Ausgabe 
25.11.1929
 
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Heldengedächtnisfeier in Berlin.

In Anwesenheit des Reichspräsidenten.

Berlin, 24. Rov. (TU.) Die Vereine der früheren Truppenteile der südlichen Garnison Berlins veranstalteten am Totensonntag auf dem neuen evangelischen Garnisonkirchhof eine Totengedenkfeier für die gefallenen Ka- meraden. an der auch der Reichspräsident teilnahm. Wegen Lieberfüllung der Friedhofs- kapelle konnten Tausende keinen Einlaß mehr finden. Mit dem Glockenschlag zwölf Uhr erschien der Reichspräsident v. Hindenburg in Feldmarschalluniform, begleitet von seinem Sohn und den ehemaligen Kommandeuren der Regi­menter. Cs folgten in endloseni Zuge mit Musik die zahlreichen Abordnungen mit ihren Fahnen und Standarten, die rings um den Altar sich aufbauten. Divisionspfarrer I r m e r ermahnte in seiner Gedächtnisrede die Lebenden, zu ringen für ihr Vaterland. Sodann weihte er eine Ge­denktafel für das 7. Garde-2nfanterie-Regiment. Rach dem Lied vom guten Kameraden erfolgte der Auszug der Fahnenabordnungen, die vor der Kapelle Spalier bildeten. Als dann der Reichs­präsident erschien, brachte ihm die Menge be­geisterte Huldigungen dar und sang das Deutsch­landlied.

Eine Friedenskundgebung in Hamburg.

Gemeinsame Feier auf den Kriegerehren­friedhöfen.

Hamburg, 24. Rov. (WB.) Die am Toten­sonntag auf dem Ohlsdorfer Friedhof vom Reichsverband deutscher Kriegsbe­schädigter und Kriegshinterbliebe­ner veranstaltete Gefallenen-Gedenkfeier erhielt in diesem Jahr durch die Teilnahme von Konsularvertretern der Vereinigten Staaten, Englands, Frankreichs, Belgiens, Ita­liens, Polens, Japans und Oesterreichs eine be­sondere Bedeutung als eindrucksvolle politische Kundgebung für den Frieden und die Verständi­gung unter den Völkern. Rach einem Musik­vortrag gedachte zunächst der amerikanische Konsul E.Talbot Smith der Millionen an allen Fronten und in allen Lagern gefallener Krieger und des ungeheuren Heeres derjenigen, die heute noch unter den Folgen der Kriegs­katastrophe leiden. Die toten und die lebenden Opfer seien Mahner für die Gestalter der Welt, sich abzuwenden von allem Waffenkampf und sich zu bekennen zum Gedanken des Friedens und der Verständigung. Als zweiter Redner sprach Reichsverbandsvorsitzender Bettermann na­mens der Kriegsopfer. An die Feier auf dem deutschen Ehrensriedhof schloß sich eine Toten­ehrung auf deni englischen Krieger- fr i e d h o f an. An diesen Gräbern, so erklärte Vizekonsul Shepher in seiner Gedenkrede, ge­winnen wir erst recht die Lieberzeugung, daß ein einwandfreies Mittel für die Sicherung des Frie­dens gefunden werden muß. Unsere Völker be­seelen die gleichen Gefühle. Wenn wir uns in Zukunft bei jeder Wiederkehr dieses Tages hier versammeln, möchten wir dann auch gleichzeitig stets ein weiteres Jahr des Friedens feiern können An beiden Gedenkstätten erfolgten Kranz­niederlegungen durch die Vertreter der aus­wärtigen-Staaten, des Hamburger Senats und der Verbände.

Ein neuer Parteivorstand der Christlich- Nationaien Bauern- u. Landvolkpartei.

Berlin, 23. Rov. (WTB.) In einer Ver­treterversammlung der Christlichnationalen Bauern- und Londvolkpartci fand die R e u - wähl des Parteivorstandcs statt: den Parteirorstand bilden jetzt: Baum, M. d. L., Rauschwitz <Thüringen) als erster Vorsitzender, Dr. Gercke, M. d. R. W. R.. Presse! (Prov. Sachsen) und Karl Hepp, M. d. R.. Seelbach (Hesscn-Rassau) als stellvertretende Vorsitzende,

Die japanische Hofdame.

