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Rr. 276 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 25. November 1929
Saugenoffenschast 1894 Gießen
Zur ordentlichen Hauptversammlung hatten Vorstand und Aussichtsrot der Bau- o en o s s e n s ch a f t 1 894 die Mitglieder am Samstagabend in den Saal des Gewerlschasts- hauses cingeladen.
Direktor Bergen, der 2. Vorsitzende des Aufsichtsrats, eröffnete um 8.45 Uhr die Versammlung und begrüßte die Erschienenen. Sodann widmete er dem leider allzu früh verstorbenen 1. Vorsitzenden des Aussichtsrats. Stadtv. Prof. Dr. Krausmüller, einen warmen Rachruf und gedachte mit ehrenden Worten der grohen Verdienste des Verstorbenen um die Genossenschaft. Die Versammlung ehrte dos Andenken des Verewigten in der üblichen Weise.
Der Geschäftsbericht.
Der 1. Vorsitzende des Vorstandes. Herr H. Fourier, erstattete sodann den Bericht über die obgelaufene 35jährige Tätigkeit der Baugenossenschaft. Er verwies auf die aus diesem Anlaß erschienene Denkschrift und verbreitete sich in längeren Ausführungen über die Tätigkeit der Baugenossenschaft des Evangelischen Arbeitervereins, die in ihren Ansangsjahren ganz Erkleckliches geleistet habe. Aber die Basis, auf der sie stand, war zu klein, und darum trat nach einigen Jahren die Erlahmung ein. Der Redner schilderte die Bestrebungen der Gemeinnützigen Baugenossenschaft 1911, aber erst der Zusammenschluß beider Genossenschaften förderte ein erfolgreiches Arbeiten zutage. Jin abgelou- fenen Berichtsjahre (1928) legten die Karl- Vogt-Straße und die L i e b i g st r g ß e ein beredtes Zeugnis ab von der großen Arbeitsleistung des Vorstandes und Aufsichtsrats. Das schwierigste Problem, das der Lösung harrte, war die Geldbeschaffung. Der hohe Zinsendienst erschwere die Fortsetzung der Bautätigkeit der Genossenschaften ganz erheblich; hinzu kämen oft noch recht hohe Hundertsätze als Provision für die Geldbeschaffung. Dadurch werde das Bestreben. die Mieten in erträglichen Grenzen zu halten, bedeutend erschwert. Trotzdem sei es gelungen, durch Beschaffung eines Darlehns von 250 000 Mark die Mietpreise wesentlich günstiger zu gestalten, als bei ähnlichen gemeinnützigen Llnternehmungen. Auch die Ausführung der Wohnungen der Baugenossenschaft 1894 spreche zu ihren Gunsten. Der Redner gab zum Schluß seiner Ausführungen der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen möge, die für die Zukunft geplanten Bauvorhaben in voller Einmütigkeit und mit dem gleichen Erfolg zu Ende zu führen, wie bisher.
Der Kassenbericht
wurde von dem Rechner H. Wölfer erstattet. Die im Geschäftsbericht erwähnte große Arbeitsleistung wird durch die Zahlen der Bilanz belegt. Die Aktiva setzt sich zusammen wie folgt: Znrmobilirnkento: a) vor 1918 erbaute Häuser 52 992 Ml., b) nach 1918 erbaute Häuser 151 686 Mk., c) nach 1923 erbaute Häuser 1 278 637,05 Mk.. Hyvothekenkonto 3920 Mt.; Kassakonto 766,58 Mk.; zusammen 1 488001,63 Mark. Demgegenüber steht die Passiva mit Geschästsanteilkonto 72 541.89 Mk.. Anleihenkonto 1 279 748,09 Mk.. Sparcinlagenkonto 970,13 Mk., Reservefondskonto 3384 Mk., Spezialreservefonds- konto 48 764,80 Mk., Aufwertungskonto 32 719,67 Mark, Straßenkostenbeitragskonto 17 357,24 Mk., Dürgersteigbeitrogskonto 6400 Mk., Häuserunterhaltungskonto 20 801,08 Mk., Gewinn-Saldo 5314,73 Mk.. zusammen 1 488 001.63 Mk.
