Nr. 225 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für (vberheffen) Mittwoch, 25. Sevtember 1929
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RichtettagungundAntvattstagung
Don Landgerichisdirektor Or. Loening.
Auf zwei beachtenswerten Tagungen haben Anwälte und Richter gegenwärtige Leiden und besondere Probleme der Rechtspflege behandelt, jene in Hamburg, diese in Köln. Sehe ich von den mehr die Standesinteressen der Rechtsanwälte angehenden Referaten von Rechtsanwalt H a l l y und Rechtsanwalt G ö r r e s über Fachanwälte und dem ideenreichen, aber wohl etwas aus Himmelshöhen gesprochenen Dortrag von Dr. Alsberg über die Philosophie in der Derteidigung ab, so haben sich der Richtervereinstag und der Anwaltstag in würdiger und eingehender Weise mit Fragen besaht, die weit über den Kreis der zünftigen Juristen all- Semeines Interesse und Beachtung verdienen.
!n Hamburg stand das Thema: „Anwalt, Volk und Staat" auf der Tagesordnung, in Köln war es das Problem einer grundlegenden Iustizreform und das nicht minder wichtige über das Verhältnis von Iustiz und Presse. Das Ziel beider Tagungen war im Grunde genommen dasselbe: Mitarbeit an einer Reform unseres gesamten Iustizwesens, über deren Rotwendigkeit wohl allseitiges Einverständnis besteht. Aber die Wege, die in Hamburg und Köln beschritten wurden, waren und muhten verschiedene sein.
In Hamburg war das Thema ein Teilgebiet, herausgeschnitten aus dem großen Komplex der einschlägigen Fragen. Es war die Stellung des Rechtsanwalts, des Beraters und Helfers des rechtsuchenden Publikums, es war ein eindrucksvoller Protest gegen nicht begründetes Zurückdrängen der Rechtsanwälte von Gebieten, auf denen gerade der Anwalt segensreich wirken und sich betätigen kann. Mit Recht betonte der Präsident des Anwalttages, Iustizrat Drucker, daß sich die deutschen Anwälte entschlossen zeigen würden, sich aus ihren Befugnissen als Hüter des Rechtes nicht verdrängen zu lassen. Auch der Reichsjustizminister hat erklärt, er werde sich dafür cinsehen, dah die Anwaltschaft in ihrer Betätigung nicht weiter eingeengt werde. Vom Standpunkt der Rechtspflege aus kann diesen Erklärungen nur voll und ganz zugestimmt werden. Richts zeigt deutlicher das laienhafte Her- umcxperimenticren als die Richtzulassung der Rechtsanwälte zu den Arbeitsgerichten. Es ist nicht übertrieben, wenn Iustizrat O e st e r c ich von dem Anwalt als dem Mittler zwischen Voll und Recht wie auch zwischen Volk und Staat sprach. Gewiß, auch hier sind Verbesserungen möglich. Cs wäre vermessen und schädlich, vorhandene Mißstände einfach totzuschweigen: ebenso verkehrt ist es aber auch, die großen Verdienste der deutschen Anwaltschaft um die Rechtspflege und das deutsche Volk abzuleugnen.
Waren es in Hamburg geistreiche Vorträge von großen Gesichtspunkten aus, im wesentlichen ohne anschließende Diskussion, so gingen in Köln die Beratungen über die notwendige Iustizreform mehr in die Einzelheiten. Richt ganz unbedenklich ist cs aber, wenn der eine Referent. Land- gcrichtspräsident H e r m s e n, den Kernpunkt einer durchgreifenden Iustizreform in erster Linie in einer Personalreform sieht. Demgegenüber muß doch betont werden, dah im großen und ganzen die heutige Richterqualität nicht viel zu wünschen übrig läßt. Trotz der gesteigerten Aufgaben, trotz des Wustes des sich immer erneuernden Gesehesmaterials, sind die heutigen Richter an sich den Aufgaben der Rechtspflege j durchaus gewachsen. Dah Entgleisungen vorgekommen sind und auch in Zukunft bei noch so schöner Rcforin nicht ausbleiben werden, hängt ।
SerFallpompejllSpym.
