Ausgabe 
26.3.1929
 
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gierungelistc, die im wesentlichen nur ftau- didaken der faschistischen Partei oder ihnen Rahe' stehende enthält. Außerdem ist durch die amtliche Agitation sehr stark nachgeholfen worden, so daß es riskant war. eine Neinstimme abzugeben oder auch nur zu Hause zu bleiben. Das Südtirol <m- langt, kann dieWahl" zweifellos nicht als ein Ausdruck des Volkswillens angesehen werden.

Oie Wahlen in-tirol.

Größte Anstrengungen des faszistischen Apparates.

Innsbruck, 25.Marz. (TU.) Der Wahlsonntag in der Provinz Bozen ist vollständig r u h l g ver­laufen. Nach den amtlichen Mitteilungen betrug die Wahlbeteiligung 80 v. H. Bon 52 078 Wahlbe­rechtigten in der Provinz Bozen gingen 41139 zur Abstinvnung. Bon diesen stimmten 38 234 mitja", während mitnein" 2809 stimmten. Die übrigen 96 Stimmen waren ungültig. Der Wahltag hat sich in Bozen und im Übrigen Südtirol im Zeichen des Terrors vollzogen. Die Behörden drängten rücksichtslos von ihnen Abhängige zur B e t e i l i ° g u n g an der Wahl. Besondere Verstimmung hat hervoraerufen, daß der Fürstbischof E n d r i c i von T r i e st ein Schreiben an alle Dekane seiner Diözese erlassen hat, damitsie und alle Unter­gebenen zu den Urnen gehen, damit die neue Kam­mer, deren erster Akt die Ratifizierung und An­wendung des Konkordats zwischen Kirche und Staat sein werde, die volle Zustimmung der Katho­liken habe". Die faszistischeAlpenzeitung" bemerkte in ihrer letzten Ausgabe vor der Wahl an der Spitze des Blattes: Wer eineNein"°Stimme ab­gebe oder sich der Stimme enthalte, werde als Verräter und Fahnenflüchtiger be- trachtet.

In den Hauptorlen der Provinz war die Wahl­beteiligung folgende:

Bozen: WoKberechtigte 9159, abgestimmt haben 7445, mit Ja 7022, mit Nein 371, ungültig 32.

Meran: Wahlberechtigte 4893, abgestimmt haben 3931, mit Ja 3682, mit Nein 242, ungültig 7.

Dieses Wahlergebnis muß vor allem mit der Be­merkung versehen werden, daß die 38 000 Stimmen in der Provinz Bozen nicht nur von den Deutschen abgegeben wurden, sondern daß die Italiener im Gegensatz zu früheren Wahlen geschlossen zur Abstimmung gegangen sind. Es muß auch weiter bemerkt werden, daß die Nachprüfung dieser von den behördlichen Stellen gegebenen Zif­fern unmöglich ist. Bemerkenswert ist ein Vergleich mit den Ergebnissen der früheren Wahlen in Südtirol. Im Jahre 1921 gingen fast 99 v. h. der Südtiroler Wähler an die Urnen. Der Deutsche Verband erhielt 36 574, die deutschen Sozial­demokraten 3993 Stimmen; die Italiener hatten gar keine Listen ausgestellt. Im Jahre 1924 erhielt der Deutsche Verband 34 983 Stimmen; die Faszistische Partei brachte es trotz des Reglerungsapparates bloß auf rund 3000 Stimmen.

Braunschweig und die Neugliederung -es Reichs.

Weder Reichsland noch Angliederung an Preußen.

