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mit, sie fuhren Sterbende in billigen Mietsdrosch- fen daher, sie waren und wollten sein die Schat­ten. die die vorausgetragenen schlotternden Men­schengerippe warfen, ilnb die Totenschädel grin­sten und man kam in Zorn, in bleichen Zorn und schlug mit den Gerippen auf die Soldaten ein. die Stahlhelme trugen. Bajonette vorstreckten, auf Pferden sahen und mit blankem Eisen da- zwischenhieten. Parlament in Waffen! Sturm der Kriegsverstümmelten und Schwindsüchtigen aus den Montecitorio!

Giolitti gestürzt. Mussolini ein rasender Achill, als Abgeordneter ein Republikaner, der demon­strativ der königlichen Eröffnung fernbleibt. Die rote Revolution im Kampfe mit der schwarzen. Rirgends ein Halt mehr. Rom zitternd vor jedem Feind, der vor den Toren steht...

Damals geriet mein Bleistift unangenehm ins Getümmel, ich fand das Pflaster vor dem Monte­citorio reichlich hart und sah mich eines bürger­lichen Rockes entblößt heute lieh man den Herrn in Schwarz und Zylinder in einem sieben­fachen Spalier Spießruten laufen, denn nicht ein­mal das Luxusauto, das ich bei der Eröffnung der nächsten Legislaturperiode haben werde, hätte vassieren dürfen. Reidische Blicke folgten dem Glücklichen, dem es so peinlich zumute war wie in der bekannten Traumsituation:ich wandle im Hemde vor staunenden Damen". Denn scham­los nackt war mein Frack, während man in Rom noch niemals so viele Orden, Sterne, Kreuze und bunte Bögel aller Art versammelt sah. Das nächstemal will ich zuvor in den Lunapark gehen und den Lukas hauen. Dos Ergebnis hänge ich mir dann an.

Man halte nämlich gesiebt bei der Karten­verteilung, o wie hatte man gesiebt! Auf Herz und Rieren wurden die Eingeladenen geprüft, fast so scharf, wie die Vierhundert, die heute dem König präsentiert wurden, bei der Wahl für die faszistische Kammer. An den Fingern einer Hand konnte man die Vertreter der gesamten Presse deutscher Zunge herzählen, die kleineren Rationen zu berücksichtigen erwies sich als un­möglich. Der gesamte Senat erhielt für seine Familienangehörigen nur siebzig Plätze. Mit weit weniger muhte sich das Heer bescheiden. Was im übrigen die Tribünen füllte, war aus­erlesene Gesellschaft und da Jugend und Früh­ling den Tag beherrschten, blühte es ringsum von schönen Frauen und pumpernden Backfisch­herzen. Wenn Orden ein sichtbarer Beweis für politische Erfolge sind, dann muh die europäische Politik unserer Zeit eine Strahe unerhörter Triumphe durchlaufen haben, denn in der Diplo­matenloge klirrte cs wie in einem Ritterarsenal von schimmernder Wehr, von Panzerhemden aus lauter Orden. Manche der Helden konnten sich nur mühsam bewegen. Auch die Botschafter be­tont demokratischer Staaten glaubten des Flit­ters nicht entbehren zu können, nur die Ver­treter Rußlands und der Vereinigten Staaten sielen durch Verzicht angenehm auf. Zurückgezo­gen, zwischen zwei Säulen eine unbewegliche gelbe Buddhabüste: Asien. Es kann warten, auf ven Anschluß verzichten, den zum Beispiel der rote Fez Aegyptens bei der Dame Europa in der Rcbenloge sucht.

In der Mitte des Saales, dort, wo sonst Präsi­denten und Minister auf pyramidenhaftem Aufbau ihres Amtes wallen, der Thron. Roter Bal­dachin. Neun rote Sessel darunter, vor dein grö­ßeren in der Mitte ein seidenes Fußkissen. Ihm wird der König den Fuß in den Nacken setzen: Symbol des Volkes. Hörte man's nicht so in Zeiten, die nun schon sieben Jahre oder sieben Jahrhun­derte zurückliegen? Zu beiden Seiten je ein Riese in blankem Harnisch und Helm, mit gezogenem Pallasch. Ueberlebensgroße Tempelwächter. Die Männer in Frack, schwarzer Weste und weißer Binde, so lautet für alle ohne Ausnahme die Zivil­vorschrift, drücken sich daran vorbei wie an Säulen.

