Ausgabe 
24.9.1929
 
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Nr. 224 Drittes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Dienstag, 24. September 1929

Turnen, Sport und Spiel.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

ö. Am Sonntag trug die Ligaelf der 1900er il)r erstes Lerbandsspiel auf eigenem Platze gegen die Liga von Breidenbach aus. Nach durchweg überlegenem Spiel der Einheimischen, bedingt durch besseres technisches Können, sah man trotz alledem am Schluß nur einen knappen 4:3-Sieg des Platz­vereins, da die gegnerische Hintermannschaft heftigen Widerstand leistete. Umgekehrt hatte das ersatzge­schwächte Schlußtrio der Bereinigten manche schwache Momente, die die eifrigen Breidenbacher bei schnellen Vorstößen geschickt ausnutzten und dabei zu drei Gegentreffern kamen. Das Spiel war sehr fair. Ob­wohl 1900 in der ersten Spielhälfte gegen heftigen Wind und Sonne spielen mußte, war es fast immer­zu überlegen, scheiterte ober an der aufmerksamen 'Verteidigung der Gäste, die vom Glück begünstigt wurden, denn auf Fehler des Gießener linken Ver­teidigers kam Breidenbach zum Führungstor. Die Blauweißen kamen aber bald zum Ausgleich. Dann versiebte der unentschlossene Sturm der Einheimi­schen ganze Serien der sichersten Torgelegenheiten. Mit 1:1 wechselte man die Seiten. Der Platzverein drückte, mit Rückenwind spielend, nach der Pause be­ängstigend, im Tor der Gäste stand jedoch ein aus­gezeichneter Hüter. Breidenbach übernahm noch­mals die Führung, da ein Gießener den Ball ins eigene Gehäuse setzte. Gießens Mittelläufer glich jedoch bald wieder aus, und nach schönem Durch- spiel schoß der Linksaußen zum 3:2 für Gießen ein. Durch Mißverständnis in 1900s Hintermannschaft kam der Gast nochmals zum Ausgleich, ober eine Minute vor Schluß hotte Gießen nochmols Erfolg und dodurch mit einem 4:3=Sicg die ersten Punkte der neuen Saison erkämpft.

Diesem Spiel voraus ging das Lokaltreffen 1 9 0 0 gegen V. f. B. - Ligareferveruann- schäft e'n , bei dem die Bewegungsspieler, verstärkt durch mehrere Ligaspieler, einen 2:1-Sieg über die mit fünf Ersatzleuten antretende Elf 1900s davon­tragen konnte. Das (spiel war verteilt, beiderseits ließ man einen Elfmeter aus. Die Spielweise war scharf, der gut amtierende Schiedsrichter schickte ge­gen Schluß zwei Spieler, von jeder Partei einen, hinter die Barriere. V.f.B. war im Feldspiel besser. Die besseren Torchancen jedoch hatte 1900.

Die dritte Mannschaft enttäuschte ihre An­hänger sehr, da sie sich im ersten Meisterschafts- trcff'cn von Lichs er ft er E l f glatt mit 4:1 To­ren (Halbzeit 3:0) überfahren lieh. Das Spiel fand in Lich statt.

Die vierte Senioren elf bestritt ebenfalls ihr erstes Verbandsspiel gegen Steinbach und es nach schönen Leistungen zu einem Sieg 3:1 (Halbzeit 1:1) gestalten. Wenn der Sturm etwas schußkräftiger gewesen wäre, wäre der Gegner, Steinbachs zweite Mannschaft, wohl nicht so glimpf­lich davongekommen.

1900s erste Jugend hatte Aßlars erste Ju­gend als Pflichtspielgegner. Nach beiderseits guten Leistungen behielten die Gießener mit 1:0 das bessere Ende für sich.

Die zweite Jugend spielte gegen Stein­bergs erfte Jugend und gewann 2:0.

X\ f. D.

Die vierte Mannschaft nxir vergeblich in Dnubringen; ihr Verbandsspiel gegen die dortige Zweite kam infolge Ausbleibens des Schiedsrichters und anderweitiger Benutzung des Platzes nicht zum Austrag.

