Ausgabe 
27.11.1929
 
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Nr. 278 Drittes Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheften)

Mittwoch, 27. November (929

Bücher unter dem Weihnachtsbaum.

Deutsche Erzähler.

Gustav Frenssen, Dummhaus. Ro­man. Leinen 7 Mk. G. Groie, Berlin. (63..) Frenssens neuer Roman birgt Bil.er von seltener Eindrucks stärke und Farbenfülle. Richt vorüber- hastende Gestalten, sondern gegenwär.ige lebe^'.s- volle Menschen, deren Geschicke wir mit ganzem Herzen durchleben. Ein junger Bauernsohn, gut und einfältig, aber den Kopf voll bunter ver­wirrender Gedanken, wird von seinen Dorfgenos­sen wegen seines sonderlichen Wesens verkannt, und so nennen sie ihn Dummhans. Ein hartes Geschick bringt seine Familie in Rot und Unfrei­heit. Da aber erwacht Dummhans aus seinen Träumereien und ordnet daS bun.e Gedanken­spiel zu klaren Ueberlegungen und mannhaften Cntsch.üfsen. Bon dem festen Willen getrieben, sich wieder emporz larbeiten und die Seinen vor bitterster Rot zu schützen, nimmt er den Kampf mit dem Schicksal auf. Unerfahren im Leben, begegnet ihm manche herbe Enttäuschung und er muh mehr als einen Umweg machen. Aber dem zähen Kämpfer, der im Vertrauen auf seine Zu­kunft und in der Hoffnung, das geliebte Mädchen zu erringen, in seinem Dorwärtsstreben nicht nachläht, wachsen die Kräfte. So zwingt er sein Schicksal und gewinnt Freiheit und Lebrnsg'ück. Auch dieser neue Roman Frenssens ist aus der engen Verbundenheit des Dichters mit dem Volke und seinem Schicksal entstanden.

Albrecht Schaeffer: Kaiser Kon­stantin. Eine Zeitwende. Roman. 241 Seiten 8°. Leinen 6 Mk. 3m Insel-Verlag zu Leipzig 1929. (392.). Aus seinem schier unerschöpflichen Reichtum an innerer Welt hat Schaeffer die ge­waltige Persönlichkeit Konstantins, der eine der größten Zeitwenden in der Geschichte der Mensch­heit herbeigeführt hat, gestaltet. Wie er die historischen Elemente nach seinem dichterischen Plane benutzt, wie er das Bildnis Konstantins aus dem Mythos seines Werdens formt, wie er mit souveräner Beherrschung der Vorgänge und Einrichtungen der Zeit, ihrer Sitten, Ge­bräuche, Trachten und Riten die großen krie­gerischen Handlungen und die im Geheimen, mit Dolch und Gift, arbeitenden politischen und hö­fischen Intrigen schildert, das ist eine sehr re­spektable Leistung. Es handelt sich um die Be­kehrung und die Taufe des Kaisers Konstantin also um einen historisch und rein chronologisch unS sehr fernlicgenden Stoff aus einem ver­schollenen Kulturkreise: aber Schaeffer betont selbst in einer kurzen Vorbemerkung, daß es ihm fjier nicht darauf angekommen sei, einen historischen Roman zu schreiben: .vielmehr liegt, was er erstrebte, an der Grenze des mythischen Bezirks...", und somit wird der Stoff aus sei­ner geschichtlichen Begrenzung ins Zeitlose ge­rückt, als Sinnbild gestaltet und auch dem heuti­gen Menschen genähert nicht zuletzt kraft der klaren und sehr einfachen Sprache Schaeffers, die offenbar in klassischem Geiste geschult wurde und sich zur Reife entwickelt hat.

