Samstag, 27. April 1929
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 98 Zweites Blatt
war der Rückgang der ehelichen
I
im Säuglingsalter, in
Fragt man nach
ersten Lebensjahre
in
• nalistische Motive.
stehenden Altersjahren:
Rückgang
339
398
1923
1924
1925
1926
1927
8,2
7,9
8,1
1919 13,4
1921 11,8
1922 11,1
469
202
8,1
7,8
7,8
7,7
4,1
9,4
7,1
7,7
7,7
8,5
1872—75
219
316
284
302
270
199
1924')
1925
1926
1927 Der
40,86 37,90 37,16 32,61 28,96 21,10 21,40 20,20 18,90
in den Jahren 1901-02 1922
Länder Preußen Bayern Sachsen Württemberg Baden Hessen
die Geborenen auf 1000 der Be- oölkerg.
Erst gebürten 192 400
der Reichsgrllndung beträgt, ehelich Lebendgeborenen im den folgenden Jahren:
1880—81 1890—91 1900-01 1910-11 1912—13 1920 1921 1922 1923 1924 1925
1926
1927
meisten anderen Kulturstaaten gemein hat. Es tarn im Deutschen Reiche
1913
150
182
157
140
138
93
Sieben Jahre vorher: Ein Zug, der viel toun- derlichcr war. Da gingen Männer in verschlissenen Kleidern und sie taumelten mehr, als sie gingen, sie schleppten Kameraden auf Krücken
1907 1909 1911 1913 1915 1917
Die Ursachen mehr auf ganz Hauptsache in
1876-80 1886—90 1896-00 1906—10 1911—13
Geld der Inflation, keiner so ehern und hinreißend bisher das absurde Geschehnis eingekreist als Robert Reumann in seinem Roman „Sintflut" (Engelhorns Verlag, Stuttgart).
Robert Reumann, der diesen harten Griff getan, hatte bisher nur sein Handgelenk legitimiert. Zuerst mit lyrischem Fingerspiel, einem Gedicht- band, dann mit der heiteren» Stiläfferei „Mit fremden Federn", diesem berühmt gewordenen Parodienbuch. Aber schon in der sehr gelungenen Rahmennovelle „Die Pest von Lianora" spürt man den geborenen Fabulisten, und in der zündenden Reportage seiner „Jagd auf Menschen und Gespenster" einen brennend klugen, scharfäugigen Beobachter. All dies aber bloß Vorbereitung. nur Fingerspiel: hier, in diesem Roman, zeigt er zum erstenmal die Faust. Mit einem klirrenden Stoß zerschlägt er die Mattscheibe der Vergeßlichkeit, mit einem prachtvollen, unerbittlichen Ruck reiht er die Tür auf zur Kloake jener Fäulniszeit.
Er schont dabei nicht unsere Rerven. Gestank schlägt einem entgegen, gräßliche Gärung, schwefliger Geruch von Sodom und Gomorrha. Aber mit festem Fuß stapft der Erzähler hinein in diesen phosphoreszierenden Sumpf und zieht uns unerbittlich mit. Dis zu den Knien watet er weiter durch den ganzen Stall des Augias, den ganzen Unrat fegt er heraus ans Licht, unnachgiebig, unbarmherzig. Er greift der Zeit bis an die Eingeweide und schwemmt sie mit Lauge durch. Sentimentale seien gewarnt: in diesem Buche geht es durchaus ungemütlich zu. nichts wird verdeckt und verschönert, nichts verschwiegen und gemildert, nicht eine falsche Wiener Gemütlichkeit in die Schwindelcpoche hineingeschwindelt, sondern eher das Phantastische noch übersteigert, das Fiebrige überhitzt. Mit Aquarellfarben kann man keine Apokalypse malen; Goya und der Höllenbreughel sind darum die wahren Vorbilder des Erzählers Robert Reumann für diesen wilden Hexentanz ums Geld.
