Ausgabe 
27.11.1929
 
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an die Reichsvereinigung ehern. Kriegsgefange­ner, Abt. Sanitätspersonal, Cßerlin W 35. tpots- damer ©trabe 26 b, einzureichen.

** Das Giehener Reisebureau der Hamburg Amerika-Linie (Hapag- Reisebureau) hat seit Jahresfrist die Vertretung des Mitteleuropäischen Reisebureaus (MER) übernommen. Da in weiten Kreisen un­serer Bürgerschaft die Tätigkeit des Reise­bureaus immer noch nicht genügend be­kannt ist, sei an dieser Stelle auf den Vorteil dieser wichtigen Verkehrseinrichtung noch­mals hingewiesen. 3n fast allen neuzeitlich ein­gerichteten Reisebureaus, wie auch in Sieben, find Eisenbahnfahrkarten, Platzkarten, Schlaf­wagenplätze für In- und Ausland. Fahrschein­hefte mit 60tägiger Gültigkeit, Zeppelin- und Flugpassagen, Schiffspassagen für alle Länder und alle Linien, Gesellschafts- und Dauschal- reisen, Auto-Gesellschaftsreisen, Reiseführer, Ge­päck-Versicherungen, Besorgung von Pah-Visas und Hotelzimmer zu Originalpreisen zu haben. Die Reisebureaus erfreuen sich in allen Groß­städten großer Beliebtheit. Möge diese Ein­richtung auch hier noch stärker als bisher be­nutzt werden, damit sie zur Bequemlichkeit des reisenden Publikums unserer Stadt weiterarbeiten kann. Man beachte die gestrige Anzeige.

**Vom kommenden Christentum." Im zweiten Vortrag der angekündigten Vor­tragsreihe sprach Dr. Johannes Hemleben zum Thema: ..Aaturerkenntnis und kommendes Christentum". Er zeigte zu­nächst, wie die mittelalterlichen Jahrhunderte, in denen Raturforschung noch aus einem frommen und religiösen Herzen heraus getrieben wurde, in der neueren -Zeit durch eine einseitige und bloß abstrakte naturwissenschaftliche Anschauung abgelöst worden sind. Der Redner charakterisierte dann aus einer neuen Einstellung heraus, welche die Forderungen des Kopfes mit denen des Her­zens in gegenwartsgemäßem Sinn voll in Ein­klang zu bringen vermag, wie der Mensch als Ewigkeitswesen mit den Raturreichen zusammen­hängt. Im Raume erstrebt sich das Reich des Mineralischen, das den TW voll versinnbildlicht. Aber schon zum Verständnis der Pflanze, die in kosmischen Rhythmen wächst, muß das Wesen der Zeit berücksichtigt werden: erst dann erfaßt man, was Leben (im biologischen Sinn) ist. Im Reich der Tiere offenbart sich eine neue Kraft: die Kraft der Seele, die in den verschiedenen Tierarten sich jeweils in einer gewissen Ein­seitigkeit verkörpert. Erst im Menschen, der dem göttlichen Geiste Wohnung zu bieten vermag, lebt die Kraft auf, welche Erlösung bringt dem, was der Erlösung bedarf. Erst der Mensch kann die Kraft des Geistes so in sich aufnehmen und verwirklichen, daß er auch in feiner Umgebung bis in das soziale Leben und in die irdische Hmtoclt hinein wandelnd zu wirken vermag. Von dieser Seite aus läßt sich das Wesen des Abendmahles und das Wesen des christlichen Sakramentes als einem Handeln an der irdischen Hrnwelt nur verstehen. Die Ausführungen des Redners, die viel neue Gesichtspunkte zum Ver­ständnis von Ratur und Mensch zusammenge­tragen hatten, waren von dem Element einer schönen Begeisterung getragen.

Oberheffen.

Landkreis Gictzen.

'* Leihgestern, 26. Noo. Die Volkshoch» schule Oberhessen beginnt am nächsten Don­nerstag, 28. November, ihre diesjährige Arbeit für Leihgestern mit einer größeren Veranstaltung. Ein Werbeabend soll den Gedanken der Volkshoch­schularbeit einem größeren Kreis unserer Einwohner- ic'-aft näherbringcn. Aus den verschiedensten Ge­bieten Musik, Literatur, Bewegungskunst wird wahres Bildungsgut zur Darstellung gelangen. Auch her Kirchenges^ngvercin hat sich bereitwilligst in den Dienst der Sache gestellt. Aller Voraussicht nach werden die diesjährigen Kurse noch stärker besucht.

