Ausgabe 
25.5.1929
 
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Latz sie ausgesprochen politisch und polemisch ge­wesen sei. Der heilige Stuhl habe in vielen Punkten eine andere Meinung. And dann das Wesentliche: er sei bewegt über die Begeisterung, mit der Kammer und Tribünen die edlen Worte Mussolinis über den Papst begrüßten. Das ist wesentlich deswegen, weil Mussolini zugab, das Glück gehabt zu haben, einen wahrhaft italieni­schen Papst vorzufinden, der zwar eine über­nationale Mission habe, aber in Italien ge­boren und durch und durch Italiener sei.

Mit dieser Feststellung, die in manchen Län­dern, wo man noch immer glaubt, ein gewisses Mitspracherecht im Vatikan zu besitzen, stoßend empfunden werden wird, kommt man auf den Kern der ganzen Sache:

Fortan grbt es, mit -Zustimmung des Papstes, nicht mehr eindiesfeits" undjenseits" des Tibers, keine zwei Vom mehr, sondern nur noch 2in einziges:Die moralische Hypothek von 1870 ist gelöscht, die letzte Reserve verschwunden: Rom gehört nur noch dem Königreich Italien und den Italienern!" Dies Wort soll nun der Papst ratifizieren. Es gibt keinen Kirchenstaat mehr, es gibt keine souveräne Kirche mehr, es gibt kein weltliches Papsttum mehr, es gibt nur noch ein Rom! Wer Sieger im Streite geblieben ist, wagt es noch jemand zu fragen?

Der Gießener Doranschlag für 1929.

in.*)

Das KapitelWohlfahrts- und Ge­sundheitswesen" schließt im Voranschlag für 1929 mit einem Zuschuß von 907 870 Mk., gegen 916195 Mk. im Vorjahre, ab. Davon entfallen auf die Wohlfahrtspflege 885 820 Mk., gegen 897 857 Mk. im Iahre vorher. Bei der Durchsicht des Voranschlags des Wohl­fahrtsamtes fällt vor allem auf, daß die Auf­wendungen für die R e n t n e r f ü r s o r g e mit 430 200 Mk. gegen 378 200 Mk. erheblich ange­wachsen sind. Von diesen Summen entfallen auf die Unterstützungen an Rentenempfänger der Ar­beiter- und Angestelltenversicherung 240 C00 Mk. (204 000 Mk. im Vorjahre) und auf die Unter- stützungen an verarmte Kapitalrentner und die ihnen Gleichstehenden 190 000 Mk. (174 000 Mk.), während die Kosten des Vorzugsrentenverfahrens mit 200 Mk. unverändert geblieben sind. Gegen­über diesen sicherlich notwendigen Mehrauf­wendungen sind die Zuschüsse des Landes an die Stadtkasse nur mäßig in die Höhe gegangen, nämlich bei den Rentenemp­fängern der Arbeiter- und Angestellten­versicherung auf 66 600 Mk., gegen 57 000 Mk. im Vorjahre, und bei den Kapitalrentnern und die ihnen Gleichstehenden auf 55 200 Mark, gegen 51 000 Mark int Iahre 1928. Aus dieser Gegen­überstellung geht hervor, in welcher Weise sich die jetzige Verteilung der sozialen Lasten zwi­schen Ländern und Gemeinden auf die Gemeinde­finanzen auswirkt. Selbstverständlich soll mit die­sen Feststellungen nichts gegen diese sozialen Lei­stungen an sich gesagt werden, deren Dringlichkeit wlchl niemand bestreiten kann, aber Bedenken ge­gen den Verteilungsschlüssel für diese Aufwen­dungen zwischen Ländern und Gemeinden sind doch nicht zu unterdrücken. Für die Schul­kind e r s p e i s u n g , d. h. das Milchfrühstück für schwächliche Kinder, sind im neuen Voranschlag 25 000 Mark vorgesehen, gegenüber 30 000 Mark im Iahre 1928 und 39 000 Mark im Iahre 1927. Cs ist aus dem Voranschlag nicht ersichtlich, ob was ja erfreulich wäre die Zahl der schwäch­lichen Kinder so erheblich gesunken ist, daß man die Abstriche an den Ausgaben für diesen guten Zweck unbedenklich machen konnte. Eine solche Entwicklung dürfte aber leider kaum an­zunehmen sein, so daß man den Grund zu dieser Ausgabenverminderung wohl in den Sparmaß­nahmen zum Zwecke des Ausgleichs des Vor­anschlags suchen mutz. Wenn diese Vermutung zutreffend ist, so Mochten wir doch anheimgeben, wenigstens die vorjährige Summe von 30 000 Mk. für die Schulkinderspeifung wieder vorzusehen und die hierdurch bedingte Mehraufwendung von 5000 Mark gegenüber dem vorliegenden Vor­anschlag lieber an einer anderen Stelle des Wohlfahrtshaushalts einzusparen. Die Gesamt­rechnung dieses Kapitels macht im übrigen den Eindruck einer so erheblichen Anspannung, dah man an Abstriche in diesem Teile des städtischen Wirtschaftsplanes wohl nicht denken kann.

