Ausgabe 
25.10.1929
 
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einem neuen Wahlsystem gearbeitet wird. Zum ersten Male wirkt sich eine Aufteilung der bisherigen 7in22kleineWahlkreise aus, die eine stärkere persönliche Verbindung zwischen Wählern und Gewählten ermöglichen und den allgemein geäußerten Bedürfnissen nach einer Wahlreform für das ganze Reich besser ent­sprechen. Außerdem wird dabei von dem reinen Proporzsystem insofern abgewichen, als nicht der Wahlquotient von 10 000 unbedingt erforderlich ist, um ein Mandat zu erlangen, sondern als Durch Sammeln der Reststimmen und der 10 000 nicht erreichenden Stimmen für die einzelnen Parteien und Wahlkreise denjenigen Kandidaten die Wahl gesichert wird, die die Höch st e Zahl R e st st i m m e n erreicht haben. Man wird also aus diesen Neuerungen auch wahltechnisch einige bedeutungsvolle Erfahrungen ziehen können.

Unter diesen Umständen ist eine Prognose nicht einfach. Trotzdem darf man mit einiger Wahr­scheinlichkeit die Wiederkehr der gleichen Koalition Voraussagen, die seit 1918 die Ge­schicke des Landes gelenkt hat. Baden ist von jeher ein Zentrum des Fortschritts und der staatspolitischen Kräfte gewesen. Eine aufmerk­same Verfolgung der politischen Symptome, die sich dort in engerem Rahmen zeigen, vermag deshalb in der Regel Lehren für die Gesamtheit des Reiches zu erbringen.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

n. Großen-Linden, 24.Okt. Gestern nach­mittag 4.30 Uhr flogen 36 Wildgänse in süd­licher Richtung über unsere Stadt. Der übliche Einer" kam vollendet zum Vorschein. Sieben Gänse bildeten den kleinen, die übrigen den großen Haken. Zur Gemeinderatswahl sind hier zwei Vorschläge eingereicht worden: der eine enthält die sozialdemokratischen, der andere die bürgerlichen Kandidaten. Landwirte, Gewerbetreibende usw. haben diesmal einen gemeinsamen Vorschlag. In die Liste zum Volksbegehren haben sich hier bis jetzt zwei Personen eingetragen.

-r. Lang-Göns, 24. Okt. Zu der Ge­meinderatswahl sind im ganzen fünf Wahlvorschläge eingereicht worden: Vom Bauernbund (K. K. Rern, Gemeinderat und Landwirt: Ant. M ü l l e r XXXII., Ge­meinderat und Landwirt: Karl Berg k, Ge­meinderat und Förster): von den Sozial­demokraten (Hch. Müller, Gemeinderat und Schlosser: Hch. Schaub, Gemeinderat und Bauunternehmer: Wilh. Rudolph, Gemeinde­rat und Dahnarbeiter: Aug. Krämer, Händ­ler): vom GesangvereinFrohsinn" (Karl Schmid t III., Gemeinderat und Land­wirt: Wilh. Müller, Bahnbeamter: Karl Müller, Landwirt: Wilh. Hofmann, Vor­arbeiter): die sogenannte Reue Liste (Wilh. Wentzel, Landwirt: Otto Velten, Landwirt: Hch. Frey II., Landwirt): vom Gewerbe­verein (Fabrikant Gaß, Gemeinderat). 3n dem jetzigen Gemeinderat ist eine Mittel­standspartei vertreten, die jetzt aber kei­nen Wahlvorschlag eingereicht hat.

M Lollar, 24.Okt. Wie in den Vorjahren, so wird auch in diesem Jahre die Sängerver­einigung Lollar am ersten Sonntag im Rovember im SaalbauZur Linde" ein Win­terkonzert veranstalten. Die reichhaltige Vor- tragsfolge sieht neben großen Chören und schönen Volksliedern des gut geschulten,. unter der be­währten Leitung von Lehrer Richard Rohde aus Marburg stehenden Vereins die Mitwirkung des Musikkorps des 1. (Hess.) Grenadier-Bat. 15. Inf.-Rgts. aus Gießen, unter der persön­lichen Leitung des Obermusikmeisters L ö b e r, vor, so daß ein in jeder Hinsicht hoher und seltener Kunstgenuß der Einwohnerschaft von Lollar und Umgebung geboten werden wird, Der Verein hat ferner für das kommende Jahr eine

Liehe in Ketten.