Das Erbe

des Herrn von Anfietten.

Vornan von 3- Gchneider-Foerftl.

Urheber-Rechtsschutz durch

Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

11. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Da es ihr unmöglich gewesen wäre, heute selbst zu chauffieren, setzte sie sich neben dem Sohn in den Fond und lehnte den Kopf weit in die blaue Polsterung zurück. Bernd sah, wie sie ein über das anderemal zusammenschauerte und legte ihr sorgfältig die geflammte Plüschdecke über die Knie.

Bist du nun warm, Mutter? Ich glühe! Fühl doch!" Seine Hände brannten. In seinen Wangen stand eine einzige feurige Glut. Soviel er sich auch bemühte, ruhig zu erscheinen, Herz und Rerven waren dermaßen aufgepeitscht, daß er sich kaum noch zu beherrschen vermochte, aus dem fahrenden Wagen zu springen und quer über Felder und Wiesen nach Dem Stations­gebäude zu eilen, das dort mit dem roten Ziegel­dach dicht an die Schienenstränge hingeschraubt stand.

Hinter dem Wagen ballten sich die Staub­wolken der Chaussee. Weit ostwärts, wo der Bahnkörper eine breite Schleife um den Wald zog, flieg ein Wölkchen auf. Ein schwarzer Punkt stand für Momente still und jagte dann über die beiden silbernen Bänder dahin, die von der untergehenden Sonne zum Glühen gebracht wurden.

Der Chauffeur ließ die Kilometerzahl hinauf­schnellen, daß die Limousine wie ein Renn­wagen dahinschoh.

Er versteht zu fahren, dachte die Baronin, als er vor dem Stationsgebäude Halt machte.

Bernd sprang als erster über das Trittbrett und reichte der Mutter die Hand entgegen, sie fühlte sich an wie Eis. Ohne sie loszulassen, schritt er mit ihr nach dem Perron.

Der Chauffeur reichte ihnen die Bahnsteig­karten, die er vom Schalter geholt hatte und horchte auf das Donnern der Maschine, die mit der Wucht eines Vorweltriesen dahergestampft faiji.

Die Wagen zitterten und knirschten in den Achsen, man hörte das Rachvibrieren, als sie schon zum Stehen gekommen waren.

Ein Herr! Zwei Damen! Einige Dauern mit weitkrempigen Hüten! Bernds Augen ver­schwommen. Aus einem der letzten Abtelle sprang ein junger Mann und riß die Kupeetür nebenan auf.

Frau Brunhilds zuckte zusammen.

wie die vorjährigen, zumal der Gemeinderat Leih, gestern durch Bereitstellung von Geldmllteln dafür gelorgt hat, daß die Beiträge in mäßigen Grenzen bleiben, ja sogar in besonderen Fällen ganz erlassen werden können.