Von Franz Blei.

Sie hieß Sei Schonagon, und als sie starb, schrieb man dos Jahr 1000 nach Christus. Dem Europäer fallen da die Kreuzzüge, die Raub­ritter und die Angst vor dem Untergang der Welt ein, was alles und mehr die christlich­europäischen Gemüter bedrückte. Aber das Jahr 1000 in Japan entspricht etwa dem Jahre 1700 in Europa, und der Hof. den zu Heian die Dy­nastie hielt, etwa dem des Sonnenkönigs, wenn man von dessen Kriegen absieht. Denn man genoß einen köstlichen langen Frieden und alle dessen Annehmlichteitcir. Cs herrschten die Frauen mit ihrem Geiste, mit ihrer Anmut. Der Ver­liebte blies die Flöte unter dem Fenster der Ge­liebten. oder tauschte zärtliche Verse. Oder machte sich sonst aus eine heitere Weise vor ihnen lächer­lich, wenn sie eine so boshafte Zunge besaßen oder so scharfe Augen wie Madame S.ei Schona­gon, die Hofdame der sanften, süßen Kaiserin Sadaro, die ihrer so amüsanten witzigen Freundin eines Tages ein Bündel schönes weißes Papier schenlte, damit sie es mit ihren Einfällen be­pinsele. ..Ich werde mir ein Kopfkissen daraus machen", sagte die Schonagon, und so war es. In s <?rcn schlaflosen Rächten holte sie unter ih i Kissen die weißen Blätter hervor und beschrieb sie mit ihren Einfällen. DiesesKopf- kisicnduch" gehört zu den Berühmtheiten der ja­panischen Literatur wie der große RomanDie Geschichte Genjis" ihrer ernsteren Zeitgenossin Murasaki. ein Werk, modern wie das von Proust.

Cs ist so was wie ein von der schlaflosen Rächt entdecktes Tagebuch, was die Hofdame schrieb, und wurde ein von dem überaus hellsichtigen und scharfen Verstände dieser pikanten Frau durchhelltes Dokument einer höchst kultivierten Zeit, deren ästhetisches Raffinement von keiner mehr übertroffen wurde. Man kann von dieser Zeit wabrhast als von einer literarischen sprechen, denn das Schreiben wurde in ihr am ernstesten genommen. Cs galt mehr für eine sittliche Tugend als für ein gutes Talent. Verliebt sich ein junger Mann dieser Zeit in eine junge Dame, so wartet er mit seiner Liebe, bis er .. Züge ihrer Hand" gesehen, mit demselben Herzklopfen wie ein junger englischer Mann der dreißiger Jahre des vori­gen Jahrhunderts, dos Glaubensbekenntnis des Mädchens zu erfahren, das ihm Eindruck gemacht hatte.

Bayern und Reich.

Oie Bayrische Bolkspartei zum Problem der Reichsreform. Oie Front mit dem Zentrum.

München. 24. Rov. (WB.) Auf der Landes­versammlung der Bayerischen Volkspartei wandte sich Ministerpräsident Dr. Held dagegen, daß man den Kampf um die Reichsreform in einem Augenblick aufgerollt habe, wo wir ganz andere Dinge viel notwendiger zu tun hätten. Er er­klärte: Will man denn die Zwangslage des deut­schen Volkes dazu ausnuhen, besondere Ziele zu erreichen, die man sich sonst nicht zu erreichen traut? (Stürmischer Beifall.) Auch wir sind der Lieberzeugung, daß die Weimarer Verfassung verbesserungsbedürftig ist. und wir haben dementsprechend eine Reihe von Vor­schlägen gemacht. Was aber der Gegenstand der Reichsreform ist, hat einen ganz anderen Ausgangspunkt und ganz andere Ziele. Ist man sich darüber klar bei allen Deut­schen, daß es eine unglaubliche Illoyalität gegen diejenigen darstellt, die 1919 für die Weimarer Verfassung gestimmt haben, wenn man ihnen jetzt nachträglich zumutet, und zwar unter Zwang zumutet, die Grundpfosten dieser Ver­fassung umzustürzen ohne Rücksicht auf die Auffassungen, die beim Zustandekommen maß­gebend waren? Solange Bayern und die übrigen Staaten sich selbst treu bleiben, solange wird uns nichts passieren. Ein sehr wirksames Mittel gegen die Aushöhlung der Länder wäre die Einig­keit der Länder untereinander.

