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Nr. 249 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch, 25. ©Höbet 1929
Das „röteste" Land der Erde.
Zum Liege der Arbeiterpartei inAustralien.
Don unserem (k)-Derichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
London, Oktober 1929.
Nun hat auch Australien wieder eine Ar- beiterrcgierung. Der Nationalist Mr. Druce, der Nachfolger von Mr. Hughes, hat, nachdem er 6'/z 2ahre lang fast unumschränkt regiert hatte, bei den Oktoberwahlen dieses Jahres eine vernichtende Niederlage erlitten, zusammen mit der ihm verbündeten Landpartei. Also ein Wechsel der Innenpolitik Australiens? Was geht das uns an, wird man fragen. Liegt denn nicht Australien so fern von aller europäischen Politik, daß es schließlich gleichgültig sein kann, was sich dort ereignet? — Gewiß, wenn man die große Linie der Weltpolitik betrachtet, um von Europa und seinen Streitereien ganz zu schweigen, so wird sie durch den Wahlausfall in Australien kaum berührt. 3a, nicht einmal die reichsbritische Politik wird durch den Wahlausfall in Australien ernstlich betroffen. Und doch sind die Ereignisse auf jenem kleinsten Kontinent, der fern im Süden sein Sonderdasein führt, bemerkenswert: weil sich aus ihnen eine Lehre ableiten läßt, die auch für uns Europäer und Deutsche wichtig ist. Denn Australien, das weiße, fast nur von Angelsachsen bevölkerte Land ist „das ,rö t e st e‘ Land der Erd e". 3n Australien herrschen sozialistische Auffassungen und sozialistische Organisationen in einem Außmahe, wie das sonst auf der Erde nur noch in Sowiet-Nußland vorkommt, das ja aber wohl aus Dem Stadium des eigentlichen Sozialismus längst heraus ist.
In Australien ist das bestimmende Clement, im positiven wie im negativen Sinne, der Arbeiter und seine Organisationen, die ©ewerkschaf- t e n. Um das Wohlergehen der Arbeiter drehen sich alle Fragen in diesem jungen Koloniallande, das, außer der großen Masse der Arbeiterschaft, die etwa vier Fünftel der gesamten Bevölkerung ausmacht, so gut tote keinen Mittelstand und nur geringfügige bäuerliche Besitzungen, und im übrigen nur wenige Großgrundbesitzer kennt. Die Frage, wie der einzelne Arbeiter lebt, d. h. wie hoch sein Lebensstandard ist, oder andersherum gesehen, wie hoch der Lohn zu fein hat, den der einzelne Unternehmer zahlen muß, wieviel Stunden gearbeitet werden darf, wann Entlassungen ftattzufinden haben, sind das A und O der gesamten inneren Politik. Und die Gewerkschaften, die von den Arbeitern als Derfechter dieser Politik anerkannt werden, sind daher, obwohl nur etwa ein Drittel der Arbeitnehmerschaft in ihnen organisiert ist, die eigentlichen Träger der innerpolitischen Macht und des Kampfes um den Lohn; während die Führerschaft der anderen Parteien — der Agrarischen Landpartei und der Nationalisten (bürgerlicher Mittelstand, Hausbesitzer, Industrielle und alteingesessene Stadtbevölkerung) — stets nur eine ephemere Rolle spielen, da ja auch sie in ihren Programmen Ansichten vertreten, die man in Europa von sozialistischen nicht unterscheiden könnte.
Nirgends in der Welt werden so hohe Löhne wie in Australien gezahlt, und nirgends gehen die Wohlsahrtseinrichtungen des Staates so weit wie hier. Arbeitslosenunterstützung, A.terspensionen, Zwangslöhne, Koalitionsfreiheit der Arbeitnehmer, Schlichtungsverfahren, Staatsunternch- munacn, — alles das ist in Australien seit langem Wirklichkeit, so daß selbst der radikalste Reformer hier nur weniges neu einzuführen vermöchte, da auch die Prinzipien der Demokratie — Selbstverwaltung, freies Wahlrecht, so fest eingewurzelt
Liebe in Ketten.
Roman von Hans Mittewewer.
