gierungelistc, die im wesentlichen nur ftau- didaken der faschistischen Partei oder ihnen Rahe' stehende enthält. Außerdem ist durch die amtliche Agitation sehr stark nachgeholfen worden, so daß es riskant war. eine Neinstimme abzugeben oder auch nur zu Hause zu bleiben. Das Südtirol <m- langt, kann die „Wahl" zweifellos nicht als ein Ausdruck des Volkswillens angesehen werden.
Oie Wahlen in Gü-tirol.
Größte Anstrengungen des faszistischen Apparates.
Innsbruck, 25.Marz. (TU.) Der Wahlsonntag in der Provinz Bozen ist vollständig r u h l g verlaufen. Nach den amtlichen Mitteilungen betrug die Wahlbeteiligung 80 v. H. Bon 52 078 Wahlberechtigten in der Provinz Bozen gingen 41139 zur Abstinvnung. Bon diesen stimmten 38 234 mit „ja", während mit „nein" 2809 stimmten. Die übrigen 96 Stimmen waren ungültig. Der Wahltag hat sich in Bozen und im Übrigen Südtirol im Zeichen des Terrors vollzogen. Die Behörden drängten rücksichtslos von ihnen Abhängige zur B e t e i l i ° g u n g an der Wahl. Besondere Verstimmung hat hervoraerufen, daß der Fürstbischof E n d r i c i von T r i e st ein Schreiben an alle Dekane seiner Diözese erlassen hat, damit „sie und alle Untergebenen zu den Urnen gehen, damit die neue Kammer, deren erster Akt die Ratifizierung und Anwendung des Konkordats zwischen Kirche und Staat sein werde, die volle Zustimmung der Katholiken habe". Die faszistische „Alpenzeitung" bemerkte in ihrer letzten Ausgabe vor der Wahl an der Spitze des Blattes: Wer eine „Nein"°Stimme abgebe oder sich der Stimme enthalte, werde als Verräter und Fahnenflüchtiger be- trachtet.
In den Hauptorlen der Provinz war die Wahlbeteiligung folgende:
Bozen: WoKberechtigte 9159, abgestimmt haben 7445, mit Ja 7022, mit Nein 371, ungültig 32.
Meran: Wahlberechtigte 4893, abgestimmt haben 3931, mit Ja 3682, mit Nein 242, ungültig 7.
Dieses Wahlergebnis muß vor allem mit der Bemerkung versehen werden, daß die 38 000 Stimmen in der Provinz Bozen nicht nur von den Deutschen abgegeben wurden, sondern daß die Italiener im Gegensatz zu früheren Wahlen geschlossen zur Abstimmung gegangen sind. Es muß auch weiter bemerkt werden, daß die Nachprüfung dieser von den behördlichen Stellen gegebenen Ziffern unmöglich ist. Bemerkenswert ist ein Vergleich mit den Ergebnissen der früheren Wahlen in Südtirol. Im Jahre 1921 gingen fast 99 v. h. der Südtiroler Wähler an die Urnen. Der Deutsche Verband erhielt 36 574, die deutschen Sozialdemokraten 3993 Stimmen; die Italiener hatten gar keine Listen ausgestellt. Im Jahre 1924 erhielt der Deutsche Verband 34 983 Stimmen; die Faszistische Partei brachte es trotz des Reglerungsapparates bloß auf rund 3000 Stimmen.
Braunschweig und die Neugliederung -es Reichs.
Weder Reichsland noch Angliederung an Preußen.
