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Nr. 211 Zweites Blatt ? Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Dienstag, 26. November 1929
GrelizuniversM Straßburg.
Von Df. Karl Drill.
Einen geistigen Umschlagplatz zwischen £>|t und West möchte Elsaß-Lothringen bilden, den Mittler zwischen zwei großen Nationen und Kulturen. Mit dem schillernden Begriff einer „Doppelkultur" arbeitete einst auch die französische Propaganda im Reichsland, die der unaufhaltsamen „Germanisie- rung" sich entyegenstemmte. Daß aber diese Sorge um die Ueberlreserungen und die Eigenart des El- sässertums nicht ehrlich gemeint war, zeigte sich nach dem Waffenstillstand 1918, als Frankreich unverzüglich daran ging, eine unumschränkte Herrschaft der französischen Sprache und Kultur aufzu- ri'chten, alles Deutsche aber unerbittlich zu verfolgen. Wenn Paris die verwegensten seiner Hoffnungen inzwischen auch zurückstellen mußte, wenn es sich gar auf dem Papier und in Bankettreden zu einer nie genau erläuterten Zweisprachigkeit bekennt und es weit von sich weist, daß es der „Dialekt" verfolge, so ist doch in der großen Linie der französischen Kulturpolitik in Elsaß-Lothringen auch nicht eine Stunde lang ein Schwanken zu verzeichnen gewesen.
Das gesamte Unterrichtswesen in den neuen Gebieten ist heute allen erzieherischen Grundsätzen und Erfahrungen zum Trotz nicht auf die Muttersprache, das Deutsche, sondern auf die sogenannte Nationalsprache, das Französische aufgebaut, alles mit dem Ziel, Land und Volk endlich auch sprachlich-kulturell so unverkennbar französisch zu machen, daß jeder Zweifel an der Gerechtigkeit und Vernunft der Versailler Lösung verschwindet. Den Oberbau dieses Systems bildet die mit reichen Geldmitteln arbeitende Straßburger Universität, die ein Jahr nach dem Einzug der Franzosen, am 22. November 1919, feierlich eröffnet worden ist und in diesen Tagen auf eine zehnjährige Arbeit zurückblicken kann.
Als Aristide B r i a n d in diesem Sommer die Führung des bisherigen Kabinetts Poincare übernahm, wandte sich ein elsässischer Politiker in einem offenen Brief in der Straßvurger autonomistischen „Freien Zeitung" an ihn, den „Europäer", um ihm die Wünsche des Landes oorzutragcn. Hier im Elsaß könne er an einem Musterbeispiel zeigen, wie er sich die Neugestaltung Europas denke. „Verwenden Sie den Milliardenanteil, der bei der Grenzbefestigung für das Elsaß vorgesehen ist, zur Er- Weiterung unserer Universität zu einem internationalen Verständigungsinstitut und zu einem Austausch französischer und deutscher Lehrpersonen und Schüler in Straßburg!" Dieser Wunsch, in Straßburg gewissermaßen eine internationale, eine übernationale Stätte der Wissenschaft errichtet zu sehen, ist keineswegs eine autonomistische Besonderheit. Selbst ein so reaierungsfrommes Blatt wie die „Straßburger Neue Zeitung" des Abgeordneten Frey hat schon bald nach dem Waffenstillstand ähnliche Gedanken ausgesprochen. Wenn in deutscher Zeit die Universität nichts Französisches geduldet habe, dürfe nun nicht umgekehrt die französische Nachfolgerin das Deutsche ausschalten.
Das blieb ein frommer Wunsch. Di« heutige Straßburger Universität ist so organisiert, als sei ihr Wirkungsgebiet Paris oder Lyon oder Marseille, nicht aber das zu neun Zehnteln demschsprachige Elsaß-Lothringen. In ihrem Lehrkörper überwiegt bei weitem das französische Element, wenn auch ihr Rektor (der im französischen Bildungswesen zugleich die Leitung aller Schulen im Lande in Händen hat) jetzt ein in Frankreich ausgewachsener und von der Notwendigkeit der Verweljchung überzeugter Elsässer Professor P f i st e r ist. Keine deutschsprachigen Vorlesungen sind im Lehrplan dieser Universität vorgesehen, die sich doch zunächst an die Jugend des deutschsprachigen Elsaß-Lothringen wendet. Selbst die Germanistik ist der Obhut eines Fran-
Das Erbe des Herrn von Anstetten.
Voman von 3- Gchneider-Foerfil.
