Nr. 227 Drittes Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Freitag, 27. September 1929
Turnen, Sport und Spiel.
Waffersportversin Hellas!920 Gießen
Nachdem die diesjährige Regattasaison mit dem Abrudern ihr Ende gefunden hat, lohnt es sich, so schreibt man uns, einen kurzen Rückblick zu tun auf das, was war, gleichzeitig aber auch einen Blick in die Zukunft zu werfen auf das, was werden soll. Die Erfolge des Vereins haben die Erwartungen voll und ganz erfüllt. Drei erste Siege im Jung- mann-Einer, ein erster Sieg im Junior-Einer, zwei erste Siege im Jungmann-Vierer, ein erster Sieg im Leichtgewichts-Schülcr-Vierer, sowie sechs zweite Siege waren die sportliche Ausbeute des abgelaufenen Ruderjahres. Mit diesen Erfolgen steht Hellas in diesem Jahre an der Spitze aller Gießener Ru- deroereine. Innerhalb des Süddeutschen Ruderverbandes konnte Hellas auf vier Regatten 38 Punkte, gegenüber 8 im Jahre 1928 und 4 im Jahre 1927 erringen, und steht hierdurch mit an der Spitze der Punktwertungstabelle des Süddeutschen Ruderverbandes. Der „Volkstümliche Rudersport", das amtliche Organ des Süddeutschen Ruderverbandes, schreibt über den Wassersportverein Hellas solgen- des: „Hellas Gießen hat mit dem Gebotenen voll überzeugt. Hier herrscht ein Geist und ein Wille, der unbedingt zu Erfolgen führen muß. Fast alle Mannschaften erschienen auf den Regatten, sertia und reif für die Rennen und Klassen, die sie besetzten. Auch Schöndorf bot als Einerfahrer ein Bild, das nur gut war. Recht so, Hellas! In dem <9eift weiter, und wir werden sie bald in den Klassen als erste Gegner respektieren, die vielleicht heute noch in ihren Träumen liegen. Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, das der Leichtgewichts-Schüler- Vierer, der in Frankfurt startete, mit seiner mangelhaften Form nicht gerade zu dem im übrigen von Hellas gebotenen Bilde patzte. Wenn auch die Leistungen der Schüler nicht an ihre früheren Leistungen heranreichten, so haben sie sich doch als die zweitbeste Leichtgewichts-Schüler-Bierer des Verbandes erwiesen. Aus alledem geht hervor, das Hellas dank seiner zielbcwußten Leistung einen steten Aufstieg zu verzeichnen hat." Um auch im kommenden Jahr, in welchem Hellas auf ein zehnjähriges Bestehen zurückblicken kann, seine Stellung innerhalb des Verbandes weiter auszubauen, ist es unbedingt notwendig, das sich alle Ruderer an dem Wintertraining beteiligen und dadurch für eine intensive Ausbildung ihres Körpers sorgen. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt werden, werden auch im kommenden Jahre die Erfolge nicht ausbleiben. Die in diesem Jahre errungenen Preise sind im Schaufenster der Kunsthandlung R i e b e l, Marktplatz, ausgestellt.
U f. B.
Nach einer Pause von zwei Sonntagen greift auch die Liga wieder in die Verbandsspiele ein. Sie hat am kommenden Sonntag auf eigenem Platz die Ligamannschaft des Sportvereins Herborn zum Gegner. Herborn hat bis jetzt zwei Derbandsspiele ausgetragen: auf dortigem Platz fertigte es F.V. Ockershausen mit 3:1 ab, mußte allerdings gegen Germania Marburg eine 2:4-Niederlage hinnehmen. 3n Anbetracht der derzeitigen Spielstärte Germanias ist das 2:4- Nesultat trotzdem noch als recht gut zu bezeichnen. Die Gäste stellen eine schnelle und wuchtige Elf, deren Stärke in ihrer vorzüglichen Hintermannschaft liegt. V.f.B. gewann die beiden vorjährigen Verbandsspiele mit 6:0 bzw. 3:1; daß er auch diesmal gewinnen wird, soll mit Bestimmtheit nicht vorausgesagt werden. Immerhin ist ein Sieg der Platzmannschaft wahrscheinlicher als eine Niederlage. Eine hohe Tordiffe»
IerFallponAjuspW.