Von der Empore hängen zwei Teppiche mit dem soeben aus der Taufe gehobenen n e u e n S t a a t.s - wappen ab: der Schild Savoyens von zwei Lik­torenbündeln flankiert. Verschmelzung von Monarchie und F a s z i s m u s , das ist der

bei Zola nicht, ist eine Börfenszene, das Hinauf­peitschen einer wertlosen Aktie durch Selbst­suggestion und Massensuggestion so hinreißend, so gleichzeitig wahr und dichterisch geschildert wor­den, wie hier in einem Meisterkapitel. Aie, auch bei Balzac kaum, ist der sachliche Verhalt großer Schiebungen so sinnlich einleuchtend und gleichzeitig kommerziell exakt zur Anschauung ge­bracht worden; bis in die Vieren hinein hat dieser Robert Reumann in Geschäfte, Betriebe, Bündelungen, Affären und Seelenschwindeleien der Inflation gesehen, cs ist eine wahre Lust, nachzulesen, wie er eine Bestechung, eine Schie­bung, eine Erpressung schildert niemals kalt oder ironisch, sondern immer ingrimmig genau, leidenschaftlich beteiligt, wie Dichter sonst nur an ihren Liebesszenen und geistigen Diskussionen. Gerade diese dokumentarischen Schilderungen, wo die Zeit nicht mehr im Hohlspiegel verzerrt gesehen, sondern gleichsam unter die Lupe ge­nommen wird, machen seinen breitströmigcn, lausendwelligen Roman zu einem der wichtigsten Bücher, die wir seit Iahren aus Wien bekommen haben, halb Epos, halb zorniges Pamphlet der Schieberjahre, reich an unvergeßlichen Einzel­heiten und kühn in der Wölbung. An der Größe Der Anlage ist hier ein junger Künstler selbst groß geworden und schon in diesem ersten Roman er­reicht er durch Lleberlegenheit der Konzeption, abwechslungsreiche Fülle der Figuren, weit­gespannte Kontrastierung jenes Welthafte, das wahrhaft wichtigen, epischen Gebilden immer not­wendig ist. Uno auch dort, wo er noch ins Maß­lose, ins Lletermähigc sich verliert, geschieht es nur durch Leidenschaft, durch eine gewaltsam zu­rückgehaltene und doch wieder feurig vorbrechende Erbitterung über dos Verbrecherische jener Zeit nnb das Gebrechliche unserer Welt die einzige Leidenschaft also, die selbst im Llebermaß immer Dem Künstler ziemt und die allein erst jedes literarische Werk menschlich legitimiert.

Hochschulnacknchten.

Professor Dr.°Ing. Georg Madelung, Abtei­lungsleiter der Deutschen Versuchsanstalt für Luft­fahrt, ist zum ordentlichen Professor auf dem neu­errichteten Lehrstuhl für Luftfahrt an der Technischen Hochschule Berlin ernannt worden. Die venia legendi für Pharmakologie und Physiologie wurde an der Technischen Hochschule in Darmstadt dem Dr. phil. et med. Rudolf Hintzelmann erteilt

9er Gießener Tierschutzverein im Jahre 1928.

Der Gießener Tierschuhverein hielt vor kurzem seine ordentliche Hauptversamm­lung ab, in der man feststellen konnte, daß der Verein auch int Iah re 1928 zielbewutzt gear­beitet hat.

Dem Iahresbericht, erstattet vom 1. Schrift­führer des Vereins, Oberreallehrer i. R., G. Straub, entnehmen wir auszugsweise fol­gendes:

Die Witgliederzahl des Vereins betrug am 31. Dezember 1928 378.

