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Donnerstag, 28. Februar 1929

119. Jahrgang

Nr. 50 Erstes Blatt

Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrist 20",, mehr.

Chefredakteur:

Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Dolüik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Terl Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hiümann, sämtlich in Biegen.

Erscheint täglich,nutzer Sonntags und Feiertag» Beilagen

Die Illustrierte

Giehener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

Bezugspreis fflr 2 Wodjen: 1 Reichsmark und 15 Neichspfennig für Träger­lohn, auch bei Nichter- scheinen einzelnerNummcrn infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse:

51, 54 und 112.

Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Lietzen.

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MetzeimAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Crrd und verlog: vrühl'sche Univerfitülr-Vuch. und Zleindruckerei K Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: SHulstrahe 7.

Was sagt Holland zu den Geheimabkommen?

Gespanntes Verhältnis zu Belgien. - Oie Gcheldefrage. - Holland und die Flamen.

ic nicht erst feit

uu» holländischen Re-

gierung, die in dem Zwang, diese durch v e Friedensvcr.rlge geschaffene Frage zu erledigen, eine Kränkung empfindet, die um so großer ist, als viele Holländer in dreser Derpfluytung eine Strafe dafür sehen daß Holland wahreno des Weltkrieges sich nicht auf die Seite der Alliierten gestellt hat. Grob gesproßen liegt es in der Tat hier ja auch so, daß alle üorderungen von Belgien erhoben werden, wahrend Holland Zugeständnisse machen soll ohne viel Lasur zu erreichen. Run dreht es sich hteroet nicht so sehr um die friedliche Seegeltung des Hafens von Antwerpen, wie eigentlich um die mi­litärische und strategische Bedeu­tung, die Antwerpen haben würde, wenn Or­gien nur den freien Zugang zum Meere über die Schelde haben würde, den die Belgier verlangen. Lind ausgerechnet in diese Kerbe schlagen die Bestimmungen des Geheimverlrages, da sie <mf das deutlichste erkennen lassen, dah Belgien die militärische Autzbarleit des Hafens von Ant­werpen gerne gesteigert sehen würde, um den belgisch - französischen Aufmars ch gegen Deutschland zu erleichtern! Die Belgier haben das bei den Verhandlungen aus Las energischste bestritten, und die Hartnäckigkeit, mit der die belgischen älnterhändler sich hier­gegen verteidigten, war mit ein Hauptgrund, warum man den Versicherungen ihrer Friedf>n:ug- leit Glauben schenkte bis even die Enttäuschung durch das Dekanntwerdcn des belgisch-französi-

fehr verschnupfte, zu dämpfen.

Bekanntlich ist die Scheldefraa gestern das Schmerzenskind der \>

schon Geheimabkommens kam...

Dazu kommt nun aber noch, dah das Gebiet, Vas die Belgier forderten, und die sonstigen Auswirkungen des geplanten Scheldeabkommens -ausgerechnet «inen Bwölkerungsteil Hollands ge­troffen hätten, den Belgien seit längerer Zeit regelrecht schikaniert: die Flamen. Die hol- ländische Haltung in der Flamenfrage ist an sich -sehr merkwürdig. Die holländische Regierung hat die Frage ständig ignoriert, hat jeden­falls. offiziell von ihr nie Kenntnis genommen, obwohl es sich um einen Dolksstamm handelt, der mit den Holländern auf das engste verwandt ist, und gegen dessen Abtrennung vom hollän­dischen Stammlande seit jeher die Stimmung im Volke gerichtet ist. Diese amtliche Zurückhaltung hatte chren Grund darin, dah die holländische Regierung und vor allen Dingen die lange Zeit maßgebenden konservativen und liberalen Kreise Hollands trotz aller Katholikenfeindschast ausge­sprochen sranzosenfreundlich waren und ^isolgedessen es mit der ebenfalls franzosen- lreundlichen Regierung Belgiens nicht verderben