Von Paul Rosenhayn.
2 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Der Richter hob ungeduldig die Hand. „Ich darf Sie bitten, Mrs. O'Cardigan, nur von den Dingen zu sprechen, über die ich Sie befrage. Seit dem Todestage Ihrer Mutter fehlen nun alle Schmuckstücke, die der Verstorbenen gehört haben. Eins dieser Schmuckstücke ist im Besitze des Angeklagten gefunden worden. Der Angeklagte hat eine Karriere gemacht, die selbst für unser tüchtiges Land außergewöhnlich erfolgreich ist: vom Kammerdiener zum Hotelbesitzer!" Der Richter hob den Kopf und sah Elsie ins Gesicht. „Ich kann mich in Ihre Gefühle nur zu gut hineindenken, Mrs. O'Cardigan. Der Angeklagte hat Sie betreut, als Sie noch in der Wiege lagen, er hat Ihre ersten Schritte behütet, Ihre schönsten Kindheitserinnerungen verknüpfen sich mit seiner Person. Daß es Ihnen schwer fällt, ja, daß cs Ihnen unmöglich ist, von einem alten, lieben Gefährten Schlimmes zu glauben, können wir nur allzugut begreifen. Aber Ihr persönliches Gefühl der Dankbarkeit gegen Pym schließt nicht aus, daß er eine Tat begangen hat, deren ihn ihre Liebe nicht für fähig hält. Die Kriminalgeschichte berichtet von manchem Mörder, der die Seinen zärtlich liebte."
Elsie erhob sich: sie fühlte das würgende Schluchzen, dos in ihr aufstieg. „Ich kenne den Angeklagten, ich kenne sein Leben, ich kenne seine Seele. Ich glaube, daß alle Feststellungen, Die Ihnen so glücklich gelungen sind, auch einen anderen Schluß zulassen als den, daß Pompejus Pym einen Mord begangen hat — und ich bitte Sie im Namen der Gerechtigkeit, nicht nur jenen Spuren nachzugehen, die auf den Neger weisen, den die öffentliche Meinung lynchen möchte..."
„Mrs. O'Cardigan!"
„ ... sondern auch jenen anderen Möglichkeiten Raum zu gewähren, die vielleicht zu einem andern Ziel führen könnten. Auch dann, Mr. Higgins, wenn dieses Ziel vielleicht ein Weißer wäre."
Hochrot im Gesicht antwortete der Richter:
„Ich habe aus Höflichkeit geschwiegen, Mrs. O'Cardigan. Aus Höflichkeit der Dame gegenüber. Aber ich muh Ihnen erklären, daß ich kein weiteres Wort von Ihnen dulden werde, das die amerikanischen Gerichte oder das amerikanische Volk beleidigt. Ihre Vernehmung ist beendet. Ich danke Ihnen."
Elsie ging langsam hinüber zum Zuhörerraum; sie fühlte, wie die Augen ihres Gatten ihr folgten; nervös öffnete sie die Handtasche. Wo nur Joe Jenkins blieb? Hier war fein Rohrpostbries;
renz wird in keinem Fall zustande kommen, da das Kräfteverhältnis beider Mannschaften nicht allzusehr verschieden ist.
Die zweite Mannschaft empfängt die gleiche des D. f. R. Butzbach zum Verbandsspiel. Wenn auch ihre Leistung am Vorsonntag nicht ganz befriedigte, so darf man ihr doch einen knappen Sieg zutrauen. Allerdings darf sie ihren Gegner nicht unterschätzen, da sie sonst leicht eine lleberraschung erleben könnte.
