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Nr. 227 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Zreitag, 27. September 1929
Duce oder Minister?
Don unserem römischen ^.-Korrespondenten.
Rom, Mitte September.
DaS war wieder einmal echt mussolinisch. Das eine der beiden römischen Mittagsblätter, das um 11.30 erscheint, hatte noch keine Ahnung: das andere erschien in Form einer Bombe, weil es 10 Minuten später herauskommt. Zwischen 11.30 und 11.40 war ein kleiner Wechsel in den Geschicken eines Vierzigmillionenvolkes eingetreten: es hatte wieder eine Regierung. Eine richtige Regierung, mit Außen- und Innenminister, mit Kriegs-, Marine- und Luftwehrminister, mit einem Gewerkschaftsnzinister und wie die Aemter alle hießen, die bisher, als Minister für alles, Mussolini betraut hatte.
Alle Portefeuilles, wie er sie nacheinander ausgenommen hatte, alle legte er plötzlich nieder. Alle zusammen, nur eines nicht: das des Inneren. In dieser Ausnahme liegt der Schlüssel für das Rätsel, das jetzt so vielen Leuten, vor allem im Ausland, zu denken gibt.
Ratürlich zerbrechen sich auch viele Italiener über die Mittagsüberraschung des 12. September den Kopf.' Eine „öffentliche Meinung" gibt es ja im Lande nicht mehr, die gesamte Presse ist uniformiert und hat sich selber durch Derbands- beschluh als „Werkzeug im Dienste des Duce" erklärt, kann also nicht von sich aus den Schritt ihres Herrn erläutern, wenn der nicht selber eine Begründung für angebracht hält. Sie nimmt die omtlich-e Mitteilung hin, wie sie kommt, und dieser Illas schweigt sich mustergültig aus. Hoc volo, sic jubeo: statt Grundes genüge der Wille. „Folgende Beränderungen sind in der Zusammensetzung der Regierung vorgenommen worden." Folgt die Ernennung von sieben neuen Ministern und ihrer Llnterstaatssekretäre. Am Montag, 16. September, werden sie den Eid in die Hand des Königs ablegen. Punkt. Basta.
Was das Dolk dazu sagt? Auch das erfährt man nicht durch die Presse, man kann es nur wissen. Die Zeitung hat ihren Charakter als Mittler und Berater, als Tribüne und als Auskunftsstelle verloren. Wie der einstige und der leidenschaftliche Journalist, der Mussolini noch immer ist, an einer solchen Moniteurpresse Gefallen jinben kann, wäre wieder ein Rätsel, .wenn er nicht dazu lächeln würde, sobald man ihn darüber befragt. Er kennt die unheimliche Macht der Zeitung aus Erfahrung und er stellt sie mit der ihm eigenen Gänzlichkeit in feine Front, solange eine Front nötig ist.
Run hat man allerdings gerade in den letzten Wochen lesen können, eine neue Zeit sei für das Regime angebrochen. Wie die Revolution in Wellen vorstieß, eine ungestümer als die andere, bis die letzte den letzten Widerstand umriß und spurlos begrub, so fei nun die Zeit des Abbaus gekommen, die dritte Periode. In diesem tetzo tempo gebe es nur noch eine Partei, die faszisti- sche, und nur noch faszistische Italiener, also könne man sowohl die überlebte Bezeichnung Partei wie den Ausdruck Antifaszismus ablegen: Duce = Faszismus, Faszismus — Italien. Dies die neue, einfache Formel.
