Ausgabe 
25.1.1929
 
Einzelbild herunterladen

Aeltag, 25. Januar 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 2l Zweites Blatt

»r heraus I Heere im I

Gedichte bildeten den Abgesang der Vortrags-

Schneesturm umgekommen.

sich bei der Teilung der Deute nicht hatten eini­gen können. Das Ergebnis dieser Volksabstim­mung ist bekannt. Die Tschechoslowakei erschien als das kleinere liebel. Seitdem nistet unlösch­barer Groll in allen echtpolnischen Herzen. Gast- reundlich wurde die slowakische ® egen- regierung, die auch heute noch in der Pro­paganda für die Befreiung der betrogenen Slo­wakei unermüdlich am Werk ist, von den polni­schen Machthabern in B i a l a , einer polnisch gewordenen Dorstadt von Diclitz, ausgenommen. Kleine Liebenswürdigkeiten unter slawischen Brü­dern! Die sich immer wieder sortsetzten, nament­lich in den Fragen des Handelsverkehrs. Zudem nimmt man in Prag den Polen ihr gutes Ber- hültnis zu Ungarn übel. So kommt es, daß alle Bemühungen. Polen, offiziell oder nicht, in den Kreis der Kleinen Entente einzubeziehen. Versuche, die namentlich von Benesch immer wie­der ausgingen, infolge der allgemeinen Derstim- mung fruchtlos blieben. Die wahre Freundschaft war selbst dann nicht herzustellen, als Benesch sei­nen damals recht bedeutenden Einfluh im Völker­bund mit Erfolg eingesetzt hatte, um den Polen, entgegen den klaren Bestimmungen der Verträge, den Raub von Oberschlesien zu ermög­lichen.

Nun, die Annäherung ohne Vorbehalte, die Benesch damals nicht gelang, soll Le Rond heute durchsetzen Der Augenblick zur Entfaltung seiner Maulwurfsarbeit, die freilich nicht recht zu unseren, vielleicht etwas primitiven Vorstel­lungen von den Ausgaben eines hohen Militärs passen will, ist nicht ungünstig gewühlt. Die Ausrollung des Minderheitenpro­blem s durch Deutschland steht bevor. Bekannt ist der unerschütterliche Entschluß Strese- manns, das Genfer Tribunal zu klarer Stellung­nahme in den Fragen des Lebensrechtes der Minderheiten zu zwingen, llnd ebenso bekannt ist die Abwehr all dieser Bestrebungen durch Benesch und Z a l e s k i, die ja im Interesse der Aufrechterhaltung ihres Llnterdrückungs- systems unbedingt geboten ist. Die natürliche Verbundenheit der Unter?)rüder soll nun zu der lange angestrebten politischen Dundes- genossenschaft führen.

indiskrete öffentliche Mittellungen aus dem Ent- tourf in Zeitungen der Regierungsparteien. Sie führten zu scharfen Auseinandersetzungen, im weiteren Verlauf auch zu Kundgebungen der Deutschen Volkspartei und der Deutschnationalen

Aach der Pause hörte man den ersten Gesang aus dem österreichischen EposKirbisch" oder ..Der Gendarm, die Schande und das Glück". In Hexametern. Fließend im altvaterischen Rhyth° mus. behaglich ausgesponnen im Idyll des Schau­platzes und der Einführung der Personen. Tho­mas Mann würde sagen:ein wenig Zustands­schilderung und Gespräch". Die Verse Hingen gut, voll und technisch beherrscht. Obwohl ein Widerspruch bleibt zwischen dem heroisch-antiken Maß der Erzählung und dem vorwiegend schlicht- ländlichen Charakter derHandlung". Eine Ab- schiedsszene wiederum und eine Vision des großen Krieges bleiben am klarsten in Erinnerung, lieber das ganze Werk vermag man natürlich nach dieser Probe nicht zu urteilen.

schauen meines Kindes": -----

schön: dies kommt einem menschlich sehr nay: ein vergrübeltrs Bekenntnis in edler Sprache, das Ganze aber vielleicht im Umfang schon Die echte, runde Gestalt reiner Lyrik durchbrechend.

