bett anzeigen, unb wo ein Mensch mit Horn und Laterne mitten zwischen Lichtreklame und Autohupen ein merkwürdiger, um nicht zu sagen: lächerlicher Anblick wäre? Und doch gibt es noch eine große Metropole in Europa, wo der Nachtwächter die Stunden abruft, und diese Stadt ist — London.
Allerdings „begeht" dieser Nachtwächter während der Nacht nicht ganz London, was ja ein Ding der Unmöglichkeit wäre, aber er hat noch ein kleines „Reservat" mitten in der Millionenstadt. wo er ungeachtet der vorüberratternden Omnibusse selbstherrlich regiert. Er herrscht in einem Winkel Londons, der sich fast seit dem Mittelalter unberührt erhalten hat und wo heute noch die absonderlichsten Rechte und Gesetze gelten. ES ist dies die Umgebung des Ely-Palastes.
Ely-Palace war früher die Londoner Resi- denA beS Dischofs von Ely und gehörte verwaltungstechnisch zur Grafschaft Cambridgeshire. Innerhalb seines Weichbildes hat die Polizei heute noch keine Macht und kann erst auf Anforderung des Nachtwächters in Tätigkeit treten. Schon in alten Zeiten war daher Ely-Palace die Zuflucht aller möglichen Existenzen, die sich in irgendeinen Gegensatz zum Gesetz gestellt hatten. Dor kurzem ist der bisherige Nachtwächter von Sly-Palace gestorben, und man hätte nun eigentlich erwarten können, die Behörde, die es angeht, würde nun dies mittelalterliche und patriarchalische Ueberbleibsel beseitigen. Weit gefehlt; England ist und bleibt das Land, in dem man am hartnäckigsten an der Tradition hängt, und heute versieht ein neuer Wächter in Em- Palace die romantische Aufgabe, von zehn Uhr abends ob die Stunden auszurufen. Und bei festlichen Gelegenheiten darf er nach wie vor mit seiner goldgeschmückten Uniform und dem Dreispitz paradieren.
BaldwinS Pfeife.
(f) London.
London hat etwas ganz NeueS im Ausstellungswesen gezeigt: eine Parlamentsund Ministeriums-Ausstellung. Erstaunlich, was eS da zu sehen gab:
3n einer blanken Ditrine, unter Glas verschlossen, wie eine kostbare Relique, liegt eine Pfeife, eine ganz gewöhnliche Tabakspfeife, ein .Dasenwärmer", wie man im Volksmunde sagt, auS Weichselholz, knorrig, sehr durch- geraucht und geschwärt, mit ziemlich abgeknabbertem Mundstück. Es ist, wie gesagt, eine ganz gewöhnliche Pfeife, wie man sie in London bei jedem Tabakhändler für 45 Cents kaufen kann. Aber sie hat doch etwas Besonderes an sich, sie gehörte Mr. Baldwin, dem Ministerpräsidenten, dem fanatischen Pfeifenraucher, der diese abgenutzte Pfeife erst ablegte, als seine bessere Ehehälfte ihm erklärte, mit ihm zusammen nicht mehr vor die Tür gehen zu wollen wenn er sich nicht sofort eine anständigere Pfeife anschaffen werde. Das tat er als folgsamer Gatte, und so konnte er die abgelegte Pfeife als Schaustück für die Parlamentsausstellung im Britischen Museum zur Derfügung stellen. Denn man bedenkt, daß im konstitutionellen England der Ministerpräsident das eigentliche Staatsoberhaupt ist, kann man die eminente Bedeutung einer Shagpfeife ermessen, an der ein solcher Ministerpräsident jahrelang gezogen hat!
ES sind interessante Singe auf dieser Ausstellung zu sehen, die greifbare Erinnerungen an alle Premiers der englischen Regierung seit den Tagen Georgs III. zeigt; so z. D. der Staatsmantel des Finanzministers, über den D i s r a e l i und Gladstone seinerzeit eine wenig liebenswürdige Korrespondenz miteinander geführt haben. Bis zu Disraelis Zeiten war eS Gewohnheit gewesen, dah der neue Schatzkanzler diesen Staatsmantel von seinem Dorgänger übernahm. Disraeli jedoch weigerte sich, ihn herauszugeben, und seitdem stellt sich der Schatzkanzler dem Parlament nur noch im gewöhnlichen Anzug vor.