Auch die dritte Mannschaft hat den Vorteil des eigenen Platzes. Sie wird gegen L i ch s e r st e um die Punkte kämpfen. Daß Lich über ein achtbares Können verfügt, hat es am Sonntag durch seinen 4:1-Sieg über die dritte Mannschaft bewiesen. D.f.D. wird sich sehr anstrengen müssen, wenn es bestehen will.
Die vierte Mannschaft und die zweite von Großen-Duseck stehen sich ebenfalls auf dem Waldsportplah im Verbandstreffen gegenüber. Wer hier gewinnt, kann nicht vorausgesagt werden.
Während die beiden Schülermannschaften spielfrei sind, tragen die drei Iugendmann- sch asten Pflichtspielc aus. Die erste steht auf hiesigem Platz der gleichen Lollars gegenüber. Lollar rang am Sonntag der als spielstark bekannten Jugend von Niedergirmes ein beachtenswertes 0:0 ab. D.f.D. wird alles daransehen müssen, wenn er nicht verlieren will. — Die zweite Mannschaft fährt nach Nieder- Weise l und wird gegen dessen erste einen sehr schweren Stand haben. — Die dritte muß auf den Platz ihres Lokalgegners.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
ö. Das zweite Meisterschaftsspiel führt 1900 am kommenden Sonntag nach Wallau. Die Hinterländer unterlagen zwar kürzlich im ersten Spiel gegen den hiesigen V. f. B. 4:1, zeigten dabei jedoch ansprechende Leistungen. Auf eigenem Platze wird Wallau natürlich alles daransetzen, siegreich zu bleiben. Für den Mittelstürmer, den talentiertesten Mann im Angriff, muß Ersatz eingestellt werden. Die Hintermannschaft und Läuferreihe werden seit langer Zeit erstmals wieder komplett sein. Die Stürmerreihe der Blauweißen zeigte im letzten Spiel recht schwache Leistungen und wird ohne ihren Besten bestimmt keine besseren Leistungen aufbringen können.
Die Ligareserve spielt auf eigenem Platz gegen die zweite Elf Heuchelheims. Der Sieg 1900s wird nie außer Frage stehen.
1900s 3. Mannschaft empfängt die erste Elf vom Sportverein Steinberg. Der Mittelläufer wird wieder mit von der Partie sein; es wird hoffentlich zum ersten Siege der Gießener langen.
Von den Jugendmannschaften betätigen sich nur die zweite und dritte, evtl, noch die zweite Schülerelf. Die zweite Jugend spielt in Wetzlar- Niedergirmes gegen die dortige zweite Jugend; sie wird wohl, bei der derzeitigen Spielstärke des Platzvereins, um eine knappe Niederlage nicht herumkommen. 1900s dritte und V. f. B.s dritte Jugend stehen auf dem 1900-Sportplatz im Lokaltreffen gegenüber.
Leichtathletik der Sp.-Bg. 1900.
ö. Zum letztenmal in diesem Jahre ruft die Leichtathletik- und Frauenabteilung der Spielvereinigung 1900 ihre Mitglieder zum Wettkampf auf. Wie alljährlich, soll die Saison mit den Dereinsmeisterschaften zum Abschluß gebracht werden. Wenn es sich auch nur um interne Wettkämpfe handelt, so werden sowohl in der Klasse
der Aktiven, als auch bei den Jugendlichen und Damen auf Grund des vorhandenen zahlreichen Materials die Wettbewerbe eine reiche Besetzung erfahren und nach den erzielten Jahresleistungen guten Sport zeitigen. In den Sprintstrecken hat sich durchweg eine Einteilung in zwei Leistungsklassen als notwendig erwiesen, ebenso in manchen Wurf- und Sprungdisziplinen. Die Mittelund Langstreckenrennen werden durch Erteilung von Dorgaben interessant gestaltet werden, ilm- rahmt werden die Wettkämpfe von den verschiedensten Staffeln, bei deren Zusammenstellung auf gegenseitige Ausgeglichenheit der Hauptwert gelegt ist.
Handball der Sp.-Dg. 1900.
