Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
dem Felde der Ehre erworben werden. Dort wird soldatische Tugend gelohnt, hier erfolgreiche Arbeit, die in hohen Produktionszifsern Ausdruck findet.
Der Wettbewerb der italienischen Landwirte wurde 1925 erstmalig ausgeschrieben. In jener Zeit entstand auch das ständige Getreidekomitee, und der Einfuhrzoll für Getr.ide wurde wieder auf 7,50 Goldlire erhöht. Im Herbst des gleichen Jahres versammelten sich die Sieger der „batta- glia del grano“ in Rom zur Entgegennahme der verdienten Auszeichnungen. Seither wiederholt sich dieser bedeutungsvolle Festakt jedes Jahr und er steht trotz mancher unvermeidlicher Rückschläge — etwa durch Mißernten — immer im Zeichen des erneuten Bekenntnisses zu dem Endziel: allen Italienern Brot aus heimatlicher Erde! Es gibt wenig Staaten, die die Landwirtschaft so in den Vordergrund aller Volkswirtschaft gerückt haben wie Italien. Freilich ist es heute auch wenigen Staatslenkern möglich, alle maßgebenden Faktoren in den Dienst einer Idee zu zwingen. Bei diesem Iahresappell ist hier mehr oder weniger alles vertreten, was einen Ramcn hat in dem gegenwärtigen Regime: Minister, älnterstaatsstkrctäre, Feldmarschälle, der Großadmiral, die Spitzen der Behörden, der faszistischen Partei, der Finanz, der Arbeitgcber- und Arbeitnehmerverbände usw. usw.
Als Mussolini im Jahre 1925 die Versammlung begrüßte, begann er mit den Worten:
„camerati agricoltori", und die Zeitungen fetzten in ihren Berichten ein Komma zwischen sie. Die faszistische Agrarpolitik stand noch am Anfang ihrer Entwicklung. Inzwischen ist das Komma verschwunden: jeder fühlt sich den Landwirten irgendwie verbunden. 192 J setzte Mussolini alle Landwirte Italiens „auf die Tagesordnung der Ration", eine gebräuchliche Ehrung, die dem Betroffenen die Achtung des ganzen Volkes zuwenden soll. 1927 verband der Duce die Preisverteilung mit der ersten großen Getreide aus stell ung, die über die Grenzen Italiens hinaus Beachtung fand. Im vorigen Jahre künd.te er das inzwischen erlassene Gesetz über die Hebung der Bodenkultur im weitesten Sinne, die vielbesprochene „bonifica integrale" an und erklärte das Ende der vorwiegend städtischen Politik für gekommen. Jetzt sei es Zeit, höchste Zeit sogar, die Milliarden dem Lande zuzuwenden, wolle man die Erscheinungen der Wirtschaftskrise und des Bevölkerungsrückganges vermeiden, die andere Völker schon mit Besorgnis erfüllten.
Der italienische Ernteertrag betrug 1925 rund 65,5 Millionen Doppelzentner. Im nächsten Jahr konnte er sich trotz ungünstiger Witterung dank der „Getreideschlacht" auf 60 Millionen halten. Die Parole wurde ausgegeben, die Anbaufläche nicht zu erhöhen, 5 Millionen Hektar sollten nicht überschritten, dafür aber der Durch- s ch ni t t s e r t r a g für den Hektar ge-
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Weihnächte -Preisrätsel 1929
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und zwei den Apfelbrei.
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Zu diesen 18 Wortpaaren ist je ein ein- oder zweisilbiges Mittelwort zu finden, welches in Verbindung mit jedem der beiden Hauptwörter jeweils ein neues zusammengesetztes Hauptwort ergibt. Die Anfangsbuchstaben der richtig gefundenen Mittelwörter, von oben nach unten gelesen, ergeben den Anfang eines bekannten Weihnachtsliedes.
billig zu verkauien.
Hubn, Rittersaiie.