Die gebändigte, auf Klang und Glanz der Verse bedachte, antllische Formstrenge desKir­bisch" beherrscht auch diePanische Elegie", em von lebendigem, literaturfernen Aaturgefühl durchflutetes, ins Kosmische sich verlierendes Idyll in farbiger Landschaft. Die Verse der Letzten Erkenntnis" gaben dem Abend einen Wohllautend-besinnllchen Ausklang. -y-

Herr £e Von- macht Weltgeschichte

polnisch-tschechische Allianz zur Einkreisung Deutschlands.

Don unserem -s-Dernchterstatter.

:vie Entwicklung her KoM'datsfrage in Preußen Äon D Or. M. Schien, Generalsuperintendenten in Äreslau.

lamentsmehrheiten und unsicheren jährlichen Be- wllligungen abhängig bleiben. Somit drängt sich jetzt auch die Klärung der Beziehungen zwi­schen den evangelischen Kirchen Preußens und dem Staat in den Vordergrund. Da die. evange­lischen Kirchen Zweidrittel der Einwohner Preu- ßens umfassen, so haben sie zweifellos Anspruch darauf, dah ihre Angelegenheiten mindestens gleichzeitig mit denen der katholischen Kirche ge­regelt werden, keinesfalls später. _

So stehen die Dinge im gegenwärtigen Augen­blick. Vielleicht wäre noch hinzuzufügen, daß es den Anschein hat, als wolle man nun, um Schwierigkeiten zu vermeiden, auf den A a m e n Konkordat verzichten. Dies Zugeständnis hat einigen Wert, aber möglicherweise nur sehr ge­ringen. Es kommt alles darauf an, unter welche Bedingungen tatsächlich der Vertrag oder die fetten Abmachungen" zwischen Staat und Kurie gestellt werden.

Wie lange wird die Pause dauern? An einen endgültigen Verzicht der Kurie glaube ich, wie gesagt, ganz und gar nicht, um so weniger, als wirkliche sachliche Gründe für Aenderung der bisher gültigen Abmachungen vorliegen. Möglich ist aber, wenn auch nicht wahrscheinlich, daß eine längere Pause eintritt. Das könnte ge­schehen, wenn die Aussichten auf Annahme im Landtag zu schlecht wären, dann wird das preu­ßische Zentrum einen Zeitpunkt wählen, an dem es starke Bedingungen stellen kann, um den Kar­ren vorwärts zu schieben. Die Derhandlungs- führenden werden natürlich den Wunsch haben, die Sache zu Ende zu führen, um so mehr, üls sie sich bereits zu tief eingelassen hatten, um jetzt für lange zu verzichten. Weiter läßt sich zur Stunde nichts sagen. Wir harren gespannt aus den nächsten Akt.

kühl den Rücken zu kehren.

Immer noch störten ein Paar Schneeschuhe die süße Hyperbel, aber je höher es ging, desto un« ruhiger rutschte der dazu gehörige junge Mann auf seinem Sitz herum, um in Göschenen zerknirscht auszusteigen. Keine zwanzig Zentimeter Schnee! Das frischgepuderte Näschen lehnte sich triumphie­rend in die Kissen zurück. So, jetzt noch durch den Tunnel, und das ewige Gotthardwunder würde sich auftun: lachendes Blau, dampfendes Grün, strah­lende Sonne.

Zehn Minuten im Bauch des Berges zwölf Minuten da, es wird hell Fenster herunter

Blendendklare Schneelandschaft.

In Mailand gehen alle Bahnbeamten mit wich­tigen Gesichtern herum. Katastrophen schwirren durch die Luft. Der Orientexpreß ist seit achtund­zwanzig Stunden überfällig, bei Udine soll er steckengeblieben sein. Meterhohe Schneeverwehungen. Bären im Karst. Skiläufer auf der Strandprome­nade in Nervi. Nicht einmal die Liktorenbündel auf den Lokomotiven garantieren die Einhaltung des Fahrplans.

Gepuderte Naschen können manchmal bemerkens­wert energisch fein.Wir fahren in den sonnigen Süden! Dann eben noch südlicher. Und wenn es nicht anders geht, fliegen wir einfach. Man wird doch noch noch Rom fliegen können!"