In der weiteren Debatte ging der preußische Zen­trumsabgeordnete Heß aus die Frage der Wie­dervereinigung der Bayerischen Volkspartei

mit der Zentrumspartei ein, die beide dem Herzen nach zusammengehörten. Es sei das Recht der Bayerischen Volkspartei, darauf zu dringen, daß gewisse grundlegende Fragen vorher geregelt wer­den Die wichtigste Voraussetzung für die Wiederver­einigung der beiden Parteien bestehe darin, daß die Deutsche Zentrumspartei dem Problem R e i ch u n d Länder gegenüber einen Standpunkt einnimmt, der für Bayern und die Bayerische Volkspartei trag­bar sei. Reichsminister a. D. Dr. Bell erklärte: Beide Schwesterparteien, Zentrum und Bayerische Volkspartei, müßten, solange sie noch getrennt mar­schieren, jedenfalls bei den großen Schlachten ver­eint schlagen. Mit aller Entschiedenheit müsse der Gedanke bekämpft werden, als hätte sich im Volks­begehren eine Mehrheit des deutschen Volkes für den Poungplan ausgesprochen. Das Zentrum und auch andere große politische Parteien hätten sich die endgültige Stellungnahme nach jeder Richtung hin Vorbehalten. Seine Partei unterschätze die schweren Bedenken gegen den Youngolan, die von Tag zu Tag stärker würden, nicht. Das Zentrum werde auf das gewissenhafteste die Vorteile und Nachteile gegeneinander abwäaen.

In einer Entschließung wurde betont, daß die An­nahme des Youngplans nicht mehr tragbar scheine, wenn die Räumung der dritten Zone bis zu einem gewissen Zeitpunkt nicht gesichert sei, die Verhandlungen über das Schicksal des Saargebietes unbefriedigend verlaufen und der Poungplan zur Aushungerung der Länder benutzt werde.

R ie m a n n-Lödding, Rorup (Westfalen), von Haun sch ild, Tscheidt (Oberschlesien): ferner gehören dem Vorstand an die Vorsitzenden der Parteivertretung im Reichstag und Preußischen Landtag, Landwirt Fr. Doe brich, Llnterbarles (Thüringen) und Klaus Vollmers, Alten­dorf (Hannover).

Schluß des deutschnaiionalen Parteitags.

Ter Polenvertrag und die Laarverßand- lungen.

Kassel, 23. Nov. (WB.) Der Re ichsaus- schuß der deutsch-nationalen Bearn- t c n faßte eine Entschließung, in der das Verhalten des Deutschen Beamtenbundes im Kampf um das Volksbegehren einer scharfen Kritik unter* -zogen wird. Weiter wird gefordert, daß der Deutsche Beamtenbund den mit Dienststrafverfahren bedroh­ten Beamten Rechtsschutz gewähre und daß die Lei­tung des Bundes, die das Vertrauen weiter Kreise verloren habe, in der Weise umgestaltet werde, daß für die Zukunft Gewähr gegen die Wiederholung sol­cher Vorkommnisse gegeben wird.

Auf der Vollsitzung des Parteitages wurde eine Entschließung einstimmig angenommen, in der schärfster Einspruch gegen den aus der pol­nischen und der deutschen Presse bekannt gewordenen deutsch-polnischen Liquidationsver- t r a g und gegen die Absicht des Reichsaußenmini­sters Dr. Curtius, den zollpolitischen Schutz gegen Polen in wichtigen Punkten preiszugeben, erhoben wird. Diese Politik erweise sich als unfähig, deutsche Interessen dem Auslande gegenüber zu ver­treten. Von der deutschen Regierung wird verlangt, daß sic beim Kampf um die Weichsel nicht deutsche Lebensrechte der Gegenwart und Zukunft preisgebe.