Braunschweig, 25.März. (WTB.) 3m Braunschweigischen Landtag verlas heute der Vorsitzende des Staatsministeriums, Dr. Jasper, zur Frage der Selbständigkeit des Landes eine Erklärung, die besagt: Die gemeinsame Not des Reiches und der Länder erzwingt eine Neu­gliederung des Reiches. Das Staatsministerium zieht eine solche Gesamtlösung jeder Teillösung vor. Es ist besorgt, dqß die deutsche Einheit nicht, gefördert, sondern gefährdet werden könnte, wenn Braunschweig und die übrigen nord­deutschen Länder in Preußen aufgehen. Preußen muh in Deutschland aufgehen, wenn Deutschland leben, der dezentralisierte Einheits­staat erreicht werden soll. Der Freistaat Braun­schweig wird dann in Niedersachsen auf­gehen, das von der Weser bis zum Harz, von der Elbe bis zum westlichen Industriegebiet reichen, die Altmärker, Ostfalen, Westfalen und Friesen umfassen könnte.

Der finanzielle Ausgleich muß den Län­dern die Erfiillung ihrer Aufgaben ermöglichen. Das Staatsministerium erwartet, daß vom Reich eine solche Neugliederung vorgefchlagen wird, die

Berliner Kilmpremieren.

Der Patriot."Der Mann, der lacht."

Berlin, im März 1929.

Es kamen hier zwei amerikanische Großfilme auS Hollywood zur deutschen Uraufführung. Sie sind nicht nur der deutschen Schauspieler wegen interessant, sondern weil sie aus der ame­rikanischen Filmzentrale stammen, und weil man dort nichts macht, was nicht dem amerikanischen Geschmack streng entspräche und endlich, weil sie so viele Millionen gekostet haben, wie wir sie für ähnliche Unternehmungen gewiß nicht gur Verfügung hätten.

Da ist zunächst bemerkbar, daß sich die Ameri­kaner, während die großen deutschen Filme immer wehr in die Gegenwart mit ihren sozialen und politischen Nöten rücken, immer noch an dem historischen Prunk der großen Bilderbogen er­freuen. Historisch ist der .Patriot", der, ob­wohl in Hollywood gedreht, eigentlich ein deut­scher Film ist. Deutsch ist das Drama von NIfred Neumann, deutsch das Drehbuch von HanS Krählh. deutsch sind die Bautenent- würfe, die Kostüme, der Regisseur Lubitsch und Emll 3annings. Er spielt hier frei nach Kortner, der diese Nolle auf der Bühne kreierte, den Zaren Paul, ein unmenschlich verfettetes, blöde dahin tappendes Anwesen, arg­wöhnisch, immer gereizt, furchtbar. Natürlich ist es sehenswert, wie sich eine aus dem Vollen schöpfende schauspielerische Potenz wie 3annings mit dieser tierischen Ungeftalf abfindet und auch hier noch, in tiefster Verblödung, eine grandiose darstellerische Leistung gibt, natürlich ist es be­merkenswert, wie Lubitsch nun nach so vielen Jahren nach »Madame Dubarry" wieder zu seinem historischen Ausgangspunkt zurückkehrt. jetzt mit allen Finessen einer fortgeschrittenen Technik bewaffnet, mit den neuesten Erfahrungen Hollywoods gerüstet. Natürlich hat dieses Millio- nen-Schauspiel seine intimen und großen Leize. aber sie sagen un8 nichts Neues mehr, well Amerika noch immer bei einer Etappe halt, über die wir hinaus sind und weil Hollywood, des gum Zeichen, diese Etappe so getreulich registriert.

diese Wunsche erfüllt. Das Staatsministerium wird fortfahren, die Verwaltung zu verein­fachen und zu rationalisieren, und ferner prüfen, ob durch Verwaltungsmaßnahmen und lieberem* kommen mit dem Reiche und anderen Ländern sowie durch Rechtsangleichung die erstrebte Einheit geför­dert, einfache und billigere Verwaltung erzielt wer­den kann. Ein Gebietsaustausch kommt nach den bisherigen Erklärungen Preußens nicht in Fraae. Die Lage des Landes ist ernst, aber nicht un­günstiger als die der meisten anderen Länder. Das Staatsministerium ersucht alle guten Braunschwei­ger, bei allen Erörterungen das Wohl der Heimat nicht außer acht $u lasten.