Urheber-Rechtsschutz durch
Verlag Oskar Meister. Werdau i. Sa.
lv. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Er schob die Lippen trotzig übereinander. „Ist mein Vater früher auch schon solch ein herzloser Mensch gewesen?"
„Bernd!" Die kleine Baroneß, die trotz ihrer sechsundvierzig Jahre die Figur eines Mädchens oufwies und deren erhöhte linke Schulter Mitleid wachrief, war stehen geblieben und trug einen Ausdruck des Entsetzens in dem blassen Gesichtchen. „Berndl Was sagtest du eben?"
Er wurde verlegen. „Ich habe ihn mehr geliebt als alles! — Als alles, Chatlen — mehr sogar als die Mama." Das Leder der Mappe knirschte zwischen seinen Fingern. „Aber jetzt — will ich endlich damit fertig werden. — Wenn ich vor einem Fremden auf den Knien liege, dann erhört er mich. Aber er — er gibt nicht einmal Antwort."
Die kleine, weltfremde Baroneß war so außer aller Fassung, daß sie nicht einmal ein Wort der Verteidigung für den Mann fand, dem einmal die große, heimliche Liebe ihres Herzens gegolten hatte. Daß er sie nicht erwiderte, war ihr selbstverständlich gewesen. Reben Drunhilde war sie verblaßt.
Aber ihre Liebe war nicht gestorben daran. Wie die Wurzeln des Immergrüns rankte diese so tief, daß sie kein Verdorren kannte. Sie war die Tochter eines Bruders des alten Freiherrn von Anstetten und lebte nach dem Tode der Eltern auf dem „Beihvf", welchen diese bewohnt und bewirtschaftet hatten.
Die Kinderjahre hatte sie mit Günther und Hans Peter verlebt und sich später in schweren, bösen Tagen als treue, opserungsvolle Kraft erwiesen. Rur in dem einen hatte ihr Tun versagt: Drunhilde und Harrs PeterS Ehe wiederum einzurenken und dem geliebten Manne das Glück seines Familienlebens wieder zurückzugeben. Die Entfremdung der Gatten war immer weiter fortgeschritten, und selbst Bernd, das von beiden so heißgeliebte Kind, vermochte die Kluft nicht zu überbrücken.
■Unö nun zweifelte der Sohn, das einzige, was der ferne Mann nvch besaß, an diesem Vater, der so unmenschlich Schweres erfahren und immer noch zu tragen hatte.
Sie wollte zu dem Knaben sprechen und fühlte, daß es ihr unmöglich war, die Worte so zu
zosen anoertraut, des sicherlich hochgebildeten und in deutschen Verhältnissen wohlbewanderten Professor Vermeil, der zugleich eine entscheidende Rolle in der vielseitigen politischen und kulturpolitischen Propaganda spielt. Wertvolle wissensck-astliche Arbeit wird in verschiedenen Instituten der Universität geleistet, aber das kann nichts an dem Urteil ändern, daß der Zweck einer elsaß-lothringischen Landesunioersität in dieser Form nie erreicht werden kann. Sie ist von Paincars, der einer „Gesellschaft der Freunde der Universität Straßburg" vorsteht, einmal als ein Leuchtturm der französischen Kultur an den Ufern des Deutschtums bezeichnet worden. In die Leuchtkraft der französischen Idee scheint man aber wenig Zutrauen zu setzen, wenn man den freien Wettstreit so ängstlich sernhält, wie dies hier in Straßburg geschieht. Selbst die Hoffnungen eines Maurice Barrds find Phrase geblieben, der in den Räumen der Straßburger französischen Universität, jene Vorträge über „L’e Genie
du Rhin" („Der Geist des Rheins") hielt, mit denen er werbend auf die Rheinfranken im besetzten Gebiet glaubte einwirken zu können.
Ihre nationalistische Abkapselung von der bochi- stischen Umwelt hat — welche Groteske! — dieser auf kulturelle Eroberungen ausgehenden Hochschule sogar die Möglichkeit verbaut, auf die zeitweise so stürmisch umworbene deutschsprachige Bevölkerung längs des Rheins zu wirken. So konnte es dazu kommen, daß die Straßburger Universität vor allem darauf eingestellt wurde, ost- und südeuropäische Studenten anzulocken und ihnen französifthe Kultur aufzuprägen. Im Lande selbst ist sie durchaus ein Fremdkörper, eine Schranke für die natürliche Entfaltung des Volkstums. Die aus deutschsprachiger Umwelt kommenden elsässischen Studenten, die schon durch die unnatürliche französische Schule gegangen sind, werden hier nur noch weiterhin gezwungen, das gesamte wissenschaftliche Rüstzeug, dessen sie später bedürfen, in einer Fremdsprache auf
zunehmen. Das ist Unnatur, auch wenn es dem Einzelnen schon garnicht zum Bewußtsein kommen würde. Es muß auch dazu führen, die Oberschicht in Gegensatz zu den mittleren und unteren Schichten des Volkes zu bringen, wie dies in Flandern durch eine ähnliche Sprachenpolitik gleichfalls erreicht worden ist.
