Ausgabe 
25.3.1929
 
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Nr. 71 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)Montag, 25. März (929

Gießener Gtadiparlament.

Gießen, 22. März 1929.

Die Stadtverordneten - Versamm­lung beschäftigte sich in ihrer heutigen Sitzung vor der Erledigung des Wohnungsbauprogramms für 1929 mit folgenden Vorlagen:

Neue Telephonanlage im Stadthaus. Bergstraße.

Gelegentlich der Einrichtung des Selbstanschluh- betrieb« beim Telegraphenamt muh auch die Haustelephonanlage im Stadthaus Bergstraße »ungestaltet werden. Die Lieferung eines neuen Hausapparates mit Zentraleinrichtung für 23 Teilnehmer wird der Firma Siemens & Halske zum Angebotspreise von 2833 Mk. übertragen.

Tag des Buches" in Glehen.

Zur Durchführung der VeranstaltungTag des Vuches" in Gießen wird ein Zuschuß von 200 Mk. zur Verfügung gestellt.

Neue Gebühren aus dem Vieh- und Kramermarkt.

Die nachstehende Aenderung des Vieh- und Krämermarkttarifes wird gutgeheißen:

I. Das Standgeld auf den Viehmärkten wird für einen Ochsen, eine Kuh, oder ein Rind von 50 auf 80 Pf., für ein Kalb von 20 auf 30 Pf. erhöht.

II. Auf den Krämermärkten kommt unter Wegfall der seitherigen Staffelungen und Sähe folgendes zur Anwendung: 1. Das Standgeld für Verkaufsstände usw. beträgt für jeden in Benutzung genommenen laufenden Meter Platz 25 Pf., mindestens aber 50 Pf. für einen Stand. 2. Für Karussells und Schaustellungen jeglicher Art für den laufenden Meter 1 Mk.

Die Erhöhung der Gebühren ist durch die Mehrausgaben für die Märkte notwendig ge­worden. Die Viehhändler-Vereinigung hat sich mit der Gebührenänderung einverstanden erklärt. Vor dem I.Mai dürften die neuen Sähe nicht in Kraft treten.

Schonkkonzessionvgesuche.

Antragsgemäß werden folgende Echanktvnzes- sionsgesuchc befürwortet: Charlotte Horst­mann, zur Zeit Frankfurt a. M., zum Betrieb des Cafe Ernst Ludwig: Heinrich Aaaf, Wall- torstraße 34, zum Ausschank von Branntwein (Liköre): Johannes Steinbach, Ludwigstr. 62; Hausverein der TurnerschaftHasso- Aas s o v i a" zum beschränkten Schankwirtschafts­betrieb im Hause Frankfurter Straße 33; Heim­verein des Vereins Deutscher Studen­ten zum beschränkten Schankwirtschaftsbetrieb im Hause Wolfstraße 9. Ein Gesuch von Friedrich Jörg, Asterweg 7, wird zur erneuten Prüfung an den Ausschuß zurückverwiesen.

Gebührenorlvsahung

für die Müllabfuhr und Slraßenreinigung.

Einige vom Minister des Innern vorgeschla­gene. mehr formelle Abänderungen zu den Orts- sahungcn und Gebührenordnungen über die Straßenreinigung und Müllabfuhr werden ge­nehmigt.

Stadtv. Loeb er (D. V.) führt bei dieser Ge­legenheit Beschwerde darüber, daß für unbebaute Grundstücke Straßenreinigungskosten erhoben wer­den, deren Höhe den Ertrag der betreffenden Grundstücke erheblich, sogar um ein Mehrfaches übersteigt. Er ersucht um Beseitigung dieser Här­ten. Stadtv. Prof. Dr. Krausmüller (D. V.) unterstützt diese Forderung. Stadtv. A i c o - saus (Wirtsch. Vg.) beanstandet gleiche Härten bet den Müllabfuhrgebühren, die z. B. auch bei Grundstücken ohne Wohnungen, also ohne Müll­abfuhr erhoben werden. Folgender Antrag Loeber-Krausmüller-Winn wird dem

Finanzausschuß überwieset:Bei den Straßen- reinigunasgebühren werden für den unbebauten Grundbesitz die Gebühren auf ®/6 der sonstigen Gebühren festgelegt."

