Ausgabe 
24.9.1929
 
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Nr. 224 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Dienstag, 24. September 1929

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Gietzener Anzeiger

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Die pariser Verhandlungen beuffchnationaler Politiker

Sie Darstellung derNational- liberalen Korrespondenz".

Berlin, 24. Sept. (TU.) Die RLE. beschäf­tigte sich am Dienstag unter der Ueberschrift Einhellige Bestätigung der deutschnationalen Franzosenpolitik" in einem längeren Artikel m i t dem Beto und den Gegenerklärun­gen, die ihre Berösfentlichung über Verhand­lungen des Abgeordneten Klönne ausgelöst haben. Gegenüber der Erklärung Klönnes ver­weist sie u. a. auf amtliche Feststellungen, daß eine Information des Auswärtigen Amtes we­der vorher erfolgt sei, noch fortlaufend mit dem Gang der Verhandlungen, noch mit Genehmigung des Auswärtigen Amtes, ge­schweige mit seiner Billigung. Cs könnte zu- treffen, daß Dr. Klönne nachher sehr viel später einigen Herren des Auswärtigen Amtes gewisse Mitteilungen gemacht habe, aber das stehe fest, daß sie auch dann nicht gebilligt wor­den wären. Es steht erst recht fest, daß Dr. Klönne auf das Gefährliche dieser Be- strebungcn hingewiescn worden wäre, wenn er sich, wie es seine Pflicht gewesen wäre, rechtzeitig mit dem Auswärtigen Amt in Ver­bindung gesetzt hätte. Das sei nicht geschehen, und dos sei entscheidend.

Bezüglich der Erklärungen des Generals von der Lippe, wonach er sich vor seiner Ab­reise nach Paris der Zustimmung deutscher offi­zieller Persönlichkeiten und führender Politiker zu seinen Absichten vergewissert habe, fragt die ÄLC., wer diese führenden Parteipolitiker seien. Gegen Herrn A e ch b e r g erhebe sie keinen Vor­wurf, da er sich niemals gescheut habe, auch öffentlich und ohne Hinterhalt für seine Pläne einzutreten. Selbstverständlich sei damit nicht ge­sagt, daß seine Pläne zu billigen seien, im Gegen­teil sie waren und seien gefährlich. Den rechts­gerichteten franz. Kreisen sei es ja nur darum ge­gangen, die unvorsichtigen Vertreter der deutschen Rechten auszuhorchen, um feststellcn zu können, wie man sich in diesen Kreisen den militärische'nIDicderaufbau 'Deutsch­lands denke. Zum Schluß macht die ALE. noch dienotwendige Feststellung", daß Dr. Stre- s c in a n n nicht das allergeringste mit den Ver­öffentlichungen des ALE. zu tun habe.

Die Unterrichtung des Auswärtigen Amts.

Eine amtliche Erklärung.

Berlin, 23. Sept. (IDB.) Der Abg. Klönne hat gegenüber Veröffentlichungen derRational- liberalen Korrespondenz" eine Erklärung über die von ihm geführten Gespräche mit französischen Militärs abgegeben, in der er u. 0. erklärt, er habe das Auswärtige Amt über diese Un­terhaltungen, obwohl sie rein privater Natur waren, alsbald unterrichtet. Dazu wird von amtlicher Seite bemerkt, daß der Abg. Klönne den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes ein einziges Mal, nämlich am 26. April dieses Jahres, ausgesucht und hierbei Mittei­lungen über gewisse Gespräche gemacht hat, die von ihm unmittelbar vorher mit einem französischen Abgeordneten in Berlin geführt worden waren. Diese Unterhaltungen haben mithin ohne jedes vorwissen des Aus­wärtigen Amtes flattgefunden. Auch hat Staatssekretär v. Schubert den Abg. Klönne nicht im Unklaren darüber gelassen, daß seiner Anficht nach die in jenen Unterhaltungen erörterten Gesichts- pnnkle für die deutsche Außenpolitik nicht in Be­tracht kommen könnten. Staatssekretär v. Schu­bert hat selbstverständlich von der ihm zuteil ge­wordenen Information auch dem Herrn Rcichsaußenminister Kenntnis ge­geben. Ebenso verhält es sich mit General von der Lippe, der gleichfalls Staatssekretär von Schubert er st nachträglich unterrichtet habe. Botschafter 0. ho e s ch, der durch Arnold R e ch - berg und General von der Lippe gleichfalls nachträglich unterrichtet wurde, hat sein Be­dauern darüber ausgesprochen, daß die Herren ihm, oder das Auswärtige Amt nicht vorher ins Bild gesetzt hätten.

