Frankreich und die Elsässer.
3n Paris ist zur Zeit eine mehrtägige Kanuner- Debatte im Gange, in der die elsässische Frage grundsätzlich aufgerollt wird. Einige führende Elsässer aus den verschiedenen Lagern sind bereits zu Worte gekommen, und auch Poincare hat voruuergehend in die Debatte einbegriffen; was zur Erörterung steht, sind nicht die einzelnen Vorsäl e, mit denen sich die Oessent- lichkeit im letzten Jahre vesaßt hat. i>er Kolmarer Prozeh, der Heimatbund, die Autonornistenwah- len, sondern der Gesamtkomplex der Beziehungen des Elsaß zum französischen Staat und Volk.
Und hierzu haben wir ein Wort rnitzu- sprechen, weil immer von neuem und aus jevern denkbaren Anlaß in Frankreich die Behauptung austaucht, die autonomistische Bewegung diene deutschen Zielen und werde von Deutschland aus unterstützt. Diese Behauptung ist völlig unsinnig, aber sie ist verständlich als Bestandteil jener völligen psychologischen Verkennung der Terhäitnisse, die überhaupt erst zu der Spannung zwischen dem El'sah und dem übrigen Frankreich geführt hat. Denn alle Franzosen, die die Verhältnisse im Elsaß nicht näher kannten, standen auf dem Standpunlt um> wurden darin durch die Kundge. ungen vom November 1918 bestärkt, daß die elsah-lothrin- gische Bevölkerung mit einer wahren Begeisterung nicht nur die Rückkehr zu Frankreich, sondern auch integral die Herbeiführung vollkommen französischer Verhältnisse und Einrichtungen begrüßt hätten.
Die so dachten, ließen sich durch die Phänomene eines Friedens- und Freiheitstaumels täuschen. Der eine natürliche Reatckon auf zahlreiche Mißgriffe des deutschen Reichsland^Systems und auf die Röte der Kriegszeit waren. Sie überfaben, daß das elsässische Volk seit langen Iahrhunöcr- ten einem Dualismus seiner Lebensbedingun- gen unterworsen war: deutsche Sprache und französische Kultur, deutsche Wirtschaftsintcressen und französische Neigungen und Verwandtschaften mußten hier einen nationalen Sondertyp schaffen, Der weder mit Den -Verhältnissen jenseits Des Rheins, noch mit Denen jenseits Der Vogesen zu einem vollkommenen Einllang kommen konnte. Daraus erklärt sich Der Parti- kularismus. Der heute unter der Bezeichnung Autonornismus auftritt Der aber genau so und zum Teil sogar unter denselben Führern Deutschland gegenüber wirksam gewesen ist. solange Elsah-Lothringen zu ihm gehörte.
Man hat Den grunDlegenDen Fehler in Paris begangen, diejenigen Einrichtungen der Staatsverwaltung, Die Den Elsässern selber gewohnt und erwünscht waren, mit einem Federstriche zu beseitigen und versucht, ..das befreite Gebiet" Dem streng zentralistisch regierten Frankreich ohne jedes Ucbcrgarg.ftaDium einzugliedern. älnö man hat Dabei vor allem auf Die g e - mütsmaßige Verschiedenheit der Bevölkerung nicht Die geringste Rückicht genommen. Der Franzose, skeptisch und philosophisch veranlagt, hat sich in 25 Jahren an Die Laiengeseh- gebung gewöhnen können; Dem religiösen und traditionstreuen Elsässer ist die Verbindung mit Der katholischen Kirche ein Herzensbedürfnis, auf dessen Verletzung er heftig reagieren mußte. Dazu kam die aufreizende Art. in Der jeDe Bestrebung der Heimatbewegung von franzö
sischem älnverftändnis a 18 Vaterlandsverrat gebr anDmar ft wurde, so daß selbst die Gegner der Autonomisten im Elsaß von Fall zu Fall gegen diese Beschränkung des Selbst- b.stimmungs- und des Bürgerrechtes in Paris protestieren mutzten. Der Verlauf der Kammer- deballe muß zeigen, ob man in Frankreich etwas zugelernt hat, oder ob man Den Konflikt mit Den hartnäckigen Elsässern weiter auf die Spitze treiben will.
Oie Kammerdebatte.
Tie Mißgriffe des französischen Regimes im Elsa j.
