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Oie charmante Frau.
Don Maria Messen.
Was eine Frau nicht nur in den Augen von Männern, sondern auch bei anderen Frauen anziehend macht, ist Charme. „Was für eine charmante Frau!" ist oirt besonderes Lob. Charme ist immer die mächtigste Waffe im weiblichen Arsenal gewesen — und ist es noch.
Was ist Charme? Eine Frage, die leichter zu stellen als zu beantworten ist. Und doch ist Charme dasjenige, das jede Frau zu besitzen oder sich onzueignen wünscht. Charme ist tote Radium, es ' ist nur wenig davon nötig, um großen Einfluß ousüben zu können. Das Aeuhere spielt dabei fast gar keine Rolle. Kennen wir nicht auch in unserer Umgebung Personen, die zwar kein schönes Aeuhere haben, aber doch sehr anziehend sind? Charme läßt die perjönlichen Schönheitsfehler vergessen und verleiht die _ größte Anziehungskraft, während dieselben Schönheitsfehler bei einer Frau ohne Charme um so schärfer hervortrcten. Charme kan t in einem 03;id, einem Lächeln, einer Geste, in der Stimme — ganz besonders in der Stimme — liegen. Charme ist ohne Zweifel ein unschätzbares Vorrecht: wem sie schon in der Wiege mitgegeben wurde, der ist ein Bevorzugter.
Diele verwechseln Charme mit Persönlichkeit, doch es kann gut jemand eine große Persönlichkeit sein und doch keinen Charme besitzen. Ob man sich Charme aneignen kann? Ich glaube wohl, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, doch es ist eine schwere Kunst. Ein bewußtes Streben nach Charme hat selten Erfolg. Wahrer Charme kommt von selbst, ungezwungen, deshalb bewegen sich die charmanten Menschen auch natürlich und ungezwungen.
Rücksicht gegenüber jedem Menschen ist die Grundlage des wahren Charme. Otat rlich braucht man dabei nicht immer seine eigenen Ansichten preiszugebcn. Man kann und soll seinen eigenen Standpunkt vertreten, um sich von anderen zu unterscheiden, doch deshalb kann man doch taktvoll Vorgehen und braucht nicht nutzlos Meinungsverschiedenheiten hervorzurufen. Jemand, der an allem Kritik üben will, ist gewiß der letzte, den man „charmant" nennen kann. Schnippische Menschen — eine spezielle weibliche Untugend — sind niemals charmant.
Ebenso wird eine Person, die andere Menschen immer korrigiert, wenn sie etwas verkehrt sagen, so gut dies auch gemeint ist, nie Charme besitzen. Die Menschen lieben das nicht — und es ist auch nicht immer nötig.
Studiert eure Bewegungen, den Gang, die Haltung, die Geste. Findet ihr etwas Eckiges dabei, dann sucht dies zu verbessern durch Hebung, denn ein unbeholfenes, linkisches Wesen hält allen Charme fern; Charme ist Grazie und Ungezwungenheit. Ein gepflegtes Aeuhere gehört dazu. Man sorge, daß die Kleidung stets sauber uni) nett ist, die Strümpfe immer frisch und ohne Sprihslecken sind. Hän e. Fingernägel und Haar müssen sorgsam geb liegt sein. Sorgfalt im Aeußr- ren kann jeder sich aneignen. Und dann die Stimme! Die Stimme ist in vieler Hinsicht wohl das Belangreichste. Eine häßliche Frau, .die eine angenehme, wohllautende Stimme besitzt, wird immer anziehend fein. Auch das ist eine Gabe, mit der manche Menschen schon bei der Geburt von einer gütigen Fee bedacht werden; wo dies nicht der Fall ist, kann nachgeholfen werden. Leider scheint es in unserer modernen Zeit angebracht zu sein, mit einer lauten, harten Stimme zu reden — es ist vielleicht sportmäßiger —, doch charmant ist es nicht. Eine Frau kann sich einen Wirkungskreis suchen im Handel, in der Industrie, sie kann Sport treiben und in jeder Hinsicht so emanzipiert sein wie sie will, sie kann dabei doch echt weiblich bleiben. Unsere Stimme bringt unseren Charakter viel mehr zum Ausdruck, als wir meinen. Habt ihr niemals
Teekuliur.
