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Nr. 47 Drittes Blatt
Eietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)Montag, 25. Februar 1929
Dsr Dotkstrauertag in Gießen.
Trübe und regnerisch, mit starkem Tauwctter nach dem wochenlangen strengen Froste, kehrte der gestrige Sonntag, der Volkstrauerlag 1 9 2 9, bei uns ein. Die städtischen Gebäude zeigten die Reich sfiagge und die Landesfarbcn auf halbmast. Ein Tag, der in seinem ganzen Verlaufe völlig zu dem Ernst der Gedanken stimmte, die wohl bei den meisten Mitbürgern in Stadt und Land bei der Erinnerung an unsere gefallenen Brüder lebendig wurden.
Der Vorstand der Gießener Ortsgruppe des Volksbundes Deutsche Kricgcgräberfürsorge hatte bereits am Samrtagnachmittag auf dem deutschen Helden- friedhof und an den Ruhestätten der fremden Soldaten auf dem Neuen Friedhof, sowie am 116er- Denlmal auf dem Landgraf Philipp-Platz und an bim Ehrenmal der Universität in der Ehrenhalle für die Gefallenen unserer Aln?a mater Kränze nie- dergelcgt. In den Dormittagrgottesdiensten des gestrig.n Sonntags wurde in den Predigten unserer auf dem Felde der Ehre gebliebenen Brüder gedacht, die Mittagsstunde des Sonntags brachte dann in der Neuen Aula der Universität die von der Ortsgruppe Gießen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge veranstaltete
Gedenkfeier zu Ehren unserer gefallenen Krieger.
Der weite Raum der Aula war nahezu bis auf den letzten Platz besetzt. Wie in den bisherigen Jahren. so waren auch g stern alle Behörden vertreten.
Unsere Gießener Militärkapelle unter Le.turg des Obermusikmcisters L ö b e r leitete die würdige Ecdenlstun^e mit dem Andante con moto aus Beethovens 5. Symphonie in-weihevoller Weise ein. Danach sang Frau Dr. W e y l mit prächtiger Stimme, fein begleitet von der Militärkapelle, die ergreifende „Litanei" von Franz Schubert. Hierauf folgte die
Gedenkansprache von (Studienrat Prof. £>r. Schmoll.
Mit eindringlichen Worten stellte der Redner in formvollendeter Ansprache die gewaltige Größe des Opfers unserer Gefallenen den Zuhörern vor die Seele, und er ermahnte die Lebenden zu der rechten Schlußfolgerung aus diesem Opfcrtode unserer gefallenen Krieger. Aus der Ansprache geben wir folgenden Auszug wieder:
Dolkstraue-tag! Nach den Ungeheuern Opfern des Weltkrieges hat sich des deutschen Volkes in weiten Kreisen der Wunsch bemächtigt, an einem besonderen Tage des Jahres dieser Opfer zu gedenken, einen Tag zu schaffen, an dem eirmnl die politische, parteiliche nnb konfessionelle Streitart begraben wird, an dem ein ganzes VoU in Trauer seiner gefallenen Söhne g'edcnlen will. — Und doch begegnet ein solcher Tag stillen, dankbaren Gedenkens vielfacher Ablehnung.
Woher diese Ablehnung? Einmal aus der Leichtlebigkeit heraus, mit der viele Volksgenossen knapp zehn Jahre nach Beendigung des ungeheuren Ringens am liebsten überhaupt nichts mehr hören wollen von dem, was 1914 bis 1918 geschah, weil jenes übermenschliche Geschehen sie vielleicht in ihrem Genuß stören, ihr Gewissen am Ende unruhig oder bedenklich machen könnte. Daneben andere, gewiß zum Teil mit edelsten Beweggründen, denen die Losung „Nie wieder Kriegs, ein heiliges, glutvolle' Evangelium ist, weil sie schaudernd nur die Verwüstung sehen, die ein Krieg im Gefolge hat. Und eine Mhe Gruppe: die Unzahl gen, die auf die Frage: „Warum sind meine Lieben gefallen, wofür sind sie gestorben?", keine befriedigende Lösung finden.