Baugesuche.

Auf Antrag des Bauausschusses werden befür­wortet: die Gesuche von Ehr. Burk, Leihgester» ner Weg: Heinrich Renting, Wiesecker Weg 40: Witwe Kroatz, Westanlage 1.

Bebauungspläne.

Die Bebauungspläne über 1. das Gebiet zwi­schen Freiligrath-, llhland-, Friedrich- und Frank­furter Straße, Am Riegelpfad und Aulweg, 2. das Gebiet zwischen der Eisenbahn Gießen Fulda, Reue Kaserne und östlich der Licher Straße, 3. das Gebiet zwischen Wiesecker Weg und Marburger Straße nebst Ortsbausahung werden genehmigt.

Lieber die Vorlagen, insbesondere über die um­fangreiche unter Ziffer 1, können wir leider nicht näk^r berichten, da die Verwaltung die erforder­lichen Unterlagen der Presse nicht übermittelte, obwohl das Material für das Stadtparlament vervielfältigt worden war.

Eine gärtnerische Anlage an dec hammstraße.

Die Umgestaltung des seitherigen Lagerplatzes zwischen dem Elektrizitätswerk und der Hamm- strahe zu einer gärtnerischen Anlage wird be­schlossen. Hierzu wird ein Kostenbeitrag von 2250 Mark bewilligt.

Gemarkungsgrenzregulierung Annerod-Gießen.

Die gelegentlich der Feldbereinigung Annerod geplante Grenzregulierung an der Gemarkungs­grenze Gießen-Annerod, entlang des Stadtwal­des, wird genehmigt.

Verlegung des Klingelbaches.

Für die Verlegung des Klingelbachs wird ein Kredit von 24 000 Mk. zur Verfügung gestellt. Verwendung des städtischen Hauses weldengasse 5.

Für den Einbau von 5 Wohnungen in dem städtischen Haus Weidengasse 5 (früheres Polizei­amt) werden 6000 Mk. bewilligt.

Ausgestaltung

des Physik- und Chemiesaaler der Oberrealschule.

Für die Ausgestaltung des Physik- und Che- miesaales der Oberrealschule wird ein Kredit von 8500 Mk. bewilligt.

Städtische Betriebsrechnungen.

Die Rechnung des städtischen Gaswer­kes für das Rechnungsjahr 1926 mit einer Ein­nahme von 1 011 124.57 Mk. und einer Ausgabe von 1 006 030.82 wird ohne Aussprache genehmigt, ferner auch die Rechnung des städtischen Wasserwerks für das Rechnungsjahr 1926 mit 456 020.83 Mk. Einnahme und 455 425.03 Mk. Ausgabe, die Rechnung des städtischen Dolksbades für das Rechnungsjahr 1927 mit einem Llbschluh von 72 754.19 Mk. in Ein­nahme und Ausgabe, sowie die Rechnung der städtischen Straßenbahn für das Rech­nungsjahr 1927, die in Einnahme und Ausgabe mit je 347 714.12 Mk. abschließt.

Vergebung von Arbeiten und Lieferungen.

Zu dem Hm» und Erweiterungsbau der Gewerbeschule werden vergeben: G l a- ferarbeiten: Los 1 an Heinrich Baum zum Angebotspreis von 1480 Mk., Los 2 an B. Wolf von 1543.20 Mk., Los 3 an H. Ar- n ol d von 1683.55 Mk., Los 4 an H. Wa den- Pfuhl von 4104.50 Mk.; Installations­arbeiten an die Mindestfordernden L.. I r l e

Oie Liebe derBrigitta Hollermann

ZRomon von Elisabeth 7ley.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale).

15. Fortsetzung Nachdruck verboten.

Eggenbrecht antwortete jedoch nicht, und kaute nervös an seiner Zigarette, so daß schließlich Mister Amerh, in der Annahme, doch eine Dumm­heit gemocht zu haben, in den Saal zurückkehrte.