Ausgezeichnet schon die rein technische Anlage des Werkes. Eine Kindheit in einem Vorstadthaus. Vorn die Fabrik, gute, brave Geschäfte, gemächliche Leute, rückwärts Arme und Aermste. Dies Oben und Unten. Vorn und Rückwärts, Arm und Reich, Bürger und Proletarier. Jude und Christ natürlich sorgsam geschieden. Aber auf den Rinnsteinen des Hofes, auf Den Bauplätzen nebenan spielen Die Kinder gemeinsam. Sie verbinden die Gegensätze, und dank ihrer blickt man gleichzeitig in alle Türen, die wohlverschlossenen
in der Bevölkerung, noch die Heiratshäufigkeit hat bei uns eine Abnahme erfahren. Während des Krieges ist sie stark zurückgegangen. Das Bersäumtc ist jedoch in den ersten Nachkriegsjahren vollkommen nachgeholt worden, und jetzt haben wir wieder — wie die folgende Aufstellung zeigt — bei uns die gleiche Heiratshäufigkeit wie etwa vor dem Kriege. Im Deutschen Reiche kamen auf 1000 Einwohner Ehe schlicßungen in den nebenstehenden Jahren:
war ganz mit goldenem Sand bedeckt. Helme und Panzer und blanke Degen, man konnte sie nicht zählen, blitzten in der Sonne. Und das Volk balgte sich um eine Handfläche Platz und turnte an Kandelabern und Fensterkreuzen herum und schrie aus vollem Halse: Evviva. evviva — hoch der König — unser guter König, der siegreiche — evviva la Regina!
Die Königin — ach ja, ich habe falsch an- gefangen, man kommt etwas durcheinander. Also der Zug der Königin verlieh punkt 10 Uhr den Quirinal und genau 10 Minuten später folgte Der Zug des Königs. An seiner Rechten sah der Kronprinz, der. volljährig geworden, zum erstenmal der Eröffnung einer Legislaturperiode beiwohnen durfte. Und da ist das Königs- töch ter lein, um dessen Hand sich so viele gekrönte Freier bewerben, und da — und da — Aber ich muh die Beine unter den Arm nehmen, wenn ich noch rechtzeitig in Den siebenmal versperrten Zauberberg hineinschlüpsen will, in den Montecitorio.
Rom, April.
So lange Rom steht, und das ist, wie man weih, schon ziemlich lange, hat noch kein Sterblicher der Unsterblichen ein solches Geschenk zu Füßen gelegt: eine so unbestrittene Herrschaft. Eine Einheitsregierung, wie sie der Duce dem König am 2682. Geburtstage der Urbs oder Urbe, ein Wort, das die Quiriten groß schreiben. vorstellte. Ein Parlament, das nur eine Seele, bei einem vierhundertfachen Mund nur eine Stimme hat.
Die Römer machten sich auf, den seltsamen Tag zu feiern. Ihre nie zu viel besungene Sonne schlug den blauen Mantel auf und stand da in augenblendender Schönheit und Reinheit wie die schaumgeborene Göttin. Ein überirdischer Frühlingstag... Wir, die Mensch, n der dröhnenden Waffenschmieden und der belfernden Volksvertretungen. wir mit den Ohren, die klingen vor dem Marktgeschrei der um Kriegstribute Feilschenden, wir mit den allzu wissenden Augen. Den übersatten Köpfen und den hungrigen Herzen, wir erlebten ein Märchen:
... Es läuteten die Glocken, mit himmelhallendem Bum-baum-baum die größte des Kapitols, da fuhr der König aus seinem Schlosse heraus.
Sechs Rosse zogen den Wagen, und die Straße
und locker angelehnten, in die guten Stuben und in die Mansarden. Das ganze Vorspiel dieses Romans überwölbt eine Kindheit, und diese dauert bis zum August 1914.
