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Nr. 171 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch, 24- Juli 1929
Ser russisch-chinesische Konflikt.
Seine Hintergründe.
Don <5. Mulden.
Der zwischen China und dem Räteverband aus- gebrochene Konflikt verdient die angespannteste Aufmerksamkeit des Politikers noch mehr durch die verborgenen Triebe und Beweggründe seiner aktiven und passiven Teilnehmer, als durch das, was in den diplomatischen Boten urbi et orbi alS unmittelbarer Grund dieses Konfliktes gezeigt wird. Wenn in den chinesischen Boten sowohl als in der jüngsten Erklärung T schlang- k a i s ch e k s die kommunistische Wühlarbeit der Sowjetagenten, ja beamteter russischer Personen an der Ost-Chinesischen Bahn selbst als Grund der von chinesischer Seite an den Sowjetrussen verübten Repressalien hingestellt wird, so ist diese Erklärung freilich nicht ohne weiteres als absurd von der Hand zu weisen. Bach der Liquidierung der bolschewistischen „Freundschaft" und Ausweisung der ehemaligen „Verbündeten" aus Südchina durch Tschiangkaischek muhte die Sowjetpropaganda sich eben in Bordchina konzentrieren. Sie muhte das, weil Moskau auch nach der Biederlage in Cüdchina keineswegs auf den Trumpf China in seiner weltrevolutionären Agitation zu verzichten gesonnen war: sie muhte das ferner als Gegengewicht gegen die weihgar * distische Propaganda in der Mandschurei selbst, die als latente Gefahr stets vorhanden war und die jetzt als akute, militärische Gefahr für die Sowjets hervortritt: und sie muhte es schließlich — und hier liegt Wohl der wichtigste Punkt in diesem Zusammenhänge — weil nach der Unterbindung Inner-Chinas für die Sowjetpropg- ganda die agitatorische Wirksamkeit auf dem Seewege als die wichtigste Möglichkeit noch übrig blieb: das heißt eine Propaganda von Wladiwostok aus durch Vermittlung befreundeter Matrosen auf Schiffen, die die Haupthäfen Chinas anlaufen — ein bewährtes, wirksames 2^itationsmittel. Um dieses Mittel in Angriff zu nehmen, mußte aber eben die Ost-Chinesische Bahn als Verbindungslinie zwischen Bäteruhland und jenem fernöstlichen russischen Hafen benutzt werden.
Unb dennoch: würde sich der russisch-chinesische Konflikt in solchen Streitigkeiten um die kommunistische Propaganda, sowie allenfalls um Drangsalierung chinesischer Kaufleute in Sowjet- ruhland (was ja allerdings auf der Anti-REP- Linie Stalins läge), erschöpfen, so würde diesem Konflikt lange nicht jene eminente weltpolitische Bedeutung zukommen, die ihm ganz allgemein beigemessen wird.
In der Tat weiß jeder, der die Entwicklung der Dinge im Fernen Osten nicht erst seit gestern beobachtet, daß die Desitzlage der Ost- Chinesischen Bahn bereits seit den Zeiten Tschangtsolins gefährdet war. Gewiß, Tschang- t s o l i n, der wahre Machthaber der Mandschurei, hatte sich im September 1924 dem russisch-chinesischen „ Freundschaftsvertrage" von Anfang desselben Jahres angeschlossen, und in Peking sprach man damals nicht ohne Angst von je einem Bündnis zwischen dem Marschall und Moskau. Aber der Marschall brauchte dieses Bündnis nur, solange er von konkurrierenden Generälen bedroht war. Als aber diese Gefahr vorbei war, verhaftete er bekanntlich kurzerhand den damaligen russischen Vorsteher der Ost-Chinefischen Dahn Iwanow, was schon damals zu einem Konflikt mit Tschitscherin führte.
Tiefer gesehen hatte übrigens schon der Pakt Tschangtsolins mit dem Kreml eine Dresche in den ehemals ungeteilten russischen Besitz der Ost-Chinesischen Bahn gelegt, indem er nämlich eine paritätische Verwaltung dieser Dahn durch Russen und Chinesen festsetzte. Gewiß, eine solche Parität sieht auf dem Papier ganz schön aus, was sie aber in Wirklichkeit in einem für Moskau schwer erreichbaren Gebiet bedeutete, das zeigte das soeben erwähnte eigenmächtige Vorgehen Tschangtsolins und, das
Gießener Stadttheaier.
