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Aus der Pwvinzialhauptstadt.
Sieben, den 28. Februar 1929.
Mrtshausengel und Hausteufel.
Ulacbbnuf verboten.
Sines fetze ich voraus: Wenn dir, liebe Leserin, diese Ueberschrift vor Augen kommt, so halte beinern Ehe^esponS keine Gardinenpredigt. Und du, verehrter Leser, fühle dich nicht getroffen und verstecke das Zeitungsblatt nicht vor deiner bcficrcn Hälfte. Denn sonst wird dieses Blatt vermißt, in der Nachbarschaft geholt, noch genauer durchgelesen als sonst und dann bist du, Verehrtester, erst recht hineingefallen. Du wirst für einen Hausteufel erklärt, obwohl du — keiner bist und erst recht kein Wirthausengcl.
Was ein Engel ist, das weiht du ja, verehrte Leserin, von dir selbst. Du brauchst nur in einen Spiegel zu schauen und bar i siehst du ihn schon. Gin Wirtshausengel ist ganz etwas anderes. Er wandelt, wie du, zwar auch auf Erden, aber er ist ein männliches Wesen. Jedoch von ganz besonderen Eigenschaften! Zunächst geht er mit der Regelmäßigkeit einer Uhr an seinen Stammtisch, zum Bier, zum Wein, zum Drei» männerskat, -um Doppelkopf oder zu einer ähnlichen Lustbarkeit. Hat der besagte Engel einen größeren Durst oder einen großen Bekann.enkreiS, so hat er stets mehrere Stammtische, sei es für den Frühschoppen, für den SechSuhr- oder den Rachtischschoppen, oder er hat dementsprechende Skat- oder Doppclkoppt'.sche.
Da gebt's lustig zu. Da sitzt der Herr Früh- stücksmcister neben dem Herrn Doktor und der Herr Doktor neben dem Herrn Frühstücksmeister, und sie engeln sich gegenseitig an. Jawohl! Sie engeln sich an! Da ist alles ein Liebes und ein Gutes. Engel von verschiedener politischer Richtung gehen sich, wie behauptet wird, zumeist gegenseitig aus dem Wege. Das ist klug so. Denn der Engel will im Wir shause oder im Kasino seine Ruhe haben. Die Skat- oder Doppelkoppbrüder bekommen sich bei ihrer lobenswerten Arbeit tausendmal eher wegen eines falsch weggeworfenen Kartcnblatt.S, a!s weg n des Lecarnopaktes oder wegen AmanuL'ahs an den Köpfen. Aber deshalb wird doch gescholten! Die Hausbesitzer schelten auf die Mieter und die Mieter auf die Hausbesitzer, und in allen Fällen haben die zuständigen Instanzen falsch entschieden und „überhaupt und so".
CS muß anders werden. Im Jahre 1848 war einer in Alzey, der wollte es besonders anders haben, und er sprach: „Reiht den Marktplatz aus und pflanzt — Spalierkartoffeln drauf, und auf die Lindenbäum' pfropft Muskatnüss'I" Da wußten die Alzeyer, was sie zu tun hatten und ließen 's — beim alten. Aber der so sprach, war ein WirtshauSengel, und später wurde er zum Hausteufel, denn als er abends spät heim kam, wollte er im Augenblick ein warmes Abendessen haben, und da dies nicht sogleich möglich war, machte er einen siebenfachen Krach und Spektakel.
Für den Wirtshausengel muh auch heute noch, wie in vergangenen Zeitläuften, zu Haufe zu jeder Zeit alles parat und gerichtet fein. Zeiten kommen und gehen, aber der Wirtshausengel b eibt immer derselbe. Der gute S t o l h e kannte fe:-'n „Pfarrer Kännche" und des'en Kumpane!
Ganz gewiß war unter ihnen mancher HauS- teusel, der nicht heimging zur rechten Zeit, und wenn er heimlam, nörgelte und llawatschte und polterte er, und seine StaatSpapiere bestanden auS Wahnze.teln.
Warum er zum W i r t S h a u Se nae l geworben ist? Verehrt« Leserin, darüber denke d u einmal nach und wenn du die Rätselaufgabe gelöst hast, so wirst du auch so klug fein, aus dem Teufel wieder einen Engel zu machen!
Versuchs einmal! Viel Glück dazu! Aber du besitzest ja beileibe keinen — Hausteufel. I bewahre X.
