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Ur. 119 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)8reitag, 24. Mai (929
Die Mellen als Glied unserer Wirischast.
Schaden und Ruhen in der Ratur. - Das Insekt als Rutztier.
Von Oberregierungsrat Prof. Or. Albrecht Hase, Äiologische Veichsanstalt Berlin «Dahlem.
Daß die Insekten zu denjenigen Lebewesen gehören, welche der menschlichen Wirtschaft die schwersten Schäden zufügen, ist bereits genugsam in Fachkreisen erörtert worden. Auch in den Tageszeitungen wird laufend auf die hohe wirtschaftliche und gesundheitliche Bedeutung der Insekten hingewiesen. Damit ist die Bolle der Insekten keineswegs erschöpft. Bei der ungeheueren Mannigfaltigkeit dieser Gruppe ist es letzten Endes nicht sehr verwunderlich, dah die Insekten nicht nur Schädiger, sondern auch Nützlinge in beträchtlicher Zahl enthalten. Die angewandte Entomologie kennt Ruhinsekten, wie sie Schadinsekten kennt. Weiteren Kreisen dürfte es daher nicht uninteressant sein, über den Nutzen der Insektenwelt überhaupt etwas zu erfahren.
Da der Naum knapp ist, so ist eine entsprechend kurze Fassung geboten. — Halten wir zunächst fest, dah „Schaden" einerseits — „Nutzen" andererseits zwei Begriffe sind, die nur vom menschlichen Standpunkte aus, natürlich mit starker Berechtigung, geprägt wurden. Im freien Kräftespiel der Natur gibt es weder schädliche noch nützliche Tiere. Schädlich nennen wir alle die Insekten, die unseren Zielen oder Absichten, unserer Lebensführung oder Gesundheit hindernd, mittelbar oder unmittelbar im Wege stehen. — Nützlich dagegen sind alle die Insekten, welche in irgendeiner Weise unsere Absichten oder Wünsche fördern, unserer Wirtschaft dienen, oder die zur menschlichen Er- näherung in irgendeiner Art ausgewertet werden. — Diese Umgrenzung läßt erkennen, dah in mannigfaltiger Weise Insekten die menschliche Wirtschaft fördernd beeinflussen. Mit anderen Worten, es gibt reichlich nützliche Insekten, oder — was das gleiche sagt — wir können von einem Nutzen durch Insekten sprechen.
Nun kommt es hier nicht darauf an, nützliche Insekten zu nennen, wie die Diene und die Seidenraupe, welche jedermann in ihrer Bedeutung bekannt sind. Im Gegenteil, auf diese beiden Formen soll gar nicht eingegangen werden. Dafür soll auf Gruppen von Insekten hingewiesen werden, die als Nutztiere im allgemeinen weniger bekannt sind. Wenn wir von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus die Nuh- insekten einteilen, so ergeben sich im wesentlichen sieben Gruppen, und zwar folgende:
1. Die Insekten dienen als Nahrungsmittel des Menschen, bzw. seiner Haustiere.
2. Die Insekten sind der Gegenstand des Handels.
3. Die Insekten dienen zur Herstellung von Schmuckgegenständen, also zu gewerblichen Zwecken.
4. Die Insekten dienen als Versuchstiere, also im wesentlichen zu wissenschaftlichen Zwecken.
5. Die Insekten dienen in bestimmter, von uns gewollter Weise zur Vertilgung von Schadinsekten und Unkräutern.
6. Die Insekten dienen zur Herstellung von Drogen und Chemikalien.
7. Die Insekten dienen zur Herstellung von Heil- oder Giftmitteln.
Diese Aufzählung läßt erkennen, dah die Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Insekten auch auf einer wirtschaftlich wertvollen Grundlinie liegen. Zu den unter 1 bis 7 genannten Gruppen seien jeweils einige Beispiele genannt.