Der Haushalt 1929 der Bauverwaltung schließt mit 404 543 Mk. Einnahmen (378 996 Mk. im Vorjahre), 899 520 Mk. Ausgaben (844 626 Mark im Vorjahre), also mit einem Zuschuß von 494 976 Mk. (465 630 Mk. im Vorjahre) ab. Für die laufende Stratzenunterhaltung ist nahezu der gleiche Zuschuß wie im Vorjahre, nämlich 178 633 Mk. gegen 178 219 Mk., vorge­sehen. Der Zuschuß za oen Kosten der S t r a - fjenreinigung und der Müllabfuhr ist um eine Kleinigkeit, nämlich von 10 000 Mk. im 3ahre 1928 auf 9346 Mk. im Iahre 1929 herab- gemindert worden, was allerdings nur dadurch möglich war, daß die gegenüber dem Vorjahre erhöhten Ausgaben durch eine Gebührenneuord- nung mit dem Ziele gesteigerter Einnahmen ihr Gegengewicht erhielten. Mehraufwendungen sind für öffentliche Anlagen vorgesehen. Der Zuschuß soll sich hier, nach Absetzung der um 800 Mk. gegenüber dem Vorjahre gesteigerten Einnahme von 2300 Mk., auf 35 957 Mk. gegen­über 31 332 Mk. im Iahre 1928 belaufen. Für die Unterhaltung der Anlagen und Baumpflan­zungen, des Wetterhäuschens in der Südanlage, sowie den Betrieb des Pflanzgartens sollen in diesem Iahre 32 000 Mk., gegenüber 27 000 Mk. im Vorjahre, aufgewandt werden. Diese Absicht der Stadtverwaltung dürfte wohl bei allen Bür­gern, die Freude an wohlgepflegten Grünanlagen und damit an der Verschönerung des Stadtbildes haben, volle Billigung finden. Die übrigen (Stei­gerungen der Ausgaben des Bauverwaltungs- Haushalts sind zwangsläufiger Art infolge der Desoldungsgesehgebung, erhöhter Leistungen zur Kranken- und Invalidenversicherung, gesteiger­ter Erfordernisse für Bureaubedarf usw. Im ganzen betrachtet sieht auch dieser Haushalt schon jetzt so aus, dah an ihm weitere Einschnürungen wohl nicht vorzunehmen sein werden.

Line Richtigstellung.

Im Teil II dieser Betrachtungen (Gieß. Anz. Rr. 115 vom 18. Mai) muh es am Schlüsse der Besprechung der geplanten Wasserpreiserhöhung r i ch t i g 28 Pf. je Kubikmeter heißen, nicht (wie infolge eines Sehfehlers zu lesen war) 25 Pf.

*) Teil 1 in Rr. 109 vom 11. Mai, Teil II in Rr. 115 vom 18. Mai.

Die Verlustliste -er Natur.

Tiere auf dem Aussterbeetat. Naturschutz/ das Gebot der Stunde. Noch 800 Elche in Ostpreußen. Oie schuhbedürfligen Singvögel. Zahlreiche deutsche Naturschutzparks.

Don Or. Hugo Beelitzer.