Leonhard Frank: Bruder und Schwester. Roman. 268 Seiten 8U. Im Insel- Verlag. Leipzig 1929. (612.) Rur adlige Menschlichkeit und eine hohe und ganz reife Künstlerschaft konnten ein solches Buch entstehen lassen. Dieser Roman ist eine Liebesgeschichte, er behandelt also ein uraltes und urewiges Motiv der Weltliteratur: aber der Dichter Leonhard Frank gab dem einfachen und tausendfältig ab- gewandeltön Motiv eine Wendung von antikischer Größe, welche die Handlung im Sinne der Klassik zu einer Katastrophe jählings hinreißt und stei­gert: ein Schicksal von tragischer Unerbittlichkeit läßt die beiden, an Leib und Seele makellosen Liebenden in dieser wunder^llen Erzählung zu spät erfahren, daß sie eines Blutes und ge­schwisterlich verbunden sind. Jedem Geringeren wäre eine so ungeheuerliche Fabel unfehlbar ins Banale oder Gemeine umgeschlagen: hier aber, bei Frank, rauscht ein heißer Blutstrom erlebten Lebens, erlittener Leidenschaft durch die Schil­derung hin: und sie wird mit einer bezaubern­den Zartheit des Herzens, mit einer in jedem Wort spürbaren Klarheit und Tiefe des mensch­lichen Blickes sehr schlicht zu einem erlösenden, innerlich harmonischen Ausllang geführt, den kein kleiner und ängstlicher Widerspruch zu er­schüttern vermöchte. Dieses Buch gehört zum Schönsten, was wir seit langer Zeit gelesen haben, es wird dauern, und es ist vielleicht das Stärkste, was der Dichter seither hat schaffen können.

Lily Hohenstein: Dos Kind und die Wundmale. Roman. Ausgezeichnet mit dem Iu- gendpreis deutscher Erzähler 1928. Mit einem Geleit­wort von Paul E r n st. Verlag Deutsche Buch-Ge- meinschoft, Berlin. Halbleder 4,90 Mark. (538.) Der Jugendpreis deutscher Erzähler (10 000 Mark) wurde in diesem Jahre der Darmstädter Dichterin Lily Hohenstein zuerkannt für ihren RomanDas Kind und die Wundmale". Die Wundmale jedoch, von denen Lily Hohenstein fpricht, sind symbolisch zu verstehen: es sind die frühesten, schmerzvollsten Kindheitserlebnisse, die das Leben eines Menschen bestimmen und die niemals überwunden werden können. Wir alle tragen diese Wundmale der Kind- heit: wohl uns, wenn wir schließlich, wie der Held des Romans Heinrich Faber, zur Bejahung unseres Wesens und unseres Geschickes gelangen, trotz aller tragischen Ereignisie, die uns in unseren Entwick- lungsjahren begegneten. Scheinbar hoffnungslos einem verfehlten Dasein verkettet, gewinnt Faber neue Kraft, als er sich entschließt, das Leben eines ihm anoertrauten Kindes bewußt zu formen. Ohne literarischen Einflüssen nachspüren zu wollen, kann man doch große Verwandte der Dichterin erwähnen, um ihren Rang zu bestimmen. Fast geschwisterlich nahe scheint das Werk dem,Ludolf Ursleu" Ricarda Huchs, mit der sie den Lehrmeister gemeinsam hat: C. F. Meyer. Die Art ihrer Religiosität verbindet sie Hermann Stehr, die seelische Hellsichtigkeit Sigrid Unbfet

Adam Karrillon, Meine Argo­nautenfahrt. In Leinen 4,50 Mk. G. Grote, Berlin. (620) Roch einmal zieht Vater Karril- lon hinaus aufs Meer in jenen Tagen des Wirr- sals, als der Krieg aufgehört und der Friede noch nicht angefangen hatte. Als Schifssarzt auf der Ostsee, begleitet er Menschentransporte aller Art. Bald sind es Optanten, die nach Ostpreußen zur Abstimmung für Deutschland gebracht werden, bald nach Rußland,zurückkehrende russische Trup­

pen, bald deutsche und verbündete Soldaten, die aus Gesänge, e .lagern und Lazaretten nach Deulsch.aad heimgeführt w.rden. Was der Dichter ca an Ernstem und Heiterem erlebt, schildert er in humorvoller Wei e. Trotz alter scetischer und leiblicher Rot hält Karri.ion tap'ec auf seinem Posten aus, bis ihn ein Unglücksfall zum Ab­schied zwingt.Ein armer Jason, hatte ich in Kolchis keine Metteia gefunten, auch nicht das goldene Dl'.e; enes Widders, der einst Phrixos und Helle aus einem Rücken getragen. DaS ein­zige, was ich am Oderstrand ge.andet mein Eigen nennen konnte war ein Heftpflasterverband um die kurzen Rippen und goldene Erinnerungen an überstände- e Fährnisse."