Die zweite I u g e n d m a n n f ch a f t schlug die gleiche von Nieder-Girmes nach forschem, abwechslungsreichem Kampf knapp, ober verdient mit 1:0. Wenn ihr Sturm etwos mehr Durchschlags­kraft gezeigt hätte, wäre der Sieg höher aus­gefallen.

Ein unerwartet gutes Resultat erzielte die dritte Jugend gegen die erste von Grohen-Buseck. V.s.B. war dem körperlich stärkeren Gegner technisch überlegen und lag sogar bis in die zweite Spiel­hälfte mit 3:0 in Führung, vergab dann lediglich

Willem de Haan.

3um achtzigsten Geburtstag.

23cm Prof. Dr. jur. et Phil. Karl Esselborn.

Obwohl Holländer von Geburt, so hat sich doch Willem de Haan wie wenige um die Pflege der Qli u H t in Hessen verdient gemacht. Mit vierundzwanzig wahren kam er in dieses fein Wahlvaterland und lebte hier fünfzig Jahre, von denen nur die letzten vier der Ruhe gewidmet waren. Wenn er auch dann seinen Wohnsitz noch Terlin verlegte, so ist es doch eine Ehrenpflicht, daß man in Hessen seiner zu feinem achtzigsten Geburtstag gedenkt.

Am 24. September 1849 hat er zu Rotterdam dar Licht der Welt erblickt. Mit zehn Jahren erhielt er den ersten Musikunterricht in der dorti­gen Musikschule. Bald schon begann er. ohne etwas von Harmonielehre gehört zu haben, Märsche und Tänze zu komponieren, sogar eine Oper noch einem selbstverfaßten Text zählt zu seinen srühesten Kompositionsversuchen. Dem W uniche seines Bakers entsprechend, trat er, nach­dem er mit siebzehn Jahren die Schule verlassen halte, in ein Speditionsgeschäft ein, doch be­friedigte ihn diese Tätigkeit nicht im geringsten. Er benutzte daher jeden unbewachten Äugenblick, um Kompositionen auf das in seinem Schreib- Pult versteckte Rotenpapier zu werfen. Er besuchte weiter die Musikschule, wo Samuel de Lange ihm im Klavierspiel und Willem Rieolai ihn in der Harmonielehre unterrichtete. Erst als beide Lehrer seinem Boter seine Befähigung zum De- rufsmusiker bezeugten, willigte dieser ein, daß der -Sohn die Musik zum Lebensberuf erkor und Schüler Waldemar B o r g i e l s wurde.

1870 bezog er für ein Jahr das Leipziger Kon- servotorium. Dann lernte er das Musikleben in Berlin. Wien und München kennen. 1872 kam er noch Köln, wo seine Ouvertüre zu Andersens Mörchenspiel ..Die kleine Seejungfrau" in der musilolischen Gesellschaft aufgeführt wurde. Ferdi­nand Hiller und Friedrich Gernsheim, deren Bekanntschaft er damals machte, empfahlen ihn als Leiter des Cäcilienvereins nach Bingen. Dort wirkte er bis Ende 1875. Im folgenden Jahre kam er als Dirigent des Mozartvereins nach Darmstadt, der unter seiner bis zum Jahre 1886 währenden Leitung einen bedeuten-

durch falsche Taktik den Sieg und ließ die eifrigen Gäste noch kurz vor Schluß den 'Ausgleich erzielen.

Die erste Schüler Mannschaft gewann ge­gen die ersten Schüler der Spielocr- einigung sicher mit 3:1. Die Platzmannschaft war in ihrer Gesamtheit, vor allem im Zuspiel und in der Ballbehandlung, besser als die gegnerische Elf, aus der einige Spieler durch gutes Können heroorftachen. Der Sieg der B.f.B.er war verdient.

Z. Sp. B. 1926 Steinbach.

Steinbach l D. f. D. lll 3:3.

