Ausgabe 
24.12.1929
 
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Ur. 301 Zweites Blatt

pLidjH nach

einem

dt cm deutschen Dolksboden auf zwölf Staaten «ungeteilt ist und daß außerhalb der Grenzen

Mung deutscher Sprache und deutscher Kultur etit Ausmaß gehabt wie jetzt nach dem Versailler Diktat? Wohin wir sehen: ein Ringen um unveräußerliche Menschenrechte, ein iampf um den Schuh deutscher Min­ke rheiten. Es hat fast den Anschein, als ob nun sich rings um Deutschland herum in dem tuen Gedanken verbrüdert hätte, zu verhindern, unsere Volksgenossen an unseren Grenzen sch in starker kultureller Verbundenheit als tDeLtsche fühlen, die auch als Söhne fremder Blaaten das Recht auf die geistige Zusammen-

ies Reiches in seinen Änliegestaaten 15 Millionen Rutsche wohnen. Hot je der Kampf um die Er-

Empfehlui, en

Friede in friedloser Zeit!

Don Or. Otto Boelitz, ehem. preußischem

Staaisminister a. O., M. d. L

"uenlos ousruhen mein Frieden, in

Airbeit rastlos a n eine« Daseins

möchte, sondern nach dem es in ehrlicher der Neugestaltung schaffen kann. Es will

Sin gequältes Volk sehnt sich nach Frieden. ---- Frieden, in dem es

St'^X'« ö.

Gestimmt und repariert n- ffiLd lhr Piano.FiBHei od. naimonimn preiswert gu( n; dm5h lanohaus

Arteten haben inmitten der übrigen Länder ?L.ropas, Frieden an seinen Grenzen, Frieden '(peim.

Als vor elf Jahren die Machthaber der Staa­ten, die den Krieg mit den Waffen und dem jOtaterialaufgcbot der ganzen Welt beendeten, ich anschickten, der Welt den Frieden wieder- ! su^eben, erklärten sie, ein Europa des Frie- (!>ciis und der Gerechtigkeit schaffen zu wollen, pcib was ist daraus geworden? Sagen wir es och ganz offen: ein Europa der U n g e < iccfjtigleit und der Friedlosigkeit. Mitten durch blühende deutsche Gefilde hat man iie Grenzen gelegt, Brüder von Brüdern ge­reimt. Hnb derselbe Friede, der angeblich dafür hegen sollte, daß nichtwie in früheren Frie- knsschlüssen" Völker von einer Staatshoheit zur mLernverschachert" werden sollten, hat es seniiggebracht, daß heute deutsches Volkstum auf

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{üf>origteit mit uns V iben.

Llnb doch hat niemand das Recht dazu, das zu verhindern. Heber Grenzen hinweg, die fünft- ich» errichtet sind, muß auch für das deutsche 3olt gelten: Blut z u Blut, Volk zu 2olkl Es mutz immer das Recht auch eines ehrlosen Volkes bleiben, daß es aus der Tiefe moralischer Kraft nach geistigen und sittlichem Auswirkungen strebt und daß es in dem Gefühl tillkischer Verbundenheit mit allen seinen Volks- t-nr offen den großen Aufgaben seines nationalen Daseins lebt.

Dazu ist allerdings zweierlei nötig. Einmal müssen die Staaten, die Europa den Frieden hingen wollten, dafür sorgen, daß die Voraus- itiungen für diesen Frieden wirklich erfüllt sind, nfl die nationalen Minderheiten in allen Staa-- tn Mitteleuropas die Freiheit ihrer kulturellen Itätigung erhalten. Es war Stresemanns cHestes Bemühen, innerhalb des Völkerbundes mt> der großen Oeffentlichleit um die Einsicht in ßticse elementare europäische Notwendigkeit zu rmgen, und der dem Tode Geweihte hat noch lieht in Genf wunderbare Worte für den euro- äischen Frieden und den Frieden der Welt - landen. Hier muß jeder seiner Nachfolger in um Geist wahrer liberaler Staatsauffassung und .!t hingebender Liebe zum deutschen Volkstum ir dieses große Ziel arbeiten. Der Friede der ^Tüchtigkeit bleibt ein Friede der höchsten Hn- xrncchtigkeit, solange diese Erkenntnis nicht all» liimzin aufdämmert. Arbeiten wir rastlos daran, vc das Gewissen aller derer auszurütteln, die rHste Verantwortung vor dem Gewissen der Tclt tragen 1 Jeder, auch der kleinste Schritt nvmoärts bringt uns dem Frieden näher.

