Ausgabe 
26.1.1929
 
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Samstag, 2i>. Zanuar 1929

Gietzener Anzeiger ISeneral-Anzeiger für Gberhessenf

Nr. 22 viertes Blatt

Das neue Kirchensteuergesetz

Delfter Porzellan.

her das ES

Sufch'ag des ihr Pflichtigen Ehegatten nach der haben in Frage kommenden Steuer beider Ehegatten. Für den Zuschlag hastet auch der andere Ehegatte als Gesamtschuldner.

Die Re.igionsgesellschaften, oder soweit solche nicht bestehen, die Rcligionsgemeinden können Im Rahmen dieses Gesetzes und der dazu erlassenen Aussührungeb stlmmungen mit Genehmigung de» Ministers für Kultus und VilDungswesen Steuer- satzungcn erlassen.

Das neue Kirchensteuergeictz tritt erstmalig für das Rechnungsjahr 1 9 2 9 in Kraft.

Hochschulnachrichten.

Der durch die Berufung des Prof. Gutmann nach Berlin an der Universität Jena frei- gewordene Lehrstuhl für theoretische Rational-» Ökonomie ist dem ordentlichen Professor Dr. jur. ct rer. pol. Moritz Wehe rmann in Bern angeboten worden.

Unter den zarten gebrechliche Gebilden Töpserkunst wird heute von den Sammlern Delfter Porzellan besonders hoch geschätzt, handelt sich aber dabei um fein richtiges Por­zellan. sondern um eine ander.' Art der Keramik, und die Delfter Töpfer gaben nur ihrer Ware diesen stolzen Rainen. weil fi? damit dem damals in Europa noch überaus seltenen chinesischen Porzellan besonders nahe elvmm. n zu sein glaub­ten. Das stattliche und grundlegende Handbuch über dieses Sammecgebiet. das jetzt der Amster­damer Professor Ferran!) W. H u d i g in der Bibtiolhck für Kunst- und Antiquitätensammler bei Richard Earl Schmidt & Eo. in Berlin er­scheinen läßt, führt daher auch den TitelDrifter Fayence". Die keramischen Erzeugnisse, zu denen

Religionsgesellschaft gewählte Bertretung (Steuervertretung) dem im Voranschlag vor- gesehenen Steuerbedarf zustimmt und die Steuer­sätze beschlossen hat. (S.euerbeschluß.) Ferner ist die Steuererhebung davon abhängig, dah sie staatlich genehmigt ist. Mit dem Antrag auf Genehmigung der Steuererhebung sind Vor­anschlag und Steuerbeschlutz der zuständigen Autsichlsbehörde zur Einsichtnahme vorzulegen. Die Erhebung von Religionsgemeindcsteuern be­darf der Genehmigung des Krcisamts. Die Er­hebung von Religionsgesellschaftssteucrn bedarf der Genehmigung des Ministers für Kultus und Bildungsweten. Die Religionsgemeinde­verbände, d. h. die aus mehreren Religions- gemeinden verfassungsmäßig gebildeten Be- zirlsverbände (Dekanatsverbände u. dgl.) sind mit Genehmigung des Ministers für Kultus und Bildungswesen berechtigt, insoweit die ihnen zu Gebote stehenden Mittel zur Bestreitung ihrer Bedürfnisse nicht auSreichen, Umlagen aus die ihnen angehörenden Religionsgemeinden aus- zulch'.agen. Die Umlage bedars der Zustimmung einer Vertretung des Verbandes, die aus Grund einer vom Minister für Kultus und Bildungs­wesen genehmigten Verfassung oder Satzung ge­bildet ist.

Religionsgemeindesteuerpslichtig ist, wer Mit­glied der besteuernden Religionsgemeinde ist. Religionsgesellfchafte,steuerpslichtlg sind die Mit­glieder von Religionsgemeinden der besteuern­den Religionsgesellschaft. Die Religions­gemeindesteuer und die Religions- gesellschastssteuer werden erhoben al« Zuschlag zur Reichseinkommen, (teuet. Daneben ist die Erhebung eines Zu­schlag« zur Reichsvermögenssteuer und einer Steuer nach den Be­st euerungSgrundlagen der staat­lichen Grund - und Gewerbesteuer zu­lässig. Auch können die Religionsgemeinde bzw. die Religionsgesellschaft aus Grund einer be­sonderen Sieuersayung eine Kopfsteuer von ihren volljährigen Mitgliedern und Angehörigen erheben.