So ist von jedem englischen Premier etwas zu sehen: von Disraeli außer dem genannten Staatsmantel sein Adelsbrief, von Gladstone sein sauber geführtes Haushaltungsbuch, von Lloyd George „fliegende Blätter" mit Notizen zu einer großen Staatsrede, und von Baldwin eine verrauchte, angeknabberte Stummelpfeife.
Provinzialtag Oberhessen.
Am Samstag fand im Regierungsgebäude in Gießen unter dem Vorsitz des Prooinzialdirektors Graef die diesjährige ordentliche Tagung des Prooinzialtags der Provinz Oberhessen statt. Don 35 Prooinzialtagsabgeordneten waren 29 erschienen, 5 fehlten entschuldigt, 1 ohne Entschuldigung.
Bei Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende des verstorbenen Provinzialtagsmitgliedes Direktor May (Gießen). Das Andenken des Verewigten wurde in üblicher Weise durch Erheben von den Sitzen geehrt. Hierauf teilte der Vorsitzende mit, dah der Abg. Christ (D. 23p.), Holzmühle bei Lollar, sein Mandat niedergelegt habe, da er aus der Partei ausgetreten sei. Als Nachfolger für beide Herren wurden Studienrat Prof Friedrich Müller (Büdingen) bzw. Fürsorgeobersekre- tär Fritz Luft (Lauterbach) in den Provinzialtag berufen und jetzt auf gewissenhafte Erfüllung ihres Mandats verpflichtet.
Oer Bericht über bas 1927.
Anschließend wurde der Verwaltungsbericht des Provinzialausschusses für das Rechnungsjahr 1 92 7 ohne Aussprache gegen die Stimme des kommunistischen Mitglieds Schäfer (Bad-Nauheim) genehmigt.
Das Berichtsjahr, das die Zeit vom 1. April 1927 bis dahin 1928 umfaßt, erbrachte der Provinz eine Einnahme von 5 640 271,89 Mark, eine Ausgabe von 5 393 135,16 Mark, mithin einen Einnahmeüberschuß von 247 136,73 Mark, der sich aus einem Barvorrat von 218192,85 Mark und Prooin- zialumlageausständen von 28 943,88 Mark zusam- mensetzt.
Der Provinzialausschuh hat im Kalenderjahr 1927 insgesamt 24 Sitzungen abgehalten. In diesen wurden 122 Sachen mit kontradiktorischem Verfahren und 359 Sachen ohne kontradiktorisches Verfahren verhandelt.
An Stratzenunterhaltunasarbeiten wurde auch im Rj. 1927 wieder eifrig gearbeitet.
An Walzarbeiten wurden auf 6-Straßen 20 203 Kilometer geleistet und dafür 131 491,67 Mk. ausgegeben; die Kosten für einen Kilometer betragen hiernach 6505 Mark; auf v-Strahen wurden 12 452 Kilometer gewalzt, die Kosten hierfür belaufen sich einschließlich der im Rj. 1926 beschafften Materialien auf 87 951,95 Mark, mithin für einen Kilometer 7060 Mark.
An Oberflächenbehandlung (Kaltasphalt) wurden auf 6-Straßen 1663 laufende Meter hergestellt und dafür 15 356,93 Mark aufgewandt, mithin für einen Kilometer 9234 Mark, auf v-Strahen wurden 66 972 Kilometer geleistet und dafür 315 523,95 Mark ausgegeben, mithin für einen Kilo Meter Oberflächenbehandlung im Durchschnitt 4710 Mark.