Auf der Landkarte sieht man ganz deutlich, daß bei Bologna wieder Skigelände beginnt Im Zuge merkt man es daran, dah das so herr­lich aus den Allstem blasende, flankenbebende Maschinentier durch einen streng sachlichen, elek­trischen Schlepper ersetzt wird. Kurz darauf be­

ginnt das Schneegestöber.

Uni) der Schnee denkt: Denen will ich's einmal zeigen» Ünb man sieht den nächsten Daum nicht mehr und wenn der Zug hält, ächzen junge Pinien unter der weißen Wucht und strahlend uniformierte Stationsvorstehsc unter ihrer Würde und erfrorene Kindernasen träufeln und der Lei­tungsdraht droht zu brechen. Aengstlich bohrt sich der Zug in die Zweitausender, jedesmal at­met man auf, wenn er glücklich wieder ****'*» ist In dieser Gegend sind schon zwei .'c

Siudiengesettschasi

für elekiro-akustische Musik.

Die tiefgehenden Eindrücke, die der Vortrag von Iörg Mager auf der Darmstädter Tagung des Reichsverbandes Deutscher Tonkünstler und Musiklehrer über das Problem der elektrischen Musik vermittelt hat, haben einem engerm Kr isc von Persönlichkllten Veranlassung geboten, d.r Frage näherzutreten, wie die bedeutungsvollen Arbeiten Magers in ein engeres Verhältnis zu Hesfeii zu bringen wären. Hm den Bestrebungen eine greifbare Form zu geben, ist in diesen Ta­gen in Darmstadt die .Studiengesell­schaft für elektro-aku st ische' Musik" gegründet worden, die sich zum Ziel gesetzt hat. Iörg Mager die Möglichkeit zu geben, seine Bestrebungen auf einer breiteren Grundlage in die Tat mnzusehen. Aachdem ein öffentlicher Vortrag der rührigen Literarisch-Künstlerischen Gesellschaft in Darmstadt der breiteren Öffent­lichkeit Kenntnis von dem derzeitigen Stand der Mogerschen Erfindungen gegeben hatte, führte Mager einem engeren Kreise geladener Gäste das Ergebnis seiner Arbeiten vor. 3m Anschluß an den Vortrag nahm der Vorsitzende der©tu** diengefellschasf' Dr.-Ing. e. h. E. Schenck das Wort, um die Anwesenden zu einer tatkrastt- gen Unterstützung der Erfindertätigkeit Magers aufzufordcrn. Erfreulicherweise erklärte sich eine größere Anzahl von Persönlichkeiten zum Dei- tritt zur Studiengesellschaft mit namhaften Bei­trägen bereit, so daß die Errichtung dieser Ge­sellschaft als gesichert angesehen werden kann.

Fahrt in den sonnigen Süden.

Von Gusiav W. Eberlem, Dtom.

Am Zürichsee schnupperte ein gepudertes Naschen in den Föhn.Es riecht nach Frichling. Was sollen wir hier anfangen? Ich habe es fatt Fahren wir nach Italien! In den sonnigen Süden!"

Ob er dases" aus sich bezog oder auf das launenhafte Wetter, jedenfalls drehte er sich gott­ergeben auf dem Absatz herum und folgte ihren bahnhoswärts gerichteten Spuren. Genau so wie jener Herr am Bodensee, der sich von [einen Skiern nicht trennen zu können glaubte. Uebrigens wär es am Starnberger See ganz ähnlich gewesen. Der Mann glaubt immer noch an einen Witterungs­umschlag, wenn die Frau schon längst eine Saison entschlossen hinter sich geworfen hat.

Der Schnee stöbert im Durchgang herum, die Dame in einem Werbeheftchen für die Prima- vera romana.

Tunnel auf Tunnel. Dazwischen drohend uber- hängende Wächtern Die Telegraphenmaste mat> schieren weinerlich in das weiche Hngewiß hinein, werden von Schritt zu Schritt kleiner. Ietzt kommt die Höhe, der entscheidende Tunnel, die große Frage der Wetterscheide. ...

Hinein dramatische Spannung da, es wird hell Fenster herunter und schlackert vor Äuserstehungstrunkenheit.