Eine Anpasiung dieser seltsamen Grenzuniversität an die Lebensnotwendigkeiten des Landes wird nur kommen können, wenn sich Frankreich zu grundsätzlicher Anerkennung Elsatz-Lothrin- gens als einer nationalen Minderheit durchringt und wenn es daraus die Folgerung zieht, die Erziehungsarbeit wieder auf die Muttersprache des bodenständigen Volkstums aufzubauen. Es wird harten Kampfes bedürfen, Frankreich dies abzuringen, aber es ist eine Lebensfrage für Elsaß- Lothringen, daß es diesen Kampf durchficht. Auf seiner Seite stehen dabei die Vernunft und das ewige Recht der Natur.
„Hände hoch — Kriminalpolizei!"
Was ich in ckSjährigem Kampf gegen das internationale Verbrechertum erlebte.
X.
3n Neapels Verbrecherquartieren.
Dank der freundlichen Unterstützung durch das deutsche Generalkonsulat wurde ich auf meiner italienischen Studienreise von dem Quästor der Stadt Reapel empfangen und von ihm, seinem Stellvertreter und den andern Abteilungsleitern ganz besonders liebenswürdig ausgenommen. Ich machte hier in Reapel die gleiche Erfahrung wie in Genua, daß die Polizei vortrefflich organisiert und den an sie zu stellenden Anforderungen durchaus gewachsen ist. Die Sittenpolizei, die Fahndungspolizei und alle Spezialdezernate der Quästur Reapel verfügen über eine ausgezeichnete Organisation.
Von ganz besonderem Interesse war in Reapel für mich die Camorra. Ich hatte von dem Bestehen der Camorra, dieses alten neapolitanischen Verbrecherbundes, soviel gehört, daß ich mich gern persönlich von alledem überzeugt hätte. Der betreffende Kriminaldezernent gab mir eingehend Auskunft und erzählte mir in einem längeren Vortrage, daß die Camorra ein Verbrecherbund sei, der vor mehreren Jahrhunderten von entlaufenen Galeerensklaven und anderen Verbrechern gegründet wurde, daß aber dieser Camorra zur Zeit nicht die geringste Bedeutung beizumessen wäre. Die energische Tätigkeit der Polizei im Laufe der letzten Jahrzehnte habe die Camorra endgültig beseitigt. Gewiß gebe es, so meinte der Reapeler Kollege, auch jetzt noch eine Camorra in Reapel, doch diese habe mit dem alten Verbrecherbunde nicht das geringste zu tun, es handele sich dann meistens um irgendeine kleine Verbrechergesellschaft, die aus der allgemeinen Angst vor dem gefürchteten Ramen Camorra jetzt noch Kapital schlüge und sich diesen Ramen beigelegt habe. Die Mitglieder dieser neuen Camorra betätigten sich nur durch kleine Räubereien und Erpressungen an Arbeitern, von denen sie einen Teil ihres Lohnes verlangten. Früher, so führte der Kommissar weiter aus, sei die Camorra allmächtig gewesen und habe selbst auf die Innen- und Außenpolitik Italiens großen Einfluß ausgeübt. Die Mitglieder der Camorra hätten damals in Palästen gewohnt und eine ungeheure Macht besessen, die Schlupfwinkel
sehen, daß sie bis an sein Herz drängen. Dieser Augenblick war nicht der geeignete Moment dazu. Die Erregung des jungen Mannes war zu groß.
So ging sie schweigend neben ihm her und keines von beiden merkte, daß sie den Weg zum Beihof eingeschlagen hatten, der schon nach einer Viertelstunde aus den Bäumen lugte.
Zwei Spaniels kamen in langen Sähen dahergerannt und umkreisten sie. Der Kies stob unter ihnen nach allen Seiten. Die Rotdornbäume hatten verblüht und warfen breite Schatten über die Ausfahrt, daß kaum mehr etwas von der Mittagssonnenglut zu verspüren war.
