Ausgabe 
26.2.1929
 
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vienr'ag, 26. Zebruar 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Nr. 48 Drittes Blatt

Nie Umstellung der Landwirtschaft im hohen Vogelsberg.

Rachtem für den östlichen Teil des oberen Vogeisberges in einer am 26. Januar zu Hart- mannShain stallaehabien Versammlung die Regierungsvorlage über die Llmstellung der Landwirtschaft im hohen Vogels­berg zur Kenntnis der ansässigen Landwirte gebracht toorten war. um deren Ansichten und Wünsche entgegenzunehmen, fanD am Samstag, 23. Februar wie gestern schon Iura berichtet, zu dem gleichen Zweck die Parallelversammlung in ll l r i st e i n für den westlichen Teil des hohen Vogelsberges statt. Entgegen anders^ lautenden Behauptungen sei eingangs besonders be.ont, dah die Regierung von Anfang an den Plan gehabt hat, in Anbetracht ter schlechten Verkehrsverhältnisse, gerate des westlichen Teils des Vogelsbergs, zwei Parallelversammlungen abzuhaltcn. Da die Versammlung zu Ulrichstein in ter Hauptsache eine Wiederholung ter Hart- mannshainer Versammlung war, erübrigt es sich wohl, einen ausführlichen Tericht darüber zu geben. (Zur Information sei auf den Vericht ter Hortmannshainer Versammlung in Ar. 24 des Sieh. Anz. vom 29. Januar 1929 verwiesen.) Es wird darum im folgenden nur das fcstgehal­len, was die Versammlung Reues in bezug auf die Darlegungen ter Sachverständigen, sowie auf die Ergebnisse in der Aussprache ergab.

Vor ungefähr 200 Personen im Grohschen Saale konnte der

Minister für Arbeit und Wirtschaft Korell gegen 1 ällhr die Versammlung eröffnen, Trotz­dem die Regierungsvertreter noch nicht alle zur S elle waren, da ein Auto im Schnee stecken ge­bieten war, trat ter Minister mit Rücksicht auf die Zeit in die Verhandlungen ein. Er begrüßte flunödjft die erschienenen Abgeordneten des hes­sischen Landtags, und zwar vom Landbund Dr. v. H e l m o l t und Fenchel, vom Zentrum Dr. Keller (Gießen) und von ter Sozialdemokra­tischen Partei Lux und Dr. Maurer, weiter­hin den Kreisdirektor des Kreises Schotten, Dr. 2 a n n , die Vertreter ter Landwirtschaftskammer, an ihrer Spitze den Generaldirektor Dr. H a - mann und den Vorsitzenden des Landwirt- schaftskammer-Ausschusscs für Oberhessen Oeko- nomierat Breidenbach (Dorheim), und dann die zahlreich erschienenen Bürgermeister und Landwirte der in Frage kommenden Ortschaften. Gleichzeitig gab er bekannt, daß die Abgeordneten ter Deutschen Volkspariei und ter Demokrati­schen Partei auch einge'aten seien, sich aber ent­schuldigt hätten. Er streifte dann kurz das Mustergut der Landwirtschaftskammer, den Sel­genhof, den er vorher besichtigt hatte, und be­glückwünscht die Landwirtschaftslammer zu dieser Einrichtung. Er ging dann noch einmal ausführ­lich auf ten alten Generalkulturplan ein, der seinerzeit in einerfriedlichen Rebellion"^ in Gre- benbain abgelehnt worden fei. Die Gründe für d e damalige Ablehnung seien darin zu suchen, bah 1. durch weitgehende Aufforstung die an und für sich schon setzr kleine landwirtschaftlich nutzbare Fläche noch verringert werden sollte, 2. dah ein Gesamtprojekt zur Durchführung kommen und 3. dah es gegen den Willen und die Wünsche tei betroffenen Landwirte ausgeführt werden sollte. Diese drei Kardinalfehler vermeide die neue Regierungsvorlage. 1. Sie sehe keine neue Aufforstung vor, sondern suche die landwirtschaftlich nutzbare Fläche, auch durch Be­seitigung von Waldteilen, noch zu vergröhern. 2. Die Umstellung solle in Teilprojekten, und zwar auf 15 bis 20 Jahre verteilt, durchgeführt werden. Dabei könnten die einzelnen Gemeinten