So einfach liegen nun aber die Dinge wirklich nicht. So unnatürlich kann es auch unter dem Liktorenbündel nicht zugehen. Cs mag einer mit eiserner Faust ins Rad der Geschichte greifen und ihm Richtung geben, aufhalten aber, das ginge über die Kräfte eines Muffolini. Wo Srud ist, da gibt es auch Gegendruck und selbst die größten Ozeane haben ihre ilntcrftrömun» gcn. Wäre das Dolk so einig, wie ein grenzenloser Optimismus annimmt, dann brauchte es ja wirklich keine Erklärung von oben mehr, dann würde cs jeden Erlaß unbesehen hinnehmen und sagen, 'ich, cs ist gut. Aber gerade weil das Ventil der öffentlichen Meinung verstopft ist. stehen den sonderbarsten Auslegungen der unerwarteten Regierungsbildung Tür und Tor offen. Dersteht sich: hinter der vorgehaltenen Hand. Die anti- laszistischeu Kreise zumal, die deswegen wohl la um verschwunden sein werden, weil sie stumm geworden sind, wittern Erderschiitterungen und sinkende Gestirne.
Sie werden, wenn nicht alles trügt, eine große Enttäuschung erleben.
Schwenkt Mussolini um? Schwinden seine Kräfte? Derläßt er beizeiten das sinkende Schiff?
Man hört die besorgten oder schadenfrohen Fragen, man sieht sie in Blockschrift gedruckt, aber ich möchte, auf die Gefahr hin, daß sie etwas Prophetenhaft klingt, eine kurze Antwort wagen: ichts von alledem! Ich erwähnte schon oben, wo meinem Gefühl nach — und jede Betrachtung des Diktators muh vom Gefühl aus- gehen, von einem Fingerspitzengefühl, das man vielleicht nur durch jahrelange Rachbarschaft erwerben kann — der Schlüssel für feine scheinbare Selbstentäußerung liegt. Als Mussolini einmal den großen Entschluß gefaßt hatte, schien eine auffallende Erleichterung über ihn zu kommen. Er zeigte sich in den letzten Tagen förmlich befreit, aufgelodert, menschlicher als sonst. So, als sei eine große Last von ihm abgefallen, die ihm die Schultern herabdrückte. Als könne er sich jetzt wieder mehr recken, freier atmen, zu feiner eigentlichen Aufgabe zurückkehren: der Festigung der faszistischen Herrschaft. Man überlege nur »einmal, was ein siebenfacher Minister rein technisch zu bewältigen hat, man zähle lediglich seine Unterschriften und Audienzen, bann wird man verstehen, wieviel Kraft dem Faszismus als solchem entzogen wurde.
Mussolini war mehr Minister geworden, als Duce. Das soll nun anders werden: er will wieder Führer fein! Deshalb behält er die Zügel des Inneren in der Hand, deshalb hob er feine Getreuesten in den Generalstabssattel. Diese Regierungsumbildung bedeutet keine Schwächung des Regimes, sondern gerade das Gegenteil. Ein schärferer Wind bläst wieder von Rom aus, das Schwarzhemd soll nicht in den Schrank, sondern militärischer hervortretcn. Es ist gewiß nicht von ungefähr, daß an diesem Donnerstag seines Sechsfachen „Rücktritts" die schwarzen Legionen durch die ewige Stadt marschierten, den zehnten Jahrestag eines rebellischen Handstreiches zu feiern: des nächtlichen Marsches von Ronchi, der D'Annunzio nach Fiume führte. Es ist auch nach zehn Jahren, und heute vielleicht mehr denn je, wichtig zu wissen, wie die faszistische Revolution entstand, und ich habe in meinem „Weg zum Kapito 1", der (im Scherlverlag erschienenen) ersten historischen Darstellung eines neutralen Augenzeugen, jene Vorzeit ausführlich geschildert. Als die Zeit, in der der immer revolutionäre Mussolini immer wurzeln wird.
Dem Marsche nach Fiume folgte der Marsch nach Rom auf dem Fuße, ein Quadrumvirat leitete die Staatsumwälzung, und drei von diesen Quadrumvirn sehen wir heute als Minister: den alten Haudegen D e D o n o für die Kolonien, den jugendlichen Stürmen Italo Balbo als Luftwehrminister und Michele Bianchi, eher eine Deamtennatur, aber schon bei der Gründung der faszistischen Kampfverbände an der Seite Mussolinis gewesen, an der Spitze der öffentlichen Arbeiten.