Der Vorstand hielt 5 Sitzungen ab. In seiner Zusammensetzung traten insofern kleine Aende- rungen ein, als für Fräulein Ida D i n gel­be i n . die eines Augenleidens wegen eine Wie­derwahl abgelehnt hatte, Frau Univ.-Professor Dorn kämm, und für Kaufmann L. Döll, der von Gießen weggezogen ist, Polizeikommissar W. Schmidt in den Vorstand gewählt wurden. Iene gehörte seit 1919, dieser seit 1923 dem Vorstände an. Der 1. Vor'ihmte, Lehrer i. R. W. Fritzel gab seinem ^ebauern über das Ausscheiden der beiden eifrigen Mitglieder aus dem Vorstande beredten Ausdruck. Die satzunas- gemäß ausscheidenden übrigen Vorstandsmitglie­der wurden wiedergewählt; kooptiert wurden Kreisveterinärrat Dr. Monnard und Univ.- Reitlehrer L. S ch ö m b s.

In der Sitzung vom 15. Oktober 1928 gedachte der 1. Vorsitzende des 80. Geburtstages des Leh­rers i. R. L. Spitz. Er beglückwünschte ihn, das langjährige Mitglied des Vereins und sei­nes Vorstandes, herzlichst. Vor allem hoffe und wünsche er, es möge ihm vergönnt fein, noch et­liche Iahre erfolgreich für die stumme Kreatur wirken zu können.

Die Anzeigen wegen Tierquälereien und wegen roher Mißhandlungen häuften sich während des Iahres.

Sie sind auf das anerkennenswerte Bestreben der Augenzeugen zurückzuführen, Tierquäler der verdienten Strafe zuguführen. Alle Falle wur­den alsbald geprüft. Wenn Belehrung oder Ver­warnung versagt hatte, oder wenn schwere Ver­fehlungen Vorlagen, bann wurde die zuständige Behörde ersucht, die Schuldigen zu bestrafen; doch wurden erfreulicherweise Mißhandlungen vielfach schon durch persönliche Einwirkung der Vorstands- oder der Vereinsmitglieder verhütet. Ihnen sei hier gedankt ob ihres mannhaften Ein­tretens für die hilflosen Geschöpfe.

Richt minder dankbar sei an dieser Stelle auch der Behörden und der Presse gedacht, bet denen der Vorstand stets Unterstützung ge­funden hat.

Der von stud. M. Küster um des Tier­schutzes willen eingerichtete und geleitete soge­nannte Aeberwachungsdienst tourte aufgehoben, weil der Erfolg den gehegten Erwartungen nicht entspwchen hat.

Der Tierschutzverein richtete im ..Gießener Anzeiger" an die Fuhrwerksbesiher die Ditte, ihm mllzuteilen, wenn sich irgendwo Wege in so schlechtem Zustande befinden, daß die Zug­tiere Heberanftrengungen ausgesetzt sind. Er werde sich bemühen, an zuständiger Stelle auf Beseitigung der Lletelstänte hinzuwirken.

Schon seit Iahren bemüht man sich in Gießen um die Errichtung einer Fahrschule. Am 2. Iuli 1928 befaßte sich der Vorstand aufs neue mit dieser Angelegenheit. Auf Antrag des Herrn W. L ö b e r wurde die Errichtung ter Fahrschule auf unbestimmte Zeit vertagt.

Um der Einwohnerschaft Gießens den Verkehr mit dem Tierschuhverein zu erleichtern und da­durch reger zu gestalten, hatte stud. M. Küster beantragt, inmitten ter Stadt eine Geschäfts­stelle zu errichten; aber auch dieser Antrag muhte auf absehbare Zeit zurückgestellt werden.

Der vom Verbände der Tierschuhvereine des Deutschen Reiches herausgegebene Kalender für 1 929 wurde in rund 3500 Exemplaren an die Mitglieder und die Schulen verteilt.

Der städtische Gärtner L. Diehl versah auch im vergangenen strengen Winter die öffent­lichen Futter st ellen gewissenhaft mit Vo­gelfutter. Daß die schwer bedrängte Dogelwelt ungewöhnlich lange auf den Beistand des Tier­schutzvereins sowie die Fürsorge gütiger Tier­freunde und Rothelser angewiesen war. ist klar ersichtlich aus dem Verbrauche von etwa 250 Kilogramm Vogelfutter seitens des Vereins.

