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Das Erbe
-es Herrn von Anstetten.
Vornan von 3. Schneider.Zoersil.
Urheber-Rechtsschutz durch
Verlag Oskar Meister. Werdau i.Sa.
33 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Anstetten kam die Terrasse herab und hielt Rtxa an der Leine. Gr konnte die drei nicht sehen, da der Laubengang reich im Blattwerk stand. "Aber jedes Worll das er mit dem Hunde sprach, war bis herüber vernehmbar:
„Rixa, mein Mädchen, was wird das noch für ein Ende nehmen mit uns beiden! Solch ein verliebter Mann, wie ich und solch ein verliebtes Frauchen, wie du, mein Sied“
211« die Hündin die Rase zur Witterung hob, schwieg er und schlug einen Seitenweg nach dem Parke ein.
.Mutter, was sagte er?“
„25(18 du dir immer so sehnlich gewünscht hast: Daß er mich liebt.“
Lieber Bernds Gesicht lief helle Glut. Er beugte sich hastend nach ihren Händen herab und küßte sie.
.Du gönnst deinen Eltern ihr Glück, mein Junge?"
Statt einer Antwort ging ein abbittendes Lächeln über das Gesicht. Mit einer raschen Wendung verschwand er zwischen den Büschen.
2lm Rachmittag hatte Drunhilde eine längere Unterredung mit dem Gatten. Er begriff sofort, als sie ihm Bernds Klage vorstellte. Das lieh sich ohne weiteres vermeiden, daß der Junge sich vereinsamt fühlte. Cs wurde in der Folge ein wundervoll harmonisches Glück zu dreien, das denen auf Anftetten vom Herbst in den Winter hinüberblühte.
Ein so gottbegnadetes, wahrhaft Friede und Segen bringendes Weihnacht hatte das Schloß seit einem Jahrzehnt nicht erlebt, wie es diesmal hereinbrach.
Jede- Gesicht war in ein Strahlen getaucht. Bernd fand einen Traber im Stalle, der ihm allein gehörte, aus Brunhildes Gabentisch lagen Geschenke von so unerreichter Schönheit, daß ihr jedes Wort des Dankes dafür zu gering erschien.
HanS Peter hielt an der einen Hand den Sohn, an dec anderen die geliebte Frau und sah in das Glitzern und Flimmern der Riesentanne. die in der Halle aufgebaut war.
2lls Bernd neuerdings nach dem Stalle lief, den Gaul zu besehen, schob Brunhilde den Arm in den des Gatten: „Komm!“
Er folgte ihr wortlos nach dem oberen Stockwerk, durch die Reihe der Gesellschasisräume nach ihren Privatzimmern. Sie drehte den Schlüssel zu einem Seitengemach, das sonst nie benützt wurde, und lieh ihn eintreten.
Ein kleines Däumchen brannte und beleuchtete mit seinem Schimmer die alle Anstettensche Wiege, die ein spitzenbesetztes Kissen barg.
„Drunhilde I" Der große Mann zitterte und mußte sich gegen die bespannte Wand lehnen.
„Es ist mein Christgeschenk für dich, Hans Peter — wenn ich es dir auch erst im Mai in die Arme legen kann."
„Hilde!"
»Ich habe dir einmal gesagt, es soll das Pfand unserer neuen Ehe sein. Ich habe es mit der gleichen Liebe empfangen, wie Bernd, und werde es mit derselben Liebe zum Licht des Lebens tragen, wie ich ihn geborgen habe."
Die Arme des Mannes hingen bleibeschwert. Er wollte die Hände heben und vermochte kein Glied zu rühren. Rur seine zuckenden Lippen formten ihren Ramen und stammelten etwas — von Dergebensollen — und auf den Händen tragen — bis — bis —
Der Kopf der Frau ruhte an seiner Schulter. Er konnte ihr Gesicht nicht sehen, aber als er die Finger hob, es an seine Brust zu drücken, fühlte er, baß es von Tränen überrieselt war.
„Silbe, ich bin es nicht wert!"
.Sprich jetzt nicht, Liebster!"
„Du weiht nicht, welche große Schuld ich gegen dich trage!"
„Du?"
Ton draußen ein Trommeln gegen die Türe. „Vater, von Großpapa ist eine Liesenkiste ein
getroffen? Willst du mir helfen, sie aufzu- brechen?"
„Komm, Peter, der Junge wartet."
Er stand noch immer wie gelähmt. .Geh voran, Hilde! Ich kann jetzt nicht! älnmöglich! Ich — das hatte ich nicht in Berechnung gezogen!"
„Sind wir denn schon so alt, wir beide?" Sie blickte schelmisch zu ihm auf. .Andere heiraten in diesem Alter erst. Du solltest dich nichts als freuen und machst ein Gesicht, als ob Gefahr wäre, dah ich dir zwanzig Kinder in die Wiege lege und du nicht wüßtest, ob du sie ernähren kannst."