In besonderer Herstellung auf v-Straßen aus Anleihemitteln und aus Mitteln der Kraftfahrzeug- steuer wurden im Berichtsjahre 28 194 Kilometer mit Kleinpflaster versehen. Die Stoffen dieser Kleinpsiasteranlagen, einschließlich Ortsdurchfahrten, betrugen insgesamt 1 794 315,59 Mark, für die Stra- ßenstrecken innerhalb der Ortsdurchfahrten wurden von Gemeinden und Städten 199 657,78 Mark ersetzt, so daß für die Provinz 1 594 657,81 Mark verbleiben. Die Provinz hatte im Durchschnitt für einen Kilometer Kleinpflaster im Rj. 1927 - 63 630 Mark aufzubringen. Der gegen den Voranschlagsbetrag von 60 000 Mark höhere Preis wurde bedingt durch notwendig gewordene umfangreiche Straßen- und Bankettregulierungsarbeiten.
Mit Lopeka-Gußasphalt wurden 8,130 Kilometer versehen. Die Kosten dieser Topeka- decke betrugen einschließlich der Ortsdurchfahrten 534 557,20 Mk., von Gemeinden und Städten wurden 37 433,83 Mk. erseht, so daß für die Provinz 497 123,37 Mk. verbleiben. Die Provinz hatte im Durchschnitt für einen Kilometer Topeka- decke tm Rj. 1927 = 53050 Mk. aufzubringen.
Bei den angegebenen Kosten und Durchschnittspreisen sind Verwaltungskosten und der Kapiteldienst nicht mit eingerechnet.
Oer Haushaltsvoranschlag für 1929.
Das Haus wandte fith nunmehr der Beratung des Haushaltsvoranschlags für d i e Provinz O b e r h e s s e n für das Rechnungsjahr 1929 zu, der — wie von uns schon berichtet — in Ein- nähme und Ausgabe mit 5 844 609 Mark, gegen 5 775 024 SOtt im Vorjahre, abschließt. Prooinzial- direktvr Graes ggb einleitend einen kurzen Lieber«
blick über den Voranschlag und erörterte dabei vor allem die Aufwendungen der Provinz für die Straßenunterhaltung, die wir ebenfalls schon in un- lerer Nr. 64 vom 16. März eingehend behandelt haben. Weiter betonte Provinzialdirektor Graef, daß bei dem neuen Voranschlag mit Rücksicht auf die starke Belastung der Wirtschaft von einer Erhöhung der Prooinzialumlagen Ab- st and genommen worden sei, ober ebensowenig die Rede sein könne von einer Steuersenkung, so lange die Straßenunterhaltung noch so erhebliche Mittel erfordere, wie gegenwärtig. Die jetzige Gestaltung des Voranschlags sei nur unter der Voraussetzung erreicht worden, daß eine Kürzung der Steuerüberweisungen an Länder, Gemeinden und Gemeindeoerbände nicht eintrete. Sollte eine solche Kürzung dennoch kommen, so fei sie für die Provinz untragbar und werde sich in ihrer Auswir- kung dann nur bei der Straßenunterhaltung bemerkbar machen.
In der Einzelberatung des Voranschlags teilte Provinzialdirektor Graef u.a. mit, daß der Pro- vinzialausfchuß in nächster Zeit in Erwägung ziehen müsse, auf welche Weise die jetzige verstreute Lage der Diensträume der Provinz Oberhessen in Gießen zu beseitigen, also der Verwaltungsappa- rat zu zentralisieren sei.
Der kommunistische Abgeordnete Schäfer (Bad- Nauheim) beantragte u. a. die Streichung der Beiträge an die Gießener Hochschulgesellschaft und an die Darmstädter Hochschulgesellschaft, ebenso die Streichung des Provinzialzuschusses an das Gießener Stadttheater; bei feinen Anträgen gegen die Gießener und die Darmstädter Hochschulgesellschaft blieb er allein, bei dem Antrag auf Streichung des Zuschusses an das Gießener Stadttheater stimmte Abg. Fenchel (Ober-Hörgern, Landbund) mit ihm; beide Anträge verfielen somit der Ablehnung.