Der Vorstand hatte beschlossen, auch in diesem Jahre

Prämien für treue Tierpflege und tatkräftigen Tierschutz

zu verleihen. Die Verteilung der Preise fand Weih­nachten im Kaufmännischen Vereinshause statt. Bevor die Ehrengaben vier Diplome und 21 Geldspenden im Betrage von je 5 Mk. dxn edlen Tierfreunden überreicht wurden, hielt der erste Vorsitzende eine längere Ansprache. Rach der Ansprache des Herrn W. L ö b e r und der des Kriminalwachtmeisters M ö b u s war die ein­drucksvolle Feier beendet.

Dankbar sei aller gedacht, durch deren Spenden es dem Vereine ermöglicht wurde, Rot und Leid der Tiere wirksamer zu bekämpfen.

Rach dem Stande vom 31. Dezember 1928 betragen die Einnahmen des Vereins 1551,15 Mark, seine Ausgaben 1544,50 Mk., so daß ihm ein Kassenvorrat von 6,65 Mk. verbleibt. Sein Gesomtvermögen ergibt den Stand von 1862,45 Mark. Die Rechnung ist von den Herren D. Heil und W. R i e b e l geprüft und für richtig befunden worden. Ohne Einspruch wur­den der Kassenbericht und ter Geschäftsbericht genehmigt.

Sinn dieses Tages. Zuiveilen hört man den Flügel­schlag der Geschichte. Zuweilen huscht ein Schatten über das sonnendurchschienene bunte Glasdach und ängstliche Gemüter denken an unübertreffliche Atten­tatsmöglichkeiten und zucken zusammen. Aber es find nur Flieger. Man hört sie nicht.

Plötzlich verstummt das Gemurmel der Erwar­tung, unter dem nach und nach die Senatoren und die frisd)gebackenen Abgeordneten ihre Plätze ein­genommen haben, die durch keine Parteimauern mehr getrennt sind. D i e K ö n i g i n ! Alles springt auf und zerkralll die neuen Handschuhe. Die Prin- zessinnen! Die unendlich hohe und schlanke Herzogin von Puglien, ganz in Silbergrau und BlaßlilaI

s)lid)t lange, hat auch die Auffahrt des Souveräns das Haus des Volkes erreicht. Die Majestät! Der erste Soldat Italiens! In dem Sturm, der ihn an den Thron trägt, vergißt er nicht, zuerst zu fei­ner Frau hinaufzugrüßen und, das ist der zweite gewinnende Zug, das ominöse Seidenkissen mit mi­litärischer Verachtung mit dem Stiefel wegzuschleu­dern. Er will nichts Besonderes haben. Acht Prin­zen nehmen zu seiner Rechten und Linken Platz, alle in hoher Uniform.

In den Sturm ist, etwas zu frühe gekommen, Mussolini hineingeraten, so daß man erst auf ihn aufmerksam wird, als er mit klarer Stimme das Hohe Haus im Namen des Königs zum Sitzen einlädt.

Das ist seine Stunde, das sein großer Tag. Wie er so bastelst vor dem Throne, in seiner neuen golddurchwirkten Ministeruniform, die grüne Schärpe von der rechten Schulter zur linken Hüfte, im Glanze des Annunziatenorbens, der ihn zum Vetter des Könias^ machte, den Dreispitz unter dem Arm, eine beoeutfame Mappe in den Händen, sind die letzten Ecken und Kanten, die er aus Schmiede und Schulzimmer, von der Straße und aus dem Gefängnis mit auf seine einsame Höhe trug, von ihm abgefallen, er ist ein vollkommener Weltmann geworden. Der große Kanzler. Der Füh­rer. Dux.

Nun ruft er v die Vierhundert auf, Namen für Namen, daß sie schwören. Als die Reihe an ihn selber kommt, hebt er den Arm: Giuro!

Als sich einer der Vierhundert verplappert und statt des Giuro! fein gewohntes Presente! ruft,

Ludwig Thoma spielt Tarock.

Von Walter Ziersch.

Am Tegernsee ist schlechtes Wetter. Die Wolkenfehen hängen um die Berge, und der Regen rieselt eintönig hernieder. Schlecht ge­launt hocken die Sommerfrischler auf ihren Zim­mern, die aufgewcichten Straßen sind wie aus­gestorben.