Cecile Laube r: Die Wandlung. Roman. 548 Seiten. Ganzleinen 10 Mk. G.ethlKn & Co., Leipzig, Zürich. (509) Dieser Roman stellt die von außen nach innen gerichtete Wand­lung eines Menschen dar, der, durch eine Reihe von Ereignissen an der Wurzel seines Lebens verletzt, in einer Art schmerzlichen Erstaunens die verheerenden Wirkungen seines hemmungs­losen Daseins blitz rlig erkennt und gleichsam

Charles Sanford Terry: Johann Sebastian Bach, mit einem Geleitwort von Prof. D. Dr. Karl Straube, mit 55 Bildtafeln. Leinenbd. 15 Mk. Insel-Verl. Leipzig. (572) - Die Persönlichkeit des großen Meisters lag bis­her unter der gewaltigen Last feiner Werke derart begraben, daß auch leidenschaftliche Dach- Verehrer nur wenig von seinem eigentlichen Le­ben wußten. Die Bestrebungen, Dach von der historisch-biographischen Seite zu erfassen, fin­den nun ihren Abschluß in dem vorliegenden Werke Terrys, dem es gelang, auf Grund gründ­licher archivalischer Studien das Leben Dachs bis in seine letzten Ausläufer zu verfolgen. So werden die Zeit und der Lebenskreis eindrucks­voll geschildert, die den großen Thomaskantor umgaben, als er seine unsterblichen Werke schrieb. In den mehr als fünfzig Dildtafeln sind die Stätten, die fein Fuß betrat, die Persönlichkeiten, die seinen Weg kreuzten, und charakteristische Proben seiner Handschrift wiedergegeben.

Romain Rolland: Beethovens Meisterjahre, Von der Eroica bis zur Appassionata, mit 32 Dildtafeln und einem Faksimile. Leinenband 12 Mk. Insel-Ver­lag, Leipzig (573). Deethoven, für Romain Rolland der größte der Helden des Leides und Leidbezwinger, ihm von frühester Stunde an vertraut,seitdem ihn die geliebte Mutter die Fin­ger im Zauberwald der Tasten wandern lehrte", Beethoven ist das Gestirn, zu dem der Dichter in allen Krisen seines Lebens gläubig aufsah. ImJean Christophe" hatte er ihmfein Iüng- lingslied gesungen", heute wirft der auf der Höhe des Lebens Stehende noch einmal den Zau­ber seiner Worte über dentragischen Dionysos", als der ihm Deethoven immer erschienen war. Roch einmal sollen meine Augen den Gtanz der Sonne Deethovens schauen, und ich will aussprechen, was er uns und einem ganzen Jahrhundert gewesen ist" so schenkt uns Rol­land von der Höhe eigener Meisterschaft diese tiefste musikalische und menschliche Deutung der Werke Deethovens von der Eroica bis zur Ap­passionata.

LudwigThoma für dieIugend. Aus- gewählt und eingeleitet von Josef Hofmille r. Ganzleinenband 5 Mark. Verlag von Albert Langen in München. (524.) .^hundertmal langt nicht, daß ich meinen Schülern aus Ludwig Thoma vorgelesen habe, vor allem in der letzten Schulstunde vor'Weih- nachten, Ostern, den großen Ferien, in die sckon der Hauch der Vakanz hereinweht", so erzählt Josef Hof- miller in seiner Einführung zu dem prachtvollen, rei­zend ausgestatteten BandeLudwig Thoma für die Jugend",natürlich habe ich auch sonst allerhand vorgelesen, aber wenn ich meinen Leuten die Wahl ließ, riefen sie wie aus einem Munde: Ludwig Thoma." Es sind die unvergeßlichen Meisterstücke von Thomas Kunst: ein Abschnitt aus seinen Er­innerungen, ein paar seiner prächtigsten Lausbuben- gesch.chten. Dinge, denen man es ansieht, daß sie nicht am Schreibtisch ausgebrütet wurden. Es ist nur zu wünschen, daß durch diese schöne Auswahl Thomas Geschichten auch in die Hände vieler Tau­sende von jungen Menschen kommen, denn es ist Kraft und Gesundheit darin, viel ßebensmeisheit/ein tiefer und erzieherischer Ernst und ein herzliches und befreiendes Lachen voll Ausgelassenheit, Uebermut und Lebensfreunde.