Copyright by Martin F uchtwanger. Halle (Saale). 19 Fortsetzung. Nachdruck verboten
Er antwortete nicht gleich, sondern furchte etwas die Stirn. Dann sprach er:
"Was du mir beichten kannst, Käthe, ja. das werde ich dir verzeihen können, denn nie kannst bu etwas getan haben noch tun, was gegen meine Ehre wäre. Alles andere ist ja nichts..."
Er merkte nicht, wie Käthe leicht erschauerte.
„Nichts gegen seine Ehre!" dachte sie. lind sie"? Hatte sie nicht das Schlimmste gegen ihn getan, was es überhaupt geben konnte?
Aber sie nahm sich zusammen. Noch einmal bannte sie die Furcht aus dem Herzen. Sie war zwar jenem angetraut worden, aber sie war in Wahrheit nie seine Frau gewesen. Und jetzt wußte sie doch, daß er sie mit aller Absicht verlassen hatte, nicht durch einen Unglücks i all gehindert worden war, zu ihr zurückzukehren.
Sie hatte sich schon bemüht, herauszufinden, warum er so gehandelt hatte, doch sie hat c cd sich nicht denken können. Sie meinte indessen, einmal gehört zu haben, daß eine Ehe geschieden werde, falls der eine Gatte den anderen böswillig verließ. Und das war doch' hier der Fall gewesen!
Aber sie wollte jetzt nicht an Berndt Klausen denken. Sie wollte Felix sagen, daß sie Kellnerin gewesen war.
Doch als sie anhob, davon zu erzählen, da lächelte er abermals und sagte:
..Hast du dich deswegen so geängstigt. Liebste? Dann tust du mir ausrichtig leid. Aber auch ich muß dich um Verzeihung bitten, daß ich nicht früher schon auf diesen Punkt gekommen bin. Käthe, als ich dich in Nonnenwerth wiedersah. da wüßte ich sogleich, daß ich dich schon kannte. Aber nur eine gab es die dir ähnlich gewesen war. jenes arme Mädchen, dem ich Helsen konnte, und das ich nie vergessen habe. Ich will dir nur gestehen, daß ich dir mit dem nächsten Zuge nachgefahren bin, in der Hoffnung, dich wiederzu- finböii,, ,l<
„Und wenn du mich gefunden hättest?" fragte sie atemlos vor Erregung.
Da schaute er sie mit einem Blick voll innigjter Liebe an und sagte tiefernst: „Käthe, dann hätte ich dich schon damals gefragt, ob du meine Frau werden wolltest!"
„Das arme Mädchen ohne Namen, das du kaum kanntest?"
„Dich, Käthe! Du hattest es mir angetan, als ich dich auf dem Dampfer erblickte. Deine stille Trauer griff mir ans Herz, und ich sah doch,
sind, daß es einen Australier Wundernehmen wollte, wenn man ihm erzählen wollte, dah es noch andere Formen des politischen Lebens gibt und daß andere Länder anderen Notwendigkeiten gehorchen.
Also ein Arbeiterparadies? — 3a und ein! Was Sozialismus und Demokratie im Formalen erreicht haben, das haben sie materiell gefehlt. Denn das große sozialistische Experiment, oas man in Australien versucht, hat Geld und nochmals Geld gekostet. Die Bundesstaaten, in die sich das große „Gemeinreich" (Commonwealth) gliedert, sind, ebenso wie der Gesamtbundesstaat Australien, heute dermaßen nach außen und innen verschuldet, daß kein ausländischer Staat Australien auch nur mehr einen Pfennig leiht. Zu viele Defizits im Haushalt sind mit Anleihen gedeckt worden. Und sind die Löhne hoch, so sind es auch die Steuern und Zölle, die heute so hoch geschraubt worden sind, daß sogar die Bereinigten Staaten mit Repressalien drohen. Gewiß sind viele Anleihen, gewiß sind die letzten Zollerhöhungen gemacht worden, um die einheimische australische 3ndustrie zu stützen und zu entwickeln — weil man den Arbeitern ihr Brot erhalten wollte — aber alles das ist gescheitert an der Höhe der Löhne. Die hohen Löhne haben die Erzeugnisse Australiens auf dem Weltmarkt fast unverkäulich gemacht und eine 3ndustrie nach der anderen zum Schließen gezwungen. Selbst der vorzügliche australische Weizen und die ebenso gute australische Wolle sind auf dem Weltmarkt schwer loszuschlagen, weil sie zu teuer sind.