Don Paul Rosenhayn.
Nachdruck verboten.
Zweimal an jedem Tage wiederholte cs sich.
Die Passagiere des Dampfers „Columbus" zerbrachen sich den Kopf darüber.
Der Obersteward hatte den dreien den kleinen Ecktisch reserviert. Zweimal an jedem Tage zum Lunch und zum Diner, kamen sie in den Speisesaal: zuerst die ältere Frau mit dem indifferenten Gesicht. Vielleicht eine Gesellschafterin. Vielleicht eine Pflegerin. Dann, unmittelbar hinter ihr, die junge schöne Frau, der die Aufmerksamkeit der Mitreisenden galt. Sie war dunkelblond, helläugig, von skandinavischem Typ, doch mit den ungezwungenen Manieren der jungen Reuyorkerin. Ihr folgte, einen Tag nach dem anderen der Herr: groß, glattrasiert, mit frischem gebräunten Gesicht. Galant besorgt um die junge Dame: vermutlich waren sie Mann und Frau. Aber niemand auf diesem Schiff hatte je ein Wort mit den dreien gesprochen.
Mit einer einzigen Ausnahme: der Kapitän.
Abends kam der Herr allein. Gewöhnlich sah er dem Tanze zu: gelegentlich stieg er in den Fahrstuhl und fuhr hinauf zum Kapitän. Zum Schluß ging er gewöhnlich in die Bar, um einen Rightcap zu nehmen. Punkt zwölf kehrte er in feine Kabine zurück.
Er hatte Rummcr 106, auf C—Deck. Reben ihm wohnte die junge Frau mit ihrer Begleiterin: auf 104.
Es gab weit schönere Frauen in der ersten Klasse: diese Fahrt der „Columbus" war, wie Mr. Dawson aus Hollywood erklärte, eine Blutenlese von Frauenschöicheit — und dah ein gutaussehender Herr sich regelmäßig in der Gesellschaft einer schönen Frau zeigte, war gewiß nichts Besonderes. Dennoch hatte man, wenn die drei erschienen, ein seltsames Gefühl: so als ob man, unmittelbar vor Aufgehen des Vorhangs, in einem Theater sitze, das sich langsam verdunkle.
Der junge Deutsche, der am Rebentisch seinen Platz hatte, war der einzige, der sich rühmen konnte, einen Blick von der schönen jungen Frau empfangen zu haben. In diesem Blick, das fühlte er deutlich, lag der Wunsch, seine Bekanntschaft zu machen. Oder vielleicht der Wunsch, mit ihm z.i sprechen.
Dies olles würde allmählich eine Sache der Gewohnheit geworden sein, Pinterhaltungsstoff für eine kurze reizvolle Fahrt über den Ozean, wenn sich nicht eines Rachts etwas Besonderes ereignet hätte: in einer dunklen Rächt — ausnahmsweise war sie im Theatersaal erschienen — machte die junge Dame einen Selbstmordversuch.
nicht mit der Richterschaft zusammen, sondern damit, daß eben auch die Richter Menschen sind und irren können, rechtlich wie auch politisch. Und ebenso dürfte wohl nicht allgemeine Zustimmung erfahren, wenn der auf dem Kölner Richtertag autn_ künftigen Vorsitzenden des Rich- tervereins gewählte Reichsgerichtsrat Linz aus- führte, dah von der Presse und sogar von hohen Staatsbeamten durch unsachliche Kritik viel Schaden gestiftet sei. Solche Erklärungen an solchem Ort ziehen mehr Oel ins Feuer derjenigen, die immer und immer wieder von einer Vertrauenskrise der Iustiz sprechen, als dah sie ausgleichend wirken.