Die lustigsten Münchner Bilder­bogen und Bu schbilderbogen. P.eis je Band 3 bzw. 3,50 RM. Verlag Braun und Schneider in München. (548/549). Die köstlichen Bilderbogen, die in unserer Jugend auf keinem Weihnachtstische fehlen dursten, setzt der bekannte Münchener Verlag in dankenswerter Weise durch die Herausgabe von sechs neuen Bänden fort. Gleich lustig sind Bilder und Verse, für jedes Kinderherz eine unerschöpfliche Quelle jubelnder Begeisterung. Besonders famos sind die vier Buschbände, die zu den kindlich heitersten und humorvollsten Schöpfungen des großen Meisters gehören.

Tony Schumacher: Li und Lu und andere Erzählungen für die Jugend. 205 Seiten. Mit 2 Vollbildern von Ernst K u h e r. Ganz­leinen 4,80' Mk. Levy & Müller, Stuttgart. (565) Die aus dem Leben gegriffenen Erzählungen sind den reichen Erinnerungen und Erlebnissen aus dem langen Leben der Verfasserin entnom­men und in der gleich liebevollen, gemütvollen Weise niedergeschrieben wie alle die vielen be­kannten Bücher von Tony Schumacher. Auch dieses neue Buch wird wieder viel Sonne in die empfänglichen Herzen der kleinen Leser hinein- tragen.

Paul G. Ehrhardt: Transozean M I. Ein Fliegerroman. 224 Seiten. Wit einem Situationsplan. Kartoniert 3,50 Mk. Ganzleinen

vor sich selber zurückzuw.ichen beginnt. Hm dieses dargcstcllte Leben setzen sich, wie Kristalle an den Mutterboden, die Schicksale aller jener Menschen an, die durch die mächtigen Ausstrahlungen seines gewalttätigen Das.ins irgendwie g-troffen wor­den sind.

Grethe Auer: Bonvouloir. Ein Roman aus den Dendee-Kriegen. 3n Leinen ge­bunden 8 Mk. Deutsche Verlags-Anstalt, Stutt­gart. (6t 2) Dcr Roman schildert jene Bauern- erhebung in der Dendee, die von brr französi­schen Re^olulionsarmee nach jahrelangen Kämp­fen niedergeschlagen wurde. Der Le er verfolgt nicht nur den Aufstieg und den Untergang eines heldenhaften Bauernmädchens, öa 3 für Glauben und Heimat duldet und kämpft und stirbt; man fühlt sich elenso mitgerisfen von der Entwick­lung einer Erhebung, die den reinsten, idealsten Typus einer solchen darstellt, den die Geschichte je gekannt hat. Denn die Führer sowohl wie die Dauern sind von starken und reinen Empfindun­gen getragen, opferwillig bis zur Selbstvemich- tung, und wo sie ihre Fahnen beflecken muhten, ist es mehr Verhängnis als Schuld gewesen.