Von unserem ^-Berichterstatter. Amsterdam, 27. Februar 1929. Die Enthüllungen les .Utrechtsch Dagblad" Über den französisch-belgischen Geheimpalt haben nicht nur in der niederländischen Presse, son­dern auch wie betont werden muh, in den Kreisen der holländischen Politiker eine stürmische Entrü stung hervorgeru en, ob- wohl Paris, Brüssel und London nut einem Dementi der Enthüllungen des holländischen Blattes sehr schnell bei der Hand waren. Das hat seinen guten Grund, da dasältrechtsch Dag- blad" offenbar bei seinen Enthüllungen nicht so leichtfertig vorge?,angen ist, wie die auswär­tigen Aemler in Brüssel, -London und Paris bei ihren Dementis. Denn nach der Formulierung Les Wvrllautes der Erklärungen in der Zeitung und nach den. Ereignissen, die unmittelbar auf die Enthüllungen folgten, scheint es cmtoanbirei festzustehen, dah das Blatt den Geheimpakt erst enthüllt hat, nachdem es vorher beim holländischen Auswärtigen Amt rm Haagnachgefragt hat. Das Blatt hat also mit seiner Versicherung, das es d.e Angelere-n- heit nachgeprüft habe, sehr viel mehr ge­sagt. als man wohl zunächst vermutete.

Das Außenamt der holländischen Regierung ha. denn auch mit ungewöhnlicher Schnelligkeit auf die Veröffentlichung reagiert und nur 24 Stunden, nachdem die Angelegenheit bekannt­geworden war, bereits die erforderlichen D c - marken in Paris und Brüssel in Auf­trag gegeben, um festzustellen, wie man sich offiziell zu den Geheimabmachungen zwischen Belgien und Frankreich stellt. Dieses Verhalten der niederländischen Regierung dürfte auch der Hauptanlah für die sonst so frankophile hollän­dische Pre.se gewesen sein, sich ernsthaft mit die­sem Falle zu beschäftigen. Es ist eben doch ein Unterschied, ob ein x-beliebioeö Dlatt bestimmte Geheimverträge enthüllt, oder ob dies nach Prü­fung und Rückfrage durch die Regierung des eigenen Landes geschieht.

Trotzdem wäre die Empörung der holländischen Öffentlichkeit nicht ganz verständlich, wenn nicht noch einige Gründe hinzukümen, die besonderer Berücksichtigung wert sind. Das ist vor allen Dingen die Tatsache, dah das Dekanntwerden des Geheimabkommens ausgerechnet in eine xjCit fiel, in der die holländische Regierung bereit war, in der leidigen Scheldefrage der bet- aifchen Regierung weit entgegenzukommen, und ist der belgische Schritte mit Erfolg in Holland unternommen wo.den waren, um d:e Sympathie der holär.d.scheu Preise für den belgischen Flamenführer Vorms, die in Brussel so

toollten. Die Flamenfrage, die noch zu Anfang der Teilung der Niederlande eine große Rolle ge­spielt hatte, war daher praktisch in Vergessenheit geraten, bis der Weltkrieg und das Wieder­erstehen einer national-flämischen Bewegung auf das Fortbestehen dieser Frage aufmerksam machte. Allerdings zunächst ohne gro­ßen politischen Erfolg, da die holländische Regie­rung sich dessen voll bewuht war, dah eine Stel­lungnahme für diese Bewegung unausbleiblich zu Konflikten mit Belgien führen würde.

3m Gegensatz zu dieser Haltung der Regierung ist jedoch allmählich in Holland eine flamen- reundliche Presse groh geworden, die durchaus nicht gewillt ist, die Flamenfrage ruhen zu lassen. Man empfindet es begreiflicherweise als ülnrecht, wenn einem sprachlich und charak­terlich verwandten Stamme das volle Recht auf staatsbürgerliche Gleichberechtigung genommen wird, und wenn er wegen seiner Liebe zu Kultur­gütern, auf die auch der Holländer stolz ist, ver- 'olgt wird. Das holländische Interesse geht na­türlich nicht so weit, dah man etwa von seiner Regierung eine Parteinahme für die Flamen ge­gen die belgische Regierung erwartet. Aber das Gefühl für das Unrecht, das den Flamen m Bel­gien geschieht, ist doch so groh, dah man diesem Empfinden wenigstens Ausdruck gibt, wie man sich etwa über die schlechte Behandlung eines Bruders durch einen Fremden beklagen würde.