Hermann Lckisch und Hans Bernhöfi: „Hallo, wir fliegen!"
Hochsommertheater. Zwei Stunden eines mehr als lauen Iuliabends plätscherten von hinnen, mit holdem Tlnsinn bis zum Rand gefüllt.
Modern frisierter Schwank, jedoch nach den urältesten Rezepten einer eisernen Tradition erbaut. (Unvermutete Erkenntnisse beschert oder bestätigt die sehr saure Gurkenzeit: es gibt keine Gattung des Spiels auf der Bühne, die stabiler und konservativer durch die Zeiten wanderte als der Schwank. Hier gibt es, von etlichen modischen Einkleidungen und Spielarten abgesehen, nichts Beues unter der Sonne. Seit den Tagen der Gartenlaube bis zur Epoche der neuen Sachlichkeit: er überdauert alles und er behauptet 'ich.)
Kein Gutgesinnter wird uns zumuten, den Inhalt zu erzählen: es würde die Kräfte mehrerer Referenten erfordern. Man begnüge sich mit dem Titel und mit der Feststellung des grund- gescheiten Ben Akiba, das alles schon einmal dagewesen sei.
Es braucht zum Aeberfluh kaum angedeutet zu werden, daß das glücklicherweise unsichtbare Schlachtfeld der Ereignisse ein Flugplatz ist, das Hauptquartier jedoch die Villa eines Generalkonsuls in einer kleinen mitteldeutschen Stadt, die noch viel zu wenig bekannt ist.
Der Generalkonsul ist hier, was früher nicht selten ein Mostrichfabrikant war: und werm jener vielleicht ein Fuhballkönig wurde, so tut es dieser nicht unter einem verhinderten Lufthelden und Sturzflieger. Welche Perspektiven für die entfesselte Phantasie mutwilliger Autoren.
Es versteht sich wohl von selbst, daß der berühmte dunlle Punkt vieler schwacher Stunden dieses fortschrittlich gesinnten Bürgers nicht fehlt und in Gestalt einer großstädtischen Drettldiva tm verkehrtesten Moment aus der Versenkung laucht. Eine Fliegerin, ein Magnetopath, der unverwüstliche Herrschaftsdiener, der Krinnnal- kommissar, der in keinem besseren modernen Stück mehr fehlen darf ... genug!
Die Spielleitung dieser wilden Sache war dem ^euengagierten Äomifer Heinrich Hub anver- iraut: er hat sein Sach auf Krach gestellt und sorgte für einen Betrieb, der der Temperatur des Abends spottete.
zeigt auch der Eingriff, der zum gegenwärtigen Konflikt geführt hat.
Welche Gründe liegen aber letzten Endes hinter diesen Eingriffen? Tschangtsolin wußte als Militär die st r a t e g i s ch e, aber auch die wirt sch a f t l i ch e Bedeutung der Ost-Chinesischen Bahn zu schätzen. Aber wenn er zunächst nur an die eigene Macht dachte, enthüllt und sein der nationalistischen Banking-Regierungs beträchtlich näherstehender Sohn die tieferen Gründe des heutigen Konflikts. Die chinesische Ostbahn — so hat Tschangsü liang, wie aus Peking berichtet wird, in einer Besprechung mit milltärischen Führern erklärt — sei chinesisches Gut und müsse daher von chinesischen Beamten verwaltet werden. Die Liquidierung der ausländischen Konzessionen müsse amtlich einmal eingeleitet werden. Deullicher kann nicht gesprochen werden. Cs handelt sich bei dem Eingriff in die Sowjetrechte an der Ost-Chinesischen Bahn um eine Konsequenz der allgemeinen nationalistischen Politik des heutigen China, aber wohlweislich an der Stelw des geringsten Widerstandes.
Denn daß das Rätereich den geringsten Wider
stand — trotz aller Riesenbemonstrationen in russischen Städten — leisten würde, das verstehen die Bationalchinesen sehr wohl. Unb die Schwierigkeiten der Zarenregierung beim Transport an den russisch-japanischen Kriegsschauplatz des Jahres 1904/05 sind auch noch nicht vergessen.