X Hungen, 25. Noo. Am Samstag vor dem Totensonntag veranstalleten die Klassen der hiesigen Volksschule eine Gedächtnisfeier am Gefallenendenkmal, wobei die einzelnen Klassen passende Lieder sangen und Rektor S ch a a d in seiner Ansprache auf die Bedeutung der Toten­gedächtnisfeier hinwies und die Kinder aufforderte, stets der Helden zu gedenken, die im Weltkriege ihr Leben für das deutsche Vaterland hingegeben hätten. Hierauf schmückten die Schüler das Denkmal und die Ehrentafel mit frischen Tannengirlanden. Mit dem gemeinsam gesungenen LiedeIch halt' einen Kame­raden" fand die einfache, aber eindrucksvolle Feier ihren Abschluß. Bei dem am gestrigen Sonntag­morgen stattgefundenen T r a u e r g o 11 e s d i e n st war die Kirche fast zu klein, so daß viele Kirchen­besucher dem Gottesdienst stehend beiwohnen mußten. Fast sämtliche Vereine nahmen daran teil. Der Mädchenchor verschönte die kirchliche Feier durch zwei dreistimmige Chöre. Nach Beendigung des Gottes­dienstes begaben sich die Vereine und fast sämtliche Kirchenbesucher zum Gefallenendenkmal, wo sich bereits eine größere Anzahl Leute ein» gefunden hatte, um der hier stattfindenden Feier bei­zuwohnen. Diese begann mit einem ergreifenden Männerchor, der von dem GesangvereinLieder­kranz" unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer Sch midl, vorgetragen wurde. Pfarrer Bock hielt eine zu Herzen gehende Ansprache und verlas die Namen der Gefallenen. Bürgermeister Fendt legte alsdann im Namen der Stadt einen Kranz am Denkmal nieder, und der Gesan vereinEintracht" unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer Meyer, sang zum Schluß einen sinnigen Männerchor und gab damit der eindrucksvollen Feier einen würdigen Ab­schluß. Wie alljährlich fand nachmittags auf dem Friedhof eine Totengedächtnisfeier statt, bei der ebenfalls Pfarrer Bock eine Ansprache hielt, und die beiden obengenannten Gesangvereine sowie ein Kinderchor die würdige Feier durch den Vortrag verschiedener Chöre weihevoll gestalteten. Beim liturgischen Abendgotlesdienst fang die Ober- klasse der Volksschule zwei ergreifende zweistimmige Lieder.

Kreis Büdingen.

* Kohden, 26. Rov. Heule früh gegen 3 Hhr wurden die hiesigen Einwohner durch Feueralarm aufgeschreckt. Es brannte die Scheuer des Landwirts Georg Ludwig Merz. Die Futter- und Strohvorräte boten dem Feuer reichliche Rahrung, und bald breiteten sich die Flammen auch über den Speicher des an der Scheuer angebauten Wohnhauses aus. Die Fa­milie des Drandbeschädigten konnte sich in größ­ter Eile retten. Die Scheuer brannte völlig nieder. Das Wohnhaus ist von Feuer und Wasser so stark beschädigt, daß es wahrscheinlich auch niedergelegt wer­den muß. Der Diehstall mit dem darinstehenden Vieh blieb unversehrt. Dem raschen und energi­schen Eingreifen der hiesigen Pflichtfeuerwehr, bald unterstützt durch die Wehren von Ridda und Hnter-Schmitten. ist die Beschränkung des Feuers auf die Entstehungsstelle zu verdanken. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Die Ge­bäude und Mobilien hatte Merz nur ganz gering versichert.

Kreis Alsfeld.

0-t Alsfeld, 25. Rov. Dieser Tage hielt der hiesige Verkehrs- und Derschöne- rungsverein unter Leitung des 2. Vor­sitzenden, Reqierungsrat Strack (Alsfeld), eine Sitzung des Gesamlvorstandes ab, die hauptsäch­lich der Besprechung der im abgelaufenen Jahre geleisteten Arbeit galt. Heber die Anpflanzungen im Stadtgebiet und innerhalb der Gemarkung berichtete Stadtbaumeister Maurer. Für den Werbeausschuß berichtete dessen Vorsitzender 1

Die Knabenaugen wurden unheimlich weit! Ein momentanes Erstarren! Dann rannte er über den schwarzen Schotter und lag dem Manne, der eben den Fuß auf Öen Bahnsteig gesetzt hatte, an der Brust.

Die Baronin stand wie angewurzelt, hörte das Jauchzen ihres Jungen und eine Männerstimme, die in Erregung zitterte.Was bist du groß geworden, mein Bernd! Ganz junger Herr schon! Ist die Mama nicht mitgekommen?"

Sie setzte die Füße in Bewegung und ging dem Wann entgegen, der jetzt mit raschen Schrit­ten auf sie zukam. Er ließ Bernds Hand fallen, faßte nach der ihren und führte sie an die Lippen. Ein kurzes Besinnen, dann fühlte sie ihr Gesicht zwischen sehnig starke Finger genommen und den Hauch eines Kusses auf ihrem Munde.

Wie lieb von dir, mir schon hier dasWill­komm'" zu bieten. Ich danke dir, Brunhilde!"

Sie mußte die Augen schließen und ging als Puppe an seinem Arm, dachte: Wie hab ich ihn mir denn vorgestellt? Hnd beantwortete mecha­nisch die Fragen, die er an sie richtete.