Die Angelpunkte einer durchgreifenden Iustizreform scheinen mir doch auf einem anderen Gebiet als dem der Personalreform zu liegen. Die Güte der deutschen Rechtsprechung namentlich auf dem Gebiete des Zivilrechts wird nur selten in Zweifel gezogen, wohl aber dauern die Prozesse zu lange. Es ist das nicht eine Frage, die erst aus jüngster Zeit stammt. Hier hat in erster Linie der Hebel einzusetzen. Bon hier aus ist zu beurteilen, ob an den Landgerichten Einzelrichtertum oder Kolle- g i a l s h st e m herrschen soll. Richt überall erschallt das Loblied des Einzelrichters. Sicher falsch ist das heutige Mischsystem, das wohl nur aus Rot geboren ist und sobald als möglich verschwinden sollte. Don diesem Ausgangspunkt aus ist aber weiter zu beurteilen, ob das heutige System der Hilfsrichter am Platze ist. Es gibt heute Landgerichte, an denen kaum eine einzige Kammer ohne Heranziehung von Hilfsrichtern beseht ist, sogar an manchen Oberlandesgerichten sind viele Senate auch mit Hilfsrichtern beseht. Dadurch findet auch ein häufiger Wechsel der Richter statt, der für die Förderung der einzelnen Sache nicht gerade von Dorteil ist. Hier mühte Wandel geschaffen werden, was ohne gesetzliche Aenderung möglich wäre. Diele berechtigte Klagen hängen auch damit zusammen, dah das anzuwendende Recht den heutigen Derhältnissen nicht mehr entspricht. Das gilt namentlich für die Strafjustiz, wo ja eine Reform an Haupt und Gliedern vor der Türe steht.
Bei jeder heutigen Reform ist aber weiter in Betracht zu ziehen das Streben nach D e r - billigung der Rechtspflege. Allerdings nicht unter allen ilmftänöen eine Derbilligung, sondern nur soweit, als darunter die Güte der Rechtssprechung nicht leidet. Gefordert werden muh aber die endliche Zusammenlegung kleiner und klein st erGerichtsbezirke, wie sic namentlich in Süddeutschland, aber vielfach auch in Preuhen noch zu finden sind. Auch eine weise Beschränkung der Iustizver- toaltung würde manche unnötige Arbeit ersparen. Denn in der Iustiz wird heute wie bei anderen Behörden zu viel verwaltet. Cs würde zu weit führen, alle in Betracht kommenden Gesichtspunkte auch nur zu erwähnen. Zu registrieren bleibt aber, dah der Richtertag die Frage einer grundlegenden Iustizreform fast einstimmig bejaht hat und dabei für einen hinreichend vorgebildeten und ausgcwähltcn Richterstand in allen Instanzen ebenso eingetreten ist wie für eine Vereinfachung des Rechtsweges, wozu nicht nur die Iuristenkreise, sondern auch andere Berufe zur Mitarbeit aufgerufen werden.
Besonders beachtenswert sind auch die Kölner Beratungen über Iustiz und Presse, wobei auch Iournalisten zu Worte gekommen sind. Uns erscheint das Problem weniger vom Standpunkt des Iuristen als vom Standpunkt der Presse aus wichtig. Kein verständiger Iurist hat gegen eine Kritik durch die Presse etwas einzuwenden. Mag es auch bestritten werden, meines Erachtens stehen die Richter wie wenige an-
Aber dann geschah die zweite Unbegreiflichkeit: ihr Gatte tauchte plötzlich an der Reeling auf und rih sie zurück. Mr. Dawson, der zufällig die Szene beobachtet hatte, hörte, dah die beiden ein paar eprcgte Worte in englischer Sprache, Reuyorker Akzent, wechselten: dann führte der Ehemann seine Frau in ihre Kabine: von diesem Tage an erschien weder die Dame noch ihre Begleiterin zu den Mahlzeiten: nur der Herr kam zum Lunch und zum Diner.
Aber in dem Mähe, in dem die „Columbus" sich dem Hasen von Reuyork näherte, wurden die Interessen der Passagiere von Stunde zu Stunde sozusagen amerikanischer. Cs war, als ob der Atem dieses ruhelosen Landes die Ankömmlinge langsam einhüllc; das Tagesgespräch von Reu- York wurde unmerklich das Tagesgespräch des Dampfers „Columbus": der Fall Pompejus Phm, dessen einzelne Phasen die Bordzeitung Tag für Tag meldete, begann alles andere zu verdrängen.