Weitere Mitteilungen des Zungdeutschen".

Berlin, 24. Sept. (Priv.-Tel.) Der I u n g de u t s ch e", der schon in seinem Sonn­tagsblatt zu den Mitteilungen der Aattonallibe- ralen Correspondenz Stellung genommen hatte, und seinerseits einige weitere Mitteilungen machte, bringt in einem Artikel seines Presse- warts August Abel ergänzende Einzel­heiten über die Tätigkeit deutschnattonaler Politiker in Frankreich. Das Blatt stellt zunächst fest, daß die fraglichen Verhandlungen nicht etwa nur im Jahre 1927 stattgefunden haben, son­derndaß deutschnationale Abgeordnete und Po­litiker, t>uc uns dem Rainen nach bekannt sind, noch im Jahre 1 9 2 9, also in einer Zeit, wo die Deutschnationalen nicht in der Regierung sind, als Bevollmächtigte der Deutsch­nationalen Volkspartei mit offi­ziellen französischen politischen

Kreisen verhandelt haben. Außer den genannten Herren Klönne und von der Lippe nennen wir vorläufig noch den deutsch- nationalen Reichstagsabgeordneten Trevira- n u s, der auch im April d. Js. in Berlin mit dem Beauftragten Poincares zusammengewesen ist". Reben Herrn v. Med em wird als wei­tere hervorragende Persönlichkeit des Stahl­helms Herr von Alvenslcben genannt. Auch vom L a nd b u n d soll ein Vertreter, und zwar Herr Direktor Kriehheim, an den Verhandlungen mit Herrn Rcynaud (nicht Re- nauld, wie gestern gemeldet wurde) beteiligt ge­wesen sein.Auch Herr von Gleichen mit seinem Kreis wollte da nicht zurückstehen, und auch er erklärte, ebenso wie alle vorher Genann­ten, sein Einverständnis mit einer deutsch-fran­zösischen Politik im Sinne der bekannten Rech- bergschen Bedingungen." Arn seltsamsten ist aber wohl die Mitteilung desJungdeutschen", wo­nach Herr Reynaud auch mit Kapitän Ehr­hardt zusammengetroffen ist, und daß auch dieser sich auf die Basis der Rechbergschen Vor­schläge gestellt haben soll. Weiter wird berich­tet, daß Herr von Lindeiner-Wildau ebenfalls in Paris gewesen sei, worüber zur gegebenen Zeit das Blatt noch berichten wolle, wie es gleichfalls zu einem geeigneteren Zeitpunkt auch noch andere Ramen, die an solchen Verhandlungen beteiligt gewesen sind, nennen werde.

Der Abgeordnete v. Lindeiner-Wildou erklärt dazu:Die Zeitung ,Der Jungdeutsche' stellt die Behauptung auf, ich sei kürzlich in Paris gewesen und hätte dort mit französi­schen Politikern verhandelt, wobei ich mich von dem Vertreter eines deutschen Linksblattes hätte führen lassen. Ich stelle demgegenüber fest, daß ich noch nie in meinem Leben inParis gewesen bin."

Eine neue Erklärung Klönnes.

Berlin, 23. Sept. (IDB.) Dr. Klönne bittet uns anläßlich der Pressemeldungen über seine Verhand­lungen mit -fremden Diplomaten um die Verbrei­tung folgender Mitteilung:

1. Ich habe niemals einem fronzösifchen Mi­litär oder Politiker ein Militärbündnis angeboten.

2. Eine deutsch - englisch- französische Zusammenarbeit unter der Voraussetzung der Berücksichtigung der deutschen Lebensnotwendig­keilen stellt nach meiner Auffassung einen Akt der Selb st Verteidigung der drei großen nord­europäischen Mächte gegen wirtschaftliche und ideelle Angriffe dar, gleichgültig von welcher Seite sie ausgehen. Eine derartige Zusammenarbeit hat keine offensive Spitze gegen andere Länder. Insonderheit verspreche ich mir keinen Er­folg davon, eine geistige Bewegung, wie der Bolschewismus sie darstelll, mit Kanonen zu beschießen.