individuell behandelt und die Aenderungen und Verbesserungen von Fall zu Fall vorgenommen werden. 3. Die Durchführung des neuen Planes werde niemals gegen oder ohne, sondern nur m i t den beteiligten Landwirten durch­geführt werten. Der Minister betonte beson­ders, dah die llmstellung des oberen Vogelsberges nicht allein im Interesse der Landwirtschaft dieses Gebietes gelegen, sondern dah sie sowohl vom staatspolitischen, als auch vom gesamtvollswirtschafllichen Standpunkt aus eine Rotwendigkeit sei. Der Staat werde sicherlich selbst damit ein Geschäft machen. Weiter­hin sagte er Die Unterstützung des Staates be­züglich des Absatzes der Produkte durch Grün­dung von Molkereien und Viehverwer- wertungsgenossenschaften zu.Der Mi­nister hat die Gewißheit, dah ihn ter Landtag tei seinen Testrrbungen nicht im Stiche las'en wird. Darau, gab ter Minister den Vertretern ter Tehörten und ten Landtagsabgeordneten das Wort.

Krcrsdircktor Dr. Jann-Schottcn begrüßte die Regierung und die Abgeordneten im Kreise Schotten. Er sagt seine Mitarbeit und feine llnterstühung als Selbstverständlichkeit zu und forderte die Bürgermeister und Landwirte ebenfalls dazu auf.

Abg Dr. v. Hclmolt (Ldbd.)

betonte, daß seine Partei den Minister jederzeit in ter Ausführu^ seines Planes unterstützen werte. Auch gla be er, dah alle Parteien der Regierungsvorlage ujre Mithilfe nicht versagen und daß jegliche parteipolitische Gejichtspunite ausgeschieden würden. Er begrüßte die älmstel- hing im besonderen als ein Mittel zur Begeg­nung der Landflucht.

Abg Lux (Soz.)

erklärte, daß auch seine Partei die geforderten Mittel bewilligen werde, da die Vorlage die vollswir.schall.iche Crsch.i ß_ng des cb reu Do- gelsverges bezwecke. In längeren Ausführungen zeigte der Redner die Erfolge der Landwirtschaft anderer Gebiete u. a. auch des llniversitäts- versuchsgatesUnterer Hardthof" in bezug auf Veredelung und Absatz landwirtschaftlicher Produk.e.

Abg. Dr. Keller (Zentr ) Gietzcn

wies auf die produktiven Leistungen der deutschen Landwir.schäft im Vergleich zu anderen Erwerbs» zweigen hin und versprach die Mithilfe seiner Partei.

Der Generaldirektor

der Landwirtschaftskammer Dr. Hamann beleuchtete die wichtigsten Gründe für die llmstel- lung und erinnerte daran, dah in anderen Gegen­den Deutschlands aus gleichen Gründen sich die Umstellung. schon fast vor 133 Jahren vollzogen habe. Der Vogelsberg müsse das Reservoir und ter Lieferant der Gebiete werden, die keine Vieh­zucht. sondern nur Viehhaltung treiben t innen. Außer ter Schaffung von Grünland sei dazu aber auch intensive systematische Arbeit auf dem Gebiete ter Viehzucht notwendig. Er begrüßte es, dah die Umstellung nicht nach einem großen Schema, sondern von Fall zu Fall vorgenommen werden soll.