Liegt nicht bei ihnen allen, bewußt oder unbewußt, doch eine bedauerliche Undankbarkeit vor? Wollen wir uns von unseren ehemaligen Feinden in dieser Beziehung beschämen lassen? — Nein!, wir sind es euch schuldig, ihr deutschen Soldaten,
Das große Gramn.
Vornan von p. A. von Byern.
Llrheber-Rechtsschuy d.-.rch Verlag Oskar Meister. Werdau.
15 Fortsetzung Nachdruck verboten
Ausführlicherer Bericht nach den Aufzeichnungen meines Jagdtage- b u ch e s.
Am 20. 3uni 1903.
Bor einer Stunde sind der Vinzenz von Qln» drian und Frau Socherl aogereist — heim, nach Tervfal. Waren das ein paar nette, gemütliche Ta'e! Und nun bin ich auch wieder ganz beruhigt, habe damals doch wohl nur Gespenster gesehen, als ich glaubte, daß... Wie ein paar Turteltauben leben die beiden, sind so harmlos glücklich, so zufrieden und unzertrennlich, daß einem das Herz weit wird, wenn man all dies strahlende, jun Glück sieht.
Drei brave Böcke hat sich der Vinzenz geholt, und drei die Allcrznädigste — saurer, alle mit guten Dlattschüssen, ossne Nach'uche, o)ne Fangschuß. Lind gestern abend hat "sie noch einen weiß- bunten Keiler, eine große Sau van dritteinhalb Zentnern gest.eckt. war rein närrisch vor Freude, will das Hauptschwein präpa.iwen lassen, weil es ihr erster „Bunter" gewesen ist. — Da, also, da haöe ich dm lieben, lieben Menschen doch ein bissel etwas 5ie.cn können: denn sonst ist nicht viel Staat zu machen, bin halt e.n grämlicher Junggeselle, ein richtiger Höhlendachs, der auf Gottes weiter Erde nichls anderes zu tun hat, als seinen Kohl zu bauen, mit guten Freunden und getreuen Nachbarn zu jagen und hinter dem Humpmr zu sitzen. Am letzten Birschabend habe ich Frau Sopherl begleitet. Llnterwegs tarnen wir ins Gespräch:
„greuen S'e sich denn auf Terosal?"
„O ja — schon...“ Es klang nicht ganz überzeugend. Und nach e nem kleinen Weilchen: „Lest sind ja Perneggs in dec Bäh', da ist man nit mehr ganz so einsam."
„Aber wenn d'.e langen Winteraberrde kommen""
„Ach, dann reis'n wir halt wieder, der Poldi Pürlstein quält allwril, daß wir eine Saison in Wean mitmachen solLn."
„Und die Jagd?"
„Alles kann map nit haben" seufzte sie ein klein wenig. „Freilich — Kis-Grdö wär' mir
daß wir eurer in Dankbarkeit und mit S t o I x gedenken. Mit Stolz! Wer den Krieg wirklich gesehen hat, der kennt seine Schrecken, der ist auch weit davon entfernt, leichtfertig seine Wiederholung zu wünschen. Der kennt aber auch das Große und Hohe, die Selbstüberwin- düng, die den Menschen befähigt, sich aufzuopfern für fein Volk und Vaterland. Und jeder gefallene Kamerad mahnte zu gleicher Treue und Hingabe. Sie starben für eine leuchtende Idee: für Deutschlands Freiheit und Größe. Sie kämpften jedenfalls alle für den Fried en und fii.^ dafür gefallen. Wäre es nicht so, so wären die einen nicht mit einem Lied auf den Lippen in den Tod gestürmt, dann hätten die anderen nicht, zumal in den letzten Jahren des Krieges, die namenlosen Entsagungen auf sich genommen, und sei es mit zusammengebissenen Zähnen unter dem Kreuz der eisernen Pflicht, dann hätten sie nicht alle den herben Trennung^schmerz von ihren Lieben, auf sich genommen, dann hätte nicht ein deutscher Arbeiter das Bekenntnis geformt: „Deutschland muß leben, und wenn w i r sterben müssen." Sind es nur Träumer und Schwärmer, die so sprachen und danach handelten? Wie bitter nötig ist es, die Erinnerung an das stille und große Heldentum, auch des einfachsten Soldaten Immer wieder wachzurufcn?