Unflat dagegen bleibt noch die Haltung Japans. Daß Japan auf den Besitz der S ü d - Mandschurischen Dahn nicht ohne heftigsten Widerstand verzichten würde, dürfte feststehen. Diese Dahn aber prosperierte immer mehr gerade auf Kosten der Ost-Chinesischen Dahn. Der Desitzwechsel würde also kaum in japanischem Interesse liegen. Die Meldung, daß« im japanischen Außenministerium sich eine gefübls- mähige Sympathie für die Russen bemerkbar macht, entbehrt daher nicht der Wahrscheinlichkeit. Aber von diesem Gefühlsstandpunkt etwa bis zu einem Eingreifen zugunsten der Russen ist ein weiter — und kaum glaubwürdiger Weg. Zunächst der Schutz des eigenen Desihstandes in der Mandschurei — das ist die vorgezeichnets Linie der japanischen Politik, die im übrigen die Auseinandersetzung den beiden anderen Mächten überlassen wird.
Tumen, Sport und Spiel.
Regatta der Gießener Rudergesellschast 1877.
An der am 3. und 4. August stattfindenden 2 4. Ruderregatta der Gießener Rudergesellschaft 1 877 (19. Regatta des Lahn-Regattaverbandes) nehmen nach den gestrigen Feststellungen des Regattaausschusses ins- g^amt 25 Der eine mit 111 Boot en und 527 Ruderern teil. Zu den einzelnen Rennen liegen folgende Meldungen vor:
Rennen 1. (Iean-Kirch-Gedächtnis-Rennen). Vierer: 1. Limburger R.-K. 1907. 2. Verein Rudersport Gießen. 3. Wetzlarer R.-K. 1880. 4. Limburger Ruderverein.
Rennen 2. Junior-Vierer: 1. Kölner R.-G. 1891. 2. Ruderverein Kassel. 3. Bassovia Höchst.
Rennen 3. Schuler - Gig - Vierer: 1. Wetzlarer R.-K. 1880. 2. Gießener R.-G. 1877.
Rennen 4. Iungmann-Vierer : 1. Dortmunder R.-G. 2. Offenbacher R.-V. 1874. 3. Kölner R.-G. 1891. 4. Gießener R.-G. 1877.
Rennen 5. Iungmann-Einer: 1. R.-G. Ruhrort. 2. Wetzlarer R.-K. 1880. 3. Hassia Hanau. 4. Limburger R.-V. 1895. 5. Rhenania Koblenz.
Rennen 6. 8-Vierer: 1. Weilburger R.-V. 2. Verein Ruder-Sport Gießen. 3. Wassersport- Verein Beuel.
Rennen 7. Junior-Achter: 1. Kölner R.-D. 1877. 2. R.-V. Kassel.
Rennen 8. ZweiterDierer: 1. Frankfurter R.-G. Sachsenhausen. 2. Wetzlarer R.-K. 1880. 3. Offenbacher R.-V. 1874. 4. R.-K. Bassovia Höchst.
Rennen 9. Zweiter Iungmann-Vie- rer: 1. Wetzlarer R.-K. 1880. 2. R.-V. Kassel. 3. Limburger R.-V. 1895. 4. Gießener R.-G. 1877. 5. Dortmunder R.-G. 6. Kölner R.-G. 1891. 7. Rhenania Koblenz. 8. Offenbacher R.-V. 1874. 9. Kölner R.-D. 1877. 10. Saarbrücker R.-G. Undine.
Rennen 10. Zweiter Einer. 1. Wetzlarer R.-K. 1880. 2. Limburger R.-V. 1895. 3. Verein Rudersport Gießen. 4. R.-G. Ruhrort. 5. Frankfurter R.-G. Oberrad. 6. R.-V. Kassel. 7. Cochemer R.-G. 8. Frankfurter R.-G. Germania.
Rennen 11. Vierer. 1. Frankfurter R.-G. Sachsenhausen. 2. Dortmunder R.-G. 3. R.-V. Kassel.
Rennen 12. Anfänger-Vierer: 1. R.-G. Lahnstein. 2. Gießener R.-G. 1877.