Zu 1: D i e Insekten dienen als Nahrungsmittel. Es ist bekannt, dah eine ganze Reihe von Naturvölkern bestimmte Käferlarven als besondere Leckerbissen schätzt und sie mit Fleih sucht. Auch an den Genuß, sei er als Behelfs- oder als Notnahrung, von Heuschrecken und Mannaschildläusen durch Naturvölker sei erinnert. Des weiteren sei daran erinnert, dah in
Tierhaltungen (Zoologische Gärten, Aquarien) bestimmte Käfer- und Fliegenlarven in großem Umfange gezüchtet werden, da sie als Nahrungsmittel Verwendung finden. Welchen Umfang diese Auswertung von Insektenlarven unter Um- ständen annimmt, geht daraus hervor, dah heute ein Kilogramm .Mehlwürmer" mit ungefähr 8 bis 10 Mark bezahlt wird. Die Larven dienen ausschließlich zu Futterzwecken. Diese Beispiele müssen genügen.
Zu 2: Die Insekten als Gegenstand des Handels. Einen weiteren Nutzen gewähren die Insekten insofern — und das erstreckt sich auf alle Insekten, namentlich auf die sogenannten sehr seltenen Arten —, als sie Gegenstand des Insektenhandels selbst sind. Hunderte von .Insektenhändler" ziehen aus den Insekten ihren Erwerb. Die Verbindungen der Insektenhändler gehen vielfach zu eigenen .Insektenfängern", sofern der Händler nicht selbst Fänger ist. Die Verbindungen, welche die Insektenhändler anknüpfen, gehen über die ganze Welt, und es ist erstaunlich, welche Preise zahlreiche Sammler für manche „Seltenheiten" und „Raritäten" anlegen. Der Insektenhandel ist so gut durchgebildet, dah man heute aus allen Erdteilen Insekten auch lebend (meist als Ei, Raupe oder Puppe) beziehen kann.
Zu 3: Die Insekten dienen zur Herstellung von Schmuckgegenständen. Einen weiteren Nutzen gewähren die Insekten als Gegenstand der Schmuckindustrie. Bestimmte farbenprächtige Käfer und Schmetterlinge werden zu tausenden verarbeitet, sei es als künstlerischer Wandschmuck, sei es als Schmuck zu Frauenkleidungen. Besonders bestimmte Prachtkäfer (Bupestridae) findet man vielfach in dieser Weise wirtschaftlich verwertet. Die Gewohnheit, Insekten als Schmuckstücke zu verwenden, ist bereits Naturvölkern eigen.
Zu 4: D i e Insekten als Versuchstiere. Nützlich werden die Insekten dadurch, dah sie in Tausenden von Fällen außerordentlich beliebte Versuchstiere zu biologischen und physiologischen Versuchen abgeben. Es dürfte wohl kaum ein zoologisches oder physiologisches Institut der Welt geben, welches nicht Insekten in irgendwelcher Form als Versuchstiere einmalig oder dauernd verwendet. Besonders geeignet als Versuchstiere sind die Insekten, wenigstens eine beträchtliche Zahl von ihnen deshalb, weil ihre Haltung und Zucht verhältnismähig wenig Mühe verursacht. Es sei daran erinnert, daß die berühmten Vqxerbungsexperimente an kleine Taufliegen (Drosophila-Arten) ausgeführt worden sind. Die leichte Züchtbarkeit und die starke Vermehrungsfähigkeit dieser Drosophila- Arten ist ein besonders günstiger Umstand, und Morgan und seine Schule, aber auch viele andere Forscher wären sicher nicht so schnell zu den glänzenden Ergebnissen der Vererbungslehre gekommen, wenn sie in den Insekten nicht so vortreffliche Versuchstiere gehabt hätten.