Mit demselben Resultat wie im Gesellschafts­spiel vor 14 Tagen in Steinbach trennten sich om Sonntag obige Mannschaften im Verbands- spiel. Die Gäste erschienen wesentlich verstärkt, während die Plahbesiher für ihren Rechtsaußen Ersah einstellen mußten. Daß Steinbach dieses Spiel trotzdem unentschieden gestalten würde, hatte wohl niemand geglaubt, zumal die Gäste bei Halbzeit 3: 0 in Front lagen. Steinbach kam nach Halbzeit mehr auf. konnte noch dreimal einsenden und fo das Resultat unentschieden ge­stalten.

Arbeiter-Turn- und Sporibund.

Gießen I Dorheim I 2:3.

Am Sonntag standen sich diese Mannschaften im Borrundenspiel der Kreisklasse auf dem Trieb gegenüber. Gießen hatte wieder Ersatz für seinen Tormann und Mittelläufer einstellen müssen, während die Gäste in kompletter Aufstellung antraten. Der Anstoß brachte den Gästen be­reits in der ersten Minute einen Handelfmeter, der aber durch Fehler des ausführenden Spie­lers den Einheimischen einen Freistoß einbrachte. Bald gelang es nun Gießen, zum ersten Erfolg zu kommen. Kurz vor der Pause konnten die Gäste durch einen Fehler des Hüters der Ein­heimischen den Ausgleich erzielen. Rach dem Wechsel zeigten beide Mannschaften ein planloses Spiel. Ein Elfmeter brachte Gießen abermals die Führung, Dorheim konnte jedoch abermals den Ausgleich erzielen. Gießen mußte es sich dann gefallen lassen, daß in der letzten Minute der Rechtsaußen der Gäste in schönem Allein­gang seiner Mannschaft zum dritten Erfolg und damit zum Siege verhalf.

Grohen-Linden I Wieseck I 2:5.

Die erste Mannschaft Wiesecks trat zum Rück­spiel in Grohen-Linden gegen die dortige erste Mannschaft au. Die Einheimischen versuchten die technische Ueberlegenheit der Gäste durch größeren Eifer und härteres Spiel auszugleichen. Wieseck, das weit unter seiner sonstigen Form spielte, konnte trotzdem dos Spiel mit obigem Resultat für sich entscheiden.

Saubringen I Burkhardsfelden I 3:2.

In reichlich scharfem Spiel standen sich obige Mannschaften in Daubringen gegenüber. Bald gelangten die Gäste zum ersten Tor, dem die Einheimischen nach einiger Zeit durch einen hohen Ball den Ausgleich entgegensetzten. Rach dem Wechsel wurde das Spiel noch schärfer. Dau­bringen konnte durch Strafstoß das Führungstor erreichen, dem nach kurzer Zeit das dritte Tor folgte. Erst kurz vor Schluß konnten die Gäste zum zweiten Tore kommen.

(Brünberg I Oppenrod I 0:3.

Zum fälligen Serienspiel standen sich beide Mannschaften in Grünberg gegenüber. Die Ein­heimischen konnten bis zur Halbzeit das Resultat auf 0:0 halten. Rach dem Wechsel trat die Ueberlegenheit der Gäste mehr hervor und Grün­berg mußte sich trotz reichlicher Abwehr mit obigem Resultat geschlagen bekennen.

Leun I Wieseck II 1:3.

Wiesecks Zweite war in Leun zu Gast. Leun, das den Wind zum Bundesgenossen wählte, konnte nidy verhindern, daß Wieseck bald zum ersten Tor kam und bei Halbzeit mit 2:0 in Führung lag. Rach dem Wechsel bot Leun seine