Das gepuderte Väschen richtet sich auf, ge­lassen, mit selbstverständlicher Sieghaflipkeit, ganz Dame:Hab ich's nicht gleich gesagt?'

Partei.

War es eine Folge dieser Auseinandersetzun­gen. daß man von der sicher sür Herbst 1928 beabsichtigten Veröffentlichung des Konkordats- entwurfs zunächst Abstand nahm? Oder war wie manche meinen die Kurie mit neuen For­derungen hervorgetreten? Jedenfalls sind Hem­mungen deutlich geworden. Wahrscheinlich h<tt die preußische 'Regierung erkannt, daß sie sich verrechnet hatte, wenn sie auf rasche und glatte Annahme ihrer Konkordatsabmachungen gezählt hatte. Eine besondere Rolle hat dabei die Tat­sache gespielt, daß der Entwurf, wenn auch in vorsichtiger Fassung, die heikle Sch ul frage einbezog. So ist Denn augenblicklich die An­gelegenheit in eine Pause eingetreten. Daß hinter den Kulissen weiterverhandelt wird, ist aber sicher. Ebenso sicher ist. dah die Kurie ihr Ziel nicht aufgibt. ,

Inzwischen hat sich die Frage erweitert. Aus evangelischer Seite hatte man anfänglich das Hauptgewicht darauf gelegt, vor dem Ab­schluß eines Konkordats im eigentlichen Sinn einer guasi-völlerrcchtlichen Abmachung zu war­nen. Allmählich sah man deutlicher, daß einer­seits eine Regelung der Beziehungen zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche wirklich notwendig war. daß aber andererseits auch die evangelischen Kirchen in ihrem Verhältnis zum Staat einer Sicherung bedürfen. Zwar wird es sich für sie niemals um einen Abklatsch eines Konkordats handeln: aber sie dürfen auch nicht dauernd von wechselnden Par-

Aachdruck. auch mit Quellenangabe, verboten!

Warschau, Ianuar 1929.

Wiederholt war es schon notwendig, auf die Tätigkeit des Generals Le Ron d h.nzuweifen, dieses Handlungsreisenden der Pariser Militär­clique, der sich den Generalstäben der osteuropät- schen Staaten bestens empfohlen häll. angeblich um das bolschewistische Rußland abzur.egeln. in Wahrheit, um die Einkreisung Deutsch­lands vom Osten her zu betreiben. Er ist der Exponent jener französischen Rebenregierung, die im Pariser Palais des Invalides chren Sih hat, vom Marschall Joch geleitet wird und damit beschäftigt ist, einen neuenErnstfall" vorzuberei- ten. Die Existenz und die Betriebsamkeit dieser Rebenregierung sind Deutschland und der Welt­öffentlichkeit viel zu wenig bekannt. Es ist darum nur zu begrüßen, wenn Herrn Le Ronds jüngste Tournee Die Karten, die von ferner Clique ge­mischt werden, ein wenig ausg deck: hat. Von nun an ist es nicht mehr mögi;xi), ihre Ar bett lediglich als das Werk pflichtbewußter General­stäbler hinzustellen. Diplomatisierende Säbel- raßler und Deutschenhafser find am Werke einer neuen Kriegshetze das ist die vollständig be­weisbare Wahrheit-

Le Ronds Hauptgedanke ist die Schaffung einer militärischen Zentralstelle für das Zusammenspiel der Armeen Polens, der Mächte der Kleinen Entente und der baltischen Staaten. Ein Programm von Format das muß man dem General lassen. Daß dieses ou- sammenspiel unter französischer Ober- teitung geplant Ist. versteht sich von selber. Sogar die Perfon des Höchstkommandierenden ist schon bestimmt. Le Ron d heißt der Mann! Ein neuer, schlagender Beweis, nebenbei bemerkt, für die Der einbar lichkeit von politischen Hoch­zielen und Postenjagd.