Zu 5: D i e Insekten als Vertilger von Schadinsekten und von Unkräutern. Der Gedanke, bestimmte Insekten im Kampfe gegen Schadinsekten äu verwenden, ist an und für sich nicht neu. In den letzten Jahren wurde er in Deutschland wiederholt erörtert und die praktische Durchführung in Erwägung gezogen. Man hat bei diesen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Erwägungen nicht mit Unrecht auf Erfolge hingewiesen, welche im Ausland mit diesem Bekämpf ungsverfahren schädlicher Insekten erzielt worden sind. Das Ganze, um das es sich hier handelt, wird als sogenanntes „biologisches Be- kämpsungsverfahren" von Schadinsekten bezeichnet. Es kann sich hier natürlich nur darum handeln, in ganz großen Zügen darauf hinzuweisen.
Gießener Staöttheater.
Karl Lloboda: „Am Tcetifch".
Dies war ein freundlicher und wohlgelungener Abschluß des Theaterwinters und eine auf den rechten Ton gestimmte Ueberleitung zur sommerlichen Saison, in der man sich, einer alten Tradition gehorsam, von den literarischen Strapazen der jüngsten Vergangenheit zu erholen liebt.
Es war auch ein anerkennenswerter Entschluß, mit dieser Aufführung des nun verstorbenen Autors noch einmal zu gedenken; trauriger Gedanke, daß sie so wenig mehr helfen konnte, wie ihn der immerhin nicht alltägliche Erfolg gerade seines bekanntesten . Stückes, „A m Teetisch", vör dem trüben Ende hat retten können. |
Vor wenigen Wochen erst stand die Meldung in den Blättern, daß der erfolgreiche Lustspieldichter Karl S l o b o d a irgendwo in aller Stille und Ver- borgenheit und in den kümmerlichsten Verhältnissen | gestorben sei; ja es hieß geradezu, er sei einfach - verhungert ... ein Autor, dessen Stücke auf zahllosen Spielplänen gestanden und selbst im Ausland Serienerfolge zu verzeichnen gehabt haben.
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Das Lustspiel „Am Teetisch", drei Akte in knapp zwei Stunden, gehört zum Besten, was er hinterlassen hat. Ein liebenswürdiges, unterhaltsames Stück, das man immer wieder gerne sieht. Um das uralte, niemals aussterbende, in zahllosen Variationen abgewandelte Lustspielthema herum, das sich überall da ergibt oder ganz leicht ergeben kann, wo in einer Ehefamilie — wenn man von den möglicherweise vorhandenen Kindern absehen will — mehr als zwei Personen miteinander zu schaffen haben. Meistens sind es drei, selten vier oder mehr. Drei ist die klassische Zahl, die mystische Ziffer, Zauberformel und Generalnenner der vielen Komödien, Lustspiele und Schwänke, die um den heiligen oder unheiligen Ehestand herum spielen.
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Auch hier. Die bühnenmäßige Spannung und der psychologische Reiz beruht darauf, daß die Zauberziffer eine ungerade Zahl ist, schwer teilbar in einem Exempel, das spätestens im dritten Akt „aufgehen" muß, aber auch beileibe nicht früher aufgehen darf. Sonst taugt das Lustspiel nichts. Hier geht's gerade zur richtigen Zeit auf; keinen Augenblick zu früh. Und es geht auf eine so beruhigende, harmlose und anständige Wese auf, die unzähligen
andern Lustspieldichtern mit dem gleichen Stoff ver- altet oder banal erschienen wäre.
Keinen Augenblick in diesen drei Akten vergißt man, daß alles ein Spiel ist, eine Spielerei, ein Geplänkel mit Worten, ein Jongleurakt mit Bonmots und Aphorismen. Obwohl es manchmal ganz ernst zu werden droht, und obwohl manchmal mit dem Ernst schon in einer Weise gespielt wird, die fast die Grenze des Lustspiels zu überschreiten droht.
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lannert dirigierte. Alles war auf ein sanftes Allegro gestimmt. Einsätze, Austritte, Abgänge klappten. Der Dialog saß, samt allen Pausen, Steigerungen, Pointen und Ueberraschungen (die leider manchmal keine Ueberraschungen mehr waren; daran ist aber weder die Aufführung noch der Text schuld. Sondern die Lustspielerfahrung der allermellten Theaterbesucher).