An ber Besitzung Ludwig Thomas, oben in Tusten bei Rottach, knarrt von Zeit zu Zeit die Gartenpforte, um verwitterte Gestalten, wohl­verwahrt gegen bie Rässe in derbem Loden, ein­zulassen. Der Tarock geht zusammen, es ist das richtige Wetter dazu.

Gespielt wird in dem großen, zu ebener Erde gelegenen Wohnzimmer des Hauses, ber ganz in ungeteiltem Fichtenholz gehaltenen sogenann­ten Bauernstube, bie aber mit dem Rechen voll sauber geputzter Büchsen und Flinten und den vielen Iagdtrophäen an den Wänden eher wie das Wohnzimmer eines Forstmannes aussieht. Ludwig Thoma und sein brüderliches Faktotum Peter, der tagsüber stets im Hause ist, warten schon an dem wuchtigen Ecktisch im Herrgotts­winkel auf die Tarocker. Mein Rachbar, Emil G a n g h o f e r, der Bruder des Schriftstellers, und ich sind die ersten, wir haben den nächsten Weg von Egern herauf.

Die Pfeifen sind in Brand gesetzt, das Spiel beginnt.^Hast auch ordentlich Geld eingesteckt? Heut' wirst ausgesackelt, Tünncs", verkündet mir Ludwig Thoma, indem er mich, den Rheinländer, nach einer der Figuren des Kölner Hänneschen- Theaters benamst. Er schiebt mit gekrümmten Armen die Fäuste gegeneinander:Hin mußt werden." Ich habe durchaus keine Angst vor dem Verlieren. Peter und Emil spielen mittel­mäßig und sind so gut wie bar Geld.

Der Tarock geht gemächlich seinen Gang, bis Ganghofer und ich durch grobe Fehler Peters nacheinander einige Spiele gewinnen. Da fliegt der Hausherr auf:Himmelherrgottsakrament, Peter, du spielst scho, daß an Hund jammert. Tua doch bei Assen außa, des Assenschonen is scho bös Allerschlechtst. I sags wias is." Peter nusselt in feinen Bart:So, und wann i eahna d' Zehner sreispüll', bann schimpft du aa. Kurz, die beiden Hackeln sich und keiner gibt nach. Da, grab im rechten Moment öffnet sich bie Türe, und Michel Sengt, der Direktor des Tegem- seer Bauerntheaters steckt den Kops ins Zimmer:

Grüah God beiananb. Leut, heut spiel'n ina an Talerblock." Er macht bazu ein Gesicht wie als Dusterer" imGewissenswurm". Lubwig Thoma ist gleich Feuer unb Flamme:Dös is g'scheit, dös tean ma, mir spiel'n jetzt an recht scharfen Tarock." Er stockt. Mit Sengt ist Pauli Kiem, der rassige blonde Guitarrenvirtuose des Ensem­bles erschienen, ein Tarockmatador, den Thoma den Professor n?nnt, und den er gerne dabei haben möchte. Emil hat schon verstanden, und da er sein Geld wieder hat. tritt er willig aus.

Der scharfe Tarock hat sich konstituiert, Ludwig Thoma ist wie umgetoantelt. Er ist lustig und sprüht von übermütiger Laune. Dabei ist er ganz bei der Sache und denkt über jede Karte, die er ziehen will, reiflich und angestrengt nach, um schließlich mit einem energischen ,.So wird's gemacht und net anders!" zum Entschluß zu kommen und auszuspielen. Manchmal haut er triumphierend auf den Tisch, daß die Aschenbecher und Gelbschalen tanzen, unb gibt jeder Karte ein lautes Kraftwort mit. Manchmal aber legt er mit listigem Lächeln zart und behutsam eine Karte nach der anderen hin. Wenn Thoma ein Spiel verliert, schiebt er ein wenig verlegen die Karten beiseite. Wenn er geben unb passen muh, blickt er interessiert in die Karten seiner Rach­barn. Dem Spieler schiebt er die drei Karten einzeln zu, die besten zuletzt, um ihn zu necken. Lind fein Spiel vergeht ohne Leichenreden. Ieder Fehler wird erbarmungslos ans Licht gezogen. Auch hier verficht der Hausherr temperament­voll seine Ansichten, läßt aber auch die anderen zu Worte kommen. Dabei fallen derbe Worte, die nicht gerade für Damenohren bestimmt sind. Dazu wird gequalmt, daß man den Tabakrauch mit Messern schneiden kann. Wir merken nichts davon.