Die Folge dieser Wirtschaft ist, dah auch die Arbeitslosigkeit im Lande ständig wächst, und daß man nach allen möglichen Rezepten sucht, um die kranke australische Wirtschaft zu heilen. Aber nicht etwa, daß man eine Politik der Lohnermäßigung triebe — das verhindern immer wieder die Gewerkschaften, deren Existenz ja davon abhängt, dah sie die Höhe der Löhne verteidigen, obwohl man längst erkannt hat, dah es so nicht weitergeht. Infolgedessen sind erbitterte Streiks und Boykotte in einem Ausmaß und einer Heftigkeit, wie wir sie nicht kennen, seit 3ahren an der Tagesordnung. Und die weitere Folge ist, dah die Schlichter, oder genauer, die Schiedsgerichtshöfe für Lohnfragen eine Bedeutung im Leben der australischen Nation gewonnen haben, wie sonst nirgends auf der Welt. Bon der Politik dieser Schiedsgerichtshöfe hängt eben das Wohl und Wehe des ganzen Landes ab.
Hnö über diese Frage ist denn auch das als gemäßigt sozialistisch zu bezeichnende Kabinett Bruce bei den letzten Wahlen gefallen. Australien hat nämlich noch aus der Zeit her, da es in mehrere, sich gegenseitig auf das heftigste befehdende, selbständige „Länder" zerfiel, alle Staatseinrichtungen, al'o auch die Sch.edsgerichts- höfe, doppelt. Neben der Bundesregierung hat somit jeder Staat seine eigene Schlichtungsund Lohnpolitik. Der Erfolg ist, dah in den lebenswichtigen Gojnfragen ein Durcheinander herrscht, wie es schlimmer nicht denkbar ist. Druce faßte daher einen sehr vernünftigen Ent- schluh: er stellte das Land vor die Wahl, entweder die bundesstaatliche oder die Länder- schiedsgerichtsbarkeit abzuschaffen. Da die Länder sich ihre Schiedsgerichtsbarkeit nicht nehmen lassen wollten, legte er dem Parlament ein Gesetz vor, das die bundesstaatliche Schlichtung abschaffen sollte. Das aber wollte wieder das Parlament nicht, da es damit die lebenswichtige Frage der Lohnpolitik einem noch größeren Durcheinander überantwortet hatte, weil der Verzicht auf eine bundesstaatliche Schlichtung jede Ordnung der.Lohnstreitigkeiten im gesamten Australien beseitigt haben würde. Aus diesem Grunde
ist Bruce bei den Wahlen auch unterlegen, da die Arbeiterschaft darüber hinaus befürchtete, daß die Abschaffung der Reichsschlichtung sie in den einzelnen Staaten der Willkür der Unternehmer ausliefern würde.
So will es die 3ronie der Geschichte, daß die australische Arbeiterpartei die Regierung des Landes in einem Augenblick übernehmen muh, in dem ein Abbau der Löhne für Australiens besonders geartete Wirtschaft zur Notwendigkeit geworden ist, und zwar — obwohl der Wahlsieg auf einer Wahlparole beruhte, die eine weitestgehende Sicherstellung der Arbeiterrechte verlangte. Ob sie die einzig mögliche Folgerung aus der Lage ziehen wird? Australien wird uns und unseren sozialen Problemen ein lehrreiches Beispiel fein.
Oberheffen.
Landkreis Gictzcn.