Der junge Arzt war allein.

So faß er lange Zeit in Gedanken versunken. Isa Hollermanns unerwartetes Erscheinen hatte die kaum vernarbte Wunde seines Herzens wieder oufbrechen lassen, und er vergegenwärtigte sich abermals das Bild jenes für ihn so schmachvollen Abends.

So bemerkte er nicht, daß sich eine junge Dame langsam seinem einsamen Platz hier draußen näherte.

Erst die sanfte Berührung seiner gebeugten Schulter lieh ihn aus der Versunkenheit auf­fahren.

Vor ihm stand Isa Hollermann.

Schön und verführerisch, in einem spinncnfeinen Kleid von chinesischer Seide, das ihre etwas volle Gestalt vorteilhaft hervorhob.

Sie sah ihn aus leicht verschleierten Augen, die gleichsam um Verzeihung zu betteln schienen, lächelnd an.

Plötzlich streckte sie ihm beide Hände entgegen, und ihn freundlich grüßend, sagte sie zu ihm mit leicht bebender Stimme:

Ich habe Sie gesucht. Doktor Eggenbrecht, um Ihnen zu sagen, wie herzlich froh ich bin. daß Sie leben. Ich glaube, wir haben uns so manches zu sagen, oder hassen Sie mich noch immer?"

Fräulein Isa, wie kommen Sie qusgercchnet nach Schanghai?" stieß Eggenbrecht, mühsam seine Erregung bekämpfend, hervor.

Davon später, wenn cs Ihnen recht ist, lieber Doktor. Jetzt sind Sie mir zuerst eine Antwort schuldig. Sie böser Monn. Gott, wenn Sie wüß­ten, wie ich mich in jener Rächt um Sie gebangt habe!"

Gebangt, um mich? Ich verstehe nicht, ich verstehe überhaupt Ihre Worte nicht, gnädiges Fräulein. Weshalb bangten Sic sich, warum er­schraken Sic so bei meinem Anblick? Hielten Sie mich bereits für gestorben?"

So wissen Sie nichts von der furchtbaren' Ex­plosion in jener Rächt?

Ich verstehe Sie noch immer nicht."

Kaum, daß Sic den Saal verlassen hatten, flog das Laboratorium der Klinik in die Luft. Es entstand eine Feuersbrunst. Aus den brennenden

Trümmern zog man einen verkohlten Leichnam, der als der Ihre identifiziert wurde."

Sehr angenehm! Aber wie kam man auf die­sen Gedanken?"

Sie sind nicht nach dem Laboratorium gegan­gen? Der alte Diener Wilhelm mußte Sie ja aus der Hintertür lassen."

Ich war auch dort, Fräulein Isa, ging aber sehr schnell wieder fort, und verlieh Hamburg bereits zwei Stunden später mit der »Ozeana*. Die geborgene Leiche war ich also demnach wohl nicht."

Weshalb so sarkastisch", entgegnete Isa leise. Es war eine schliipme Rächt. Ich bin bald ver­zweifelt, als ich hörte, daß Sie tot wären: denn ich nahm an, daß Sie Selbstmord verübt hätten, da Gitta Ihnen so furchtbar wehe getan hatte."

Sprechen wir nicht von ihr, verehrtes Fräu­lein Isa. Hoffentlich kam ihr doch wenigstens ein wenig Reue, als man mich angeblich tot fand."

Ich achtete nicht darauf. Brigitta hatte nur Sorgen um ihren Verlobten, der sich zu weit zum Brandherd wagte."

Also keine Reue?" sagte Eggenbrecht, bitter auflachend.

Gott ja, Gitta hat den glücklicheren Teil er­wählt", plauderte Isa jetzt angeregt weiter.Man verehrt die schöne Frau Doktor ungemein."

Eggenbrecht war bleich geworden, und in seinem Gesicht zuckte es erregt.