Dcm Anna Kappstein.
In Zeiten allgemeinen Mißverstehens zwischen Völkern soll man doppelt auf die verkündenden Bräuche und Gewohnheiten achten. Sie wurzeln oft im Stofflichen, in gemeinsamer Dorliebe für Speise und Trank. Sie springen ins Auge, wenn man des Teeverbrauchs in aller Welt gedenkt. Tee mit seinem Aroma, der geistigen Beschwingtheit, die er anregt, ohne zu erregen wie der Alkohol, wirkt unkörperhaft, und man begreift, daß im Zeichen der „blauen Stunde", wie die Franzosen die dämmrige Teestunde nennen, sich in den Teesalons der Länder eine internationale Verständigung anbahnt. International ist auch die Sitte der musikalisch begleiteten Rachmittagstees in den vornehmen Hotels geworden; der Tanztee ist nur eine Abart. Der Tee sollte dem gehobenen Gespräch, einer zierlichen Gymnastik des Verstandes, einer anmutigen Erschlossenheit der Seele, gehören. Schwere Mahlzeiten verdummen. Sie brauchen zudem einen Aufwand an Zurichte und Bedienung, der einer beflügelten Geselligkeit hinderlich ist. Teestunde kann in kleinem Kreise ganz in die Hand der Hausfrau gegeben werden, bei zahlreichen Gästen sich unbefangen munter entfalten, und noch der Teetisch für zwei, mit feinstem Porzellan und Silber und wenigen erlesenen Blumen geschmückt, kann ein Altar der Poesie sein. _
In Deutschland danken wir der Rotzeit das tiefere Verständnis für den Tee. Er bot die billigste Form der Gastlichkeit, und weil doch alle Nebendinge fehlten, gab man sich um so inniger der Stimmung hin, die den honiggelben Trank umschwebt. Ein stärkerer Teetrinker war von je der Engländer, ein eigensinniger Teetrinker,' der — wo er den Gasthofsverhältnissen nicht traut — fein Teegerät bei sich führt und zwischen den Trümmern der Akropolis oder im Kolosseum sich selbst mit aller Gelassenheit feinen Fünfuhr- tec aufbrüht. Wo man in Italien, Spanien, in den nordischen Ländern einen guten und gut servierten Tee erhält, weiß man: hier kolonisierte England. Es hat die Teekultur verbreitet. Man trinkt in England ausgezeichnete indische Tees, läßt den Aufguß jedoch meist zu herb werden. Aber so reizend wie die Teestuben ist die Som-
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Samstag, 26. Moder (929
Aus dem Reiche der Frau.
jene tiefe, wohllautende Stimme gehört, eine Stimme, die unser ganzes Interesse dem Sprecher zuwandte? Das ist Charme. Eine angenehme Stimme darf nicht hoch und schrill, noch grob und laut, sie muh voll und zart, musikalisch lein.
Lind weiter gehört zum Charme auch etwas Humor. Damit läßt sich viel Unangenehmes im Leben leichter tragen. Cs geht ein eigener Reiz aus von den Menschen, die sich nicht von jedem kleinen Fehlschlag entmutigen lassen, sondern tapfer jedes Hindernis mit Humor zu nehmen wissen.
Wer frisch und gesund aussieht, fröhlich, zufrieden und echt weiblich ist, die Schwächen anderer übersieht, sich angenehm unterhalten kann, ist auf dem besten Wege, charmant zu werden.
Mein Pelzmantel.
Don Margret Halm.