Gkiläuferweihnachi.

Von Sofie von tlhde.

Äeuchend hält der tiefverschneite Zug an der kirnen Station, die, schwach erleuchtet, am dunk- Mlm Berghang lehnt: nur wenige Skiläufer ftei» «n. heute aus, so spät am Heiligen Abend, und iie schultern eilig die Brettln und laufen dem 'ishmsgasthaus zu, wo die Kameraden schon ihrer hatten beim Punsch und beim brennenden Baum.

Si r aber, Klaus, Detlev, Robby und ich, wir Amalien bedächtig die Skier an und verteilen jie schweren Rucksäcke, denn wir wollen heute i Rxfg hoch hinauf zu unserer Hütte oben am Joch Kb* wollen allein in Schnee- und Bergeinsamkeit tiie rechte Skiläuferweihnacht feiern.

Lald versinken unter uns die Lichter des Tales: "! d.i her, tiefbeladener Winterwald umfängt uns :rit Schweigen. Myriaden von Reifkristallen glän- ijai matt im Dämmer der Schneenacht und über i«tl reglosen Wipfeln beleuchten die kalten, klaren brme unfern nächtlichen Weg. Vielleicht ist es iir Stern von Bethlehem, der dort oben so Ikuchtend überm Joch steht, ja. sicher ist er es, !pd> in seinem Scheine wacht und wartet der 'Dm.'d, in seinem Scheine steigen wir stumm und iie Herzen nach Jahren wieder einmal voll vom liin, süßen Kinderglück und »glauben, hinauf zu ri'srer Hütte.

De liegt im Schnee bis über beide Ohren. !Din müssen erst die Tür freischaufeln, um hinein ||i gelangen, und nun beginnt eine rege Tätigkeit. ; Klaus macht Feuer im Herd und spaltet Holz, itfi. die Wände zittern, während Robby Eimer ' I iIT Schnee herbeischleppt zum Schmelzen, denn i t|ete Quelle liegt tief vergraben unter hoher, Ifciffer Decke. Detlev und ich, die wir mehr für s 1) ifige sind, wie w i r sagen ausstellungs- : ilritkig faul nennen'« die anderen wir berei» : itn )en Punsch und schmücken den kleinen Raum icht Tannenzweigen. Bald kracht's und prasselt's iiip Herd, von den Skiern in der Ecke tropft der Iitcicnbe Schnee, und der Schein der summen- i5ki Petroleumlampe wandert über das geblumte ?3ni?mfteingut auf dem Wandbrett und über iw cotweiß gewürfelten Kissen und Vorhänge.

Fest kann seinen Anfang nehmen.

.21uf dem Tisch dampft der Punsch, Aepfel und "Dnn'.enzweige duften in der knisternden Wärme Äs istwahnsinnig gemütlich", wie Robby r> fat und während unser einsames Berglicht klein liui) fern hinunterleuchtet in's Tal. stoßen wir :ni rrif unseren Gläsern und DerteUen unsere ©e- Wemle: wunderbar dicke Skisocken, die vor Farben» UjW strahlen, Norweger Wollschlipse, kurze