In der Nachmlttagssitzung des Landtags wurde beim KapitelVorsitzender des Staatsministeriums"

von allen Rednern die Fragen der Zukunft des Landes berührt. 3n Deroinoung hiermit standen die Beratung des bekannten deutschnationalen Antrages auf Anschluhverhandlungen mit Preußen sowie der Antrag der Gemein­schaft der Mitte auf Verhandlungen we­gen Bildung eitfeS Reichslandes Braunschweig. Nach längerer Aussprache, bei der die Vertreter aller Parteien zu der Frage Stellung nahmen, wurde die Entschließung des Ausschusses angenommen, das Staatsministerium zu beauftragen, die im Reich seit über Zahre«- frist angebahnten Bestrebungen auf Neurege­lung der staatsrechtlichen Verhältnisse von Reich und Ländern mit allen Mitteln nachdrücklich zu fördern. Die Anträge auf Anschlußverhand-

Die Genfer Minderheitendebatte im polnischen Licht.

Zaleski verficht erneut die berüchtigte Verschmelzungstheorie.

an die Methode der zweiseitigen Rege­lung zur Anwendung gelange, was eine Ent­lastung des Dölkerbundrates in Minder­heitenfragen bedeuten würde. Zaleski erklärte zum Schluß: Die Verbesserungen der Minderheitenproze­dur können keinen Einfluß auf das Schicksal der Minderheiten in den einzelnen Ländern haben. Wem das Schicksal der Minderheiten wirklich am Herzen liegt, der sollte ihnen zunächst die Verständigung und Mitarbeit mit den Mitbürgern von der Mehr­heit empfehlen. Dies wird selbstverständlich nur dann möglich sein, wenn die Minderheiten sich aus den Boden unbedingter Loyalität dem Staate gegenüber stellen.

.Äs- ein amerikanischer Kriegsfilm.

Im Lichtspielhaus Bahnhofstraße sah man den in letzter Zeit viel besprochenen Para- mount-Großsilmwings". Wings heißt eigent­lichSchwingen" oderFlügel" und ist ein Kriegs- fliegersilm von der amerikanischen Seite aus ge­sehen, von amerikanischen Regisseuren und Schau­spielern gearbeitet. Das Ganze ist übrigens mit einer snmpachisch berührenden Objektivität inszeniert, die auf jeden unangebrachten Nationalismus ver­zichtet und auch der Gegenseite in diesem Falle: den Deutschen ihr Recht zuteil werden läßt.

Die Kampfesweise unserer eigenen Leute, ins­besondere der berühmt gewordenen Staffel Richt- hörens, wirkt auch in der Auffassung und Dar- stellung der Amerikaner durchaus fair und, wie m kleinen Teilmotioen angedeutet wird, sehr ritter­lich. Kein falscher Ton und keine gehässige oder auch nur leise tendenziöse Unsachlichkeit ft ort den Eindruck.

lieber die Handlung ist nicht viel zu sagen Sie ist durchaus auf den Geschmack des amerikanischen vielleicht auch eines großen internationalen Film- Publikums zugeschnitten; für unser Gefühl stellen­weise zu breit und vielfach reichlich sentimental.

Aber auf die Handlung kommt es in diesem Falle nicht so sehr an. Bemerkenswert an dem FilmWings" ist (neben seiner schon erwähnten korrekten Haltung) vor allem dies, daß er als ein Vorläufer des Tonfilms, als ein Geräuschfilm an­zusprechen ist einer der ersten, die wir in Deutschland überhaupt vorgesührt bekommen. Man sieht diesen Fllm nicht nur man hört ihn auch, und zwar nicht nur die Begleitmusik, sondern man vernimmt das Knattern der Motoren, das Gebell der Maschinengewehre, das Krachen der Abwehr­geschütze, das Heulen und Schmettern der Abstürze und Einschläge.

Dies alles ist technisch bereits zu einer beachtens- werten Vollkommenheit gediehen; die Realistik des Toneindrucks ist ost verblüffend, zumal für den alten Soldaten ,dem all diese Geräusche einmal sehr geläufig, hundert- und tausendfach erlebte Wirklichkeit waren.