OekonomicratBrcideubach,Borsitzendcrdcö Landwirtschaftskamuicr-Ansschusses rür Oberbessen

erinnerte an die langjährige Arbeit der Land­wirtschaftskammer zur Erhöhung und Hebung der

Rotviehzucht im Vogelsberg. Er forderte ter- mehrten Schutz der landwir.schaftlichen Erzeug­nisse durch den Staat. Darauf erwiderte

Minister Korell,

daß die neue Mahlverordnung des Reichsernäh­rungsministers, wonach die Mühlen gezwungen sind, einen bestimmten Teil inländischen Getrei­des zu vermahlen, auf seinen Vorschlag hin er­folgt sei. Auch habe er die Wünsche ter Land­wirtschaft in bezug auf Fleisch und Zucker in Berlin zur Geltung gebracht.

Da inzwischen die Sachbearbeiter des Mini­steriums. die Ministerialräte Becker, Hehl und Dauer, eingetroffen waren, erhielt

Ministerialrat Bauer

das Wort zu feinem erläuternden Vor­trag über d i e Regierungsvorlage. Seine Ans.ührungen entgalten gegenüber seinen Ausführungen in Hartmannshain u. a. folgende neue Gesichtspunk e: Der Rückgang ter Bevölke­rungszahlen im oberen Vogelsberg feit 1361 um rund 9 Prozent gegenüber einer Zunahme in Helfen um 65 Prozent ist sehr auffallend. Die Gründe für die starke Abwanderung sind in den verkehrten landwir schäft.ichen Betriebsmaßnah- men zu suchen. Durch Scha,fung von Silos kann sich der Vogelsberger Weidewirt von den ungün­stigen Wittcrungsverhällnifsen zur Erntezeit un­abhängig machen. Außerdem ist dieses Silage­futter als Saftsutter ein wertvoller Ersah der Runkeln und Kohlrüben, deren Anbau als durch­aus unrentabel bezeichnet werden müsse. Dann setzte sich der Redner mit den gegenteiligen Be­hauptungen eines VortraaS. ter über da j gleiche Thema in Frankfurt a. M. vor Regierungsver­tretern und Abgeordneten gehalten wurde, aus­einander und bewies an Hand von einwand­freiem Zahlenmaterial die Rich.igkeit seiner Dar­legungen. Die Zweckmäßigkeit und die Rotwen- digkeit der Anlage von Waldstreifen, um die Austrocknung des Gebietes zu verhindern, ver­neinte er vollkommen. Richt die Austrocknung habe der obere Vogelsberg zu befürchten, sondern im ©egenteil der übermäßige Feuch.igkcitsgehalt des Bodens sei zu beseitigen. Da durch Probe­melken ter Riedeselschen ®utSter,-'~ll'tnq ein­wandfrei sefigeste li w rden sei. dah durch CEei e- gang die Milchmenge pro Kuh u.u Tag um durchschnittlich 3 Liter gegenüber der Stallhal­tung gesteigert wurde, so forderte er u. a. die Anlage von gemeinsamen Weiten. Als Voraus­setzung hier.ür bezeichnet er die Durchführung der Feldbereinigung. In ter folgenden Aus­sprache legte

Bctcrinärrat Dr. Schmidt

die Gesundheitsverhältnisse des Rindviehs im Kreis Schotten an Hand von statistischem Mate­rial dar und warnte vor einer staatlichen Be­kämpfung ter Tuberiulofe aus finanziellen Grün­den. Für unbedingt erforderlich hält der Redner die uncnigelt iche Beratung bei Stallneubauten, und er bat dies besonders bei ter Umstellung zu berücksichtigen.

Landwirt Stein, Kreisvorsitzendcr des Landbundcs bemängelte u. a, daß die Regieren j die teruss- ständiscye (wirtscha.tspo.iiische) Ve..retung. also den Landbund, zu dieser Besprechung nicht ein* geladen habe. In längeren Ausübungen suchte er dann an Hand von örtlichen Beispielen zu be­weisen, dah trotz genossenschaftlicher Verwertung und Veredelung ter Produkte doch keine genü­genden Preise zu erzielen seien. Weiterhin be­

Das große Grauen.

ZRoman von H. A von Byern.

Llrheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister Werdau.