Rennen 13. 6 - Ach ter fällt aus.
Rennen 14. Zweiter Achter. 1. Limburger R.-K. 1907. 2. R.-G. Sachsenhausen. 3. Kölner R.-V. 1877.
Rennen 15. Vierer: 1. R.-V. Kassel. 2. Dortmunder R.-G. 3. R.-G. Sachsenhausen.
Rennen 16. Iungmann-Vieer: 1. Limburger R.-G. 1920. 2. Wetzlarer R.-K. 1880. 3. Weilburger R.G. 4. R.-G. Lahnstein. 5. Gießener R.-G. 1877. 6. Limburger R.-K. 19. 7. Limburger R.-V. 1895.
Kennen 17. Jungmann - Achter: 1. Kölner R.-G. 1892. 2. Dortmunder R.-G. 3. R.-V. Kassel.
Rennen 18. Einer (Lahn-Pokal): 1. Cochemer R.-G. (2. Boot). 2. Cochemer R.-G. (1. Boot). 3. Verein Rudersport, Gießen. 4. Limburger R,-V. 1895. 5. Wetzlarer R.-K. 1880. 6. R.-G. Ruhrort. 7. Rhenania, Koblenz.
Rennen 19. Vierer ohne Steuermann fällt aus.
Rennen 20. Junior-Einer: 1. R.-G. Ruhrort. 2. R.-V. Kassel. 3. Frankfurter R.-G. Oberrad. 4. Wetzlarer R.-K. 1880. 5. Cochemer R.-G. 6. Has- sia, Hanau.
Rennen 21. Dritter Vierer: 1. R.-V. Kassel. 2. Saarbrücker Undine. 3. Offenbacher R.-V. 1874. 4. Kölner R.-V. 1877. 5. R.-K. Rassovia Höchst.
Rennen 22. Zweiter Junior-Vierer: 1. Saarbrücker Undine. 2. Wetzlarer R.-K. 1880. 3. R.-K. Rassovia, Höchst. 4. Hassia, Hanau. 5. Kölner R.-V. 1877. 6. R.-V. Kassel. 7. Rhenania Koblenz. 8. Kölner R.-G. 1891.
Kennen 23. Achter: 1. Limburger R.-V. 1895. 2. Limburger R.-K. 1907. 3. Verein Rudersport, Gießen. 4. Gießener R.-G. 1877.
Rennen 24. 8. -Iungmann-Dierer. 1. Wassersportoerein Beuel. 2. Weilburger R.-D. 3. Eschweger R.-V. 4. Limburger R.-G. 1920.
Kennen 25. Doppel -Zweier fällt aus.
Kennen 26. Ermunterungs - Vierer: 1. Gießener R.-G. 1877. 2. Wetzlarer R.-K. 3. R.-V. Kassel. 4. Saarbrücker R.-G. Undine.
Rennen 27: Akademischer Vierer fällt aus.
Rennen 28. Dritter Achter: 1. Saarbrücker R.-G. Undine. 2. Kölner R.-V. 1877. 3. R.-G. Sach- senhausen. 4. Dortmunder R.-G. 5. Kölner R.-G. 1891.
Rennen 29. Großer Achter: 1. R.-V. Kassel. 2. Mainz-Kastel R.-G. 1880.
Turnerschwimmen.
Die Schwimmbewegung unter den Mitgliedern der Deutschen Turnerschaft, hat, wie die diesjährige Bestandserhebung ausweist, einen weiteren, höchst erfreulichen Aufschwung erfahren. Die Zahl der Vereine, die das Schwimmen in ihren
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Auch erzielte er, in tausend Aengsten berlinernd, als Hauptperson sowohl im Sturzhelm wie im schlichten Zivil uneingeschränkte Heiter- keitserfvlge: er kann sich seines Debüts freuen.
Die verdächtige Diva vom Kabarett mit dem so klangvollen wie bittern Bamen Wanda An- gvstura wurde von Maria Koch mit der ganzen frechen Beredsamkeit ihres verwerflichen Berufes ausgestattet.
Im Pilolendreß erschienen, außer chr, die obligate Verwirrung zu stiften, die Fliegerinnen Ingebvrg Scherer und Ilse Jahn.