Zur Frage der Rückgabe des Saargebie­tes faßte der Reichsparteig folgende Entschließung: Mit großer Besorgnis verfolgt die Deutschnationale Volkspartei die Stellungnahme der französischen Re­gierung zu den Saarverhandlungen. Wir stellen uns nachdrücklich ohne Abstriche hinter die Forderungen der Freunde der wahren Freiheit von Saar und Rhein. Sie gipfeln in dem Grundsatz: Was deutsch ist, muß deutsche bleiben. Wir

Sei Schonagon war eine höchst reizbare Dame, aber verlor darüber nie ihre natürliche Mensch­lichkeit. Hübsch war sie nicht, aber sie verstand es, so zu tun, als ob sie es wäre. Ihr ganzes Tage­buch ist ein höchst ausgearbeitetes Selbstporträt, das auch ihren einzigen Fehler ist er einer? erkennbar macht: sie will bewundert und geliebt sein, und rächt sich mit ihrem scharfen Witz an jenen, die ihr das nicht zuteil werden lassen. Richts in der Welt ist so schmerzlich, wie das Gefühl, daß einer einen nicht leiden mag. Cs kommt mir immer so vor, daß Leute, die mich hassen, unter einer seltenen Form von Mond­süchtigkeit leiden", notiert sie.

Hübsch war sie nicht, aber es blieb ihr nichts von den Erlebnissen unbekannt, die den hübschen Frauen wie ein Tribut zufallen. Als unange­nehme Dinge notiert sie:Ein Hund, der einen Riann anbellt, der heimlich zu dir kommt. Den Hund könnt' ich umbringen!" Oder:Ein Mann, den man an einem nicht zum Schlafen bestimmten Ort versteckt hat und der plötzlich zu schnarchen ansängt." Unter den Dingen, die das Herz schla­gen machen, nennt sie:Sich allein in einem Raum zu Bett legen, wo köstliches Räucherwerk brennt. Lind:Sich das Haar waschen, Toilette machen, parfümierte Kleider anziehen, selbst dann, wenn niemand einen sieht." OderDes Rachts den Wind sich leise rühren hören, wenn man einen Freund erwartet." Dinge, die ein süßes Erinnern an Vergangenes bringen, sind: An einem sich hinziehenden Regentage Briefe von einem Mann finden, den man einmal geliebt hat." Lind:Ein fledermausfarbner Fächer vom vergangenen Jahr."

Sie durfte nicht wenig eitel gewesen fein, die Hofdame, und darum die Melancholie gekannt haben, aber auch die leise nagende Langeweile? Was sie von dieser zuweilen befreien kann, malt sie mit ihrem charmanten Pinsel so:Der un­erwartete Besuch eines Mannes, der einem nicht zu vertraut, aber auch nicht zu fremd ist und der von mondänen Dingen erzählt, von luftigen, widerwärtigen und spaßigen. Er spricht von dem und von dem, von öffentlichen und privaten Af^ren und tut es mit Takt, indem er nur das sagt, was nett zu sagen und anzuhören ist. Das erleichtert das Herz.

Man denkt an eine sich in den Mondänitäten verbrauchende Frau. Aber das stimmt nicht ganz. Sie entzückt sich über ein Kind, das seine kleinen Zähne in eine Melone gräbt. Lieber einen Trunk frischen Wassers des Rachts, wenn man aufwacht.