Jeder Frau — jedes herangewachsenen jungen MädchenS höchster Traum ist, für ter Winter einen Pelzmantel zu besitzen. Und vielen unter ihnen, die nie geglaubt, daß sich ihr Wunsch je» mals erfüllen könne, wird dieser Traum durch die guten preiswerten Felle, die leinen Anspruch erheben zu den kostbaren Edeltieren zu zählen, und darum doch nicht minder warm und kleidsam sind — zur Wahrheit.
Und stolz dreht sich das junge Ding, das tapfer gearbeitet hat und sich von seinem Lohn, Gehall, Verdienst — w e sie es nennen wollen — durch einige OH orale etwas beiseite gelegt, nun in wohlverdientem Stolz und begreiflicher Freude
vor dem Spiegel hin und her. Ja ja, so ein Pelzmantel ist doch eine verflixt kleidsame Sache! Ob s nun ein Fohlenmantel ist, der in diesem Winter als die große Mode gilt, in schwarz oder braun, auch in hell getont als ausgesprochener Eport- pelz, zu welchem Zwecke man auch Bisam und Antilope Heuer in ein besonderes Licht rückt, oder Astrachan und Caraeul, die, in die Familie des Breitschwanz und Perianer gehörend — — in diesem Winter die besonderen Favoriten der verwöhnten Frau —, gleichfalls dunkel und in den verschiedensten Hellfärbungen besonders bevorzugt tocri. en. Vom hellsten Silbergrau, und beinahe gelb-beige, bis zum tiefsten Schwarzblau wird das weiche, se'.dig schimmernde, lockige gell, das sich so geduldig verarbeiten läßt, zu schönsten, apartesten Manteisormen verwandt, in Glockenform mit verlängerter Rocksaumlrnie, mit Aerinel- Phantasien aller Art mit großem kleidsamem Kragen, der neuerdings ein Mittelding zwischen geradem und Shawi-Kragen bis zu halber Brusthöhe herab: echt. Ein- und angeschnittene Godets und Ueberschlagteile spielen seitlich, ganze und halbe Rückencapechen in Kutscherhöhe geben dem Mantel ein elegantes, jugendliches Gepräge. Der Sportmantel hält sich im geraden klassischen Schnitt mit breitem Gürtel. Auch Rerzmurmel, Kolinsky und Maulwurf zählen zu den gern getragenen und kleidsamen, dabei erschwinglichen Pelztieren. Die Mode will auch wieder etwas Pelz auf den Hüten sehen und bringt sowohl die Kappe ganz aus Pelz, wie fesche Pelzgarnituren auf dem kleinen randlosen Filzhut. Die Mufftasche oder ter Taschenmuff wird vielen verlorenen Fingerchen wieder sehr willkommen sein.
„Schwedische platte."
Don LieSbet Dill.
Schon im v-Zug, im Speisewagen, begrüßt sie uns, diese berührn e schwedische Platte, von der uns zuweilen in sehr gepflegten Restaurants eine entfernte Verwänd e vorgestellt wurde. Jedes Land hat seine S'ez'.ali ä.en. Schweden hat das kalte Büfett, das man hier bescheiden „Frukost" oder „Srnörgasbröd", das heißt „Butterbrot", nennt.