Als ein von geheimen Kräften strotzender Heilkundiger hüpfte Hans-Wilhelm Schütz, ein blonder junger H«rr, mit beschwörenden Gebärden und nervenstärkenden Rezepten zur Freude aller Anwesenden über die Bühne.
Bon den übrigen Mitwirkenden, die sich alle mit anerkennenswerter Hingabe einsetzten, seien Dolck, Linkmann und W e s e n e r genannt.
Der Besuch war der Jahreszeit entsprechend. Der Beifall freundlich. Es wäre viel gewonnen gewesen, wenn man seinen Rock hätte ausziehen dürfen. Dr. Th.
Heidelberger Festspiele.
Nach den Eröffnungsfeierlichkeiten, über die bereits berichtet wurde, haben die eigentlichen Festspiele in Heidelberg mit einer Aufführung des Shakespea reschen „Sommernachtstraums" abends im Schloßhof, dem herrlichsten Schauplatz, begonnen.
Hartungs Regietemperament müht sich — um nunmehr vierjährige Erfahrung bereichert —, aller Grazie und aller Schalkheit der Dichtung mit Einfallsreichtum und musikalischem Sinn zu dienen. Unter äußerster Ausnutzung aller Möglichkeiten des formalen Reizes und einer sublimiert spielerischen Note wird dem Zuschauer diesmal vorwiegend ästhetische Beteiligung abgelockt. Aus der Ueberfülle der Regieeinfälle spritzen ein paar kleine Abgleitungen ins Operettenhafte: doch der Gesamteindruck ist der einer bisher nicht erzielten schwebenden Leichtigkeit und Vollendung, die den zwischen Astgeäder und Schloßruinen eingefügten Tanzgruppen zauberhafte Beschwingtheit und traumhafte Plastik verleihen.
Oberon — in diesem Jahre wieder Heinrich George —, so erdgebunden, naturnah und dämonisch wie nur je, ein silberner Riesenfalter von unheimlicher Bewegsamkeii. Im Sprachlichen ein
wenig müde. Oder ist es die Gewöhnung an allzu vertraut gewordene Register?
Die Frauenrollen — bis auf den Elf Kalta Sternas — durchweg blaß, gleichgültig lassend. Die Rüpelszenen mit Otto Wernickes Zettel wie immer die gelungensten Episoden.
Die interessanteste Leistung des Abends unbestreitbar Wladimir S o k o l o f f s Puck, ein Zwitterwesen voll jener schauspielerischen Urkraft, die sich, durch Intellekt gebändigt, im Frohlocken seiner Phantasie, im seligen Unfug seines verwirrenden Treibens auswirkt und ihn in Wort und Gebärde unwiderstehlich macht. A. Sch.
Sine Preise, die nur für Sünde schreibt.
Eine Presse, von der man selten etwas hört, und die doch in der Stille ein wertvolles Kulturwerk vollbringt, sind die von dem Neuyorker Wohlfahrtsunternehmen „American Braille Preß" herausgegebenen Zeitungen für Blinde, die nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in anderen Ländern erscheinen. Entsprechend dem besonderen Zweck der von ihm herausgegebenen Zeitungen ist auch deren Herstellungsart von der anderer Länder verschieden: Alles, was in der Brailleschen P u n k t i e r s ch r i f t für Blinde gedruckt werden soll, wird von einer Angestellten in einen Schalltrichter gesprochen und von einer Phonographen- walze ausgenommen. Die Walzen kommen dann in eine Werkstatt, in der blinde Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt find, und werden dort neben die Arbeiter auf einen Apparat gestellt. Die Arbeiter hören dort den Text mit einem Kopfhörer ab und übertragen ihn tippend auf die Klaviatur eins Diktophons, wodurch er sofort in Brailletypen auf Zinkplatten geprägt wird. Nachdem letztere noch einmal überprüft und korrigiert worden sind, kommen sie in eine Maschine, die den Text auf Blätter aus dünner Pappe überträgt. Pro Stunde werden so 5000 Abzüge hergestellt, die beiderseitig bedruckt sind. Gedruckt wird nach diesem Verfahren zunächst eine Zeitung, die einen Auszug des wichtigsten Stoffes aus den großen Tageszeitungen enthält und eine Zeitschrift, die Auszüge aus den literarischen unb philosophischen Zeitschriften bringt. Im gleichen Verlage erscheinen weiter Bücher und Musiknoten.