Was lief neben der faszistischen Bewegung einher? Die syndikalistische. Hnd Do ttai, der fünf» unddreihigjährige Sekretär, tritt jetzt als Minister vor feine Gewerkschaften. Dino G r a n d i, der neue Außenminister, längst aus den internationalen Konferenzen bekannt, gibt ihm an Jugend nichts nach: es ist die Giovinezza, die wieder einmal an die Front geschickt wird. Auch Pietro G a z z e r a, der Kriegsminister, der seit dreißig Jahren im königlichen Heere steht, betritt eben erst die Schwelle der Fünfzig. S i r i - a n n i, der Marineminister, ist mit feinen 55 Jahren dagegen ein alter Seebär.
ünb noch eines ist bezeichnend: das Unter» richtsministerium wird in ein Ministerium der nationalen Erziehung umgewandelt, das in zwei Abteilungen zerfällt, eine für die psychische, die andere für die physische Ausbildung des jungen Italieners. Professor Balbino Giuliano und der Organisator der Iugendwehr, der Dalilla, der Abgeordnete Renato Ricci, reichen sich hier die Hand. Sie werden nur hundertprozentige
Neues vom Liebig-Museum.
Gestern nachmittag fand im Gießener Liebig- mufeum ein Presse-Empfang mit Führung statt, bei dem die vielfachen Reuerwerbungen und Reueinrichtungon des Museums gezeigt wurden. Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Sommer, der l.Dorsihende der Gesellschaft ßiebigmufeum, gab zunächst eine kurze Einführung: eine Menge Reuigkeiten — teils erworben, teils gestiftet — haben in letzter Zeit die Bestände des Museums bereichert. Hier ist vor allem die umfangreiche Briefsammlung au nennen, die z. B. den Briefwechsel zwischen Liebig und A. D. von Hofmann und zwischen Liebig und Fehling enthält. Dr. Hildebrandt, als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Museum tätig, hat die vorhandenen Bestände, insbesondere die über 500 Stummem umfassende Briefsammlung nach einem sehr empfehlenswerten Erkennungssystem in mustergültiger Weise registriert. Ferner ist die recht umfangreiche Bibliothek zahlenmäßig erweitert worden, und sie soll in neuer Anordnung ein Gesamtbild von Liebigs Wesen und Wirken vermitteln. Auch diese Arbeit des Herrn Dr. Hildebrandt ist ausgezeichnet gelungen; dabei wurde die erfreuliche Entdeckung gemacht, daß fast alle Originalarbeiten Liebigs im Mu- ieum vorhanden sind. Den erfolgreichen Bemühungen Dr. Hildebrandts ist ferner die bessere Verwendbarkeit und Veranschaulichung der im Museum vorhandenen, zahlreichen Apparate und Apparatteile zu verdanken.
Zwei große Aufgaben sind, wie Geh. Rat Sommer barlegte, noch in Angriff zu nehmen. Zunächst die Durcharbeitung des vorzüglichen Materials über die Persönlichkeit Liebigs und zu 'einer Familiengeschichte, auf die Geh. Rat S o m- in e r besonderen Wert legt. Ferner die Sichtung and Verarbeitung eines reichhaltigen dokumen- larischen Materials aus der älteren Chemie und Alchimie, das auch kulturhistorisch und entwicklungsgeschichtlich besonderes Interesse beansprucht.
Ein anschließender Rundgang durch das Museum unter Führung von Geh. Rat Sommer und Dr. Hildebrandt gab einen interessanten Heberblicf über die Reuerwerbungen und die Meuanordnung der inzwischen gesammelten Be
stände. Die Originalapparate Liebigs hat man aus den einzelnen Teilen zusammengestellt und aufgebaut. Sie geben ein anschauliches Bild von den Möglichkeiten und Leistungen der Liebigfchen Chemie: hier wird u. a. der wichtige Hebergang von der anorganischen zur organischen Chemie methodisch dargestellt. Ein sehr hübsches Museumsstück ist die puppcnstubenhaste, aber ganz naturgetreue Rachbildung von Liebigs erstem Laboratorium nach dem bekannten Bilde von T r a u t f d) o l ö: eine Erwerbung von der De- solei in Düsseldorf.
