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Vertreterversammlung de« Hessischen Landes-Lehrervereins.

* Gießen, 27. März 1929.

Sie diesjährige Vertreterversammlung öe-j hessischen L a n d e s - L e h r e r o e r e i n s wurde gestern vormittag um 10.15 Uhr von dem zweiten Vorsitzenden, Lehrer Kaufmann (Gie­ßen), der an Stelle des erkrankten Obmanns Reiber (Darmstadt) die Verhandlungen leitete, eröffnet. Sie fand, wie der Begrühungsabend, eben­falls im Cafs Leib statt und war überaus gut be­sucht. Zwischen 500 und 600 Lehrer und Lehre­rinnen waren erschienen und füllten den Saal und die Galerien.

Lehrer Kaufmann begrüßte die Vertreter des Kultusministeriums, die Ministerialräte Jung und Diehl, Oberschulrat Friedrich, die Vertreter der Gießener Schulbehörden, die Stadtschulräte Prof. Dr. Alles und Fischer, sowie den Abge­ordneten des Deutschen Lehrervereins, Rektor L ü p k e (Berlin). An denObmpnn Reiber wurde ein Begrüßungstelegramm gesandt. In ehrenden Worten gedachte der Vorsitzende der Mitalieder, die seit der letzten Versammlung in Darmstadt durch den Tod abaerufen worden waren. Die Anwesenden hatten sich iynen zu Ehren von den Sitzen erhoben.

Für den Gießener Lehreroerein verlas Lehrer .Hofmann die Begrüßungsansprache des ersten Vorsitzenden, des Rektors Kneipp, der durch Krankheit verhindert war, an der Versammlung teilzunehmen. Es wurde darin der Willkommens­gruß der Gießener Lehrerschaft ausgedrückt, sowie darauf hingewiesen, welche Wandlungen sich in un­serer engeren Heimat und im großen deutschen Vaterland in der Zeit, die nach der letzten Lehrer- Versammlung in Gießen (vor dreißig Jahren) oer- flössen ist, vollzogen haben. Die Lehrer haben nun die hohe Aufgabe, mitzuhelfen, daß unser Volk aus dem zermürbenden Pessimismus herausgeführt wird, und daß es wieder glaube an feine Zukunft. Ehrenobmann Stadtschulrat Bach (Darmstadt) übernahm nun die Leitung, und der zweite Vor­sitzende erstattete den Tätigkeitsbericht des Vereins. Daran schloß sich eine sehr rege, mehr- stündige Aussprache, deren Niederschlag wir in fol- genden Entschließungen, die fast alle ein­stimmig angenommen wurden, finden:

Zur Konkordaisfrage.

Der Hess. Landes-Lehrerverein verfolgt mit Auf­merksamkeit die Vorgänge in Preußen, die anschei­nend den Abschluß eines Konkordats bezwecken. Die Vertreterversammlung des Hess. Landes-Lehrer- oereins ist einstimmig der Auffassung, daß jedes Konkordat, das irgendwelche Schulbestimmungen enthält oder das die Schule auch nur andeutungs- weise erwähnt, entschieden zu bekämpfen ist.

Gewisse Anzeichen deuten darauf hin, daß auf einem Umwege über neue Privatschulen eine weiter­gehende Konsessionalisierung des hessischen Schul­wesens beabsichtigt ist. Bereits hat sich weiter Kreise eine tiefgehende Erregung bemächtigt, und die uns zur Kenntnis gekommenen Tatsachen erfüllen auch den Hess. Landes-Lehrerverein mit ernster Sorge um den Bestand der hessischen Simultanschule. Wir rufen die zuständigen Stellen: Ministerium für Kultus und Bildungswesen, Gesomtministerium und Landtag auf, ihre Aufmerksamkeit der Entwicklung dieser Dinge zuzuwenden und rechtzeitig Maßnah­men zu ergreifen, die den B e st a n d d e r b e währten hessischen Simultanschule sichern."

Dankbar wurden die Anstrengungen begrüßt, tocldje die Dereinsleitung unternommen hat, um mit allen Kräften den Reich sschulgeseh- entwurf zu Fall zu bringen.