CRoman von Hans Mitieweider.

Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale).

21 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Dort bleibst du dann, bis hier alles vorüber ist!" sagte er.

Da erst wurde Käthe wirklich froh. Run war sie sicher, daß sie Berndt Klausen nicht begeg­nen würde. Und sonst konnte er ja nie erfahren, daß seineFrau" hier als Gattin eines anderen lebte.

Zum ersten Male kam ihr der Gedanke, ob er denn nie Gewissensbisse verspürt 'hatte, weil er sein junges Weib allein in der fremden Stadt gelassen hatte. Und er muhte sie vorsätzlich ver­lassen haben! Sonst hätte er ihr nicht das Geld dagelassen, aber keine Papiere!

Berndt Klausen mußte ein Schurke sein! Wie ein Schurke hatte er an ihr gehandelt!

Und wegen eines solchen Ehrlosen sollte ihr Glück in Scherben gehen dürfen? Konnte Gott im Himmel derartiges zulassen?

Rein, nein!" antwortete sie sich selbst auf diese Frage.

Felix brachte Käthe selbst nach Ronnenwcrth, ohne Tante Adelheid vorher zu benachrichtigen. So kam es, daß beide eine unangenehme Ueber- raschung erlebten.

Als sie vor der Tür vorführen, erschien nicht nur Frau Dottrup, sondern hinter ihr tauchten noch zwei Frauengestalten auf. Erblassend er­kannte Käthe neben der Baronin chre Feindin.

Isolde Kletten war in Ronnenwerth! Wenn sie wieder dortbleiben wollte?

Käthe nahm sich zusammen, daß sie den prüfen­den Blick der Baronin aushalten konnte. Da die Mutter sah, wie glücklich ihr Sohn aussah, vergaß sie alles, was Isolde Kletten vielleicht an Gift schon in sie geträufelt haben mochte. Sie be­grüßte Käthe mit aller Herzlichkeit.

Da Felix nach Turnau mußte, blieb er nur einen Tag da. Und nachdem er zärtlich Abschied von Käthe genommen hatte, begab sie sich zu Tante Adelheid.

Beide schütteten ihr Herz voreinander aus. Wieder fühlte die junge Frau sich versucht, ihrer gütigen Beschützerin auch noch das letzte anzu­vertrauen. Doch wieder fand sie den Mut nicht, und Tante Adelheid atmete auf, als sie erfuhr^ daß ihre Richte ihrem Gatten alles anvertraui hatte.

Bodenstein ist ein Ehrenmann, wie man ihn selten trifft!" sagte Frau Dottrup endlich. ..Ich rate dir sehr, Kind, dich nur an ihn zu wenden, wenn du einmal eine heikle Angelegenheit haben solltest. Du wirst merken, wie wunderbar zart-

zweitagige Rheinreise vorgesehen, wöbet den bis dahin von fremder Besatzung befretten rheinischen Brüdern an einem noch zu bestim­menden Orte einRheinischer Liederabend" ge­boten werden soll.

* Burkhardsfelden. 24.Okt. Bei der am Sonntag hier stattgehabten Bürgermeister­wahl erhielt unser seitheriger Bürgermeister Joh. Alb ach 311 Stimmen. Der Gegenkandidat Adolf Horn, der uor der Wahl zurückgetreten war. er­hielt sechs Stimmen. Wahlberechtigt waren 453 Wähler. Für die Wahl zum Beigeordneten ist nur ein Wähloorschlag eingereicht worden, der auf Heinrich Heuser, Pflastermeister, lautet. Dieser gilt mithin als gewählt.

5 Wirberg, 24. Oft. Das Erntedankfest wurde am letzten Sonntag in unserem Gottes­haus für die Gemeinde Göbelnrod und Rein- hardshain gefeiert. Die Kinder hatten, wie all­jährlich, ein Erntefestspiel eingeübt und brachten unter Gesang des Ernteliedes ihre Gaben zum Altar. In der Filialkirche zu Harbachs wurde am gleichen Tage und in derselben Weise das Ernte­dankfest gefeiert. Beide Gottesdienste waren von einer zahlreichen Gemeinde besucht. Der Pfarrer sprach an der Hand des Heilandwortes aus Johannes 4 von der anderen Speise und der Aufgabe am Erntedankfest als solche die Segen empfangen haben, anderen Segen zu bringen.