ö. Die 1900er haben für morgen nachmittag erneut eine Schulmannschaft als Gegner verpflichtet, und zwar die Elf der hiesigen Oberrealschule. Die Schüler haben schon mancher Der- einsmannschaft das Nachsehen gegeben; sie sind gut eingespielt und verfügen vor allem über verschiedene gute Einzelkräfte, die als Stützen erster aktiver D.-T.-Mannschaften des hiesigen Bezirks anzusehen sind. Die Spielvereinigung 1900, die immer noch nicht ihre beste Vertretung stellen kann, wird daher vor eine weit schwerere Aufgabe als am vergangenen Samstag gegen das Realgymnasium gestellt fein.
Handball im Männerturnverein lD.T)
Am kommenden Sonntag steht auf dem Platze des Männerturnvereins die erste Mannschaft des Plahvereins der ersten des Tv. 1860 Bad-Nauheim im Handball-Derbandsspiel gegenüber. Die Dad-Nauheimer haben vor einigen Wochen im Treffen gegen Sb. 1846 Gießen bewiesen, daß sie über eine ziemlich große Spielstärke verfügen und einen sehr ernst zu nehmenden Gegner darstellen. Da die Mtv.-Mannschaft mit drei Mann Ersah antreten muß, wird sich jeder einzelne Spieler sehr anstrengen müssen, wenn die beiden Punkte in Gießen bleiben sollen.
Dor dem Spiel der Meisterklasse tragen die Iugendmannschaften der beiden Dereine ihr Der- bandsspiel aus. Die längere Spielerfahrung der Platzmannschaft gibt dieser wohl ein kleines Plus, doch wird dies die Gästemannschaft durch Eifer und Schnelligkeit auszugleichen versuchen.
Handball im Turnverein 1846 Gießen.
Es ist eine schwere Aufgabe, die die erste Mannschaft am kommenden Sonntag zu lösen hat. Gilt es doch in Großen-Buseck dem dortigen Turnverein gegenüberzutreten. Der Platz ist schon mancher Mannschaft zum Verhängnis geworden. Auch im Vorjahre unterlagen die 1846er knapp 2:1. Das ist zu vermeiden, wenn der Sturm die nötige Schuß- freudigkeit mitbringt und durch erfolgreiches Spiel die Hintermannschaft entlastet.
Die zweite Mannschaft, die nicht an den Der- bandsspielen teilnimmt, spielt in Heuchelheim gegen die erste Mannschaft des Turnvereins. Sie hat neue Kräfte in ihren Reihen und wird wohl das Spiel gewinnen.
$. Sp. V. 1926 Steinbach.
Kommenden Sonntag hat Steinbach fein zweites Derbandsspiel auf eigenem Platze. Gegner ist diesmal die erste Mannschaft des Sportvereins 1928 Garbenteich. Die Platzmannschaft wird sich sehr anstrengen müssen, wenn Sieg und Punkte zu Hause bleiben sollen. Wird sie denselben Kampfgeist wie am vergangenen Sonntag zeigen, so kann sie auf einen günstigen Ausgang hoffen.
sie möge guten Mutes sein. Wo er nur blieb?
Plötzlich horchte sie auf, wie elektrisiert: der Name ihres Vaters wurde aufgerufen. Sie wußte gar nicht, daß er in Neuyork war; dies alles war so seltsam, so feindselig; zwischen allen Menschen, um die der Prozeß Pompejus Pym kreiste, lagen unausgesprochene und gefährliche Dinge.
Eben öffnete sich die Saaltüre und ihr Vater trat ein. Er war stark ergraut in dieser letzten Zeit, aber immer noch war sein Gang aufrecht, und sein Blick hatte nichts von seiner Härte verloren. Diesem Manne sah man an, daß er sein halbes Leben in den Dschungeln zugebracht hatte.