den Aufschwung nahm. Schon 1878 erhielt er die erledigte zweite Kapellmeisterstelle am Groh- herzoglichen Hostheatcr. Seine Berufung an das Hoftheater ist der beste Beweis dafür, wie schnell man in Darmstadt seine vorzügliche Kraft erkannt hatte. Auch die Familie des Grohherzogs Lud­wig IV. wurde auf ihn aufmerksam. Er wurde mit dem Klavierunterricht der Prinzessinnen und des Erbgrohherzogs Ernst Ludwig betraut und häufig zu Kammermusikaufführungen bei Hofe her­angezogen. Als Klavierspieler erfreute er sich mit Recht eines großen Rufes. Auch mit fein­sinnigen und geistvollen eignen Tonschöpfungen, insbesondere für Männerchor und Orchester, wie 5)er Königssohn".Harpa". ..Das Grab im Dusento" trat er hervor. Als der Hofkapell­meister Gustav Schmidt bald daraus erkrankte, versah er dessen Stelle, und nach dessen Ber- sehung in den Ruhestand wurde er 1881 dessen Rachfolger. Dreiunddreihig Jahre lang war de Haan nun der oberste Leiter der Darmstädter Oper. Es hieße beren Geschichte während dieses Zeitraums schreiben, wollte man im einzelnen hervorheben, was er hier geleistet hat. Hervor­gehoben sei nur. daß unter seiner Leitung nicht weniger als fünf Werke Richard Wagners ihre Darmstädter Erstaufführung erlebten; er setzte sich auch mit Erfolg für die strichlose Aufführung der Wagnerschen Musikdramen ein und verstand es, sie in Darmstadt volkstümlich zu machen. Auch mit zwei eigenen Opern erschien er auf dem Spielplan: der die Sage von Eginhard und Emma behandelndenKaiserstochtcr" nach einem Text des Mainzer Dichters Wilhelm Jacoby undDie Jnlasöhne", deren Dichtung er nach einer Erzählung von Multatuli selbst ver­faßte.Die Kaiserstochter" wurde 1885 zum erstenmal ausgeführt. Auch aus holländischen Bühnen wurde das Wert, dessen Textbuch an einer mangelnden Charakterisierung leidet, bei­fällig ausgenommen.Die Jnkasöhne" erlebten 1895 ihre Erstaufführung. 2m Jahre 1889 über­nahm de Haan nach Carl Amand Mangolds Tode die musikalische Leitung des Musikvereins, die er bis 1919 beibehielt. Sein fünfundzwanzig- jähriges Dienstjubiläum am 22. Oktober 1903 brachte ihm zahlreiche Ehrungen, darunter auch die Ernennung zum Hofrat. Zur Feier des Tages wurdeDie Kaisertochter" neu einstudiert.

Bon fernen weiteren Kompositionen, die auch Lieder, Duette und Klavierstücke umfassen, seien

ganze Körperkrast auf, um zu Erfolgen zu kom­men. Wohl gelang es ihm, sein Ehrentor zu erzielen, dem setzte aber Wieseck einen dritten Erfolg entgegen.

Tcnnis-Turnicr in (Äictzen.

Am Sonntag fand auf den Tennisplätzen vor dem D. f. D.-Sportplah ein Tennis-Turnier zwi­schen der Freien Tennisvereinigung Gießen und den gleichen Bereinigungen Frankfurts und Offen­bachs statt. Wenn.aud) Gießen wenig Aussichten auf Siegeserfolge gegen diese Gegner hatte, so zeigten doch die einzelnen Spiele, daß es auch in seinen Reihen gutes Spielermaterial besitzt, das bei weiterem Training auf spätere Erfolge gute Aussichten gibt. Bon den sechs Spielen, die es jeweils gegen Frankfurt und Offenbach austrug, konnte es bei Frankfurt zwei für sich entscheiden, während es Offenbach gelang, alle Spiele zu gewinnen. Die Resultate waren:

Gießen gegen Frankfurt.

Sportlerinnen Einzel: Borschel (Gießen) Staubach (Frankfurt) 6:3, 6:4.

Sportler Einzel: Kunhemüller (Gießen) Sprenger (Frankfurt) 7:5, 4:6, 4:6.

Sportlerinnen Doppel: Bolkmann - Borschel (Gießen) Ludwig-Kolb (Frankfurt) 11:9, 6:3.

Sportler Doppel: Günderoth-W. Borschel (Gie­ßen) Staubach-Steuernagel (Frankfurt a. M.) 4:6, 6:3, 3:6.