Und wie hübsch ist dieses erste Frühstück an» gerichtet. Im Speisewagen ist man Umstände sonst nicht gewöhnt. Uno die Schweden finden diese sechs kalten Gerichte bescheiden — zr denen Kaf.ee gereicht wird — und was für ein Kaffee — stark und kräftig, mit frischer Milch und kalter Sahne, und mindestens drei Sorten Brot, köstlich frischer Butter, Marmelade und zvei frischen Eiern. 2m Hotel besteht die „Fruioft" morgens aus einem Büfett mit allen erdenklichen Delikatessen: Schinken, Fleisch. Wurst, Salate, Ma- frcelen und Sardinen, Fischpudding, Aal und Lachs in Ccke, Hering in Gelee, in Tomaten, in Fleischb üh.', sechs Sor en Weiß- und Schwarz- bro , z aei Sorten Kuchen, Gurkensalat, ro.e Rüben, Radieschen, fr.schgesangene Kra ben, kaltes Geflügel in Gelee, mehrere Sorten Käse, Eier und Grütze, Kaffee, Sahne, Marmelade, geräucherte Flundern, Fleischklöße, Toma enfore, Mixedpicklls, frische Trmaten in Mayonnaise, Heringssalat, italienischer Salat usw. Je feiner und teurer das Hotel, desto raffinierter sind die Platten, garniert mit Sparge'spihen und Brüsseler Trauben, QlJelonen und Ananas. Milch gibt cs gratis z m Frühstück: eine „Mjölk", die man bei uns als Kaffeesahne verkauft. Und diese „kalte Platte" steht z r allen drei Mahlzeiten auf- gebaut: zum Frühstück, Lunch und Aoend. Und immer Variationen, immer neue Gerichte; die Phantasie eines schwedischen „kalten Kochs" muh unerschöpflich sein... Diese „kalte Platte" ist eben eine sehr alte und eingewurzelte Tradition. Sie ist nicht gerade leicht, aber man ge
wöhnt sich rasch an si". Die starke, kräftige See- und Salz uft, die das Land v m Meer her durchweht, vc.langt diese ...... Es gibt wenig Vegetarier hier. Das Obst ist sehr teuer. Die Wälder sind voller Blaubeeren, Hirn >eeren und Erdbeeren. Das feinere Obst ist hier ein Luxus.
Der Lunch ist auch nicht mager. Rach dem kalten Büfett gibt es ein warmes Fisch- oder Fleischgericht und Sahne mit Obst und Kaffee, Milch gratis. Das Abendessen hat noch einen Gang mehr.
Die Alioholeinschränk in Schweden bewirkt, daß man keine We nkarte sieh. Man trinkt Wasser, Milch oder -teu. Die Herren trinken gern Bier, bekommen aber nur eine ganz kleine Menge davon. Rach der Hotelordnung dürfen „starke drinks" nicht auf den Zimmern serviert werden. Also, einen „Rausch" kann man sich hier höchstens z i Hause besorgen. Aber die Schweden sind mäßig. Schiffer und Fischer haben früher stark getrunken, daher die E.nschränlungs- mahregeln. Betrunkene sieht man nie auf der Straße und der Be.rieb in den Kneipen geht ebenso ruhig zu wie in feinen Restaurants oder Cafes.
Auf den Fischerinfeln, auf den Schären, deren Bewohner Heringe fangen, wo nich s wächst, wo man die Milch morgens im Doot he anrudert, wo man keine Tiere halten kann, weil sie dort kein Futter finden, da leben die Familien das ganze Jahr von Heringen; dazu gibt s Kartoffeln und gekochte Preißelbeeren. Sie bleiben schlank und gesund dabei. In den Familien in der Stadt frühstückt man meist erst um 11 Uhr. Es gibt gebackenen Fisch, Bratkartoffeln, Butter und Käse, dazu Milch. Rachher Kaffee und Kuchen. Mittags um 4 Uhr ißt man zwei warme Gänge und zum Abend wieder warm. Kaffee ist hier ein sehr beliebtes Getränk. Ich habe nirgendwo, in keinem Lande, überall einen so starken, guten Kaffee bekommen wie in Schweden.
merfitte der Tees auf grünem Rasen. In Holland ist das „Theetafeltje" Mittelpunkt des Hauses. Es enthält in kostbarer Form alles Rötige vereint und harrt unter seiner Spihen- decke, dem „Theetafelkleed". auf die Vier» uhrstunde, zu der sich dort die Teebesucher ein» zu finden pilegen. Man liebt einen schwachen, Hellen, buftioe i Tee mit einem „Wölkchen" Milch. Rußlands Heiligtum ist der Samowar, dessen Brodeln u.ij Singen Gemütlichkeit markiert. Allein das beständig kochende Wasser ist kein Gewinn für die Teebereitung. Das Wasser soll nur gerade aussprudeln, bevor man es auf die Teeblättcr gießt. Der Japaner verwendet Dachwasser, das sich an Felsen weich geschlagen hat. Als ideales Teewasser gilt, frisch gekocht, das weiche Rewa-Wasser. Filtriertes Regen- Wasser bevorzugen Kenner.