Tannert hat auch eine seiner unwiderstehlichsten Rollen. Bonvivant. Junggeselle. Hausfreund. Mit der liebenswürdigen Frechheit und der großen Klappe und dem überlegenen Lächeln. Man wundert sich fast, daß er ganz zuletzt das Rennen verliert.
Maria Koch: die Frau inmitten Sehr stilvolle Erscheinung. Salondame, Gattin, beinahe Geliebte. Beinah. Gepflegte Konversation und aparte Toiletten.
Ebert-Grassow gibt den Ehemann. Ehemänner zu spielen, ist bei solchen Gelegenheiten stets mehr oder minder fatal. Weil der Ehemann in diesen Fällen meist der Dumme, fast immer eine komische Figur ist. Sloboda macht's gnädig. Dennoch wundert man sich ein wenig ... siehe oben. Rur umgekehrt. Ebert-Grassow vermied, mit einigem Humor den wilden Mann und aufgeregten (Fifer- süchtling mimend, jedenfalls ein Abgleiten der Figur aufs Schwanknioeau. Sehr dankenswert. —
Die Aufführung wurde mit freundlichem Beifall entgegengenommen. Dr. Th.
Sie liebt mich 18 Grad Celsius ...
Endlich sind wir so weit: Dr. Free aus Chi- kago hat uns mit dem Gefühlsthermometer beglückt, einem Instrument, das genau angibt, wie hoch oder tief, wie stark oder schwach, wie heiß oder kalt wir Männer von den Frauen oder die Frauen von den Männern geliebt werden. Der Apparat gibt genau den Unterschied der Wärmegrade vor und nach dem Kuh an, woraus genau zu ersehen ist, welchen Eindruck man auf
Das Verfahren gipfelt darin, dah man Parasiten eines Schädlings oder daß man räuberische Formen vermehrt und aussetzt, in der Hoffnung oder sicheren Erwartung, daß Parasiten und Räuber durch ihre Lebenstätigkeit den Schadinsekten den Garaus bereiten. Daß derartige Dinge tatsächlich möglich sind, mit anderen Worten, dah Insekten als Insektenvertilger in einer von uns ganz bestimmten und gewollten Weise sich nützlich entfalten, dafür gibt es Beispiele. In Südamerika und in Reu-Seeland gelang die Bekämpfung der Blutlaus (Schizoneura lanigera) mit Hilfe der Schlupfwespe (Aphelinus mall), in Italien gelang die Bekämpfung der Maulbeerschildlaus (Aspis pentagona) mit Hilfe der Schlupfwespe (Prospal- tella beriesel), und in Kalifornien gelang die Bekämpfung der Orangenschildlaus (Icerya purchasi) mit Hilfe des Käfers Novius cardinalis, um nur diese drei Beispiele, darunter das klassische des Novius cardinalis, zu erwähnen. Ob die biologische Bekämpfung unter allen Umständen möglich ist, ist eine noch offene, schwierige Frage. Sie kann hier nicht erörtert werden. Es genügt, darauf hinzuweisen, dah diese Art der Nutzbarmachung von Insekten bei sachgemäßem Vorgehen grundsätzlich möglich ist. Die erfolgreichen Beispiele konnten noch um eine stattliche Zahl vermehrt werden.