Monatelang erschien die Ausführung von Le Ronds und seiner Pariser Hintermänner

dunklen Plänen als eine Ausgabe für die militäri­schen Sachverständigen der beteiligten Staaten. Cs stellte sich jedoch heraus, daß die politi­schen Gegensätze zwischen den Staaten, deven 'Armeen hier in ein gemeinsames Syslttm gebracht werden sollen, zu groß sind, als dah sie von den Generälen allein überbrückt werden ' könnten. Und so ist Le Rond in diesen Tagen und Wochen unter die Diplomaten gegangen. Er arbeitet an einem privatenOst-Locarno", zwi­schen der Ostsee und dem Schwarzen Meer. Einem Locarno" mit keineswegs locarnistischer Tendenz. Völkerverbrüderung ist eine schöne Sache. Mer die Herstellung einer einheitlichem Kampffrotit gegen Deutschland ist noch viel schöner.

Bald hören wir vom Plan eines baltischen Bundes und bald von Versuchen, die latenten tschechisch-polnischen Spannungen zu überbrücken, einmal bemühen sich geheimnisvolle Kräfte, den Kurs der neuen rumänischen Bauernregierung herumzuwersen, und ein anderes Malwirkt man auf König Alexander ein. In Wahrheit ist es immer dieselbe Sache, um die es geht, und immer das gleiche Spiel, das sie spielen. Herr Le Rond macht Weltgeschichte.

Er ist eben im Begriffe, gegen das schwerste Hindernis anzugehen, das seinen militärischen llnifizierungsplänen im Wege steht. Das ist eben die lafjrcalte tschechisch-polnis ch e Verstimmung. Sie ist beinahe so alt, wie die beteiligten Staaten selbst. Am Anfang war die Volksabstimmung von B i e l i tz . entsprechend den Bestimmungen der Friedensverträge. Die Deutschen, die dieses Stück Schlesien in der über­wiegenden Mehrzahl seiner Bevölkerung besie­deln, sollten die Entscheidung zwischen um das Wort eines ihrer Führer zu gebrauchen europäischer ^Barbarei in der Tschechoslowakei oder asiatischer Barbarei in Polen" haben natürlich nicht aus xarter Rücksichtnahme für sie, sondern weil die beidensiegreichen Republiken"

Der Kampf um das preußische Konkordat ist in eine Pause eingetreten. So mag es angezeigt fein, einen kurzen Lieberblick über seine bis­herige Entwicklung zu geben. Dabei muß aller- Vings bei der Vor geschichte eingesetzt werden.

Rach der weitgehenden Umgestaltung der deut­schen Staatsgebiete im Anfang des 19. Jahr­hunderts wurde, da keiner der deutschen Staaten Tilgung batte, die päpstliche Kurie in fernem Bereich völlig frei walten zu lassen, eine Reu­ordnung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche notwendig. Den Weg des Abschlusses eines förmlichen Konkordats ging damals nur Bayern, Preußen kam zu festen Mmachungen, die staatlicherseits in einer Königlichen Kabinetts- orbre, kirchlicherfeits in der Bulle De salute animarum feftgelegt wurden (1821).

Bei diesen Abmachungen blieb es trotz der Er­schütterungen des Kulturkampfes, die zu zeit- welligem Kriegszustand zwifchen Staat und Kirche führten, bis zum Ende des Wellkriegs. Die auf dieses Ende folgenden Ereignisse aber führten zu Umwälzungen, die eine Reuregelung dringend wünschenswert machen. Die früheren Mmachun­gen rechneten mit der monarchischen Verfassung-, nunmehr handelte es sich in Deutschland um Republiken. Das Deutsche Reich schuf in der Weimarer Verfassung 1919 neue Verhältnisse: es verzichtete auf Rechte, die es vordem gehabt hatte. Auch dic Einzelstaaten zeigten sich weit geneigter, den Ansprüchen der Kurie entgegen­zukommen. Rom mußte den Wunsch haben, diesen Gewinn sicherzustellen. Die Grenzen der Lauder hallen sich, wenigstens für Preußen, wesentlich verschoben: damit waren Umgestaltungen ui_ Der Abgrenzung der kirchlichen Bezirke.verknüpft. Auch sonst erwies sich die auf staatlichen Ab­machungen beruhende Einteilung der bischöflichen Diözesen als reformbedürftig. Die katholische Kirche hatte ihr gesamtes Recht in dem Codex iuris canonici (1917) neu geordnet-, von ihrem Standpunkt aus war es begreiflich, daß sie die wirklichen Berhältnisse den dort ausgesprochenen Grundsätzen anzupassen versuchte. Auch die finan­ziellen Voraussetzungen hatten sich geänbert