Bei der Beratung des Kapitels „Straßen- b a u t» e f e n" wurden eine Anzahl Wünsche vorgebracht. Abg. Kissel (Bad-Nauheim) ersuchte um baldige Herstellung Der Straße Ockstadt—Bad-Nauheim; die Abgeordneten Jost (Bermutshain) und Weidner (Herchenhain) forderten stärkere Berücksichtigung des hohen Vogelsberges bei der Neuher- cichtung von Straßen; Abg. Fenchel (Ober. Hörgern) und Abg. Breidenbach (Dorheim) er« suchten um entgegenkommende Behandlung der Besitzer von Dreschmaschinen beim Transport ihrer Maschinen auf den Landstraßen und um Nieder- schlaaung der bisher gegen verschiedene Dreschmaschinenbesitzer verhängten Geldstrafen wegen Verstöße gegen Verkehrsbestimmungen der Provinz; die Abgeordneten H i l d n e r (Büdingen) und Walz (Lauterbach) ersuchten um gleichmäßigere Berücksichtigung der oberhessischen Basaltwerke bei der Erteilung von Aufträgen zur Lieferung von Stra» ßenbaumaterial, damit die Beschäftigung der Ar- beiterschast in gleichmäßiger Weise möglich werde, ferner um Belastung der Straßenwarte für L-Straßen bei den Arbeiten auf diesen Straßen und um Heranziehung anderer Arbeitskräfte bei Neuherrichtung auf v-Straßen. Die Verwaltung gab entgegenkommende Zusicherungen.
Bei Der Beratung des Kapitels „Finanz- und Steuerwesen" machte Prooinzialdirektor Graef besonders darauf aufmerksam, daß die Provinzial umlagen auch im neuen Rechnungsjahre nach den vorjährigen Sätzen erhoben werden.
In Der Gesamtabstimmung wurde der Voranschlag mit allen Stimmen gegen die Stimme des kommunistischen Abg. Schäfer (Bad-Nau- heim) angenommen. Damit wurden auch die von uns bereits rnitgetcilten Pläne Der Provinzial- verwaltung hinsichtlich Der Anleiheaufnahme in 1929, Die geplanten Straßen- unD Brlickenumbauten und Die Absicht Der Vergebung von Materiallieferungen im Herbst 1929 zu Listen des Rechnungsjahres 1930 genehmigt.
Wasserwerk Inheiden.
Der Rechenschaftsbericht für 1927 weist in Der Betriebsrechnung einen Abschluß von 895 214,99 Mark, in Der 23 er-- mögensrechnung von 1 180 845,14 Mark in Einnahme und Ausgabe auf. Der Bericht wurde ohne Aussprache genehmigt.
Der Voranschlag des Wasferwerks Inheiden für 1921) sieht in der Betriebs- r e ch n u n g Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 841400 Mark, in der Vermög-ensrech-
nun® einen Abschluß von 615 565 Mark vor. Wurde gleichfalls debattelos genehmigt.
Lleberlandrverk Oberhessen.
Der Rechnungsabschluß für 1 927 zeigt die Bermögensübersicht nach dem Stande vom 31. März 1928 mit einem Abschluß von 10 721 825,40 Mk., den Abschluß des Betriebsergebnisses am 31. März 1928 mit 3 292 860,98 Mark, das Betriebsergebnis des Wasserkraftwerkes Lißberg mit 114 401,51 Mk. wurde genehmigt.
Der Boranschlag für das BetriebS- j a h r 1 9 2 9 schließt in Einnahme und Ausgabe
mit 4 000 000 Mk. ab und wurde gleichfalls glatt angenommen.
Bei all diesen Abstimmungen gab der kommunistische Abgeordnete Schäfer seine Stimme gegen die Derwaltungsvorlagen ab.
Trägerschast für Unfallversicherung.
Am Schlüsse der Sitzung wurde noch einem Antrag des Provinzialausschusses auf lleber- nahme der Trägerschaft für die durch das Gesetz vom 20. Dezember 1928 der Unfallversicherung neu unterstellten Betriebe und Tätigkeiten zugestimmt, ebenso ein Auszug aus der Rechnung des Ueberlandwerkes Oberhessen (Dau) für die Rechnungsjahre 1924 bis 1927 genehmigt.
Turnen, Sport und Spiel.
Deutscher Fußballbund.