Genau so wie man schädliche Insekten durch nützliche Insekten bekämpft, ist man in Australien dazu übergegangen, gegen verheerende Unkräuter ein Heer von Frahinsekten mobil zu machen. In dem Augenblick, wo ein Insekt ein Unkraut vernichtet, wird es für uns zum Nuhinsekt. In der freien Natur ist es an und für sich weder schädlich noch nützlich — es ist einfach da. Bereits eingangs wurde erwähnt, dah man sich immer klar sein muh, von welchem Standpunkt aus „nützlich" oder „schädlich" geprägt sind. Wenige Beispiele zur Frage der Bekämpfung von schädlichen Unkräutern mit Hilfe von pflanzenzerstörenden Insekten seien gebracht. In Australien verwandte man die Schildlaus (Dactylopius tomentosus), um den Stachelkaktus (Opuntia inermis) zu vernichten, und eine ähnliche Rolle spielt die Wanze Cheli- nidea tabulata und die Motte Cactoblastis cac- torum. Am besten hat sich die Schildlaus Dactylopius tomentosus im Kampf gegen den Stachelkaktus bewährt. Auf Grund dieser Erfolge versucht man jetzt in Neu-Seeland und Australien, Stechginster, Kreuzkraut, Iohanniskraut und Schwarzbeere mit Hilfe von Frahinsekten auszurotten. Diese Beispiele müssen genügen.
In allen angegebenen Fällen sind die Insekten zu Ruhinsekten geworden, wie z. B. in Rieder- ländisch-Indien bestimmte Ameisen zu Nutztieren wurden. Im letzteren Falle handelt es sich um die Ameise Dolichoderus, deren tütenförmige Nester in Java in den Kakaoplantagen verteilt werden, weil bekannt ist, daß diese Ameise sich dann an- siedelt und gegen Schadinsekten ihre Tätigkeit entfaltet.
Einen besonderen Nutzen gewähren bestimmte Insekten noch in merkwürdiger Weise, nämlich dadurch, dah sie in Lebensgemeinschaft mit niederen Organismen stehen, und diese niederen Organismen benötigen wir wieder unter allen Umständen in bestimmten Gewerbebetrieben. Es handelt sich hier um den merkwürdigen Fall, dah kleine Cssig- oder Taufliegen (Drosophila) die Hefepilze verbreiten, (und zwar besonders diejenigen. Die auf Weinbeeren leben), die für die Weinbereitung unerläßlich sind. Die Hefepilze passieren ungefährdet den Darm der Fliege, welche die Hefen dann überall nach dem Saugakt an den reifen Beeren mit dem Kote wieder abseht. Ohne die Hilfe der Taufliege ist eine Verbreitung dieser wichtigen Hefepilze nicht möglich. Die Hefepilze aber bewirken die von uns gewünschte Mostgäh- rung. Das Beispiel zeigt genugsam, welchen auher- ordentlichen Ruhen die kleine, unscheinbare Fliege Drosophila für uns besitzt.
Zu 6: Die Verwendung der Insekten zu Drogen und Chemikalien. Zu den Ruhinsekten müssen unbedingt die Formen gezählt werden, welche bestimmte Drogen und Chemikalien liefern. Es muh auch hier genügen,
das Gegenobjekt zu machen imstande ist. Die Sache hat nur einen Haken: man muß nämlich das Thermometer während des Kusses oder anderer Liebesbezeugungen an die Wange oder andere Körperteile des zu prüfenden „Lieblings" halten, und das werden sich wohl nicht alle gefallen lassen. Richt etwa weil sie fürchten, nicht heiß genug zu erröten, aber was kann schon aus einem Kuh werden, wenn man dabei ständig ein Thermometer an die Backe halten muß? Dr. Free ist natürlich von seiner Erfindung begeistert und meint, sie werde bei Scheidungsprozessen eine nicht unbedeutende Ro le spielen. Diel- leicht, falls das Ding nicht dabei in Trümmer geht ...
Expreßeier.
Von Victor Auburtin.
Nachdruck verboten.
Die Amerikaner, denen wir schon so viel Gutes verdanken, haben eine Erfindung gemacht, durch die das Legen von Eiern verbesjert und beschleunigt werden soll.
Das Verfahren ist ganz einfach, man braucht nur die Hühner am Schlafen zu verhindern.
Zu diesem Dehufe verfährt man so: Wenn das Huhn ins Bett geht, was es bekanntlich sehr zeitig tut, und wenn es eben einnicken will, wird es mit elektrischen Lampen und Scheinwerfern beleuchtet. Run weiß das Huhn nicht, was es machen soll. Schlafen kann es nicht, den „New York Herald“ lesen will es nicht, so fängt es denn aus langer Weile an, Eier zu legen, die ganze Rächt hindurch, ohn Unterlaß. Es sprüht Eier, wenn man so sagen darf.