Brechen wir dieses unerquickliche, der Ver­gangenheit angehörende Thema ab, gnädiges Fräulein", sagte er dann, indem er versuchte, Fassung zu bewahren.Erzählen Sie mir lieber, wie Sie nach Schanghai kommen und was Sie ausgerechnet hierher führt."

Isa ließ sich jetzt oufseufzend in einen Sessel, Eggenbrecht direkt gegenüber, fallen, und schloß, sich weit zurücklehnend, die Augen.

Ja, mein lieber Doktor, die Zeiten haben sich sehr geändert, und ich habe, entgegen meiner Schwester, den schlechteren Teil gewählt", sagte sie dann leise.Ich kam nach Schanghai als die Gesellschafterin von Frau Ri von Salden, und befinde mich demnach in dienender Stellung: wenn dies auch natürlich nicht so drückend ist, da Ri zu­fällig eine Pensionsfrcundin von mir war."

Wie aber geht das zu? Ich verstehe dies alles noch nicht. Ihr H^rr Vater, wie konnte er ?

Der arme Pa ist schon seit einem Jahre tot. Sie wußten das nicht, Herr Doktor?" sagte Isa, und es schien Doktor Eggenbrecht, als wenn sie nur mühsam das Weinen unterdrückte.

Unwillkürlich griff er nach ihrer matt hernie­derhangenden weißen, gepflegten Hand, und drückte sie teilnehmend.

Das ist schlimm", sagte er dabei erschrocken. Das habe ich natürlich nicht gewußt. Wie sollte , ich es auch? Geheimrat Hollermann tot? Wie

und H. Blum zum Angebotspreis von 12967.10 Mk.; elektrische Installation: Die Aus­führung der elektrischen Licht-, Kraft- und Klin­gelanlagen wird der Firma Gg. Appel zum Angebotspreis von 4319.20 Mk. übertragen.

Die Vefchasfung eines fahrbaren Motor- Kompressors einschließlich Zubehör für 6700 Ml. von der Frankfurter Maschinenbau» Aktien-Gesellschaft vormals Pokorny & Wittekind. zu Lasten des Gaswerks wird genehmigt.

Instandsetzung der Retortenofen­anlage im Gaswerk. Die Dersehung der Retortenöfen Rr. 5 und 6 mit neuem Unter- und Oberbau wird genehmigt. Die nötigen Cha- mottemoterialien sind von der Stettiner Cha- mottefabrik zu beziehen. Zu den Umbauten wer­den zu Lasten des Erneuerungsstocks 15 700 Mk. bewilligt.

Alphaltreparaturarbeiten in der Alice st raße. Die Vergebung der bereits aus- aeführten Aspholtreparaturarbeiten in der Alice- strahe an C. Rübsamen im Betrage von 6101,26 Mark wird nachträglich genehmigt.

Beschaffung von Schulbänken für die Volksschulen. Für die Beschaffung von 66 zweisitzigen Schulbänken für die drei Volks­schulen wird ein Kredit von rund 5000 Mk. zur Verfügung gestellt. Das städt. Hochbauamt wird mit Rücksicht auf die Dringlichkeit der Lieferung ermächtigt, diese im Einvernehmen mit der Stadt­verwaltung sofort freihändig zu vergeben.

Beschaffung einer Fernmeßanlage für das städt. Elektrizitätswerk. Für den Bezug von Instrumenten für eine Fernmeß­anlage wird ein Kredit von 5000 Mk. zu Lasten des Elektrizitätswerkes für 1929 Rj. zur Ver­fügung gestellt. Die Lieferung der erforderlichen Instrumente wird den Aron-Werken, Clektrizi- tätsgesellschaft, Berlin-Charlottenburg, über­tragen.

Verbesserung aus den städtischen Tennisplätzen.