Braunschweig, 25.März. (WTB.) 3m Braunschweigischen Landtag verlas heute der Vorsitzende des Staatsministeriums, Dr. Jasper, zur Frage der Selbständigkeit des Landes eine Erklärung, die besagt: Die gemeinsame Not des Reiches und der Länder erzwingt eine Neugliederung des Reiches. Das Staatsministerium zieht eine solche Gesamtlösung jeder Teillösung vor. Es ist besorgt, dqß die deutsche Einheit nicht, gefördert, sondern gefährdet werden könnte, wenn Braunschweig und die übrigen norddeutschen Länder in Preußen aufgehen. Preußen muh in Deutschland aufgehen, wenn Deutschland leben, der dezentralisierte Einheitsstaat erreicht werden soll. Der Freistaat Braunschweig wird dann in Niedersachsen aufgehen, das von der Weser bis zum Harz, von der Elbe bis zum westlichen Industriegebiet reichen, die Altmärker, Ostfalen, Westfalen und Friesen umfassen könnte.
Der finanzielle Ausgleich muß den Ländern die Erfiillung ihrer Aufgaben ermöglichen. Das Staatsministerium erwartet, daß vom Reich eine solche Neugliederung vorgefchlagen wird, die
Berliner Kilmpremieren.
„Der Patriot." — „Der Mann, der lacht."
Berlin, im März 1929.
Es kamen hier zwei amerikanische Großfilme auS Hollywood zur deutschen Uraufführung. Sie sind nicht nur der deutschen Schauspieler wegen interessant, sondern weil sie aus der amerikanischen Filmzentrale stammen, und weil man dort nichts macht, was nicht dem amerikanischen Geschmack streng entspräche und endlich, weil sie so viele Millionen gekostet haben, wie wir sie für ähnliche Unternehmungen gewiß nicht gur Verfügung hätten.
Da ist zunächst bemerkbar, daß sich die Amerikaner, während die großen deutschen Filme immer wehr in die Gegenwart mit ihren sozialen und politischen Nöten rücken, immer noch an dem historischen Prunk der großen Bilderbogen erfreuen. Historisch ist der .Patriot", der, obwohl in Hollywood gedreht, eigentlich ein deutscher Film ist. Deutsch ist das Drama von NIfred Neumann, deutsch das Drehbuch von HanS Krählh. deutsch sind die Bautenent- würfe, die Kostüme, der Regisseur Lubitsch und Emll 3annings. Er spielt hier — frei nach Kortner, der diese Nolle auf der Bühne kreierte —, den Zaren Paul, ein unmenschlich verfettetes, blöde dahin tappendes Anwesen, argwöhnisch, immer gereizt, furchtbar. Natürlich ist es sehenswert, wie sich eine aus dem Vollen schöpfende schauspielerische Potenz wie 3annings mit dieser tierischen Ungeftalf abfindet und auch hier noch, in tiefster Verblödung, eine grandiose darstellerische Leistung gibt, natürlich ist es bemerkenswert, wie Lubitsch nun nach so vielen Jahren — nach »Madame Dubarry" — wieder zu seinem historischen Ausgangspunkt zurückkehrt. jetzt mit allen Finessen einer fortgeschrittenen Technik bewaffnet, mit den neuesten Erfahrungen Hollywoods gerüstet. Natürlich hat dieses Millio- nen-Schauspiel seine intimen und großen Leize. aber sie sagen un8 nichts Neues mehr, well Amerika noch immer bei einer Etappe halt, über die wir hinaus sind und weil Hollywood, des gum Zeichen, diese Etappe so getreulich registriert.
diese Wunsche erfüllt. Das Staatsministerium wird fortfahren, die Verwaltung zu vereinfachen und zu rationalisieren, und ferner prüfen, ob durch Verwaltungsmaßnahmen und lieberem* kommen mit dem Reiche und anderen Ländern sowie durch Rechtsangleichung die erstrebte Einheit gefördert, einfache und billigere Verwaltung erzielt werden kann. Ein Gebietsaustausch kommt nach den bisherigen Erklärungen Preußens nicht in Fraae. Die Lage des Landes ist ernst, aber nicht ungünstiger als die der meisten anderen Länder. Das Staatsministerium ersucht alle guten Braunschweiger, bei allen Erörterungen das Wohl der Heimat nicht außer acht $u lasten.