16 Fortsetzung Nachdruck verboten

Es war ter Abend des 19. Juni 1903 . . . Lind kein Ahnen kam mir, daß sich auf ten Tag vier Monate danach das Schicksal zweier mir so tieben Menschen er,üllt haben würde, dah ich es dann kennengelernt hatte:

Das große Grauen.

Schloß Terofal in der Oed, am 1. Sept. 1903. Mein lieber, guter Alter!

Heute bin ich wirtlich in Verlegenheit, wie ich beginnen soll; denn ich muh Dir eine Absage schicken. Weiht ja wohl noch, dah wir für den Herbst ein Wiedersehen In Terofal ausg macht hatten und nun . . . Aber Du brauchst nicht zu erschrecken. Alterle, mit ter Sopherl und mtr ist s nichts, sind beide gesund und fidel, bloß seit acht Tagen bin ich nimmer zur Ruhe gekommen, ist nämiich einBauernschreck' im Revier, ein Wolf, ter Fährte nach. Hast wohl nichts davon gehört in Deiner stillen Waldeinsamkeit, trotzdem sogar die hauptstädtischen Zeitungen drüber be­richtet haben. Die Bestie hat mir das ganze Revier rog.ig gemacht, alles Rotwild versprengt, und ter Riki Pernegg mit feinen Leuten,, die ärarischen Beamten, ich und meine zwei Jager sind immer auf den Füßen. Haben aber nichts in Anblick bekommen. Manchmal findet man einen frischen Riß, oft ist wieder Ruhe, und wenn man meint:So, schön, jetzt is dös Malellzvieh aus- gewechselt ' ja, Schnecken, gleich sprk. s wieder! Zehn Pflw.d sicher habe ich abgenommen, bin hawete Rächte, ganze Tage draußen und grantig, grantig! Alterte, sei mir nicht böse, gelt ? Don einem Beisammensein hätten wir jetzt nichts, ich muh erst einmal wieder heraus aus ter Oed, Menschen sehen, nicht bloß Steiner und himmel­hohe Berge. Ende Oktober fahren wir nach Kis- Erdö, da kommst Du dann zu uns, schießt Hir­schen und Sauen so viel als Du magst. Mein Frauerl würde lieber heute als morgen packen, geht aber nicht, erst muh ter Bauemschreck her! Du, so habe ich mich nie geplagt um einen Löwen oder Leoparden. Weißt Du noch, wie terHa- libi, ter Achenziöoy, mitten in der Rächt ins Zelt ko'.nmt:atrnba, btoanal * Fünf Minuten später hat e- geschnallt, und am anderen Morgen haben wir den alten Mätznenlöwen gefunden, lei­der schon angeschnitten. Wenn ich bloß wüßte, wo das Teufelsvieh hergekommen ist! 1862 hat mein Vater ten letzten geschossen, vor 41 Jahren.

Ist am Ende auch nur ein großer, verwilderter Hund, aber die Leute reden natürlich gleich aller­hand ungereimtes Zeug, ci.i Werwolf, womöglich einer, ter mit dem höllischen Schürmeister in Verbindung steht. Sind halt Einödbauern, da kann man nichts machen, gegen die dummen Leute wächst kein Kräi terl. Sei nicht bös. Alterte, wenn ich schließe, ich toll wieder ins Revier, es läßt mir feine Ruhe. D' Sopherl läßt recht schön grüßen, und ich bin heute und allzeit in Treue mit Handschlag

Dein Vinzenz.

P. S. Du. der Keiler ist fein geworden, rein närrisch war das Frauerl vor Feeute!

Rachdenklich faltete ich das Schreiben zusam­men, da fiel aus dem Umschlag noch ein Zei­tungsausschnitt heraus:

Bauernschreck. Unter dieser Bezeichnung macht in letzter Zeit ein starkes Stück Raubwild, das wie Kenner versichern ter Fährte nach nur ein Wolf fein kann, in ter Gegend um Rhei- derspitze und Hochkegel viel von sich reden. Außer zahlreichem Nutzwild wurden auch mehrere Stücke Jungvieh gerissen. Hoffentlich gelingt es bald, des sagenhaften Untiers, das für die armen Ein- ööbauern zu einer wahren Landplage geworden ist, habhaft zu werden."