Gemischtes Doppel: Bolkmonn-Borschel (Gie­ßen) Staubach--Staubach (Frankfurt) 3:6, 2:6.

Gemischtes Doppel: Reubauer-Kunhemüller (Gießen) Ludwig-Sprenger (Frankfurt) 13:15, 5:7.

Gießen gegen Offenbach.

Sportlerinnen Einzel: Dörnbach (Gießen) Bodim (Offenbach) 9:7, 3:5 abgebr.

Sportler Einzel: Ungeheuer (Gießen)Schulz (Offenbach) 3:6, 4:6.

Sportlerinnen Doppel: Kuntzemüller-Bolkmann (Gießen) Pischner-Göh (Offenbach) 1:6, 3:6.

Sportler Doppel: Wahren-Thielmann (Gie­ßen) Pischner-Luzius (Offenbach) 1:6, 1:6.

Gemischtes Doppel: Reubauer-W. Borschel (Gießen) Labbe-Hirth (Offenbach) 5:7, 3:6.

Gemischtes Doppel: Kuntzemüller-Günderoth (Gießen) Bodim-Bodim (Offenbach) 0:6, 5:7.

Handball der 2. Komp., 15.3-2R.

Turnverein Garbenteich I 2. Komp. I 4: 5.

Unter recht schwierigen Umständen mußte die Handballelf der 2. 15. das Spiel aufnehmen; sie war gezwungen, mit mehrfachem Ersatz anzu­treten und hatte außerdem das Pech, in den ersten Minuten einen Spieler wegen Verletzung zu verlieren, so daß sie fast das ganze Spiel mit nur zehn Mann durchhalten mußte. Mehr Eifer und Spielerfahrung brachte die Militär- mannschast immer wieder in Führung.

Handball im Männerturnverein (O.T).

Tgdc. Friedberg I 2Ntv. Gießen I 5:10 (3:5).

Das 2. Berbandsspiel in der diesjährigen Handballrunde führte die 1. Mannschaft des Männerturnvereins nach Friedberg. Trotzdem die Gastgeber in kompletter Aufstellung antraten, mußten sie von den in neuer Aufstellung an­tretenden Männerturnern eine hohe Riederlage einstecken. In der ersten Biertelstunde wollte cs, obwohl die Mtver mit 2:0 in Führung gehen konnten, trotzdem bei diesen nicht so recht klap­pen. Rachdem aber Friedberg ausgeglichen hatte, kam mehr Eifer in die Gießener Mannschaft und das ganze Spiel wurde systemvoller. Dis Halbzeit gingen die Mtver abermals mit 5:3 in Führung, obwohl, ein Stürmer etwa 10 Minuten vor Halb­zeit infolge eines Blutergusses im Knöchel das Spielfeld verlassen muhte. In der zweiten Halb­zeit, in welcher auch der verletzte Spieler wenn auch nur als Statist wieder mitwirkte, waren die Mtver jederzeit Herr der Lage; in regel­mäßigen Abständen fielen noch 5 weitere Tore,

besonders die KantatenDas Lied vom Werden und Dergehen" (1904- undDas Märchen und das Leben" (1911) genannt, das 1912 von dem Musikverein in Darmstadt aufgeführt wurde. Bon Gelegenheitskompositionen seien erwähnt die nach Weberschen Motiven zusammengestellte Musik zu dem Prolog der einhundertundfünfzigsten Auf­führung desFreischütz" in Darmstadt am 17. Februar 1889, die Musik zu derfestlichen Handlung" zur Eröffnung der Darmstädter Künstlerkolonie von Georg Fuchs am 15. Mai 1901 sowie zu der am 19. Dezember 1909 erst­malig aufgeführten WeihnachtsdichtungBoni­fatius" des Grohherzogs Ernst Ludwig.