Und so ist es gelungen, aus einer Farm im Laufe eines halben Iahres sechstausend Eier mehr herauszuholen, die dann von der Chicago Eggs Manufacturing Company Ltd. verwertet werden, also in Kalk gelegt oder zu Konserven verarbeitet, oder zur Anfertigung von Kunstkäse benutzt, oder was die Amerikaner so unter Eiergenuß zu verstehen pflegen.
Was mich anbetrifft, ich mochte auf diese Art von Patenteiern verzichten und lieber bei der alten Art bleiben.
Wohl, jeder von uns ist in feiner Kindheit einmal auf dem Dauerngute einer Legehenne nachgeschlichen, wenn diese Henne die Absicht verriet, im Stall heimlich ein Ci niederzulegen. Und wer das nie getan hat, der ist kein richtiger Mensch.
wenige Beispiele aufzuführen. Im Mittelalter benutzte man die in Polen heimische SchildlauS Margarodes polonicus zu Färbezwecken, und auch heute kommt ihre Verwendung für bestimmte Zwecke noch in Betracht. Ferner fei auf die Bedeutung der Cochenille-Schildlaus (Dactylopius) verwiesen, die in großem Umfange gezüchtet wird. Roch großer ist die wirtschaftliche Bedeutung der verschiedenen Lackfchildläuse (Tachardia), welche als „Schellackliefcranten" unersetzlich sind. In Indien und Südchina werden die Kulturen der Lackfchildläuse in Plantagen fabrikmäßig betrieben. Etwas in den Hintergrund getreten, aber auch noch für manche Gegenden in Betracht kommend, ist der Rutzen, welchen die Färbergall- wespe (Cynips gallae tinctoriaej dadurch gewährt, daß die von der Wespe erzeugten Galläpfel zur Tinten- und Farbenbereitung Verwendung finden.
Zu 7: Die Verwendung der Insekten zu Heil- oder Giftmitteln. Endlich sei noch des Ruhens gedacht, den die Insekten als Lieferanten von Heilmitteln einerseits oder Giftmitteln anderseits gewähren. Am bekanntesten ist das Beispiel der Spanischen Fliege (Lytta), die in zermahlenem Zustand als blasenziehendes Pflaster noch heute Verwendung findet. Andere Insekten sind die Lieferanten schwerer Gifte, deren sich vor allen Dingen die Raturvölker zu Jagdzwecken bedienen. Der Pfeilgiftkäfer (Diamphidia) ist merkwürdigerweise nur als Larve giftig. Er dient südafrikanischen Völkern in ausgedehntem Umfange zur Herstellung von 2agd- und Kriegswaffen, und für diese Völker ist der Käfer zweifelsohne ein nützliches Tier. Immer wieder sei betont, dah die Rühlichkeit oder Schädlichkeit einzig von dem Standpunkte aus zu bewerten ist, ob das Insekt in irgendwelcher Weise in der menschlichen Wirtschaft Verwendung findet.
Wir müssen unsere Betrachtungen schließen. Ich glaube gezeigt zu haben, daß dem millionenfachen Sachschaden durch Inselten auch ein nichl zu unterschätzender Rutzcn gegenübersteht. Um so mehr Grund, dem Studium der Insektenwelt — sie ist die artenreichste aller Tiergruppen — gebührende Achtung zu schenken.
Lord Rosebery f.
Der heftigste Gegner der Entente cordiale.