Taten für Freitag, 1. Marz.
1268: Markgraf Dietrich von Landsberg beu» feintet die Leipziger Meße: — 1837: der Aegypto- löge und Schriftsteller Georg Ebers in Berlin geboren.
Gietzerrer Wochcnmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Käse 10 Stück 60 biS 1,40; Vutter Pfund 1,50 bis 1,80; Matte 30 bis 35; Wirsing 35 bis 45; Weißkraut 30 bis 35; Rotkraut 35 bis 40; gelbe Rüben 20 bis 25; rote Rüben 20 bis 25; Spinat 80; älnterkohlrabi 10; Grünkohl 45 bis 50: Rosenkohl 75 bis 80; Feldsalat 2,50 bis 3.00; Tomaten 80 bis 90; Zwiebeln 20 bis 25; Meerrettich 50 bis 1,20; Schwarzwurzeln 85; Kartoffeln 6'/et Aepfel 30 bis 40; Dörrobst 35 bis 40; Honig 40 biS 50; junge Hähne 1,00 bis 1,10; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Tauben 80 bis 85; Russe 70 bis 80; Endivien 1,50; Eier Stück 20 biS 22; Blumenkohl 80 bis 1,60; Salat 40 bis 45; Lauch 25 biS 40; Rettich 10 biS 20; Sellerie 10 bis 50; Kartoffeln Zentner 5,50 Mk.
Bornotizen.
— TageSkalender für Donnerstag. Gießener Konzertverein: „Missa solemni,“, 19.30 älhr, in der Stadtsirche. — Städtisches Gaswerk: Vortrag von Direktor Steding über „Die Verwendung deS Steinkohlengases im Haushalt", 2O1/« Uhr. in der Reuen Aula. — Damenvortrag, 8 Uhr, im Caf6 Leib. — Lichtspielhaus (Dahn- hofstraße): „Frauenraub in Marokko". — Afto- ria-Lichtspiele: „Maeiste und der Sträfling Rr. 51“.
— Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: In der morgigen Opernaufführung hat Generalmusikdirektor Paul Dreifach die musikalische Leitung. Die Oper ist in Szene gefetzt von Heinrich Köhler. Josef Derdolt hat die choreographische Ausstattung, Tanzl:itung Iwan Arkoff. Es wirken mit die Damen Dinort, Greeff, Jensen, Massenburg, und die Herren Lackens Grauert, Derger, Hocfsiin, Prhbit, Fork, Russin. — Am Sonntag, 3. März, Fremdenvorstellung: „Olympia". — Dienstag, 5. März, erste Wiederholung des Lustspiels „Geld auf der Straße".
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06 Starke Schneeverwehungen auf den Land st raßen. Der Schneefall in den letzten Tagen in Verbindung mit der Wirkung des starken Windes hot auf den Landstraßen des Vogelsberges, aber auch zum Teil in der Wetterau und ebenso nach Krofdorf zu, umfangreiche Schneeverwehungen zur Folge gehabt. Die Straßen sind nur schwer passierbar; teilweise sind Kraftwagen im Schnee stecken geblieben, fo daß sie erst durch herbeigerufene Hilfs
arbeiter der Straßenbauverwaltung aus den Schneemassen herausgeschaufelt werden mußten. Die Provinzialbauverwaltung ist unter Verwendung von Schneeschlitten und Heranziehung zahlreicher H.lfs- arbeitet eifrig mit der Freimachung der Straßen beschäftigt. Den Kraftfahrern ist aber in ihrem eignen Interesse anzuraten, diese Londstraßen für ein oder zwei Tage zu meiden, bis dort wieder genügend freie Bahn geschaffen ift
Zager, gedenke des hungernden Wildes!
** Sprengungen a u f der Lahn. Im Laufe des Dienstags wurden in der Eisfläche der Lahn, oberhalb des Wehres am Elektrizitätswerk, Sprengungen oorgenommen, nachdem das Städtische Tiefbauamt vorher schon in der Nähe der Kläranlage probeweise in der Eisfläche des Flusses gesprengt hatte. Am Dienstagoorm.ttag wurden die Sprengungen in anerkennenswerter Weise durch ein Kommando unserer Garnison ausgeführt, am Nachmittag wurden sie durch das Stödtijche Tiefbauamt fortgesetzt. Es handelte sich dabei um vorbereitende Sprengungen, die bei eintretendem Tauwetter fort- gesetzt werden sollen, damit bei einem plötzlich ein- tretenden Steigen der Lahn genügend Ablauf für die erwarteten großen Wassermengen geschaffen ist. Alle Maßnahmen zur Fortsetzung der Eissprengun- gen find jetzt schon getroffen. Man bars hiernach die Hoffnung hegen, daß es bei kommendem Hochwasser gelingen wird, das Eis ohne Gefahr zum Abgang zu bringen.