Die Gewinn- und Verlustberech- nung weist aus ein Soll: Zinsen für aufgenommene Kapitalien 36 852,80 Mk., Zinsen für
Das Erbe
-es Herrn von Anstetten.
TRoman von Z. Schneider-Foerstl.
Llrheber-Rechtsfchutz durch
Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
9. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Günther nickte. „Und vergiß nicht. Alab — alle Briefe, die für mich in Benares ankommen, sammelst du und schickst sie mir unter meiner jetzigen Adresse. Du gibst sie einfach in ein Kuvert und läßt sie einschreiben."
„Du kannst dich darauf verlassen, Sahib."
Ein schriller Pfiff der Lokomotive, Akab lieh die Hand seines Gebieters los und sprang zur Seite. Der Baron sah ihn noch eine Weile zwischen der Rouchfehen. die sich zu Boden schlugen, stehen — dann entschwand Dardschiling seinen Blicken.
Er lehnte sich in die Polster und sah Rixa an. die vor ihm auf dem Boden hockte und ihn mit klugen Augen anblinzelte. „Kleines Mädchen! Wie gut. daß du nicht reden kannst! ilnö wie beruhigend. daß ich nicht deinesgleichen bin! Ich würde sie sonst zerreißen."
Er neigte sich herab und streichelte das etwas struppige Fell: „Run müssen wir abwarten, ob wir beide der Sache gewachsen sind. Ich bin Hans Peter von Anstetten und du eine brave Schäferhündin. Mach mir keine Schande, mein Fräulein." Er zog sie leicht bei den Ohren und hob sie zu sich herauf.
Sie schmiegte den Kopf an seine Wange und stürzte im nächsten Augenblick auf den Schaffner los, der zur Billettkontrolle kam.
„Rixa, wie häßlich!" Anstetten maß sie mit einem strafenden Blick. Sie machte sich ganz schmal und wandte kein Auge mehr von dem Eindringling. Auch als er sich längst entfernt hatte, wagte sie den Gebieter nicht anzusehen. Erst als sich der Baron der Länge nach auf„ dem Polster ausstrecktc und ihr mit einem Lächeln zunickte, kam sie dicht zu ihm heran und machte es sich zu seinen Mißen bequem.
Stefan saß im Abteil nebenan und hatte den Kopf voll Gedanken. Oben in den Rehen lagen die beiden grohen Handkoffer, die er selbst gepackt und mit Kleinkram vollgestopft hatte. — Natürlich die Hauptsache hatte man in Dardschiling liegengelassen. Was der Baron wohl sagen würde, wenn er zum Abend seinen Schlafanzug vermißt und das Halsband für die Rixa. Auch das Etui mit der gesamten Ragelpflege stand wohlbehalten im Bungalow auf dem Sofa, wohin er es gelegt hatte.
Oer Flugwetterdienst
mit besonderer Berücksichtigung seiner Anwendung auf der Weltfahrt des „Graf Zeppciin".
Von Vegierungsrat Dr. Seilkopf, Deutsche Seelvnrte Hamburg*.