Paris, 25. Son. (WTB.) 3n der Kammer äußerte sich der Abgeordnete Seitz (Katholisch- Demokratische Partei) über Die Sprachenfrage. Schon Ernest Otenan habe geschrieben, das Elsaß sei ein Land deutscher Rasse und deutscher Sprache, das aber nicht zu Deutschland gehören solle. Es sei ferner zu bemerken, daß die Beamten dazu da seien, der Bevölkerung zu Dienen und nicht umgekehrt. Die ersten Richtlinien für Die Sprachenregelung seien festgelegt toorhen in Dor Hitze festlicher Bankette. 2lber Das Deutsche Dürfe man nicht verlernen. Da es sich hier um eine wirtschaft- lich-praktische Notwendigkeit handele. Die Wrcktersprache gebe Die Unterlage für jede vernünftige Erziehung. - Der Abgeordnete für Wetz, Moncelle (Srupppe Manu) erklärt, eine Der Hauptursachen Der Unzufriedenheit der lothringischen Bevöllerung fei in Der Steuerfrage zu suchen. Außerdem fax es notwendig, die Frage der Moselkanalisierung zu regeln. Der ländlichen Bevölkerung elektrisches Licht zu bringen, kurz, eine Poli.il zu treiben, die Den Bedürfnissen Der Devöckerung Rechnung trage. Es sei auch nötig. eine boDenftänDige Beamtenschaft heranzubliDen.
Auch Der keiner Partei angehörende Abgeordnete Schumann beschäftigte sich vor allem mit Der Beamtenfrage und brachte verschiedene Beschwerden vor, Die Poin:are z.T. als unrichtig bezeichnete, nämlich Die Behauptung, daß Die einheimischen Beamten in Elfatz-Lothringcn wenig zahlreich seien, öoincare erklärte hierzu, sie hätten eine be fere Lage erhalten, als ihre Kollegen unter Der deutschen Herrschaft. Der Redner bespricht sodann die Frage Der Bezahlung Der etsatz-lLtgringifchen Beamten. Man wünsche auch, befähigte Verwaltung s b e a m t e zu haben, mit Denen man über alle Fragen diskutieren könne. Ein großer Fehler sei Die Aushebung des Oberkommissariats gewesen, und em noch größerer Fehler sei cs, die Autonom ist en von vornherein als Feinde Frankreichs zu kennzeichnen. Schließlich fordert Der Abgeordnete, Daß man die Versprechungen, Die man_ Den Elsaß» Lothringern hinsicht.ich des religiösen Statuts unD des Statuts der Schulen gegeben habe, halten müsse. Elsaß-Lothringen brauche eine Politik Der Entspannung^ und des Vertrauens, damit Die Mißverständnis'e beseitigt würden. Die Diskussion wird dann auf Dienstag vertagt.
rett. Von demokratischer Selle wird erneut darauf tjingeroiefen, daß man es ausrichtig begruben würde, wenn ein solcher Ausschuß gebildet würde.
Nachklänge zum Magdeburger Kall Kölling-Hoffmann.
Berlin, 26. 3an. (Prw.-Tel.) Der Fall Kolling, was war das doch noch? Mühsam nur erinnern wir uns, daß es Dabei um einen MagDeburger Mordprozeß ging, wöbet Der Untersuchungsrichter einen Fabrrkanten t>cr- hastet Halle, Der auf Dem Umwege über Das Reichsbanner mit Dem OberprästDenten Hor- fina verwanDt war und feine ganzen Beziehungen spielen ließ, um mit Hilfe des besagten Herrn Hörsing aus Den Klauen Der .^usllz zu kommen. Las Ergebnis war eine sehr schwere PressesehDe zwischen Dem älntersuchungs- richter Kölling unD Dem ihn unterstützenden stellvertretenden LanDgerichtspr-scD-n en H o f f - mann auf Der einen Seite, sowie Den Verwaltungsbehörden, Oberpräsidenten. Reglerungspra- sidenten, und Der Berliner Polizei aus Der andern Seite. Mn sehr unerquicklicher Streit, Der zuletzt Dazu führte. Daß gegen Die beiden Richter em Disziplinarverfahren eröffnet wurde. Das hat nun feit dem Sommer 1926, also länger als zweieinhalb Jahre geschwebt, und in letzter Instanz vor Dem Disziplinarsenat des Kammergerichts unter persönlicher Leitung Des Kommergenchtsprasidenten mit einer Verurteilung der beiden Richter geendet; ein Urteil, Das in der Sache berechtigt fein mag, weil sie beide wohl in der Serteibigung gegen Angriffe über das erträgliche Matz hinausgegangen sind und sicher auch die Grenzen überschrillen haben, die der richterlichen Würde gesteckt fein sollen, das aber doch in seiner Begründung zum mindesten einseitig und unfreundlich gehallen ist und, wenn es auch Eingriffe der Verwaltungsseite als mögt ch zugibt, doch dabei nach unserer Empfindung Sonne und Licht nicht gleichmäßig verteilt.