Bei besonderen Verhältnissen kann da- KreiS- amt zulassen, dah die Religionsgemeindesteuer für alle Steuerpflichtigen eines Bekenntnisse- nach Klassen festgestellt wird. In die die ©e» meindealieder nach ihren Einkommen» und Ver­möge: ^Verhältnissen eingereiht werden. Haupt- und Revengemeinden teilen den durch Steuern zu deckenden Aufwand für gemeinschaftliche Ein­richtungen nach dem Mast ihrer Teilnahme an diesen, wenn nicht die Deckung des Auswandes durch gültige Vereinbarung oder Herkommen anderweitig geregelt ist. Werden Ehegatten, die nicht derselben Religionslörperschaft steuerpflich­tig sind, zu den vorgenannten Steuern zusammen veranlagt, so bemiht jede der besteuernden Re­ligionsgemeinden oder Religionsgesellschaften den

Träume zu Eis werden. Der Bahnhof lag wie ein Wächter und unerbittlicher Gesetzgeber am Weg Sein eiserner Arm hob sich grausam und gebieterisch am Stgnalmast und das Schicksal nahm seinen Lauf.

So bescheiden dieser kleine Bahnhof zwischen Berg und Berg auch ist, an den ich mich jetzt er­innere, so hat ihn doch das Ungewöhnliche ange­atmet. Der Rauch des Abenteuers hat ihn gestreift und geschwärzt. Die Blicke der Weltrcisenden sind auf ihn gefallen. Er ist die Schwelle zum riesigen Erlebnis, und als ich noch ein Junge war. hab' ich diese Weltschwelle betreten und überschritten. Und seitdem bin ich nicht mehr hinter sie zurückgekehrt. Bon diesem einsam liegenden Bahnhof aus eroberte ich Länder und Meere, heiste und falte Städte, Tiere und Frauen, Männer und Einsamkeiten, Ge- nüste und Schmerzen.

Ach, jetzt, da ich vieles erobert und wieder ver­worfen habe, wünsche ich manchmal, zu jenem klei­nen Bahnhof zurückzureifen. Doch kein Zug geht mehr dahin.

Ueber die Schienen ist das Gras der Dergangen- Helt gewachsen und das Land hat sich mit Höhen, Wassern und Wäldern traumlos verwandelt. Der Berg ist eingestürzt, und die Dörfer siind ver­schollen. Der Signalmast ist verrostet und das Läutewerk ist lot.

Rur der Wind weht noch im Herbst und der Schnee schwärmt noch über die Wälder. Aber dies ist ein fremder Wind und ein wilder Schnee und ich habe mit ihnen nichts zu tun.

land bezogen. Diese HanDelsbeziehungen sind um so ausdehnungsfähigec. je konsolidierter die Der- hälnn.se in China werden, zumal ein unabhän­giges Chi a ge.ade von Deutschland nicht das geringste gegen seine Interessen zu befürchten hat. Zwischen und und China gibt es keine Reibungen und Gegensätze.

In der amerikanischen Politik ist China ein wichtiger Faktor, was man ja daraus sah, dast die sonst in chren Entschlüssen nicht besonders schnelle amerikanische Auhenpolitik hier sofort vorstich und zu a.lererst die Ranking-Regierung in jenem Handelsverträge anerkannte. In China gehe» die Interessen Englands und Japans, auch etwas Frankreichs, ein- ander parallel und sind im Grund auch heute noch der Selbständigkeitsbewegung China- ent­gegengesetzt. In China gehen andererseits die Interessen Amerikas Rustlands und Deutschlands einander parallel und decken sich Dolftanöig mit der Unabhängigkeit und Selbständigkeit Chinas, wenn auch

die russische Regierung dabei mit ihren ent­täuschten Hoffnungen auf ein kommunistisches China besonders aoseits steht.