Der Fall war seltsam genug. Richt nur die Konstellation seiner einzelnen Prämissen war ungewöhnlich, nicht nur die Tatsache, dah die Ereignisse eine Reihe von Iahren zurücklagen -- und nicht nur endlich der Umstand, daß sich plötzlich, sozusagen aus dem Richts heraus, die Dinge zusammengeballt hatten: charakteristisch für den Fall Pompejus Pym war. dah hier nicht Recht gegen Recht kämpfte — sondern dah sich hier in Wahrheit zwei Welten gegenüberstanden. Denn Pompejus Pym. der Angeklagte, war ein Reger.
Mr. Dawson aus Hollywood, der jeden aus der ersten Klasse kannte, hatte sich des Falles Pompejus Pym persönlich angenommen. Er hatte alle Daten im Kopf, und er stellte die Schätze seiner Weisheit freigebig zur Verfügung, wenn er abends, nach Schluh des Tanzes, beim Whisky sah.
Mr. Dawson hatte das Unmögliche möglich gemacht: er hatte mit dem schweigsamen Herrn von Kabine 106 Bekanntschaft geschlossen.
Er zog das kleine Päckchen Bordzeitungen und lieh es klatschend auf den Tisch fallen. „Merkwürdige Sache das. Ich habe nichts gegen die Reger, ich habe auch nichts für die Reger, Sir. Aber Recht muh Recht bleiben, das ist selbstverständlich. Komische Geschichte das. Der Chauffeur einer gelben Autodroschke findet ein Platin- ccrmband mit Brillanten in seinem Wagen. Wer es verloren hat, weih er natürlich nicht, denn er hat ungefähr fünfunddreihig Menschen gefahren. Aber die Verliererin meldet sich nicht."
„Merkwürdig", sagte der andere, der Herr von 106.
„Kommt noch besser. Rach drei Tagen geht mein Chauffeur aufs Fundbureau. Der Clerk sagt: „Warten Sie mal. Hier stimmt etwas nicht." Er holt einen Beamten, irgendeinen Oberbonzen. Man redet hin und her. Resultat: das
bete Berufskreise mitten im öffentlichen Leben: sie haben über Freiheit. Ehre und Vermögen ihrer Mitmenschen, über Familienverhältnisse und oft genug über Existenz ober Richteristenz von wirtschaftlichen Unternehmungen zu entscheiden. Wer so im Mittelpunkt des staatlichen Lebens steht, muh sich gefallen lassen, dah an seinem Tun und Lassen Kritik geübt wird, selbst in der Form der Satire oder der Karikatur. Auch Fortschritt und Kritik hängen eng zusammen. Cs ist auch falsch, wenn Feder in Köln meinte, daß in Iuristenkreisen die Arbeit des Iournalisten als leichtsinnig ober oberflächlich angesehen werde. Gewiß kommt das vor, aber wird nicht auch auf der anderen Seite manchmal gesündigt? Wir Richter wissen genau wie die Presse, daß besonders die Strafrechtspflege der objektiven und subjektiven Berichterstattung bedarf. Daß
aber dieser Berichterstattung auch aus Gründen der Honorigkeit. aus Rücksichten gegenüber den Angeklagten und Zeugen, aus Rücksichten gegenüber der Allgemeinheit und manchmal auch der Strafrechtspflege Grenzen gezogen sind, auch das ist von feiten der anständigen Presse oft genug wiederholt worden. Auch der Berichterstatter muh ein Gentleman fein. Erfreulich an der Verhandlung in Köln ist jedenfalls, daß der Wert der öffentlichen Kritik uneingeschränkt anerkannt wurde. Vielleicht ist damit der erste Schritt getan, um das leidige Thema „Iustiz und Presse" verschwinden zu lassen. Presse und Richter können und müssen zusammenarbei- t c n, aber in anständiger und würdiger Weise. Die Kölner Verhandlungen werden dazu beitragen.