stellen erneut vor aller Oeffentlichkeit fest, daß die Deutschnationale Volkspartei die s o f o r t i g e R ü ck- gliederungdesSaargebiets und die Räu­mung der Rheinlande ersehnt, allerdings nicht gegen weitere Zugeständnisse. Das ist der unbeirrbare Wille unserer Freunde an der Saar, das war bis zum Poungplan auch der oft verkündete Wille der anderen Parteien. Unsere Bedingungen zu den Saarverhandlungen sind: vor den wirtschaft­lichen Verhandlungen die politische Rückgliede­rung, kein Verzicht auf ein Stück deutschen Bodens, bedingungslose Rückgabe der Saar­grube n an Preußen und Bayern, unbedingte AblehnungeinerBeteiligungfranzö- fischen Kapitals, keine Regelung auf Kosten der Landwirtschaft, keine Uebernahme irgend eines durch sein politisches Verhalten belasteten Beamten.

Im Anschluß an die verschiedenen Referate dankte Dr. H u g e n b e r g in seinem Schlußwort für d i e Beweise des Vertrauens, die ihm persön­lich aus zahlreichen Kundgebunaen entgegengebracht worden seien. Es wird vorgeschlagen, den nächsten Parteitag in P o m m e r n abzuhalten. Ich wünschte, daß Sie'den Eindruck mit nach Hause nehmen: wir sind wieder in der Offensive und wir schrei­ten wieder voran. (Stürmischer Beifall.) Lassen Sie uns über die Arbeit der nächsten Zeit die Worte setzen:Einigkeit, Kraft und Freiheit!" (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Mit dem Gesang des Nie­derländischen Dankgebets war der Parteitag beendet.

Sozialdemokraten und Ver­fassungsreform in Oesterreich.

Wien, 24. Rov. (WB.) Aus der sozialdemo­kratischen Reichskonferenz gab Abgeordneter Danneberg in seinem Bericht' im einzelnen das Ergebnis' der Verhandlungen mit Bundes­kanzler Schober über die Verfassungsreform bekannt sowie die Stellung der Partei dazu. Zur Frage Wiens erklärte er: W i e n muh ein gleichberechtigtes Land bleiben. Das ist unser unverrückbarer Standpunkt, und muh es bleiben. Eine Verfassung, die es anders will, wird eben nicht zustande kommen. Das verhindert natürlich nicht, dah man die inneren Probleme der Wiener Verwaltung selbstverständlich überprüfen kann. Dr. Karl Renner

Oder schreibt auf:Schlaflos erwartet man die Rächt hindurch einen Besucher. Die Morgenröte hebt sich. Der Freund ist nicht gekommen. Lind gegen deinen Willen faßt dich für einen Augen­blick der Schlummer. Ein Rabe schreit draußen Ära Ära", du wachst auf und erblickst ganz plötzlich den Himmel, den leuchtenden Tag." Lind in dieses Allgemeine eines Ratureindrucks zeich­net sie noch die seltsamen Einzeleindrücke wie: das leise Zwitschern der Vögel vor Sonnenauf­gang. Oder: im Morgendämmer einen husten hören.

Das Raffinement dieser altjapanischen Kultur wird aus den Aufzeichnungen sichtbar, in denen die Hofdame notiert, was gezeichnet oder ge­schrieben schöner ist als in der Wirklichkeit: ein Feld im Herbst, Schnepfen am Himmel, Hirsche auf einer Wiese, der Winter mit seiner Kälte, der Sommer mit seiner unerträglichen Hitze. Aber es zeigt sich auch dort, wo die Sei Schona- gon Emotionen aus Ratürlichem notiert, wie: Erwachen mitten in der Rächt. Ein Dörfchen schneebedeckt in den Bergen. Ein Abend am Fluh mit Weiden, die der anhebende Rachtwind leise rührt. Sie schreibt auf:Ich wollte davon zu andern sprechen, aber man hörte mir nur aus Höflichkeit zu und ohne Teilnahme. Das macht mich nachdenklich. Wie seltsam ist das alles. Es hat geregnet, und das Gewicht der Tropfen liegt auf den Blättern, die Stiele beugen sich. Run fallen die Tropfen einer um den anderen. Lind es erzittern die Blattstiele, und ganz plötz­lich schnellen sie sich wieder gerade, ganz so. als ob eine helfende Hand sie befreit hätte. Wie das mein Herz bewegt."