In der Nachmlttagssitzung des Landtags wurde beim Kapitel „Vorsitzender des Staatsministeriums"
von allen Rednern die Fragen der Zukunft des Landes berührt. 3n Deroinoung hiermit standen die Beratung des bekannten deutschnationalen Antrages auf Anschluhverhandlungen mit Preußen sowie der Antrag der Gemeinschaft der Mitte auf Verhandlungen wegen Bildung eitfeS Reichslandes Braunschweig. Nach längerer Aussprache, bei der die Vertreter aller Parteien zu der Frage Stellung nahmen, wurde die Entschließung des Ausschusses angenommen, das Staatsministerium zu beauftragen, die im Reich seit über Zahre«- frist angebahnten Bestrebungen auf Neuregelung der staatsrechtlichen Verhältnisse von Reich und Ländern mit allen Mitteln nachdrücklich zu fördern. Die Anträge auf Anschlußverhand-
Die Genfer Minderheitendebatte im polnischen Licht.
Zaleski verficht erneut die berüchtigte Verschmelzungstheorie.
an die Methode der zweiseitigen Regelung zur Anwendung gelange, was eine Entlastung des Dölkerbundrates in Minderheitenfragen bedeuten würde. Zaleski erklärte zum Schluß: Die Verbesserungen der Minderheitenprozedur können keinen Einfluß auf das Schicksal der Minderheiten in den einzelnen Ländern haben. Wem das Schicksal der Minderheiten wirklich am Herzen liegt, der sollte ihnen zunächst die Verständigung und Mitarbeit mit den Mitbürgern von der Mehrheit empfehlen. Dies wird selbstverständlich nur dann möglich sein, wenn die Minderheiten sich aus den Boden unbedingter Loyalität dem Staate gegenüber stellen.
.Äs“- ein amerikanischer Kriegsfilm.
Im Lichtspielhaus Bahnhofstraße sah man den in letzter Zeit viel besprochenen Para- mount-Großsilm „wings". Wings heißt eigentlich „Schwingen" oder „Flügel" und ist ein Kriegs- fliegersilm — von der amerikanischen Seite aus gesehen, von amerikanischen Regisseuren und Schauspielern gearbeitet. Das Ganze ist übrigens mit einer snmpachisch berührenden Objektivität inszeniert, die auf jeden unangebrachten Nationalismus verzichtet und auch der Gegenseite — in diesem Falle: den Deutschen — ihr Recht zuteil werden läßt.
Die Kampfesweise unserer eigenen Leute, insbesondere der berühmt gewordenen Staffel Richt- hörens, wirkt auch in der Auffassung und Dar- stellung der Amerikaner durchaus fair und, wie m kleinen Teilmotioen angedeutet wird, sehr ritterlich. Kein falscher Ton und keine gehässige oder auch nur leise tendenziöse Unsachlichkeit ft ort den Eindruck.
lieber die Handlung ist nicht viel zu sagen Sie ist durchaus auf den Geschmack des amerikanischen vielleicht auch eines großen internationalen Film- Publikums zugeschnitten; für unser Gefühl stellenweise zu breit und vielfach reichlich sentimental.
Aber auf die Handlung kommt es in diesem Falle nicht so sehr an. Bemerkenswert an dem Film „Wings" ist (neben seiner schon erwähnten korrekten Haltung) vor allem dies, daß er als ein Vorläufer des Tonfilms, als ein Geräuschfilm anzusprechen ist — einer der ersten, die wir in Deutschland überhaupt vorgesührt bekommen. Man sieht diesen Fllm nicht nur — man hört ihn auch, und zwar nicht nur die Begleitmusik, sondern man vernimmt das Knattern der Motoren, das Gebell der Maschinengewehre, das Krachen der Abwehrgeschütze, das Heulen und Schmettern der Abstürze und Einschläge.
Dies alles ist technisch bereits zu einer beachtens- werten Vollkommenheit gediehen; die Realistik des Toneindrucks ist ost verblüffend, zumal für den alten Soldaten ,dem all diese Geräusche einmal sehr geläufig, hundert- und tausendfach erlebte Wirklichkeit waren.