Dann kommt ein Loch. Ein schwarzer Fleck, absolute Leere, ein Richts: die fünf Jahre Krieg. Kein Wort über ihn. keine Zeile; erst später wird man wissen, was diese fünf Jahre verändert und verwandelt haben. Der eigentliche Roman setzt erst ein, wie der Eisenbahnzug den Helden (wie schlecht paßt ihm dieses Wort!) im Viehwagen, in zerschlissener Uniform über die Grenze zurück- führt. Er kommt an mit leeren Taschen und einem gaftbitteren Herzen, beschäftigungslos, fremd, aus- geheimatet und starrt das alte Haus, in dem er aufgewachsen, an wie die Kuh den neuen Zaun. Alles ist anders geworden, die Fassaden, die Geschäfte, die Menschen. Der kleine Schokoladenhändler im Vorderhaus ist gigantischer Unternehmer, Marke Omnia, er handelt mit Wolle und Seide, mit Getreide, mit Papieren und Richt- Papieren, das heißt, mit wertlosen Aktien. Der wackere deutsche Beamte, bei dem er aufgezogen war. ist seine rechte Hand, die Greifhand, der kleine eingctoanDerte, halbverhungerte Samuel Klein die linke, die Versteckhand, die Denkhand geworden, ein Trio, das auf der zum Zerreißen gespannten Saite des Wiener Elends musiziert. Alle drei sind sie, jeder in seiner Art. aufgeftiegen aus den kleinen Verhältnissen ins scheinbar Gigantische auf Kosten Unzähliger, die ringsum verhungern, alle drei besessen, betrunken von der Tollgier nach dem Mehr und Mehr. Und nun sieht man, wie diese Eiterblase (diese vergiftete Jauche aus fremdem Blute) schwillt und schwillt zu immer krankhafterer Größe, wie der Organismus des ganzen Staates durch dieses ge- schwürige Konzerngewächs fiebrig geschüttelt wird, bis die Beule endlich platzt. Aber schon hat ihn selbst, den hundearm Zurückgekehrten, das Fieber gefaßt, er wird mitgerissen, dieser unheldische Held, in eine jener kartenhaft aufgetürmten Unternehmungen, wo mit allem gehandelt wird und mit allem betrogen, wo aus nichts Geld gemacht wird und Geld wieder zu nichts; aus dem Viehwagen, mit dem man ihn heimtransportierte, schwingt er sich in ein eigenes Auto, saust immer hoher Die Serpentinen der Macht und des Erfolges hinauf, bis er plötzlich über einer zu kühn genommenen Kurve an die Schranken des Gesetzes anrennt und abstürzt. Aehnliches ist oftmals erzählt worden, aber niemals so spezifisch die wienerische Inflation geschildert mit ihren spannweiten Gegensätzen, die gräßliche Rähe
Dom "Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Weltkriege war die deutsche Dolkszahl von rund 25 auf rund 68 Millionen Köpfe gestiegen. Der für die größere Volkszahl erforderliche Rah- rungsspielraum war geschaffen worden namentlich durch die großen Fortschritte der Landwirtschaft in dieser Zeit und durch die zunehmende Verflechtung Deutschlands in den Welthandel und den Weltverkehr, die es ermöglichte, die bei uns fehlenden Rahrungs- und Rohstoffe im Austausch gegen Fertigwaren, gegen Erzeugnisse deutscher Arbeit, in steigendem Maße einzuführen. Freilich nicht in allen Perioden des vergangenen Jahrhunderts ist es in gleich erfolgreicher Weise gelungen, das deutsche Wirtschaftsleben so weit vorwärts zu entwickeln, um dem ganzen Volkszuwachs in der eigenen Heimat Unterhalt und Fortkommen zu verschaffen. Das war besonders in den Jahrzehnten 1840'50 und 1880'90 nur in so unzureichendem Maße möglich, daß in diesen Perioden Millionen von deutschen Auswanderern die Heimat verlassen mußten, um sich in fremden Ländern, besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika eine neue Existenz zu gründen. Dies waren auch vor allem die Zeiten, in Denen unter Dem Einfluß Der Lehren von Malthus bei uns von einer Gefahr Der UeberDölf crung gesprochen wurde, in denen man ein geringeres Volkswachstum für wünschenswert erklärte und auf Mittel und Wege sann, um Die Volkszunahme in ein langsameres Fahrwasser zu lenken. Hat man doch im Jahre 1848 bei uns einen Verein zur Förderung Der deutschen Auswanderung ins Leben gerufen, ber dann den für die damaligen Anschauungen über diese Frage bezeichnenden Ramen „Rationalverein" führte.