Endlich erklärt der Hausherr:Leut', jetzt machen ma Pause. Ieht wird erst Kaffee ge­trunken. Die Theres hat schon zweimal durchs Türl gelinst." Er weist auf bie Klappe zur Küche. Gehorsam helfen wir alle abräumen. Ein junges Landmädl deckt den Tisch mit blüten­weißem, hausgewebtem Linnen und bringt den Kaffee, der nirgendwo so gut ist, wie im Hause Thoma. Cs gibt dazu frisch abgekochten Rahm und selbstgemachte Butter von eigenen Kühen und ein köstliches Bauernbrot, ilnb nirgends habe ich die Poesie gemütlicher Kaffeestünden so stark empfunden wie in Ludwig Thomas Bauernstube.

Wenn Thoma zur Redaktionssitzung des Simplicissimus" nach München kam, war er oft zum Skat im Cafe Hoftheater, wo die Herren

lächelt Musiolini nicht mit den andern, wie es sonst seine Gewohnheit ist, sondern wiederholt den Namen des Abgeordneten. Zu feierlich dünkt ihm ter Augenblick.

Herrlich, wie fein Cäsarenschädel aus dem Ge­wimmel von Köpfen, die man sieht und vergessen hat. hcrausbricht. Lind da nun ter König sich flüchtig erhebt, um dann die Brille aufzusehen und sitzend die Thronrede zu verlesen, während der Duce steht wie ein Standbild, unverrückbar gegossen für die Iahrhunterte, in herber Ge­lassenheit, Sieger vom Scheitel bis zur Sohle, da begreift man wieder einmal, warum dem König die Liebe, ihm aber die Begeisterung gehört.

So hoch hat er die Stirne noch nie getragen wie in dieser halten Stunde, während seine, des einstigen Rebellen wohlgemeihelten Worte vom König Italiens ausgesprochen werden.

Friede über R o m! König und Papst ver­söhnt! Das ist sein Werk.

E i n Staat, eine Kirche, e i n Volk! Das war sein Ziel.

Eine Regierung, eine Presse, eine Partei! Das hat e r erreicht.

Doch sein Blick haftet nicht an der Stunde des Triumphes, er brli.yt schon wieder vor, er umfaßt nächste, allernächste Zukunft:Da alle Abrüstungsversuche mißglückt find, ist es Pflicht des Staates, ohne Verzug alle Vorkehrungen zur Verteidigung des Vaterlandes zu treffen. Die Regierung wird dann eine Politik Oer aufrichtigen unb konkreten Freundschaft zu allen Volkern betreiben, wenn bie berechtig­ten Interessen Italiens konkret und aufrichtig anerkannt sind!"

Ieht hört man die Flieger, hört den Donner der Geschütze vom Monte Mario Her, sieht das ganze Haus rasen und weiß, daß es nur eines Winkes von Mussolini bedarf und ein Fünfzig- millionenvolk steht aus wie ein Mann und greift zu den Waffen. Der Duce sieht nicht aus, als ob er vor den Rie-wieter-Krieg-Stammtischen kapitulieren würde. Gemessenen Schrittes folgt er dem König, der wiederum nicht vergißt, seiner Letenskamerabin zuzunicken, während das Gio- vinezza! ber Faszistenhhmne durch den Monte­citorio braust. Der Rat der Vierhundert ist er­öffnet. Draußen wartet der Frühling. Achtzig­tausend Avanguardisten, junges Blut, kampieren im Freien. Morgen erhalten sie bas Gewehr, sinb Männer, treten in den Kampsfaszio über.

Wer von den alten Rompilgern, wer erkennt dieseKinder des Südens", dieses Italien noch?

Verband hessischer Kaffeehausbesiher.