Auch der Zusammenhalt von Klang und Bild ist — bis auf wenige Ausnahmen — durchaus gelungen. Die Regis von W. L SBeHmaa $
Was Polens Außenminister hier über die letzte Genfer Minderheitstagung des Völkerbundsrates erklärt, stellt so ziemlich den Gipfel dessen dar, was an Entstellung und Verzerrung möglich ist. Als Gewinn bezeichnet es Zaleski, daß in Genf festgestellt worden fei, das Endziel der Minderheitenverträge laufe auf eine politische Verschmelzung der Minderheiten mit dem Staatsvol? hinaus. DaS ist die berüchtigte Assimilationstheorie. Daß Herr Zaleski sie sich zu eigen macht, das darf niemanden wundern. Seine ganze Politik gegenüber dem Deutschtum in Polen ließ das schon bisher erkennen, auch wenn es nie ausgesprochen wurde. Aber wie steht es in Genf mit der Assimilationstheorie? Dor wahren hatte der Brasllianer Mello Franko sie vertreten. Dr. Stresemann hat sich jetzt im März scharf gegen die Rede von damals gewandt mit dem Erfolg, daß Chamberlain, der einst Mello Franko so ziemlich zugestimmt hatte, nunmehr doch von dieser eigenartigen Auffassung des Minderheitenschutzes abgerückt ist. Wie man aus diesem Abrücken schlußfolgern kann, die Assimilation, als» die Aufsaugung der Minderheiten, sei das Endziel der Minderheitenverträge, — das ist ein Geheimnis, das niemand außer Herrn Zaleski, und wahrscheinlich nicht einmal dieser selbst, wird lösen können.
Zusammengehenderdeutschenbüraer- lichen Parteien in Ostoberschlefien.
Kattowitz. 25. März. (WTB.) Eine Delegiertenversammlung der Deutschen Katholischen Volkspartei und der Deutschen Partei nahm eine Entschließung an, in der die Notwendigkeit eines geschlossenen Vorgehens deS gesamten Deutschtums der Wojwooschaft Sch l e s i e n als ein Gebot der Stunde bezeichnet wird. Die Schaffung eines gemeinsamen politischen Ausschusses der beiden deutschen bürgerlichen Parteien wird begrüßt, und es wird mit Genugtuung davon Kenntnis genommen, daß beide Parteien auch weiterhin entschlossen find, jederzeit ihre Kräfte der Arbeit zum Wohle des Staates zur Verfügung zu stellen, und daß sie vor allem eine friedliche Lösung der Frage des einträchtigen Zusammenlebens mit dem Min- Lerheitsoolke herbeizuführen bestrebt sind. Angesichts der bevorstehenden Wahlen zum schlesi- scheu Sejm wird eine gemeinsame Durchführung des W a hlkampfes erwartet. — Die „Kattowitzer Zeitung", die einen Bericht über I die Versammlung brachte, wurde beschlag- | nahmt.
»Der Mann, der lacht" ist gleichfalls' allergrößte Historie nach dem Roman von Viktor Hugo. Diesmal aus dem dunllen England des Mittelalters, als die Zigeuner kleine Knaben entsetzlich verstümmelten: einen solchen fahrenden Gaukler gibt Conrad Veidt, einen, dessen Gesicht durch diesen Eingriff zu einer immer grinsenden widernatürlichen Fratze verzerrt ist, die das Gebiß vollständig freilcgt; er ist der Mann, der lacht. Während also die untere Hälfte seines Gesichtes zu dieser lachenden Grimasse erstarrt ist, spielt er alle Affekte mit der oberen Partie seines Gesichts; sicherlich eine Virtuosenhafte schauspielerische Leistung, aber auch eine unendlich quälende und peinigende für den Zuschauer, denn die gräßliche Lache bleibt, auch wenn sie mit dem Kragen des Mantels bedeckt wird, immer gegenwärtig. An diesen Abnormitäten der Natur also scheint sich Amerika zu erfreuen, und auch der große Aufwand an Bauten, der gewaltige Prunk der Kostüme, mit denen der Regisseur Paul Cent diese Handlung ausgestattet hat. ist sicherlich geradenwegs auf den Geschmack von 11. S. QL bezogen. Ganz Amerikanisches zum Schluß: eine tolle Hetzjagd^ durch eine mittelalterliche Stadt, Flucht über Dächer wie in einem modernen Detektivstück — es fehlt nur das rasende Auto — unö damit nichts Amerikanisches mangele, tritt auch noch ein Rintintin als Schützer und Retter zweier Liebenden auf.