Das sind eigentümliche und interessante Pa­rallelen. Praktisch wirksam sind sie heute für Deutschland und Rußland nicht. Wohl aber ist die verschiedene Stellung zu Ch.na ein nicht un­wichtiger Teil in den an sich schon etwas ge­spannten 'Beziehungen zwischen England und Amerika. Dafür ist es nicht g.eichgülttg. dast sich China im abgelaufenen Jahre immeryin so befestigt und unabhängig gemacht hat, u iabhän- gig damit vor a.lem von einem englischen Ko- lonialimper.alismus. Wenn nun für China wirk­lich eine ruhigere Zeit beginnt, so wird e- sich auch dessen, was ihm für seine Reugesta.tung von Deutschland wis.enlchastlich und technisch und sonst geboten werden kann, jederzeit bewußt sein. In die em Zusammenhang find die Ergebnisse der chinesischen Kämpfe aus dem letzten Jahre für uns doch lebhaft zu begrüben.

Wirtschaft.

Oie Lage des Kapitalmarkis.

Während die konjun t.-.teile Entspannung auf dem Geldmarkt nach der Jahreswende wettere Fortschritte gemacht hat. hält sie sich nach dem Wochenbericht des Instituts für Konjunkturfor­schung auf dem Kapitalmarkt vorerst noch in sehr engen Grenzen. Zwar hatte sich bereits im Dezember auf dem Kapitalmarkt eine leichte. Zunahme der Rach rage nach Anlagewerten be­merkbar gemacht, die bewirkte, dast sich die Kurse der P andbricse etwa- erhähten. Die e Bewegung Hilt auch im Januar 1929 an. Ihr Umfang ist jedoch biS jetzt so gering, dast von einer Verflüs.igung des Kapitalmarkt- nicht ge­sprochen werden kann.

Das zeigt sich deutlich auch bei den Emissio­nen. Die ersten Monate des Jahres stellen bekanntlich die Hauptansagetermine dar. 1927 und selbst 1928 war ein großer Teil der auf­gelegten Anleihen bereits Mitte Januar über­zeichnet. In diesem Jahre war dies noch nicht der Fall, obwohl sich die zur Zeichnung auf­gelegten Beträge wesentlich unter denen der Vorjahre halten. Das Mißverhältnis zwischen Kapitalangebot und -nach'rage .wie es während des vergangenen Jahres herrschte, ist al,o auch jetzt noch nicht beseitigt. Run wird freilich die jüngste Entwicklung auf dem Geldmarkt, wenn sie von längerer Dauer sein sollte, nicht ohne Einfluß aus den Kapitalmarkt bleiben können, vor allem, wenn sich die Zinssätze auf dem Geldmarkt längere Zeit unter der Rendite der festverzinslichen Papiere bewegen. In dieser Richtung wirkt auch die D i s k o n t s e n k u n g, da mit ihr gleichzeitig eine Senkung der Einlagezinsen bei den Privatban­ken einhergegangen ist. Mit einem kräftigeren Ueberstr inen der anlagesuchenden Kapitalien vorn Geldmarkt aus den Kapitalmarkt w rd man erst dann rechnen dürfen, chann sich die Sätze des Geldmarkts, vor allem Der Sah für Mo- natsceld, stärker und für längere Zeit unter der Esfektivverzinsung der festverzinslichen Papiere gehalten haben.

Oer neueste Reichsbankberichi.

Rach dem Ausweis der Reichs bank vom 2 3. Januar hat sich die gesamte Ka- p i t a l a n l a g e der Bank in Wechseln und Schecks. Lombards und Effekten in der ver­gangenen Bankwoche um 122.7 Millionen auf 1682.4 Millionen Mark verringert. Im einzelnen haben die Bestände an Wechseln und Schecks um 108,7 Millionen auf 1548,4 Mill- Mark, die Lombardbestände um 15 Millionen auf 40.7 Mill. Mark abgenommen. Dte Anlage in Effekten ist mit 93.3 Mill. Mark um 1 Mill. Mark angewachsen.

An Reichsbanlnoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 287,5 Mill. Mark au3 dem Ver­kehr zurückgeflossen, und zwar hat sich der Um­lauf an Reich rbanknoten um 271,2 Millionen auf 3809.3 Mill. Mark, derjenige an Renten­bankscheinen um 16,4 Millionen auf 453,7 Mill. Mart verringert. Demzufolge haben sich die Be­stände der Reichsbank an Rentenbankschti en auf 58.6 Mill. Mark erhöht. Die fremden Gelder zeigen eine Zunahme um 173,3 Millionen auf 783.1 Mill. Mark-.

Die Bestände an Gold und deckungs- sähigen Devisen .in 'gesamt haben um 7.2 Millionen auf 2392.6 Mill. Mark zugenom-

werden. und so hatten die Delfter, die einen vor­trefflichen Ersah lieferen, sehr viel zu tun. Man ahmte sowohl die chinesischen wie die japanischen Muster nach. Doch im 18. Jahrhundert kamen dann wieder grobe Mengen chinesischen Por­zellans nad) Europa herüber auch machte das billige engliscke S eingut der 5>e.f:er Ware starke Konkurrenz, und so ging in d.r zweiten Hälfte des 18. Jah.ya. v.'rs die Fayence-Industrie immer mehr zurück, zumal ja nun auch in Europa selbst Porzellan reichlich hergestellt tourte. Heute aber ist dicses edle Kunstgewerbe wieder zu hohem Ansehen gelangt, und die Sammler be­mühen sich eifrig um das ^Delfter Porzellan".

3m Hessischen Regierungsblatt Ar. 25 vom 28. Dezember 1928 ist das vom hessischen Landtag verab'chiedete Kirchen st euergesetz veröffentlicht worden.

Das Besteuerungsrecht der Kirchen und öffent­lich-rechtlichen Religionsgesellschasten, mit Aus­nahme Der israelitischen Religionsgemeinden. war in Hessen seither geregelt durch daS Gesetz, das Besteuerungsrecht der Kirchen und Reli­gionsgemeinschaften betreffend, vom 23. April 1875, und die Abänderungsgetehe vom 30. März 1901 und 24. Februar 1912. Da die einzelnen Bestimmungen des genannten Gesetzes infolge der grundlegenden Aenderungen, welche die Steuergesetzgebung des Reiches und de- Landes in den Jahren seit 1919 erfahren hat und in­folge der vollständig veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse in vielen Punkten abänderungs- bedürftig waren, so war eine Neuregelung des Besteuerungsrechts notwendig geworden, welche das neue Gesetz vom 14. Dezember 1928 be­zweckt.

Das Gesetz vom 14. Dezember 1928 stellt zu­nächst Den neuen Begriff Der ..R e l i - gionskörverschaften" auf. Hierunter fallen einmal Die Religionsgemeinden. ferner Die auS mehre, en Religionsg.meinden gebilDelcn DerbänDe. z. D. DekanatsverbänDe u Dgl., so­wie Die Re.igionsgesellschaften. Religionsgei e.ir­den im Sinne dieses Gesetzes sind Die evan­gelischen unD katholischen OrtskirchengemeinDen (Pfarr- und FilialgemeinDen), Die israelitischen Religionsgemeinden und andere religiöse Ber­einigungen. sowie solche Bereinigungen, die sich Die gemeinsame Pflege einer Weltanschauung zur Ausgabe machen, soweit ihnen die Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts gewährt sind. Religionsgesellschaften im Sinne dieses Ge­setze- sind die evangelische und katholische Kirche, sowie die Gesamtverbände, in denen Religion-- und WeltanschauungSgemeinden der vorbezeich­neten Art zusammengeschlossen sind.

Die Religionsgemeinden sind berechtigt, von ihren Mitgliedern nach Maßgabe dieses Ge­setze- Steuern zu erheben, insoweit nicht die Erträgnisse ihre- Vermögen- und die sonstigen ihnen zu Gebote stehenden Mittel zur Bestreitung ihrer kirchlichen und religiösen Bedürfnisse aus­reichen. tReligionsgemeindesteuern.) Unter der glei­chen Voraussetzung sind auch die Religions­gesellschaften zur Steuererhebung von ihren An­gehörigen berechtigt. (ReligionSgesellschaftS- steuern.)