Dr. Hildebrandt schilderte dann in kurzen Ausführungen an Hand der nunmehr sehr übersichtlich geordneten CBrieiianunlungen die durchaus bewährte, exakte Methodik der Bestandsaufnahme in Hauptregister und Unterordnung in Gruppen nach ver chiedenen Gesichtspunkten. Llebrigens konnten während der Arbeiten bis auf wenige Ausnahmen sämtliche, bis dahin unbekannte Adressaten ermittelt werden. In der gleichen, mustergültigen Form erfolgte die Einordnung der Buchbestände (ramt Zeitschriften und Zeitungsausschnitten) und ihre Registrierung nach inhaltlichen Gruppen, nach Verfassern und Titeln. Gleichzeitig wurde auch das 800 Rainen umfaßende Ramensregister der großen Volhard- schen Biographie durchgearbeitet. Im ganzen ist durch dieie Strbeiten erreicht worden, daß die Llebersichtlichkeit und wissenschaftliche Verwertbarkeit des seit zehn Jahren gesammelten Materials sich ganz außerordentlich gesteigert hat.
Eine überaus interessante Bildersammlung von bemerkenswerter Lückenlosigkeit, sowie die auf Liebigs Familiengeschichte bezüglichen Dokumente sind im Arbeitszimmer zusammengestellt. Wichtige und wertvolle Bestände finden sich ferner in den Abteilungen, die sich auf Liebigs Tätigkeit als Lehrer in Gießen (Original-Kolleghefte) und auf fein Wirken für die Landwirtschaft beziehen. Sehenswert ist endlich die mineralogische Sammlung, die, wie Geh. Rat Sommer betonte. ein Zentrum der naturwissenschaftlich- experimentellen Volksbildung werden sollte und reichhaltiges Anschauungsmaterial für allgemein» verständliche Experimentalvorträge enthält.
Obwohl durch die neuerdings durchgeführten methodischen Arbeiten sehr wesentliche Fortschritte
Italiener heranbilden. Auf diesem Gebiet tritt der Faszismus in die russischen Spuren, nur daß er mit anderem Vorzeichen arbeitet: rein nationalistisch.
Italien hat wieder eine Regierung, aber regieren wird in Rom nach wie vor nur einer: Mussolini. Lind das tatkräftiger als je. Gerade deshalb hat er sich den täglichen Kleinkram vom Halse geschasst. Das ist der Sinn dieser zwar traditionell scheinenden, aber nichts weniger als parlamentarischen „Regierungsumbildung".
Das ägyptische Problem.
Einer der wichtigsten und interessantesten Vorgänge der jüngsten Zeit, die völlige Llmwandlung der englischen Politik in bezug auf die ägyptische Frage, ist bisher bei uns mit Rücksicht auf die eigenen drängenden politischen Ereignisse kaum beachtet worden. Es handelt sich hier aber um einen Vorgang von solcher weltpolitischen Bedeutung, daß seine Klarstellung auch für die deutsche Öffentlichkeit eine Rotwendigkeit ist.