•• HeereSfachschule für Verwaltung und Wirtschaft in Gießen. Das hauptamtliche Lehrerkollegium der hiesigen Heeres» fachschule hat folgende Personalveränderungen erfahren: Studienrat Bouchholh, bis'er Truppenuntcrrichts'eiter in Marb rg. wu de a's Truppenunterrichtsleiter nach Gießen verseht. Ferner wurde Oberfachschullehrer F i tz e k von Marburg nach Gießen verseht. Studienassessor Dr. Metz wurde zum Studienrat ernannt. Das Haupt» und nebenamtliche Lehrerkollegium umfaßt zur Zeit 21 Lehrer. Die HeereSfachschule in der Reuen Kaserne wird von 320 Schülern (Soldaten vom Gefreiten bis zum Oberfeldwebel) oesucht.
*• Vom Finanz- und Dersorgungs- amtS-Reubau. Der Innenausbau bei den hiesigen Finanz- und Dersorgung^amt^neubauten nimmt trotz der ungünstigen Witterung auch weiterhin einen zufriedenstellenden Fortgang. Zur Zeit werden die Platten- und Estrichboden verlegt. Da auch das Anschlägen dec Schreinerarbeiten bereits eingeleitet werden konnte, steht zu erwarten, daß beite Reubauten im Sommer an die beiden Dienststellen übergeben wrden können.
** Eine Ausstellung für „e r ft e Hilfe" veranstaltet die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz am kommenden Samstag und Sonntag in ihrem Depot in der Sonnenstraße. Die Besichtigung steht jedermann frei. Man beachte die heutige Anzeige.
"InderReuenWeltzufrieden. Wie uns aus Drooklyn-Reuyork geschrieben wird, hat ter frühere langjährige Kassenbote ter Gießener Filiale der Commerz- und Privatbank, Friedrich Wieditz, in der Reuen Welt, wohin er Ende
1927 zur Gründung einer neuen Existenz ausge- waudert war, einen befriedigenden Wirkungskreis gefunden. Gr arbeitete zunächst ein Jahr lang in einer Rcuyorker Möbelfabrik, seit 1. Februar d. I. ist er dort mit der Stelle eines Shipping Elerk (Expedient) beauftragt. Die Beziehungen der Familie Wieditz zu unserer Stadt werden durch die Mutter der Frau Wieditz, Frau Luise Weber Witwe, Döringstraße. hergesteNt.
•• Spatz und Rabe. Von einem Leser wird unS geschrieben: Eine interessante Deobachtung machte ich heute früh: Auf dem Dalkon deS Cafes Ernst Ludwig war ein Rabe, ter nicht stehen, aber fliegen konnte. Ein Spatz dagegen war oben auf dem Dachkantel. Der Rabe sah nach dem Spatz in die Höhe und jeteSmal. wenn der Dlick sich nach oben richtete, warf ter Spatz e.was herunter, was ter Rabe sich Holle. Das Bild war hochinteressant und dauerte ungefähr eine Viertelstunde lang, biS ter Rate sortflog. Später, nach einer halten Stunde, kam ter Rate wieder, ater ter Sperling war nicht mehr da. Der Rabe richtete seinen Blick wieder nach oben, jetzt aber vergebens!
,e Dellachini-Abend. Der Harne Bel- lachini Übt auch heute noch seine Anziehungskraft aus. Dies zeigte sich wieder bei dem am Dienstagabend im Kathol. Vereins >ufe veranstalteten Dellachini-Abend. Der Saal war dicht beseht; die Dcsucher hatten hinreichend Gelegenheit, ihre Lachmusleln in Bewegung zu sehen. Der erste Teil deS Programms war auSgesüllt mit Experimenten zunächst auf dem Gebiete der Telepathie, und zwar fü)rte Dellachini diese Experimente teilweise mit und teilweise ohne Kontakt aus. Diel Heiterkeit erregten die Experimente, die Dellachini auf dem Gebiete ter Wach- suggestion mit einer Anzahl junger Leute auS- führte. Was an „Hellsehers von ter jungen Dame „Carma" geboten wurde, setzte daS Publikum, obwohl es sich hier nur um eine gut ein- gearbeitete Gedankenübertragung hantelte, in Erstaunen. Der zweite Teil des Programms brachte eine Reihe teilweise recht netter Zauberkunststückchen.