Die Steuererhebung ist weiter davon abhängig, daß über Die Einnahmen und Aus­gaben Der ReligionSgemeinDe. oder Der Reli- gionsgesellschaft, insbesonDere über Die nötigen Deckungsmittel, ein ordnungsmäßiger Voran­schlag ausgestellt ist, das; eine aus Den Mit- glicDern Der Religionsgemeinde, oder bei der Religionsgesellschaft aus Den Angehörigen Der

Kleiner Bahnhof.

Von Friedrich Schnack.

Ich liebe die kleinen Bahnhöfe, die irgendwo im Lande liegen, den Feldern benachbart, und den Bächen. Die Felder fluten ganz nahe heran mit sanftem Frühlingsgrün, mit hohem Sommer, mit gelben Herbsten oder weißen Wintern, durch deren schlafende Gei-eimnisse die hungrigen Hasen hoppeln und Die Rehe schwermütig ziehen.

Ich erinnere mich an einen kleinen Bahnhof zwi­schen zwei Bergen, hinter denen die Welt beginnt. Seht, die Wälder stehen unweit davon, und wenn der Wind sie nicht durchrauscht, sind sie so still, als horchten sie herüber zu diesem Keinen Bahnhof, von dem ein brauner, einsamer Weg fortführt in ein entferntes Dorf.

Durch diesen kleinen, unscheinbaren Bahnhof, dessen Stationsgebäude hästlich und doch auf eine abenteuerliche Weise anziehend ist, laufen dis schwarzen Schienen schnurgerade. Sie stoßen aus Dein Felsenmund eines verräucherten Tunnels, der den Berg durchbohrt, blitzen am Stationshaus vor. bei und strecken sich auf ihrem langmütigen und kargen Damm, immer näher zusammenrückend, hinaus ins Wiesenland, bis sie sanft um die Lende eines anderen Berges biegen und nicht weiter zu verfolgen sind.

Zwischen Berg und Berg, zwischen schwarzem Mund und brauner Lende, ruhen die Ungeheuern Adenteuermöglichkeilen dieses kleinen Bahnhofs, den im Sommer die Bienen und Hummeln um» summen, im Winter der Schnee umwärmt.

Wenn auch die Bienen summen und der Honig in den Waben reift: immer Donnert das Schicksal und jagt ein Stück Welt vorbei. Wenn auch der Herbst zu Ende ist und der Schnee mit Winter» geroalt über die Berge raucht: immer rollen die Räder und eine Menschenträne fällt in die Kälte.

An jedem Bahnhof Der Welt brechen sich die Dege der Menschen. An jedem Bahnhof nimmt das Leben eine plötzliche Wendung. Du wolltest in den Osten ziehen, mit aller Sehnsucht deines Her» zens wolltest di dies, aber Der unscheinbare Bahnhof befahl dir. in den Westen aufzubrechen. Der Süden lockte dich jäh mit Zaubermacht, die blauen Meere verlangten in Deinen Hoffnungen nach dir, aber da stand mitten in deiner phan­tastischen Straße der kleine Bahnhof und schickte dich in den Norden, wo das Blut einschläft und die

Ein bibliophiler Frevel.

