verwaltung des Norddeutschen Lloyd gibt im Einverständnis mit der Firma Blohm & Voß folgendes bekannt:

Die inzwiscben getroffenen roeiieren Feststellun­gen über den Umfang der durch den Brand auf dem DampferEuropa" angerichteten Schäden haben erfreulicherweise bestätigt, daß die unter dem Ein­druck der starken Rauchentwicklung verbreiteten sen­sationellen Nachrichten außerordentlich übertrieben waren. Es steht fest, daß der Schiffskörper als solcher unterhalb des Hauptdecks von dem Brande überhaupt n u r d u r ch einige lokale Brandherde im Vorder­schiff berührt ist. Maschinen- und Kesselanlagen sind intakt. Im hinteren Drittel des Schiffes sind auch die Aufbauten bis zum obersten Deck unver­sehrt Geblieben.

Auf Grund der bisher gemachten Feststellungen handelt es sich um einen dem Umfang nach aller­dings beträchtlichen und namentlich dem Laien ins Auge fallenden Oberwafferfchaden, der so vollkommen beseitigt werden wird, daß der Be­trieb und die See-Eigenschaft des Schiffes in keiner Weife beeinträchtigt werden, lieber die erforderliche Reparaturzeit läßt sich zur Zeit noch nichts sagen. Die beabfidjtigte Verwendung des Schiffes noch in der diesjährigen Herbftfaifon ist natürlich nicht möglich. Indessen wird der Lloyd auch mit dem vorhandenen Dampfermaterial nach Einstel­lung des programmäßig am 16. Juli in Fahrt zu setzenden DampfersB r e m e n" einen gegenüber dem Vorjahre erheblich verbesserten Fahrplan bieten. An den Dispositionen wegen des Dampfers C o l u m b u s", der bekanntlich zur Verbesserung der Geschwindigkeit eine vollkommen moderne Ma- schineneinrichtung erhält, beabsichtigt die Verwal­tung nichts zu ändern.

Nachdem auch die letzten Reste des Brandes an Bord derEuropa" völlig a b g e l ö s ch t sind und auch der letzte Zug der Feuerwehr heute oormütag abrüden konnte, wurden sofort die Aufräu­mungsarbeiten begonnen, die bereits in vollem Gange sind. Das Schiff wird zunächst ausge­pumpt und soll dann zur gründlichen Unter­suchung ins Dock gelegt werden.

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Wettervoraussage.

Das Hochdruckgebiet hat sich noch weiter ver­stärkt. Sein Kern mit Barometerständen von über 775 Millimeter liegt über den britischen 3nseln. Die an seiner Vorderseite ausströmenden mari­timen Luftmassen haben uns vielfach Bewölkung und Rebelbildung gebracht. Von München und Bamberg wird heute morgen sogar etwas Regen gemeldet. Das stabile Hoch wird jedoch wieder günstig auf unser Wetter einwirken, so daß mit Riederschlägen bei uns nicht zu rechnen ist. Auch der Himmel wird sich stellenweise wieder auf­klaren. Die Temperaturen ändern sich wenig.

Wettervoraussage für Freitag: Teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, tagsüber mild, nachts etwas kühler, trocken.

Wettervoraussage für Samstag: Vielfach aufheiterndes und trockenes Wetter.

Lufttemperaturen am 27. März: mittags 11 Grad Celsius, abends 9,6 Grad: am 28. März: morgens 8,9 Grad. Maximum 13,5 -trab, Minimum 4,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. März: abends 7,8 Grad: am 28. März: morgens 4,8 Grad. Sonnenscheindauer 3K Stunden.

Aus aller Wett.

Die Bankräuber am Dittenbergplah in Südamerika?

Während die Llntersuchung gegen die Brüder Saß, die der Täterschaft an dem großen T r e - soreinbruch in der D i s c o n t o g e s e l l schäft am Wittenbergplatz verdächtigt find, weitergeht, hat die Berliner Kriminalpolizei neuerdings eine andere Spur ausgenommen, nach der die Täter bereits in Südamerika sein sollen. Ein der Polizei als Pahfälscher be­kannter Mann, der neuerdings verhaftet worden ist, hat ausgesagt, dah er für vier Leute, zwei Polen, einen Russen und einen Deutschen, Pässe nach Südamerika gefälscht habe. Die näheren Angaben, die er gemacht hat, die Personal­beschreibung und der Zeitpunkt lassen die Mög­lichkeit zu, daß man es hier mit d§n Tresor­räubern zu tun hat. Die Berliner Polizei steht bereits mit den südamerikanischen Behörden in Verbindung.

Brutaler Mord an zwei Kindern.

In Kischütz-Neustadt verübte der 40jähriae Land­streicher Strba einen Einbruch in das An­wesen eines Ortsbewohners. Als die beiden Kinder des Besitzers, von denen das eine vier Jahre und das andere acht Monate alt war, , und die allein im Hause anwesend waren, a u s F u r ch i zu weinen begannen, schlug der Einbrecher sie mit einer Hacke tot und flüchtete. Er wurde zwei Stunden später von der Gendarmerie verhaf­tet, die ihn nur mit Mühe davor bewahren konnte, von den Ortsbewohnern gelyncht zu werden.

Ehrung eines württembergifchen Zeitungsverlegers.