Plötzlich wandte er das Gesicht:Ich habe dir etwas mitgebracht, Bernd!" Er nickte dem Tiere zu, das wie ein lebloser Punkt noch immer auf dem Schotter sah. Im nächsten Augenblick kam es dahergestürmt und sprang an' ihm hoch, daß er feine zornigsten Worte verschwenden mußte.

Rixa, was bist du verwildert! Sie kann sehr höflich fein, wandte er sich an Brunhilde. Du erlaubst doch, daß ich sie mitgebracht habe? Sie ist mir feit zwei Jahren der treueste Be­gleiter. Sei ein bißchen gut zu ihr, Bernd!"

Die Knabenhände streichelten zärtlich über das gelbbraune Fell, während Anstetten einen Blick auf den Daimler warf, dessen Schlag der Chauf­feur offenhielt.

Er hob seine Frau in den Wagen, bann half er Bernd den Hund im Fond verstauen. Stefan halte die Koffer rückwärts aufgeschnallt und stieg, mit einer Würde, die beinahe an Akab erinnerte, auf den freien Sitz neben dem Steuer­rad.

Abendlich kühl strich die Luft von den Bergen herüber, die das Tal umstanden. Heber die hohen, rauschenden Kornfelder, die sich am Wege hinzogen. fuhren unsichtbare Hände, unter deren Kosen sich ihre Scheitel neigten.

Weihgelber Holder leuchtete aus den Gärten und zwl.chen den Kamillenblüten, die den Rain bewucherten, zeigte der Mohn seine verblutenden Herzen.

Ich soll dir Grüße und Handkuß von Gün­ther bestellen." Der Mann, der jetzt so sorglich die Decke über Drunhildes Knie legte, sah dabei nicht auf.Ich öenfe, dcrß du dich seiner erinnerst."

Ja!--Sieht er dir noch immer so lächer­

lich ähnlich?"

Kaufmann O. Ludwig, wobei er Mitteilung von einer Reihe zweckdienlicher Maßnahmen machte. Es werden demnächst etwa fünfzig der neuen wirkungsvollen Alsfelder Werbe- blätter gerahmt und an geeigneten auswärtigen Stellen zum Aushang gebracht. Auch in den I)-Zugwagen wird ein Aushang von Bildern erfolgen. Für die Prämiierung im Fensterschmuck 1929, worüber Kaufmann Otto Ginsberg berichtete, wurde eine ansehnliche Summe bewilligt. Es kann festgestellt werden, daß dank den Bemühungen des Verkehrs- und Derschönerungsvereins das Interesse für die Pflege des Fensterblumenschmucks hier bereits erheblich gewachsen ist. Am Schlüsse der Sitzung wurden noch einige Anregungen besprochen. Am Sonntagnachmittag fand im städtischen Ver­sammlungsraum im Schnep enheim die Eröff­nung des Volkshochschulkursus für Als­feld statt. Die Eröffnungsansprache hielt Krei> fchulrat Rausch (Alsfeld), worin er auf die Bedeutung der Volkshochschulbewegung, ihre Ziele und Angaben für die Volksbildung in eindringlichen Worten hinwies. Es fei erfreu­lich, öab die Bewegung nach einem vorüber­gehenden Abflauen nunmehr wieder in ver­stärktem Maße einsehe und möglichst auf die ganze Provinz Oberheffen ausgedehnt werden solle. Alsdann begann Dr. G u m b e l mit dem ersten Vortrag der angekündigten Vortragsreihe überStaatsbürgerkunde". Als Gäste waren zur (Eröffnungsfeier erschienen Oberstudiendirektor Dr. Hainer, Bürgermeister Dr. V ö l f i n g und Rektor Rudolph. Die Kapelle der Als­felderRaturfreunde" umrahmte sti nmungs^oll die schlichte Feier durch einen Musikvortrag. D:r Kreisgeflügelzuchtverein hie t dieser Tage seine diesjährige Mitglieder­versammlung ab. Der wichtigste Punkt war die Verbandsgeflügelschau vom 6. bis 8. Dezem­ber in Schotten, über deren Beschickung eine ein­gehende Aussprache stattfand. Sodann erstattete der Vorsitzende Bericht überDie Hessische Eier­verwertungszentrale zu Frankfurt". Bis jetzt ist die Molkerei Alsfeld Mitglied dieser Genossen­schaft. In Kürze sollen Bezirksgenossenschaften gegründet werden. Die Frühjahrsversammlung mit einer Verlosung von Zuchttieren wurde auf den Februar feftgelegt.