Beachtenswert sind auch die Frauengestalten, die in diesen Filmen die großen Rollen spielen. Während bei uns der Girltyp mit Bubikopf vorherrscht, prangen in Hollywood lange Perücken; die von Mary P h i l b i n leuchtet in einem ganz unwahrscheinlichen Silberblond, und die Heldinnen müssen madonnenhafte Augen von großer Schönheit und überirdischer Güte haben und Haltungen einnehmen, die für Europa nur den Begriff der kitschigen Ansichtskarte haben.
Trotzdem sind diese beiden Filme sehenswert -—schon als Manometer des amerikanischen Geschmacks, von dem man sich hier — wenigstens, soweit er den Film angeht — immer eine ganz übertriebene Vorstellung zu machen pflegt.
Warschau, 25. März. (WB.) Auf dem Festessen der Gesellschaft zur Erforschung internationaler Fragen sprach Außenminister Zaleski über seine Genfer Eindrücke, besonders über die Minderheitenanträge DanourandS und Dr. Stresemanns. Ein Teil der ausländischen Presie werde zweifellos zu beweisen versuchen, daß die Beweggründe des deutschen Antrages ausschließlich auf die Sorge und das Wohl Der nationalen Minderheiten und auf andere edle Gefühle zurückzuführen seien. Es sei dann aber nicht leicht einzusehen, weshalb die Staaten, die auf die Rolle des Beschützers und Anwaltes der Minderheiten Anspruch erhoben, den anderen nicht selbst mit gutem Beispiel vor- angehen. Der Gewinn der letzten Ratstagung fet die allseitige Heberzeugung, daß der Völkerbund nicht als ein Instrument für andere als im Völkerbundspakt ausdrücklich formulierte Zwecke gebraucht werden dürfe, und daß die Ausgabe des Völkerbundes die Sicherheit und Erhaltung der Staaten und nicht ihre Zersetzung sei.
Ls fei nachmals auf der letzten Tagung ganz autoritativ feskgestellt worden, daß der Zweck der Minderheitenveriräge die staatliche 2(ffimilafton der Minderheiten, die Bildung der politischen Einheit und die politische Verschmelzung der Minderheit mit der Mehrheit fei. Niemand denke daran, die Minderheiten in ethnischer Beziehung zu assimilieren und sie mit Hilfe der Mindecheitenverträge in einzelnen Ländern zur nationalen Verschmelzung mit den Mehrheiten oder zum Verzicht auf sprachliche, kulturelle oder religiöse Eigenart zu bringen.
Zaleski erklärte weiter, er sei überzeugt, daß die letzte Minderheitendebatte des Völkerbundes einen in polnischem Sinne günstigen Einfluß auf die Minderheiten in Polen, besonders auf die deutsche Minderheit, ausüben müsse. In letzter Zeit zutage getretene Erscheinungen ließen daraus schließen, daß in den führenden Kreisen der deutschen Minderheit in Polen neue, der Aufmunterung und Unterstützung werte Strömungen gegenüber dem Staate sich..ZU zeigen beginnen. Zaleski führte zum Beweise dafür eine Rede des Vertreters der deutschen Minderheiten im Sejm, Will, und einen unlängst ver- öffenllichten Aufruf des deutschen Kulturpolitischen Vereins in Oberschlesien an. Wenn die deutsche Minderheit in Polen sich aufrichtig auf den in der Rede des Abgeordneten Will formulierten Standpunkt stelle, würde eine Basis für die Mitarbeit dieser Minderheit zu finden sein. Dann würde die deutsche Minderheit die nützliche Rolle eines Bindegliedes zwischen beiden Ländern spielen können.