D Grüningen,24.Okt. In einer außerordent- lichen Generalversammlung des Gesangver­einsEintracht" wurde u. a. beschlossen, am zweiten Weihnachtsfeiertag einen Theater­abend, verbunden mit Verlosung und Tanz, zu veranstalten. Auf Vorschlag des 1. Vorsitzenden Adam Buß soll im nächsten Sommer ein gemeinschaft­licher Ausflug stattfinden. Als Ausflugsorte kommen Heidelberg oder die Edertalsperre in Betracht.

Hungen, 24. Ott. Allen, die zu dem am vorigen Freitag dahier verladenen Eisen­bahnwagen Raturalliebesgaben für das Elisabethen st ist in Darmstadt beisteuerten, und für die Einsammlung, Ausfuhr und Verladung tätig waren, gebührt dankende Anerkennung. Die Pfarrei Langsdorf hatte schon in Langsdorf mit Verladen einen guten Anfang gemacht. In Hungen kamen dazu: aus Hungen selbst vier Fuhren, aus Langd zwei schwere Fuhren, aus Utphe eine schwere Fuhre, ferner zwei Fuhren aus Rodheim und je eine aus Inheiden und aus Villingen. Eine Fuhre aus Ronnnenroth wird voraussichtlich noch in Bel­lersheim mitverladen werden. Steinheim hat wie­der das hiesige Krankenhaus fürsorglich bedacht. Langd lieferte außer Obigem noch 10 Zenter Kartoffeln und 3 Zenter Obst als Liebesgabe an das Egl. Schwesternhaus in Gießen. Die Fracht wurde durch Geldspenden aus den Gemeinden bezahlt. Der größere Teil der Spenden konnte dem Elisabethenstift überwiesen werden, da allein in Hungen über 100 Wk. eingegangen waren.

s. Trais-Horloff, 24. Okt. Die durch die Versetzung des Lehrers Roth nach Klein-Linden freigewordene S ch u l st e l l e versieht bis zum Wiederausschreiben derselben die Lehrerin Frl. Müller, die seither in Klein-Linden wirkte. Sie hat die Unterklasse, Lehrer H a s s i n g e r die Oberklasse übernommen.

s. Utphe, 22. Okt. Dieser Tage fand hier eine Tagung der Pädagogischen Ar­beitsgemeinschaft Lich Hungen im Schulhaus statt. Im Mittelpunkte stand eine Unterrichtsprobe in Raturlehre, die Lehrer Ar­nold in der Oberllasse abhielt über die Frage: Was läßt sich alles mit einer ausgebrannten Glühbirne zeigen?" An Hand einer ganzen Reihe einfacher Versuche sanden die Schüler selbst daß die atmosphärische Luft einen Druck ausübt, einen Raum einnimmt, stellten ihr Ge­wicht fest, sowie die Ausdehnung bei Erwärmung und Zusammenziehung bei Abkühlung u. a. m. Wesentlich hierbei war, daß alle Versuche mit kostenlosem Material vorgenommen und von den Schülern selbst ausgeführt werden konnten, so

daß das Arbeitsprinzip voll und ganz zur Gel- hing kam. In der Aussprache wies der Letter der Arbeitsgemeinschaft, Lehrer Roth, auf diese beiden Umstände besonders hin, da für kostspie­lige Apparaturen den einfachen Schulen keine Mittel zur Verfügung stünden. Lehrer Arnold führte ergänzend aus, daß sich noch eine Reihe weiterer physikalischer Erkenntnisse mit der Glüh­birne gewinnen lasse. Cs schloß sich em Vortrag des Lehrers Böttcher (Steinheim) über Selbstverwaltung der Schüler" an. In sehr gründlicher Weise wurde die hierüber vorhan­dene Literatur, sowie eigene Erfahrungen vor­getragen. Rach der Aufstellung eines Arbeits­plans für die kommenden Tagungen wurde in der Gastwirtschaft Rühl ein gemeinsames Mittag­essen eingenommen. Rachmittags schloß sich eine Konferenz des Be z i r k s le h r e r v e r- eins Hungen an. Der Obmann, Lehrer Schmidt, Hungen, nahm in herzlichen Worten Abschied von dem durch seine Versetzung nach Klein-Linden ausscheidenden Mitglied Roth. Alsdann erstattete er Bericht über die Vertreter­versammlung des Landeslehrervereins in Frank­furt. Zum Schluß wurde Stellung genommen zu den Wahlvorschlägen für das Kreisschulamt.