Dad-Rauheim, 25. April. Der Ver­bandstag des Verbandes hessischer Kaffeehausbesitzer, ter heute hier sei­nen Abschluß fand, erfreute sich eines zahlreichen Besuches aus dem ganzen Land. Ehrengäste nahmen in größerer Zahl an den Verhandlun­gen tell, so Kreisdircttor Rechthien (Fried­berg), Bürgermeister Dr. A h I (Bad-Raucheim), Äegierungsrat Wolf (Gießen), die dem Ver- bandstag den Gruß ihrer Behörden entboten. Verbandsvorsitzender Tischler (Darmstadt) leitete dic Tagung. Verbandsdirektor Geiß- Hardt (Berlin) hielt das Hauptreferat über Die allgemeine Wirtschaftslage im Spiegel des gastronomischen Gewerbes". Er behandelte die steuerlichen Gewerbes". Er behandelte die steuer­lichen Lasten, die das gesamte Gewerbe zu tra­gen habe und kam zur Forderung einer Derwcll- tungsrcform. da eine erhebliche Verminderung der hohen Vertoallungskosten notwendig sei. Er­freulich sei, daß die Wiedereinführung der Ge« meindcgetränkefteuer und die Erhöhung der Bier- steuer verhindert werten konnte. In der Aus­sprach forderte Schmitz (Darmstadt) die Ver­längerung der Polizeistunde, die Aushe­bung des unhaltbaren Backverbots am Sonn­tag und die Heranziehung der Fachverbänte bei Konzessionserteilungen. Regierungsrat Wolf (Gießen) erklärte, daß auch die Polizeiämter die Aufhebung der Feierabendstunde begrüßen würden. In einem weiteren Referat sprach Der- bandsbircktor Geisthardt über die Abmachun­gen zwischen dem Reichskartell der Musitveran-

vom Bau verkehrten. Besonders mit Dreher spielte er gern und freute sich königlich über die Sprüche des guten Konrads: I woah net. was dös is, alltoeil bin i da Petschierte. Schon von meinen frühesten Jugendtagen an verlier i im Kartenspiel."

Später haben wir viel mit Georg Quert gespielt, Skat und Tarock. Da ging's auchzünf­tig" zu. Hier ein Brief von Thoma aus dieser Zeit: ..Lieber Lünnes, am Donnerstag kommt der bekannte Schriftsteller Ludwig Thoma nach München. Die Mitglieder des Schriftsteller­suppenvereins (so nannte er mich, weil ich die Llnterstühungsrasse des S. D. S. mitoertoaltetc) haben präsent zu fein. Programm: Mittags Pfälzer Weinstube. Auch kann in einem vor­nehmen Schieberkafsee Mokka angeboten werden. Abends: Erhöhte Festlichkeit. Vielleicht läßt sich der hohe Gast zum Kartenspielen herab. Der ordinäre Süddeutsche Georg Queri kann eben­falls eingeladen werden. Selber wohnt in Starn­berg. Anzug: Gesellschaftsanzug. Alles Weitere am Festplah. Aenderungen im Programm aus­geschlossen. Laut Llnterschrift: Der Obige..

Den letzten Skat mit Thoma und Queri spielte ich in der Bauernstube in Tuften. Damals war Ludwig Ganghofcr dabei. Dieser hatte einen Skat konstruiert, von dem er behauptete, er gäbe auch dem Spieler mit den schlechtesten Karten Chancen. MitIungfrau" undJüngling" und viel Ramschrunden Das war nichts für den guten Queri, der nicht mauern konnte und immer auss Ganze ging. Er stand am Schluß über 2000 minus. Wir spielten um 2 Pfennig den Punkt, also ein anständiger Verlust. Queri quälte:Roch drei Runden doppelt!" Dann ging's vierfach, achtfach. Am Schluß war Queri der höchste Ge­winner und Ganghofer ber einzige Verlierer. Queri freute sich wie ein Schneekönig und schenkte mir eine Biermarke.Die kannst du als 50-Pfennig-Stück ausgeben", sagte er. Ich habe die Diermarke verwahrt als Erinnerung. Denn ein halbes Jahr später war Queri tot. Ein Jahr später Ludwig Ganghofer und wieder ein Jahr später auch Ludwig Thoma. Sein Bruder Peter folgte ihm bald, Emil Ganghofer war schon vorausgegangen.

Die Zeit ist anders, ist ernster geworden. Wer denkt noch an Thalerblocks und Skatrunden acht­fach? Lind die meisten anderen Mitspieler von damals haben ja auch still die Karten aus der Hand gelegt.