Hochschulnachrichten.
Vvm Verwaltungsrat bes Tlniversitäisbundes Marburg e. V. finb anläßlich der diesjährigen Hauptversammlung folgende Beihilfen bewilligt worden: Privatdozent Dr. Wachtsmuth als
Uebungsbetrieb ausgenommen haben, ist gegenüber dem Vorjahr um 128 auf nahezu 3300 geftiegeiu Das Männerschwimmen ist am stärksten im Kreis Sachsen entwickelt: das Frauenschwimmen im Kreis Bayern. Bei den Jugendlichen ist es dagegen gerade umgekehrt: Bayern zählt die meisten Knabenschwimmer, der Freistaat Sachsen die stärkste Beteiligung der Mädchen am Schwimmen. 57 Vereine der D. T. verfügen über eigene Badeanlagen. Hier ist der Mittelrheinkreis am besten daran, der 10 Vereine in seinen Reihen hat, die Schwimmbadbesitzer sind. Auch in unserem H e s s e n g a u hat sich das Turnerschwimmen sehr günstig entwickelt. Einmal in der Erfassung der Massen, dann auch noch der Spitzenleistung hin, die das Können des einzelnen Schwimmers nach Bestleistung erstrebt. Das Jahr 1929 sah die Schwimmer des Gaues Hessen im Mittelrheinkreis mit an erster Stelle.
Leichtathletik der Sp.-Vg. 1900.
1900 erringt 2 erste, 8 zweite und 3 dritte Siege.
ö. Bei sehr guter Beteiligung der eingelabenen Vereine nahm bas Werbesportfest bes Polizei - Sportvereins Friedberg einen glatten Verlauf. Das Hauptkontingent der Teilnehmer stellten die Polizeivereine aus Frankfurt. Darmstabt, Friebberg, der Fuhballsportver- ein Frankfurt, Turnverein 1860 Dab-Bauheim unb Reichswehr Gießen usw. Der gute Durchschnitt prägte der Veranstaltung seinen Charakter auf. Die Spielvereinigung konnte in der Gesamtwertung ben zweiten Platz belegen, obwohl in Staffeln, Weitsprung unb 3000-Meter-Lauf recht unglücklich gekämpft wurde. In allen Disziplinen, in denen die 1900er auf den 2. Platz kamen, stellten die Frankfurter Polizisten die Sieger. Diese wohltrainierten Leute setzten eben der glühenden Hitze den größten Widerstand entgegen. Heber jedes Lob erhaben waren die Sprinter Guhot und Geist: besonders Guhot war in sehr guter Verfassung und bewies, daß er der kommend Mann ist. Auch die Mittelstreckler kamen zu einem Doppelsieg. Bepperling war t>er glücklichere. Seipp war in Wtzitsprung seinen Witbewerbern weit überlegen, kam aber zu keinem gültigen Sprung. In der 4x100-COleter- Staffel hatten die Spielvereinigungsleute nach den Ergebnissen der Vorläufe eine erste Chance, die aber durch die im Cndlauf geloste, aufgelaufene Innenbahn zunichte gemacht wurde. Der Schlußmann brachte seine Mannschaft zwar noch bis auf einen halben Meter heran, Sieger waren jedoch bereits die Frankfurter Polizisten. Die 10xl00-Meter-Mannschaft lief und wechselte sehr gut unb ließ bie Frankfurter nur zu einem knappen Sieg kommen. Die olympische Staffel mußte >ohne Geist gelaufen werben, dazu kam ein schlechter Wechsel, und zum drittenmal waren die Frankfurter glückliche Sieger. Dritter wurde in diesem Rennen, weit zurück, Fußball-Sportverein Frankfurt, mit Kaufmann.