w Alsfeld, 25. Noo. Heute feierte in voller Rüstigkeit im 84. Lebensjahre der ehemals weit über die Grenzen des Hessenlandes hinaus bekannte Be­sitzer des HotelKrone" in Alsfeld, Carl Gundrum, .mit feiner Gattin, das seltene F e ft der diamantenen Hochzeit. Seine Gattin, die im 82. Lebensjahr steht, erfreut sich ebenfalls noch voller Rüstigkeit und Frische. Herr Gundrum nahm auch regen Anteil am öffentlichen Leben. Er vertrat während zweier Legislaturperioden die Stadt Alsfeld im hessischen Landtag, als diese noch ihren eigenen Landtagsabgeordneten hatte. Dem Jubel­paar gingen zahlreiche Glückwünsche zu, darunter ein Glückwunsch vom Reichspräsidenten und von dem ehemaligen Großherzog von Hessen.

-er. Homberg a. d. Ohm, 25. Rov. Schon seif Jahren harrt in unserem Städtchen die Frage eines Schulhausneubaues ihrer zufrieden­stellenden Lösung. In einer Sitzung des Ge­meinderats, der die maßgebenden Behörden bei­wohnten, einigte man sich einstimmig dahin, das alte, im Jahre 1830 erbaute steinerne Schulhaus, in dem zwei Schulsäle und zwei Lehrerwohnun­gen untergebracht sind, derart umzubauen, daß vier neue Schulsäle entstehen. Von den zwei allen Sälen wird der kleinste zu einem Konferenz- und Lehrmittelzimmer eingerichtet, so daß dann fünf Säle zu Hnterrichtszwecken zur Verfügung stehen. An Ostern soll mit dem Um­bau begonnen werden. Allenthalben begrüßt man den Entschluß des Verschönerungs- und Verkehrsvereins, sowie des Gemeinderatö, in der Rähe der Ohm, anschließend an den Sportplatz des Fußballklubs, eine Eisbahn anzulegen.

Mehr denn je!" Die Baroniw bemerkte das Aufatmen nicht, das die Brust neben ihr hob. Ich habe ein Photo von ihm in meiner Brief­tasche und werde es dir später zeigen. Bernd, hast du schlecht von deinem Vater gedacht, daß er solange nichts von seiner Heimkehr depe­schierte?"

Die Augen des Knaben hingen unverwandt an ihm und sprachen von einer Liebe, die Anstetten erschauern lieh. Jetzt suchten sie von ihm ab und das dunkle Rot auf den Wangen zeigte, wie sehr ihn die Frage verlegen machte.

Ich konnte nicht anders," bedauerte der Baron,es lieh sich nicht eher ermöglichen. Dein und Mutters Brief wurden mir von Be­nares nach Dardschlling nachgesandt, das hat vier Tage Verspätung bedeutet. Als ich ihn dann in Händen halte, habe ich Hals übet Kops ge­packt. Du mußt verzeihen, wenn dich mein Schweigen verletzt haben sollte, Brunhilde."

Die Frauenhände, welche sich unter die Decke versteckt hatten, zitterten und hielten sich gegen­seitig umkrampft. So elend und verzweifelt hatte sie sich seit Jahren nicht mehr gefühlt.

Sie hatte einen Gatten erwartet, der müde und zermürbt, vom Leben zerrieben, mit grauen Strähnen und gebeugtem Rücken zu ihr zurück- kam und sah sich einem Wanne gegenüber, der in der Vollkraft seines Körpers stand. Das schmale Oval seines Gesichtes war tief gebräunt und sprach von eiserner Gesundheit.

Hast du nicht mehr unter dem Fieber zu leiden, wie du schriebst?" Sie fragte nur, um etwas zu sagen.

Er verneinte.Ab und zu mahnt es ja noch, aber im großen ganzen bin ich zufrieden. Hast du mit Hörmann gute Erfahrungen ge­macht?"