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Dienstag, 24. Dezember 1929

Ferner aber müssen wir daheim uns alle viel stärker als bisher auf die Forderungen unseres staatlichen und völkischen Lebens be­sinnen. Wo ist es anderswo in der Welt wie in Deutschland möglich, daß sich ein Volk die langen 3ahke nach einem verlorenen Krieg hindurch grausam zerfleischt und daß nicht die, die dem Sowjetismus auf der einen und dem Faszis» rnus auf der anderen Seite ergeben sind, sich zu der letzten Krastanstrengung zusammensinden? Wir denken in alten Kategorien und urteilen nach alten Schablonen: für uns sind die Dok­trinen veralteter Parteianschauungen noch dann ausschlaggebend, wenn wir sehen, daß Lebens­fragen der Nation in höchster Gefahr sind, die nur durch die tatkräftige Hilfe aller gelost werden können. Wir spintisieren und dedu­zieren und verlieren dabei die Wirklich­keit aus dem Auge. Hm theoretische Fragen der Staatsform, die wahrlich heute nicht aktuell sind, kämpfen wir mit größter Leidenschaft und

sehen dabei nicht, daß die Wirtschaft Gefahr läuft, zugrunde zu gehen. Lernen wir endlich das Wesentliche erkennen, es in unseren Willen aufzunehmen und danach zu handeln! Hnser Volk hat nach der Revolution bewiesen, daß es allen Extremen abhold ist. Hnser Volk ist nicht, wie man so oft sagt,krank", es ist gesund und hat noch ungeheure Reserven der Lebens­kraft. Erhalten wir sie unserem^ Volke, wie sie beschlossen sind in der sittlich-religiösen Grund­haltung. in Ehe und Familie, in Erziehung und Hnterricht, in Wissenschaft und Kunst, daß es weiter glaubt an die Idee, die auch unserem Volk mitgegeben ist auf seinem Lebenswege: mit anderen Völkern zugleich Träger des Mensch­heitsgedankens zu sein und seinen Teil beizu­tragen zur Entwicklung des Menschengeschlechtes. Wir müssen heraus aus dem frucht­losen Kampf der Parteien, der vielfach auszuarten scheint zum Kampf der bürgerlichen Parteien untereinander. Wir müssen loskommen

von einem Parlamentarismus, der starr und un- lebendig geworden ist und der Parteisahungen über die Menschen stellt, die durch sie gebunden sind. Wir müssen uns hinwenden mit ganzer Seele zum Schuh der Kräfte unseres deutschen Volkstums, die uns in der Vergangenheit groß gemacht haben und die auch heute noch unser Volk stark machen können. Hnser ganzes Volk. Nicht nur die 63 Millionen daheim, sondern auch die 30 Millionen Deutsche, die in der ganzen Welt wohnen. Nur dann, wenn wir uns als die große Einheit im deutschen Geiste fühlen, werden wir die Mission erfüllen, die unserem Volke zu- gefallen ist.

Wer an solche Ideen glaubt, kann und foH mitwirken an der Erfüllung unserer Aufgaben, kann mitarbeiten, daß der Friede kommt in friedloser Zeit. Er kommt nicht wie eine unver­hoffte Gabe: aber er kommt sicher, wenn wir an ihn glauben und für ihn arbeiten.

Zwanzig Jahre deutsche Weihnachten.

Buch ein Gchicksalsbaronieier Deutschlands.

Cs gibt wohl kaum ein Land, das im Verlause der letzten zwei Jahrzehnte so viele Wand­lungen durchmachen und so schwere Schicksals­schläge ertragen mußte, wie unser deutsches Va­terland. Welch Abgrund klafft zwischen der Vor­kriegszeit und unserer Gegenwart! Hnd dennoch ist die Menschenseele so geartet, daß sie über die Gegenwart die Vergangenheit, selbst die schwerste Vergangenheit leicht vergißt. Nur allzu gern klagen wir über das Heute, noch zumal wenn dieses Heute im Zeichen schwerster Wirt'chafts- depression steht, wie das Weihnachtsfest 1929. Aber diese Gegenwart wird uns leichter er­scheinen, wenn wir einmal zurückdenken an die Weihnachtsfeste, die wir in den letzten zwei Dezennien durchgemacht haben, dann erst werden wir sehen, daß manchmal schon das Schicksal es ebenso schlecht oder vielleicht noch schlech- t e r mit uns gemeint hat, als in diesem Jahre.