Die letzte Genfer Tagung habe weiter den Ein- druck einer Art Spannung in den deutsch-polnischen Beziehungen verwischt. Die Erledigung der oberschlesischen Beschwerden habe diesmal den strikt sachlichen Rahmen nicht überschrilten. Die Regelung der sehr schwierigen Frage der S ch u l a n m e ld u n g e n sei auf dem Weg der zweiseitigen direkten Verhandlungen geleitet worden. ®r hoffe, daß die Verhandlungen, die morgen in Paris beginnen, endlich zu der beide Seiten zufriedenstellenden Regelung führen, und daß von nun
Tungen und wegen Bildung eine8 ReichslanvsS wurden abgelehnt.
Der Zeppelin über -em Mittelmeer.
Trotz der Mnbitien der Witterung ist da» Luftschiff „Graf ZeppeUn" am Montag in den allerersten Morgenstunden von Friedrichshafen abgeflogen und hat den Kurs über Lüdfraukrelch nach dem Mittelmeer genommen. Gan; Deutschland blickt mit stolzer Erwartung auf diese neue Fahrt de» Zeppettn-Lust- schiffe», die über Palästina nach Konstantinopel und von dort durch die valkanstaaten nach dem deutschen Bruderslaat Oesterreich führen soll. E» wird besonders dankbar empfunden, daß nunmehr auch die Oesterreicher einmal Gelegenheit erhallen, diese Errungenschaft der deutschen Technik von Angesicht kennenzulernen, wa» zweifello» den Verbnndenheitvgefühlen zwischen Deutschland und Oesterreich einen neuen Auftrieb geben wird.
Die dem Luftschiffbau funkentelegraphisch mifge- leilt wurde, befand sich der „Gras Zeppelin", von Korsika kommend, am Montag am 15 Uhr über Rom und fuhr am 15.20 Uhr südwärts der Küste entlang und befand sich um 17.45 Uhr nachmittags über dem Vesuv. Um 2130 Ufjr verließ er italienische» Gebiet and nahm Kar» auf da» Ionische Meer in Richtung Korfu, da» er um 22.30 Uhr überflog: um ^1 Uhr Dienstag früh befand sich das Luftschiff westlich Kap Gerogornpos auf der jonischen Insel Kephallinia.
Aas aller Wett.
Grotzfencr auf dem Llotzddampfer„VuroPa^
Hamburg, 26. März. (MTB. Zanksprnch.> Auf dem bei der Werft Blohm * Voß liegenden neuerbauten Riesendampfer „Europa" (46 000 Io.), der im August vorigen Jahres vom Stapel lief, ist heute früh gegen 3.30 Uhr Grohfeuer ausgebrochen. Da» Vorderschiff fleht in Flammen, der Brand wird von der Wasser- und Landfeite her bekämpft. Sämtliche dienstfreien Mannschaften der Hamburger Feuerwehr sind alarmiert worden. Mehrere in der Nähe des Dampfers befindlich gewesene Fahrzeuge wurden wegen de» starken Jtttt- kenfluges von ihren Plätzen entfernt.
Ein neuer .Frauenlob".