Kirchliche Nachrichten.
Israelitische Religionsgefellfchafl. Sabbatfeier den 2. März. Freitag abend 5.40 Uhr; Samstag vormittag 8.30; nachmittags 3.30; Sabbatausgang 6.55. Wochengottesdienst morgens 7; abends 5.30 Uhr.
Israelitische Rdiglonsgemeinte. Gottesdienst in ter Synagoge (Südanlage ). Samstag, den 2. Man. Vorabend 5.45 Uhr; morgen» 9; abends 6.15 unb 6.55 Uhr.
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gibt bekannt -
Hydraulische Lovejoy-Stoßdämpfer
bisher ein ausschließliches Merkmal teurer Luxuswagen, wie Cadillac, Chrysler Imperial und Rolls Royce, gehören jetzt zur Normalausrüstung des Chevrolet.
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Der neue Convertible Landau Sedan
ist europäischem Geschmack angepaßt. Der hintere Teil des Verdecks ist niederklappbar. Dieses Modell ist in seiner Art die ideale Verbindung eines Fahrzeuges für Winter und Sommer.
Der weltberühmte Krupp-Edelstahl
ist erstmalig für das Chassis eines amerikanischen Wagens verwendet worden und gibt dem Rahmen die nötige Stabilität, um die erhöhte Kraft des Sechszylindermotors aufzunehmen. Ein weiterer Schritt vorwärts in der Politik der General Motors, deutsches Material und deutsche Arbeit heranzuziehen.
Weitere bemerkenswerte Verbesserungen:
Kräftige, statisch und dynamisch ausgeglichene Kurbel welle / Fortschrittliche Konstruktion des Verbrennungsraumes / Neues, hohes Übersetzungsverhältnis 3,8 : 1 / Carter-Vergaser mit neuer Beschleunigerpumpe / Neuer verchromter Kühlerrahmen / Erstklassige deutsche „Hella - Bilux“-Scheinwerfer mit Fußhebelumschaltung / Automatische Schmierung des
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Jeder wußte, daß er kommen würde. Jetzt ist er da, und hier sind die näheren Einzelheiten 1 Nur die tatsächliche Leistungsfähigkeit des neuen Chevrolet 6 soll entscheiden,ob er der Wagen ist,der Ihren Ansprüchen am weitesten entgegenkommt. Sie selbst sollen bestimmen, ob die 126 Millionen Mark, die General Motors für die Umstellung auf den Sechszylinder ausgegeben hat, gut angelegt sind. Zweihunderttausend Besitzer des neuen Chevrolet 6 haben es bestätigt.
Kommen Sie noch heute, und lassen Sie sich den Wagen vorführen, der eine Umwälzung aller Wertbegriffe über Automobile bedeutet« Günstige Bedingungen nach dem GMAC - Plan.
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PHtndt.-j der General Moton Co-pertücm
Der Präsident der General Motors über seine Po’itik
Das Streben nach verbesserter Leistung ist Grundprinzip der Genera! Motors. — Neue rungen dürfen dem Publikum nicht vorent- halten werden, sobald sie möglich geworden sind und sich bewährt haben.
Im Laufe des Jahres 1928 haben wir mehr als 1 Va Millionen Chevrolet-Wagen verkauft. Die ungeheure Nachfrage des Publikums ermöglichte es uns, den Wunsch von Jahren zur Wirklichkeit werden zu lassen — einen Sechszylinder zum Preise eines Vierzylinders herzu1 teilen. Eine Verbesserung war möglich, somit hatte das Pub'ikum ein Anrecht aut sie. Und so entstand der neue 6 Zyl.-Chevrolet. Er ist das Resultat einer Politik, die von der Erkenntnis ausgeht, daß der wertvollste Aktivposten eines Unternehmens das dauernde Vertrauen des Käufen ist. /
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