Auf dem 3. Deutschen Raturschuhkongreß, der in diesen Tagen in Dresden statt­findet, sind die größten deutschen Autori­täten dieses Gebietes für die Erhaltung der heimischen Fauna und Flora eingetreten. Das Wachstum der Städte entfremdet das Volk der Ratur. Wölfe und Füchse sind Fabel­wesen geworden, die in den Zoologischen Gärten bestaunt werden, aber aus den mitteleuropäi­schen Wäldern verschwinden. Die Iagdleiden- schaft und die Ausbreitung der menschlichen Sied­lungen das sind die Hauptursachen des großen Sterbens, das in allen Ländern die Fluhläufe, die Wiesen, die Wälder, die Gebirge entvölkert. Dieser vom Standpunkt jedes Raturfreundes sehr beklagenswerten Entwicklung sucht die Ratur- schuhbewegung entgegenzuarbeiten. In ihrem Dienst stehen in Deutschland vor allem die staatlichen Stellen für Raturdenkmalpf lege, deren Vorsitzender für Preußen Prof. Schoenichen ist, der Deutsche Ausschuß für Raturschuh, der Deutsche Bund Heimatschuh, ein Spitzenverband für 28 Landesverbände, und daneben zahlreiche private Raturschuhtruppen in allen Landesteilen. Die Raturschutzbewegung ist in Deutschland etwa 75 Iahre alt und hat sich nicht nur den Schuh der Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch die Erhaltung geologischer und kultureller Ra- turdenkmäler zum Ziel gesetzt. Doch kann sie leider bei uns nicht so großzügig vorgehen, wie dies in anderen Ländern geschieht. Am größten sind die Raturschuhgebiete in Nordamerika. Dort findet man die Hot Springs Reservation mit 46 heißen Quellen, den seit 1872 bestehenden Vellowstone-Park, der so groß ist wie Oldenburg, den 4000 Quadratkilometer großen Glacier-, Öen Vvsemite-, den Mount Rainier- und den Arizona- Park. In Schottland werden versteinerte Wald­böden, in Reuseeland das vulkanische Gebiet der Rordinsel, in Schweden Wasserfälle und Mo­ränen, in der Schweiz erratische Blöcke geschäht; daneben gibt es noch einen Schweizer Rational­park. Selbst das kleine Oesterreich besitzt einen etwa 100 Quadratkilometer großen Raturschuh- parr in den Hohen Tauern in der Rähe Großglockners mit einem Urwaldgebiet, in dem jetzt auch Murmeltiere angesiedelt wurden und sich gut vermehren.

Dieses Schutzgebiet gehört dem VereinRatur- schutzpark", der 1909 mit dem Sitz in Stuttgart gegründet wurde und zunächst ein großes Gebiet auf der Lüneburger Heide, den Wilseder- b e r g und den Toten Grund, erwarb und heute 200 Quadratkilometer besitzt. Das Gebiet hat eine größte Länge von 21 und eine größte Breite von 13 Kilometern, es ist durch die Heidebahn leicht zugänglich und gleicht im August einem wogenden Dlütenmeer von Heidekraut. Auf Grund des Feld- und Forstpolizeigesetzes wur­den noch für viele andere Gegenden Schutzbe­stimmungen erlassen, die von den Landeskonser­vatoren angeregt werden: geschützt sind z. B. die Teufelsmauer bei Blankenburg, große Moore in Ostpreußen, das Hochmoor -Khlau bei Königs­berg, Reste von Urwäldern im Harz und im Riesengebirge, Gegenden im Saalegebiet, Krater in der Eifel, Gletschrrmühlen und Quellen und Gesteinsbrüche, Gegenden bei Berchtesgaden, bei Oberammergau, Vogelschuhgebiete art der See, wie der Memmert in Rorderney und die Mellum- platte. Auch bei Berlin gibt es einige solche Gebiete, z. B. ein kleines Moor bei Rahnsdorf, die Grunewaldmoore beim Hundekehlensee für Unterrichtszwecke, ein Kalktuffgelände bei Tegel.