'Hörmann war der Verwalter, den Peter be­stellt hatte, ehe er nach Indien ging.

Sie bejahte. Wenn doch Bernd sprechen wollte. Aber der saß wie ein beschenktes Kind vornübergebeugt und sah nur seinen Vater an und labte sich am Klange dieser Stimme, die er seit Jahren nur mehr in seinen Träumen gehört hatte. Rixa sah wie eine wohlerzogene Same und hielt Öen Kopf auf Günthers Knie geörüdt; zeitweilig wies sie, dursterfüllt, ihr leuchtendes Gebiß.

Der Wagen bog in breiter Kurve von der Hauptstraße ab und nahm den etwas schmalen Rebenweg. Weiter rückwärts zeigte sich rotes Ziegeldach. Aus dem Turm des Schlosses, der in das abendliche Blau des Himmels strahlte, flatterte die Fahne in den schwarz-gelben Farben des Hauses und wölbte sich in der Brise, die vom Hochwald herüberkam.

Bernd sah, wie die Augen des Vaters unsicher flimmerten und griff nach dessen Händen.Hast du Sehnsucht nach uns gehabt?"

Preußen.

Kreis Biedenkopf.

L Rodheim a.ö.Bieber, 25.Rov. Zu» Pflege des Heimatgedankens hat der Landes­hauptmann zu Wiesbaden einen Film geschaf­fen. der dasRassauerLand in seinen land­schaftlichen Schönheiten, seiner alten Kultur und seine Bewohner in ihren Sitten und Gebräuchen zeigt. Der Bildstreifen gliedert sich in verschie­dene Teile, die den Taunus und Frankfurt a. M.» den Westerwald, das Lohnt al, das Hinter­land und den Rhein umfassen. Der letzte Teil befaßt sich ausschließlich mit dem Rhein im vorigen kalten Winter und zeigt folgedessen die wunder­vollsten Bilder. Dieser Film wurde jetzt hier im Mantschen Saale vorgeführt. Zur Eröffnung des Abends fangen die Kinder der ersten Schulklasse das Lied:In der Heimat ist es schön!" Haupl- lehrer Helwig, der sehr viel auf dem Gebiete der Heimatforschung arbeitet und als.Botaniker weit über die Grenzen unserer Heimat hinaus bekannt ist, legte in feiner Ansprache öeh Inhalt des WortesHeimat" klar. Danach rollten die Bilder der nassauischen Heimat auf der Leinwand ab, wobei an geeigneten Stellen die Schüler und Schülerinnen ansprechende Gedichte, die sich auf die betreffenden Objekte bezogen, deklamierten. Don besonderem Interesse für die Besucher waren erklärlicherweise die Bilder ausunserem Hinterland" mit feiner alten Kreishauptstadt Biedenkopf, Dattenberg, der Ruine Blankenstein, den Trachten der verschiedenen Aemter und der Menschen bei ihrer Arbeit und ihren Freuden. Eigenartig war der Augenblick, als die Bilder von Rodheimer Frauen und Mädchen auf der Leinwand erschienen, die eben mit der Herstellung von Zigarren in einer hiesigen Zi­garrenfabrik beschäftigt waren. Es war ein herr­licher Abend, von dem die Besucher noch lange zehren werden. Bedauerlich ist nur, daß trotz deS geringen Eintrittspreises unserer Einwohner nur in geringem Hmfang von der Darbietung Ge­brauch gemacht haben.

T Waldgirmes, 26. Rov. Seit FrüUahr war unsere Krankenschwesterstelle ver­waist. Durch die Bemühungen unseres Pfarrers wird die Stelle nun vom 1. Dezember ab von dem Paulinenstist Wiesbaden wieder beseht. In der. vakanten Zeit hat unsere Frau Pfarrer Anthes, früher selbst Schwester, die Kranken­pflege bei Tag und Rächt in uneigennütziger Weise geleistet. Dafür ist ihr die Gemeinde außer­ordentlich dankbar.

Kreis Wetzlar.