Vo.ks trauer tag! .Was sollen wir nun euch sagen, all ihr Hinterbliebenen und unmittelbar Geschädigten, den Zeugen für das grauenvolle Elend eines langen Krieges? An einem Tage wie dem heutigen brechen alte Wunden auf; zermartern sich Herz und Hirn mit der bangen Frage: Warum? Und noch dazu: Umsonst! Die Antwort auf solche Fragen kann nur aus der Tiefe kommen. Wer sich nicht zu der religiösen Antwort ausschwingen kann: „Gott hat es gelitten, wer weiß, was er gewollt!", der soll wissen, daß es im Weltgeschehen nichts Sinnloses gibt, baß ein wirkliches Opfer stets einen wirklichen Gewinn mit sich bringen muß. Auf die Gräber draußen setzte man. wenn's irgend ging, ein einfaches Kreuz. Es sollte und wollte sagen: ..Vom Kampfgebrause ruht hier ein Krieger aus. Cr kam nicht mehr nach Hause, und doch ist er zu Haus." Lind dieses Kreuz sollte über die Vergänglichkeit hinausweisen in die Ewigkeit, wie je-es einsame Kreuz auf Golgathas Höhe sich erhebt als das ewige Sinnbild vom Wert und Wirkung stellvertretenden Leidens und Sichaus- opferns. — Aus dem Leid aber wächst Kraft, und aus tiefem Leid wuchs noch immer auch höchste deutsche Kraft.
Lind so sei noch ein Letztes gesagt: Wir ehren unsere gefallenen Bruder nicht, wenn wir nur um sie trauern, es gibt eine Trauer, die ist unfruchtbar und tot, weil ihr die unbeugsame <*u» verficht einer besseren Zukunst fehlt. Wir wollen deshalb auch un'er großes Leid so tragen, daß eseineTat wird. Die Toten, die heute wieder vor uns ausstehen. rufen es uns zu: Deutschland muß leben! Möchten ihre Geisterstimmen hineinklingen in unser in Parteigezänk sich verzehrendes, kleines Geschlecht. Vicht zu neuen Kriegen, aber d i e satanische Lüge von Deutschlands Schuld am Kriege muß fallen, das sind toir ihrer Ehre schuldig. Wenn auch waffenlos, dürfen wir kein Opfer scheuen, bis unser Land wieder frei ist vom Feinde, der seinen Boden nicht betreten tonn'e, solange s i e lebten und kämpften. S i e fielen auf dcm Schlacht- selbe, so wollen w i r uns vergeh ren im Dienste für Volk und Vaterland.Horen wir ihr Vermächtnis: „Haltet das Werk am Leben, dann ist kein Geopferter tot. Klagt nicht, schafft!" (Karl Tröger.)
Ter Abschluß der Feier
brachte den cindrucksstarten Gesang von Frau Dr. Wehl der Brahrns'schen Komposition
schon lieber, vielleicht ziehen wir doch mal ganz hin..."