Als Dann so etwa von Der Mitte der neunziger Jahre ab im Zusammenhang mit der steigenden Entwicklung von Handel und Industrie der große Aufschwung des deutschen Wirtschaftslebens cinsehte, als Dann die Auswanderung auf ein recht geringes Maß zurückging, wir sogar zeitweilig einen Einwanderungsüberschuß zu verzeichnen hatten, da begannen jene pessimistischen Auffassungen stark zurückzu- treten, wenn sie auch keineswegs ganz aufhörten. Freilich begannen sich auch vom Ende der neunziger Jahre ab etwa in dem Volkswachstum Deutschlands, sowie demjenigen der meisten anderen Kulturstaaten Wandlungen zu zeigen, die zunächst schwach waren und ohne größere Dedeutung zu sein schienen, die aber doch immerhin Tendenzen in sich schlossen, die im Hinblick auf das weitere Voltswachstum zum Rachdenlen zwangen. Es handelte sich um den jetzt bereits, wenn auch nicht sehr start einsehenden Geburtenrückgang, Der Dann weiter anhielt und vornehmlich in Der Rachkriegszeit besonders starke Formen annahm. Dieser Geburtenrückgang war für das Wachstum der Be- völkerung zunächst ohne größere zahlenmäßige Bedeutung: denn die Sterblichkeit sank, dank Der großen Fortschritte von Hygiene und Wohlstand in dieser Zeit, noch rascher als die Geburtenziffer, so daß das Volkswachstum damals dauernd an Stärke zunahm.
Den Ursachen Dieses Geburten zunächst der Gedanke nahe, an der Eheschließungen zu
jämmerlichster Entbehrung neben polizeilich verbotenen. frenetisch verschwenderischen Unterhaltungen bei herabgelassenen Gardinen, die Spannungen innerhalb derselben Familie zwischen krassen Verdienern, teeren Snobs, überzeugten Kommunisten, das ganze Aus und Ab. Kreuz und Quer. Hinauf und Hinunter, Die vollkommene Durchmischung unD Durchschichtung in Der riesigen Maschine Inflation, Die gleichzeitig Geld zerbröselt und Seelen zerquetscht. Mit einer bewundernswerten Menschen- und Spifodenfülle belegt Robert Reumann zahlenmäßig genau und exakt alle Formen dieser Geistverwirrung um) Wertverwirrung innerhalb der verschiedensten Gesellschaftsschichten. aber schon selbst ergriffen von jener Besessenheit des Mehr und immer noch Mehr, schaufelt er in diesen Hexenkessel noch alles Phantastische des letzten Jahrzehnts hinein, alles, was sich an Frechem und Absurdem, an Pathetischem und Perversem im geschüttelten Ge« fäß der Zeit herausdestillierte. Die ganzem „Fälle" Der Rachkriegszeit, Der Fall Haarmann, Die Episode Bekessy. die feisten Figuren unserer Pseudo-Sünnes. Der fünfzehnte Juli, alles Das wird in diese schon überfüllte Sphäre noch gewaltsam hineingedrückt, nur um sie noch irr- witziger, tollwütiger erscheinen zu lassen. Manchmal werden durch solche Ueberfülle Gestalten in ihren Dimensionen verzerrt, das Dämonische der Figuren noch überdämonisiert: der große Schieber Abel wird zu einem Fedor Karamasow, und sein Sohn Aljoscha, hier Ruben genannt, noch dazu Homosexueller, Hellseher und Kokainist. Ach, was pelzt er alles hinein: Häuser gehen in Flammen auf, Menschen werden gemordet, Verschwörungen geplant, schon