Lord Rosebery, der 1894 bis 1895 britischer Premierminister war, ist im Alter von 82 Jahren auf seinem Wohnsitz in Epsom gestorben. — Archibald Philip Primrose, Eearl of Rosebery, war der Sproß einer alten schottischen Familie. Rach kurzem Studium in Oxford folgte er feinem Großvater schon 1868 im Titel und sprach einige Jahre später zum erstenmal im Oberhaus, womit seine politische Laufbahn im Dienst der liberalen Partei begann. Zu politischer Bedeutung gelangte er jedoch erst 1880, als er für Gladston unter Einsatz enormer Mittel den Wahlfeldzug organisierte, der die Partei zum Sieg über D Israeli führte. Rach kurzer Pause berief ihn Gladstone, der eine sehr hohe Meinung von ihm hatte, 1885, noch kurz vor dem Fall seines Ministeriums, ins Kabinett, dem er auch während des kurzen Home Rule-Interregnums 1886, und zwar diesmal als Minister des Auswärtigen, an- gehörte. Im zweiten Home Rule-Ministerium (1892) bekleidete er denselben Posten, und sein Einfluß dort dauerte bis zum Zusammenbruch der Liberalen 1895. Seine auswärtige Politik fand, so wie die seines Schülers Grey, der unter ihm als Unterstaatssekretär wirkte, mehr Freunde auf konservativer als auf der eigenen Seite. Er war später der einzige Staatsmann von Belang, der die Entente scharf kritisierte.
Lord Rosebery, der u. a. auch besonders mit dem Fürsten Herbert Bismarck befreundet war, galt früher für den besten Redner Englands, und es ging keine große Gelegenheit irgendwelcher Art vorüber, ohne eine seiner häufig hinreißenden, immer interessanten und pointierten Reden. Als passionierter Sportsmann hatte er
und der ist seines Lebens nicht ganz teilhaftig gewesen.
Da muß also jeher wissen, mit welcher Ruhe und mit welchem Bedacht die Henne bei diesem Geschäft zu Werke geht. Sie klettert vorsichtig die Treppe zum Stall hinauf und wenn sie sich beobachtet glaubt, kehrt sie wieder um, weil es gar keine Eile hat. Und manchmal geht sie so schlau zu Werke, dah es ihr gelingt, fünf Eier auf den Stallboden zu legen, die zu entdecken dann allerdings ein großes Erlebnis ist.
Die Eier, die so entstanden sind, haben einen besonderen und feinen Geschmack, namentlich, wenn man sie hart kochen läßt; sie haben eine Würze wie von Heu, und von einem langen, stillen, durchsonnten Tage.
So etwas fühlen aber nur die Kinder heraus oder die Philosophen. Die Chicago Eggs Manufacturing Company Ltd. hat davon keine Ahnung.
Hochschulnachrichten.
Der ordentliche Professor der Hygiene und Direktor des Hygienischen Instituts der Universität Marburg, Geheimer Medizinalrat Dr. Heinrich B o n h o f f ist ab Ende September 1929 von feinen amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Der aus Königshof bei Münden gebürtige Hygieniker promovierte 1887 in Freiburg zum Dr. med., wurde Assistenzarzt, später Stabsarzt und habilitierte sich 1895 in Berlin für Hygiene. Ostern 1899 erhielt Bonhoff die Ernennung zum Extraordinarius der Hygiene in Marburg und 1901 sum Ordinarius ebenda. Seine Arbeiten betreffen Bakteriologie, Infektionskrankheiten usw. — Der a. o. Professor Dr. jur. Albert Hensel in Bonn hat den Ruf auf den Lehrstuhl für öffentliches Recht an der Universität Königsberg als Rachfolger von H. Kraus angenommen und bereits seine Ernennung zum ordentlichen Professor in derKönigsberger Rechtsund Staatswissenschaftlichen Fakultät erhalten. — Die Ernennung des a. o. Professors Dr. Sergius D u b n o f f von der Universität Breslau zum ordentlichen Professor der Geologie an der Greifswalder Universität als Rachfolger von Joh. Weigelt ist erfolgt.
Die Ernennung des o. Professors Dr. Wilhelm Hävers von der Universität Würzburg zum ordentlichen Professor der vergleichenden Sprachwissenschaft an der Universität Breslau ist erfolgt