Künstler des Teegenusses sind die alten Dölker Ostasiens. In China wächst die Krone aller Tees; die japanischen Sorten sind geringer. Trotzdem zeichnen die Japaner sich nicht nur durch die Behutsamkeit dec Zubereitung aus, sondern anreizender noch durch die Bedeutung, die sie dem Tee beim elfen. Ihre Teekultur entspringt aus einem Teekultus religiösen Charakters, so daß Okakura wohl von einem „Teeisrnus" sprechen darf. Er nennt die Philosophie des Tees Aethetizisrnus, Hygiene, Wirtschaftlichkeit und Moral. „Ein Mensch ohne Tee in sich" Ist ein Tadel für einen Mangel an Feingefühl. „Ein Mensch mit zuviel Tee in sich" läßt Haltung vermissen. Der Sung-Dichter Li-Chih-lai rechnet die Derschwendung besten Tees durch unsachgemäße Behandlung zu den drei bekla- genswerresten Dingen der Welt. In den „Schulen des Tees" lernten und lehrten die „Teerne,- ster", Oliänner von innerem Gleichgewicht und künstlerischer Durchbildung, die auch Daube- flissene waren, berühmte Gärten angelegt haben, für Töpferei und Weberei Muster und Farben ersannen, sich in Lackarbeit hervortaten und den „Teeraum" schufen, jene ursprüngliche Strohhütte, die „Statte des Leerseins", auch „Stätte der Phantasie" genannt. Denn die Einbildungskraft, also die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, bedarf nicht der Beschäftigung durch das Auge, vielmehr der unaufdringlichen Umgebung. Gesammelt sollte man über den „Teepfad", „im Dämmerlicht ewigen Grüns" in die Teehütte wandeln, über der die „reife Milde des Alters"
ruht. Keine Vorwürfe aus dem Menschenleben, weil ja der Mensch in Person anwesend ist. Kein Blumenbild, wenn eine lebende Blume im Raum atmet Wiederholung: schwerer ästhetischer Fehler. Deswegen leine Symmetrie beim Auf stellen von Vasen und Tassen. Symmetrie teilt Öen Raum in gleichmäßige Teile, verursacht also Wiederholungen. Wiederholung lähmt die Phantasie. Sie aber soll sich befreien vom Alltag und bei der Zeremonie des Teetrinkens in ein höheres Leben aus steigen; sie wurde „eine heilige Handlung, bei der sich Gast und Wirt für den Augenblick zu höchster, weltlicher Glückseligkeit vereinten. Vier Gäste nur durften teil- nehmen an der klassischen Teezeremvnie, vvr- gcschrieben war jede Gebärde. Der Zweck: Selbstsucht. Diese Feierlichkeit war der Feudalkaste Vorbehalten. Sie wurde demokratisiert; zur guten Erziehung jedes Gebildeten gehört Beherrschung der Teezeremonie; auch die Geishas haben sich darin auszukennen.
Richt alle Europäer wissen, daß die verschrumpelten, schwarzgrünen Blätter, die zu Schiff oder auf Kamelkarawanen aus den Ländern des Morgens ins Ausland gelangen, an einem groß- blütigen schonen immergrünen Strauche wachsen. Er ist der Kamelie verwandt, die der Jesuitenpater Camelle in Europa einführte.
Puder - Schminke - Lippenstift.
Don Charlotte Lillmann.