Die Abberufung des britischen Oberkommissars Lord Lloyd, die übrigens nicht erst von der Labour-Regierung, die sie durchführte, sondern angeblich schon von der konservativen Regierung beschlossen war, hat das Signal gegeben. Die britischen Vorschläge für ein neues Abkommen sind das letzte Ergebnis gewesen. Sie enthalten einen Bündnis- und Freundschaftsvertrag für 25 Jahre, der die Vertragschließenden zu gegenseitiger militärischer Hilfeleistung. Aegypten außerdem zur Ausbildung feiner Armee durch britische Offiziere verpflichtet. Das britische Ober- kommissariat wird abgeschafft und durch eine Gesandtschaft, also durch normale diplomatische Beziehungen von Macht zu Macht erseht: der juristische und finanzielle Berater bleiben zeitweilig noch in ihrem Amte. England verpflichtet sich, für die Aufnahme Aegyptens als einer souveränen Macht in den Völkerbund einzutreten und sich dafür einzusehen, daß die andern Mächte auf die Vorrechte der sogenannten Kapitulationen verzichten. Das ist ungefähr das direkte Gegenteil alles dessen, was bisher die britische Politik gegenüber Aegypten bezweckte. Dazu kommt, daß auch das Recht Aegyptens auf den Sudan, der feit den Zwischenfällen von 1924 — Ermordung des Sirdars, General Sir Lee Stack — von England allein verwaltet worden war, anerkannt unix wieder nach dem Status quo von 1899 eine gemeinsame Verwaltung eingerichtet werden soll.
Es kommt also in Wegfall die bisherige britische Armee in Aegypten, die britische Polizei und das Recht Englands, auf Gerichts-, ©teuer- und andere innere Fragen Aegyptens eine Einwirkung auszuüben, praktisch also auch die Möglichkeit, den Schuh der europäischen Kolonien in Aegypten auszuüben. Wie weit Frankreich, die Vereinigten Staaten, Italien und Griechenland bereit sind, diesem englischen Vorgehen zu folgen und ihre starken Interessen unter Verzicht auf jede Einwirkungsmöglichkeit der ägyptischen Politik und den ägyptischen Behörden zu überlassen, ist zunächst noch eine offene Frage, aber man erwartet besonders von Italien und Amerika allerhand Schwierigkeiten. Die englische Labour-Re- gierung hat sich also in eine nicht unbedenkliche Position begeben, als sie dieses kühne, wenn auch grundsätzlich in der Aera des Selbstbestimmungsrechts durchaus zu billigende Anerbieten an Aegypten machte. Im Lande selbst ist die Meinung vorläufig geteilt. Ein Parlament gibt es nicht, seit Mohammed Mahmud Pascha durch Auslösung des Wafd für drei Jahre eine Diktatur errichtet und die Verfafsungsbestimmun- gen suspendiert hatte. In England stehen die starken wirtschaftlichen und politischen Interessen der Ratifizierung eines solchen Abkommens vielleicht weniger im Wege als die Steigung der Konservativen, dem Kabinett Macdonald in dieser Frage Schwierigkeiten zu bereiten.
Die europäischen Riedorlassungen schließlich, die in Aegypten selbst und von dort aus in der Heimat eine große Rolle spielen, lehnen sich ersichtlich gegen eine derartige Ucbcrlaffung an eine rein ägyptische Jurisdiktion auf. Sie verweisen auf die jüngsten Vorgänge in Palästina, um die schwärzesten Besorgnisse für die Zukunft
erzielt worden sind, bleibt, wie abschließend be- merkt wurde, noch mancherlei zu tun übrig; eine Menge unverarbeiteten Materials harrt noch der wissenschaftlichen Behandlung.
Das Los.
Von Hans JRiebau.
Ion sitzt in der Eisenbahn. Neben ihm ein älterer Herr.
„Verzeihung," sagt der ältere Herr, mein Geld ist etwas knapp geworden. Ich habe aber ein Lotterie- los im Werte von 60 Mark bei mir, das ich für die Hälfte verkaufen würde. Haben Sie Interesse dafür?"
„Hm," macht Ion. Guckt den älteren Herrn an, guckt das Los an. „W. Schulz" steht darauf gestempelt „Kollekteur Berlin."
Ion denkt nach und kauft das Los für 30 Mark. Dann macht er sich mit dem anderen bekannt, und es stellt sich heraus, daß der Königsbauer heißt und auch nach Wien fährt.
Zwei Tage später — in Wien — kommt Königsbauer zu — Ion. „Ich möchte das Los gern zu- rückkaufen," sagt er, lind seine Stimme zittert.