„Mr. Edward Mac Comb," sagte der Richter mit einer auffordernden Handbewegung: „Sie sind in dieser Sache der Kronzeuge. Fast alles hängt von Ihrer Aussage ab. Wir bedauern, hier von Dingen sprechen zu müssen, die Ihnen unendlich schmerzlich sein dürften. Aber die Gerechtigkeit verlangt, R>ah völlige Klarheit geschaffen wird."
„Gewiß, sagte Mac Comb kühl.
Staatsanwalt O'Cardigan erhob sich. „Richt wahr. Mr. Mac Comb: Sie haben einen ungewöhnlichen Beruf: Sie unternehmen Expeditionen nach Indien, nach Afrika, Tierfang-Expeditionen."
„Ja. Ich liefere wilde Tiere an die Menagerien, an die Zoologischen Gärten, an die Tierbändiger der ganzen Welt."
„Als das... als das Unglück geschah, Mr. Mac Comb," der Staatsanwalt wendete langsam das Aktenblatt, bei dessen knisterndem Rascheln der Angeklagte zusammenzuckte; „als jenes Unglück geschah, waren Sie eben von einer Reise zurückgekehrt. Nicht wahr?"
„Leider bin ich um einen Tag zu spät gekommen," nickte Mac Comb. „In der Nacht vor meiner Ankunft war das Unglück passiert."
Der Verteidiger erhob sich. „Ist es wahr, Mr. Mac Comb, daß auf Ihren Defehl eines Tages in den indischen Dschungeln elf Kulis erschossen wurden?"
Der Gefragte schürzte die Lippen. „Ja," sagte er endlich. „Es blieb mir nichts anderes übrig: die Disziplin war gelockert; die ganze Expedition war gefährdet."
Wieder nahm der Staatsanwalt das Wort. „Wer die Verhältnisse in den Tropen kennt, weiß natürlich, Mr. Mac Comb, daß nur ein starker Wille sich durchsetzen kann."
Der Verteidiger fuhr fort: „Ihre Frau Gemahlin hatte die Gewohnheit, allein auf dem Hausboot zu schlafen. Hatten Sie an dieser merkwürdigen Lebensweise Ihrer Frau nichts auszusehen?"
Mac Comb zuckte die Achseln. „Ich glaube, daß ein Gentleman seine Frau tun läßt, was sie für gut befindet."
„Sehr richtig," lächelte der Staatsanwalt; aber der Verteidiger ließ sich nicht beirren. „Sie werden zugeben müssen, daß die Gewohnheit Ihrer Frau, ihre Nächte getrennt von Ihnen zu verbringen, auf eine nicht sehr glückliche Ehe schließen läßt." älnd während er dem Zeugen ins Gesicht blickte, das sich langsam rötete, setzte er hinzu: „Im Interesse meines Klienten muß ich alle Schlußfolgerungen aussprechen, Mr. Mac Comb, die sich aus den Dingen ergeben. In der Nacht vom 13. auf den 14. Juni 1919 ist auf dem Hausboot plötzlich Feuer ausgebrochen. In dieser Nacht hatte der Angeklagte auf dem Boot die Wache. Ist es Ihnen bekannt, wer das Feuer entdeckt hat?
„Zwei Männer aus Watertown."
„N^as haben diese beiden Männer getan, als sie das brennende Doot erblickten?"
„Cie haben ein Ruderboot geholt und sind zum brennenden Schiff hinübergefahren. Cs stand schon in hellen Flammen. Zu allem Unglück hatte es sich aus seiner Verankerung gelost. Die beiden sahen, daß Rettung nicht möglich war; vor ihren Augen trieb das brennende Schiff in den Ontario-See hinein."
„Nicht wahr, man glaubte zunächst an einen älnglücksfall? Dann aber wurden Stimmen laut, die auf Pompejus Pym, den Neger, deuteten. Können Sie uns sagen, wie es gekommen ist, daß die Stimmung so umgeschlagen ist?"
„Das kann ich Ihnen genau erklären, Herr Rechtsanwalt," sagte Mac Comb mit ebnem finsteren Blick auf den Angeklagten. „Als sich her- ausstellte, daß der gesamte Schmuck meiner Frau fehlte, glaubte niemand mehr an einen Un» glücksfall."