Bernd hob die Hand an die Mühe und ließ sie wieder sinken, so bittend war Chatlens Blick geworden. Er ging mit ihr durch die breite Doppeltür an der großen Küche vorüber nach der Terrasse, die nach dem Park sah. Sie nahm ihm die Mappe ab und legte sie seitwärts auf die Brüstung.
Ein. Mädchen in weißer Schürze kam und gab, ohne zu fragen, ein zweites Gedeck auf den Damast des runden Tisches, welcher in der wein- rebenumhangenen Ecke stand. Cs war so ungemein friedlich hier, so voll köstlicher Stille und sorglosem Geborgensein, daß Bernd sich tief in den Korbstuhl zurücklehnte und die Augen schloß.
Erst als der Duft der Tomatensuppe aufstieg, öffnete er die Lider. Seine Jugend hatte schon wieder ein Teil der übergroßen Erregung ab- geschüttclt. Er ah mit Appetit und hatte für den Moment jedes Erinnern an das Richtvorrücken- dürfen verloren.
Erst als er neben der Kirschtorte, die den Schluß des kleinen Diners bildete, seine Mühe liegen sah, fielen die Worte des Rektors wieder über ihn her.
Er erhob sich etwas unvermittelt und reichte Chatlen die Hand: „Ich danke dir. Tante. — ilnö vielleicht komme ich bald wieder. Cs ist so friedlich bei dir."
Sie hielt die Knabenfinger zwischen den ihren und sagte bittend: „Behalte den Vater lieb, Bernd, er hat so Schweres zu tragen."
Ein Aufzucken der Lippen, dann machte er die Finger frei: „Aus Wiedersehen, Tante!"
Sie wollte noch rufen: „Du hast deine Mappe vergessen!" da war er schon unter den Rotdornbäumen und wandte nicht ein einziges Mal den Kopf nach ihr zurück. Sie würde einen der Knechte hinüverschicken, dann brauchte er die Bücher nicht selbst zu tragen.
Bernd bekam plötzlich Angst. Er wußte, daß die Mutter zanken würde, weil er nicht telephonisch Bescheid gegeben hatte, wo er zu Mittag blieb. Er machte lange Schritte und trat schweiß- üverronnen in die Halle, wo er den alten Friedrich mit dem Zeichen größter Aufregung die Treppe herabeilen sah.
Von Kriminalkommissar Ernst Engelbrecht.
Copyright by Greiner & Co., Berlin NW 6.
der neuen Camorra seien dagegen die schmutzigsten und ältesten Stadtteile Reapels. Diese Mitteilungen interessierten mich außerordentlich, und ich nahm mir vor, diese neue Camorra unbedingt kennenzulernen. Der Reapeler Kollege machte mir den Vorschlag, mich von seinen Beamten durch die im Hafenviertel gelegenen Reapeler Verbrecherquartiere führen zu lassen, ich zog es aber vor, den offiziellen Besuch der Hafengegend auf den nächstfolgenden Tag zu verschieben und den Rachmittag und Abend dieses Tages zu einem privaten, heimlichen Streifzuge durch die Verbrecherquartiere zu benutzen. Schwierig war für mich die Waffenfrage, denn in Italien herrscht allgemeines Waffenverbot. Selbst längere Messer und vor allem Messer mit feststehendem Griff sind als Waffen verboten, und Hebertretungen dieser Bestimmungen ziehen ganz erhebliche Gefängnis- und Geldstrafen nach sich. In meinem Koffer ruhte, zwischen Wäschestücken gut verborgen, der kleine Browning, seit über zwei Jahrzehnten mein treuer und erprobter Reisebegleiter. Ich wagte es und steckte ihn ein, um im Falle eines Angriffs nicht waffenlos in die Hände der Verbrecher zu fallen. So zog ich nachmittags um sechs Uhr in das Reapeler Hafenviertel auf Abenteuer aus.