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zu Weihnachten unentbehrlich weiblicher Vorname Kleidungsstück Säugetier
Vogel-
Körperteil
Fisch landwirtschaftl. Produkt biblische Gestalt Vogel Religionsstifter Säugetier Bauwerk weiblicher Vorname Naturerscheinung Musiker
Gestalt aus der römischen Geschichte
Maler
Möbelstück
Spiel
Musikstück deutsche Stadt Bildhauer männlicher Vorname
Wenn zur Weihnachtszeit der heilige Christ wie alle Jahre erschienen ist, dann kommt bei allen Kindern auch nach alter Sitte und löblichem Brauch Hand in Hand mit dem Weihnachtsmann der gute R ä t s e l o n k e l an.
Ihr kennt ihn: zwar ist seine Stimme rauh und sein langer Barl ganz griesegrau, doch hat er, Ihr wißt es, ein Kindergemüt, und wer ihn einmal von Angesicht sieht, der denkt wohl, es wäre der Nikolaus, der sieht auch so grimmig und ruppig aus. Das ist nur die Schale: jedoch der Kern ist lauter: er hat alle Kinder gern. Und weil er weiß, was ihnen frommt, wenn die Zeit der Weihnachtsferien kommt, drum hot er an die Kleinen gedacht und ihnen allen was mitgebracht zum Weihnachtsfest wie jedes Jahr: einen Sock voll Rätsel wunderbar. — Mit Silben und mit Zahlen fürwahr, ihrer viere reimen sich sogar;
eins ist zum Z u s a m m e n s e tz e n gemacht. Und dos R ö s s e l wurde zum Springen erdacht. Aber die Krone von allen, damit Ihr's wißt, das Kreuzworträtsel mit Silben ist. Mit diesen sechs Sorten, wollen wir hoffen, haben wir die rechte Mischung getroffen: nicht zu leicht und nicht zu schwierig, weder zu kurz noch zu langwierig.
Wir hoben es hin und wieder bedacht unb glauben, wir haben cs gut gemacht. Nun stürzt Euch drauf und setzt Euch dran, Und wer sie geraten hat, zeig' es uns an. Für die richtigen gibt es, nach alter Weise, eine Anzahl schöner und wertvoller Preise. Der Rötselonkel, zum guten Beschluß, entbietet Euch allen seinen Gruß und wünscht der ganzen Kinderschor, den Buben und Mädeln groß und klein, ein schönes Christfest im Lichterschein und ein fröhliches neues Jahr!
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Willst du die beiden ersten sehn, dann mußt du in den Stadtwald gehn, wo ihrer viele beisammen stehn.
Und kommt der Winter und wird es kalt, und dos Christkind klopft an die Türen bald, dann holt man sie aus dem Wald in die Stadt, daß jeder seine Freude dran hat.
Die dritte und vierte gehören zum Faß, sie hüten und spenden das köstliche Naß, das Hopfen und Malz und Reben den durstigen Seelen gegeben. Das Ganze hängt zur Winterszeit in weihnachtlichen Zimmern an den ersten beiden im goldenen Kleid, darin die Kerzen schimmern.
II.
Eins und zwei sind ein Metall, das man verwendet überall; auf Rädern rollt die dritte.
Das Ganze bringt dir, wenn's Weihnachten ist und du ein braves Bübchen bist, das Christkind nach alter Sitte.
Mussolinis Getreideschlacht.
Uebers Zahr sehen wir uns wieder! Camerati Agricoltori.
Von unserem v. (^.-Berichterstatter.
Nachdruck auch mit Quellenangabe, verboten. Rom. Dezember 1929.
„Um 10.30 Uhr des 7. Dezember des Jahres 1930 oder IX. sadistischer Zeitrechnung sehen wir uns wieder, hier im Teatro Argentina." Mussolini entließ mit diesen Worten die beifallklatschende Versammlung der preisgekrönten Landwirte. Dieser Schlußsatz ist so recht Mus'o- lini: ein Jahr voraus bestimmt er Tag und Stunde dieser Veranstaltung. Er weiß, wie das — in Italien — wirkt. Die Masse muh fühlen, wie sie nach einem weitreichenden Programm Geführt wird, soll die Kontinuität empfinden, ie Entwicklung sehen. Der Duce liebt es, von dem disziplinierten Heer der italienischen Landwirtschaft zu sprechen, so ist er auch in seiner An- tündigung militär.sch pünktlich. Die Versammelten heben die Hand zum römischen Gruß: sie werden zur Stelle sein und üb^rs Jahr sich aus der Hand ihres Führers wieder die Preise für die erfolgreich bestandene Getreideschlacht holen: Träger sürstlicher Ramen, neben schlichten Dauern, Gpoß-, Mittel- und Kleingrundkusih. Dem militärischen Vergleiche folgend, nen-t Mussolini diese Preise den Äuszcichnungen gleichwertig, die auf
und bereitet eifrig für eins die Supp, das Gemüs und
IV.