Romain Rolland: Goethe und Beethoven. Ausgabe mit 16 Bildnissen. Rot- apfel-Verlag, Leipzig. In Leinen 7,20 Mark. (652.) Es sind interessante Bildnisse Goethes und Beetho­vens aus der Zeit ihrer Begegnung, meist gar nicht oder nur wenig bekannt, aber auch Bettina ist ver­treten und jene Persönlichkeiten aus dem Kreise um Goethe, die an jenen Ereignissen beteiligt waren. In großartiger, tiefer Deutung, mit einer ergreifen­den Feinfühligkeit in der Behandlung seelischer Vor­gänge schildert Rolland die Begegnung dieser zwei Großen. In ihnen prallen zwei Welten aufeinander. Olympische Ruhe erschrickt vor der zuckenden Dämo­nie gigantischer Musik..Goethe und Beethoven ver­mögen einander nicht zu verstehen. Aber wie sie ringen, ohne sich zu finden, da lieft man hier mit Bewegung und Erschütterung aus einem Seelen» gemälbe voll Deutung und Tragik. -

D i e deutsche Oper. Grundzüge ihres Werdens und Wesens. Von Professor Dr. L. Schiederrnair. Mit 102 Rotenbeispielen und 20 Tafeln. 3n Leinenband 14 Mk. Verlag von Quelle & Meyer, Leipzig (543.) Gestützt auf ein umfassendes Wissen gibt der Verfasser ein geschlossenes Tild der künstlerischen Destrebun- gen und Demühungen, die in Deutschland das musikdramatische Kunstwerk in seiner Vielgestal­tigkeit und Lebensfülle geschaffen haben. Die Geschichte der deutschen Musik ist im engsten Zu­sammenhang mit der europäischen Gesamtentwick» lung dargestellt und die Anregungen und Ein­flüsse genau abgegrenzt, die die deutsche Oper von Italien, Frankreich, England und Rußland empfangen und im eigenen Stil weiter entwickelt hat. Die Darstellung führt von Schütz bis zu Hindemith, vom Singspiel bis zu den Aus­strahlungen des Expressionismus. Der besondere Wert des Buches liegt in den Untersuchungen der Formen und Gestaltungen, der Ausdrucksar­ten und Stile, der Problemstellungen und Pro­blemlösungen der wichtigsten Opern. Zahlreiche Abbildungen charakteristischer Dühneninszenierun- gen und etwa 100 Rotenbeispiele erhöhen den Wert des Werkes.

4.80 Mk. 'Levy & Müller, Stuttgart. (567) Die Geschichte eines deutschen Fliegers, der zu einem Rekordflug um die Welt in Deutschland startet, mit unheimlicher Geschwindigkeit den At­lantischen Ozean und Südamerika überfliegt, auf der ungeheuren Wasserwüste des Stillen Ozeans in ein furchtbares Gewitter gerät, abstürzt und auf einer unbekannten, unbewohnten, kleinen Insel als moderner Robinson, sieben Jahre für die Welt verschollen, zubringt. Ein Buch voll Abenteuer und S >armung.

(Ern ft Eimer: Konrads Ferientage. Erzählung für die Jugend. 128 Seiten mit vier bunten Bildern und zwölf Schwarzweiß-Zeichnungen des Verfassers. Ganzleinen 3,50 Mark. Verlag von A. Anton & Co, Leipzig. (635.) Der hessische Malerpoet Ernst Eimer schreibt auf, was er in sei­ner Jugend selbst sah und erlebte. Er tut es mit Freude am Fabulieren, ohne Pathos und ohne Ab­sicht auf Wirkung. Sein Buch ist ein wirkliches Kin­derbuch, ein Heimatbuch, aus der Liebe zu seinem Hessenlande geschrieben. Alle Kinder werden es mit Lust und Liebe aufnehmen, weil sie sich selber darin wicderfinden. Was das Buch besonders wertvoll macht, ist, daß der Autor es selber mit einer Fülle bunter und schwarzer Bilder schmückte. Sie lassen das noch einmal lebendig werden, was der Erzähler zu berichten und zu sagen weiß.

Adele Elkan: Das arme Komte si­ch e n. Ein Mozartrvrnan für junge Mädchen. 244 Seiten. Mit 8 Vollbildern und 30 Scheren­schnitten im Text von Elisabeth L ö r ch e r. Ganz­leinen 5 Mk. Levy & Müller, Stuttgart. (566) Das Leben des armen Komteßchens im Hause der reichen Verwandten, ihre schwärmerische Sehn­sucht, unter Mozarts Führung Musik zu studie­ren, und ihre Rückkehr nach Deutschland bilden den Inhalt der Erzählung, die mit einer frei erfundenen Handlung das Leben Mozarts ver­bindet.