Für die Dersehung und Erhöhung der Umzäu­nung der Tennisplätze zwischen Straßenbahn­schleife und D. f. B.-Sportplatz, sowie für die Er­richtung eines Umkleideraumes, Einbau eines Geräteraumes in die Böschung der Plätze und für die Instandsetzung des um die Plätze liegen­den Geländes wird ein Kredit von 6500 Mk. be­willigt, der wie folgt zu verrechnen ist: a) zu Lasten der Lieberschüsse aus dem Rj. 1928: 3300 Mk., b) zu Lasten der Einnahmen aus dem Tennisplahbetrieb für das Rj. 1929: 3200 Mk. Die Stadtverwaltung wird zur Vergebung der erforderlichen Lieferungen und Arbeiten er­mächtigt.

Beitrag

zur Gewerbe- und Maschinenbauschule Gießen.

Für die auf Grund des Gesetzes über die Kostenregelung für die gewerblichen Unterrichts­anstalten vom 14. Dezember 1928 für die Rj. 1923 bis 1926 für die Stadt Gießen fich noch ergebende Deitragslcistung guv den Kosten der Gewerbe- und Maschinenbauschule Gießen mit zusammen 16 701,38 Mk. wird der erforderliche Kredit zur Verfügung gestellt.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

X Wieseck, 22. März. Die regelmäßigen Dereinsabende unseres Frauenvereins fan­den für diesen Winter mit einem Schluhabend ihr Ende. Die Jugend trug mit Detlamalionen, Gesängen, Mandolinenvorträgen und zwei wohl­gelungenen Einaktern wesentlich zur Verschöne­rung und Abwechslung bei. Der Ortsgeistliche brachte in seiner Ansprache einen Rückblick über das vergangene Vereinsjahr und zeigte eine mit großer Begeisterung aufgenommene Lichtbilder­

reihe:Kinderfreude, Kinderglück." Die Kinder- bilder stammten von A. Hcndschel, A. Lüs, Kaul­bach, Knaus, Defregger, Schuster-Woldan u. a. Bei Kaffee und Kuchen, auch einer amerikani­schen Versteigerung flössen schnell die Stunden dahin.

: L i n d e n st r u t h , 23. März. Gestern fand die Uebergabe der neuen Grundstücke in dem Wiesengrund östlich und westlich des Dorfes und des anschließenden Teiles der Gemarkung Reis- kirchen an die neuen Besitzer statt. Durch die stän big zunehmende Versumpfung des Tales war eine Berlegung der Wieseck nötig geworden. Die Arbeiten begannen im Jahr 1926 und wurden im Spätherbst bei- vergangenen Jahres zu Ende geführt. Mit der Bachregulierung wurde zugleich die Bereinigung des Wiesengrundes vorgenommen. Die 'Verteilung der Grundstücke sollte zu Beginn dieses Jahres oor genommen werden, mußte jedoch infolge des lange anhaltenden Winters verschoben werden. Es hat sich bis jetzt erwiesen, daß die Verlegung des Waller laufes ihren Zweck erfüllt. Eine Stauung des Was­sers zur Regenzeit ist nicht mehr oorgekommen.

s. Utphe, 23. März. Gestern abend fand die Entlassungsfeier der diesjährigen Kon­firmanden statt, zu der fich die Eltern und Angehörigen der Schüler eingefundcn hatten. Es wechselten zweistimmige Lieder und Gcdicht- vorträge der Mädchen. Die Knaben des Jahr­gangs spielten in flotter Weise ein Theaterstück, das viel Beisall fand. Ein Schüler fpielte kleine Viclinstückchen mit Harrnoniumbegleitung, mehrere andere trugen Lieder auf der Schneidcrschen Schulflöte vor. wobei dieses Instrument mannig- sache Verwendbarkeit erwies. Sowohl das ein* und zweistimmige Spielen, als auch die Flöten­begleitung zu Gesang wirkten gut. Lehrer Ar­nold wies in feinen Abschiedsworten besonders auf den Segen der Arbeit im menschlichen Leben hin. Sie gewähre mehr als alles Hasten und Jagen nach Vergnügungen innere Befriedigung und dauerndes wahres Glück. Zum Schluß wur­den noch die ausgelegten Handarbeiten der Mäd­chen. Zeichnungen und Klebearbeiten aus Bunt­papier besichtigt.

Kreis Alsfeld.