> Wißmar, 26. Rov. Die diesjährigen Winterveranstaltungen des Dolksbil- dungsausschusses begannen am 28. Ok­tober mit einem sehr stark besuchten Experimental­vortrag des Psychologen Rolf SylD 6 ro (Frank­furt a. M.): Gedankenübertragung, Suggestion, Hypnose, Antispiritismus, alles Gebiete, die immer ein starkes Interesse erwecken. Der immer wieder gespendete Beifall zeigte, daß der Vor­tragende es vorzüglich verstand, über diese Grenz­fragen des Heber sinnlichen gemeinverständlich zu sprechen. Der zweite Abend am 23. Rovember war ebenfalls gut besucht. Oberlehrer Henrich (Wetzlar) führte seine Zuhörer in Wort1 und Bild von Genua über Reapel nach Aegypten und Palästina. Wir erlebten die Orientreise des Vor­tragenden im Frühjahr dicses Jahres im Geiste mit, lernten Sitten und Gebräuche der heutigen Bewohner Aegyptens und Palästinas kennen und staunten vor den gewaltigen Bauwerken und kunstvollen Schöpfungen der Vorzeit. Besonders tiefen Eindruck machte der Vortragende, als er uns zu den Stätten führte, da die Stifter der christlichen und jüdischen Religion lebten. Die Zuhörerschaft dankte ihm herzlich für den inter­essanten Vortrag. Am 14. Dezember wird Lehrer Schnorr (Wißmar) aus vergangenen Tagen unseres Dorfes erzählen.

Immer, mein JungeI"

Bist du gern gekommen?"

Ich habe nur auf Mutters Ruf gewartet."

Der große Springbrunnen vor der Freitreppe war zur vollen Höhe aufgedreht und warf seine Wasser bis an den Giebel, daß sie in mächtigen Kaskaden niederstürzlen. Dicht vor den Stufen hielt der Wagen und Stephan, der als erster heraussprang, kam trotzdem zu spät, den Schlag zu offnen.

Der Baron stand schon auf dem Kies und reichte seiner Frau die Hand. Wie sie zittert, dachte er, und hielt sie fester, als er es gewollt hotte. Zwischen ihr und Bernd schritt er öic Treppe hinauf.

Friedrich, der alte Diener, vermochte kein Wort zu stammeln, als er ihm in der Halle Hut und Mantel abnahm. Er hätte geschworen, daß das Baron Günther war! Aber schon in öen Kindertagen war das so gewesen: Es gaü nicmanö, öer öic beiden auseinanderhielt. Hnd als öer Heimgekehrte ihm jetzt so leutselig auf öic Schulter klopfte und dann die knöchernen Finger so behutsam zwischen die muskulösen Hände nahm undliebe, treue Seele!" sprach, trug Friedrich nur noch ein einziges Leuchten des Glückes im Gesicht. «

Hans Peter! Stufe um Stufe fiel dem Heimgekehrten ins Erinnern. Hier waren sie als Knaben über das Geländer gerutscht und hatten mit ihrem Lachen das ganze HauS erfüllt. Hnten am ersten Absatz war Chatlen einmal ausgeglitten und hatte den Arm gebrochen und wochenlang damit zu tun gehabt.

Woran denkst du, Vater?" Bernd hatte sich an ihn geschmiegt und faßte nach seiner Linken.

An "meine Jugend, Kind!"

Ist sie schön gewesen?"

Heber die Ma^en schön, Bernd!"

Das Speisezimmer war Dom Gärtner mit aus­erlesenem Ge,chmack geziert worden. Günther suchte die Augen des schönen Weibes, das seinen Blick so offenbar vermied.Ich danke dir noch- mals für den Empfang. Brunhild."

Sie wich einen Schritt Dor ihm zurück. Aber er küßte sie nicht mehr. Rur ihre Hand führt« er an seine Lippen.

Als man um Mitternacht zu Bette ging, sah Brunhilde das Licht noch bis zwei Hhr brennen. Sie warf sich auf die andere Seite und zog die Seidendecke weit über sich, um es nicht mehr sehen zu müssen.

Der Mann, dem sic zehn Jahre angehört hatte, und Don dem sie sich trennen wollte, well ein Zusammenleben nicht mehr möglich schien, erregte ihr heute Blut und Rerven.

Sie erhob sich und ließ die WollenstoA herabfallen. Sa erlosch drüben das Lichh

Zwei schlaflose Menschen wartete^ auf das erste Morgengrauen (Forts, folgt-)