3. Ich habe dos Auswärtige Amt über alle Verhandlungen, die ich führte, r e st l 0 s unterrichtet.

Berliner preffestimmen.

Berlin, 23. Sept. (TU.) Die Entgegnungen des Abgeordneten Dr. Klönne auf die Veröffent­lichungen derNational-Liberalen Korrespondenz" werden auch am Montag in der Berliner Presse stark beachtet. DieV 0 s s i s ch e Zeitung" und dasBerliner Tageblatt" kritisieren an die­ser Erklärung, daß Klönne es unterlassen habe, sich darüber zu äußern, ob er den französischen Politi­kern ein Militärbündnis angeboten und zu ihnen von der Eventualität eines Militär­bündnisses gesprochen habe. Festzustellen sei, daß in dem Schwanken des Herrn Klönne eine Bestätigung der von derNational-Liberalen Korrespondenz^ erhobenen Behauptung liege. Da ein deutsch-fran- zösisch-englisches Militärbündnis sich nur gegen Rußland richten könne, demgegenüber Deutsch­land einstweilen durch Verträge gebunden sei, so liege darin ein heimlich unternommener Sabotage» versuch.Der Deutsch e", das Organ der christ­lichen Gewerkschaften stellt fest, daß die Berichti­gung des Abgeordneten Klönne sehr peinlich für dieNational-Liberale Korrespondenz" sei. Entwe­der habe sie den wahren Tatbestand gekannt, oder sie habe fahrlässig gehandelt, denn als parteiamt­liches Organ der Deutschen Volkspartei hätte sie leicht erfahren können, ob das Auswärtige Amt und Strefemann von den privaten Verhandlungen des Abgeordneten Klönne wußten ober nicht. Hier hätten wir ein Musterbeispiel dafür, wie man bei uns Politik macht. Kein Wunder, daß man sich schließlich, völlig auseinanderpvlitisiere und bei einem Kampf aller gegen alle ende.

DieBerliner B ö r s e n z e i t u n g" wendet sich mit größter Schärfe gegen dieNationallibe­rale Korespondenz". Sie meint, daß diese sich das zweifelhafte Verdienst erworben habe, den inne» ren Kampf zwischen den Rechtspar­teien aus der geistigen Sphäre in die der Parte idemagogie zu ziehen. In vollständiger und grundlegender Erkennung der politischen Situa­tion habe sie sich einSensatiönchen" ausgedacht, eineEnthüllung" konstruiert, eineAffäre" zusam- mcngebraut, die aber an ihrer inneren Unwahr­hastigkeit kranke. Man müsse sich fragen, was die Nationalliberale Korrespondenz" als ein dem Reichsaußenminister nahestehendes amtliches Partei­organ veranlaßt habe, sich so zu blamieren. Man

könne doch schließlich einer politisch und wirtschaft­lich hervorragenden Persönlichkeit, wie es Dr. Klönne sei, nicht verweigern, sich im Ausland in privaten Gesprächen zu informieren und Gedanken auszutauschen. Es könne im Interesse der nationalen Parteien nicht wünschens­wert sein, die bestehenden Gegensätze zwischen den bürgerlichen Rechtsparteien noch zu verschär­fen. DieKreuzzeitun g" stellt fest, daß sich das Auswärtige Amt auf die Erklärung be­schränke, daß es die Schritte Dr. Klönnes nicht gebilligt habe. Das Blatt stellt dann weiter die Frage, ob Dr. Strefemann von der Un- terhaltuna Dr. Klönnes gewußt habe, ob die Her­ren des Auswärtigen Amtes, die Klönne aufgesucht habe, Herrn Dr. (strefemann, unterrichtet hätten ober nicht, ob bas Auswärtige Amt von dem Vor­stoß derNationalliberalen Korrespondenz" Kennt­nis gehabt habe, woher dieNationalliberale Korre-