Und gerade diesesbrüderliche", Mitgefühl ge­genüber her belgischen Regierung ist es auch, das durch den belgisch-französischen Geheimpakt am stärksten getroffen wird. Der Holländer fragt sich angesichts dieser Enthüllungen, ob er es sich gefallen lassen müsse, dah eine angeblich befreun- bete Regierung und zwar ohne dah Holland seinerseits dazu den mindesten Anlah gegeben hat den Fall erwägt, wie man 6ie flämt- chen Brüder gegen bie Holländer in einen Krieg schickt, obwohl Holland sich Belgien gegenüber immer nur von dem Be­streben nach Neutralität hat leiten lassen. Das ist und das Gefühl des holländischen Volkes hierfür geht zweifellos auf üeernünftige Instinkte zurück naturgemäß ein Verhalten, das man in Holland geradezu als Verrat empfin­den muh, nachdem Holland während des Krieges soviel für bie belgischen Flüchtlinge getan hat. Hollanb ist ja auch im Gegensatz zu Belgien immer für eine offene unb ehrliche ReiUrali- tätspolitik eingetreten, die es ablehnte, sich als Vorspann für irgendeine fremde Macht benutzen zu lassen. Um so größer ist auch bie Enttäuschung unb um so nachhaltiger dürften denn auch die Rachwirkungen der Enthüllung des Geheimabkom­mens auf die holländische Außenpolitik (ein, ob­gleich es zweifellos noch lange bauern wird, bis bie regierenben Kreise Hollands von ihrer Franzosenfreundlichkeit geheilt fein werden. England bestreiteijedeTeilnahme

Auskunft im Unterhaus.

London, 27.Febr. (TU.) Die mit Spannung erwartete Erklärung Chamberlains im Unterhaus ;u dem französisch-belgischen Geheimabkommen ist wegen einer Erkrankung des Außenministers durch Unterstaatsfekrefär Locker-Lampson abge­geben worden. Locker-Lampson betonte, dah der Text des Rotenaustausches zwischen der belgischen und französischen Regierung über eine militärische Verständigung vom 7. September 1920 am 9. Ro- vcmber des gleichen Jahres beim Völkerbund eingetragen worden sei. Das Fiel dieses Ab­kommens sei die Verstärkung der Friedens- und Sicherheitsgarautien. Die darauf bezüglichen mili­tärischen Vereinbarungen seien nicht veröffentlicht worden, was die vehauplun- gen über ein Uebereinkommen zwischen Grohbrikannien und Belgien angehe, so könne er auf das bestimmteste erklären, dah weder ein solcher militärisches Abkommen bestehe, noch eine Verständigung zwischen den beiderseitigen Ge­neralstäben oder Regierungen. Ebensowenig habe der britische Militärattache in Brüssel bei irgend­einer Gelegenheit an einer Erörterung für die Her­beiführung einer solchen Verständigung teUgenom- men. Abgesehen von dem Vertrag von Locarno sei von der britischen Regierung seit dem Kriege kein Abkommen mit Belgien eingegangen worden, dah irgendwelche militärischen Verpflich­tungen enthalte. Es bestehe auch keine verständi- gung zwischen dem britischen Generalstab und irgendeiner auswärtigen Macht.

Auf eine ergänzende Anfrage erwiderte Locker- Lampson, das Unterhaus könne versichert fein, dah die britische Regierung keine Verpflichtun­gen eingegangen fei, die irgendwie im Gegensatz zu Locarno ständen. Kenworthy bekam auf die Frage, ob die britische Regierung Schritte getan habe, um die veröfsenttichungen des holländischen Blattes als Fälschung zu entlarven, keine Antwort. Die Erklärung wird in politischen Kreisen als zu­friedenstellend angesehen, da sie sich ausdrücklich darauf bezieht, dah auch der britische Mili­tärattache nicht an Verhandlungen beteiligt war, die die britische Regierung formal nicht billigen

könnte, die in der Praxis aber doch auf eine eng- tische Verpflichtung hinausgelaufen wären.

Medgwood fragte, ob man annehmen könne, dah keine militärischen Verständigungen mit Frank­reich oder Belgien abgeschlossen würden, die nicht auch mit Deutschland gepflogen würden, so dah die britischen verpsllchtungen aus dem Lo- carnooertrag strikt eingehalten würden. Locker- Lampson erwiderte, Dedgwood könne völlig sicher sein, dah England nichts unternehmen werde, was im Gegensatz zum Vertrag von Locarno stehe. Ken- worthy stellte die Frage, ob irgendwelche Schritte unternommen seien, um den Urheber dieser offen­baren Fälschung zu ermitteln. Auf diese Frage er­folgte keine Antwort.

Holland und der Kellogg-Patt.

Gegen eine sofortige Beratung in der Kammer.