Kreis Friedberg.

WSR. Bad-Rau he im, 24. Okt. Für die bevorstehenden Stadtratswahlen sind in unserer Stadt acht Wahlvorschläge einge­reicht worden. Außer sieben Listen politischer Parteien ist eine sog. unpolittsche Liste einge­gangen, deren Anhänger schon im letzten Stadt­rat vertreten waren. Gegenüber der letzten Stadt­ratswahl von 1925 ist die Zahl der Vorschlags­listen um drei zurückgegangen. Dis zum gestri­gen Tage hatten sich hier 104 Personen in die Liste für das Volksbegehren eingetra­gen, eine in Anbettacht der Wahlberechtigten (über 5000) außerordentlich niedrige Zahl.

0 (Sambach, 24.Oft. Vor einigen Tagen ver­anstaltete der hiesige Ob st- und Garten­bauverein eine Obstausstellung. Als Ausstellungsraum hatte man den geräumigen Saal der GastwirtschaftZum grünen Baum" von Wilh. Weisel gewählt und damit eine gute Vor­bedingung für das Gelingen der Ausstellung ge­schaffen. In dem mit Tannen und Baumgrün ge­schmackvoll dekoriertem Saale war auf langen Tischen das Obst in verschiedenen Gruppen aus­gestellt. Die Gruppe I umfaßte Tafelobst (drei Tafeläpfel und zwei Tafelbirnen): die Gruppe II umfaßte Wirtschaftsobst (drei Wirtschaftsäpfel und zwei Wirtfchaftsbirnen): Gruppe III waren drei Sorten Tafeläpfel: Gruppe IV drei Wirt- schaftsäpfel; Gruppe V eine Sammelgruppe, jedoch nicht mehr als fünf Sorten: dazu eine Sonder­gruppe für Zwergobst und eine für das Obst der Gemeinde. Die Ausstellung hat gezeigt, daß das Obst trotz der Trockenheit während des ganzen Sommers sich äußerst zufriedenstellend entwickelt hat. Das ausgestellte Obst war von solcher Schönheit und Qualität, so daß es für die beiden Preisrichter, Stadtbaumwart B i l l a s ch, Fried­berg, und Obergärtner H i l d von der Obstbau­schule, Friedberg, keine leichte Aufgabe war, das Beste von dem ausgestellten Früchten heraus­zufinden. Die Bewertung hatte folgendes Ergeb­nis: Es erhielten in Gruppe!: Georg Jakob Klein mit 20 Punkten den Ehrenpreis und 1. Preis, Bürgermeister Bock, Wilh. Ludw. Metz­ger und Karl Dingel mit je 18 Punkten einen 2. Preis und Ehrenpreis. Gruppe II: Wilhelm Mohr mit 18 Punkten einen Ehren- und 1. Preis, Konr. Jak. Duh mit 16 Punkten einen 2. Preis. Gruppe III: Georg Jakob Klein mit 19 Punkten einen Ehren- und 1. Preis, Jean Cberh. Duh und Gg. I. Klein mit. je 18 Punkten einen 2. Preis. Gruppe IV: Heinrich Sern II. mit 18 Punkten einen Ehren- und 1. Preis. Gruppe V: Otto Mohr mit 19 Punkten einen Ehren- und 1. Preis: Jakob Wächter, Karl Dingel, Jakob Duh IX. mit je 18 Punkten je einen 2. Preis.

fühlend er ist und wie er sich für feine Freunde und alle, die er feines Vertrauens für wert hält, mit allen Kräften einsetzt! Wehe aber dem, der sein Widersacher ist!"

Da beschloß Käthe, sich an diesen Mann zu wenden, falls ihr Geheimnis entdeckt werden sollte. Und dieser Vorsatz gab ihr die innere Ruhe zurück, daß sie die Rahe der verhaßten Isolde gelassen ertrug.

Tante Adelheid hatte in ihrer Freude über das Glück des jungen Paares wieder zahlreiche Freunde zu sich geladen, und Ronnenwerth war voll von Gästen.

Roch hatte Käthe der Tante nicht anverttaut, daß sie Mutter zu werden hoffte. Frau Adelheid war zu sehr beschäftigt. Aber eines Tages hatte Käthe doch eine große Freude.