Die Körperkultur der Frau ist Mode geworden und zeigt in ihren Ausdrucksmittetn der Kleidermode verwandte Züge. Sie hat so viel frisches Körperbewußtsein geweckt, daß man diesem beglückenden Daie.nssaktor in allen Kreisen ein lebhaftes Interesse entgegenbringt, ja, man ..macht" die Toilette des Gesichts, wie man im übrigen Toilette macht. Freilich, das Pudern und Schminken ist. richtig geübt, eine Kunst, die erlernt fein will. Man muß genau wissen, welche Art von Puder und Schminke just für den bestimmten Teint taugt, muß die Art des Auf- tragens kennen, um nicht falsche, häßliche Wirkungen zu erz.eten, muß aber auch genau wissen, wie wichtig das Abschminken und Reinigen der Gesichtshaut ist. damit die Poren nicht verstopft werden und die Atmung dec Haut nicht nachteilig beeinflußt wird.
Tee können sie nicht bereiten. Ec gehört nicht zu ihren Spezialitäten.
Das Brot ist weiß wie Kranzkuchen, oder dunkel, schwammig und mit Anis und Kümmel gewürzt. Ein Gebäck „Wiener Bröd" — in Wien habe ich es nie gesehen -. ein lockeres Hefegebäck, wird zum Rachtischtaffee gegeben. Wer das schwedische Brot nicht liebt, hält sich an das braune, knusperige „Krakebröd", das jetzt ja auch den Weg zu uns gefunden hat. Man muh nur gute Zähne dazu haben. Toast gibt es immer, in den einfachsten Gasthäusern und im Speisewagen im Zuge... Die seltsamsten Gerichte bekommt man hier. Lachs, garniert und gebacken, der aussieht wie Gans und der auch so fett ist, mit süßer Rosinensoße. Süß einmarinierte Heringe, gesüßten Gurkensalat. Als Rachtisch frische Sahne mit Himbeeren, Erdbeeren oder Johannisbeeren oder dicke Mitch mit Backpflaumen. Ein sehr gesundes Essen. Kuchen und Torten sind einfach. Man ißt wenig Leckereien und Schokolade. Diese nahrhaften Mahlzeiten vertragen keine Zwischengerichte.
In großen Städten gibt es jetzt sogenannte „Fruktrestaurants' zu Ehren der Vitamine. Rur Gemüse, Rohkost, Früchte ... Aber das ist etwas für ein wärmeres Land mit einem langen Sommer. Die schwedische Küche ist nicht raffiniert, sie ist gut, kräftig und nahrhaft; alles wird überreichlich gegeben ... Wenn die blonden, kräftigen schwedischen Kellnerinnen in ihren knappen, kurzen, schwarzen Röckchen, die wie Eskar- pins wirken, in den weißen Seidenblusen hereinkommen, auf ihren Schultern hoch das Riesentablett mühelos balancieren mit den 14 bis 16 Schüsseln und Platten, die sie dann vor unseren staunenden Augen hinsetzen, sind die Fremden immer wieder überrascht von der Vielseitigkeit dieser köstlichen bunten Schüsseln, die uns alles darbieten, was das Meer, die Wälder, die Hühnerhöfe und die Gärten Schwedens hervor- bringen: die „Frukost" oder das „Srnörgasbröd". bei uns getauft „Schwedische Platte".
Warten und warten kaffen.
Aus dem Äeschwerdebuch der $rau.
23ou Dora Sophie.
Noch vor zwanzig Jahren durfte in keinem Witzblatt die Geschichte von dem Mann fehlen, der stun- denlang auf eine Dame warten mußte. Neben bchen Schwiegermüttern, unfolgsamen Dackeln und Gardinenpredigtei' gehörte diese beliebte Pointe zum eisernen Bestand. Diese angenehmen Zeiten sind leider vorüber; jede Frau wird heute bestätigen, daß beim Rendezvous es meist der Mann ist, der zu spat kommt.