Einzelne Tiere, wie der Biber und der E l ch sind durch das Gesetz vpr Vernichtung geschützt, von Reptilien und Amphibien bewahrt man die H a s e l n a 11 e r, die Sumpfschild­kröte, die Würfel- und die Aeskulap- natter, die Smaragd- und lauer- eidechse, die Dergunke, den Feuersala­mander und den K a m m o l ch vor Ausrot­tung. Daneben werden viele Vögel in den Mee­resgebieten erhalten. Von Pflanzen genießen Edelweiß, Cnzianarten, der Frauen­schuh, die Stechpalme und einige andere den Schutz der Gesetze. Dies ist dringend erfor­derlich, denn die in zahlreichen Abhandlungen gesammelten Daten geben ein erschreckendes Bild vom Aussterben der Tierwelt in Deutschland. Eine der Hauptursachen hierfür sind die falschen Ansichten über die Schädlichkeit mancher Tier­arten und die Unkenntnis über den durch ihre Vernichtung angerichteten Schaden. Im Früh­jahr 1905 wurden bei Eisenach vom Eichenwickler ganze Wälder kahlgefressen: nur ein Wald, in

dem der Besitzer 2000 Risthöhlen für Meisen angelegt hatte, blieb wie eine grüne Oase ver­schont, und auch sonst sind viele Fälle bekannt, in denen durch liebevolle Pflege der Waldvögel schädliche Inselten in Massen vernichtet wurden. Die Untersuchung des Mageninhalts von erlegten Vögeln bestätigt diese Angaben. Sehr nützlich sind die vielfach zu unrecht verfolgten Igel, Fledermäuse, Eidechsen, Frösche, Kröten, der Stichling und der die Ackererde auflockernde Regenwurm. Don Raubvögeln sind nur der Habicht, der Wanderfalke und der Sperber schäd­lich, nicht aber der Turmfalke, der Bussard und die Eulen. Die Füchse sind sogar recht nützlich, da sie alsGesundheitspolizei" kranke Hasen zuerst bet tilgen und auch Mäuse fressen.

Wie sehr die deutsche »Tierwelt des Schuhes bedürftig ist, zeigt ein kurzer Blick in dieVer­lustliste der Ratur" aus den letzten Iahr- zehnten. Der Bär, der Wolf und der Luchs sind längst aus Deutschland verschwunden: sie kommen höchstens als Gäste über die polnische Grenze. Dagegen wurden in Ungarn noch im 2ahre 1908 245 Bären und 581 Wölfe erlegt. Wildkatzen kommen nur an der Mosel und am Harz vor, der Auer ochs starb schon im 14. Iahrhundert aus, vom Wisent gab es noch im Wald von Bialowies vor dem Krieg gegen 200 Stück, jetzt leben nur noch einige Exemplare im Saupark bei Springe. Etwa 800 Elche gibt es in Ostpreußen, dagegen herrscht an Wild­schweinen vorläufig fein Mangel. Die Gemse ist durch Gesetze geschützt: Fischottern sollten trotz ihrer Schädlichkeit auch vor dem Aussterben bewahrt werden. Im sächsischen Erzgebirge kommt noch das sehr seltene Zwergmurmeltier, der Ziesel vor, und die letzten Biber sieht man an der Elbe bei Magdeburg. Man zählt jetzt in Deutschland nur noch 14 Reptilien- und Amphibienarten: bei vielen ist ein starker Rück­gang zu bemerken, z. B. bei den Ringelnattern, den Feuersalamandern, den Laubfröschen und den Zauneidechsen. Besonders schlimm hat die Mordgier des Menschen unter der Dogelwelt gewütet. Auf den Lummenfelsen in Helgoland, wo die Trottellumme nistet, wird sie am Ende der Schonzeit, am 18. Iuli, von den zu- sammenströmenden Sägern in Mengen abge­schossen, so daß die noch nicht flüggen Iungen zugrundegehen. Der Gisalk und der fluglose Alk sind seit 50 Iahren ausgestorben. Sehr schlimm ist die Verödung der Küsten, wo noch vor 100 bis 150 Iahren die Eier in Körben ge­sammelt wurden und man achtgeben mußte, um nicht auf Rester zu treten. Ganz verschwunden sind die Zwergmöve und die Lachsee- schwalbe. Von der Drandseeschwalbe gab es 1819 auf Rorderoog eine Million Exemplare heute leben nur noch 1000 Paare. Der Kor­moran hat sich an eine einzige Stelle in West­preußen zurückgezogen. Sehr selten wurden auch Silber- und Sturmmöven, Küsten- und Zwerg- seeschwalben, Regenpfeifer, Eider- und Bergenten. Don den Raubvögeln ist der Läm­mergeier völlig, der See-, der Schrei- und der Fischadler fast ausgestorben: vom Uhu gibt es nur wenige Horste, dagegen ist der Steinadler in den Alpen etwas häufiger. An den Binnengewässern sieht man nur feiten Haubentaucher, Bleßhühner, Lachmöven, und be­sonders arg wurde der Fischreiher betroffen, der im Mittelalter überall mit Falken gejagt wurde. Heute gibt es nur etwa 200 Paare an der Iagst und im übrigen Deutschland zusammen 500 Paare, daneben noch einige Purpur-, Silber­und Rachtreiher. Die Zahl der Kranichpaare dürfte etwa 2000 betragen; der schwarze Storch ist auf dem Aussterbeetat, und vom Weißen gab es 1919 13 500 Paare in Ostpreußen und 22 000 in Mecklenburg, wo sie vom Gesetz geschützt werden. Selbst die allen vertrauten Schnepfen, die Dirk- und die Haselhühner, ja sogar die Enten aller Art nehmen an Zahl ab. Die Rachtigall wird bald nur in Gedich­ten weiterleben, und auch für andere Singvögel sind die Lebensaussichten sehr schlecht, da sie auf ihrem Wanderflug über Italien in ungeheuren Mengen vertilgt werden. In Rizza kamen im Laufe von drei Monaten l1 * * * * & 7/» Millionen Sing­vögel auf den Markt, in Genua wurden an einem Tag sechs Zentner Schwalben verhandelt, in Aegypten Millionen Zugvögel gefangen.