spürt man manchmal Durch Die überhitzten Hitzigkeiten Den angebrannt öligen Geruch von Kolportage, und noch immer schaufelt Der Unermüdliche neuen Ekrasit und Dynamit in sein Geschütz. Freilich, er kann sich rechtfertigen, Daß gerade Die großen epischen Meister wie Balzac und Dostojewsski nur durch Outrierung, durch UeberDimenfionierung erst rechten Raum für ihre Riesengestalten fanden, aber von Dostojewski stammt auch das weise Künstlerwort: „Es gibt nichts Phantastischeres als die Wirklichkeit."' Wo der Dichter Erlebnis groß zu sehen berufen ist, bedarf es keiner gewaltsamen Steigerung mehr und das Zuviel an Wahrhaftigkeit mindert Die reine und endgültige Wahrheit.
Und dabei ist gerade die Darstellung des Wirklichen, die Abschilderung des Geschäftlich-Sachlichen Die Genialität Dieses Romans. Rie, auch
1000
verheiratete Frauen eheliche Geburten
307,1
302,6
286,1
227,0
202,3
198,2
187,2
166,2
150,2
146,0
146,3
136,7
129,1
Zweit- und Viert- und Drittgeburten Spätcrgeburtcn
Oer Geburtenrückgang und das deutsche Bevölkerungsproblem
Von Dr. Paul Mombert, o. ö. Professor der Siaatswissenschasten an der Universität Gießen.
166,8
162,5
157,8
128,0
116,5
100,3
97,8
89,0
81,4
79,0
78,2
75,4
70,4
Rückgang Der Sterblichkeit auch ist, so wird er in Öen letzten Jahren in seinen Wirkungen für das Volkswachstum durch den Rückgang der Geburten mehr als aufgehoben. Man mißt den Umfang der Geburtenhäufigkeit am besten an der sog. Fruchtbarkeitsziffer, der allgemeinen, indem man alle Geburten mit allen im gebärfähigen Alter stehenden Frauen oder der 'ehelichen, indem man alle ehelichen Geburten mit der Zahl der im gebärfähigen Alter stehenden Ehefrauen vergleicht. Diese Methode wird von der folgenden Tabelle eingeschlagen. Man ersieht aus ihr deutlich, daß besonders die eheliche Fruchtbarkeit einen ganz besonders starken Rückgang aufweist, eine Entwicklung, die Deutschland mit den
') Von 1924 ab für das neue Reichsgebiet.
rückgaiiaes, so liegt einen Rückgang. , . .
Denken. Aber weder der Anteil der Verheirateten
1901
1903
1905
1927
97
121
88
77
79
68 kann dieser
4,7
des Geburtenrückganges liegen viel anderein Gebiete. Sie liegen in Der
zeigt die folgende Tabelle. Es betrugen im Deutschen Reiche im Jahresdurchschnitt der nebenstehenden Perioden
gleichmäßig in allen aber besonders stark dem — wie wir aus der folgenden Tabelle ersehen — Die Sterblichkeit im allgemeinen heute nur noch etwa ein Drittel derjenigen wie in den ersten Jahren nach Es starben von 1000
Von zahlreichen Gesichtspunkten aus
Rückgang der Sterblichkeit nicht hoch -genug gewertet werden. Das gilt vor allem auch in wirt fchaftlicher Hinsicht, weil nun weit mehr Menschen ins arbeitsfähige Alter hineinwachsen und weit mehr Arbeitsfähige dem Leben erhalten bleiben. Von dem Umfang dieser Fortschritte geben die deutschen Sterbetafeln ein Bild, von denen die folgende Aufstellung einen Auszug für einige ausgewählte Altersklassen bietet. Es betrug für das männliche Geschlecht die mittlere Lebensdauer in den neben-
feiHtjjtibenn.