Die Liebe -erBrigiita Hollermann Vornan von Elisabeth Ney.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale). 17 Fortsetzung Nachdruck verboten.

3fa Eggenbrecht machte an diesem Nachmittag, trotz des Verbots ihres Mannes, mit Mister Tarn eine Autotour, und zwar galt es. eine 'Wette gegen einen Freund, Mister Turner, ebenfalls einen Engländer, auszutragen, der sich einen neuen Rennwagen zugelegt hatte. Tarn behauptete, daß sein Renner nicht zu Überholen wäre.

Doktor Eggenbrecht hatte an diesem Nachmittag oberhalb des Vangtse auf einer deutschen An­siedlung zu tun. Er war dort mit Mister Amery zufällig zusammengetrosfen, und war so länger, als er eigentlich wollte, geblieben, zumal ihn Amery die zwei Stunden Entfernung von Schang-- hai mit dem Auto heimfahren wollte.

Man saß also auf der schattigen Terrasse von Peter Glücks Villa so hieß der Deutsche, dessen Besuch Eggenbrecht gegolten hatte unjb schlürfte behaglich bei einer Zigarette köstlichen Tee.

Man hatte von hier aus eine prächtige Aus« licht über den LZangtse hinab. Die breite, in der Sonnenglut weihglühende Chaussee war menschenleer.

Peter Glück, dem Gggenbrecht einen gebckrche- neu Arm geschient hatte, erklärte gerade seinen Gästen, daß der soeben servierte Tee eine. Spe­zialmischung seiner Erzeugnisse sei, der auL sechs verschiedenen Sorten bestehe und nur denjFreun- den des Hauses kredenzt würde, als Mister Amery plötzlich seine Lasse mit lautem Klirren auf den zierlichen Tisch zurückstellte und sichtlich angestrengt nach der Chaussee hinübersah.

Was gibt es, Mister Amery?" fragte Dok­tor Eggenbrecht, der Richtung seiner Vlicke fol­gend.Donnerwetter, der Fahrer muh irrsinnig sein!" rief er dann erschrocken aus.

Auf der Chaussee raste in halsbrecherischem Tempo ein Auto daher, und ganz in der Ferne nahte ein zweites in gleichrasender Geschwin­digkeit.

Good day, es ist der Satanskerl, der Tarn", stieß Mister Amery grimmig hervor.Es ist sein Wagen, ich erkenne ihn an der hellrötlichen Farbe."

Eggenbrecht biß sich ärgerlich auf die Lippen.

Glück war ins Haus geeilt, und kam wenige Sekunden später mit einem Ferngas zurück, das ihm Amery hastig aus der Hand nahm.

Lhunderstorm", entfuhr es ihm, kaum nach­dem er hindurchgeblickt hotte. »Laru ist nicht

Zur Lehrerbildung.

Die Dertreterversammlung des Hessischen San- des-Lehrervereins bedauert, daß die Ausführung des Art. 143 der Reichsverfassung, der eine Reichsregelung der Lehrerbildung vorsieht, noch nicht in Angriff genommen ist. Siv ver­folgt mit Vesorgnis die Entwicklung der hessi­schen Lehrerbildung und wendet sich entvthieden gegen die Abseitsoildung der Lehrerschaft, also gegen alle Vestrebungen, die hessische Lehrer­bildung von den hessischen Hochschulen loszu­lösen, und nach preußischem Muster an besondere Akademien zu verlegen: ebenso legt sie Verwah­rung ein gegen alle Maßnahmen, dia geeignet sind, eine Konfessionalisierung der Lehrerbildung zu fördern. Sie fordert im Gegenteil die völlige Eingliederung der Pädagogischen Institute in die hessischen Hochschulen, die Verlängerung des Stu­diums auf sechs Semester und damck die Frei­zügigkeit der Studierenden an die Hochschulen der Staaten, die ihre Lehrerbildung, nach sächsi­schem Vorbild geregelt haben. Das Promotions­recht ist wie in anderen Ländern den Studieren­den zuzubllligen. Vor allem erachtet die Ver- treterverfammiung die Errichtung eines Päda­gogischen Institutes an der Univer­sität Gießen für dringend erforderlich.