-er. Homberg a. d. Ohm, 23. März. Unser Vcrkchrsverein hat in einer Eingabe an den Verkehrsbund Oberhessen, Sitz Gießen, seine Fahrplanwünsche mitgeteilt mit dem Ersuchen, sie an die zuständige Stelle (Direktion der Reichsbahn. Frankfurt a. M.) weiterzuleiten und zu vertreten. Weil aber auf unserer Strecke (BurgRieder-Gemünden Kirchhain) an den Rachmittagen kein Personen­zug verkehrt, so hat er sich weiter dafür ein­gesetzt. den Verkehr einer Autopost in dieser Zeit versuchsweise zu erreichen. Der Wagen der Strecke AlsfeldGroß-FeldaRieder-Gemünden liegt ' nämlich nachmittags untätig in Rieder- Gemünden. Cs wurde erreicht, daß die A u t o « post um 18.50 Uhr in R i e d e r - G e m ü n - den abfährt und um 19.15 Uhr am Marktplätze in Homberg eintrifft. Rach einem Aufenthalt von 15 Minuten erfolgt um 19.30 Uhr die Rück­fahrt und die Ankunft in Rieder-Gemünden um 19.50 Uhr. Vom nächsten Montag ab wird dieser Wagen, genügende Beteiligung vorausgesetzt, $um ersten Male verkehren und vielleicht zu einer dauernden Einrichtung werden. In seiner Sitzung am Freitagabend beschloß der Ge- meinberat einstimmig, auch in diesem Jahre den Prämienmarkt wieder abzuhalten, und zwar am 12. Juni. Wie im Vorjahre, so soll auch in diesem Jahre eine Verlos ung statt- finden, gleichfalls eine Ausstellung land­wirtschaftlicher Geräte und Maschinen, sowie Er­zeugnisse des einheimischen Gewerbefleißes. Mit den Vorarbeiten zu diesem Markte soll alsbald begonnen werden.

ist da» nur möglich, wie konnte der stattliche Mann so schnell sterben?"

Ein Herzschlag, sagt man, Herr Doktor", flü­sterte Isa fast tonlos.Ich allein weiß cs bes­ser, er vergiftete sich, und schuld ist Brigittas Verlobung mit diesem Beilinger."

Weshalb? Um Gottes willen, liebes Fräulein Isa, sprechen Sie?"

Cs starb damals ein alter Patient etwas zu schnell. Pa hat da in seiner grenzenlosen Men­schenliebe wohl ein bißchen nachgeholfen. Bellin­ger aber kam dahinter und drohte ihm."

Erich Blessen, ja, ja: ich ahnte es, wenn ich auch keine Gewißheit hatte: es ist entsetzlich, liebes Fräulein Isa. Also deshalb wurde aus dem klei­nen koketten Backfisch in so kurzer Zeit eine so ernste junge Same.

Eggenbrecht beugte sich in aufwallendem Mit­leid zum Kuß über Isa Hollermanns Hand. So sah er nicht, daß in den gesenkten Mädchenaugen ein kurzes triumphierendes Blitzen aufflammte, das aber schnell wieder verschwand.

Und Sie, Fräulein Isa, weshalb müssen Sie nun Ihr Brot verdienen?" fragte er erschüttert, zu ihr aufsehend.

Ich ging freiwillig. Vater hinterließ kein Ver­mögen: das Haus war mir verleidet. Ich konnte nicht länger den Menschen begegnen, die meinen Vater"

Still, liebe Isa, reden Sie nicht mehr davon, es tut Ihnen zu weh."

So so hassen Sie mich nicht, weil ich die Schwester derjenigen bin, die Ihnen so weh getan hat?"

Wie könnte ich es, Fräulein Isa, jetzt, nach­dem ich alles weih. Hier, meine Hand, auf gute Kameradschaft fern von der Heimat, und

Cggenbracht brach plötzlich ab, bot dann Isa den Arm und führte sie in den Saal zurück.