2As sie auf die Terrasse trat, die sich hinter dem Hause auf der Parkseite befand, und wo sich meist die Gäste zu versammeln pflegten, wenn sie sich nicht auf den Spielplätzen ver­gnügten, erhob sich aus dem einen der Korb­sessel ein schlanker Mann.

Herr von Dodenstein!" rief Käthe in herz­lichster Freude, und eilte ihrem Freunde ent­gegen.

Sie war bald in eifrigem Gespräch mit ihm, und er erzählte ihr von dem Desuch Isolde von Klettens.

Gnädige Frau," sagte Dodenstein.Fräulein von Kletten wird nichts gegen Sie vermögen. Ihr Herr Gemahl weih durch mich, warum wir Vorgaben, Sie seien unmittelbar von Java hier­hergekommen. Er hat eingesehen, daß dies un­bedingt notwendig war, um erstens einmal Sie vor vielen neugierigen und zudringlichen Fragen zu schützen, dann aber auch, um b:e Verwandten jenes Elenden zu schonen, der Sie Ihrer sonni­gen Kindheit beraubte, um Ihr Vermögen an sich zu bringen. Diese Verwandten ahnen vorläufig nur, daß da etwas nicht ganz stimmt, aber wenn ...

Genug davon! Ich erwähne es, damit Sie sich nicht etwa ängstigen. Sie haben sich einst meinem Schutze anvertraut, und dieser soll Ihnen bleiben, was auch kommen mag.

Da drückte Käthe dankerfüllt die Hand des Sprechers, älnd jetzt fand sie den Mut zu der Frage:

Werden Sie wirklich nie in dem Vertrauen zu mir wankend werden, Herr von Dodenstein, auch wenn der Schein wider mich zeugen würde?"

Er schaute sie prüfend an. Hätte er jetzt eine Frage an sie gerichtet, so hätte sie ihm alles ge­standen und ihn um seinen Rat, um seine Hilfe gebeten. Doch er fragte nicht. Er sagte nur:

»Sie werden in mir einen Freund besitzen, was auch kommen mag. Ich hoffe, Sie haben schon jetzt diese Gewißheit und werden sie nie ver- lieren."

Hie, Herr von Dodenstein!"

Dann ist es gut. Ich will Ihnen bloß noch sagen, daß ich zwar von keiner Seite einen Auf­trag dazu habe, daß ich aber aus freien Stücken diese Dame beobachten und sie stellen werde, sobald ich sie auf Schleichwegen ertappe."

Sa atmete Käthe wie erlöst auf. Jetzt wußte sie sich geborgen. Wenn das Schlimmste eintrat, dann würde sie in diesem Manne einen starken Helfer finden. Sie drückte ihm noch einmal dank­bar die Hand.

Isolde hatte eingesehen, daß sie vorderhand nichts erreichen konnte. Sie hatte Ronnenwerth deshalb verlassen und war wieder nach Werden­fels übergefiedelt.

Ihre Wut gegen Käthe aber hatte eine Höhe erreicht, daß sie nicht mehr zurechnungsfähig war. Sie hätte Käthe kaltblütig vergiften kön­nen, hätte sie nur die Möglichkeit dazu gehabt. So aber konnte sie nichts tun, als Rachepläne ersinnen. Marternder als je erwachte zugleich in ihr die Eifersucht, regte sich in ihr dec Wunsch, Felix doch noch zu gewinnen.

Es stand in ihr unumstößlich fest, daß sie nicht aus der Rahe des geliebten Mannes weichen durfte. Rur so konnte sie die günstige Gelegen­heit äbpassen, ihn einzufangen.

Sie lag in einem Sessel ihres Zimmers und sann vor sich hin.

Unb doch werde ich ihn vor meine Füße zwingen!" rief sie laut.In dieser Stunde schwöre ich mir, daß ich nicht ruhen werde, bis ich die beiden voneinander getrennt und mich an die Stelle der Verhaßten gesetzt habe!"

Sie hob die geballten Hände, ihre Augen glühten in Haß, Reid und Eifersucht. Aber dann brach sie in ein hysterisches Weinen aus, das lange anhielt.

Erst der Gedanke, daß sie nicht in Werdenfels bleiben konnte, brachte sie wieder zur Desinnung. Sie mußte überlegen, wohin sie gehen sollte. Sie hatte wirklich keine große Wahl.