Das war mir neu. Mein Freund hatte niemals irgendeine Andeutung gemacht, überhaupt, der Vinzenz von Andrian tat immer genau das, was das Sopherl wollte, war noch ebenso verliebt tote als Bräutigam... Ich hing rr.ei ten Gedanken nach, genoß die weiche, träumerische Stimmung des Frühsommerale:ds. Irgendwo in dem grüngoldener Laubgewind flötete ein Pirol: „Mädel Bier hol ! - D er hol I" R t- schend strich ein Eichelhäher über die Schneite, daß man die blau und schwarz gebänderten Spiegel der Flügeldecken deutlich erlernen konnte, und als graubrauner Schatten geisterte ein starkes Sperberweibchen zwischen den Erlenstärnmen hin. — Drüben im Bruchholz bäumten gockead Fasanen auf, starr und steil, gleich brennenden Kerzen, standen gelbe Schwertlilien an dem morastigen Abzugsgraben. Kein Windhauch regte sich. Weiße und violette Taubnesseln, goldgelber Löwenzahn und tiefblaue Glockenblumen woben ein buntes Muster in den dichten, grünen Teppich der Waldwiefe, leise, ganz leise zitierte bas Ratzgras, als würde es von Weichen, gütigen Händen gelte ölost. Ein brandroter Fleck vor der dunklen, geschlos e ren Ma se der Fichtendeckung — Glas hoch — eine Dille mit zwei Kitzen.
Und in das Schweigen hinein fragte die junge Frau neben mir unvermittelt:
„Glauben Sie eigentlich an eine Seelenwanderung?"
„Ob ich... was?!"
Sie lächelte ein wenig befangen.
„Es fiel mir nur g'rad so ein, i hab' da neulich ein Buch g'les'n, a.er da stand eigentlich nichts drin, als daß der g'lehrte Herr, der 's g'schrieb'n hat, g'rad so wenig weiß wie wir andern."
„Eine solche Frage läßt sich auch nicht mit einem Ja oder Vein beantworten und — wissen? Man kann höchstens von glauben spreche, i..
„Das hab' ich auch g’meint, schauen S, Baron, manchmal ist mir so, als Hütt' ich das alles schon einmal erlebt, früher.. aber nit als Mensch...“
Ich versuchte, die Sache ins Scherzhafte zu ziehen!
„Gnädige Frau, ganz offen gestanden, mit Theosophie habe ich mich niemals näher besch-f- tigt, bin sogar ein recht schlechter Christ', denn in die Kirche komme ich nur alle Jubeljahre mall"
„Denn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete" und die ausgezeichnete Wiedergabe der Beethoven schen Ouvertüre zu Goethes Trauerspiel „Egmonf durch die Militärkapelle.
Um 1 Uhr mittags erklang von den fiird)türmen feierliches Stauergeläute zum Gedenken an unsere loten Krieger.
Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß Herr L. Keller, Wilhelmstr. 47, im Schaufenster des Dlumenhauses Diez. Selters
weg. ein Bild des im Jahre 1914 bei Mois- lains (Frankreich) hergeslei.ten Sammelgrabes ausgestellt ha!. Dort rutzen 1050 Krieger, und zwar 300 deutsche Brüder und 750 französische Soldaten. Das Grab, das bei der Bildaufnahme von einem deutschen Soldaten und einem Franzosen in Zivil gepflegt und bewacht wurde, hat fast die Länge eines ganzen Ackers. Am Kopfende zeigt es ein großes Birkenholzkreuz. älnferc Mitbürger mögen diesem Bilde ihre Aufmerksamkeit zuteil werden lassen.
Tumen, Sport und Spiel.
Iußball-LoMamps in Gießen.
Das gestrige Treffen zwischen der S p i e l v e r - einigung 1 9 0 0 und dem V. f. B. auf dem 1900er-Platz wurde infolge der überaus ungünstigen Witteruugs- und Platzverhällnisfe nicht als Ver- banbsfpid, sondern als Gesellschaftsspiel ausgetragen. Der Schiedsrichter wollte im Hinblick auf die üblen Bodenverhältnisse anfangs das Spiel überhaupt nicht ftattfinben lassen, jedoch einigte man sich schließlich auf ein Gesellschaftsspiel, um den etwa 800 Zuschauern keine allzu große Enttäuschung zu bereiten. Das Spiel endete mit dem Ergebnis 7:1 (4.0) für V. f. B. Gießen. Näherer Bericht folgt.