„Zurückkäufen?" fragt Ion. „Warum?"
„Ich möchte es gern wieder haben," stotterte Königsbauer. „Ich zahle Ihnen volle 60 Mark."
Ion schüttelte den Kopf.
„Ich zahle Ihnen 100 Mark."
„Geben Sie doch zu," lacht Ion, „das Los hat gewonnen?"
Königsbauer senkt den Kopf. „Ja," sagt er, „mein Kollekteur telegraphiert eben, daß ich 10 000 Mark gewonnen hätte."
„Dann schlage ich vor," lacht Ion weiter, „wir teilen uns den Raub. Sie besorgen sich 5000 Mark und kaufen mir das Los für diesen Betrag ab."
Der ältere Herr nickt, besorgt sich das Geld und zahlt Jon 5000 Mark.
Eine halbe Stunde später telephoniert Ion mit feinem Freund Boos in Berlin. ,^)ör mal," sagt er, „jetzt mußt du noch ein zweites Telegramm mit folgendem Wortlaut an Königsbauer aufgeben: Druckfehler in der Gewinnliste. Leider Niete. Schulz Kollekteur."
zu rechtfertigen, und man darf sich somit im Ganzen recht weittragender und ernster Kämpfe zwischen den einzelnen Großmächten und innerhalb der englischen Politik versehen, die um die Verwirklichung des oben erwähnten Vertragsentwurfs entbrennen werden.
Hauptversammlung desHessischen evangelischen psarrvereins.
t Frankfurt a. M., 24. Sept. Im „Kronenhof" dohier fand heute die diesjährige ordentliche Hauptversammlung des Hessischen evangelischen Psarrvereins statt, die nach gemeinsamem Gesang eines Chorals und einem von Dekan G u h m a n n (Kirchberg) gesprochenem Gebet vom Vorsitzenden mit Begrüßung der Anwesenden, besonders des S3cr» trcters des Landeskirchcnamtes, Oberkirchenrat Wagner, eröffnet wurde. Er verlas dann den Jahresbericht über das Jahr 1928 und berichtete über die Gründung des Melanchthon- Dereins zur Gründung eines Alumnats für evangelische Schüler höherer Lehranstalten. Es wurden 5 Vorstandssihungen und 3 Provinzialversammlungen abgehalten, 2 in Oberhessen und eine in Rheinhessen. Die Mitgliederzahl beträgt 432. Verstorben sind 12 Mitglieder, deren in der üblichen Weise gedacht wurde.
Landeskirchenrat D. Weitz (Darmstadt), der Vorsitzende des Melanchthonvereins, berichtete sodann über die Absichten dieses Vereins, der hauptsächlich den evangelischen Rachwuchs ins Auge faßt. Die Versammlung gab die Anregung, dieses •Unternehmen aus den Kreisen der evangelischen Pfarrer nach Kräften zu unterstützen.
Der Bericht des Schreiftleiters des „Hessischen Kirchenblattes", Pfarrer D. Fritsch (Ruppertsburg), beklagte wohl die Abnahme der Mitarbeiterschaft, konnte aber doch fest stell en, daß die alte Wahrheit auch für fein Blatt gelte: hassia scribit. Die Schriftleitung wurde dem Berichterstatter für das neue Geschäftsjahr unter einstimmigem Dank für die seither geleistete Arbeit wieder übertragen.
Uebcr den Stand der Hilfskasse berichtete Pfarrer Schultheis (Großen-Linden). Die Kasse hat sich durch starke Inanspruchnahme seitens der in Rot befindlichen Pfarrhäuser als ein großes Bedürfnis herausgestellt.