Für die wetterkundliche Beratung des heimischen Luftverkehrs ist ein besonderer Flugwetterdienst eingerichtet. Aus den größeren Flughäfen bestehen Flugwetterwarten, die Flugleitung und Flugzeugführer vor jedem Fluge meteorologisch zu beraten haben: Die Warnung vor Rebel, Gewitter, Böenfronten oder Schneefall dient dazu, die Sicherheit des Luftverkehrs zu vergrößern; Angaben über die Möglichkeiten des ilm- fliegend derartiger Schlechtwettergebiete oder über die Höhe der für den Flug günstigsten Windrichtung sollen dagegen mithelfen. die Wirtschaftlichkeit und Regelmäßigkeit des Luftverkehrs zu heben. Als Grundlage für die Flugberatung dienen die Wetterkarten, die nach den Wettersammelfunksprüchen der meteorologischen Zentralstellen gezeichnet werden. In jedem Kulturlande werden an einer Reihe von Beobachtungsstationen zu festen Zeiten regelmäßige Wetterbeobachtungen angestellt und verschlüsselt an die Zentralstellen gesandt; diese wiederum stellen die eingehenden Meldungen zu großen Sammeltelegrammen zusammen. Die sie für den internationalen Austausch über große Funkstellen ausstrahlen. Für den Flugwetterdienst kommen sodann Beobachtungsstellen an den Flugstrecken selbst hinzu, die ihre Meldungen an die Flugwetterwarte zu dem Start an der betreffenden Strecke absehen. Andere Beobachtungsstellen melden der Flugwetterwarte etwa auftretende Gefahren des Wetters, wie Gewitter ober Rebel. Diese Bezirksmeldungen werden von der Flugwetterkarte auf besonderen Flugwetterkarten verarbeitet. Aus der großen, die Gesamt- Wetterlage enthaltenden Wetterkarte und der Bezirksflugwetterkarte wird die Vorhersage des Streckenwetters abgeleitet und die Beratung des Derkehrsfluges durchgeführt; Höhenwindmessungen mit Pilotballonen und meteorologische Mehflüge der Wetterflugstellen liefern hierzu ferner Beobachtungen aus den höheren Luftschichten.
Für die großen, über Festländer und Ozeane führenden Luftschiffahrten, sowie die Langstrecken- fluaversuche ist ein so enges Retz von Flugwettermeldestellen nicht vorhanden. Derartige Flugunternehmungen müssen sich vielmehr auf die großen Sammeltelegramme der Wetterzentralen der einzelnen Länder stützen. Besondere Schwierigkeiten macht die Beschaffung der Wettermeldungen vom Ozean. Erfreulicherweise ist dort jedoch in den letzten Jahren ein Beobach- tungsneh entstanden, das zwar hinsichtlich sowohl der Häufigkeit der Meldungen, als auch der Dichte der Meldungen sich keinesfalls mit dem Landnetz vergleichen läßt, immerhin bei gründ-
* Der Verfasser wird morgen. Dienstagabend, in der Aula in einem öffentlichen Dortrage auf Einladung des Vereins für Luftfahrt und der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde über seine Beobachtungen und Eindrücke auf der Fahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin" um die Welt sprechen. D. Red.
lichstcr Auswertung der einzelnen Beobachtungen in großen Zügen auch die Wetterlage auf den Weltmeeren verfolgen läßt. Auf dem Atlantischen Ozean melden zu festen Beobachtungszeiten deutsche, englische, amerikanische, norwegische, holländische und französische Schiffe ihr Wetter funktelegraphisch an die Zentralstellen in der Heimat, in Deutschland an die Deutsche Seewart e in Hamburg. Die Zentralen nehmen ihre Schiffsmeldungen in die oben genannten Sammeltelegramme auf, so daß auch die Echifssmeldungen dem internationalen Austausch zugeführt werden. In Deutschland stehen rund 60 transatlantische Dampfer und Motorschiffe für diesen Dienst zur Verfügung. Die Zahl Der wettermeldenden Schiffe hat sich in den letzten Jahren erfreulich gehoben, so daß jetzt a mT a g e etwa 40 Schisssmeldungen durchschnittlich vom Atlantischen Ozean eingehen. Weite Räume des Ozeans sind jedoch meist ohne jede Schiffsmeldung, da in ihnen keine Dampfer mit weitreichendem Sendegerät verkehren. Auch längs der großen transatlantischen Dampferlinien sind die Wettermeldungen unregelmäßig und zufällig verteilt.