Die Erinnerung an eine Tragödie im Leben eines Bücherfreundes wird durch ein Buch ge­weckt. das kürzlich mit der Bibliothek des be­rühmten englischen Literaturhistorikers Sir Ed­mund Gosse versteigert wurde. Wie da- ..Philobiblon" erzählt, handelt es sich Dabei um eine Erstausgabe Der englischen Übersetzung bei ..Rubaipat" Des Omar Khayyam von Fih- g e r a I D , Die 1859 in London erschien. Dieses berühmte Buch, das Die Weisheitssprüche des persischen Zeltmachers" in Der ganzen angel­sächsischen Welt bekannt machte, gehört heute zu Den größten Seltenheiten Der englischen Li­teratur und toirD mit Gold ausgewogen. Bei Dem Ha blederband des Buches befanD sich eine hand­schriftliche Bemerkung Gosses: ,.Dieses Buch ist das traurigste in meiner Bibliothek. Ich kaufte es ungebunden im Originalumschlag und ganz unbeschnitten. Ich wußte nichts Besseres, als es binden zu lassen, von einem Buchbinder, der in seiner Torheit Den unschätzbaren braunen Originalumschlag wegrih und Die unberührten Seiten beschnitt." Das Buch brachte Denn auch in Diesem Zustand nur einen Bruchteil des Wer­tes, Den ein tadelloses Exemplar hat. B.

Das neue China und die Mächte.

Außenpolitische Umschau.

DonOr.OttoHoehsch, o.prosesior der Geschichte an der Unioerfifdt Äcrlin, M. d. 3t

Aus ein entlegenes Gebiet lenken wir finite nun unseren Blick: nach China. Gerade an Dem Tage, an dein Chma-, neuer Gernndter in Berlin anlam, wurde das neue Handels­abkommen zwischen Deutsch.and und China von den beiden Regierungen offiziell verkündet, das vor Weihnachten vom Reichstag angenommen wurde. Es ist das zweite formell so abgeschlossene inten.a.iona.e Abkommen der neuen chmefischen Repub ik (unier,d)iieben am 17. August 1928). mit einem Staate, der sich im letzten Jahre doch sehr konsolidiert hat. Denn man Überblicke Die Reihenfolge Der Eceigniste. von Anfang Januar 1928. als TIchangkaischek den Oberbefehl wieder übernahm. Er ergriff am 3. April Die Frühjahrs- offensive auf Peking und. über alle drohenden Verwicklungen mit Japan h.nweg. wurde dieses nm 8. Juni endgültig von den Südtruppen befehl. Am 10. Oktober trat die Versa st ung des neuen Siaales in Kraft, mit Tlchanglastchek als Präsi­denten. und am letzten Tage de- Jahres wurde auch die Flagge der Rantingregierung in Chardin und sonst in der Mandschurei gehißt.

Dieser Konso.iv erung mit dem vorläufigen Ab­schluß von 16jährigen inneren Kämpfen ist eine ^bhaste und erfolgreiche außenpolitische Aktivität parallel gegangen. Ihre Ziele toa- :en ja klar: Beseitigung der sogenannten un­gleichen Verträge. Herstellung Der Z o l l- autonomie unD Der Souveränität Chi­na-. zugleich natürlich auch Die Anerkennung Der neuen oentralregierung unD derVerzicht Ja­pans auf Die Mandschurei. Aus diesen Wegen find erhebliche Erfolge erzielt worden. Japan, mit Dem von Mai bis August Die Beziehungen sich sehr angespannt hatten, hat sehen müssen, daß es isoliert ist. und hat in einer Rede seines M nisterpräsidenten am 22. Ja­nuar D. I. Die Souveränität Chinas in Der Man­dschurei anerkannt. Doch bleiben Die Beziehungen ?u Japan immer noch unklar unD nicht geraDe reunD.ich: Japan hat Die Ranking-Regierung noch nicht anerkannt. Dagegen haben Amerika und DeutschlanD als erste in Handelsver- trägen Die neue Regierung anerkannt, jenes am 25. Juli, Die es am 17. August. Rach einigen Monaten sind Dann auch Die anderen Staaten gefolgt, am 22. Dezember England und eine ganze Reihe anderer Staaten, Frankreich, Bel­gien, Italien usw.