Ra. also da hatte ja nun auch Terofal in ter Oed seineSensation". Seltsam, wie zerfahren ter Vinzenz diesmal schrieb, so gar nichts Per­sönliches, wie jemand, der einen Brief mühsam zusammengestoppeit. um die Hauptsache nicht sogen zu müssen. Denn irgend etwas stllmmte da nicht; das las ich auS ein paar Worten heraus: Ich muh erst einmal wieder ra^s aus der Oed. Menschen sehen, nicht bloß Steiner und himmel­hohe Berg' . . . Eigentlich war es das alte G'sang'l, das ich nun schon kannte: zwei, drei Monate Cinödleben und dann ein fast krankhaftes Reisefieber. Aber lange konnte es ja nickt dauern, bis derBauemschreck' zur Strecke Tarn, und Frau Sopherl würde, wie ich sie kannte, von früh bis abends im Revier sein wehrhaftes Wild zu jagen, das war so etwas nach ihrem Geschmack!

Die Tage vergingen, und ter September neigte sich seinem Ente zu. Stare und Störche waren nach Süden gezogen, in frost stillen Räch'en fang das Trompeten der Kraniche und der Auenwald prangte in seinen leuchtendsten Farben. Früh und abends pirschte ich auf den Geweihten. tagsüber hatte ich mit-versuche und Krästenhütte ge­nug zu tun, denn der Habicht strich und der W'nterfa I.

Vis in den Oktober hinein hielt das klare, schone Wetter an. dann sprang der Wind nach Rordwest um, peitschte schwere, graue Wolken­massen vor sich her, fuhr johlend in das sparrige Unterholz, die knarrenden Kronen des achtzig­

jährigen Bestandes, pfiff um Zinnen und Erker, rüttelte an den Fensterläden und brachte Regen, Regen, Regen. Da gab's stille Zeit. Tagsüber wurde gedroschen, und abends laß ich am Kamin­feuer, las in einem guten Tuch und blickte immer wieder einmal hinüber nac; den vier braven Geweihen meinerDiesjährigen".

Endlich ließ die Sintflut nach. Zwar rann es noch von allen St ä ch rn und Bäuiren, ingrjfcea Lachen stand die ie._,mfarbene Brühe auf dem Hof, füllte alle Abzugsgräben, ließ ten trägen Mühlbach zu einem Fluh anschwellen, aber hinter dem Hochwald blaute doch schon toiever der Himmel, lachte die liebe Sonne. Alle Leute auf Die Felder! Letzi gab's Arbeit in Hülle und Fülle! Kartoffeln und Rüben mußten eingebracht werden, dazu die Herbstbestellung, ehe der erste Schnee kam, ich wußte kaum, wo mir der Kopf stand.

Und mitten in diese Hetzjagd hinein platzte am 10. Oktober ein Telegramm. Abends sand ich es vor, als ich todmüde heimkam:Ditte, kommen Sie, wenn möglich, sofort, bin in großer Sorge um Vinzenz! Ihr Besuch muh aber wie unabsichtig ausfehen. Rechne bestimmt auf Ihr Kommen und Ihre Freundschaft. Sophy von Andrian."

Was zum Teufel mochte da vorgefallen fein?! Mein erster Gedanke war: nochma.ige Anfrage. Aber ebenso schnell verwarf ich ihn wieder: Tin in großer Sorge um Vinzenz, rechne be­stimmt auf Ihr Kommen und Ihre Freund- schuft."

Rein, das Vertrauen Durfte nicht getäuscht werden! Da schienen also auch ter Riki Per- negg und ter Poldi Pürkstein nicht aushelfen zu können ....