Die Vertreterversammlung erwartet, daß baß Kultusministerium Schritte unternimmt, um die Lehrerbildung nach diesen Grundsätzen auszu­bauen und durch Gesetz festMlegen."

Zur KlaffenstSrke.

Der Hess. Landes-Lehrerverein hat durch ein­gehende Erhebungen festgestellt, daß in einer großen Zahl von Schulen die durch das Gesetz festgelegte Höch st zahl von Schülern zum Teil ganz erheblich überschritten wird. Cs ist vom gesundheitlichen Standpunkt au« un­verantwortlich, in einer Klasse 60, 70 ja 80 und mehr Kinder zu vereinigen, sogar in nicht ein­wandfreien Sälen. In derart überfüllten Klassen ist jeder Erfolg in Frage gestellt. Die Erziehungs­arbeit und die Durchführung pädagogisch fort­schrittlicher Gedanken sind unmöglich. Wir for­dern deshalb im Interesse der Kinder eine Beseitigung dieser Umstände durch Teilung der ü6et;üliten Klassen und die Herabsetzung der Klassenstärken."

Aus den Mitteilungen geht hervor, daß es in Hessen noch 169 Dolk^schulklafsen gibt mit über 60 Schülern, darunter Klassen mit über 80 Schülern, obwohl im Gesetz die Höchstzahl der Schüler für eine Klosse mit 50 bzw. 60 fest­gelegt ist.

Zum nebena-milichen Unterricht.

Die Vertreterversammlung des Hess. Landes- Lehrervereins gibt ihrem lebhaften Erstaunen Ausdruck, daß es trotz d:r fortgesetzten Brmühun- gen des G. A.» des Min. für Kultus und Dil- dungswesen und trotz der einstimmig gefaßten Beschlüsse des Finanzausschusses und des Ple­nums des Hessischen Landtags bis auf den heutigen Tag nicht gelungen ist, eine Erhöhung der Vergütung für den nebenamtlichen Unterricht beim Finanzministerium zu erreichen. Nachdem durch die 'Besoldungsneuregelung die Bezüge der hauptamtlichen Fortbildungsschullehrer her­aufgesetzt tooroen sind, ist es vollkommen unver­ständlich, daß nicht gleichzeitig auch eine Herauf­setzung der Vergütungsfähe für den nebenamt­lichen Unterricht erfolgt. Die Dertreterverfamm- lung beauftragt den G. A., auch weiterhin alle« zu tun, um den jetzigen unhaltbaren Zustand zu beseitigen." ,

allein, der Wahnsinnige hat eine Dame bei sich, bei diesem Tempo. Cs ist einfach toll."

Eine Dame?" fragte Mister Glück aufhorchenb. Nicht möglich!"

Doch, jetzt sehe ich sie schon deutlicher, ihr grüner, langer Schleier flattert im Winde."

Grü ner Schleier!" Eggenbrecht hatte die Worte entsetzt ausgestoßen, und im nächsten Moment Amery das Glas entrissen.

»

Gleich darauf lieh er es wieder sinken. Sein Gesicht war aschfahl, und man sah, daß er nur mühsam eine gewaltige Erregung niederkämpfte.

Für einen Augenblick ruhte sein Blick fest in dem Amerhs. Dieser hatte im Nu die Situation etfaßt, und wechselte ebenfalls die Farbe.

Wissen Sie vielleicht jetzt, wer diese leicht­sinnige Frau ist?" fragte Peter Glück arglos, ebenfalls mit ängstlicher Spannung die Todeö- fahrt verfolgend.

Keiner von beiden antwortete ihm; ihre Blicke bohrten sich indes förmlich auf der sich in großen Windungen hinschlängelnden Cyaussee fest.

Da ein Schrei aus drei Männerkehlen zu­gleich!

Ein furchtbares Unglück war geschehen.