?e' tylt HC: ""»w Eilen cru.Duü, ineiabuiqeb 1 DÖTlagi., !8ect_oy ^auchies " AM U«W Men bttu »citaukn.
Mussolinis großer Tag.
Eröffnung des faszistifchen Parlaments. — König und Duce
Von unserem römischen ^-Korrespondenten.
der 'Abnahme des Willens zum Kinde, in dem Streben, die Familie nicht über ein gewisses Maß hinaus anwachsen zu lassen. Zum Teil hängt der besonders starke Rückgang in den Nachkriegsjahren unstreitig auch mit der Not läge vieler Kreise der Bevölkerung zusammen, hauptsächlich auch mit der Wohnungsnot in Den Großstädten. Aber doch nur zum Teil. Sonst könnte man sich nämlich nicht die Tatsache erklären, daß und warum der Geburtenrückgang zuerst und in stärkstem Maße gerade in den wohlhabenden Schichten der Bevölkerung aufgetreten ist. Es handelt sich vielmehr um Zusammenhänge, die ßch aus Der einfachen Notlage allein heraus nicht erklären lassen, es handelt sich um die Wirkung einer ganz anderen geistigen und psychologischen Einstellung als sie frühere Zeiten gekannt haben.
Diese neue Gesinnung ist nicht leicht in wenigen 'Worten darzustellen. Auf der einen Seite ist es der moderne Zug, der immer weitere Kreise der Bevölkerung erfaßt, der auf eine bessere und behaglichere Lebensweise hindrängt, die sich leichter bei wenigen als bei zahlreichen Kindern erreichen läßt. Auf der anderen Seite handelt es sich jedoch auch, wie das Brentano einmal ausaedrückt hat, um eine Art von verfeinerter Kindesliebe, ein gewisses hoch gesteigertes Verantwortungsgefühl gegenüber den Nachkommen, wobei in erster Linie Das Streben, das immer weitere Kreise der Bevölkerung ersaßt, eine Rolle spielt, seinen Kindern eine möglichst gute Erziehung und Ausbildung zu geben und sie im Leben dann über Die eigene soziale Stellung der Eltern hinaus zu heben. Es ist der Zug nach oben auf der sozialen (Stufenleiter, der in diesem i Streben nach einer Kleinhaltung der Familie zum Ausdruck kommt, und der gerade in den letzten Jahren immer steigende Macht erlangt. Bei dem Geburtenrückgang handelt es sich demnach — wenn auch daneben manche anderen Momente eine Rolle spielen — in allererster Linie um ökonomisch-ratio-
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Fruchtbarkeit in Den Großstädten und unter ihnen in Berlin. Wir sind auch in Deutschland auf dem Wege zu einer Kleinhaltung der Familie, ein Weg, den in Europa zuerst Frankreich eingeschlagen hat. Die Ehen mit einer größeren Anzahl von Kin dem sind bei uns in starkem Rückgang begriffen. Im Freistaat Sachsen waren von 1000 Geburten
Roman der Inflation.
Robert Neumann: „Sintflut".
Von Stefan Zweig.