Der gefchästsführende Ausschuß des D. F. D. hielt am 23. und 24. März in Frankfurt a. M. eine umfangreiche und sehr wichtige Tagung ab. Fragen der Verwaltung und Organisation, der Hochschule für Leibesübungen, der allgemeinen Jugenderziehung, der Anstellung von Sportlehrern, der Schlichtung von Streitfällen, u. a. m. wurden eingehende Aussprachen gewidmet. Im besonderen Interesse standen die in diesem Jahre noch auszutragenden Bundesspiele.
Für die Länderspiele gegen Italien am 23. April in Turin und gegen Schweden am 23. Juni in Köln sollen aus Prestigegründen die denkbar stärksten Mannschaften aufgestellt werden. Gegen Italien wird im wesentlichen die gegen die Schweiz in Mannheim erprobte Els antreten, doch sind endgültige Entschließungen noch nicht gefaßt worden. Die in einem Teile der Presse als mutmaßliche Vertretung bezeichnete Elf entspricht jedoch nicht der Auswahl des Bundes. Anfangs April ist mit der amtlichen Bekanntmachung der Mannschaft zu rechnen. Das Spiel gegen Schottland am 2. Juni in Berlin wird von einer Mannschaft bestritten werden, an der süddeutsche Spieler nicht beteiligt sein werden. Heberhaupt sollen Spieler eines Vereins nach Möglichkeit nicht mehr als dreimal im Jahre für Zwecke des Bundes Verwendung finden.
Das am gleichen Tage wie das Länderspiel in Italien auszutragende Dundespokal-End- spiel zwischen Norddeutschland und Berlin wird in Berlin ausgetragen werden.
Arn 20. Oktober ist dann noch in Hamburg das Länderspiel gegen Finnland vorgesehen. Nähere Besprechungen hierüber wurden auf eine spätere Sitzung zurückgestellt.
Die Neufestsetzung der Termine für die D. F. B. -Meisterschaft ergab folgende Regelung: die Vorrunde wird am 16. Juni ausgetragen, die Zwischenrunde am 30. Juni, evtl, sogar am 29. Juni (Peter-und-Paul-Tag), damit der 30. als Iugendspieltag möglichst ungestört durchgeführt werden kann. Rach dem Semi- Finale am 7. Juli soll dann am 14. Juli das Endspiel folgen. Die Austragungsorte der einzelnen Spiele können natürlich erst an Hand der weiteren Entwicklung bestimmt werden.
Weniger aus finanziellen Erwägungen, als vielmehr im Hinblick auf die stark reduzierte Leistungsfähigkeit der beteiligten Mannschaften wurde von einer Austragung des Bundes-Endspieles im August Abstand genommen. Hnbe- kümmert um die Verwendung der beiden ersten Sonntage im Juli soll das Spielverbot für diesen Monat aufrechtechalten werden.
In der Angelegenheit des Hamburger Sportvereins (H.S.V) wegen einer Neuregelung der Verteilung der Einnahmen aus den Endspielen um die D.F.B.^Weisterschaft wurde das Vorgehen des H.S.V. als fachlich imbegründet, der Form nach alS vollkommen inkorrekt bezeichnet. Der Weg über den Vorstand des N.F.D. wäre allein der richtige gewesen. Eine Aendcrung des Verteilungsschlüssels kann sahungsgemäß nur von dem ordentlichen Bundestage vorgenommen toerben. Der Bundesvorstand wird noch fest- ftellen, ob der H.S.V. hinter den Maßnahmen und Doykottdrohungen seines Vorstandes steht. Gegen alle Vereine, die sich dem Schritte des H.S.V. anschließen sollten, müßte mit Disqualifikation vvrgegangen werden. An Stelle derart disqualifizierter Meistervereine würden die nächsten Anwärter ihres Verbandes an den D.F.D.- Schlußkämpfen teilnehmen.
Schließlich wurden noch mehrere Wettspielgesuche gegen ausländische Berufsspielermannschaften (sog. „Lehrspiele") auf Grund bestehender Beschlüsse ausnahmslos abgelehnt.
Kußball in Hessen-Hannover.