Der zweite Rennwagen war in ungeheurer Schnelligkeit herangebraust. Beim Versuch, den ersten zu überholen, hatte der Führer offenbar die Herrschaft über das Steuer verloren.

3m nächsten Augenblick bildeten die beiden Autos einen wirren Knäuel.

Wie eine plötzliche Lähmung lag eS auf den drei Beobachtern: dann aber übersprang Dok­tor Eggenbrecht al« erster mit einem Sah die Holzwand der Veranda und raste in wilden Sätzen der Unglucksstätte zu.

Die Dame im Auto ist Eggenbrecht« Gattin! Benachrichtigen Sie die Leute, Mister Glück. Man soll auf« schnellste zu Hilfe kommen. Ver­fügen Sie über mein Auto!" rief Amery dem Gastgeber zu, und rannte ebenfalls davon.

Die Autos lagen zerstört und umgeftürzt, völlig ineinander geschoben, quer auf der Chaussee.

Tarn lag völlig leblos abseits. Don dem an­deren Fahrer war nichts zu sehen.

Eggenbrecht kniete am Straßenrand, seine Frau im Arm, die, wie durch ein Wunder, mit dem Leben davongekommen war.

Bleich, aber völlig bei Besinnung, sah sie mit tränenschimmernden Augen zu ihrem Mann auf.

Gott sei Dank." murmelte Mister Amery, Ihrer Frau gebt gut.

Eggenbrecht nickte.

Ich holte sie noch au« dem Sih, sie war völlig ebxgelcUt; wie ein Wall hatte sich baß Schutzblech vor ihr aufgerichtet. Einige Haut­abschürfungen, weiter nichts."

Isa Eggenbrecht stand langsam auf.

Zur Besoldung.

Die Besoldungsneuregelung bedeutet für die Lehrerschaft wiederum eine große Enttäuschung: Ihre Forderung: 80 Prozent der Gehälter der Studienräte ist bei weitem nicht erfüllt, ja sie sind nicht einmal den mittleren Beamten gleich­gestellt. Die Verzahnung und die durchlaufende Skala sind nicht erreicht worden. Die viel be­kämpfte Schlüsselung ist in anderer Form geblie­ben. Die Spannung zwischen dem Endgehalt der Volksschullehrer und dem Endgehalt einzelner Sondergruppen ist leider vergrößert worden. Die einheitlich vorgebildete Lehrerschaft ist in Grup­pen auseinandergerissen. Wit Bedauern stellt die Lehrerschaft fest, daß die Volksschule und die Arbeit in ihr auch im Dolksstaat eine finanzielle Winderbewertung erfährt. Die Dertreterversamm­lung de« Hess. Landes-Lehrerverein« beauftragt den G. 2L, bei der in Aussicht stehenden Besol- dungsnovelle die Forderungen der Lehrerschaft mit allem Nachdruck zu vertreten und eine Besse­rung der be ehenden Verhältnisse tzerbeizrfü e i."

Zur kollegialen Schulleitung.

Der Dorstand des Hess. Landes-Lehrervereins fordert die Bezirksvereine auf, das Dereinsthema für 1929, die kollegiale Schulleitung, eingehend zu erörtern. Wir erwarten von unseren Mitgliedern an den größeren Schulgruppen, daß sie für rest­lose Durchführung der in den Paragraphen 4 und 5 der Dienstanweisung für den Lehrerrat und Beirat angeführten Aufgaben Sorge tragen."