3mm er hin, dieser Teil der Angelegenheit ist jetzt endgüllig erledigt, aber Der Fall selbft kann Damit leider noch nicht zu den Akten gelegt werden. Denn es sind doch mancherlei Emzev' heilen aus der Verhandlung vor dem Disziplmar- gericht bekannt geworden, Die eme Nachprüfung Des eigentlichen kriminellen .Tatbestandes erst recht zur Pflicht machen.
Maa hat Damais Den Mörder gefaßt und ver- u-rteilt. Aufgeklärt bis ins letzte aoer sind Die Zusammenhänge nicht, Da ist meyr a.s ein großes Fragezeichen geblieben in Dem GestanDnis ite-> Mörders, wie in Den Zeugenaussagen, aus Denen zum mindesten hervorgeht, Datz Die Darstellung, auf die hin Der Täter verurteilt ist. falsch ge- wifen fein muß. Daß er wahrscheinlich Gehilfen gehaot hat. Die sich bisher Dem Zugriff Der Gerichte zu entziehen wußten. AnD das ist Die andere, wie uns scheinen will. eb2nfo wichtige Hälfte Dieses Falles Kölling: Daß Die kriminellen Zusammenhänge, Die sich um Den eigentlichen Mord lagern, noch einmal grünDlich Durchleuchtet unD aufgefiärt werDen. .
Die Unabhängigkeit Der 3ustiz ist mehr als «in Schlagwort, sie ist eine Der Grundlagen Des Staates. Aus Den Vorgängen in Magdeburg ist damals Der Eindruck entstanden, als wenn von Verwaltungs wegen versucht wurde, auf die Justiz in einer bestimmten Richtung Einfluß zu gewinnen, - und Dieser Eindruck besteht auch nach dem Ausgang Des Disziplinarverfahrens in unnerrn in Detter Stärke fort. 3m 3nteresie Der Unabhängigkeit Der Rechtsprechung aber ist es nollvenDig. daß Gerüchte. Die hier entstehen könnten, totgetreten werDen, ehe sie Schaden anzurichtim imstande sind. Weshalb das preußische 3ustiz- ministerium gut beraten wäre, wenn es von sich aus eine nochmalige Nachprüfung des ganzen Tatbestandes mit größter Beschleunigung ar* ordnete.
Neue Kirchensteuerregeluug in Preußen.
Verbreiterung dcrLteucrbasis —Erhebung eines besonderen Mitgliedsbettrags.
Berlin. 25. 3an. (WTB. Amtlich.) 3n Der Sitzung vom 22 3anuar D. 3. hat Das preutz. Staatsministerium zwei Gesetzentwür, e zur AenDerung de 5 Kirchensteuerrechtes Der evangelischen und katholischen Kirche verabschiedet, Die demnächst Dem Staatsrate und Dem LanD- tage zugehen werden. Die Gesetzentwürfe sollen im Interesse Der Steuergerechtigkeit Den Kirchengemeinden die Möglichkeit geben, Die von ihnen zu beschließenDen Kirchensteuern Den durch Die Reichssteuergesetzgebung unD Die wirtschaftliche Entwicklung veränderten Verhältnissen anzupass e n. Es ist daher die Verbreiterung und Verbesserung der Grundlagen Der Kirchensteuer, Die bisher nur in Zuschlägen zur Reichseinkommensteuer unD zu Den Realsteuern bestand, vorgesehen durch Hinzu- nähme Der Reich? vermögens st euer als Matzstabsteuer unter Anrechnung auf Die Zuschläge . zur Einkommensteuer und zu den Realsteuern, durch Einführung eines Kirchgeld genannten Mitgliedsbeitrages und Durch Aufhebung Der seit 1921 nicht mehr angewandten Bestimmung des § 10, Absatz 2 Der Kirchensteuergesetze. Ferner soll Die Kirchensteuerfreiheit Der Geistlichen und Kirchenbeam- ten aufgehoben und Die Möglichkeit gegeben werden, durch Verwaltungsanordnung Der Zentralstellen Die Tarifsätze DeS § 55 Des Einkommensteuergesetzes für Die Zwecke der Kirchensteuer zu ändern. Die Gesetzentwürfe entsprechen Den DrtngenDcn Wünschen der evangelischen Kirchen unD Des katholischen Episkopates.