Auch der Zusammenhalt von Klang und Bild ist bis auf wenige Ausnahmen durchaus gelungen. Die Regis von W. L SBeHmaa $

Was Polens Außenminister hier über die letzte Genfer Minderheitstagung des Völkerbundsra­tes erklärt, stellt so ziemlich den Gipfel dessen dar, was an Entstellung und Verzerrung möglich ist. Als Gewinn bezeichnet es Zaleski, daß in Genf festgestellt worden fei, das Endziel der Minder­heitenverträge laufe auf eine politische Ver­schmelzung der Minderheiten mit dem Staatsvol? hinaus. DaS ist die berüchtigte Assi­milationstheorie. Daß Herr Zaleski sie sich zu eigen macht, das darf niemanden wundern. Seine ganze Politik gegenüber dem Deutschtum in Polen ließ das schon bisher erkennen, auch wenn es nie ausgesprochen wurde. Aber wie steht es in Genf mit der Assimilationstheorie? Dor wahren hatte der Brasllianer Mello Franko sie vertreten. Dr. Stresemann hat sich jetzt im März scharf ge­gen die Rede von damals gewandt mit dem Er­folg, daß Chamberlain, der einst Mello Franko so ziemlich zugestimmt hatte, nunmehr doch von dieser eigenartigen Auffassung des Minderheiten­schutzes abgerückt ist. Wie man aus diesem Ab­rücken schlußfolgern kann, die Assimilation, als» die Aufsaugung der Minderheiten, sei das Endziel der Minderheitenverträge, das ist ein Geheimnis, das niemand außer Herrn Zaleski, und wahrscheinlich nicht einmal dieser selbst, wird lösen können.

Zusammengehenderdeutschenbüraer- lichen Parteien in Ostoberschlefien.

Kattowitz. 25. März. (WTB.) Eine Dele­giertenversammlung der Deutschen Katholischen Volkspartei und der Deutschen Partei nahm eine Entschließung an, in der die Notwendigkeit eines geschlossenen Vorgehens deS gesam­ten Deutschtums der Wojwooschaft Sch l e s i e n als ein Gebot der Stunde bezeichnet wird. Die Schaffung eines gemeinsamen poli­tischen Ausschusses der beiden deutschen bürger­lichen Parteien wird begrüßt, und es wird mit Genugtuung davon Kenntnis genommen, daß beide Parteien auch weiterhin entschlossen find, jederzeit ihre Kräfte der Arbeit zum Wohle des Staates zur Verfügung zu stellen, und daß sie vor allem eine friedliche Lösung der Frage des einträchtigen Zusammenlebens mit dem Min- Lerheitsoolke herbeizuführen bestrebt sind. An­gesichts der bevorstehenden Wahlen zum schlesi- scheu Sejm wird eine gemeinsame Durch­führung des W a hlkampfes erwartet. DieKattowitzer Zeitung", die einen Bericht über I die Versammlung brachte, wurde beschlag- | nahmt.

»Der Mann, der lacht" ist gleichfalls' allergrößte Historie nach dem Roman von Viktor Hugo. Diesmal aus dem dunllen England des Mittelalters, als die Zigeuner kleine Knaben entsetzlich verstümmelten: einen solchen fahrenden Gaukler gibt Conrad Veidt, einen, dessen Ge­sicht durch diesen Eingriff zu einer immer grinsen­den widernatürlichen Fratze verzerrt ist, die das Gebiß vollständig freilcgt; er ist der Mann, der lacht. Während also die untere Hälfte seines Gesichtes zu dieser lachenden Grimasse erstarrt ist, spielt er alle Affekte mit der oberen Partie seines Gesichts; sicherlich eine Virtuosenhafte schau­spielerische Leistung, aber auch eine unendlich quälende und peinigende für den Zuschauer, denn die gräßliche Lache bleibt, auch wenn sie mit dem Kragen des Mantels bedeckt wird, immer gegen­wärtig. An diesen Abnormitäten der Natur also scheint sich Amerika zu erfreuen, und auch der große Aufwand an Bauten, der gewaltige Prunk der Kostüme, mit denen der Regisseur Paul Cent diese Handlung ausgestattet hat. ist sicherlich ge­radenwegs auf den Geschmack von 11. S. QL be­zogen. Ganz Amerikanisches zum Schluß: eine tolle Hetzjagd^ durch eine mittelalterliche Stadt, Flucht über Dächer wie in einem modernen Detek­tivstück es fehlt nur das rasende Auto unö damit nichts Amerikanisches mangele, tritt auch noch ein Rintintin als Schützer und Retter zweier Liebenden auf.