Nach einer Pause wurden die Verhandlungen fortgesetzt. Zunächst wurde der Voranschlag des Vereins, der mit 87 880 Mark in Ein­nahme und Ausgabe abschließt, einstimmig ange­nommen. Für das Jahr 1928 wurde dem Haupt- rechner, Rektor W i r t h w e i n (Offenbach a. M.), Entlastung erteilt. Beim Kapitel Anträge be- richtete der Vorsitzende zunächst über die vorjährigen Beschlüsse und führte kurz aus, welche Schritte vom Hauptoorstand in dieser Hinsicht unternommen wor­den waren. Von den diesjährigen Anträgen wurde ein Teil erledigt, ein Teil, der sich auf die Satzungs­änderungen bezieht, zurückgestellt. Im Herbst d. I. wird eine außerordentliche Vertreterversammlung stattfinden, in der die neuen Satzungen be­raten werden sollen. Don den angenommenen

Anträgen,

die allgemeines Interesse haben dürften, feien fol­gende genannt:

1. Die Vertreterversammlung wolle beschließen, der Vorstand des Hess. Landes-Lehrervereins möge beim Ministerium für Kultus und Bildungswesen vorstellig werden wegen wahlfreier Einfüh­rung eines monatlichen Wandertages in der Volksschule. (Antrag Gießen.)

2. Aus Hessen beurlaubte Auslandlehrer gehören ihrem letzten Bezirksvereine an. Sie sind für die Dauer ihrer Abwesenheit beitragsfrei und erhallen den Schulboten. (Antrag Offenbach.)

3. Auf Grund eines Dringlichkeitsantrags des Bezirksvereins Langen schlägt der Hauptvorftand vor, darauf zu bringen, daß in Hessen bald eine einheitliche Schriftform in allen Schulen eingeführt wird, und zwar wird die Sütterlin- schriet empfohlen.

Oie Wahlen.

Zum Schluß fanden die Wahlen zum ge- schäftsführenden Ausschuß statt. Die seitherigen Mitglieder wurden wiedergewählt: Rek­tor Reiber (Darmstadt), Obmann; Lehrer Kaufmann (Gießen), Obmannstellvertreter: Kreisschulrat Storck (Darmstadt), erster Schrift­führer: Berufsschullehrer Dr. Dolk (Mainz), zweiter Schriftführer; Lehrerin Gantz (Worms). Dertreterin der Lehrerinnen; Lehrer Lutz (Lützel- Wiebelsbach i. O.), Dertreter der Landlehrer;

Es tut mir absolut nichts weh", stammelte sie verlegen.Aengstige dich nicht, HanS-Iörg."

Ihr Mann wandte sich jetzt mit xusammengezo- genen Brauen ab und ging auf den leblosen Tarn zu.

Tot, daS Genick gebrochen", murmelte er ach­selzuckend nach kurzer Untersuchung.

Währenddessen waren Leute herbeigeeitt, die nach langen Bemühungen den zweiten Fahrer un­ter den Wagentrümmern hervorzogen.

Er war bis zur Änkenntlichkeit verstümmelt; natürlich tot.

Wer ist eS?" fragte Eggenbrecht mit beben­der Stimme seine Frau, die jetzt heftig weinte.

Ein Amerikaner, Mister Turner; wir machten eine Wettfahrt. Mein Gott, wer hätte gedacht" Schweig'!" unterbrach Eggenbrecht sie kalt. Mister Amery wird die Güte haben, dich sofort nach Hause zu fahren. Ich habe hier noch zu tun."

Schweigend folgte Isa Eggenbrecht Mister Amery nach seinem Auto, bas sich kurze Zeit darauf in Bewegung setzte.

Isa sprach nicht. Sie lehnte bleich, mit ge­schlossenen Augen, in den Polstern, und Mister Amery unterbrach mit keinem Wort die drückende Stille.

Erst jetzt auf der Heimfahrt kam Isa Eggen­brecht das Wunder ihrer Rettung so recht zum Bewußtsein.

DaS Kind!" durchzuckte eS sie.Wie, wenn der furchtbare Anprall ?"

Aber sie fühlte sich wohl, ein wenig matt, jedoch ohne Schmerzen.

Der arme Tarn", murmelte sie unwillkürlich.

Ich wußte, daß er früher oder später den Hals brechen würde", entgegnete Wister Amery finster.

Er empfand in dieser Stunde entsetzliches Mit­leid mit feinem Freund Eggenbrecht, denn in dieser Frau hier an seiner Seite, deren Besitz ihm ein besonderes Glück bedeutet hatte, steckte wohl ein ebensolcher Satan wie in Tarn.