Die Entschädigungsansprüche der Länder.
Berlin, 25. 3an. lWTD.) Unter Dem Vorsitz des Reichskanzlers sand zwischen ter Reichsregierung und Den Regierungen der deutschen Lander, die Entschädigungs- und Aufwertungsansprüche gegen das Reich geltend machen, im Reichstagsgebäude eine erste eingehende Aussprache statt. An der Sitzung nahmen für Hessen Staatspräsident Dr. Adelung, Fi- nanzminister Kirnberger und Gesandter Ruß teil. Zur Erörterung standen Die von den Ländern erhobenen Entschädigungs- und Aufwertungsansprüche der verschiedensten Art. Beschlüsse wurden in der heutigen Aussprache nicht
gefaßt, vielmehr wird die Deichsregierung auf Grund Der heute gewonnenen Uebersicht eine Vorlage ausarbeiten, Die in einer für Die nächste Zukunft in Aussicht genommenen erneuten Aussprache zur Erörterung gestellt werden soll.
Das neue Kleinrentnergesetz.
Berlin, 26. .3an. (Priv.-Tel.) Das von der Reichsregierung in Aussicht gestellte Gesetz über die Neuregelung Der Rentnersürsorge wird erst Mille oder Ende Februar erwartet. Dieses Gesetz wird zwar nicht das Versorgungs- Prinzip an Stelle des Fürsorgeprinzips fetzen, es wird aber wesentlich neue Bürgschas - t c n für eine entsprechende Ausführung Der bestehenden Vorschrift bringen. Das neue Gesetz wird zunächst den Begriff des Kleinrentners fixieren, ferner Umfang und Maß der Unterstützung festlegen und schließlich Vorsorge treffen, daß bei dem Versorgungsverf ähren d i e Kleinrentner selbst mitwirken.
PolizeiprättdenlZimmermann-Frankfurl^-.
Der Frankfurter Polizeipräsident 3ofef Zimmermann, der im Aprll 1926 dos Polizeipräsidium übernahm, ist Frellagnacht gestorben. Z. war vorher Landrat in Höchst. Er gehörte der sozialdemokratischen Partei an.
polnische Schiffstaufen.
Warschau, 25. Jan. (TU.) Die kürzlich gegründete polnisch-englischt' Sch.ffahrtsgeseUschaft, die den Verkehr zwischen Gdingen, Le Havre und Lon» Don cmfrechterhült, hat vier neue Fahrzeuge mit einem Gesamttonnengehalt von 18 000 Sonnen angekauft. Die Dampfer tragen die Namen „Kowno", „Smolensk", „Kolpino" und „Tasso". — Gegen „T a s s o" werden Polens vkachbarn nichts einzuwenden haben, denn das war ein italienischer Dichter des 16. Jahrhunderts, der in Zweifelsfällen bei cbetn Frauen nachzufragen pflegte, was sich zieme. Ob es sich aber für Polen ziemt, seinen Schiffen gerade die. Namen derjenigen Städte zu geben, die wie Kowno und Smolensk, außerhalb seiner Grenzen liegen und bekanntlich das Ziel des polnischen Liebeswerbens bilden, würde vermutlich gerade Tasso verneinen.
Ein geheimnisvoller Passagier.
Marseille, 25. 3an. (WTB) Unter den Passagieren des aus 3nDien fomrrenoen, gegenwärtig vor der Reede von Marie.lle liegenden Dampfers „R a j f u t a n a" befindet sich ein Passagier 3. Klasse nainens Shaw, der aus Afghanistan kommt. Es soll sich um den in der letzten Zeit berühmt gewordenen Obersten Lawrence vom IntelligenceService handeln. Der nach Gerüchten eine Rolle ersten Ranges bei den llrrzlichm Ereignissen in Afghanistan gespielt hat. S)aw soll seine Re! e an Bord Dieses Schisses nach London fortsetzen.