Die Ergebnisse finb: 100 Meier: 1. Guhot 11,9; 2. Geist 12. 400 Meter: 2. Tönges 56 Sek. 800 Meter: 1. Depperling 2:7,8 Min.: 2. Peters 3 Meter zurück. 3000 Meter: 2. Paul 9:59 Win. Weitsprung: 3. Maus 5,75 Meter. Speerwerfen: 3. Hopfen müller 43,47 Meter. Kugelstoßen: 2. Schäfer 13,35 Meter. Dreikampf: 3. Seipp 157 Punkte. 4xl00-Meter°Staffel: 2. in 46,1 Sek. 10X100- Meter-Staffel: 2. in 1:57,6 Min. Olympische Staffel: 2. in 3:54 Min.
A.f.B. Leichtathletik.
Trotz der starken Konkurrenz beim Werbe- fportfeft des Polizei-Sportvereins Friedberg unb des mißlichen Umstandes, daß alle Teilnehmer mir in einer Klasse (Klasse I) starten mußten, während die meisten der jungen Leichtathleten des D.f.B. noch zur Klasie III gehören, konnten sich doch einige von ihnen bis in die Entscheidungen durchkämpfen. Wenn auch nur zwei dritte Siege errungen wurden, so kann man deshalb das Gesamtabschneiden der V.f.B.er, bei denen Mahl unb Koch fehlten, doch als zufrieden-
Druckkostenzuschuh zu einer kunstgeschichtlichen Arbeit 750 Mk., Privatdozent Dr. Eimer für eine Stoffwechselforschung in der Schweiz 350 Mk., Prof. Dr. Schenk für einen Skikursus im Allgäu, sportärztliche Untersuchungen 500 Mk., Prof. Dr. Häpke für wirtschaftsgeschichtliche Forschungen in Venedig 400 Mk., Privatdozent Dr. Steinhart für kunstgeschichtliche Studien in Berlin 400 Mk., Privatdozent Dr. Fahrner als Reisezuschuß nach Griechenland 300 Mk., Prof. Dr. Stephani für weitere Ausstattung des Musikwissenschaftlichen Seminars 500 Mk., Privatbozent Dr. L ö w i t h für philosophische Studien über Biehfche 300 Mk., Prof. Dr. Iacobsohn und B o b e l für Ankauf eines Teils der Bibliothek Geldner für das Orientalisch-Indogermanische Seminar 1000 Mk., Marburger Museumverein 500 Mk., Privatbozent Dr. Llbbelohde-Doering zu einer Forschungsreise nach Peru bis zu 1000 Mk., Prof. Dr. Wrede für dialektgeographische Forschungen 950 Mk., Prof. Dr. Hamann für ein neu zu gründendes Kunstforfchungsinstitut vorbehaltlich jährlicher Beubewilligung 2000 Mk., Prof. Dr. Iacobsthal für wissenschaftliche Reisen, photographische Arbeiten usw. 1000 Mk., Prof. Dr. Wedekind für das Geologische Institut 450 Mk., Prof. Dr. Spitzer für Anschaffung von portugiesischer Literatur für das Romanische Seminar 200 Mk., Geh. Rat Prof. M a n i g t als weitere Beihilfe zum Ausbau der Abteilung für Rechtsvergleichung im Juristischen Seminar 500 Mck., Prof. Dr. Al Verdes für verbesserte Ausstattung des vergleichend-physiologischen Laboratoriums im Zoologischen Institut 1300 Mk., Prof. Dr. Friedländer als Reisezuschuß nach Paris und Italien für Sophokles-Studien 600 Mk., Privatbozent Lic. Maurer als Druck- kostenzuschuh zu seiner Arbeit über Aufklärung, Ibealismus und Restauratton. Studien zur kur- hess. Kirchen- und Geistesgeschichte (1780-1850- 500 Mk., Prof. Dr. Siegfried zur Vorbereitung zweier theologischen Arbeiten 278,50 Mk. Auf Grund vorjähriger Bewilligungen: Prof. Hamann zur Vollendung seines Werkes über die Elisabethkirche in Marburg 1000 Mk., Geh. Rat Prof. Elster zur Ergänzung der Germanistischen Seminarbibliothek 491 Mk.: insgesamt 15 269,50 Mk. —
Professor Dr. med. Robert Röhle in Basel hat den an ihn vor einiger Zeit ergangenen Ruf aus den Lehrstuhl der Pathologie an der Universität Berlin als Rachfolger von Prof. O. Lubarsch zum 1. Oktober d. I. angenommen.