Will man also verhüten, daß noch mehr Tier- gattungen aussterben und bald überhaupt nur oie Haustiere übrigbleiben, ist der eifrigste Ra­turschutz das Gebot der Stunde.

Oberheffen.

Bürgermeister-Tagung in Alsfeld.

Alsfeld, 24. Mai. Am Mittwoch fand im kleinen Saale des HotelsDeutsches Haus" eine Bürgermeisterversammlung des Krei­ses Alsfeld unter dem Vorsitz von Kreisdirektor Dr. Stammler statt.

Der Vorsitzende des Bürgermeistervereins, Bür­germeister Korell (Angenrod), referierte zunächst über die mit dem Arbeitsamt Gießen getroffene Vereinbarung bezüglich der den Bürgermeistereien zu gewährenden Entschädigung für die Tätigkeit in der Arbeitslosenver­sicherung. Diese wurde auf 2 v. H. der ausge- zahlten Unterstützungsbeträge mit Wirkung vom 1. Oktober 1928 ab feftgelegt. Gegen die Abmachung erhob sich kein Widerspruch, so daß diese als geneh. miat gilt.

Zu dem neuen Gemeindebeamtenge- s e tz wurde nach einem, von Bürgermeister Dr. V ö l- sing erstatteten Bericht und nach ergänzenden Aus­führungen von Kreisdirektor Dr. Stammler eine Entschließung folgenden Inhalts angenom- men:Der Kreisverein Alsfeld hält in Ansehung des neuen hessischen Gemeindebeamtengesetzes eine Aenderung dahin für notwendig, daß Orts- fa (jungen zu erlassen sind zwecks Regelung der Besoldungsverhältnisse der Ge- m e i n d e b e a m t e n , da die Neuregelung des Ge­setzes keinen Fortschrit gegenüber der seitherigen Regelung bedeutet. Auch hätt es der Kreisoerein für eine unbedingte Notwendigkeit, daß die Regelung der Rechts- und Besoldungsverhält- niffe derBürgermetster alsbald erfolgt Er

ersucht den hessischen Landgemeindetag und den

Landesverband der hessischen Bürgermeister, in die- fern Sinne bei den maßgebenden Stellen vorstellig

zu werden."

Auf Beschwerden aus der Mitte der Versamm- lung wegen einer kreisamtlichen Anordnung in be­zug auf das Amtsoerkündigungsblatt, wobei eine Reform des Amtsverkündigungswesens verlangt wurde, beschloß man, mit dem Verlage der Oberhessischen Zeitung in entsprechende Verhandlun­gen einzutreten.