Aus aller Welt.
Schwerer Einbruch in ein Berliner Postamt.
Berlin, 25. Ian. (DIB.) Gestern nachmittag gegen 4 Uhr wurde im zweiten Stock des Post- amles W 8 in Der Französischen Straße in Dem großen Raume, in Dem DieoonDerBrutferei gelieferten Po st Wertzeichen ausbewahrt werden, eingebrochen und eine große Menge von Fünf- und Lcht-Pfennig-Marken entwendet. Der Wächter, Der um 4 08 Uhr Den Raum kontrollierte, fand mehrere Schrayke ausgeschlossen ober erbrochen vor. Der Geldschrank stand offen und Briefmarken lagen auf Dem Fußboden. 3u Dem Geldschrank selbst hatten Die Diebe n'chts gesunden. Sofort nach Entdeckung des Einbruches wurden alle Ausgänge Des Gebäu- des mit Beamten beseht. Auch alle Räume und Dächer des Postamtes und Der Nachbarhäuser wurden abgesuchl, jedoch ohne Erfolg. Die Kriminalpolizei, die sofort Ermittelungen aufnahm, konnte Den Einbruch bisher noch nicht aufklären. Die Beute Der Einbrecher füllte mindestens zwei Säcke unD hatte ein Gewicht von zwei bis Drei Zentner. — Der Einbruch stellt sich nach genaueren Ermittlungen als viel schwerer heraus, als die ersten Feststellungen ergeben hatten. Es finD Wertzeichen verschiedener Art im Gesamtbeträge von 830 000 Mark gestohlen worden. Für 45 260 Mark Briesmarken, für 277 000 Mark Invalidenmarken, für 272 000 Mark Angestelllenversicherungsmirkeu und für 36 000 Mar? Einkommensteuermarkeu. Die Oberpostdirektion hat auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung von 5000 Mark und für die wiederbeschaf- fung der gestohlenen Merkzeichen eine Belohnung von 10 Prozent des wiederbefchasflen Betrages aus- gefehl. Der Einbruch ist aller Wahrscheinlichkeit nach von gewerbsmäßigen Verbrechern von langer Hand vorbereitet worden, die sich möglicherweise Postuniform angelegt hatten, um sich in dem Gebäude sicherer bewegen zu können.
Der Zuchthausprozeß in Sonnenburg.
Am vierten Derhandtemgstage im Sonnen- burger Prozeß wurde unter allgemeiner Spannung Der erst 20jährige Strafgefangene Sommer vernommen, der wegen eines in Sommerfeld begangenen Raubes mit Tötung 15 Jahre Zuchthaus erhalten hat und Der trotz seiner 3u- gend als einer Der aufsässigsten und gefährlichsten Gefangenen Der Anstall verschrien ist. Er belastete Den angetlagten Ober- wachimeister Schulz II. Er habe Schulz II. einmal heimlich beobachtet, wie er in einem Arbeitsraum, in Dem Der Beamte sonst keinen Dienst tat, sich an Den Dort aufgestapelten Decken zu schaffen machte und schließlich eine unter Den Rock knöpfte. Der so beschuldigte Beamte mußte sich daraufhin im Serichtssaal auszichen und nach Den Angaben eine zusammen gefaltete Decke unter Hose und Rock knöpfen, wobei sich jedoch unter allgemeiner Heiterkeit ergab, daß sich beide Kleidungsstücke nicht mehr schließen ließen.
Da der Beamte ohnehin ziemlich beleibt ist. Die Erörterung der Fälle Hl)da, Henischke und Kluck verlief sehr günstig für diese drei Beamten. Dabei lax» es zu ebenso anschaulichen wie interessanten Milieuschilderungen.
Ungewöhnliche Verfinsterung In Hamburg.
Nachdem es am Freitagmorgen zur ungewöhnlichen Zeit hell geworden war, setzte gegen 9 Ühr wieder eine allmähliche Verfinsterung ein, die stärker und stärker wurde und um 91/« äühr ihren Höhepunkt erreichte. Gs war in Der Stadt so dunkel geworden, daß in Den Häusern, namentlich in Den Geschä t:n, Kontoren unD Bureaus Der inneren Stadt, bei Licht gearbeitet werden mußte; auch die Strahenbeh en. Kraftwagen und sonst gm Verkehrsmittel waren gezwunaen, mit Licht zu fahren. Nachdem diese Verdunkelung einige Zeit a.-gehalten hatte, wurde es nach und nach wieder Heller, so daß kurz nach 10 älhr wieder d i e gewöhnliche Tageshelle herrschte. Wie Die Deutsche Seewarte dazu mitteilt, ist die ungewöhnliche Erscheinung auf Ruß und Schmutz zurückzufuhren, der in Der Hafengegend vom ansteigenden Nebel mit in die Höhe genommen wurde und — begünstigt von leichtem Schneefall — in Gestalt einer ausgedehnten Nebelwand das Tageslicht vorübergehend verhüllte.