Roch an demselben Abend packte ich meinen Koffer, ließ die Büchse hübsch daheim denn das hätte Verdacht erregt und fuhr am an­deren Morgen nach München. Eine Ausrede lieh sich schon finden natürlich, ich hatte mir auch mal Die vielgerühmte Oltobertoiefc an­sehen wollen, und von Bayern hinüber nach Tirol war's ja nur ein Katzensprüngeri. Ein Schnürlregen begleitete mich bei Der Fahrt hinein in Die Berge, und ich konnte nichts Bes­seres tun, als auf Vorrat zu schlafen, eine Fähig­keit, die jeder Jäger besitzen sollte. So, nun hatte Der Vinzenz wohl schon meine Depesche, würde vielleicht selbst an Die Bahn kommen, um mich abzuholen, und gähnend kramte ich meine sieben Sachen zusammen.

ein Pfiff, stuckernde Weichen richtig, Da stand das Schnauserl und neben ihm Frau So­pherl in einem gelbbraunen Gummimantel, Die Leterkappe ein wenig kokett auf das vom Wind zerzauste Blondhaar gerückt.

Grüß Gott, gnädige grau, und höchstselbst holen Sie mich ab?l"

tonte er, dah die Unkosten der Feldbereiniaung nicht Den an und für sich sehr niedrigen Wert tes Grund und Bodens übersteigen dürfen. Seine Mitteilungen, dah, trotzdem jeg.icher Ertrag ter Landwir.schall im oberen Voge.soerg sehll. doch eine Erhöhung deS Steuerwer.es durch die Ein- heitstewertung. in manchen Fällen im Vogels­berg um 10J Prozent, oorgenominen worden sei, rief lebhaftes Erstaunen in ter Versammlung her­vor.

Minister Korell

versprach sein Eintreten beim Landessinanzanll in dieser Sache, und glaubt auch bald Die Mög­lichkeit zu haben, die Kosten Der Feldbereinigun. gen durch Gewährung eines geringen Zinssatzes ten Gemeinden erträglich zu machen.

Abg. Lux (Soz.)

betonte nochmals, dah das Projekt von allen, ohne Ansehung der Partei, gelottert werden müsse. Er bezweifelte Die Leistungsfähigkeit ter jetzigen, schon bestehenden genossenschaftlichen Ge­bilde. Tie höhere Steuerveranlagung des Vo­gelsberges bezeichnete ter Redner als eine Un­geheuerlichkeit.

Abg. Fenchel (Ldbd.)

wies darauf hin, dah die Umstellung im rich­tigen Sinne auch von allen Landwirten richtig verstanden werden müsse und dah deshalb noch Au,klärung notwendig sei. Er warnte vorläu­fig vor Reugründungen von Molkereien usw. Da Die in Betracht kommenden Gemeinden bis auf geringe Ausnahmen noch keine Parzellenvermef- fung hätten, so seien die Kosten hierfür vom Staat zu tragen. Auch er forderte die gesamte Landwirtschaft zur regen Mitarbeit an dem Pro­jekt auf.

Minister Korell

gab feine Bestrebungen zur Einführung von ge­eigneten Rebenverdicnstmögllchb.i en be.annt, die aber leider noch zu keinem befriedigenden Eraeb- nis geführt hätten. Er wies auf bte Rotwendig­keit Der Aufklärung der städtischen Verbraucher­schaft hin und stellte fest, dah ein angemessener Verkausswert der deutschen landwirtschaftlichen Produkte nur in gemeinsamer Arbeit zwischen Stadt und Land erreicht werden könne.

Bürgermeister Appel-Nlrichstein

betonte, dah bei dem neuen Plan in erster Linie Der Landwirt und nich., wie früher, Der Forstwirt das Wort habe. Er zeigte an ten örtlichen Er­gebnissen des Weideganges. wo eine Durch­schnittszunahme pro Stück von 131 Pfund erreicht wurde, Den Erfolg einer rationellen Weidewirt­schaft. Die Feldber einig rngskosten dürften nicht zu hoch werden, deshalb sei auch er für ein ver­einfachtes Verfahren.