Iußhall-Entscheidung in Kassel.
Das letzte Meisterschaftsspiel in der Südgruppe des Bezirkes Hessen-Hannover zwischen Kurhessen Kassel — Kurhessen Marburg brachte gestern der Kasseler Mannschaft einen verdienten 4:l°Sieg und Damit die Grup - penmei st erschuft. Kurhessen Kassel toar technisch und taktisch überlegen. Die Marburger, die sich in der Hauptsache auf schnelle Durchbrüche beschränkten, fanden in der gegnerischen Verteidigung ein Bollwerk, das sie nicht überwinden konnten.
Fußball in Güddeuischland.
Vach wie vor sind die Sportplätze _in allen deutschen Gauen noch nicht wieder spiel,ähig. Der süddeutsche Verband hatte es deshalb feinen Vereinen freigestellt, gestern die Punk.kämpfe auszutragen oder auS.allen zu lassen. So waren schließlich nur 5 Treffen ins Auge gefaßt worden, von diesen aber mußten zwei doch wieder ausfallen, da sich die Hoffnung, spielen zu können, als trügerisch erwies. Es handelte sich hierbei um das Meisterschaftstrefien Wormaiia Worms gegen Germania Brötzingen und um den Trostrundenkampf D. f. B. Stuttgart gegen S. D. 1850 München.
In Nürnberg schlug der 1. F.C. Nürnberg Borussia Neunkirchen iwch weit höher, als im Vorspiel. Hatte er damals 5 :1 gewonnen, so begnügte er sich diesmal erst bei einem 11 :0.
Auch die Sp. Vgg. Fürth, die ihre Veranstaltung auch auf den Platz des 1. F.C. Nürnberg verlegt hatte, gewann gegen Phönix Karlsruhe mit einem ganz überlegenen 8:0.
Schwaben Augsburg erweist sich immer mehr als Mannschaft, mit der jeder Gegner rechnen mutz. Diesmal wurden die Stuttgarter Kickers mit 0:2 um die Punkte gebracht.
Fechten
im Mitielrheinkreis der N. T.
Bezirks-Jungmannen-Fechten der Deutschen Turnerschafll
Am gestrigen Sonntag sand in Offenbach das Dez i rls-2 un gmannen- Fech ten auf Florett des zweiten Bezirkes des Mittelrheintreites derDeu:- fchen Turnerschaft in der Turnhalle des T. D. Offenbach statt. Von 56 Teilne'-iern kämpften sich acht zur Schlußrunde durch. Eege nisfe:
1. Horn, Turngemeinde Höchst, ö Siege:
2. Pfeiffer, Tv. Of enbach, 5 Siege:
3. Bott, Tg. Bockercheim, 4 Siege:
4. Wehner, Tg. Bornheim, 3 Siege:
5. Wilhelm, Tg. Bornheim. 3 S.ege:
6. Kraft, Tg. Darmstadt, 3 Siege:
7. Getrost, Tg. Darmstadt, 2 Stere:
8. Kunkel, Tg. Bürgel-Offenbach, 1 Sieg.
Leichtathletik in Stuttgart.