Der Große Senat der Technischen Hochschule in Stuttgart hat dem Generaldirektor des Stutt­garter Reuen Tageblattes und Vorsitzenden des Vereins Württembergischer Zeiturgzvcrleger, Carl Esser, die Würde eines Chrensena- t o r s verliehen.

Aus der provinzialhaupistaltt.

Gießen, den 28. März 1929.

Karfreitag.

Die Geschichtsschreiber sprechen oft von Heber- windern. Darunter verstehen sie Menschen, die anderen ihren Willen aufgezwungen, Staaten be­siegt und Heere vernichtet haben. Der Karthager Hannibal, der durch seinen kühnen Alpenüber­gang der Schrecken der Römer wurde, der rö­mische Feldherr Titus, der im 3ahre 70 3erit- salem einnahm, Aapoleon L, der sich einen großen Teil Europas untertan machte, gelten als kühne Heberwinder. Doch die, die Völker bezwungen haben, sind oft mit dem eigenen Schicksal nicht fertiggeworden: gegen Krankheit, gegen den Untergang des leiblichen Lebens tonnten sie nichts ausrichten, oft haben sich auch die Men­schen gegen sie gekehrt, so daß die üebertoinber AU Unterliegenden geworden sind. Mehr als einer von ihnen hat im Alter das Los des Kaisers geteilt, der sich auf einer einsamen, ringsum Vvm Weltmeere umrauschten 3nsel verbittert, enttäuscht, ohnmächtig gegen die Gewalt seiner Widersacher aufgelehnt hat.

Run nennt die Christenheit den, auf dessen Leben und Sterben sie ihren Glauben gründet, einen Ueberwinder, dazu gibt chr 3esus selbst das Recht: denn er hat in einer seiner letzten Reden gesagt:3n der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.'" Das ist ein Wort,- das die Art des mensch­lichen Lebens treffend wiedergibt, aber auch ein Wort, in dem etwas von der "Welt aufblitzt, die hinter der uns erkennbaren Wirklichkeit steht. Die Welt ist voll von Qlngst, immer fürchten wir das Kommende. Wer bitteres Leid erfahren hat, bangt vor jedem Fußtritt, der sich seinem Hause naht. 3n guten Stunden denkt er an Goethes Wort:Du kehrst beglückt von froher Flur zu­rück, ein Rabe krächzt, was krächzt er? Miß­geschick!" Die 3ungen mögen jubeln und sich als die Könige der Welt ansehen, die, welche wie wiederum Goethe sagt das tückische Alter mit seiner Krücke getroffen hat, sind still und bescheiden. Mancher Mensch denkt mit einer ge­wissen Beruhigung an seinen Tod: denn er sagt sich: Wenn ich das Land jenseits des Grabes erreicht habe, so brauche ich nicht mehr auf schwerwiegende Entscheidungen zu warten, ich brauche nicht mehr zu wünschen, daß das nächste Halbjahr vorüber sei, es gilt von mir, was ein altes Wort sagt: Der Gerechten Seelen find in Gottes Hand, und keine Qual rühret sie an.

Von aller dieser Rot ist 3esus keineswegs frei geblieben. So wenig wir die Evangelien als lückenlose Beschreibungen seines Lebens ansehen können, so deutlich geht aus ihnen hervor, daß 3esus Angst und Rot ausgestanden hat, beson­ders in seinem Sterben. Selbst ein Voltaire war erschüttert, als er von dem Seelenkampfe in Gethsemane hörte. Die Ueberlieferung teilt mit. daß der am Kreuze Sterbende Worte aus dem 22. Psalm gesprochen habe: dieser Psalm schildert Rot:Große Farren haben mich umgeben, gewaltige Stiere haben mich umringt, ihren Rachen sperren sie auf wider mich, wie ein brül­lender und reißender Löwe. Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt an meinem Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub." Von Sieg und Ueberwin- dung gewahrt man, wenn man sich im Geiste auf den Hügel Golgatha stellt, nicht das Geringste, da ist alles Riederlage und Zusammenbruch. 3efu Feinde triumphieren, verwilderte Soldaten quälen ihn, der Großstadtvöbel verhöhnt ihn, seine Freunde sind von chm gewichen. Ein Reich des Friedens und der Freude wollte er aufrichten, seine Gegner stempeln ihn, der so jammervoll stirbt, zu einem Phantasten, wie sie schon früher von ihm gesagt haben: Du bist von Sinnen.

Dennoch hat 3esus gerade in seinem bitteren und schimpflichen Sterben den größten Sieg der Weltgeschichte errungen und die Mächte, die sich dem Menschen so hemmend in den Weg stellen, Angst, Trübsal, Verfolgung, Tod, überwunden. Gegenüber einer Wirklichkeit, die voll Angst und Schrecken ist, weiß er sich von der Liebe Gottes umgeben, der Kreuzestod muß ihm zum besten dienen und nicht nur ihm, sondern allen, die in der Folgezeit von seiner Persönlichkeit ersaßt werden. 3esu Rachfvlger haben tatsächlich im Anblick des Kreuzes Ruhe gefunden für ihre Seelen und die Gewißheit, daß hinter der sicht­baren Well und allem chrem 3ammer das Er­barmen dessen steht, der über Raum und Zeit und alle Veränderungen erhaben, allezeit bei Bedrängten Zuflucht ist. H. B.