Welch ein Skandal in der Kolonie!

Die Sache war unmöglich zu vertuschen. Noch heute würde sich überall die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreiten.

Armer Eggenbrecht! Da« war bart!

Es würde einer der größten Skandale, die feit den letzten Jahren über die Guropäersiedlung hereingebrochen waren.

Empörung, Entrüstung und schadenfrohe Sen­sationsgier würden wochenlang die Klatschsucht der Salons beleben. Einfach entsetzlich!

Was war dagegen zu tun? Nicht«.

Eggenbrecht würden bedauernde Blicke folgen, und feine Frau traf erbarmungslos die ableh­nende Verachtung, der Boykott her Gesellschaft.

Mister Amery übergab die junge Frau der englischen Zofe; dann sprach er für einige Augen-

Lehrer Melchior (Darmstadt), Vertreter bet

Junglehrer.

Der Ausklang der Tagung.

Hieraus konnte der Dorsitzende, Lehrer Kauf­mann, die Dersammlung mit Dankesworten an die Teilnehmer schließen. Sr stellte fest, daß im Gegensatz zu der IubiläumSversammlung in Darmstadt die Gießener Tagung eine reine Ar­beitstagung gewesen sei: besonders betonte er aber, daß Dorträge und Aussprache sich auf einer bemerkenswerten, guten Höhe gehalten hät­ten. Er hofft, daß die angenommenen Entschlie­ßungen und Anträge zum besten der Schule und bamtt auch zum Wohle des Volkes dienen mögen.

Die nächste Vertreterversammlung, mit der eine Hauptversammlung verbunden ist, findet im Früh­jahr 1930 in Mainz statt.

Oberheffen.

Landkreis Gicszen.

£. Klein-Linden, 26. März. Die hiesige Baugenossenschaft kann in diesem Jahre auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Ihre Grün­dung erfolgte in einer Zeit, in der hier eine unbe­schrechlich große Wohnungsnot herrschte. Die Grün­dung stieß seinerzeit auf außerordentlich große Schwierigkeiten, es gelang erst nach mehrmaligen Zusammenkünften die zur Gründung einer Genossen- schäft erforderlichen Mitglieder zu gewinnen. Nach der Gründung gelang es ebenfalls erst nach harter Arbeit, die zur Erbauung der geplanten drei Doppel- Wohnhäuser erforderlichen Kredite und Zuschüsse sicherzustellen. Verhandlungen mit dem Ministerium für Arbeit und Wirtschaft in Darmstadt und der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. der größte Teil der Mitglieder waren Reichsbahnbedienstete waren recht langwierig. Endlich gelang es dann doch, die im Wohnungsbauprogramm vorgesehenen Woh­nungen erstehen zu lassen. In diesen tonnten zwölf wohnungsuchende Mitglieder Aufnahme finden. Lei­der war es damals ab$r nicht möglich, den Woh- nungsinhabern für Trinkwasser zu sorgen, da sich in mehreren gearabenen Brunnen Trinkwasser nicht einstellte. Im Laufe der folgenden Jahre wur­den dann weitere vier Dopvelwohnhäuser mit je vier und ein Haus mit zwei Wohnungen errichtet, die nach Fertigstellung an neun Mitglieder in Eigentum übergehen konnten. Im vergangenen Jahre erstanden wiederum zwei Wohnhäuser mit je zwei Wohnungen, die zunächst im Eigentum der Genossenschaft bleiben sollen. In diesem Jahre ist die Erbauung eines Wohnhauses mit zwei Wohnungen vorgesehen, das später an ein Mitglied in Eigentum übergehen wird. Mit der Ausarbeitung des Wohnungsbauprogramms für 1930 soll, wie man hört, in nächster Zeit be­gonnen werden.