Die erste ist nicht alt, die zweite bald warm, bald
Waagerecht: 1. Blume; 2. Naturerscheinung; 3. Getreideart; 5. altes Maß; 6. Säugetier; 7. europäischer Staat; 8. Säugetier; 9. Soldat; 10. deutsche Stadt; 11. Ostseeinsel; 12. Handwerkzeug; 13. deutsche Stadt; 15. Gefäß; 16. inneres Organ, 17. Teil des Hauses; 18. Musikinstrument; 19. Lessingschc Dramenfigur; 20. Raubvogel; 21. Waffe; 22. Auszeichnung; 23. inneres Organ; 25. mathematischer Körper; 26. Gespinst; 27. dichterische Gattung; 28. deutsche Stadt; 29. Frucht; 30. norwegischer König; 31. Waffe; 32. deutscher Historiker; 33. deutscher Dichter.
III.
Wenn unser Mädel das ganze Jahr hübsch artig und fleißig und freundlich war, dann geht in Erfüllung ihr schönster Traum, und es liegen unter dem Weihnachtsbaum die erste und zweite und lachen sie an. Dieweil in der dritten und vierten alsdann, wo die Mutter regiert und das Zepter führt, gar leckere Sachen geraten, am Ende ein Gänsebraten.
Bringt aber das Christkind das ganze Wort, dann herrscht unsere kleine Tochter dort
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Bis zum Montag, 6. Januar 1930, müssen Lösungen mit der genauen Angabe von Bor- Zunamen, Alter, Schulklasse. Wohnort und Straße
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Senkrecht: 1. Kleidungsstück; 2. tierisches Produkt; 3. Naturerscheinung; 4. deutscher Dichter; 5 weiblicher Vorname; 6. deutscher Fluß; 7. dänischer Dichter; 8. deutsche Stadt; 9. Krantheitserscheinung; 10. Singvogel; 11. Feldfrucht; 12. deutscher Fluß, 13. deutscher Komponist; 14. Teil des Autos, 15. Körperteil; 16. Fluß in Sibirien; 17. Handwerkszeug; 18. deutscher Dichter; 19. deutsche Stadt; 20. männlicher Vorname; 21. Werkzeug; 22. Musikinstrument; 23. Schädling; 24. Säugetier; 25. Gebäck; 26. französischer Fluß; 27. antiker Gesetzgeber, 28. Geldstück; 29. Baum; 30. berühmter Schauspieler.
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des Einsenders in einem geschlossenen Umschlag m t der Aufschrift „weihnachtspreisrälsel" bei der Redaktion des Gießener Anzeigers eingelaufen sein. Die richtigen Lösungen werden zugleich mit den Namen der Preisträger am Samstag, 11. Januar 1930, im Gießener Anzeiger veröffentlicht.
Silbenrätsel.
Aus den Silben:
a — a — a — be — ber — bi — bo — bro — de — de — de — di — do — drü — en — ei — gen — gen — i — i — i — ko — kra — la — lo — ma — me — mö — nach — ne — mi — o — ot — ra — re — re — ri — rot — rus — sa — sa — sehe — Schild — se — se — se — si — so — ta — te — tes — the —- tri — tro — ve sind fünfzehn mehrsilbige Wörter mit folgender Bedeutung zu bilden:
1. Stadt in Australien; 2. Naturerscheinung; 3. Hoheitszeichen; 4. inneres Organ; 5. Schmuckstück; 6 französischer Schriftsteller; 7. griechischer Redner; 8 antike Göttin; 9. militärischer Rang; 10. berühmter Geiger; 11. afrikanische Landschaft;' 12. Urtier; 13. deutsche Stadt; 14 christlicher Heiliger; 15. italienische Strophenform.