Zur besonderen llnterstühung des kommenden atlantischen Luftverkehrs hat Deutschland begonnen, auf einigen Dampferlinien Höhenwindmessungen einzurichten, nachdem bereits durch eine Reihe von Forschungsfahrten seit 1922 das Stromfeld über Dem Ozean durchforscht worden ist. Durch das ®ntgcgenEommen der großen Reedereien und die opferwillige Mitarbeit Der Schiffsoffiziere war es der Deutschen Seewarte möglich, auf den Schiffen „Monte Olivia", „Cleveland" und „Sierra Morena" Höhenwindmeßstellen aufzustellen, die täglich ihre Ergebnisse funktelegraphisch nach Hamburg melden. Für diese meteorologischen Vorarbeiten des transatlantischen Luftverkehrs, sowie für feine Beratung hat das Reichsverkehrsministerium, Abteilung Luftfahrt, an d?r Deutschen Deewarte ein besonderes Seeflugreferat eingerichtet.
Auf der Weltfahrt des Luftschiffs LZ 12 7 „Graf Zeppelin" ist die meteorologische Organisation weitgehend verwertet worden. Die Funkstation des Schiffes hat laufend die Wettersammeltelegramme Der überflogenen Länder, sowie die Schisfsmeldungen vom nordpazifischen und nordatlantischen Ozean aufgenommen. Sodann sind dem Luftschiff für diese Fahrt von den meteorologischen Zentralstellen Rußlands, Japans und der Vereinigten Staaten und vom Seeflugreferat in Hamburg Wetterübersichten und Vorhersagen im Klartext zugefunkt worden. Auf Grund des drahtlos eingegangenen Deobach- tungs- und Rachrichtenmaterials hat der an Bord befindliche Meteorologe laufend Wetterkarten gezeichnet und die Gesamtwetterlage von Termin zu Termin verfolgen können, um anhand dieser Unterlagen der Schiffsleitung die Grundlage für die meteorologische Navigation des Schiffes zu liefern.
Spareinlagen 46,18 Mk.. Steuern und Abgaben 29 046.19 Mk.. Derwaltungskosten 1900 Mk., sonstige Ausgaben 5067.60 Mk.. Unterhaltungskosten für Wohnhäuser 10 713,86 Mk.. Zuweisung zum Spezialreservefondskonto 5000 Mt.. Zuweisung zum Häuseruntcrhaltungskonto 5000 Mk.,
Zuweisung zum Straßenkostenbeilragskonto 6298,74 Mk.. 2 v. H. Abschreibung auf die nach 1923 erbauten Häuser 24 664,20 Mk.. Gewinn- Saldo 5314,73 Mk., zusammen 129 904,30 Mk. Haben: Zinsen von ausgeliehenen Kapitalien 160 Mk., Miete von Wohnungen 125 747 Mk.,
So ein Packen das sollte der Teufel holen! Akab saß jetzt wahrscheinlich zu Hause und besah sich den Wirrwarr. Der Bungalow hatte zuletzt ausgesehen wie ein Wigwam, das unter einem Erdbeben gelitten hatte. Es würde kaum einen Gegenstand geben, der noch auf feinem Platze stand.
Die Hauptsache blieb, daß man endlich fort war. Ach und das bißchen Betrug mit dem man nach Hause kam, das brauchte deswegen noch lange kein schiefes Ende zu nehmen. Der Baron Günther faß nach wie vor in Benares und der jetzt heimkehrte, das war Hans Peter, punktwn!
Die Rixa, das Vieh, konnte keinen Schaden anrichten, wenn sie zweimal ein Weib war. So ein Frauenzimmer verplapperte sich hundertmal am Tage.
Er lachte, wurde ganz ernst, holte einen Taschenspiegel heraus und besah sich. Auf Anstetten würde man schauen! So braun war nicht einmal der Bohnenkaffee in der Schloßküche. Er sah aus wie Akab der Hindu, nur dessen Unnahbarkeit fehlte ihm. Das brachte ein Stockösterreicher nicht fertig.
Er glaubte ein Klopfen gehört zu haben, horchte, und als sich im Rebenabteil nichts regte, setzte er sich in die Ecke und verfolgte die Landschaft draußen, die an dem großen Aussichtsfenster vorüberrollte.