Haag, 27.Febr. (WB.) In der heutigen Nach­mittagssitzung der Zweiten Kammer stellte das Mit­glied der römisch-katholischen Staatspartei, van Buuren, vor Eintritt in die Debatte über den Gesetzentwurf zur Ratifikation des Beitritts der Niederlande zum Kellogg-Pakt den Antrag, im Hinblick auf die in den letzten Tagen gänzlich veränderten Umstände die Beratung über den Ge­

setzentwurf bis auf weiteres ausAufefcen. Wel­ches die Umstände seien, die er hierbei im Auge habe, so fügte der Antragsteller hinzu, brauche er wohl kaum auseinanderzusetzen. Der Kammerprä­sident schloh sich diesem Antrag an und machte der Kammer den Vorschlag, den Gesetzentwurf von derTagesordnung abzusetzen. Der- schiedene Abgeordnete widersprachen jedoch dem An­trag mit der Begründung, dah zwischen Hollands friedlicher Gesinnung und den Ereignissen, die sich um Holland hemm abspielen, fein innerer Zusam­menhang bestehe. In der Debatte über den Antrag gab der Vorsitzende der römisch-katholischen Kammer- frattion, Nolens, die Erklärung ab, dah er sich im Sinne des Antrages aussprechen müffe, da die Atmosphäre des Vertrauens, welche für die Behandlung des Antrages notwendig sei, im Augenblick nicht vorhanden zu sein scheine. In der Abstimmung wurde der Antrag mit 41 gegen 26 Stimmen adgelehnt. Für den An­trag stimmte die gesamte römisch-katholische Fvak- tion, die meisten Mitglieder der christlich-historischen Partei sowie die drei rechtsradikalen chrisllichen Dissidenten. Dagegen stimmten die Sozialdemokra- ten, die freisinnigen Demokraten, die Liberalen und drei chrisUich-historische Abgeordnete, sowie die na­tional-revolutionäre Fraktion, welche ebenso wie die Christlich-historischen der rechten Seite des Hauses angehören. Die Kammer trat darauf in die Der- Handlung des Gesetzentwurfes ein.

Mderausnahme

der Koalilionsvekhandlungen.

Berlin, 27.Febr. (VDZ.) Reichskanzler Müller hat im Lauf des Nachmittags im Reichs­tag die Fühlung mit den Parteiführern wegen der koaliiionsfrage wieder ausgenommen. Er empfing zunächst die Vertreter der Deutschen Volkcparlei, Dr. Stresemann und Dr. Scholz: der letz­tere wird, wie verlautet, die weiteren Verhandlun­gen im Namen der Deutschen Volkspartei sühren. Ferner empfing der Reichskanzler die Abgeordneten Dr. kaas und Dr. Stegerwald vom Zen­trum. Die Verhandlungen sollen am Donnerstag in einer interfraktionellen Besprechung weitergeführt werden. In Zentrnmskreisen besteht wohl Bereit­willigkeit, wieder in die Regierung einzutrelen, stellt jedoch als erste Voraussetzung dafür bie Be­dingung, daß alle Fraktionen, die an der Regie­rung beteiligt sein würden, fraktionvmählg fest gebunden werden. Ueber sachliche Mei­nungsverschiedenheiten würde wohl Hinwegzukom­men fein. Allerdings erblickt das Zentrum eine be­

sondere Schwierigkeit In dem letzten Absatz der Ent­schließung der Deutschen Volkspartel, der die Steuerfrage behandelt. Ueber diese, Fi­nanzprogramm, wie überhaupt über sachliche Fra­gen verlangt nun allerdings die Deutsche Volk, pari ei eine vorherige Einigung in ihrem Sinne. Unter dieser Voraussetzung ist die Deutsche Volkspartei nach ihren Erklärungen gegen­über dem Reichskanzler bereit, sich an einer fraktionell gebundenen Regierung zu beteiligen. LautVoss. Zig." erfolgte die Inter­pretation des Beschlusses des Ientralvorstande» der Deutschen Volkspartei in dem Sinne, daß eine frak­tionelle Bindung der Deutschen Volkspartei an die Regierungspolitik innerhalb einer Mehrheitskoalition möglich wäre, wenn sie zeitlich begrenzt bliebe bl» zur Beendigung der pariser Reparation,- Verhandlungen und wenn eine vorherige Verständi­gung über da, Finanzprogramm erfolge.

Wie weit sind die Sachverständigen?

Voreilige Reporter des Auslandes. - Roch keine Zahlen und Vorschläge- - Die allgemeine Prüfung des Reparationsproblems noch keineswegs beendet.

Paris, 27. Febr. (WB.) haoas berichtet, daß heute vormittag die Mitglieder der Unterausschüsse der Reparationssachoerständigenkonfercn; ihren Mei­nungsaustausch von Delegation zu Delegation bzw.