Plötzlich lachte sie höhnisch auf. Sie hatte mit ihrer Spürnase von der Begegnung der Tumaus mit dem Ehepaar Altberg erfahren. Sie wußte auch, wer die Gräfin Altberg war. Hnb darauf gründete sie ihre nächsten Pläne.

Ich hab's!" murmelte sie. Roch in der gleichen Stunde verließ sie Werdenfels, nachdem sie sich schriftlich bei der Baronin entschuldigt hatte, die noch in Ronnenwerth weilte.

Isolde von Kletten lieh sich nach Berlin brin­gen und fuhr vom Anhalter Bahnhof nach Süden.

Graf Altberg staunte jedenfalls nicht wenig, als er, eben im Begriff, mit Berndt Klausen das Schloß zu verlassen, ein Mietauto vorfahren sah, dem Isolde von Kletten entstieg.

Das nennt man einen äleberfall, Herr Graf, nicht wahr?" rief sie, übermütige Laune heuchelnd'.

Sondergruppe (Zwergobst als Tafelobst): Richard Weisel mit 19 Punkten einen Ehrenpreis und einen 1. Preis. Auch die Gemeinde hatte in einer Sondergruppe ihr Obst ausgestellt und erzielte damit mit 19 Punkten einen Ehrenpreis und einen 1. Preis. Sie Zuerkennung des Preises be­deutete zu gleicher Zeit eine Anerkennung des unermüdlichen Wirkens unseres Gemeindebaum- wartes Räck. Sie Ausstellung war wieder ein voller Erfolg für den Verein. Surch Stiftungen der Landwirtschaftskammer und des Kreisobstbau­vereins konnte den Ehrenpreisträgern ein sicht­bares Zeichen der Anerkennung in Form eines Wertgegenstandes überreicht werden.

Kreis Biidinqerr.

4= Ortenberg, 24. Oft. Zum Erntedank­fest, das am Sonntag gefeiert wurde, hatte sich die Gemeinde zahlreich in der Kirche eingefun­den. Ser Gottesdienst, in dem Pfarrer Letzing in erhebenden Worten predigte, wurde verschont durch Gesangsvorttäge der Schulkinder und einen Cellovortrag des Forstaffessors Behringer, den Lehrer Köhler auf der Orgel begleitete. Ausgesuchtes Obst und Feldfrüchte 'zierten den mit Blumen reich geschmückten Altar. Ser Ob st handel will in hiesiger Gegend nicht recht in Gang kommen. Obwohl Breslauer Händ­ler große Mengen Obst gekauft haben, lagern sowohl in Ortenberg selbst, als auch in den Dör- fern der Umgebung noch erhebliche Quantitäten Tafel- und Wirtschaftsobst, für welches von den wenigen hierherkommenden Händlern^ nur ganz geringe Preise geboten werden. Es wäre sehr zu begrüßen und läge im Interesse sowohl der Pro­duzenten als auch der Abnehmer, wenn sich recht viele weitere Händler und Obstinteressenlen für die Obsterttägnisse unserer Gegend inter­essieren würden, damit auf der einen Seite die Erzeuger ihr Obst zu annehmbarem Preis loS werden, und auf der anderen Seite die Händ­ler sich das noch verfügbare Obst sichern, das im Aussehen und auch qualitativ an erster Stelle steht und mit dem im Handel Ehre eingelegt werden kann.

± Fauerbach, 24. Okt. Am Sonntag wurde in unserer Gemeinde das Erntedankfest ge­feiert. Sas Gotteshaus war sehr gut besucht. Ser Aufgang zum Altar, sowie der Altar selbst waren von den Konfirmanden mit schonen Blu­menstöcken und vielen Feld- und Gartenfrüchten aufs schönste geschmückt. Erntelieder und Ge­dichte umrahmten den Altardienst. Pfarrer W e i dner (Ober-Lais), der zur Zeit den Pfarr­dienst in unserer Gemeinde versieht, wies in der Predigt im Anschluß an Apostelgeschichte 14, 17 auf den reichen Erntesegen des Jahres 1929 hin und ermahnte zum rechten Sank, der sich in Liebe, Treue und Ehrlichkeit zeigen müsse. Die Kollekte, die vornehmlich für die Dekanatskran- kenpflege bestimmt war, ergab den ansehnlichen Betrag von 23 Mark.