Wir wollen deshalb Weihnachten einmal als Schicksalsbarometer Deutschlands betrachten und lassen dazu Persönlichkeiten sprechen, denen ein­zelne Weihnachtsfeste der letzten zwei Jahr­zehnte besonders stark in Erinnerung geblieben sind.

Weihnachten 1909.

Vom kaiserlichen Deutschland der Vorkriegszeit erzählt Frau Gene­ralin von E., die früher Hofdame am Hase Wilhelms des Zweiten war und dort das Weihnachtsfest 1909 miterlebt hat: Wenn ich die Gegenwart mit den vergan­genen Weihnachtstagen von 1914 vergleiche, so kommt es mir vor, als hätte für mich das Leben eigentlich mit dem Jahre 1914 aufge­hört. Wenigstens das Leben für uns, die wir mit dem Hofe fo eng verbunden waren, daß, als fein Glanz verging, auch unser Leben dunkel wurde. Die Wintersaison war ja immer die Glanzzeit am Hofe. Im Sommer waren die Majestäten stets von Berlin abwesend, entweder auf Reisen oder in Potsdam und demgemäß war auch die Hofgesellschaft, soweit die Herren nicht in Berlin aktiv waren, in alle Winde zerstreut. Aber die Zeit von Ende November bis zum Frühjahr welche Fülle von Festlich­keiten,.len. gesl.'scha t ichen Hnternehmungen! Nur Weihnachten war, der Tradit on des Kaiser­hauses entsprechend, ein Familienfest freilich ein Familienfest im weiten Sinne. Nie werde ich die Weihnachtsabende vergessen, den Lichterglanz in dem großen Saale des Schlosses,

Pfeifen als ob nicht schon genug Qualm in unserer Hütte wäre! Bindungen und Skiwachs, ein unerhörtes Skiwachs, das Wachs mit einem Wort, mit dessen Hilfe auch der hoffnungsloseste Stümper nicht umhin kann, selbst das Holmen» kolln zu gewinnen. Dieses Wachs verehren wir vor allem Detlev, welcher letzten Winter unser Klubrennen verlor und er quittiert mit schmerz­lichem Schweigen diese Aufmerksamkeit.

Dor mir häufen sich drei große Lebkuchen- herzen, alle drei schön braun, mit Flammen aus rotem Zucker und der Aufschrift: aus Liebe, die wildes Hallo entfachen: denn jeder hatte still für sich geglaubt, mit diesem Pfefferkuchenherz seine skibrüderliche Zuneigung auf eine völlig aparte und noch nicht dagewesene Weise kundzutun. Sie schmecken außerdem alle drei gleichmäßig ein wenig nach Langriemen und englischem Tabak.

Hnd dann tanzen wir, immer rund um den Eck­tisch, mehr Platz ist da nicht, während Klaus, der sich bereits an Marzipan überfuttert hat und infolgedessen auf Ruhe hält, die Mund­harmonika spielt: ,,Ia, du und i dös san zw:a Wir tanzen mit sportlicher Hingabe, die Petro­leumlampe raucht, laßt sie rauchen, der Wasser­kessel läuft über, laßt ihn laufen, wir haben keine Zeit, wir müssen tanzen.

Mitternacht naht, die alte, heilige Stunde:

Hnd hat ein Röslein bracht, Mitten im kalten Winter, Wohl zu der halben Nacht."

Da schlüpfen wir in unsere Windjacken und Mützen, greifen nach den Skiern und treten vor die Tür.