Lchneeslürme in Norditalien.
Aus Norditallen werden große Schneestürme gemeldet. 3n der ilmgegenD von 11D i n e liegt eine 13 bis 33 Zentimeter dicke Schneedecke. Ein Perfonenzug blieb zwischen UDme und ©raDo im Schnee stecken. 3n der Lombardei sind Die De ephon- und Telegraphenverbindungrn zwischen Mailand und Venetien teilweise unterbrochen. Starke Kucke wird aus Südtirol gemeldet, wo beispielsweise im. Pustertal daS Thermometer auf 20 Grad unter Null ge» funken ist.
Ein vollbesehtcr Schlttten fährt in einen wagen.
3n Enkirch (Mosel) rannte In der Dunkelheit ein mit acht Mann besetzter Schlitten mit ungeheurer Wucht in einen am Straßenrand stehenden Wagen. Ein löjähriges Mädchen wurde getötet. Tie übrigen Schlitteninsassen erlitten sämtlich erhebliche Verletzungen.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Das Frostwetter hat weiter ungehalten und auch wahrend Des gestrigen Tages Haven Die Temperaturen den Gefrierpunkt nicht überschritten. Durch Die mehr südliche Verlagerung des ausgedehnten Druckfallgebietes fließen weiter« Kaltluftmassen unserem Gebiete zu. Die zur Fortdauer des Frost- wctters führen. Da sich gleichzeitig die Mittelmeerstörung weiter vertieft, besteht die Möglichkeit, daß es unter ihrem Einfluß auch in unserem Gebiet zu Schneefällen lammt.
Wettervorhersage für Sonntag. Fortdauer Des Frostes und meist nebelig-wolkiges Wetter mit vereinzelten Schneefällen.
Witterungsaussichten für Montag: Wenig 2(cnDerung der Wetterlage.
Lufttemperaturen am 25. Januar: mittags — 2,2 Grad Celsius, abends —9,3 Grad Celsius; am 26. Januar: morgens —8,5 Grad Celsius. Maximum — 2,2 Grad Celsius, Minimum —9,9 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 25. Januar: abends —.1,2 Grad Celsius, am 26. Ja- nuar: morgens —1,6 Grad Celsius. — Sonnen« scheindauer 2% Stunden.
Mlnkersportnachrichken der Hess, Wetterdienststelle.
Vogelsberg (Hoherodskopf): Heiter. —10 Grad Celsius, 80 bis 35 Zentimeter Schnee, gekörnt, Ski und Rodel sehr gut — (Herchenhainer Hohe): Heiter, —8 Grad Celsius, 30 bis 35 Zentimeter Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut.
Odenwald (Tromm): Leichter Schneefall, — 7 Grad Celsius, 50 Zentimeter Schnee, Pulver- schnee, Ski und Rodel sehr gut — (Neukirchen): Nebel, 35 bis 40 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, — 5 Grad Celsius, Ski und Rodel sehr gut.
Taunus (Kleiner Feldberg): Heiter, — 10 Grad Celsius, 56 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Ski und Rodel gut.
Sauerland (Winterberg): Heiter—8 Grad Celsius, 45 Zentimeter Schnee, 1 bis 2 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut.
Sctzmarzwald (Feldberg): Wolkig, — 11 Grad Celsius, 135 Zent Meter Schnee, 1 bis 2 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut — Hornisgründe: Wolkig, — 1 Grad Celsius, 135 Zentimeter Schnee, 1 bis 2 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut.
Alpen (Garmisch . Partenkirchen): Leichter Schneefall, — 9 Grad Celsius, 53 Zent meter Schnee, 3 bis 5 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel lehr gut. — Berchtesgaden: Leichter Schneefall, — 9 Grad Celsius, 56 Zentimeter Schnee, 6 bis 10 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel gut
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