1914 wurde de Haan, nach 36jähriger Tätigkeit am Hoflheatcr verabschiedet. Die Feier im Foyer und das Abschiedskonzert im Hostheater gaben ihm viele Beweise der Liebe und Verehrung. Eine besonders sinnige Ehrung war es. daß der Hilfsfonds der Hofmusik", dessen Gründung und rasches Aufblühen hauptsächlich seinen opferfreu­digen Bemühungen zu danken war, den Ramen Willem-dc-Haan-Sliftung" erhielt. Die Leitung des Musikvereins behielt er bis zu seinem siebzig­sten Geburtstag bei und trat sie dann an Michael Balling ab.

1923 siedelte er nach Berlin über, wo er sich neben der kompositorischen der unterrichtlichen Tätigkeit widmete. Mit voller Rüstigkeit des Geistes und des Körpers tritt er in das achte Jahrzehnt seines Lebens ein. Möchte ihm diese noch lange ungeschmälert erhalten bleiben, das ist der Wunsch, der seine zahlreichen Freunde in Hessen bei seinem Jubeltage beseelt.

Ein Ei im Briefkasten.

Dor einigen Tagen machte ein Driefkastenleerer in Paris eine ganz merkwürdige Entdeckung. Er fand unter dem bunten Gemisch von Briefen, Karten, Drucksachen und Päckchen einen ganz eigentümlich runden Gegenstand, der sich bei näherer Betrachtung als ein echtes Hühnerei herausstellte. Der Postbeamte musterte es von allen Seiten und muhte die Feststellung machen, daß das Ei rechtmähig frankiert war und auch eine Adresse trug. Behutsam steckte er es in die Tasche, nahm es mit zum Hauptpostamt, wo man sehr viel Sinn für diesen Scherz hatte und sich befonberd darüber freute, dah man den Empfän-

denen die Gastgeber nur noch zwei entgegensetzen konnten. Das Spiel war ein sehr schönes Hand­ballspiel und glich, was die faire Spielweise der beiden Mannschaften und die Ruhe während deS ganzen Spieles anbetrifft, eher einem Werbe- spiel, als einem Derbandsspiel.

Iv. wchlar-Rieder-Girmes I Mio. Gießen Ik 12:3 (7:2).

Die 2. Mannschaft hatte in Wehlar-Rieder- girmes gegen die erste des dortigen Turnvereins einen sehr schweren Stand. Die Riedergirmeser verfügen zur Zeit über eine Mannschaft, die in der Meisterklasse ein ernstes Wort mitreden könnte. Trotzdem jeder Spieler fein Bestes hergav und auch der Mtv.-Torwart fast unmögliche Leistungen zeigte, konnte die Mtv.»Mannschaft eine Riederlage nicht verhindern, wenn auch deren Höhe dem Spielverlauf nach nicht ganz gerecht wird.

vuhbach 1. Jugend Mtv. Gießen 1. Jugend 3:3 (3:2).

Auf eigenem Platze hatte die 1. Jugend des Männerturnvereins die gleiche des Tv. Butzbach als Gast. Die Butzbacher Jugendmannschaft, die durch mehrere gute Kräfte des Polizeisportver­eins verstärkt worden ist und dadurch sehr an Spielstärke zugenommen hat. konnte die Mtv.- Mannschaft. noch ehe fid) diese zusammenfand, überrumpeln und innerhalb 10 Minuten 3 Tore werfen. Allmählich fanden sich auch die Giehener zusammen und konnten bis Halbzeit 2 Tore auf- holen. In der 2. Halbzeit waren die Mtver stets tonangebend, konnten jedoch das Endresultat nur zum Unentschieden gestalten.

Dehlar-Nieder-Girmes 1. Schüler 2Ntv. Gießen 1. Schüler 1:0 (0:0).

Die Kleinsten des Mtv. waren einer Einladung des Tv. Wehlar-Riedergirmes gefolgt. Rach ziemlich ausgeglichenem Spiel, bei einem Halb­zeitresultat von 0:0, konnte der Plahverein als Glücklicherer mit 1:0 das Spiel für sich ent­scheiden. Das Resultat hätte genau so gut um­gekehrt lauten können.

Handball im Turnverein 1846 Gießen.

Tv. 1846 I Tv. wehlar l 3:2.