Weithin, bis an die Grenzen der Ewigkeit, spannt sich das gestirnte Nachtzeit, Gipfel schim­mern hoch in mattem Glanz, strahlender noch steht nun der Stern von Bethlehem überm Joch, die weiße Welt wartet in Schweigen. Hnd schwei­gend fahren wir hinab die zweihundert Meter bis zu den ersten Bergtannen.

Da steht ein kleiner Baum zwischen den alten, bertoetterten Riesen, den haben wir uns aus­gesucht. Wir wollen ihm nichts zuleide tun in dieser Heiligen Nacht, er soll nur ruhig weiter­wachsen in seinem Walde, aber wir wollen ihn schmücken für unser Fest. Klaus hat Lichter und Halter in der Tasche, bald strahlt das tiefver» schneite Bäumchen unter den leise wehenden Ker­zen und durch den Wintecwald schreitet die alte, holde Weihnachtsgeschichte.

Thm läuten in den Tälern die Glocken zur Christmette, nun steigen Gesang und Wechrauch um Altäre: hier oben aber schreitet das göttliche Kind selber über die Gipfel, der Schein unserer Kerzen fällt auf sein weißes Hemdchen.

in dem Tausende von Kerzen an 6er herrlichen hohen Edeltanne leuchten. Hatte doch jedes der kaiserlichen Kinder seinen Baum besonders. Für die Kaiserin mit ihrem mütterlichen Herzen war dies Fest so richtig ein Fest der Liebe und des Beschenkens. Cs war geradezu rührend, wie sie im Laufe des Jahres nicht nur die Wünsche der Kinder, sondern auch die Wünsche ihrer Getreuen zu erraten gewußt hatte, um sie dann unter dem brennenden Lichterbaum zu erfüllen. Mit dem Weihnachtsende begann dann die Zeit der großen Festlichkeiten, am glanz­vollsten war die Gratulationscour zum Neu­jahrsfeste, zu der alles erschien, was am Hofe zugelassen war. Die Gratulationscour der aus­wärtigen diplomatischen Missionen war ein sehenswertes Schauspiel. Dann kamen die großen Bälle, zu denen die am Hofe verkehrenden alten Familien des Landes aus dem ganzen Reiche sich einfanden."

Weihnachten 1914.

Don Weihnachten 1914 erzählt Herr K a- bitänleutnant Günther Plü­schow, der berühmte IPeltreisende und Flieger von Tsingtau:

Weihnachten 1914 war für mich in Wahrheit ein Schicksalsweihnachten. Während in Deutschland die deutschen Heere an allen Fron­ten rangen, war Tsingtau nach verzweifelter Abwehr gefallen. Ich war auf der Flucht von China nach Amerika. In Schanghai sah ich fest. Hnd nur der Hochherzigkeit einer Engländerin, der ich einst vor Jahren einen Dienst erweisen konnte, verdankte ich es, daß ich weiterkam. Sie versorgte mich mit einem fal­schen Passe. Mit Hilfe dieses Passes reiste ich als angelsächsischer Millionär mit dem Namen Mac Garden auf einem amerikanischen Schiffe. Mein Millionärsgepäck bestand in einem Koffer voll Ziegelsteinen. Ich besah nur ein einzi­ges Hemd, das ich heimlich in meiner Mil­lionärskabine selbst wusch. Daß ich als einziger der mitreisenden Passagiere keinen Smoking be­sah, in dem ich an der Abendtafel erscheinen konnte, hielt man vielleicht für eine der vielen exzentrischen Launen, welche die angelsächsischen Millionäre auszeichnen sollen. Weihnachten wa­ren wir gerade vor St. Franzisko. Gerade da bekamen wir an Bord die Nachricht, daß das deutsche Kreuzergeschwader, auf dem einige meiner besten Freunde waren, unter­gegangen war. Das war eine schmerzliche

Hnd im Schatten des Waldes verborgen, stehen die Berghirsche und schauen staunend mit den reinen, dunklen Tieraugen in die Menschen­weihnacht.