Der Staatsanwalt, der sich eifrig Notizen gemacht hatte, hob die Hand. „Wo bewahrte Ihre Frau den Schmuck auf?“
„Im Safe. In unserer Villa."
Der Rechtsanwalt stand auf. „Wäre nicht eine einfachere Losung möglich: daß nämlich Ihre Frau den Schmuck in jener Nacht angelegt hatte? Daß er mit ihr verbrannt ist?"
Mac Comb schüttelte den Kopf. „Welchen Grund sollte meine Frau gehabt haben, für die Nacht auf dem Doot Schmuckstücke, die ein Vermög en darstellten, anzulegen?"
„Ich möchte Vorschlägen," sagte der Rechtsanwalt, „daß uns der Angeklagte selbst erzählt, wie sich die Dinge jener Nacht in seiner Erinnerung darstellen. Hören Sie, Pym, Sie sollen uns ein paar Auskünfte geben. Was wissen Sie uns von dem Abend des 13. Juni zu erzählen?"
Der Neger, der bei der plötzlichen Anrede zusammengefahren war, erhob sich zögernd. „Am Abend des 13. Juni," sagte er mit leiser Stimme, „rief mich Frau Mac Comb plötzlich in den Rauchsalon. Sie gab mir einen Brief; den sollte ich nach Clayton bringen. Zum Postamt."
Steinbachs zweite Mannschaft empfängt die erste Mannschaft von Bieber. Der Verein gehört erst seit kurzem dem Westdeutschen Spielverbande an. Man kann daher über den Ausgang dieses Spieles nichts Voraussagen.
Arbeiter-Turn- und Sportbund.
Im weiteren Verlauf der Herbstrunde treffen am kommenden Sonntag in Naunheim Naunheim 1 und Heuchelheim I aufeinander. Zwei verhältnismäßig gleichwertige Gegner werden hier im Kampf um die Punkte ringen, wobei Naunheim den Vorteil des eigenen Platzes besitzt und wohl als knapper Sieger aus dem Spiel hervorgehen wird.
Gießen I b und Wetzlar I werden auf dem Trieb ihre Kräfte messen. Auch hier werden zwei gleichwertige Gegner um den Sieg ringen, der dem Glücklicheren zufallen wird.
Lollar I fährt nach Großen-Linden und wird im Spiele gegen die dortige erste Mannschaft, wenn es nicht vorzieht unvollständig anzutreten, Sieger bleiben.
In der zweiten Bezirksklasse hat O p p e n r 0 d die erste Mannschaft Odenhausens zu Gast und wird sich, zumal es den Vorteil des eigenen Platzes hat, den Sieg nicht nehmen lassen.
Auch Burkhardsfelden wird seinen Gast, die erste Mannschaft Grünbergs, mit einer Niederlage nach Hause schicken.
Hachborn und Daubringen werden sich in Hachborn ein spannendes Spiel liefern, in dem die Gäste ein kleines Plus für sich in Anspruch nehmen können.
Treis und Staufenberg werden sich in Treis ein flottes Spiel liefern, dessen Ausgang offen zu lassen ist.
Die erste Mannschaft Beuerns wird in Hungen auf einen guten Gegner stoßen, der sich Sieg und Punkte wohl nicht nehmen lassen wird.
Kinzenbachs I. wird in Watzenborn zu Gast sein und Sieg und Punkte mit nach Hause nehmen.
Auch Rodheim wird sich in Waldgirmes zwei weitere Punkte holen.
Klein-Linden und Rödgen werden in Klein-Linden gegenüberstehen und sich ein ausgeglichenes Spiel liefern, das wohl die Platzbesitzer im Vorteil sehen wird.
Leun wird in Beilstein zu Gast sein und wenig Aussicht auf Erfolg haben.