Wera Niethammer: Wunderfitz- ch e n. Seine Ausflüge und Entdeckungen im Wald. Wit 30 farbigen Holzschnitten im Text von Fritz Lang. 80 Seiten. Ganzleinen 3 Mk., Halbleinen 2 Mk. Für Fünf- bis Zehnjährige. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart. (641.) In diesenWaldmärchen" vereinigen sich Erzählerin und Maler zu anschaulicher Gestaltung der Ge­heimnisse des Waldes, erlebt und erlauscht von einem allerliebsten Zwergmännlein, das Reugier und Reiselust zu immer neuen Entdeckungen trei­ben. Mit dem Reh, mit der lustigen Quote» linde, der klugen Feldmaus und den leuchtenden Prinzen auf der Waldwiese macht es Dckannt- schaft auf seiner Wanderung.

Bildende Kunst.

Romain Rollands bekannte Michel« angeko-Biographie erschien in guter Aus­stattung auch in einer billigen Ausgabe. Gebunden 4,20 Mark im Rotapscl-Verlag, Le.pzig. Mit der tiefen Einfühlungskrast, die Romain Rolland eigen ist, erzählt er des großen Meisters Leben und Werk. Seine Kindheit und Jugend, seine Tragödie mit übernommenen und unterschätzten Aufgaben und Verträgen, sein Leiden mit Julius II., seine Pläne, die an seiner körperlichen Kraft zerbrachen, sein tie­fes (Erlebnis mit Dittorio Colonna, sein Aller und seinen Tod. (654.)

Wilhelm Hausen st ein. Die Welt um München. Verlag Knorr & Hirth, G. m. b. H., München. (475) Einer, der Bayern und speziell München als seine Wahlheimat liebt, dem jedoch falscher Lokalpatriotismus die Augen nicht mit Blindheit schlug, singt das Hohelied Münchens und des Bayernlandes. Denn die Welt um München ist ihm nicht der üblich eng be­grenzte Zirkel, Gar misch, der Starnberger See, die Königsschlösser, nein Freising, die alte Bi- schofsstadt, Landshut, die Stadt der niederbayri- schen Herzöge, Ingolstadt, das Zentrum der Ge­genreformation, das goldene Augsburg, das hei­lige Bamberg, Eichstätt und Wasferburg, kaum einem der Durchschnittssommerreisenden mehr als leere Stationsnamen, Ettal, die Perle des bay­rischen Barock, schließlich die ganze Kette der bayrischen Alpen vom Allgäu bis nach Berchtes­gaden, das alles durchwandern wir Hausen­stein offenen Blicks und aufgeschlossenen Sinns für die Schönheit der Landschaft, die Herrlichkeit der Kunst, der Eigenart des Volks. Aber wäre das alles nicht, so zwänge allein das Kapitel über München das Buch in eines jeden Hand, der diese Stadt lieb hat und die verhängnisvolle Entwicklung, besser und richtiger den verhäng­nisvollen Stillstand beklagt, der sie bedroht.

Reisen und Abenteuer.

M i tGraf Zeppelin" um die Welt. Ein Bild-Buch von Max Geifen- hehner. 112 Seiten Text mit zahlreichen, bis­her noch unveröffentlichten Originalaufnahmen in Kupfertiefdruck. Preis 1.20 Mk. Frankfurter So- cietäts-Druckerei G. m. b. H., Frankfurt a. M., 1929. 472. Geisenheyner, einer der wenigen Journalisten, die die Fahrt mitgemacht haben, hat das Unternehmen in seinem Bild-Buch als Erleben des sensiblen Schriftstellers wiedergege­ben. Er beschreibt den starken Eindruck des Ab­schieds in Friedrichshafen, das äußere und innere Sichlösen von der Erde, die Iubelfahrt über deutsche Erde und deutsche Städte, das maje­stätische Dahingleiten über die Felder, Steppen, Sümpfe und brennenden Wälder Ruhlands und der sibirischen Einöde. Die wenigen Tage in Japan haben dem deutschen Gast eine Fülle von Farben zu einer malerischen Schilderung des für unsere Begriffe immer noch phantastischen Insel­reichs geliefert Dann kommt der Flug über den Stillen Ozean. Es war großenteils ein Flug durch Rächt und Rebel, Geisenheyner hat dabei selbst einmal am Steuer gestanden. Er erzählt weiter von Amerika, von San Francisco, Los Angeles, Chicago, Reuyork, von Wolken­kratzern und Prärien; er beschreibt das Leben an Bord, die kunterbunte Mischung von Arbeit und Salondasein, wobei es oft lustig zuging: er zeichnet Eckener und seine Kameraden und be­richtet auf Grund seiner Unterhaltungen von den Zukunftsplänen des Zeppelinkommandanten. Zahlreiche bisher unveröffentlichte eigenartige Originalaufnahmen Geisenheyners erhöhen den Wert des Buches.