Dementsprechend ist die Kurie sehr bald zielklar an die Arbeit gegangen. Mer während in Polen und Lettland rasch günstige Konkordate zustande kamen, zeigten sich in Deutschland größere Schwie­rigkeiten. Jedoch gelang 1924 der Abschluß eines Konkordats mit Bayern, das nach wohl all­gemeinem Urteil ein erhebliches Teil bet ötaatö'1 Hoheit an die römische Kurie abgab Vielleicht war es taktisch vom Standpunkt Roms aus nicht einmal sehr llug. dieses bayerische Konkordat bahnbrechend (wie wohl die Absicht war) voran­gehen zu lassen. Es hat allzu deutlich gezeigt, welches die Ziele der Kurie sind, und hat so viel­fach als Warnung gebient.

Rach dem Abschluß des bayerischen Konkor­dats wurde die Konkordatsfrage in Deutschland öffentlich sehr viel erörtert. Zeitweis blieb es unklar, ob die Kurie ein Reichskvnkordat erstrebe oder weitere Einzelkonkordate. Da die Regierun­gen. die ja in der neuen Zeit bekanntlich jede Geheimdiplomatie verabscheuen, beharrlich schwie­gen, weih man darüber auch jetzt nichts Sicheres. lMir scheint es zweifellos, daß Rom von vorn­herein an Einzelkonkordate gedacht hat. Sonst hätte es nicht mit Bayern angefangen.

Allmählich wurde bekannt, daß Verhandlungen zwischen der Kurie und dem preußischen Staat schweben. Wahrscheinlich haben sie bereits etwa mit der ileberfieöelung des Runtius Pacelll nach Berlin 1920 eingesetzt. Die Oefsentlichkell hörte erst Jahre danach von ihnen Soweit ich feststellen kann, beschäftigen sich evangelische Sy­noden feit 19*5 mit der Frage. Roch spater kam die erste sehr allgemeingehaltene Ankündigung von staatlicher autoritativer Selle. Die Verhand­lungen waren im Sommer 1928 nahe an den Ab­schluß herangekommen. Im Frühherbst erfolgten

Es prllfchekte am Starnberger See. es prllschelle am Bodensee, es pritschelte am Zürichfee.

Während er noch den Pulverschnee herbeisehnen zu können glaubte, sah sie sich schon in weihen Schuhen auf der Strandpromenade in Nervi.

In Starnberg, in Lindau, in Zürich drängte gleichwohl langhölzerbewehrtes Volk schneegläubig in die bergwärts kletternden Züge. Das gepuderte Näschen sah teilnahmslos durch die nahe Fenster­scheibe und zuckte nur gelegentlich die Achsel. Eine Hyperbel ja, genau so sah sie aus. Es gibt ganz reizende Hyperbeln. _

Zn Arth-Goldau war der Bahnsteig mertrour digerweife gefroren. Sehnige Skihaserln und ge- I schleckte Sprungschanzenhelden, immer gewärtig, weuiajre ouueum mm -augemug vev photographiert zu werden, .stampften ungeduldig

folge. Stärksten und reinsten Eindruck hinterließ mit den Genagelten und Geollen, den Rigi zu stur