(0 cti f, 23. Sept (IDB.) Zwischen der franzö­sischen und der italienischen vötkerbundsdelegation sind im Auftrage der beiden Regierungen Ver­handlungen über eine gemeinsame Front der beiden Mittel in eermächte auf der bevor st ehenden Floltenab­rüst ungskonferenz im Gange. Die franzö­sische Regierung soll bereit sein, ihre Forderung nach einem dem italienischen Bestand überlegenen Kontingent an Kreuzern, Zerstörern, Unterseebooten und anderen kleinen Fahrzeugen fallen zu (of­fen, um dafür auf der Fünsmächtekonferen; die UntcrstützMiK. der italienischen Regierung bei ge­wissen Fragen, an denen beide Länder ein Inter­esse haben, zu erlangen. Die beiden Regierungen stellen sich auf den Standpunkt, daß sie nicht be­absichtigen, den vollen ihnen gelassenen Spielraum zum Bau kostspieliger Großkampsschiffe auszunuhen, daß sie aber eine genügende Anzahl von Unierseebooten zu Verieidi- gungszwecken und zur Abwehr einer Blockade beibe­halten wollen. Rom und Paris weisen darauf hin, daß die von England im Mittelmeer (Gibraltar, Malta und Suez) unterhaltenden Geschwader größer und stärker sind als die französische und die italienische Marine zusammen. Anderer­seits will die französische Regierung den Bau des neuen deutschen Panzerkreuzers, von dem oiel# Flottensachverständige eine Umwäl­zung des künftigen Schiffbaues erwarten, zum Anlaß nehmen, um eine Revision der aus der Washingtoner Konferenz festgesetzten Klassifi­zierung der Kriegsschiffe zu fordern. 3m Zu­sammenhang mit den Verhandlungen der beiden Mitielmeermächle soll auch der alte, oft abgelehnte

Königstein wieder frei.

Abzug der englischen Besatzungstruppen.

Königstein, 23. Sept. (211.) Im strömenden Regen marschierte das zweite Bataillon des Leicestershire Regimentes zum letzten Male durch die Straßen Königsteins. Zum letztenmal klang auch derMarch Past", der Abschieds- Parademarsch, als die 400 Manntruppe am Mon­tagmittag zum Bahnhof zog. Rur wenige Ein­heimische waren gekommen sie haben das mili­tärische Schauspiel fast elf Jahre lang genossen dafür aber um so mehr fremde Gäste. Den am Bahnhof eifrig kurbelnden englischen, amerika­nischen und französischen Filmoperateuren nach ^u urteilen, wird Königstein mit den abziehenden Tommis in der nächsten Zeit über die Leinwand der Filmpaläste aller Welt laufen.

Mit dem Einzug des englischen Bataillons im Dezember 1925 war für den Kurort Königstein die schlimmste Desahungszeit vorbei, die Zeit unseeligen Angedenkens an die Ma­rokkaner und Spahis, die Zeit, wo Mar­schall F 0 ch auf den Straßen eine große Parade über die 2000 Mann starken französischen Truppen abhielt, wo General Mangin es sich längere Zeit in der VillaRothschild" gemütlich machte. Schwere Tage waren es für Königstein, als die Behörden gleichzeitig gegen die Be- satzungstr uppen und die Separatisten zu kämpfen hatten.

Der letzteMarch Past" des Leicestershire Re­gimentes ist kaum verklungen und schon regt sich neues freies Leben in Königstein. Zwar sind der Besatzung drei Hotels und dasGrand Hotel" zum Opfer gefallen, doch schon baut rühri­ger Hoteliergeist die Räume aus, 40 für Kur­tz wecke geeignete Wohnungen sind wieder frei, sämtliche reichseigenen Wohnungen sind schon vergeben, möge nur die Reichsvermögensver­waltung zum Ausgleich der Besatzungsschäden bei

spondcnz" ihr Material erhalten habe, und ob Staatssekretär v. Schubert dem Reichsaußen­minister von seiner Unterredung mit Generalleut­nant von der Lippe Kenntnis gegeben habe.

pariser Echo.

Paris, 23. Sept. (WTB.) Die Abendpresse bespricht ausführlich die privaten deutfch-fran- zösischen Unterhaltungen. Die Libertö nennt in ihrer Besprechung der Angelegenheit die Generäle Rollet, Walch und Lerond und sordert \ ie und die anderen Beteiligten dringend auf, sich zu den Gerüchten über ihre angebliche Geneigtheit zu weitergehenden Verzichten gegen­über Deutschland zu äußern. Alle Parteien und das ganze Land hätten, so schreibt das Blatt, ein Recht daraus und erwarteten mit Ungeduld die Ausklärung der Angelegenheit. Das Journal des Debüts nennt den Lärm, der um die Angelegenheit gemacht werde, schäd­lich für die deutsch-französischen Beziehungen, an deren Verbesserung jedermann arbeiten müsse.