Sie war ihm so wenig neu. daß ihn das Schauen einschläferte. Er hörte nur undeutlich, wie sich die Türe öffnete und sah einen Schatten, Der sich oben an Den Koffern zu schaffen machte. „Der Baron", durchzuckte es ihn. der suchte ohne Zweifel feinen Schlafanzug. Er ließ den Kopf zur Seite fallen und zog hörbar Den Atem ein. Rixa, das Vieh, rieb zuerst Die Schnauze an feinen Schenkeln, legte Dann Die Vorderpfote auf feine Schultern und fuhr ihm mit der Zunge über das Gesicht. Das machte ihn niesen und er muhte wohl oder übel die Augen öffnen.
Anstetten blickte mit leichtem Spott auf ihn herab. „Du machst es genau wie die Rixa, wenn sie ein schlechtes Gewissen hat."
Stefan sprang auf, klappte Die Schlosser der beiden Koffer hoch und begann in Den Dingern zu wühlen. Er war derart ehrlich verblüfft, daß Der Baron ein Lachen nicht verbeißen konnte, als Würz Den Schlafanzug fein säuberlich zwischen Die feiDene Llnterwäsche verstaut fand.
„Soll ich dir auf Die Spur helfen, mein Lieber?"
Ein ratloses Ricken.
„Akab hat Die Dinge im letzten Augenblick noch gesehen und sie hineingegeben. Auch Rixas Halsband, meine Ragelpflege und Den Rasierapparat. Hilf mir jetzt beim Auskleiden und hole mir im Speisewagen ein Glas weißen Bordeaux, dann brauche ich dich nicht mehr."
Als Stefan mit dem Gewünschten zurückkam. saß Anstetten, das aufgeschlagene Kursbuch auf
Den Knien, am Fenster und suchte nach Der Ankunftszeit in Bombay — zog ein kleines Heft heraus unD studierte Die Dampferlinien. Es glückte! Man hatte vor der Abfahrt gerade noch Zeit, ein Telegramm aufzugeben.
Acht Tage später konnte man zu Hause auf Anstetten fein.
Auf Anstetten!
„Baron, ich kann Ihnen nur sagen, wenn Ihre Leistungen weiterhin so über alle Erwartungen zurückbleiben, werden Sie die Erlaubnis zum Vorrücken nicht erhalten. Schämen Sie sich!"
Der Rektor des Gymnasiums warf das auf- geschlagene Heft, in welchem das Schwarz der Tinte mit roten Strichen durchsiebt war, dicht vor dem Gescholtenen auf das Pult, drehte sich auf den Hacken um und stolzierte an Den Katheder zurück.
Das Knabengesicht stand in Flammen und erblaßte Dann, um sich während der ganzen Stunde nicht mehr zu heben. „Sie werden Die Erlaubnis zum Vorrücken nicht erhalten." Er hörte kaum, was der Professor sprach, sah nur hin und wieder Die Gestalt eines Mitschülers vpn Der Bank in Die Hohe schnellen und Antwort geben.
„Die Erlaubnis zum Vorrücken nicht erhalten." Mechanisch packte er am Schlüsse Der Stunde Die Bücher zusammen und pfropfte sie in die Mappe.
„Rimm's nicht so tragisch!" Hans von Gollwitz stupste ihn in Die Seite und blinzelte ihn lachend an.
Aber Bernd war heute für keinen Trost empfänglich. Er wartete, bis Der Letzte das Zimmer verlassen hatte und schlich die Treppe hinab. Die beiden Torflügel llappten hinter ihm zusammen. Gut, daß Die Mama Den Wagen nicht geschickt hatte, er muhte jetzt allein sein.
Er machte einen Bogen um Die Stadt und hörte von jedem. Der ihm begegnete. Die Worte zugerufen: „Sie werden die Erlaubnis zum Vorrücken nicht erhalten, schämen Sie sich!"
Wenn er sich damals erschossen hätte — damals — Dann wäre ihm das heute nicht passiert.