Tagung des Hessischen Lehreriumvmms.
Sonderbericht des „Gießener Anzeigers".
* Ridda, 22. Sept. Unser Städtchen hatte am Freitag und Samstag die Mitglieder des H c s s i- schen Lehrerturnvereins zu Gast. Recht zahlreich, namentlich aus Rheinhessen und Starkenburg, waren die Lehrerturner dem Rufe ihres ersten Vorsitzenden, Reallehrer Roth, Darmstadt, (ein Sohn unserer Rachbargemeinde Langsdorf) gefolgt, um der Hauptver- fammlung beizuwohnen.
Der Vegrüßungsabend
am Freitag in der neuen Turnhalle des Turnvereins Ridda brachte ein auserlesenes Programm, das bestes Zeugnis dafür ablegtc, dah die Turnsache in unserer Stadt auf beachtenswerter Hohe steht. Rach einem flotten Marsch der Feuerwehrkapelle Ridda, geleitet von Ober-Iuftizinspektor Dapper, begrüßte zunächst Rektor M c r g o 11 die vielen Gäste aus nah und fern, insbesondere den Vorsitzenden des Badischen Turnlehrervereins Blum, Karlsruhe; sein Hoch galt dem deutschen Vaterland. Für den erkrankten Bürgermeister der Stadt Ridda überbrachte Beigeordneter Rullmann die Grüße unserer Stadt, Studienrat Lauckhard sprach im Rainen der Realschule. Ferner wünschten noch der erste Sprecher des hjpsigen Turnvereins, Dr. Fritz Koch, für den Turnverein Ridda und Rektor Dach, Grohen-Linden, für den Gau Hessen der D. T. der Tagung guten Derlauf: letzterer gedachte der guten Beziehungen zwischen dem Gau Hessen der D. T. und den hessischen Lehrerturnern, die als Wegbereiter und Mitarbeiter den Turnvereinen unschätzbare Dienste leisten. Don den reichen Darbietungen der Turner und Turnerinnen von Ridda seien mit besonderer Anerkennung erwähnt die Dorführungen einer erstklassigen Musterriege an Barren, Reck und Pferd, die neuzeitlichen Stabübungen und der Reigen der Turnerinnen des Turnvereins Ridda unter Leitung von Frauenturnwart Stadler, sowie die Riege der Altersturner am Barren unter Leitung von Heinrich Wolf. Diel Beifall erntete auch der „A rbeitergesangverein Ridda" unter Führung seines Chormeisters, Musiklehrer Ackermann, und der „Hl ännergefang- verein Sängerkranz Ridd a", geleitet von Oberjustizinspektor Dapper. Der erste Vorsitzende des Hessischen Lehrerturnvereins, Roth, Darmstadt, dankte zum Schluß allen, die zum guten Gelingen des Abends beigetragen hatten, insbesondere auch der unermüdlichen
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Feuerwehrkapelle, und forderte auf zur Mitarbeit in der Turnfache als einem Dienst am deutschen Dolkc. Für die Gäste sprach noch Rektor Gebhardt, Groß-Gerau, in sehr humorvoller Weise, allen dankend für die vorzüglichen Darbietungen.
Den Samstag widmeten die anwesenden rund 300 Lehrer turne r der
praktischen Arbeit.
Der erste Dorsihende, Roth. Darmstadt, schilderte in seiner Eröffnungsansprache die Ziele des Vereins. Turnerische Arbeit sei Erziehungsarbeit. lieber die körperliche Erziehung wolle man zur Erziehung des ganzen Menschen kommen. Blum. Karlsruhe, der Dorsitzende des Badischen Drudervereins, überbrachte die Grüße der badischen Lehrerturner. Der Vertreter des Kreisschulamts Büdingen, Schulrat Gockel, dankte dem Verein, dah er seine Tagung nach Ridda verlegt habe, um auch einmal den Landlehrern die neuesten Bestrebungen des Turnens zugänglich zu machen. Ferner hatten noch das Landcsamt für das Bildungswesen, Obcrstudiendirektvr Dr. Laute- s ch 1 ä g e r , Darmstadt, der derzeitige Dezernent für Leibesübungen an den Schulen Hessens, Ministerialrat ® lüder t, Darmstadt, Schulrat Hassinger für die Zentralstelle für Volksbildung und Jugendpflege in Hessen, die Kreisschulämter Bensheim, Dieburg und Gießen, der Vorsitzende des Mittelrheinkrcises der D. T., Kreisvertreter Pfeiffer. Wetzlar, und ©au- oberturntoart Will . Gießen, auf schriftlichem Wege der Tagung vollen Erfolg gewünscht.