Solcher Momentbilder der Seele gibt die sen­sible Hofdame die Fülle in ihrem Kopfkissenbuch. Dieses noch sei zitiert:Man hat sich zu brechen entschlossen und sich nicht mehr zu kennen, und da trifft man einander ganz zufällig. Man hat ein seltsames Gefühl. Man sagt sich: er wird mich nicht erkennen. Man tut ganz indifferent. Das ist nicht beschämend, aber es gibt eine selt­same Emotion. Das einstmals unvergleichliche angebetete und charmante Wesen ist deinen Augen wertlos geworden. Wie stellt man eS nur an, sich solch eine tote Seele zu machen? Immer wie­der erstaunt mich das."

Alle Sachen für Puppen sind reizend, schreibt sie auf. Lind unter garstigen Dingen notiert sie: zerknitterte Kimonos. Oder das Innere eines Katzenohres.

Lim einer anderen Frau willen verstieß der Kaiser die feine, und mit der Kaiserin Sadako

führten, a. aus: Die Verhandlungen erscheinen in ihrem Ergebnis insofern beruhigend, als ja die schlimmsten und absurdestem Anschläge des ursprünglichen Entwurfes beseitigt sind. Wir sind uns klar, dah von uns Opfer gefordert werden, aber diese Bereitwilligkeit darf nicht so ausgelegt werden, dah die Sozialdemokraten aus patriotischer Opserwilligkeit noch mehr zu- geben. als Dr. Danneberg erklärt hat. Rach Erklärungen von weiteren Teilnehmern an der Reichskonferenz wurden die bereits gemeldeten Beschlüsse gefaht. 3n politischen Kreisen beider Lager wird das Ergebnis der Reichskonferenz dahin gewertet, daß über die noch strittig . Punkte, ein­schließlich der Frage von Wien, in den nächsten 48 Stunden eine Verständigung erzielt werden dürfte, so daß der alsbaldigen parlamentarischen Erledigung des Verfassungsreformentwurfs nichts mehr im Wege stünde.

Die Reichskonferenz nahm einstimmig einen Beschluß an, wonach der Bericht des Abgeord­neten Danneberg zur Kenntnis genommen und der Verband der sozialdemokratischen Abgeord­neten ermächtigt wird, nur unter d er Be­dingung für die Versassungsvorlagen zu stim­men, daß der Inhalt der Vorlagen innerhalb der im Referat DonNebergs und der in der Debatte gezogenen Grenzen bleibt. Ferner wurde ein Antrag angenommen, in dem es u. a. heißt, Wien müsse, solange Oesterreich eine föderative Republik mit selbständigen Gliedstaaten sei, m i t allen anderen Ländern vollständig gleichgestellt bleiben.

Oer Bürgerkrieg in China.

London, 25. Nov. (WTB. Funkspr.)Times" meldet aus Peking: Eine entscheidende Wendung ist eingetreten. F e n g j u h s i a n g s Armee hat sich in westlicher Richtung zurückgezogen und den Regierungsstreitkräften die Stadt Loyang überlassen. Es heißt, daß dies auf einer Vereinbarung beruhe, und daß Tschiankeischek daher die Front habe verlassen können. Inzwischen ist Tschang- f a t f ro a i, dessen verschiedene Niederlagen vor eini­gen Wochen gemeldet wurden, mit einem großen Heer aus südlicher Richtung in Kwan- t u n g einmarschiert, während die Kwangsi- führer die Provinz von Westen her bedrohen. Vom Pangtse werden Verstärkungen abgesandt. Tschiankeischek ist am Samstag von Hankau nach Nanking abgereist. In Hankau nimmt man allge­mein an, daß der Krieg im nördlichen Teile von Mittelchina zu Ende sei. Man glaubt, daß Gelb hierbei die entscheidende Rolle gespielt habe.

Aus aller Welt.

TTluHer und Kind vom Autobus totgefahren.