Beachtenswert sind auch die Frauengestalten, die in diesen Filmen die großen Rollen spielen. Während bei uns der Girltyp mit Bubikopf vor­herrscht, prangen in Hollywood lange Perücken; die von Mary P h i l b i n leuchtet in einem ganz unwahrscheinlichen Silberblond, und die Heldin­nen müssen madonnenhafte Augen von großer Schönheit und überirdischer Güte haben und Hal­tungen einnehmen, die für Europa nur den Be­griff der kitschigen Ansichtskarte haben.

Trotzdem sind diese beiden Filme sehenswert -schon als Manometer des amerikanischen Ge­schmacks, von dem man sich hier wenigstens, soweit er den Film angeht immer eine ganz übertriebene Vorstellung zu machen pflegt.

Warschau, 25. März. (WB.) Auf dem Fest­essen der Gesellschaft zur Erforschung internatio­naler Fragen sprach Außenminister Zaleski über seine Genfer Eindrücke, besonders über die Minderheitenanträge DanourandS und Dr. Stresemanns. Ein Teil der ausländischen Presie werde zweifellos zu beweisen versuchen, daß die Beweggründe des deutschen Antrages ausschließlich auf die Sorge und das Wohl Der nationalen Minderheiten und auf andere edle Gefühle zurückzuführen seien. Es sei dann aber nicht leicht einzusehen, weshalb die Staaten, die auf die Rolle des Beschützers und Anwaltes der Minderheiten Anspruch erhoben, den anderen nicht selbst mit gutem Beispiel vor- angehen. Der Gewinn der letzten Ratstagung fet die allseitige Heberzeugung, daß der Völker­bund nicht als ein Instrument für andere als im Völkerbundspakt ausdrücklich formulierte Zwecke gebraucht werden dürfe, und daß die Ausgabe des Völkerbundes die Sicherheit und Erhaltung der Staaten und nicht ihre Zersetzung sei.

Ls fei nachmals auf der letzten Tagung ganz autoritativ feskgestellt worden, daß der Zweck der Minderheitenveriräge die staatliche 2(ffimilafton der Minderheiten, die Bildung der politischen Einheit und die po­litische Verschmelzung der Minderheit mit der Mehrheit fei. Niemand denke daran, die Min­derheiten in ethnischer Beziehung zu assimilie­ren und sie mit Hilfe der Mindecheitenverträge in einzelnen Ländern zur nationalen Ver­schmelzung mit den Mehrheiten oder zum Ver­zicht auf sprachliche, kulturelle oder religiöse Eigenart zu bringen.

Zaleski erklärte weiter, er sei überzeugt, daß die letzte Minderheitendebatte des Völkerbundes einen in polnischem Sinne günstigen Einfluß auf die Minderheiten in Polen, besonders auf die deutsche Minderheit, ausüben müsse. In letzter Zeit zutage getretene Erscheinungen ließen daraus schließen, daß in den führenden Kreisen der deutschen Minderheit in Polen neue, der Aufmunterung und Unter­stützung werte Strömungen gegenüber dem Staate sich..ZU zeigen beginnen. Zaleski führte zum Beweise dafür eine Rede des Vertreters der deutschen Min­derheiten im Sejm, Will, und einen unlängst ver- öffenllichten Aufruf des deutschen Kulturpolitischen Vereins in Oberschlesien an. Wenn die deutsche Minderheit in Polen sich aufrichtig auf den in der Rede des Abgeordneten Will formulierten Stand­punkt stelle, würde eine Basis für die Mitarbeit dieser Minderheit zu finden sein. Dann würde die deutsche Minderheit die nützliche Rolle eines Binde­gliedes zwischen beiden Ländern spielen können.