Für die praktische Arbeit hatten sich Realschüler und Volksschüler aus Ridda und Unter-Schmitten zur Verfügung gestellt. Lehrer Schneider, Eberstadt bei Darmstadt, zeigte in einem Stundenbild aus bet Unterstufe (drittes Schuljahr, Knaben), wie Turnen zu fröhlichem Tun und Treiben werden soll, dabei immer das Ziel, Durcharbeitung aller Körperteile, im Auge behaltend. In einer weiteren Lehtprobe führte er mit Realschülern Leistungsturnen ohne Gerät (Bodenturnen) vor. Turnlehrer K 1 e n k, Bensheim, der derzeitige Turnwart des Vereins, gab Einblick in jugendgemäßes Geräteturnen an dem neuen Sammelturngerät (Saturn). Das Gerät paßt sich dem jugendlichen Körper voll und ganz an und kann für alle Altersstufen Verwendung finden. Cs ermöglicht eine lebhafte Inanspruchnahme aller Muskeln und
Platinarmband stammt aus einem Kapitalverbrechen, bas sich vor acht Iahren in Clayton zugetragen hat. Sie wissen doch, wo Clayton liegt? Rein? Clayton liegt am St. Lorenzstrom. Dort, wo er sich zum Ontariosee erweitert. Dieses Verbrechen nun ist eine ganz unglaubliche Geschichte. In der Rächt vom 13. auf den 14. Iuni 1919 ist in der Claytonbucht das Hausboot des Millionärs MacComb in Flammen aufgegangen. Die junge Frau MacCombs hatte die Gewohnheit, ihre Rächte auf diesem Hausboot zu verbringen: sie ist bei dem Feuer ums Leben gekommen."
„Hatte MacComb nichts dagegen, baß seine Frau so allein...?"
„Die Che war Wohl nicht sehr glücklich. Der Mann reifte viel, oft ließ er seine Frau monatelang allein. Dadurch hatten sich die Gatten entfremdet. Ich vermute, daß außerdem eine Liebesgeschichte hineinspielt."
„Eine mutige Dame! Sv ganz allein auf dem großen Hausboot zu schlafen!"
„Ganz allein war sie eigentlich nicht. Das Boot wurde bewacht von einem farbigen Diener. Von dem Reger Pompejus Pym."
„Pompejus Pym...?"
„Das Armband, das der Chauffeur in feiner Droschke gesunden hatte, stammte, das wurde festgestellt, aus dem Besitz der verunglückten Frau MacComb. Das läßt auf irgendein schweres Verbrechen schließen. Mrs. MacComb hat den Schmuck nämlich in der Rächt ihres Todes getragen.
Die Behörde greift zu einem Trick. Sie inseriert im Rarnen des Chauffeurs in den Reuyorker Zeitungen: er habe ein Armband gefunden, Platin mit Brillanten, in seiner Droschke; der Verlierer könne es Park Avenue 31, Bronx, abholen.
Das Inserat hat Erfolg: nach ein paar Tagen meldet sich eine farbige Dame. Man nimmt sie fest und verhört sie. Sie ist sehr erstaunt; sie legitimiert sich als die Frau des Boardinghouse- Besitzers Pompejus Pym. 42. Straße, Ost.