Spiel und Sport Nordheim — V. S. L. Sport Kassel 1:1.
Die Kasseler Mannschaft trat mit einigen Ersatzleuten an und fand sich nur langsam zurecht. Die Nordheimer zeigten sich als kampfkräftige Gegner und zwangen Die Kasseler Mannschaft Die volle Entfaltung ihrer Kräfte ab. In techniscl)er Beziehung war Sport Kasiel die bessere Mannschaft.
Sportclub 03 — Hermannia Kassel 2:1 (1:1).
Die 03er mußten bei diesem Spiel auf ihren bewährten Mittelläufer verzichten. Die Mannschaft zeigte nicht Die Leistungen des Vorsonntages. Ein unentschiedenes Ergebnis hätte dem Spielverlauf eher entsprochen.
Iura Kassel — Kurhessen Marburg 5:2 (1:1).
Die Kasseler Mannschaft trat in einer veränderten Aufstellung an, Die sich bewährte. Namentlich der Millelläuferposten war sehr gut besetzt. Das Spiel war zuerst vollkommen ausgeglichen. In Der zweiten Spielhälfte setzte sich die kampfkräftigere Kasseler Mannschaft besser durch und konnte in dieser Spielhälfte allein vier Tore erzielen. Denen die Gegner nur noch einen Erfolg entgegensetzen konnten, und zwar durch Den famosen Halbrechten.
Kußball in Güddeutschland.
Der gestrige letzte Verbandsspielsonntag verstrich nicht ohne eine große Anzahl bemerkenswerter Ueberrafd)ungen. Namentlich in Der
Runde der Meister
entsprach nicht ein einziges Resultat vollauf Den Erwartungen. So wurde zunächst Die erste inoffizielle Begegnung um Die Meisterschaft Des Mainbezirks zwischen Dem mainischen und dem hessischen Gruppenmeister, Eintracht Frankfurt und Wormatia Worms, in Worms ausgetragen und von Den Hessen gewonnen, trotzdem Die Frankfurter mit verstärkter Mannschaft antraten. Sie verloren gegen Den in bester Form befindlichen Gegner mit 1:3 Toren.
Auch Der 1. F. C. Nürnberg befrieDigte absolut nicht. Er konnte in Karlsruhe gegen Den K. F. D. trotz sehr rücksichtslosen Spiels nur ein 0:0 erzielen unD büßte somit Den ersten Punkt ein.
Der V. f. L. Neckarau büßte auf seiner Reise nach Neunkirchen überraschenDerweise einen Punkt ein. Denn er erreichte gegen Borussia nur ein 2.2.
Sehr tapfer hielt sich Germania Brötzin- gc n, die auf eigenem Platze gegen Bayern München nur ein 2:3 einzustecken brauchte.
Runde Dec Zweiten und Dritten.
Auch in Der Gruppe NorD gab es Resultate, Die allen Erwartungen zuwiDerlausen. Im Frankfurter StaDion verlor Union NiederraD als platzbauender Verein gegen F. Sp. V. Frankfurt mit 0:2 Toren. BeiDe Parteien spielten hierbei sehr mäßig.
Der S. V. Waldhof Mannheim war al» sicherer Sieger gegen den in seiner Form zurückgegangenen V. s. L. Neu-Isenburg erwartet worden. Beide Mannschaften teilten sich jedoch mit 1:1 Die Punkte.
Der 23. f. 9t. Mannheim ließ sich sogar auf eigenem Platze von Dem Letzten Der Tabelle, Saar 05 Saarbrücken, mit 2:4 Toren schlagen.
Nur Der F. Sp. V. 0 5 Mainz befrieDigte vollauf feine Anhänger und sandte Den 1. F. E. 07 IDar mit 3:1 geschlagen nach Hause.
Gruppe SÜD. Hier ging es nicht ganz so anormal zu. Die Sv. V g g. Fürth schüttelte Die Stuttgarter Kickers mit einem glatten 4:0 ab.
Schwaben Augsburg behielt über Ph ö- n i x Karlsruhe knapp mit 3:2 Toren die Oberhand.