Frithjof Melzer: Malaria. Gold und Opium. MttSiöhnersHei lung kiang"-Expeditivn in die unerforschte Mandschu­rei. 240 Seiten Gr. 8° mit zwei Karten, 105 Illustrationen nach Original - Photographien. Kart. 9,50, Ganzleinen 12 Mk. Verlag C. Haber­land, Leipzig C 1. (616). Das Buch ist inter­essant geschrieben, ohne in Nebendingen den festen Boden der Tatsachen zu verlieren und Mangel an Tatsachen durch un kvntrollierbare Pharttasien zu ersehen. Daher ist eS auch ein ernster Beitrag zur Erkenntnis der politisch, wirt­schaftlich und kulturell immer mehr in den Vor­dergrund tretenden Mandschurei, wie des Fernen Osten überhaupt. Schließlich besteht die Eigen­art des Buches darin, daß es Kunde gibt von der Arbeit eines deutschen wissenschaftlichen Pioniers. Das Leben und Wirken des erfolg­reichen und wenig bekannten Asiensorschers Stötz- ner während dessen Arbeit an Ort und Stelle wird uns bis ins kleinste vor Augen geführt.

Bei liebenswürdigen Wilden in Neuguinea. Von Dr. Paul Wirz. Groß­oktav. Mit 24 Figuren, 1 Panorama und 132 Abbildungen auf Tafeln. Leinenband 10 Mk. Verlag Strecker und Schröder, Stuttgart (608.). Neuguinea ist die Insel der Gegensätze. ES gibt kaum ein anderes Land von der gleichen Größe, das eine so bunte Zusammensetzung der Bevölkerung und Kulturen aufzuweisen hat. Hun­derte verschiedene Sprachen und Dialekte werden hier gesprochen, und fast ebenso groß ist auch die Zahl der verschiedenen Kulturbezirke. Das in erster Linie als Bildwerk gedachte Buch beschäf­tigt sich mit einem verhältnismäßig großen Stamm, der seine Eigenart dem wohlumgrenz­ten Wohngebiet verdankt, das sich auf die Ufer und Inseln des Sentanisees, in der Nähe der nördlichen politischen Grenze, beschränkt. Es war dem Verfasser ein Bedürfnis, neben einer Arbeit wissenschaftlichen Charakters feine Eindrücke von jener Bevölkerung in Wort und Bild auch einem größeren Leserkreis zu übermitteln, um so mehr, als er hier unter dem Qlequatot und inmitten einer noch wenig von der europäischen Kultur beledteit Bevölkerung Menschen kennen- gelernt hat, welche den Namenliebenswür­dige Wilde" mit vollem Recht verdient haben.

El Dorado. Reise- und Kulturbilder aus dem südamerikanischen Columbien. Von Pro­fessor Dr. E. Röthlisberger. Grosioktav. Mit 126 Abbildungen auf Tafeln und einer Karte der Republik. Geh. 8,50, Leinen 11 Ml. Verlag Strecker und Schröder, Stuttgart (636) Als Frucht eines mehrjährigen Aufenthalts in Bogota als Professor der Geschichte und Phi­losophie an der Nation aluniversität keß Ernst

Schriften über Musik.

Kinderbücher und Zugendschristen.