Die letzte Genfer Tagung habe weiter den Ein- druck einer Art Spannung in den deutsch-pol­nischen Beziehungen verwischt. Die Erledigung der oberschlesischen Beschwerden habe diesmal den strikt sachlichen Rahmen nicht überschrilten. Die Regelung der sehr schwierigen Frage der S ch u l a n m e ld u n g e n sei auf dem Weg der zweiseitigen direkten Verhandlungen geleitet worden. ®r hoffe, daß die Verhandlungen, die morgen in Paris beginnen, endlich zu der beide Seiten zu­friedenstellenden Regelung führen, und daß von nun

Tungen und wegen Bildung eine8 ReichslanvsS wurden abgelehnt.

Der Zeppelin über -em Mittelmeer.

Trotz der Mnbitien der Witterung ist da» Luftschiff Graf ZeppeUn" am Montag in den allerersten Morgenstunden von Friedrichshafen abgeflogen und hat den Kurs über Lüdfraukrelch nach dem Mittel­meer genommen. Gan; Deutschland blickt mit stolzer Erwartung auf diese neue Fahrt de» Zeppettn-Lust- schiffe», die über Palästina nach Konstanti­nopel und von dort durch die valkanstaaten nach dem deutschen Bruderslaat Oesterreich füh­ren soll. E» wird besonders dankbar empfunden, daß nunmehr auch die Oesterreicher einmal Gelegenheit erhallen, diese Errungenschaft der deutschen Technik von Angesicht kennenzulernen, wa» zweifello» den Verbnndenheitvgefühlen zwischen Deutschland und Oesterreich einen neuen Auftrieb geben wird.

Die dem Luftschiffbau funkentelegraphisch mifge- leilt wurde, befand sich derGras Zeppelin", von Korsika kommend, am Montag am 15 Uhr über Rom und fuhr am 15.20 Uhr südwärts der Küste entlang und befand sich um 17.45 Uhr nachmittags über dem Vesuv. Um 2130 Ufjr verließ er ita­lienische» Gebiet and nahm Kar» auf da» Ionische Meer in Richtung Korfu, da» er um 22.30 Uhr überflog: um ^1 Uhr Dienstag früh befand sich das Luftschiff westlich Kap Gerogornpos auf der joni­schen Insel Kephallinia.

Aas aller Wett.

Grotzfencr auf dem LlotzddampferVuroPa^

Hamburg, 26. März. (MTB. Zanksprnch.> Auf dem bei der Werft Blohm * Voß liegenden neuerbauten RiesendampferEuropa" (46 000 Io.), der im August vorigen Jahres vom Stapel lief, ist heute früh gegen 3.30 Uhr Grohfeuer ausgebrochen. Da» Vorderschiff fleht in Flammen, der Brand wird von der Wasser- und Landfeite her be­kämpft. Sämtliche dienstfreien Mannschaften der Hamburger Feuerwehr sind alarmiert worden. Mehrere in der Nähe des Dampfers befindlich ge­wesene Fahrzeuge wurden wegen de» starken Jtttt- kenfluges von ihren Plätzen entfernt.

Ein neuer .Frauenlob".

Der Reichspräsident hat verfügt, daß bei* Stationssender der Nordsee st ation M. 134 künftig den NamenFrauenlob" tragen soll. Damit bleibt die Tradition einefl Kreuzers gewahrt, der in der Skagerrak- Schlacht ein rühmliches Ende fand, als er mit anderen Kreuzern zusammen mit den Engländern im Nachtgefecht lag. Auch an der Seeschlacht bei Helgoland am 28. August 1914 hat sich der Kreuzer hervorragend beteiligt. Die Tra­dition geht noch weiter.Frauenlob" hieß in der alten preußischen Marine eine Schoner- Brigg, die um 1860 eine Expedition nach Ostasien mitmachte und durch einen Taifun auf der Fahrt nach Japan mit voller Besatzung unterging.