aL 2111 en botf (Laßn), 26. März. Die durch den starken Frost verursachten Schäden an der Wasserleitung sind soweit wieder ausgebessert. Das ganze Dorf hat schon seit über 8 Tagen wieder Wasser, und die Klagen sind nun verstummt. Man hatte den Schaden viel grö­ßer geschätzt, als er in Wirklichkeit war. Trotz­dem fino der Gemeinde große Kosten erwachsen, da das Gelände bi« 1,20 Meter und mitunter noch tiefer gefroren war und auch auf dem Dorse die Arbeitsgeräte nicht so vorhanden sind, wie in der Stadt. Die Brüche waren hauptsächlich nur an den Hydranten, die der Frost von den Leitungsrohren abgesprengt hatte: Hauptro re waren nicht beschädigt. 63 waren im ganzen sie­ben Hydranten und eine Zuleitung in ein Hau 3, ein Mannesmannrohr, beschädigt. ilnfere bei­den Störche sind vor einigen Tagen wieder hier angekommen und erfreuen nun jung und alt Im vorigen Jahre kamen sie am Früh­lingsanfang.

Allendorf (Lahn), 26.Ulan. Am Sonntag fand in der hiesigen Schule die Ausste11ung der Handarbeiten der Volks- und Fortbildungs­schule unter Leitung der technischen Lehrerin, Frl.

blicke bei Frau von Salden vor, um sie zu bitten, nach Isa zu sehen.

Frau von Salden geriet bei der furchtbaren Nachricht in hellste Bestürzung, eilte dann schnell ins Hau«, und begab sich gleich darauf zu Isa Eggenbrecht.

Isa hatte sich aber in ihrem Boudoir einge­schlossen und empfing niemanden, auch sie nicht.

Verletzt zog sich Ni von Salden daraufhin zurück.

Mister Amery war zuruckgesahren, und traf kurz vor der Stadt mit Eggenbrecht, der Mister Gluck« Wagen benufcte, zusammen.

Sr nahm den Freund in sein Auto.

Ihrer Frau geht eS gut. Sie kann Gott bun­ten. ES war ein Wunder, ein wirkliche« Wun­der!" fügte er, Eggenbrecht warm die Hand drückend.

Der junge Mann nickte nur stumm, und starrte verbittert vor sich hin.

Ich kann nicht mehr hier bleiben. Herrgott, Mister Amery, e« ist ein kompletter Skandal", murmelte er verstört.

Ein paar Tage, mein Bester, und die hoch- gehenden Wogen werden fich glätten. Einer schö­nen Frau verzeiht man gern mehr als anderen", versuchte ihn Amery zu trösten.

Eggenbrecht machte eine stumme, abwehrende Bewegung.

Fahren Sie nicht nach Hause, bad tut nicht gut; kommen Sie mit zu mir. Ellen wird sich freuen", bat Amery nach einer Weile.

Da Gggenbrecht nicht antwortete, nahm er es al« eine stille Zustimmung, und gab dem Chauf­feur Anweisungen.

AI« der "Sagen vor Amery- Villa hielt, über­gab ibm der herbeieilende Diener ein soeben ein- getroffenes Telegramm.

Amery führte Gggenbrecht in fein Arbeitszim­mer, und öffnete dort zuerst das Telegramm.

Sine Weile betrachtete er dann Gggenbrecht, der, völlig zusammengesunken, auf einem Klub­sessel sah.

Eggenbrecht", sagte er dann nachdenklich.Ich muh auf einige Monate nach Hongkong: begleiten Sie mich. Das Telegramm zeigt mir, daß ich in meiner Filiale da unten sehr nötig nach dem Rechten sehen muß. Die verflixten Auslöndcr- hetzen spitzen sich zu."

Der Arzt sah auf, antwortete jedoch nicht so­gleich

Schaffen Sie einen Vertreter, es geht fchon. Frau Isa nehmen Sie mit. Ober vielleicht ist es beffet. Sie fahren mit mir allein. Nach sol­cher Geschichte ist eine längere Trennung immer von heilender Wirkung. Frau von Salden wird Ihre Frau in dteser Zeit sicher gern als Gast ausnehmen, lieberlegen Sie eS sich nicht lange, schlagen Sie ein. liebennorgen fahren wir mit der ,SrÜania.u (Fortsetzung folgt)

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