Wie in allen großen Hafenstädten hat auch in Reapel das Verbrechertum in der Hafengegend feinen Unterschlupf gefunden. Die engen, oft nur meterbreiten, winkligen Gassen, von kleinen Plätzen unterbrochen, machen die Hafengegend unübersichtlich und begünstigen deshalb in hohem Maße der Treiben der Verbrecher. Ein versteckt liegendes kleines „Ristorante“, aus dem Weiberlachen von Männerschelten übertönt wird, lädt mich zum Besuch ein. Ich bin erstaunt, drinnen zwei große Räume vorzufinden, in denen etwa zwanzig Männer mit einigen Frauen vor ihrem Chianti sitzen. An einem kleinen Tischchen, auf dessen Platte sich Hunderte von Fliegen an den Wein- und Speiseresten gütlich tun, nehme ich Platz, und unaufgefordert schiebt der schielende Wirt mir eine Flasche rubinroten Weines zu. Kragenlose Gesellen mit an der Brust offenem Hemde stieren mich an, und einer von ihnen versucht sofort, mit mir Verbindung aufzunehmen. Freundlich lächelnd tritt er an meinen Tisch heran und
Mit ein paar Sprüngen war er bei ihm: „Etwas Reues, Alterchen?"
„Der Herr Baron wissen noch nicht?"
„Was soll ich denn wissen?"
„Daß der gnädige Herr morgen abend zurück- fommt!"
„Wer?---“
„Der gnädige Herr Baron!"
„Vater? —--"
.Gewiß!"
Es war zu überraschend gekommen. Der Knabenkörper hing für Minuten haltlos gegen das Geländer.
Dann ein Aufschrei: „Mutter!"
Die Baronin wich vor ihm zurück, als er wie ein ungebärdiges Tier in ihr Zimmer stürzte, ihren Leib umfaßte und sie mit einem Ruck in die Höhe schwang.
„Bernd!"
„Mutter!"
Wie stark er ist, dachte sie erschauernd, als er sie noch immer in den Armen hielt und ihr Gesicht mit Küssen bedeckte.
„Mutter!" Er stellte sie ganz vorsichtig zu Boden und hob die Schildpattnadel auf, welche sich aus ihrem Blondhaar gelöst hatte. „Warum hast du mir nichts davon gesagt?" keuchte er.
„Das Telegramm kam erst heute morgen, mein Bub. Du warst schon zur Schule. Ich wollte dich nicht während des Unterrichts zerstreut und unaufmerksam wissen. Und jetzt bist du so spät gekommen"
Er wandte ihr für Sekunden den Rücken und fuhr sich über die Augen. Als er ihr das Gesicht wieder zukehrtc, durchzuckte sie nur der eine Gedanke: „Wie ähnlich er ihm ist!"
„Zeig mir das Telegramm, Mutter!" Er ging mit ihr nach dem kleinen Damenschreibtisch und hielt das nüchterne Stück Papier, das so Wichtiges enthielt, zwischen den Fingern:
„Für Briefe tausend Dank. Ankomme vier- undzwanzigsten Juli acht Uhr abends.
Hans Peter."
Die schöne Frau streichelte die Hand ihres Jungen, die so haltlos auf- und niederzuckte, und dann die Knabenwange, auf welcher die Farben ununterbrochen wechselten.
„Run mußt du dich aber beruhigen, mein Bub, sonst ist es gleich eine Sorge, die ihn empfängt."
Sie ahnte nicht, weshalb ec plötzlich bis in die Lippen verblaßte. Er wankte für Sekundenlänge und wich ihrem Blicke aus. Ohne auf feinen Widerstand zu achten, drückte sie ihn auf das Ruhebett, dessen Kissen noch der feine, diskrete Hauch ihres Körpers entströmte.
„Schlaf jetzt ein Weilchen, Bernd! — Oder versuch es wenigstens. Ich nehme die Jalousien herab und träufle dir etwas Kölnisch Wasser auf Die Schläfen, das wird dir gut tun."