Die _ unterirdischen" Verhandlungen Le Ronds mit sehr maßgebenden Prager Politikern, dar­unter mit solchen, die derBurg" auherordenllich nahestehen, sind - von ihrem Standpunkt, - nicht ungünstig verlaufen. Wenn auch zunächst noch keine positiven Ergebnisse erzielt wurden, sind doch direkte Parteiverhandlungeii unge­bahnt. Das Prager Außenministerium steht be­reits in regem Gedankenaustausch mit Warschau. Der nächste Schritt soll die Einbeziehung der Bundesgenossen der K1 e i n e_n Entente in diese Verhandlungen sein. König Alexan­der, der seinen Staatsstreich bekanntlich mit Wissen und Mitten Frankreichs unternahm, wird demnächst durch Herrn Le Ronds Besuch beehrt werden. Sein neuer stellvertretender Außen­minister Kumanudi, der frühere radikale Bür­germeister von Belgrad, wird diesen ehrbaren Annäherungsversuchen zweifellos geneigter fein als der infolge seines langwierigen Leidens auf cbschbare Zeit ausgeschaltete Marin'owit d), der ein ruhiger Mann ist und nie recht für über-» flüssige, deutfchenseindliche Aktionen zu haben war. Wesentlich schwerere Widerstände wird Le Rond in Bukarest zu überwinden haben. Maniu bekannte sich offen als Anhänger weib- gehender Toleranz in Minderheitenfragen und ist namentlich von der Bedeutung einer zufrie­denen deutschen Minderheit für das Aufblühen des rumänischen Staates durchdrungen. Kleine Liebenswürdigkeiten, wie etwa die Ablehnung Polens, einen Richtangriffspakt mit Rußland ohne Einbeziehung Rumäniens zu schließen, sollen auch ihm die Vortelle einer engeren Verbindung mit der französisch-polnischen Front vor Augen führen. Kleine Liebenswürdigkeiten wie diese haben überdies den Vorzug, daß sie nichts kosten. Aber es scheint, dah auch Herr Maniu dies weiß und in Betracht zieht.

Das erste sichtbare Ergebnis der Verhandlun­gen Le Ronds- mit tschechischen Politikern wird eine neue Rundreise fein, die der Gene-

Goethe-Bund.

Vortragsabend Anton Wildgans

Den vierten Dichterabend bestritt der Wiener Anton Wildgans, Hofrat und vormaliger Burgtheaterdireltor. mit einer Vorlesung aus eigenen Werken. Er ist zuerst, als Dramatiker betaant geworden. Rach dem Kriege wurden seine SchauspieleArmut" undLiebe" vor allem oft gegeben.

Wildgans hat sich inzwischen künstlerisch sehr gewande.t. Vom Wesen seiner Stücke, dir sich durch einen mit Symbolik verbrämten Raturalis- mus am ehesten kennzeichnen lalfen. ist in den spä­teren und letzten Büchern, aus denen er 1^, wenig mehr zu spüren. (Es sei denn ein Rach­klang aus demActus mysticus, aus manchen Szenensub specie aetemitatis, der sich etiua in den Elegien seiner jüngsten SammlungGedichte um Pan" toieberftnben läßt.)

Wildgans verfügt über ein dunkles, sehr volles, leicht österreichisch gefärbtes und übrigens gut geschultes Theaterorgan; er begann mit dem ein­leitenden Kapi'.el eines autobiographischen Buches Mckll der Kindheit". Erinnerungen aus der Wiener Knaben^eit, mit einer,sympathischen An­spruchslosigkeit. ein wenig behäbig und ein wenig trocken erzählt. Schön und schlicht die Szene des Abschieds von der Mutter. Das Ganze vielleicht doch für den Dichter selbst wichtiger und be­deutungsvoller. als es dem Hörer erschien.

t> Duch«mittag''.3m 2In- I mm. Bis das BShichsn tarn, tämpfte ein würdig - ......: klangvoll, sinnvoll und ausfehender Herr zah den kleinen Schweizer Natw-

----- ' ' 1 nalkarnpf um den richtigen Artikel durch: d i e Rigi muffe es heißen und nicht anders. Es war unhöflich von dem Gotthardexpreß, der Auseinanderfetzung

L" vH

es

;n-Verein

Cn 717D

Lieben ickitrili6(LiilM)

tyltit

initobenb

[>nffurf o, Mom

mil &

Wtf Kummer.

;eIX, Mitgliedes n6Wo.5ox

_____ TöD

ittMWeo 1162 >all

7Z6D

mlti$aitn

, Walllorstrafk ,,ebd».t«nUb leBahnbofetr-71

73)0

'6?3te6r? VacnD';?' L>e W' Genlarl» MS

ÄcbtUDÖ1 abends 7.61 Uhr iM S-Linde»

Die Narren.

auf!

'^rüeni