In der Jugendklasse stehen sich Naunheim Jugend gegen Gießen Jugend in Naunheim; Rod- beim Jugend gegen Treis Jugend in Rodheim: Watzenborn Jugend gegen Heuchelheim Jugend in Watzenborn und Klein-Linden Jugend gegen Wißmar Jugend in Klein-Linden gegenüber.
Schwimmländerkampf Deutschland - England.
Der gestern abend in Birmingham ausgetragene erste Schwimmländerkampf nach dem Kriege zwischen Deutschland und England endete unentschieden. England gewann das Masserball- spiel mit 3:1, während Deutschland in der 4x200-Vaids-Staffel in 9 Minuten mit 2 Dards Vorsprung vor England siegreich blieb. Die Wiederholung dieses Länderkampfes findet bereits am Samstag in London statt.
Deutsches Turn- und Sportabzeichen.
Am nächsten Sonntag ist nochmals Gelegenheit geboten, in Gruppe 5, Radfahren, die Prüfung für das Deutsche Turn- und Sportabzeichen abzulegen. Näheres siehe Anzeige.
„An wen war dieser Brief gerichtet?" fragte der Staatsanwalt.
„Ich weiß es nicht."
„Hm. Hm."
„Während ich unterwegs war, zog ein schweres Gewitter herauf. Ich war bis auf die Haut durchnäßt, als ich zurückkam. Zu meinem Entsetzen sah ich Feuerschein — und als ich zum Steg kam, erblickte ich das brennende Schiff, das in der Richtung nach dem See ab trieb.“
„Ich möchte eine Frage stellen," Tagte_ der Staatsanwalt, „die den Kern der Sache berührt: wie kamen Sie in den Besitz des Schmuckstückes, das zu der Erhebung der Anklage geführt hat?"
Pompejus Pym wandte den Kopf halb zu dem Verteidiger herum, der ihm langsam zunickte. „Frau Lilian Stone hat mir den Schmuck geschenkt."
„Hat sie Ihnen noch weitere Schmuckstücke gegeben?"
„Nein."
„Dann beantrage ich —“ die Stimme O'Car- digans kam hell und scharf durch den Raum, „die Vernehmung des Zeugen aus Ohio, der draußen wartet."
„Er soll hereinkommen," entschied der Richter.
Ein kleiner untersetzter Herr, breitschultrig, rotwangig, trat in die Mitte des Saales; der Richter wies auf den Zeugenstuhl. Der Ankömmling faßte in die Tasche und zog stumm drei blitzende Gegenstände: einen Ring, ein Kollier, ein Dia^ dem hervor.
„Diese Schmuckstücke," sagte der Staatsanwalt, „stammen aus dem Besitz der ermordeten Frau Mac Comb. Ich kann es aus den Akten beweisen — vielleicht la an Herr Mac Comb sie zu allem äleberfluß rekognoszieren?"
Mac Comb trat an den Richtertisch. „Ja." sagte er mit leiser Stimme, indem er sich mit der Hand über die Stirn fuhr, „diese Schmuckstücke habe ich meiner Frau sell>st gekauft."
„Angeklagter Pym," O'Cardigan wandte sich dem Neger zu, „dieser Mann behauptet, die drei Schmuckstücke von Ihnen gekauft zu haben. Was haben Sie dazu zu sagen?"
Der Gefragte blickte hilflos auf die Gegenstände und schwieg.
„Sie scheinen mich nicht richtig verstanden zu haben. Diese Juwelen sind Eigentum der Toten gewesen, Ihrer Herrin Mrs. Manuela Mac Comb. Sie haben uns erklärt, Sie hätten außer jenem Armband keine Schmuckstücke Ihrer Herrin besessen Nun stellt sich heraus, daß Sie die Unwahrheit gesagt haben: daß weitere Juwelen, die ein kleines Vermögen repräsentieren, in Ihrem Besitz gewesen sind. Es geht um Ihren Kopf, Pym! Antworten Sie, ich rate es Ihnen in aller Freundschaft!"
(Fortsetzung folgt.)