versucht, mich auszufragen. Stockend und schleppend geht unsere Unterhaltung. Ich erzählte ihm. daß ich Deutscher sei, und lasse im Laufe der weiteren Unterhaltung durchblicken, daß ich Veranlassung habe, mich vor der Reapeler Kriminalpolizei in acht zu nehmen. Diese Mitteilung scheint den Mann besonders zu interessieren, sein Mißtrauen legt sich offensichtlich etwas, und er geht zu seinen Freunden zurück. Dort bespricht er sich mit ihnen, und man läßt mich einstweilen ungeschoren an meinem Tische sitzen. Aber aus meiner Berliner Praxis her weih ich ja, wie man es anzufangen hat, sich mit Verbrechern anzusreun- den. Ich bestelle einige Flaschen Landwein und lade die ganze Gesellschaft dazu ein. Aber nur einige leisten meiner Aufforderung Folge, die meisten halten sich mißtrauisch abseits. Von den sechs Gesellen, die sich um den Tisch gruppiert haben und dem übrigens ganz annehmbaren Weine fleißig zusprechen, erfahre ich dann bald, daß man mich zunächst für einen Polizeispitzel oder aber für einen Amerikaner, der auf Abenteuer ausgehen wolle, gehalten habe. Aber jetzt wüßten sie ja, wer ich sei, und ich solle nur keine Angst haben, sie würden mir schon helfen, mich vor der Polizei verstecken. Unter dem Vorwande, noch einige Zigaretten kaufen zu müssen, verschwinde ich aus der gefährlichen Gesellschaft und schlendere weiter über die Piazza mercantile, um dann in eine mir wegen ihrer Enge und Un- fauberjteit besonders interessant erscheinende Gasse einzubiegen. In der Tür des nächsten Hauses hocken zwei Männer, die mich zunächst mißtrauisch betrachten — und, als ich die Gasse weiter hinuntergehe, mir nachfolgen, um mich nicht mehr aus den Augen zu lassen, bis ich am Hafen angelangt bin. 3n einem großen Volksspeiselokal drängt sich eine buntgewürfelte Gesellschaft. Auch ich trete ein und lasse mir eine Portion des Reapeler Rationalgerichtes bringen, das aus den Saugarmen des Tintenfisches bereitet wird und mir vortrefflich mundet. Ein junger Bursche schiebt sich an mich heran, ich wittere Unrat und bin doppelt auf der Hut. Plötzlich spüre ich an der Seite einen gelinden Druck, und als ich schnell zufasse, packe ich die Hand dieses Burschen, der sich gerade angeschickt hat, meine Geldbörse aus der Tasche zu ziehen. Verlegen grinst der Kerl
Er hielt ihre Rechte fest und preßte sie gegen die Wangen: „Mutter!"
Sie muhte dem Drucke feiner Hand nachgeben und sich zu ihm herabbeugen. „Was ist es Denn, mein großer Junge?"
„Ich liebe dich über die Maßen, Mama!"
Sie strich ihm das feuchte Haar aus der Stirne und küßte ihn. Er sah das Flimmern in ihren Augen und fuhr ihren bloßen Arm entlang, der schneeig aus der weihen Seide des Rachmittag- kleides leuchtete. „Wie spät ist es?"
„Gleich drei Uhr, Kind!"
Roch während die Baronin die Jalousien her- abnahm und die Vorhänge übereinanderfallen ließ, machte sich bei Bernd die furchtbare Erregung des Tages in einer plötzlichen Erschlaffung geltend.
Sie hob behutsam sein etwas nach Dome geneigtes Gesicht zur Seite und bettete es sorglich in die Kissen. Er verspürte noch den Hauch ihres Mundes auf dem seinen und hörte sie etwas flüstern. Er hatte aber nicht mehr einmal die Kraft, die Hände zu heben.
Auf den Zehenspitzen schlich die schöne Frau aus dem Zimmer.
*
„Das blaue Tuchkleid, ja! — Das mit Dem hochgeschlossenen Kragen! Haben Sie dieSpihen- ärmel eingesetzt, Sophie?"
Frau Brunhild« stand vor Dem Ankleidespiegel ihres Zimmers und fror — fror bis in Den letzten Winkel ihrer Seele.
Die Zofe sah von der Schranktür herüber nach der schönen Frau und nahm das gewünschte Kleid vom Haken. „Welchen Mantel wünschen Frau Baronin?"
„Den Zobel!"
„Bei dieser Julihitze," dachte die Zofe. Aber sie sagte nichts, ging nach dem Spiegel und half der Herrin in das Kleid schlüpfen.
Von drauhen trommelte ein Finger gegen die Tür: „Darf ich kommen?"
„Einen Moment, Bernd!" Brunhilde riß an den Haken und schob die Hand der Zofe ungeduldig zur Seite. „Oeffnen Sie!"
Das Mädchen drehte den Schlüße! und ließ Den jungen Mann eintreten. Diesmal war er nicht ungestüm, blieb nur unschlüssig vor der Mutter stehen und sagte bewundernd: „Mama, du mußt erlauben, dah ich dich ganz berückend schön finde."
Sie lächelte über sein Erröten. „Ist der Wagen schon angekurbelt, ja? — Sophie, ich habe Eile! — Rein, geben Sie mir den großen Hut! Der kleine gibt das Gesicht so frei!"
„Du kannst dich aber doch sehen lassen, Mama," urteilte Bernd.
Sie erwiderte nichts, schlüpfte hastig in den bereitgehaltenen Mantel.
(Fortsetzung folgt.)