Pompejus Pym... das ist jener Reger, der das Hausboot zu bewachen hatte. Der ausgesagt hat, er könne nichts Roheres über das furchtbare ilnglüd sagen. Sie müssen zugeben, mein Herr: das ist verdächtig. Wie kommt der Reger zu dem Armband?"
„Wie erklärt Phm den Besitz des Armbandes?" „Zunächst Überhaupt nicht. Endlich, nachdem man ihn dreizehn Stunden verhört hatte, immer ohne Pause, immer ein Richt-r nach dem andern — Sie kennen ja unsere herrlichen Untersuchungs- mcthoden — endlich also, im dritten Grad der Untersuchung, hat Pym ausgesagt, er habe das Armband von einer Frau Lilian Stone erhalten. Diese Lilian Stone spielt in dem Prozeß Pym die berühmte Rolle der großen Unbekannten; sie ist nämlich schon längst nicht mehr in
Reuyork, sie wohnt in Deutschland. In Berlin. Alles ipitzt sich auf die Frage zu: wer ist Lilian Stone? Hat Pym die Wahrheit gesagt? Wie kommt Lilian Stone in den Besitz des Armbandes?"
„Ist es denn nicht möglich, diese Lilian Stone zur Stelle zu schassen?"
„Ganz Amerika schwört darauf, dah Lilian <5ton? überhaupt nicht existiert. Da. plötzlich, kommt einer und behauptet: Lilian Stone existiert doch. Der Reger hat die Wahrheit gesagt. Lilian Stone muß zur Stelle geschasst werden: dann wird sich alles klären!"
„Das muh ein merkwürdiger Kauz sein," sagte der Herr von 106. „Einer gegen alle! Hat man ihn nicht ausgelacht?"
„3a“. — Dawson faltete zärtlich die Menü- tarte zusammen und steckte sie in die Tasche: „zur Erinnerung. Verdammt gute Diners haben diese Deutschen!... Also Sie wollten wissen, ob man diesen... ja — denken Sic sich, man hat ihn nicht ausgelacht. Man ist stutzig geworden. Räm- lich dieser eine einzige Mann, der sich der Meinung eines ganzen Landes cntgegenstellt, ist kein anderer als Ioe Ienkins."
„Das ist ein Detektiv, nicht wahr?"
„Ein Detektiv, sagten Sic? Der Detektiv! Die letzte Instanz für alle, die Hilfe brauchen — und sie nicht finden können."
„Was hat er denn schon Großes geleistet?"
Mr. Dawson sah den andern mit einem Blick an, in dem unendliches Mitleid lag. „Was Ioe Ienkins geleistet hat, fragen Sie? Cs gibt kaum ein Land, in das man ihn nicht gerufen hat, um irgendein unlösbares Rätsel zu lösen. Er hat das Geheimnis der Aeroplanabstürze in Schweden aufgeklärt in Norwegen enthüllte er das Rätsel des Gespenstes, das im Iuli, wenn die Rosen blühen, auf dem See Schlittschuh lief — in Kopenhagen hat er den dreien auf der Platte das Handwerk gelegt — in Deutschland... in Amerika... in England... CS gibt kein Rätsel, das Ioe Ienkins nicht löst."
„Und nun will er also den Fall Pompejus Pym aufklären? Mir scheint, er hat sich ein bißchen viel vorgenommen."
„Frau Pym hat sich an ihn gewandt. Auf ihren Wunsch ist er nach Clayton gefahren, dort hat er vierzehn Tage lang gearbeitet. Er hat jeben Menschen ausgefragt, er hat das Erdreich am Ufer umgepflügt: ja. er ist sogar im Taucheranzug an der Unglücksstelle in die Tiefe gestiegen. Er hat, versteht sich, Pompejus Phm selbst tagelang verhört; ja, er hat sogar die Kassandra von Reuyork befragt.“
„Kassandra von Reuyork...?"
„Die kennen Sie auch nicht?“ seufzte Herr Dawson kopfschüttelnd. „Das berühmte Medium, das Rächt für Rächt die ganze Brandkatastrophe In allen Einzelheiten...?"
(Fortsetzung folgt.)