A Kohden, 22.Oft. Zur demnächstigen Ge­rn e i n d e r a t s w a h l ist hier nur ein Wahl- Vorschlag eingereicht worden, der die Namen der seitherigen Gemeinderatsmitglieder an erster Stelle sämtlich wieder aufführt. Dadurch erübrigt sich hier eine Wahlhandlung.

Kreis Schotten.

± Ober-Lais, 24. Okt. Im Kirchspiel Ober-Lais-Glashütten wurde am Sonntag das Erntedankfest gefeiert In beiden Gemeinden predigte in stark besuchten Gottesdiensten der Ortsgeistliche über den christ­lichen Emtedank bei so reichem Erntesegen, wie er in dem abgelaufenen Erntejahr unter Dach und Fach gebracht werden konnte. Der Segen dieses Erntejahres müsse uns alle mit tiefer Dankbar­keit erfüllen. Sie lege den Grund zu einer neuen, besseren Menschengemeinschaft.

§ Stumpertenrod, 24. Oft. In unserem 520 Einwohner zählenden Dorf ist in diesem gan­zen Jahr noch fein einziger Todesfall eingetreten. Die letzte Beerdigung war ein paar

Ich sehe Ihrem entsetzten Gesicht an, daß Sie mich zu allen Teufeln wünschen! Ditte, tun Sie sich keinen Zwang an, Graf Altberg..."

Aber meine Gnädigste, meine GnädigsteI" er­widerte er, ihr die Hand küffend.Wie dürfen Sie so sprechen! Ich bin außer mir vor Entzücken über diese unerwartete Ehre! Darf ich Sie bitten, mir ins Haus zu folgen? Meine Frau ist leider nicht zugegen. Aber einem verheirateten Manne ist ja wohl gestattet, Samenbesuche auch in Ab­wesenheit feiner Frau zu empfangen. ilnb ich weiß, daß meine Derty sehr bedauern wird, nicht die Honneurs machen zu können!"

Wollen Sie mich nicht mit Ihrem Begleiter bekannt machen?"

Selbstverständlich! Verzeihung, Gnädigste! Herr Verndt Klausen, berühmter Ingenieur, dessen Hilfe ich erbeten habe!"

Derndt Klausen? Ser Klang dieses RamenS durchzuckte Isolde merkwürdig.

Während sie die tiefe Verbeugung des Tech­nikers durch ein leichtes Reigen des Hauptes erwiderte, musterte sie ihn scharf.Wo habe ich ihn nur schon gesehen?" fragte sie sich.

Doch alsbald erkannte sie, daß dieses Gesicht Ujr gänzlich fremd war. Rur der Rame war ihr vertraut. Wo indessen hatte sie ihn gehört?

Sie kam und kam nicht darauf. Sa der Gras sie ins Haus geleitete, wo er dem Hausmeister Auftrag gab, für das gnädige Fräulein Zimmer zurechtzumachen, konnte Isolde vorläufig nicht weiter nachdenken.

Aber Isoldes Gedanken kehrten immer wieder zu Derndt Klausen zurück.

Lange, lange sann sie vergeblich, und schon hatte sie sich entschlossen, ihn zu fragen, da kam ihr ganz jäh die Erinnerung. Es war, wie wenn ein greller Blitz die tiefe Dunkelheit der Rächt erhellte und plötzlich Singe zeigte, die in dieser verborgen gewesen waren.

Isolde besann sich, daß sie den Hamen Derndt Klausen auf jener Zeitungsseite gelesen hatte, bei deren Lektüre sie Käthe Turnau beobachtet und zusarnmenzucken gesehen hatte.

Sofort dachte sie nach, was damals dort ge­standen haben konnte, und immer llarer kam ihr die Erinnerung.

Sie flieg in ihr Zimmer hinauf, öffnete ihren Koffer und suchte nach dem Zeitungsblatt.

ilnb sie fand es tatsächlich, entfaltete es mit vor Erregung zitternden Händen und überlaS mit funkelnden Augen die Rottz, die Demdt Klausen betraf.

Sie wußte jetzt ganz genau, daß Käthe gerade diese Hottz herausgerissen hatte.

Diese Rachricht also mußte etwas enthalten, was der Verhaßten einen jähen Schreck einge­flößt hatte.

(Fortsetzung folgt.)