Vorschlag einer Rückgabe Gibraltars an Spanien im Austausch gegen (Teuta wieder erwähnt worden sein.

Der Bericht

des Abrüstungsausschusses.

Genf, 23. Sept. (WB.) Der Abrüstungsaus­schuß hat auf Vorschlag des Redaktionskomitees beschlossen, sämtliche Begründungen der beiden gegnerischen Thesen zum Abrüstungsproblem aus dem Bericht zu streichen. In der Kennzeichnung der dreitägigen Aussprache der letzten Woche wird lediglich fest gestellt, daßder englische Ent- schließungsantrag von einer Anzahl Delegationen unterstützt wurde, während andere Delegationen ihre Zweifel über die Opportunität zum Aus­druck brachten, die im Vorbereitungsausschuß bereits erzielten Ergebnisse wieder in Frage zu stellen und diesem Anregungen zu geben, die den Charakter von Direktiven für die Fortsetzung seiner Arbeiten gehabt hätten." In der zusam- mengestrichenen Fassung des Berichtes, der nun­mehr an die Vollversammlung weiter­geht, ist immerhin die Stelle unverändert ge­blieben, die auf eine am Samstag gemachte An­regung des Grafen Bernstorfs ausgenom­men wurde und bestätigt,daß im Schoß des Abrüstungsausschusses über die Opportunität einer Beschleunigung der Arbeiten des Völkerbundes Einstimmigkeit darüber be­steht, in möglich ft kurzer Frist einen er ft en Schritt zur Verwirklichung des Ab­rüstungsprogramms nach Artikel 8 des Dölker- bundspaktes zu machen. Mit diesem Ergebnis hat der Abrüstungsausschuß der Völkerbunds­versammlung seine Arbeiten für dieses Jahr ab­geschlossen.

der Veräußerung der Kaserne auf den Kurbetrieb die nötige Rücksicht nehmen. Man spricht davon, daß eine Polizeischule oder ein zweites Eisenbahnerheim dahingelegb werden soll. Räumung und Reichsarbeiter.

Ein sozialdemokratischer Antrag für überzählig werdende Arbeitskräfte. Berlin, 24. Sept. lPriv.-Tel.) Die sozial­demokratische Fraktion hat im Reichstag fol­genden Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen: Der Reichstag nimmt Kenntnis von den bisherigen Vorsorgemaßnahmen der Reichsregierung und der preußischen Staatsre­gierung zur Unterbringung der durch bie Räumung der zweiten und drit­ten Zone des besetzten Gebietes vor­aussichtlich überzählig werdenden Arbeiterund Angestellten der Reichs­vermögensverwaltung, der Desehungsämter und der Feststellungsbehörden. Der Reichstag erwar­tet von allen Behördenstellen des Reiches, der Länder, der Gemeinden und Gemeindeverbände des besetzten und der angrenzenden Gebiete, daß diese bemüht bleiben, die noch arbeits­fähigen Arbeitnehmer bevorzugt unterzubringen. Der Reichstag ersucht die Reichsregierung um die Bereitstellung von Mitteln zur Gewährung von Unter­stützungen:

1. in Form von Umzugs- und Tren­nungsvergütungen bei Vermittlung von Arbeit an anderen Orten;

2. zur Zahlung eines wesentlich erhöhten Uebergangsgeldes beim freiwilligen Aus­scheiden; 3. eines Reichszuschusses bis zum Eintritt der vollen Invalidität für alle über 60 Jahre alten Arbeiter und An­gestellten, sofern sie mindestens fünf Jahre im Dienste des Reiches, eines Landes oder einer Kommune beschäftigt gewesen smk .

Iranzösisch-iialienische Abwehrfroni gegen die Geeabrüstung. Oie Mittelmeermächte verhandeln in Genf über eine gemeinsame 2Roufc aus der Seeabrüstungskonferenz.

Die Räumung der zweiten Zone hat begonnen.