Das erwartete Unentschieden gab es mit 3:3 Toren zwsschen Dem S. D. 18 6 0 München und Dem 21. 6. Nürnberg.
Nach manchen bitteren Niederlagen erfocht der D. f. B. Stuttgart diesmal wieder einen Sieg. Mit 3:1 triumphierte er über den F.E. Freiburg.
DeutscheZechierinkimmVndOl st
Wohl über 1000 Zuschauer hatten sich am Samstag in der Redaute in Budapest eingefunden, um Zeugen interessanter Kämpfe zu sein.
Im ersten Florettkampf siegte Frau 01 r a Oelkers über die Ungarin Fräulein (i r r. a Dogen mit 6:4.
Mit dem gleichen Resultat war auch Frä -n Helene Mayer über Frau G isela T a .) erfolgreich.
Frgulein T a r h war dann gegen F au Oelkers ziemlich überlegen und siegte mit 6:1.
Den schönsten Kampf lieferten sich zum 6.' 3 Helene Mayer und Fräulein Dogen, Den die deutsche Meisterin mit 6:2 gewann.
Handball der D. T.
Vorspiele
um die kireismcisterschafl des Miltelrheinkrelser.
Tv. Marstadt — To. Nied 5:0.
Turnerinnen:
To. 70 Mainz — Tv. Arheilgen 9:0.
Gau Frankfurt (WanDerpreisspiele, erste Runde): Polizei Frankfurt — Wartburgverein 9:1.
T. G. Eintracht — T. G. Rödelheim 6:1.
T. u. F. C. Frankfurt — S. E. Eschersheim 8:7.
Tv. Sachsenhausen — T. G. Sachsenhausen (B) 11:1. T. G. Sachsenhausen (A) — T. G. Bornheim 3:0.
Süddeutsche Handballmeisterschast.
V.f.A. Kaiserslautern — Polizei Darmstadt 3:4 (1:4).
Sp -Vgz. Fürth — Stuttgarter KickerS 8:2 (_:2).
Damen. Sportfreunde Landau — F. Sp.-V- Frankfurt 2:0.
Lim den süddeutschen Handballpokal.
Dei regnerischem Wetter kamen am SamStag in Mannheim zwei Spiele um den süddeutschen Handballpokal zur Durchführung. Der V. f. R. M a n n h e i m schlug nach überlegenem Spiel in der zweiten Hälfte M. T. G. Mannheim 5:1 (2:1). Die zweite Begegnung zwischen S. V. W a l d h o f und Phönix Mannheim endete dagegen 3:3 (1:1) unentschieden.
^0.Rhön-Sege.flug-WettbewLrb^9r9
Die Ausschreibung des 10. Rhön- Segelflug-Wettbewerbs 1929 ist jetzt erfolgt. Er findet in der Zeit vom 18. Juli bis 1. August auf Den Hängen und benachbarten Höhen der Wasserkuppe statt. Der Wettbewerb ist o.fen für Flugzeuge ohne Motore. Für die einzelnen Wettbewerbe steht wieder eine Reihe von namhaften Preisen zur Verfügung. So beträgt die Gesamtpreissumme für den Schulungswectbewerb 5500 Mark, für den Aebungswettöewerb 4500 Mk. und für den Leistungswettvewcrb 8000 Mk. Außerdem steht dem Preisgericht noch eine Preisreserve von 2000 Mk. zur Verteilung von Prämien nach eigenem Ermessen zur Verfügung. Meldeschluß ist der 22. Juni 1929, mittags 12 Uhr.
Cambridge — Oxford.
Der traditionelle Achter - Ruderwett- kamvf Cambridge — Oxford kam am Samstagnachmittag auf der 6840 Meter langen Themsestrecke zwischen Putney und Morilake zum 81. Male zum Austrag. Die Mannschaft der Universität Cambridge zeigte sich ihrem Gegner weit überlegen und siegte mit sieben Längen unangefochten in 19:25 Minuten. --- Von den 81 Bewegungen haben beide Universitäten je 40 Rennen gewonnen, während einmal, und zwar im Jahre 1877, unentschieden gekämpfÜ wurde.