Der Reichspräsident in der hugovogel-Ausstellung.

Reichspräsident v. Hindenburg besich­tigte in Begleitung des Staatssekretärs Dr. Meiß­ner und seines Sohnes, des Oberstleutnants von Hin­denburg die Sonderausstellung von Gemälden, Pro­fessor Dr. Hugo Vogels in der Galerie Schulte Unter den Linden. Die Ausstellung enthält eine Reihe von repräsentativen Portrats, und zwar des Reichspräsidenten selbst, des Generalkeld- marschalls von Mackensen, des Reichsminister» a. D. Wallraf usw. Der Besuch des Reichsprä­sidenten hatte eine große Menschenmenge angelockt, die das Reichsoberhaupt mit stürmischen Kund­gebungen begrüßte.

Fitzmanrice wandert au».

Oberst Fitzmaurice, der irische Flieger, der gemeinsam mit Hauptmann Köhl und Baron v. Hünefeld zum ersten Mal den Atlantik von Europa nach Amerika überquerte, schiffte sich auf dem deutschen DampferDresden" nach den Vereinigten Staaten ein. Pressevertre­tern gegenüber erklärte er mit bitterer Stimme, daß er seit mehr als vier Monaten arbeits-

ift technisch sehr auf der Höhe und bringt zumal in den Luftkämpfen sehr dramatische und wirk­lich echt anmutenbe Szenen zustande. Aus der De- etzung (die übrigens den anständigen ameritanh chen Durchschnitt nirgends übersteigt) sind Clara B o w, Charles Rogers und Richard Arien zu nennen. Die deutsche Bearbeitung stammt tm wesentlichen von Erich D f f e r m a n n.

Man sollte den Film zum mindesten um feiner technischen Fortschritte willen gesehen (unb gehört) haben; darüber hinaus gibt er eindringliche Bilder vom Kriege.r

Historische Keichslommission.

Die im vorigen Jahre mit Reichsmitteln neu- gegründete Historische Reichskommif- s i o n hat die Erforschung der Geschichte deS neuen Deuts^n Reiches Mir Aufgabe und ist damit in die Reihe der großen historischen Publi­kationsinstitute getreten, die durch Veröffent­lichung von Quellen und Quellenverarbeitungen nicht nur der Geschichtswissenschaft im engeren Sinne dienen, sondern auch den historischen Sinn und die Liebe für unsere Vergangenheit in der Nation lebendig erhalten wollen. Wichtige Ar­beiten sind begonnen worden, ein großes Quellen- Werk über die Politik Preußens und des Nord­deutschen Bundes von 1858 bis 1871, eine Ver­öffentlichung der KronratS- und StaatSmintste- rialprotofolle und eine Bearbeitung der national­politischen Publizistik aus demselben Zeitraum, eine Entstehungsgeschichte der norddeutschen und der Reichsversassung von 1871 und, um auch eine besonders bedeutsame Aufgabe auS der neuesten Geschichte zu lösen, eine Entstehungsgeschichte der Weimarer Dersosiung. 3n der am Schluß deS ersten Arbeitsjahres abgehaltenen ZahreSsitzung wurde ein Beschluß gefaßt, der an daS dntereffc und die Mitarbeit weiterer Kreise appelliert. Es soll eine Sammlung zeitgeschichtlicher Wate­riallen angelegt werden durch persönliche Be­fragungen solcher, die an den geschichtllche« Gr- eigmffen Oer letzten fünfzehn Fahre wesentlich mitgeiDittt oder als Zeugen Wesentliches dar­über auszusagen haben, als notweMge SraS»

ba schon vvrhandrr»A