Am Svnntagnachmittag ereignete sich in der Köpenicker Straße in Berlin ein tragischer Llnglückssall. Eine Frau, die mit ihrem zwei­jährigen Kind auf dem Arm noch schnell vor einem herannahenden Wagen der Autobus­linie 13 den Fahrdamm überqueren wollte, glitt aus. Der Autobus überfuhr Mutter und Kind. Beide wurden so unglücklich zwischen den Rädern eingeklemmt, daß man die Feuerwehr alarmieren mußte. Der Autobus wurde mit Winden in die Höhe gehoben, in­zwischen waren Mutter und Kind ihren schweren Verletzungen erlegen.

Die Vernehmung Stelzers in Düsseldorf.

Düsseldorf, 23. Rov. (WTB.) Die Krimi­nalpolizei teilt folgendes mit: Der vorgestern in Mettmann in der Düsseldorfer Mordange­legenheit verhaftete 29 Jahre alte Erwerbslose Waldemar Stelzer ist gestern und heute vor­mittag eingehend vernommen worden. Bisher sind keinerlei Tatsachen festge­stellt, die darauf schließen lassen, daß er als der­jenige, der die Morde oder Lieberfälle began­gen hat, in Frage kommt. Keiner der Zeu­gen erkannte ihn als den gesuchten 'Verbrecher wieder. Einige Zeugen erklärten sogar mit Be­stimmtheit, daß Stelzer nicht der Täter sei. Auch aus der Schriftvergleichung haben sich Anhalts­punkte über seine Täterschaft nicht ergeben. Di?

ging ihre Hofdame Sei Schonagon in die Ver­bannung und die Armut. Lind starb, eine Bett­lerin an den Tempeltoren.

Bosco, der Mnn mit dem eisernen Mgen

Michael Griffin!" rief der Schreiber eine» Stadtgerichts in Buffalo in den Saal. Rjemand meldete sich. Rochmal, etwas lauter:Michael Griffin!!" Von der letzten Arrcstantenbcml her geleitete ein Polizist ein menschliches Wrack. Abgerissen, abgezehrt, schlotternd. Lind doch sah man's ihm an, daß er einst ein bärenstarker Riesenkerl gewesen sein muhte.Der Mann heißt Moran, Euer Ehren." sprach der Polizist, er kam gestern abend nach einer Polizeiwache, krank, obdachlos und bat, ihn einer Anstalt zu überweisen. Er ist recht übet dran." Dies mcg das letzteAuftreten" Boscos, desMannes mit dem eisernen Magen" gewesen sein, einer inter­nationalen Zirkusberühmtheit, an die man sich auch in Deutschland noch erinnern dürfte. Auf der Pan-Amerikanischen Ausstellung in Buffalo tauchte er erstmals auf. Zwei- oder dreimal des Tages produzierte er sich im Verschlucken von Glasscherben, Rägeln. lebenden Schlangen oder was immer das Pub.ilum ihm überreichte. Machte Furore. Bereiste das Land mit einem Zirkus, ging nach Europa, erwies sich in fast allen europäischen Großstädten als Zugkraft er­sten Ranges. Erntete Ruhm und ein Vermögen. Plötzlich verschwand er von der Bildfläche, sein Vermögen zerstob. Zuletzt halte er in einer Buf­faloer Fabrik einen Rachtwächterposten inne, den er durch Krankheit verlor. Obdachlos, mittellos und hungernd wandte sich der jetzt 75jährige Mann mit dem eisernen Magen an die Polizei. Der Richter überwies ihn der Armeirpflege- anstalt.

Hochschulnach richten.

Professor Dr. Albrecht Götze in Heidelberg hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der semitischen Philologie an der Universitär Marburg als Nachfolger von Professor B. La dsberger erhalten. Professor Dr. Exnß Frey in R o st o ck hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Pharmakologie in Göt­tingen als Nachfolger vyn Professor W. Heubner angenommen. Der durch den Weggang von Prof. Max Schneider an der Universität Breslau er­ledigte Lehrstuhl der Musikwiuenschaft ist dem a. o. Professor Dr. Arnold Schmitz in Bonn ange­boten worden.