Oie Wachskerze.

(Sin Kindermärchen von Frank Thieß.

Cs war einmal ein Kaufmann, der verkaufte schöne bunte Sachen für den Weihnachtsbaum. Wirklich wunderhübsche, bunte Sachen verkaufte er. Sternchen, Flitter, Lametta, Silberstreifen und Wachskerzen.

Zu diesem Kaufmann kam am 23. Dezember ein kleiner Junge, der sagte:Ich möchte, bitte schön, eine Wachskerze haben."

Eine?" fragte der Kaufmann.

,,2a, eine Wachskerze, bitte," sagte der kleine Junge und zitterte ein wenig vor Kälte. Denn es war armer Leute Kind und besah nur einen ganz winzigen Weihnachtsbaum, so groh wie eine Erikastaude. An diesem Baum hatte höch­stens eine Wachskerze Platz. Außerdem wären zwei viel zu teuer gewesen.

Er zahlte einen Groschen, nahm die Wachs­kerze, es war eine grüne, sagtedanke schön" und ging.

Bei dieser Gelegenheit erfuhr die grüne Wachs­kerze, dah sie eineWachskerze" sei. Lange dachte sie darüber nach, plötzlich aber hatte sie es begriffen.

2lls nun der Heilige Abend herankam und die Wachskerze aufgesteckt und entzündet wurde, herrschte große Freude. Hnd zwar auf allen Seiten. Denn erstens war es Weihnachten, und wer zu Weihnachten ein brummiges Gesicht zieht, der gehört unter eine Käseglocke und nicht unter einen Christbaum, und zweitens begriff unsere Kerze jetzt erst, wie wunderschön es war, zu brennen.

3a, weih der liebe Gott, das war prächtig. Die Menschen haben davon keine Ahnung, denn die sind höchstens lauwarm wie Spülwasser, aber uicht heiß wie ein Flämmchen und brennen kön­nen sie schon gar nicht. Das heiße Wachs tropfte und duftete, das Tannenbäumchen duftete auch em bißchen, und der kleine Junge hatte beide Arme auf den Tisch gestemmt und starrte in die Flamme.

Soweit ging alles aufs beste. Doch plötzlich bemerkte unsere Wachskerze etwas schreckliches. Sie bemerkte, dah sie kleiner, immer kleiner tourbe. In ihrer Aufregung fragte sie den Tannenbaum, ob es wahr sei, daß sie kleiner werde?

Weihnachten und ich durfte meine trübe Stim­mung nicht einmal zeigen, denn was ging den schottischen Millionär Mac Garden das deutsche Geschwader an!? Auch alle bösen Reden wegen Deutschland muhte ich stillschweigend mit an- hören, um mich nicht zu verraten. Ob man mir den angelsächsischen Millionär geglaubt hat? Ich glaube nicht. Jedenfalls trank man beim Weih­nachtsessen auf mich als den funny scotsman- was eine deutliche Anspielung war. Immerhin muh ich offen bekennen, daß man mich, obgleich ich verdächtig war, sehr freundlich behandelte.

Als ich endlich in Amerika war, besaß ich außer meinem Millionärskoffer mit Ziegelsteinen keinen Cent. Wer mir weiterhalf, ist nicht wichtig. Aber hervorheben möchte ich, dah schon damals, Weihnachten 1914, dank der fabel­haften Beeinflussung der amerikanischen Meinung durch die Entente-Presse eine ungeheuer Gereizte Stimmung gegen Deutsch- and herrschte. Ich fuhr als Schweizer Schlosser von Neuyork auf einem neutralen Dampfer wei­ter aber vor Gibraltar erwischten mich die Engländer und nahmen mich gefangen- Aber auch hier muh ich, um der Wahrheit die Ehre zu geben, sagen, dah man mich in der Ge­fangenschaft sehr anständig und korrekt behan­delt hat.