Landwirt Fischer-Sichenhausen

wies nochmals darauf hin, dah nicht parteipoli­tische, sondern nur volkswirtschaftliche Grünte bei Der Lösung der Frage mahgebend sein dürften.

Rach weiteren Ausführungen von Bürgermei­ster Appel u. a. Rednern konnte

Minister Korell

gegen 5 Uhr das Schluhwort sprechen. Er betonte, daß er auch hier, wie in HartmannShain, den Eindruck gewonnen habe, daß die beteiligte Landwir.schäft von Der Rotwendigkeit Der Um­stellung überzeugt und zur tätigen Mithilfe bei Der Regierungsvorlage bereit fei. Ein solch gro­ßes Werk beDürfe aber in hohem Maße gegen­seitigen Vertrauens. Mit Dem Wunsche, daß Die hier vorgetragenen und gutgeheißenen Pläne der Regierung dem Vogelsberger Bauern bessere Zeiten bringen möchten, schloß der Mini­ster mit einem Hoch auf Die hessiiche Heimat Die Versammlung.

Sie versuchte ein Lächeln, das ihr nicht so recht gelingen wollte.

D'r Vinzenz is' halt toieter draußen, lauft von früh an im Revier umananD . . . .

..Also lebt DerBauemschreck" noch?"

Vorgestern hat er ein g ringes Hirsch l griffen. Drüben beim Riki Pernegg . . ."

lllnd Sie haben auch noch kein Weidmanns- heil gehabt, trotz Ihres berühmten Anlaufs?"

Aus an Wolf schieß i nit.

..Ach ja, ich entsann mich, Das waren ja Die betonteren Schützlinge Der Gnädigsten eine etwas sonderbare Zuneigung . . .

Der Maybachwagen raste los in Die brodelnde, gischtende Rebelwand hinein; wie spitze Radeln stach im scharfen Luftzug ter feine Sprühregen in Gesicht und Hände. Dann kam ein Hohlweg, und jetzt, wo sich die Eeschwurdigkeit des Kraft­wagens allmählich verminderte, versuchte ich ein Gespräch in Gang zu bringen.

Ist ter Vinzenz krank?"

Krank ja vielleicht . . Sie sagte das leise, in einem merkwürdig müden Tonfall und Dann mit einer plötzlichen Bewegung nach meinem Arm:Ich bin in Sorg' um ihn, großer Sorg' . . .!"

Das depeschierten Sie schon, gnädige Frau."

Eine Pause, toäfjrenD Deren die Regentropfen gegen das Schuhglas trommelten und der Motor fein eintöniges Lied fang urtD summte. Ich brannte mir mit Dem Luntenfeuerzeug eine Zi­garette an:

Gibt sein körperlicher Gesundheitszustand An­laß zu Bedenken?"

Rein, obwohl ein bisserl schmal ist er g'wor- ten, aber Da wund'r' ich mich nit, hat ja kein Ruh' bei Tag und bei Rächt."

Hm allo hat der Vinzenz Wohl wieder seine spinnete Zeit?"

Sie zuckte Die Achseln:

So nennt er's ja und . . . und ..." ein paar dunkle, von aufftoigenten Tränen § alb­te rfd) leierte Augensterne blickten mich an:In mir ist oft so eine Angst, ein Bangen, ich weih nit vor was und weih nit warum . . ."

..Liebe, gnädige Frau," ich nahm das Heine Häuters in meine große Prah'n, so wie man ein Kind tröstet:Das sind Sllmmungen. Sie müssen hier heraus aus der Llbgeschiedenheit, müssen Menschen sehen, mit Denen Sie lachen können, diese ganze Umgebung ist nichts für Sie!"

..3a, ach ja! Wenn nur Der Vinzenz wollt'! Hundertmal wohl hab i ihn gebeten:Tu's mir zu Lieb', und er . . . er . . .

Lassen Sie das alles nur meine Sache fein. Da muß man stärker beschwören, ich kenne seinen Dickschädel."

Wenn Ihnen das gelängst"

(Fortsetzung folgt)