Diese Dürren Daten ergeben doch ein günstiges Schlußbild. Die inneren Verhältnisse Chinas mögen weit entfernt von Ordnung Rin. Cs wird noch eine Weile dauern, ehe die Demobili­sierung der verschiedenen Marschall-- armeen durchgeführt ist, und ehe Der Staat finanziell einigermaßen fest aus Den Füßen steht, wird eS noch länger Dauern. Aber ein großer Teil deS Testaments von Sunyatsen ist ver­wirklicht. Rach langen Jahren Der Auf­lösung unD DeS Bürgerkriege- und Der politischen Ohnmacht hat Die 3Dee Der Kuomingtang Den Ötaat Doch toieDer geeinigt. Man kann an- nehmen unD hoffen. Daß Da- Pendel weiter schwingt. China sich schrittweise weiter konsoli­diert und damit in die Reihe der einflußreichen und bedeutung-vollen Staaten wieder einrücke. auS denen es geschieden war eigentlich schon mit Der RieDerlage gegen Japan 1894. vor allem aber feit Der Revolution von 1911/12 unD Den langen Bürgerkriegen seitdem.

Haben Diese Vorgänge für Deutschland irgendwelche Bedeutung? Run. zunächst ideell und allgemein insofern. aI8 unsere Sympathie einer Freiheitsbewegung selbstverständlich gilt, die jetzt zum ersten Erfolge gekommen ist. Aber wir haben auch materielle Bezttehun- g e n. Der Handel zwischen Deutsch and und China hat die Vorlliegs ahl bereits überschritten. Frei­lich hat Dabei in Den beiden letzten Jahren China mehr als Doppelt soviel an Waren nach Deutschland geliefert als von Deutsch-

das©elfter Porzellan" gehört, sind in Europa zuerst von den Mohammedanern elng.führt wor­den. sie bestehen au3 gewöhnlichem Töpferton. der bei verhältnismäßig niedriger Temperatur gebrannt wird und dann mit einer glänzenden, uirdurchsichiigen Glasur überzogen ist. die ihm eine große äußere A h.llichkeit mit Dem harten chinesischen Porzellan verschafft. Die Araber be­trieben in Spanien mit diesen War.n einem schwungfxtften Handel, der üaer Die Balearen- Insel Majorka ging, und daher gaben die Jta- licncr dieser Keramik den Ti amen Majolika. Als man in Italien Dann die Tonwaren selbst herzustcllen gelernt hatte, wurde Der Hauptort der Fabrikation Die Stadt Faenza. und Die Italiener führten nun ihrerseits die Tonwaren unter Dem HamenPorcclana di Faenza" in Frankreich ein, wo sie als .Fayence" bezeichnet wurden. Die Fayencen verbreiteten sich überall hin. unD gegen Ende des 16. Jahrhunderts ge­hörten Die Riederlande zu den Hauptherstellern. Um diese Zeit tarnen aus Dem Reich Der Mitte jene geheimnisvollen wunderbaren Keramiken, die als Porzellan das größte Entzücken erregten, ohne daß c5 zunächst gelang, ihre Herstellungs­weise zu ergründen. Man strebte daher danach, die Satjencen so zu arbeiten, daß sie den Eindruck von Porzellan erweckten, und diese Kunst wurde besonders in der holländischen Stadt Delft zu hoher DrllenDung gearacht., Als billigere Ersatz­ware für das chinesische Porzellan fand das Delfter Porzellan" viele Käufer, und die Fabri­kation nahm einen hohen Aufschwung. Die Delfter hatten im 16. Jahrhundert eifrig die Bierbrauerei betrieben, aber im 17. Jahrhundert ging dieser Erwerbszweig immer mehr zurück, und so toanpte man sich Denn Der Herstellung des , holländischen Porzellans" zu. Die günstige Lage an einem Kanal und nahe an einem Meerhafen hatte Delft zwar mit verschiedenen anderen Städten gemein, aber ausgezeichnet war die Stadt durch einen vortrefsliehen Ton Der sich in ihrer Rähe fand. Dazu war Delft einer Der Hauptsitze Der Ost- iirdischen Kompagnie, die ch.nejisches Porzellan einführle, man hatte also die Vorbilder gleich zur Hand. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts ging Die chinesische Porzellanfabrikatton infolge großer politischer Unruhen sehr zurück: es kam fast nichts mehr herüber. unD die Japaner suchten Diese Lücke auszufüllen. Die Rachfrage nach Dem kostbaren Gut konnte aber nicht mehr befriedigt

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