1 in privaten Unterredungen fortgesetzt haben. Die Agentur havas ist ferner ermächtigt, folgendes ja erklären: 3n gut unter richteten Kreisen zeigt man sich sehr überrascht wegen der In einer Reihe von Zeitungen veröffentlichten Depeschen au, ausländischer Quelle, denen zufolge der Sachverständigenausschuh bereits grundsätzlich die Anzahl und die höhe der deutschen Annuitäten s e st g e s e h t haben soll. (Diese Feststellung bezieht sich offenbar auf eine Veröffentlichung der Lon­donerTimes".) Man erinnere daran, dah die Mit­glieder der Konferenz noch InkeinemAugen- bllck sich über Ziffern ausgesprochen haben und dah sich die Sachverständigen bis jetzt streng auf die allgemeine Prüfung der ebenso ver­wickelten wie zahlreichen Probleme beschränkt haben, die in mehr ober weniger engem Zusammen­hang mit der ihnen übertragenen Aufgabe flehen. Ueberbie» beweist, wie weiter erklärt wird, die Tat­sache, dah der der Ausschuh eine gewisse Anzahl seiner qualifiziertesten Mitglieder beauftragt hat, in Unterausschüssen zu arbeiten und diese Fra­gen zu prüfen, zur Genüge, daß ein ziffernmäßiger Gesamtplan noch nicht aufgestellt worden ist.

Hugenberg

über die Daweskonferenz.

S t e 11 i n, 27. Febr. Der Vorsitzende der Deutsch, nationalen Volkspartei, Geheimrat jjugenberg, nahm auf einer öffentlichen Kundgebung eingehend zur Kriegsentschäbigungsfrage Stellung und betonte, daß Deutschland schon vielmehr bezahlt habe als es dem Sinne des Versailler Vertrages entspreche. Auch nach dem Sinn des Dawesoertrages müßte ein Stop der deutschen Zahlun­gen längst eingetreten sein. Er frage daher die

Regierung, warum bie Welt nicht widerhalle wegen der vertragswidrigen Handhabung des Dawesplanes. Er könne es sich nicht denken, dah die deutschen Vertreter in Paris sich grundsätzlich auf den Boden der Aufhebung b e 9 Transfer- schutzes gestellt hätten, weil sie deutsche Kaufleute seien. Ein richtig rechnender deutscher Kaufmann könne an ein Ende des Transferschutzes nicht an- ders als in Verbindung mit dem Ende der deutschen Kriegstribute denken.

Man habe ihm den Vorwurf des wirtschaftlichen Landesverrats gemacht, weil er kürzlich von der Lüge des steigenden deutschen Wohl­standes, von der Lüge der deutschen Zah­lungsfähigkeit unb von der Lüge der Sicherheit der deutschen Währung ge- sprachen habe. Er halte diese Worte in vollem Um­fange aufrecht. Das auszusprechen, sein kein wirt­schaftlicher Landesverrat, sondern politische Pflichter­füllung. Die leere Prestige- unb Fasfadenpolitik der vergangenen Zeit müsse durch eine klare unb ein« fache Jnteressenpolltik ersetzt werden. Nur eine solche verstehe man im Auslande. Ueber Parker Gilberts falsche Darstellung unseres Wirtschaftszu­standes könnten wir uns nicht beklagen, wenn unsere eigenen Minister glaubten, ihrem Lande durch Schön­färberei zu nützen.

Rach einer Darstellung der schwierigen Finanz­lage des Reiches und nach der Feststellung, daß die deutsche Gesamtwirtschaft heute eine Zu­schuß w i r t sch af t sei, betonte Geheimrat Hu- genberg sodann, daß der deutsche Arbeiter, der deutsche Angestellte und Beamte in einer fürch­terlichen Täus chung über seine und seines Landes Lage stecke. Auf dieser Täuschung beruhe auch die ameritanische Reparalionspolitik, auf dieser Täuschung beruhe unsere Währung. Es komme nicht auf die nominelle Währung eines Landes an, die künstlich von seinem Hauptgeldgeber Amerila durch ständigen Rachschußkredit aufrechterhalten werde. Auch die Währung, die Parker Gilbert Deutschland Zahre hindurch geschenkt habe, sei keine Wahrung. wisse nicht, mit welchem Wahn der Privatkapi- talist deS Auslandes, der fein Geld an Deutsch-