Sind die Wörter richtig gefunden und untereinander gestellt, ergeben die zweiten und vorletzten Buchstaben, von oben nach unten gelesen, den Anfang eines Weihnachtsliedes; ch gilt als ein Buchstabe.
Rätsel in Reimen.
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das Ganze steckt im zwecken drin als Feiertag und Anbeginn.
Zahlenrätsel.
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1. Nacht
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Rohr
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4. Reigen
Boden
5. Guß
Hammer
6. Raub
Rüstung
7. Kreuz
Brücke
8. Fischer
Volk
9. Dank
Tier
10. Wall
Schale
11. Flaum
Messer
12. Ehe
Finger
13. Maul
Treiber
14. Wand
Kette
15. Heu
Wagen
16. Ziegel
Fenster
17. Morgen
Halle
18. Senior
Arzt
Dienstag, 24. Dezember 1929
hoben werden. Das nächste Jahr war für ganz Europa nachteilig und die italienische Ernte sank wieder um 7 Millionen Doppelzentner. Mussolini ließ sich nicht beirren und verlangte eine bessere Ausnutzung von Sonne. Wasser. Arbeit und Wissenschaft, mit dem Erfolg, daß im nächsten Jahre wieder 62 Millionen Doppelzentner gemeldet wurden. ..Einen weiteren Doppelzentner im Hektardurchschnitt", bestand der Duce, „und wir sind am Vorabend des Sieges. Und dann noch einen Doppelzentner mehr und wir werden erreicht haben, was uns bis gestern ein Traum oder Wunder schien: daß der italienische Boden allen Italienern Brot liefert. Jeder weiß, was das für ein Volksvermögen und auch im Ernstfall bedeutet."
Bei der diesjährigen Versammlung tonnte Mussolini seine Genugtuung über den außergewöhnlichen Ertrag von fast 71 Millionen Doppelzentner bei einer Verminderung der Anbaufläche um 166 700 Hektar bekunden. Der Durchschnittshektarertrag beträgt 14,7 Doppel- zentner gegen 12,5 im Vorjahre und 10,8 im Jahre 1927! Die Lombardei weist einen Durchschnitt von 25,5, die Provinz Cremona 32 Doppelzentner pro Hektar auf. Der Duce war guter Dinge und seine Zufriedenheit spiegelte sich in seiner Umgebung. Auf Vergleichszifsern fußte sein sachlicher Bericht, aber überall klang die Ermutigung zu neuer Anstrengung durch. „Die mögliche Ausschaltung aus den Passiva unserer Handelsbilanz von 4 Milliarden für landwirt- schriftliche Erzeugnisse wäre von ungeheurer Wirkung für die wirtschaftliche Entwicklung Italiens." Bezeichnend für Öre italienischen Verhältnisse ist die Behandlung der G e t r e i d e p r e i s e. Fast nie wird die Frage öffentlich besprochen, ob das Getreide für den Verbraucher billig genug ist; um so häufiger aber, ob der Getreidepreis im Sinne der einheimischen Landwirtschaft hoch genug ist. So erinnert Mussolini auch jetzt wieder daran, daß die faszistische Regierung rechtzeitig vor der Ernte den Getreidezoll von 11 auf 14 Goldlire erhöht hat, mit dem Italien hinter Albanien und Frankreich der Höhe nach an dritter Stelle steht. So hat auch das ständige Getreidekomitee als wirksamstes Mittel für die wunschgemähe Preisbildung neben dem Zoll die Verpflichtung der Müller, während einer bestimmten Zeit nur einheimisches Getreide zu mahlen, eine zeitweise Getreideausfuhr, vor allem aber die Hebung des Hektardurchschnitts bezeichnet. Aus keinen Fall soll zugelasseu werden, daß die Landwirtschaft sich nicht bezahlt macht.