Das dritte Stuttgarter Hallensportfest am Samstag hat alle Erwartungen übertroffen. Erwartungsgemäß wurde der S p r i n t e r d r e i k o m p f zu einem großen Duell zwischen Lammers und Körnig. Körnig hatte in allen drei Läufen die arößere Anfangsgeschwindigkeit, Lammers dagegen stand besser durch. Im ersten Lauf siegte Lammers: beim zweiten Lauf war Körnig knapp vor Sammers; den dritten Lauf gewann Lammers ziemlich sicher, so daß der Turnermeister Gesamtsieger wurde. Im 800-Meter-Louf fetzte sich Dr. P e l tz e r nach zwei Runden an die Spitze und vergrößerte seinen Borsprung bis ans Ziel immer mehr; er siegte in 1:57,3 Minuten vor Schönmann und Lang (Heilbronn). Den 600-Meter-Hürdenlauf gewann Altmeister Mayer vom V. f. B. Stuttgart. Eines der schönsten Rennen war das über 3000 Meter. Hel - b e r (VfB.) lief nicht so locker wie der ungeschlagene B o l tz e, machte diesem aber den Sieg bis zum letzten Meter sehr schwer. Erft in der letzten Runde vermochte sich Boltze vor Helder zu setzen und wurde in 8:54 Minuten knapp Sieger. Im Weit- s p r u n g erwies sich Meier (Berlin) als der beste und bewältigte zweimal die Siebenmeter.Grenze, Im Kugelstoßen kam H i r sch f e l d(Allenstein) zweimal * über die 15-Meter Grenze. Erwartungsgemäß gab es in der 4 X 400°Meter°Staf- fei einen Zweikampf zwischen den Stuttgarter Kickers und dem 1. F. C. N ü r n b e r g. Die Kickers konnten die süddeutsche Meisterstaffcl nach äußerst hartnäckiger Gegenwehr schlagen. Gute Leistungen vollbrachten auch die Stabhochspringer. Trotzdem der deutsche Turnermeister Müller (Cannstatt) noch durch feine Verletzungen benachteiligt war, übersprang cr 3,50 Meter. In der 4 X 8Ü0-Meter-Stafsel führten die Stuttgarter Kickers, müßen aber nach dem letzten Wechsel der Mannheimer Turngemeinde den Sieg überlassen.
Nurmi in Amerika disqualifiziert.
Die Haltenrneisterschasten in Neuyork erfuhren am Samstag dadurch eine Sensation, daß N u r m i kurz vor Beginn der Zwei-Meiten- Steeple-Chafe telephonisch mitteilen lieh, daß er infolge Unpäßlichkeit nicht erscheinen könne. Nurmi wurde daraufhin für sein ferneres amerikanisches Auftreten disq ual i- fixiert, falls er nicht vor dem AuSschutz der American Amateur Union erscheint und einen stichhaltigen Grund für sein Fernbleiben angibt. Cs wird vielfach angenommen, daß Nurmi einen Kampf mit seinem Landsmann P u r j e fürchtete.
Sie Ziüaffung zur KnsenuiterMnna.
Der Reichsarbellsmin'.ster hat einen neuen Erlaß über Personenkreis und Dauer der Krisenuntcrstühung veröffentlicht. Nach
„Das mein' ich auch nit, mit Religion hat so was nichts zu tun, es ist mehr ein persönliches Empfinden."
„Eine Täuschung des llnbetoußtseins vielleicht. Man sieht im Traume eine Landschaft, liest eine Beschreibung, vergißt sie wieder und glaubt dann, wenn man später zufällig einmal in die betreffende Seiend kommt, bekannte Dinge wieder- zufinden. Also eine Art Autosuggestion, unwissentliche Se.'bsttäuschung."
Sie schwieg, aber zwischen ihren feingezeichneten, dunklen Brauen stand eine kleine, senkrechte Falte, llnd nach ein paar Minuten, während schon die Leuchtkraft der Farben mählich verblaßte, die Schlagschatten tiefer wurden, sagte sie leise, als spräche sie mit sich selbst:
„Oft kommt es über einen wie das Erinnern an ein früheres Leben, und das Gefühl, etwas von dem Einst schlummert auch noch heut in uns, wir scheinen nur, was wir nicht sind, und sind, was wir nicht scheinen."
„Ja, weil wir Masken tragen, aus Erziehung, Gewohnheit..."
Frau Sophtz beachtete meinen Einwurf gar nicht.
„älnd dann kommt eine Stunde, eine unbewachte Stunde, da wird all das wieder lebendig, ist stärker als wir, reißt uns mit sich wie ein Strom...“ 2n der Stimme schwang eine wilde, unbeherrschte Leidenschaftlichkeit, die dunklen Augensterne hatten einen irritierenden Schein, schienen in weite, weite Fernen . zu blicken...