Die Phantastischen Tage Der Inflation, Da Geld wie Gummi sich Dehnte, Werte wegschmolzen wie Eisstucke auf Der Herdplatte, Da Unten und Oben, Armut und Reichtum innerhalb weniger Stunden sturzhaft ineinander übergingen — Diese irrwihi- gen Tage sinD den meisten heute nur mehr gc- spensterhaft gewärtig, ein Alptraum, ein tolles Feuer- und Schattenspiel. Aber anderserts sind sie noch zeitlich zu nahe, Diese Tage, zu gestrig, zu vorgestrig, als daß die Historiker sie schon wissenschaftlich bewältigt hätten. Roch fehlt, hier in Oesterreich und überall, Das richtige Museum Des Krieges und Der Rachkriegszeit mit den Photographien Der verfallenden Hauser, der aus- gelcerten Auslagen. Der auggeDorrten Menschen, noch fehlt Die klinische wissenschaftlicye Analy^ jener Tollwutzeit. Bereits wird es mühsam, sich an jeDe einzelne Schwankung nnD Schwellung zu erinnern, unD doch ist es anderseits zu früh m Geschichtswerken wie eine fremde Epoche unsere vorgestrige zurückzulernen; Darum bedeutet diese Zwischenzeit ideale Bildnerepoche für Den Künstler. Er kann, ehe Die Vergangenheit ganz zum Dokument wird, also papierkalte Anschauung, noch aus eigener Erinnerung Die Epoche zeichnen, einzelne Fälle zum Typischen erheben, zufällige Wirklichkeit zum gültigen Werk. UnD >"an steht. geraDe jetzt beginnt in Der Deutschen Epik der Krieg erst zu sprechen, zehn 3ahre nachdem Die letzten Kanonen gebellt, Die letzten Mörser Mord in Die Welt geschmissen haben. unD letzt auch erst scheint die Zeit gekommen, seine letzte Zvige- trankheit, die Inflation, künstlerisch aufs Korn zu nehmen. Gestreift im Vorübergehen oder mit Der Blendlaterne angelichtet hat btefen Morbus viennensis schon mancher: unser v?r.narbener Freund Paul Zifferer hat in seiner „Kaiserstadt einen solchen Querschnitt durch die Übergangszeit mit Der khm besonDers eigenen Sorgfalt und Sauberkeit vorgezeichnet. Raoul Auernheimer in einem Roman einzelne Dieser Umschaltungen mit Figuren ironisch umritten, Felix Braun in seiner „Agnes Altkirchner" manche Krise lyrisch untermalt aber keiner von ihnen hat so zentral des Problem an Der Wurzel gefaßt, beim Geld, in Der tollwütigen Gier nach Dem sich blähenden unD schwinDenDen, Dem plötzlich vom Himmel fallenDen unD über Rächt in nichts zerfliehenDen
Das hat sich nun nach Dem Kriege wesentlich geändert. Zwar ist auch in Diesen Jahren noch Die Sterblichkeit bei uns in erfreulichem Ausmaße gesunken unD manche llcberlegungen sprechen Dafür, Daß sie auch noch weiter zurückgehen lüirD. Die Geburtenhäufigkeit jeDoch ist in Den letzten Jahren in weit stärkerem Ausmaße zurückgegangen, so Daß wir . heute viel geringere Geburtenüberschüsse haben, als in früheren Jahren. Ein Bild Dieser Entwicklung I
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Der Be-
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oölkerg.
27,74
578154
13,12
25,80
583172
12,10
22,43
800430
14,73
18,49
887127
14,12
16,81
804544
12,16
12,90
511745
8,29
12,60
547808
8,80
12,30
493541
7,90
12,60
402949
6,40
r Sterb.ichkeit ist Dabei
ziemlich
Altersjahre
1871—72 bis 1880—81
1901—10
1924—26
0
35,58
44,82
55,96
5
40,39
55,15
60,09
10
46,51
51,16
55,63
20
38,45
42,56
46,70
30
31,41
34,55
38,56
40
24,46
26,64
30,05
50
17,98
19,43
21,89
60
12,11
13,14
14,60
70
7,34
7,99
8,74
80
4,10
4,38
4,77
90
2,34
2,35
2,68
Aber so erfreulich' und so
bedeutsam
Dieser starke