Wie erwartet, war Wetzlar ein sehr schwerer Gegner. Er zeigte sich in bester Form und war ge­genüber dem Spiel gegen Mtv. nicht wiederzu- erkennen. Beide Mannschaften führten ein völlig gleichwertiges Spiel vor, in dem Gießen in der ersten und Wetzlar in der zweiten Hälfte dominierte. Gleich vom Anstoß weg wurde Gießen überlegen. Das Wetzlarer Tor kam öfter in Gefahr. Da der heimische Sturm gut aufgelegt war, blieben Erfolge nicht aus. Nack) schönem Zusammenspiel konnten Rechtsaußen, Mittelstürmer und Linksaußen drei Tore erzielen. Wetzlar konnte nur einmal, durch einen Fehler der Gießener Verteidigung einsenden. War vor der Pause 1846 sehr im Vorteil, so änderte fid) jetzt das Bild. Die Gäste wurden leid)t über­legen, und Balser im Gießener Tor hatte keine leichte Arbeit. Doch hielt er mit verblüffender Sicher­heit auch die schwierigsten Bälle und bewahrte da­durch seine Mannschaft vor einer Niederlage. Nur einmal war Wetzlar noch erfolgreich, so daß beim Stande von 3:2 für 1846 das Spiel beendet wurde.

Die Jugend Gießens mußte gegen die gleiche Wetzlars eine 5:2-Niederlage cinfteden, die vollauf verdient war. Den Heimischen fehlte fast alles, was den Gästen eigen war; nämlich Stellungsspiel, Fan­gen und Werfen.

V. f. B.-Handball.

In der Frcitagsvorsck)au war irrtümlich an­gegeben, daß das Handballschiedsrichter-Deleh- rungsspiel für vergangenen Sonntag angesetzt sei; tatsächlich findet es erst am kommenden Sonntag statt. Vielmehr sollte die V. f. D.-Ju- gend-Handballelf gegen die gleiche des V. f. L. Wchlar auf hiesigem Platze ein Gesellschafts­spiel austragen, erhielt aber von dort noch

ger denn das Ei soll richtig befördert wer­den mit einem Strafporto belasten konnte. Cs hatte Uebergewicht. Vermutlich ist es dem Ab­sender beim Wiegen immerfort von der Brief­waage heruntergekullert.

Begeisterung.

In dem kleinen Orte Hjöring bei Kopenhagen fand jüngst ein Fest statt, wobei auch tüchtig das Tanzbein geschwungen wurde. Auf einmal, mitten in einem Walzer, brach der Tanzboden ein, nicht vollkommen, aber Stück für Stück. Und die Tanzenden landeten paarweise in einem dar­unterliegenden Pferdestall, teils auf, teils neben den Krippen und Gäulen. Zu Schaden kam an­scheinend niemand, denn nach einigen Minuten, die man für notwendige Aufräumungsarbeiten benötigte, wurde im Pferdestall weitergetanzt, während die Musikanten auf dem stehengebliebe­nen Stück Tanzboden weiterspielten.

Amerikanische Nummerntelegramme.

Es gibt viele Gelegenheiten im Leben, wobei man aus reiner Höflichkeit irgendeine Phrase sagen, schreiben oder telegraphieren muß. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, hat die ameri­kanische Postbehörde sogenannte Rummerntele- gramme einge'-ührt. Man schreibt auf einen Zettel:Mr. Smith, Boston, 24 Downingstreet tel. 116 und Mister Smith liest freudig bewegt: Zum 25jährigen Dienstjubiläum die herzlichsten Glückwünsche von Ihrem---". Das ist eine

praktische Sache, doch kann es passieren, daß der Beamte statt der 246 die Rümmer 846 durch- funkt, und dann liest ein glückliches Brautpaar erstaunt:Mein innigstes Beileid zu der Kata­strophe. Bete zu Gott, daß alles wieder besser werde."

Hochschulnachrichten.

Der Professor am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge im Staate Massa­chusetts (Amerika) Ingenieur Dr. Karl 2er» zaghi ist zum ordentlichen Professor für Wasserbau an der Technischen Hochschule in Wien berufen worden.