Vaters Arbeitszimmer war feit jenem Tage versperrt, aber muhte es Denn gerade eine Waffe fein? Es gab doch auch noch anderes, das einem aus dem Leben half: Man fiel in die Pram und ertrank — oder ah beim Spazierengehen durch Den WalD von Den Tollkirschen. Die massenhaft zwischen Den Farrenkräutern standen.
Daß ihm das heute erst einfiel? Es gab nicht einmal einen Knall, wie beim Erschiehen, ein bihchen Leibschmerz — vielleicht sehr stark sogar — und Dann war Ruhe.
Die Mutter konnte Den Grafen Oerhen heiraten unD Der Vater--
Er machte eine wegwerfende Handbewegung. — Er hatte keinen Vater mehr.
Die Mappe flog über Den Wiefenrand, Der
sonstige Einnahmen 3997 Mk., zusammen 129 904,30 Mk.
Die Mitgliederzahl betrug Ende 1927: 766, Zugang in 1928 : 38. Abgang 12, Mitgliederstand Ende 1928: 792. Das Mitgliederguthaben betrug Ende 1927: 57 703,85 Mk.. Ende 1928: 72 541.89 Mark. Die Haftsumme der Genossen betrug Ende 1927: 176800 Mk. Ende 1928: 182000 Mk.
Die Aussprache und Beschlußfassung.
In der Aussprache führte Stadtratsmitglied A. Mann aus, daß durch die Erstellung von 56 Wohnungen an Der Licher Straße (Plattenhausen) und 20 Wohnungen in der Straße „Am Kugelberg" in den Jahren 1919 bis 1923 Die Grundlagen für einen gesunden Weiterbau geschossen wurden. Der Vorstand könne das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, daß es ihm gelungen sei. die allgemeinen Daugeldcr für die Errichtung billiger Wohnungen zu erhalten. Prof. Dr. Krausmüller fei stets ein eifriger Förderer Der Genossenschaft gewesen. Dem Dafür hohe Anerkennung gebühre. Ob Die Bautätigkeit Der Genossenschaft für Die Folge auf Das gleiche Entgegenkommen der Dafür in Frage kommenden Stellen rechnen könne. liege im Schoße der Zukunft. Die gefchästsführenden Vorstandsmitglieder hätten bei ganz geringen Derwaltungskosten Außerordentliches g leistet, dafür gebühre ihnen Der wohlverdiente Dank seitens der Genossenschaft. Die ..Volksfürsorge" gab die Möglichkeit zum Bauen durch Zuweisung eines Darlehns von 250 000 Mk. zu einem erträglichen Zinssatz. Die Sorge um die Genossenschaft habe Den leitenden Vorstandsmitgliedern viel Kopfschmerzen verursacht. Die Baugenossenschaft 1894 gehöre zu Den bestsundiertesten und genieße großes Ansehen weit über Die Grenzen des Volksstaates Hessen hinaus.
Auch Die folgenden Redner zollten der Tätigkeit des Vorstandes und Aussichtsrates reichen Beifall und Dank. Ein Mitglied äußerte starke Bedenken gegen die Fortsetzung Der Bautätigkeit seitens Der Genossenschaft, weil Dadurch die Mieten für die minderbemittelten Mitglieder zu hoch und ins Llnerschwingliche gesteigert würden. Ferner wurde von dieser Seite verlangt, die Herstellung von billigen Wohnungen nur Der Kommune zu überlassen, da es ihre Pflicht fei, in Der Frage Der Wohnungsnot durchgreifend Abhilfe zu schaffen. Diese Gedanken fanden in Der Versammlung jedoch kein Echo, zumal Herr Fourier erklärte, daß bei den Bauvorhaben vorher recht vorsichtig alles erwogen sei und kein Spatenstich getan werde, ehe nicht ein Bauvorhaben finanziell völlig sichergestellt sei. Auch Direktor Bergen bat, das große Ziel, die Beschaffung billiger Wohnungen für Die Minderbemittelten, im Auge zu behalten.
Herr Wölfer machte bezüglich der Verteilung des Reingewinnes von 5314,73 Mk. entsprechende Vorschläge, worauf Herr Bergen für die Rechnungsprüfer eine musterhafte Geschäftsführung feststellte und Entlastung des geschäftsführenden Vorstandes beantragte.