Das eindrucksvollste an der italienischen Agrarpolitik ist, daß sie nicht einer zufälligen parlamentarischen Parteikonstellation, sondern einem Weitschauenden wirtschasts- und sozialpolitischen Programm entspringt. Der deutlichste Beweis ist das im Juli in Kraft getretene Gesetz über die „bonifica integrale“, das historische Bedeutung hat als Mittel zur Errichtung neuer Lebensmöglichkeiten für die zunehmende Bevölkerung, als Vorbeugung gegen die Landflucht und Sicherung der Schollengebundenheit der Ration. Aus Jahre hinaus sind Urbarmachungen, Entwässerungen, neue Wasserleitungen, Kraftwerke, Landfiedelungen usw. in Zusammenarbeit zwischen Staat und entsprechenden Verbänden oder Einzelpersonen, aber stets unter Aufsicht des Staates, vorgesehen. Diese bonifica ist im Landwirtschafts- ministerium unter einem besonderen Unterst aats- sekretär zusammengefaht und sie ist Mussolinis Lieblingskind.
Von allen Kraftanstrengungen des Faszismus ist seine Agrarpolitik die vornehmste und höchste. Deshalb empfindet man bei den jährlichen Preis- Verteilungen in angenehmer Weise das Fehlen jener oft unheimlichen Spannung, die sich bei anderen politischen Versammlungen hier oft noch unwillkürlich aufdrängt.
Weihnachtszedanken über Tierschutz.
Als Kind habe ich einmal am Rachmittag vor dem Heiligen Abend eine gefangene Maus durch unfern Hund töten lassen. Mir ging das Bild des schwitzenden, zu Tode geängstigten Mäus- leins den ganzen Weihnachtsabend nach; nicht nur, weil das Tier mir leid tat, auch nicht nur, weil es durch meinen Willen am Weihnachtstage sterben mußte, sondern weil von den Erwachsenen keiner etwas Schlimmes dabei fand. In diesem kindlichen Schuldgefühl dämmerte mir die Erkenntnis, was für dicke Mauern wir Menschen zwischen uns und der lebendigen Mitwelt errichtet haben, so daß selbst unsere Weihnachtsliebe sie nicht zu durchdringen vermag.
Wir bringen uns in dieser Weihnachtszeit erneut zu Bewußtsein, daß neben dieser Welt voll Sorge und Unfrieden, voll Angst und Elend eine Welt der Güte und Liebe besteht. Durch allerlei äußere Zeichen, durch Gaben und Lichterglanz versuchen wir denen, die uns lieb sind, und manchem, den wir in diesem harten Leben leiden wissen, einen Schimmer aus diesem Reich der Freundlichkeit und des Verstehens zuteil werden zu lassen. Da wollen wir nicht vergessen, daß neben der Menschheit auch eine Schar von Tieren in einem Leben voll Kampf und Entbehrung stcht. Um unser verwickeltes modernes Leben führen zu können, entreißen wir ein Heer von Tieren seinen natürlichen Bedingungen, nehmen seine Kräfte und sein Leben in Anspruch und lassen es für uns leiden. Der Reichtum der Liebe aber ist da, für alles, was da lebt und leidet. Lebendige Liebe kennt keine Grenzen. Darum kann uns die Weihnachtszeit lehren, tiefer über die Lage der Tiere unter der Herrschaft des Menschen nachzudenken und Rücksicht und Verständnis auch ihnen zuteil werden zu lassen.
Wo ein Hofhund hungert und friert, wo das Stallvieh schlecht gepflegt in schmutzigen Ställen dahinlebt, wo gefangene Waldvögel sich vergebens nach ihrem abwechslungsreichen Leben da draußen in der Freiheit sehnen, wo überhaupt lebende Tiere mißachtet und der Liebe nicht wert befunden werden — da fehlt ein Stück vom Verständnis des Weihnachtsfestes. Weihnachten gibt auch so schön Gelegenheit, in den Kindern Achtung und Rücksicht gegen die Tiere zu erwecken. Welche Freude bereitet eS ihnen, wenn sie am Weihnachtsabend auch den Haustieren irgend etwas Liebes crwe sen dürfen! Welch falsche Auffassung aber kann sich in den jungen Seelen festsetzen, wenn die Tiere an dem Tage ganz unbeachtet bleiben, an dem die ganze Familie versucht, sich gegenseitig Freude zu machen! Kinder haben dafür ein feines Gefühl, weil fk den Tieren noch näher stehen, als dec Erwachsene. L. B.