Maschinengewehre am Weihnachisiage 1918.

Don den Berlinern m st urztagen berichtet ein O f f i z i e r, der im Jahre 1918 einem Dolksbeauftragten als Adjutant zu- geteilt war:

Weihnachten 1918? Cs ist nicht zu denken, ohne den Novembertag des Jahres 1918, jenen schicksalsschweren Tag, als die meuternden Ma­trosen von Kiel aus sich in Bewegung setzten, um die Revolution nach Berlin zu tragen. Wir im Kriegsministerium hatten buchstäblich nicht die leiseste Ahnung, was vor sich ging, was zu tun war. Es fehlte ein Wille, es fehlte eine einheitliche Leitung. Es fehlte der Füh­rer. So nur konnte es kommen, dah aus der Meuterei die Revolution wurde, genährt von der Derzweiflung eines ausgehungerten Dolkes, im Geheimen vorbertzitet durch den Bolschewis­mus, dessen Führer wir ja seinerzeit aus der Schweiz über Deutschland nach Ruh land ge­leitet hatten. Hnd gespeist aus der Masse der

Jawohl," sagte der Tannenbaum, das sei nicht zu leugnen.Aber ich bin doch eine Wachs­kerze st' schrie sie und flackerte verzweifelt. Der Tannenbaum zuckte seine sechs Aestchen und schwieg.

Da fragte die Kerze den kleinen Jungen: Du, Junge, sag mir bloh, ist es wahr, dah ich immer kleiner werde?"

Ja, es ist leider wahr," erwiderte der Junge.

Rber ich bin doch eine Wachskerze!" schrie sie abermals.Ich muh doch größer werden!"

Da erschrak der kleine Junge. Wenn das Lichtchen eine Wachskerze war, muhte es freilich größer und nicht kleiner werden. Er löschte es also rasch aus und beschloß, nachts im Traum den lieben Gott zu fragen, wie das Zusammen­hänge.

Im Traum nahm er die Wachskerze an der Hand und auch sie reichte ihm eine kleine, etwas feuchte Patsche, und so gingen sie zusammen vor den Thron des lieben Gottes und fragten, wie es komme, daß das arme Wachslichtlein kleiner werde, anstatt zu wachsen.

Der liebe Gott aber hatte das Christkind auf dem Schoh und sprach:Wer sichtbar verbrennt, der darf unsichtbar wachsen. Jedes Licht, das meinem Kinde zu Ehren flammt, wächst als ein feuriges Seelchen im Himmel. Hnd wenn jenes gestorben ist, wird dieses geboren."

Da war die Wachskerze froh, bedankte sich, gab dem' kleinen Jungen die Hand, der einen großen Diener vor dem lieben Gott machte, und dann fliegen sie wieder auf die Erde hin­unter. Als sie aber unten waren, zündete der Junge gleich die Wachskerze an, blickte in ihr Licht, und beide lächelten und flammten.

2lls nun die Kerze erloschen war, siehe, da krähte ein kleines Sümmchen aus dem Zimmer, in dem die Mutter lag. Sin sehr junges, ganz ungebärdiges Stimmchen.

Das Lichtlein erlosch, aber ein anderes ward geboren. Hnd das wächst täglich und stündlich, hat tote Backen und heißt Annemarie.

Sochschulnachnchten.

Zur Wiederbesetzung des Lehrstuhles der mittel­alterlichen Geschichte an der Hniversität Bet - lin (an Stelle von Prof. A. Brackmann) sind Berufungen an Geheimrat Professor Dr. Karl nrJnL ? Döttingen und Professor Dr. Wilhelm Levison in Bonn ergangen. Der OUttP ben Weggang bcS Professors 2oh. Buder nach Breslau an der Hniversität Greifswald erledigte Lehrstuhl der Botanik ist Professor Dr. Paul Metzner in Tübingen an geboten wvrderr,