„Ich würde sie ernähren, Hilde.“
„Run also! — Lach doch, du dummer Mann!" Sie nahm sein Gesicht in die Hände und strahlte ihn an: „Bub oder Mädchen? — Welche Wünsche trägt mein Herr und Gebieter?"
„Ein Mädchen!"
„Wie anspruchsvoll. Ich werde mich bemühen!" Ihr helles Lachen lief noch mit die Treppe hinab, als Anstetten oben die Türe des kleinen Zimmers verriegelte.
Aus! — Alles aus! — Run gab es fein Zurück mehr! Zu spät! — Alles zu spät! Jedes Bekennen war jetzt ausgeschlossen. Er stellte sich Brunhildes entsetztes Gesicht vor, wenn er ihr sagte: Ich bin nicht dein rechtmähiger Gatte! — Du bist nicht meine rechtmäßige Frau! Das Kind, das du unter deinem Herzen trägst, ist illegitim! —
Schweißtropfen perlten ihm am Körper. Sein Blick fiel auf die Wiege, die im Schein der herabgLbrannten Lichter gespenstisch weih her- uberleuchtete. Ein paar Monate noch, dann würden auf diesem Spitzengeriesel sich zwei kleine Aermchen recken, die ihn festhielten, — so fest, wie tausend Seile und Klammern cs nicht vermocht hätten.
Dein Kind! — Mein Kind, Hans Peter!
„Vater, warum kommst du nichts'
Das war Bernd! — Der Sohn des Toten, dessen Erbe er schmälerte, wenn er sein eigen Fleisch und Blut, wie ein Kuckucksei, auf Anstetten groß werden ließ. Die Schuld nahm fein Ende mehr.
„Hör doch, Papa!"
„Ich komme schon, Bernd!"
Der junge Mann forschte im Gesichte des Vaters, das so grau und verfallen unter de? Türe auf tauchte. „Hat die Mama mit dir gezankt?"
Ein mattes Lächeln. „Gewiß nicht, ich bin nut nicht so wohl wie sonst."
.Du mußt ein paar Gläser Punsch trinken, Papa, dann wird es wieder."
Brunhildes Augen lachten ihm entgegen, als sie beide Arm in Arm in das große Speisezimmer traten, in welchem sich der Duft von Konfekt und Punsch mit dem der Rarzillen und Veilchen mengte, die dec Gärtner aus den Treibhäusern herübergebracht hatte.
„Vater ist nicht ganz wohl," berichtete Bernd und schob den bequemsten Stuhl tiefer gegen den Kamin, dessen rote Glut Reflexe über den Teppich warf.
„Das macht das schlechte Gewissen," neckte die schöne Frau, ülnd auf Bernds erschrockenen Blick fügte sie scherzend hinzu: „Hat dir Papa nichts anvertraut?"
„Rein!" Die Knabenaugen hingen in denen des Mannes.
Anstetten fühlte tiefe Scham, die ihm da- Blut bis ins Gehirn peitschte: „Wir müssen die Mama jetzt auf den Händen tragen — du und ich," würgte er heraus. Hnö nach einet Pause bon Minuten: „Würdest du sehr, seht böse sein, wenn die Eltern — dir noch Geschwister schenkten?"
„Geschwister?" Bernd fühlte sich in Wirbel gedreht: „Mama? — du! — Ich!" 2lls diese nickte, tat der Junge das, was Anstetten am wenigsten erwartet hatte. Er küßte erst die Mutter mit solch stürmischer Wildheit, daß ec Sorge hatte, Brunhilde möchte Schaden davon nehmen, dann sprang er auf ihn zu und warf beide Anne um seinen Hals, dah er Mühe hatte, sich ün Stuhl zu halten.
„Geschwister!" Bernd konnte sich nicht mehr helfen. Die Tränen liefen ihm fortgesetzt über die Wangen.
Es war das schönste Weihnachten, bas der Erbe von Anstetten je erlebt hatte!
(Fortsetzung folgt.)
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Offene Verkaufsstellen dürfen am 24. Dezember nur bis 17 Uhr (5 Uhr nachmittags), Verkaufsstellen, die ausschließlich oder überwiegend Lebensmittel, Genußmittel oder Blumen verkaufen, bis 18 Uhr (6 Uhr nachmittags) für den geschäftlichen Verkehr geöffnet sein. Die beim Ladenschluß schon anwesenden Kunden dürfen noch bedient werden.
Die Vorschriften gellen auch für Verkaufsstellen von Konsum- und ähnlichen Vereinen, für solche auf Eisenbahngelände und für das gewerbsmäßige Fetlbieten außerhalb offener Verkaufsstellen. Sie gelten nicht für Apotheken und den Handel mit Weihnachtsbäumen. Für den Markt- oerkehr gellen die Bestimmungen der Po- kizeioerordnung vom 14. März 1929.
Wer vorstehenden Vorschriften zuwider- handell, wird mit Geldstrafe bestraft.
Gießen, den 21. Dezember 1929.
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