Du kennst den deutschen Arzt von Hamburg her, Isa?" fragte Ri von Salden, als sie zusam­men im Auto sahen und nach Hause fuhren. Don Salden selbst war noch im Älub geblieben.

Isa Hollermann lehnte tief in den Polstern des eleganten Coupes und gähnte verstohlen.

Gott ja", sagte sie dann.Ich kenne Eggen­brecht von Hamburg, er war Pas Assistenzarzt. Ein ganz netter Kerl, ein bissel schwerfällig und verträumt."

Ist er nicht in dich verliebt, Isa? Du solltest daran denken, dir eine gute Partie zu sichern."

Meinst du. Ri? Run ja, Frau Doktor Eg- genbrecht wäre nicht schlecht, und wenn er will, ich sage vielleicht nicht einmal nein. Schließlich kann ich dir ja auch nicht mehr lange zur Last fallen.'

Davon ist keine Rede, Isa; aber schließlich ist es doch nicht richtig, wenn du hier meine Ge­

sellschafterin mimst. Womöglich läht man es dich gesellschaftlich einmal fühlen."

Das sollte man wagen! Doch, Ri, du hast recht; schmieden wir also das Eisen, solange es heiß ist. Llebrigens will Eggenbrecht morgen seine Aufwartung machen. Hast du etwas da­gegen?"

..Weshalb wohl; es wird hier ohnedies lang­weilig genug werden, das ahne ich bereits. Gott, weshalb blieben wir nicht in Berlin?"

Isa antwortete nicht. Außerdem waren sie jetzt gerade am Ziel angelangt.

Schon vier Wochen später führte Doktor Hans- Jörg Eggenbrecht Isa Hollermann als seine Frau heim.

Sie bewohnten gleich neben der prachtvollen Dilla Saldens ein entzückendes einstöckiges Haus.

Isa verstand es in kurzer Zeit, in der Kolonie tonangebend zu sein. Alles drehte sich um sie.

Kam Eggenbrecht von seiner Tätigkeit überan­strengt nach Hause, so kam es vor, daß seine junge Frau nicht anwesend war.

Aus seine Dorwürfe entschuldigte sie sich mit Verpflichtungen aller Art.

Die ersten Wochen ihrer Ehe glaubte Isa sogar eine Art Liebe für ihren Mann zu fühlen, doch nur allzubald Begann ihr koketter Sinn nach Abwechslung, nach kleinen Flirts auszuschauen. Eggenbrecht war ihr zu ernst, zu schwerfällig in seiner Liebe.

Er ist mir zu deutsch", sagte sie kurz nach ihrer Hochzeit einmal seufzend zu Ri von Sal­den, die ihr Vorwürfe machte.Weißt du, Ri, ich hasse nun einmal alle Sentimentalität. Wahr­haftig, ich sehe immer mehr ein, daß er und meine Schwester Gitta besser zusammengepaßt hätten. Gott ja, man muß sich da eben ein wenig anöertteitig amüsieren."

Wenn es sich dein Mann gefallen lassen wird", entgegnete Frau von Salden mahnend.

Aber Di, ich bitte dich, er wird es gar nicht werten. Mein Gott, er ich ja so verliebt und stolz auf mich. Wer eine schöne Frau heiratet, muh übrigens mit einigen Anbetern rechnen."

Mister Tarn benimmt sich aber, meiner Ansicht nach, etwas zu unverfroren. Glaube nicht, daß dein Mann ein so blinder Taps ist, wie du ihn hinzustellen beliebst. So kurze Zeit ich auch den Geist einer solchen Europäerkolonie studieren konnte, glaube ich doch bestimmt, jetzt schon zu wissen, daß man dich, wenn du es zu weit trei­ben solltest, schon weil man deinen Mann hoch- schätzt, einfach boykottieren würde."

Sie sollen es wagen!" rief Isa hochfahrend.

Vorläufig sah Hans-Jörg Eggenbrecht dem Treiben seiner Frau still zu.

Sein kurzer Glückstaumel war längst verflogen, und er erblickte sie wieder mit seinem kritischen Auge, (Fortsetzung folgt.)