In der allgemeinen Aussprache wurde Beschwerde geführt über die Höhe der k u 11 u r t e ch n i s ch c n

& o ft e n für die im Interesse der Gemeinde geleite­ten Arbeiten. Hierzu wurde eine Entschließung folgenden Inhalts angenommen:Die Gemeinden des Kreises Alsfeld erachten die Gebührensätze von

7 bzw. 5,5 v. H. für die im Interesse der Gemeinden von dem Kulturbauamt geleisteten kulturtechnischen Arbeiten als zu hoch und verlangen eine angemes­sene Herabsetzung derselben. Der Vorstand des Hes­sischen Landgemeindetages wird ersucht, in diesem Sinne bei dem Minister für Arbeit und Wirtschaft vorstellig zu werden."

Nach einer Mittagspause wurde die Tagung fort­gesetzt, wobei Kreisveterinärrat Dr. Hofmann (Alsfeld) einen fachwissenschaftlichen Vortrag über den ansteckenden Scheidekatarrh des Rindviehes und über Maßnahmen zu dessen Bekämpfung hielt. Als­dann folgte ein Vortrag von Landgerichtsrat Dr. W o d a e g e (Gießen) über das Stanoesamtswesen, der in sehr klaren, allgemein verständlichen Ausfüh­rungen die hauptsächlichsten Bestimmungen des Per­sonenstandgesetzes an der Hand von praktischen Bei- spielen für die Standesbeamten erläutert«. An den

mit Beifall aufgenommenen Dorttag schloß sich eine Aussprache an.

Mit Dankesworten an die Referenten und diß Bürgermeister schloß Kreisdirektor Dr. Stamm­ler die anregend verlaufene Versammlung.

Landkreis Gießen.

§ Saubringen, 24. Mai. Wie in sämtliche« Iahren der Rachkriegszeit, so ist auch in diesem Jahre die Bautätigkeit in unserem Dorfe wieder recht lebhaft. Durch die Erschließung neuen Baugeländes zwischen Wald- und Alten- Busecker Straße ist ein größerer Landkomplex vorhanden, der für nahezu 30 Wohnungen aus- reichen wird. In diesem Iahre werden voraus­sichtlich fünf neue Wohnhäuser errichtet werden; davon sind drei bereits im Entstehen begriffen. Einige Baulustige konnten mit den verbilligten staatlichen Bauzuschüssen bedacht werden.

: R e i s k i r ch e n , 24. Mai. Gestern gingen meh­rere Gewitter in unserem Tale nieder und brachten ergiebigen Regen. Der Blitz schlug dabei im Pfarrhaus ein und beschädigte das Dach. Brandschäden sind nicht entstanden, denn es war ein kalter Schlag.

is. Steinbach, 24. Mai. Einer der älte­sten Einwohner unseres Dorfes, der QIu6- zügler und frühere Maurermeister Heinrich Mack, begeht am Samstag in körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 8 5. Geburtstag. Äußer dem Iubilar leben hier noch 6 Personen in den achtziger Iahren, von denen der älteste im 86. Lebensjahre steht.