Der Reichspräsident hat verfügt, daß bei* Stationssender der Nordsee st ation „M. 134“ künftig den Namen „Frauenlob" tragen soll. Damit bleibt die Tradition einefl Kreuzers gewahrt, der in der Skagerrak- Schlacht ein rühmliches Ende fand, als er mit anderen Kreuzern zusammen mit den Engländern im Nachtgefecht lag. Auch an der Seeschlacht bei Helgoland am 28. August 1914 hat sich der Kreuzer hervorragend beteiligt. Die Tradition geht noch weiter. „Frauenlob" hieß in der alten preußischen Marine eine Schoner- Brigg, die um 1860 eine Expedition nach Ostasien mitmachte und durch einen Taifun auf der Fahrt nach Japan mit voller Besatzung unterging.
Der Reichspräsident in der hugovogel-Ausstellung.
Reichspräsident v. Hindenburg besichtigte in Begleitung des Staatssekretärs Dr. Meißner und seines Sohnes, des Oberstleutnants von Hindenburg die Sonderausstellung von Gemälden, Professor Dr. Hugo Vogels in der Galerie Schulte Unter den Linden. Die Ausstellung enthält eine Reihe von repräsentativen Portrats, und zwar des Reichspräsidenten selbst, des Generalkeld- marschalls von Mackensen, des Reichsminister» a. D. Wallraf usw. Der Besuch des Reichspräsidenten hatte eine große Menschenmenge angelockt, die das Reichsoberhaupt mit stürmischen Kundgebungen begrüßte.
Fitzmanrice wandert au».
Oberst Fitzmaurice, der irische Flieger, der gemeinsam mit Hauptmann Köhl und Baron v. Hünefeld zum ersten Mal den Atlantik von Europa nach Amerika überquerte, schiffte sich auf dem deutschen Dampfer „Dresden" nach den Vereinigten Staaten ein. Pressevertretern gegenüber erklärte er mit bitterer Stimme, daß er seit mehr als vier Monaten arbeits-
ift technisch sehr auf der Höhe und bringt — zumal in den Luftkämpfen — sehr dramatische und wirklich echt anmutenbe Szenen zustande. Aus der De- etzung (die übrigens den anständigen ameritanh chen Durchschnitt nirgends übersteigt) sind Clara B o w, Charles Rogers und Richard Arien zu nennen. — Die deutsche Bearbeitung stammt tm wesentlichen von Erich D f f e r m a n n.
Man sollte den Film zum mindesten um feiner technischen Fortschritte willen gesehen (unb gehört) haben; darüber hinaus gibt er eindringliche Bilder vom Kriege. —r—
Historische Keichslommission.
Die im vorigen Jahre mit Reichsmitteln neu- gegründete Historische Reichskommif- s i o n hat die Erforschung der Geschichte deS neuen Deuts^n Reiches Mir Aufgabe und ist damit in die Reihe der großen historischen Publikationsinstitute getreten, die durch Veröffentlichung von Quellen und Quellenverarbeitungen nicht nur der Geschichtswissenschaft im engeren Sinne dienen, sondern auch den historischen Sinn und die Liebe für unsere Vergangenheit in der Nation lebendig erhalten wollen. Wichtige Arbeiten sind begonnen worden, ein großes Quellen- Werk über die Politik Preußens und des Norddeutschen Bundes von 1858 bis 1871, eine Veröffentlichung der KronratS- und StaatSmintste- rialprotofolle und eine Bearbeitung der nationalpolitischen Publizistik aus demselben Zeitraum, eine Entstehungsgeschichte der norddeutschen und der Reichsversassung von 1871 und, um auch eine besonders bedeutsame Aufgabe auS der neuesten Geschichte zu lösen, eine Entstehungsgeschichte der Weimarer Dersosiung. 3n der am Schluß deS ersten Arbeitsjahres abgehaltenen ZahreSsitzung wurde ein Beschluß gefaßt, der an daS dntereffc und die Mitarbeit weiterer Kreise appelliert. Es soll eine Sammlung zeitgeschichtlicher Wateriallen angelegt werden durch persönliche Befragungen solcher, die an den geschichtllche« Gr- eigmffen Oer letzten fünfzehn Fahre wesentlich mitgeiDittt oder als Zeugen Wesentliches darüber auszusagen haben, als notweMge SraS»
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