In der beginnenden Wenddämmerung flog ein Laut auf — ein Brechen, An streichen, Blasen..
„Sauen!" zischelte ich und legte die Hand auf den Arm meiner Gefährtin.
Frau Sopherl schreette zusammen, als erwache sie aus einem Traum, lautlos glitt der Mann- licher-Schvnauer-Karabiner von der Schulter. Sekundenlange Sfckle. in der ich mein Herz'klopfen hörte, tiefes, gepreßtes Atemholen ...
Und da schob es sich heraus aus den halb- mannshohen Farnwci ein, ein massiger, grau» schwarz- und gelblichweibgeileckt er Wildkorper — „üffl TLiff—wuf,!' — „Peng!"
Hart und rund peitschte der Hall des Klein- kalibers durch den träumenden Frieden, brr Keiler knickte zusammen, pflügte mit den Gebrech den schweren, schwarzen Humusboden
„Weidmannsheil, gnädige Frau> und meiner) allerherzlichsten Glückwunsch!"
Sie schien nicht zu hören, ging quer durch die Erlenstangen, schwang sich' mit einem federn
den Sprung über den Graben. Im Nu war ich neben ihr:
„Vorsicht! Ein krankgeschossenes Hauptschwein versteht leinen Spaß...!"
Aber da lag der Basse, verender, beide Kugeln gut Blatt . . . Frau Sophy kniete nieder, betastete die elfenbeinweitz schimmernden Gewehre, die braunen, gekrümmten Haderer, und plötzlich faßte sie nach meiner Hand, strahlte mich an:
„Ich dank' Ihnen, dank' Ihnen tausendtausendmal!!! So hab' ich mich nur amal g’freut, wissen S', damals bei dem Sechzehnender!'
„llnd ich freue mich noch mehr, gnädige Frau, daß gerade Sie den allen Einzelgänger auf die Schwarte legten, der Kerl war schon seit Jahren bekannt, — dafür gibfä auch einen besonders großen Bruch, — und was nur der Vinzenz sagen wird?"
Eine Nachtschwalbe surrte dicht an uns vorbei, wie mit einem Schlage waren alle Farben erloschen, lief und schwer fielen die Schatten der warmen Juninacht. Ich mutzte mahnen:
„Es wird Zeit für den Heimweg!"
„Ja, ja, gleich . . . Noch einmal berührten die kleinen rosigen Finger die harschen Rückenfedern:
„Aber dem Vinzenz sagen wir vorerst nichts, dös gibt ane ckleberraschung!"
Ter erwartete uns schon, hatte feinen dritten und besten Bock geschossen, einen ungeraden Achter mit einer kleinen Nebenrose und breit ausgelegten, pechschwarzen Stangern Als wir bann, nach dem Abendessen, noch gemütlich beifammen» saßen, rumpelle drunten der Wildwagen über den Kies, gleich darauf trat der Diener ein:
,, Förster Thieme hat den Keiler gebracht!" Meinem Freund fiel fast die Zigarre herunter. „An Kei--Ier?l Ja, aber sag' nur g'rad..
Doch da war Frau Sopherl auch schon zur Tür hinaus, stürmte immer zwei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe hinab.
„Alterte, hast du den . . .?!"
„Nein, dein Frauerl. einen ganz kapitalen Weihbunten, schau ihn dir nur mal an!'
Auf der Rampe lag das urige, wehrhafte Wild, rot bestrahlt vom Widerschein der Windkichter. Man soll die Feste feiern, wie sie fallen . . . Ich stieg in den Kelter und holle noch zwei Fla- fchen 18.8er Johannisberger Schloßabzug herauf, füllte die hohen, grünlichen Rönrer:
„Weidmannsheil, gnädige graul Daß Sie und der Vinzenz mir in jedem Jahre die Freude machen, meine lieben Gäste zu fein!“
(Fortsetzung folgt.)