Hierauf begründete Pfarrer SD e d (Ober-Eschbach) seine beiden Anträge: 1. daß den Dekanatstagungen im Rahmen der Kirchenverfassung eine erhöhte Bedeutung werde, 2. sie von allen Formeln möglichst entlastet werden und die Wahl der Dekane den Pfarrern überlassen bleibt. Der Vorstand des Psarrvereins stimmte dem ersten Antrag zu, konnte aber den zweiten zur Annahme nicht empfehlen. Der erste Antrag wurde von der Versammlung einstimmig angenommen und soll dem Landeskirchenamt als Eingabe mitgeteilt werden. Der zweite Antrag wurde der nächsten Hauptversammlung zur weiteren Behandlung überwiesen.
Sodann sprach Pfarrer Landmann (Gettenau) über seinen Antrag: „Die Hauptversammlung beantragt bei der Kirchenregierung die Einsetzung einer Kommission zur Beantwortung der Frage: „Was kann unsere Kirche gegen denGeburtennachlaß tun?" Die Versammlung erkannte den tiefen Ernst dieser Frage an und stimmte nach längerer Debatte einem Antrag Gußmann zu, beim Landeskirchenamt um weitere Behandlung dieser Frage und Weiterleitung zu den Dekanatstagen vorstellig zu werden.
' In der Rachmittagsversammlung sprach Pfarrer Kn ab (Gustavsburg) über die Druderhilse der hessischen Pfarrer an die Geistlichen der österreichischen evangelischen Kirche, und er beantragte, der Pfarrverein wolle es in die Hand nehmen, daß der Deutsche Pfarrerverein alle seine Mitglieder für diese Bruderhilfe interessiere.
Auf Anfrage aus der Versammlung über den Gang der Verhandlungen der hessischen Landeskirche mit dem Staat über die Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche
Entwaffnende Liebenswürdigkeit.
In England lassen sich die Auffassungen über die Güte des Telephondienstes ebensowenig unter einen Hut bringen wie anderswo. Die Post- verwaltung ist gerade auf diesen Zweig ihrer Tätigkeit stolz, und es war sicherlich nur eine besondere Schicksalstüde. daß unlängst einmal der Rachweis einer Höchstleistungsfähigkeit mit einem der wenigen bisher bestehenden automatischen Aemter nicht so recht gelang. Aber was will es besagen, daß sich- das geistige und industrielle England in den Personen Bernhard Shaws und Lord M e l ch e t t s in einer auf englisch gedämpften Schimpfkanonade mal die Hand reichten, wenn kurze Zeit später von höchster Autorität versichert wird, daß England in kurzem auch auf diesem Gebiet das Beste in der Welt besitzen werde. Denn was befriedigt mehr in England als die stolzen Worte „The b e s t in t h e World“. Der Richtbrite, der der Wirkung dieser Massenhypnose nicht unterworfen ist, lächelt, aber er versucht vergebens, gegen den Massenstrom dieser Suggestion anzuschwimmen. Seine englischen Freunde geben ihm recht, daß der ganze Telephondienst, wie vieles in diesem Land, technisch rüdftänbig ist, aber es sind nur Worte, nicht eine Lieberzeugung, mit denen sie ihre Billigung aussprechen.
Das Telephonamt gar ist auf die Dauer völlig entwaffnend. Cs ist und bleibt liebenswürdig. selbst gegenüber Tobsuchtsanfäl- l c n. Es bedauert so aufrichtig und ist so entgegenkommend. daß allmählich fast das Zutrauen in die eigene Urteilsfähigkeit ein bißchen erschüttert wird. Das ist das ganze Geheimnis: unerschütterliche Freundlichkeit und persönliches Entgegenkommen. Cs entwaffnet. Man vergißt überdies eine mäßige technische Leistung, wenn es möglich ist, in kleinen Dingen so angenehm bedient zu werden, wie das monatelang bei mir der Fall war. Ein einmaliger Hinweis, daß ich um eine bestimmte Zeit bis auf Widerruf die Rümmer X anzurufen hätte, genügte, um diese Stummer jeweils ohne Einschaltung des Slrntes in kürzester Zeit zu bekommen. So bleiben alle technischen Mängel trotz der offiziellen Heber» heblichkeit wenigstens erträglich.