Der Geschäfts- und Kassenbericht wurde gutgebeiben und die Entlastung einstimmig erteilt.
Die Dahlen für den Vorstand und Aussichtsrat hatten folgendes Ergebnis: Die Herren Denk und Mann (Vorstand) und Zang er und Schneider (Äufsichtsrat) wurden einstimmig wiedergewählt. Mir Den verstorbenen Professor Dr. Krausmüller tritt Stadtbauoberinspektor Höhn, der seither schon als Vertreter Der Stadt Gießen Dem Aufsichtsrat mit beratender Stimme angehörte, in den Aufsichtsrat ein.
Herr Wolfer machte auf die zur Beschaffung von Cigenkapital eingeführte Spareinrichtung aufmerksam, dann erfolgte Die Erledigung einer Anzahl interner Fragen. Herr Bergen schloß
Knabenkörper stürzte darüberhin und grub Die Finger in Die Erde. „Vater!"
Wie es ihn schüttelte. Der Sechzehnjährige weinte wie ein Kind, Dem sein Aller-Allerliebstes verlorengegangen war. Der schlanke Leib wurde von einem Schluchzen gestoßen, das sich nimmer dämmen ließ. „Vater!"
„Sie können hier nicht schlafen, junger Mann, sonst holen Sie sich möglicherweise einen Hih- schlag."
Bernd regte sich nicht. Jemand beugte sich über ihn, er hörte Die bekannte Stimme jetzt dicht an seinem Ohr. „Bernd, bist du es wirklich? — Wie kannst Du so unvorsichtig sein? Komm doch, es sengt dir ja Die Haare, Kind."
Er wühlte das Gesicht in Die Gräser. „Laß mich, Tante Chatlen! So laß mich doch! Wenn mich jetzt Der Hitzschlag trifft, das wäre Das Allerbeste für mich."
„Bernd!!" Feinknochige, schwache Hände zwangen ihm Den Kopf nach auswärts, halfen ihm auf Die Knie, klopften Die Halme von feinem Aermel und machten einen großen Erdfleck an feinem weihen Hemde verschwinden: „Komm jetzt, mein Junge!"
Er machte schon wieder Miene, sich auf die Erde zu werfen, sah ihren flehenden Blick und richtete sich auf. „Sage Mama nichts davon. Chatlen, sie braucht es nicht zu wissen. Gehst du heim?"
Sie bejahte. „Kommst du ein Stückchen mit, Bernd? Ja? Wie lieb von dir! Du bist so lange nicht mehr bei mir gewesen."
„Hast Du die Kirschen schon herunter, Chatlen?"
Er sah ihr Lächeln nicht, Denn sie trug das Gesicht ganz tief gesenkt. „Roch nicht alle! Die schönsten hängen noch! Seit du groß bist und soviel zu lernen hast, habe ich niemanden mehr. Der sie pflückt."
„Soviel zu lernen hast!" Er schluckte und konnte es nicht verhindern, daß ihm Die Tränen über die Wangen liefen. „Ich Darf nicht vorrücken, Chatlen!"
„Bernd!" Es klang weniger erschrocken, als mitleidig teilnahmsvoll.
„Schämen soll ich mich, hat der Rektor gesagt."
Sie horchte auf. „Unb deswegen bist Du vorhin in Der Sonne gelegen und hast dir Den Hitzschlag gewünscht?"
Das Weinen verstummte jählings. „Deswegen? Ach!" — Er machte eine wegwerfende Handbe- toegung. „das ist ja nur eine Folge von dem anderen: daß ich faul geworden bin! Daß ich nicht mehr lernen mag! Daß mir alles gleich ist! Alles! Daß sie mich prügeln und verabscheuen können und — und — ach frag nicht weiter, Chatlen!“
„Rur eins iwch. Bernd, was für ein Anderes ist Denn das?"
(Fortsetzung folgt.)