Lich, 24. Mai. Der hiesige Ziegenmarkt des Kreisziegenzuchtoereins des Krei­ses Gießen brachte vorzügliches Zuchtmaterial der weißen deutschen Edelziege (Saanenziege) zum Auftrieb; etwa 75 erstklassige Ziegen, Böcke und Lämmer wurden zur Prämiierung oorgefühtt. Die Nachfrage war so groß, daß die Kommissionen aus Westfalen, Siegerland, Waldeck, Bezirk Kassel usw. ihren Bedarf nicht völlig decken konnten. Der Höchst- preis für die beste Ziege betrug 95 Mk., der Durch­schnittspreis betrug 50 bis 60 Mark. Bocklämmer kosteten bis zu 85 Mark, Mutterlämmer bis zu 35 Mark. Bei herrlichem Wettter erfreute sich der Markt eines starken Besuchs seitens der Züchter. Der Kreisziegenzuchtverein kann mit Verlauf und Ergebnis des Marktes sehr zufrieden sein. Für Preise wurden insgesamt 380 Mark verausgabt, als erste Preise wurden je 10 Mark, als zweite Preis» je 8 Mark und als dritte Preise je 5 Mark einge­setzt. Das Ergebnis der Prämiierung: Klasse I, Böcke (2Jahre und älter): Erste Preise Gemeinde Hattenrod und Großen-Buseck, zweite Preise Ge­meinde Stangenrod und Oueckborn, dritte Preise Gemeinde Obbornhofen und Ortsziegenzuchtoerein Gießen, Anerkennungen die Gemeinden Lich, Burk­hardsfelden und Bettenhausen. Klasse II, Böcke (1 Jahr alt): 1. Preis Gemeinde Hattenrod; 2. Preis Gemeinde Lich, Hch. Münster (Hattenrod); 3. Preis die Gemeinden Ettingshausen und Lich: Anerken­nung Gemeinde Burkhardsfelden. Klasse III, Ziegen (3 Jahre und älter): 1. Preis A. Burk­hardt (Ettingshausen), Hch. Albohn III (Hattenrod), Hch. Frank II. und Hch. Wagner III. (Großen-Buseck); 2. Preis W. Keil II. (Ettingshausen), Hch. Bergauer, Ehr. Scheid VI. und Wilh. Scheid III. (sämtliche von Großen-Buseck), Gg. Schäfer (Lich); 3. Preis H. Lotz und K. Ph. Gilbert (Lich), W. Scheid III., Christian Scheid VI, W. Wagner IX (sämtlich von Großen- Buseck), E. Becker (Rödgen), H. W. Koch (Obborn­hofen), Hugo Keil (Ettingshausen), Ph. Schul Ww. (Hattenrod), Hch. Scheid (Harbach), Ioh. Hch. Roth I. (Bettenhausen). Klasse IV, Ziegen (2 Jahn alt): 1. Preis Hch. Rau IV. (Hattenrod); 2. Preis Hch. Münster (Hattenrod), Jak. Mietsch (Gießet Hch. Wagenbach VI. (Großen-Buseck); 3. Preis ^edk Kammer II (Obbornhofen), Hch. Münster (Hatten rod). Klasse V, Ziegen (1 Jahr alt): 1. Prcjs Ld. ScheidV. (Großen-Buseck); 2. Preis Christian Scheid Vl. (Großen-Buseck), Hch. Münster (Hattaw- rod): 3. Preis Hch. W. Koch (Obbornhofen), A. B u xt- Hardt (Ettingshausen) und Wilh. Kaiser (Bellers­heim. Klasse VI, Zeitziegen: 2. Preis Wil­helm Keil II. (Ettingshausen); 3. Preis Jak. Lerch (Lich) und Gottfried Stein (Ettingshausen).

Kreis Schotten.

Y Kaulstotz, 24. Mai. In einer der letzten Rächte wurde in die Schäferhütte des cm- Altenstadt stammenden Schäfers Förstner ein- gebrochen. Der Dieb nahm das komplette Bett- werk mit. Dis jetzt fehlt noch jede Spur von dem Täter.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

WSR. W e h l a r, 23. Mai. Auf tragische Witts» umsLeben gekommen ist am Mittwochab« ni ein neunjähriger Knabe von hier, der intt seinem Großvater an der Lahn Wasser schöpfen wollte. Die beiden hatten ein Wägel­chen, auf dem Wassergefäße aufgestellt waren. Der Wagen löste sich anscheinend aus seiner Be­festigung und rollte das abschüssige Ufer hin­unter. Der Knabe wollte ihn aufhalten, ffeine Kräfte reichten aber nicht aus, so daß er zurück- gedrückt wurde und rücklings in die Lahn st ü r z t e. Erst nach einer Stunde formte man dte Leiche bergen.

Kreis Marburg.

j s Marburg, 24. Mai. Gelegentlich einer Ge­ländestreife fanden Studierende des vorgeschichtlichen Seminars der hiesigen Universität in der Gepiernde- sandgrube des südlich von Marburg jenseits der Lahnberge gelegenen Dorfes Schröck ein Urnen- grab aus der Zeit um 1000 d. ChEs handelt sich wahrscheinlich um ein Frauengrab, bas in der Haupturne drei kleine Beigefäße (für Speise und Trank im Jenseits), Armreife, Nadeln, Schmuck in Form von Drahtspiralen, Ringe usw. enthielt.

wenn Sie mit Dr. Thompson- Seifenxulver einweichen und mit Gzonil kochen

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