Woran das liegt? Zum Teil vielleicht daran, daß die Frauen selbst viel pünktlicher geworden fiiiD. Früher machte cs großen Eindruck, wenn man einen Herrn warten ließ. Es besagte so ungefähr: Sie sind mir nicht so wichtig wie mein Kleid, meine Fryar, mein Haushalt, ich erweise Ihnen einen Gefallen, wenn ich überhaupt komme, und Sie müssen froh und dankbar sein, daß ich mir's im letzten Augenblick nicht noch überlegt habe. Damit lockt man heule — pardon — feinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Schon der Beruf treibt das den Damen aas. Man versuche einmal, eine halbe Stunde zu spät zu kommen, wenn man zum Chef bestellt ist! E.nmal und nicht wieder. Das geht ins Blut, und man hütet sich dann automatisch, seine Verabredungen nicht auf die Minute einzuhalten.
Auch außerberuflich sind die Herren nicht mehr so entzückt, wenn sie warten müssen. Das wissen die Damen und beeilen sich. Aber: Gleiches Recht für alle. Ist Pünktlichkeit eine Tugend, dann hat jeder Anspruch darauf. Leider hört man immerzu — und gerade von jungen, schönen Mädchen — daß der Spieß sich umgedreht hat, und nun die Damen warten müssen: Wer es bezweifelt, stelle sich einmal auf eine Viertelstunde unter eine Normaluhr, ins
Puder ist sorgsam nach der Hautfarbe zu wählen, respeitiv zu mischen. Für Blondinen weih-rosa, für Vrünet e weiß-rosa-bräunlich, bei sehr kräftig gefärbtem Teint mit der Farbe sparen. Abends erzielt man eine sehr reizvolle Wirkung, wenn man das fertige Gesicht ganz leicht mit einer leichten Puderschicht in Lila über» stäubt, aber es darf eben nur ein zarter Hauch sein, der die duftige Frische des Gesichts noch mehr hebt.
Man darf auch ein Gesicht nicht für Tag» und Abendwirkung in gleicher Weise behandeln. Bei künstlichem Licht wirken gewisse Farbtöne ganz anders als im hellen Sonnenschein. Man beschränkt sich am Tage auf zarte, fein abgetönte Farben, während des Abends gern etwas stärker aufgelegt, da und dort etwas kräftiger unterstrichen wird, um so stärkeren Effekt zu erzielen.
Ehe das Gesicht geschminkt wird, wird es zuvor mit einer gan^ indifferenten, aber immer erstklassigen Gesichtscreme tüchtig frottiert, dann mit einem Wattebausch diese Creme abgewischt und das Gesicht mit Wasser abgewaschen. Verträgt der Teint das Wasser nicht, dann benutze man ein gutes Eesichtswasser. Rötig ist sowohl beim Einkauf von Gesichtswässern wie Cremes, daß man angibt, ob es sich um fette oder fettarme Gesichtshaut handelt, weil jede anders behandelt werden muß. Ist das Gesicht solcherart gründlichst gereinigt, dann beginnt man es, immer nach aufwärts streichend, sorgfältig einzupudern und trägt erst dann Rot auf, sehr diskret natürlich, und nur unterhalb der Augen, besonders, wenn bläuliche Schatten liegen, das Rot etwas kräftiger wirken lassend.
Die Brauen werden mit einem seinen Bürstchen gebürstet, und, wenn nötig, mit der hierzu erhältlichen Farbe ausgezeichnet. Die Wimpern gleichfalls vorsichtig überbürsten.
Lippenschminke soll eigentlich immer nur in der Mitte aufgetragen und dann gegen die Mundwinkel ganz zart verstrichen werden, damit der Eindruck des ..Kirschenmündchens", der so leicht unfein wirkt, vermieden wird. Riemals zu stark mit Rot färben. Man soll die Ratur wohl korrigieren, aber ihr nicht durch ein häßliches „Zuviel" ins Handwerk pfuschen.
Sehr sorgsam muß abends das Gesicht immer wieder mit Creme abgeschminkt werden, bann heiß abwaschen und darauf die Rachtcrme auftragen.