* Leihgestern, 22. Ott. Von den Gemeinderäten Arnold, Seipp und Funk wird uns geschrieben: „3n der gestrigen Ausgabe des Gießener Anzeigers befand sich ein Bericht aus Leihgestern über die Errichtung eines Denkmals für die Gefallenen des Weltkrieges, worin der letzte Sah lautet: „Nachdem nun die Entscheidung gefallen ist, daß und wo das Denkmal errichtet werden soll, darf man wohl annehmen, dah auch die anfänglichen Gegner dieses Planes sich damit aussöhnen, so daß es schließlich die ganze Gemeinde ist, die mit dem Denkmal ihre Gefallenen ehrt." Hieraus könnte der Uneingeweihte folgern, daß es in Leihgestern Leute gäbe, die gegen eine Kriegerehrung gewesen seien, oder noch sind. Wir legen Wert darauf festzustellen, daß wir niemals auf diesem Standpunkt gestanden haben, uns nur dagegen gewandt haben, dah Ausgaben in so hohem Mähe (es handelt sich um 10 000 Mk.) bei der gegenwärtigen schlechten und unsicheren Wirtschaftslage auf Kosten der ohnehin sich in großer Not befindlichen Steuerzahler gemacht werden. Schließlich hätte man auch dem in Kürze neu zu wählenden Gemeinderat einen Beschluß von so hoher finanzieller Auswirkung überlassen sollen. Wir Gemeindevertreter legen Wert auf diese Feststellung, weil wir es nicht unwidersprochen hinnehmen können, als diejenigen zu gelten, die es abgelehnt hätten, den Gefallenen des Weltkrieges, mit denen wir Schulter an Schulter in vorderster Linie gestanden haben und die größten Gefahren und Entbehrungen erleiden und zum Teil schwer bluten muhten, die Ehre zu erweisen, die ihnen gebührt. Als Gemeindevertreter haben wir jedoch auch das Recht und sogar die Pllicht, die Angelegenheit auch von ihrer finanziellen Seite zu beurteilen."
Klein-Linden, 22. Olt. Der Altveteran Heinrich Knapp !., Eisenbahnbremser im Ruhestand, feierte gestern seinen 8 4. Geburtstag. Er hat an den Kriegen 1866 und 1870/71 als Kürassier und Ulan teilgenommen. Als die schwerste Schlacht in den beiden Kriegen bezeichnet der Veteran die bei Königgräh in 1866, wo er als 20jähriger Soldat schwer gekämpft habe. Aus Anlaß seines Geburtstages ließ ihm der Herr Reichspräsident von Hindenburg ein Glückwunschschreiben nachstehenden Inhalts zugehen: „Zu 3hrem 84. Geburtstag, den Sie heute feiern, lasse ich Ihnen ails altem Mitkämpfer von 1866 meine herzlichsten Glückwünsche nebst kameradschaftlichen Grüßen übermitteln.“ Als Geburtstagsgeschenk lieh ihm der Herr Reichspräsident fein Bild mit eigenhändiger Unterschrift überreichen. Der Altveteran erfreut sich noch bester Gesundheit und erzählt noch gerne von seinen kriegerischen Erlebnissen
Und Isolde brannte lichterloh vor Eifersucht! Sie hatte Felix immer geliebt, liebt? ihn noch und hatte auch jetzt die Hoffnung nicht aufgegeben, ihn trotz allem noch zu erringen. Das konnte aber nur glücken, wenn sie Käthe von feiner Seite riß, wenn sie ihn dazu brachte, das Weib zu verstoßen, das er jetzt liebte.
Sie wußte, daß eine echte Herzensneigung die beiden zueinander geführt hatte und verband. Sie lachte höhnisch.
Auch die reinste Liebe kann vergiftet werden durch Verleumdung. Und Isolde Kletten wollte damit nicht sparen! Aber sie wollte Beweise sammeln, durch die sie ihren verleumderischen Worten den Schein der Wahrheit geben konnte!
Die Morgenpost hatte für Käthe einen Brief von Tante Adelheid gebracht. Erfreut öffnet? sie ihn. Aber sie erblaßte, als sie ihn las.
Da Käthe nichts sagte, schaut? Felix endlich auf und sah, wie verstört sie war. Sofort erhob er sich und eilte zu ihr, sie mit einem Arm umschlingend.
„Liebste, Las ist dir?" fragte er zärtlich. „Hast du eine schlechte Nachricht erhalten?"
Da schaute sie ihn verwirrt an, zögerte einen Augenblick und reichte ihm den Brief. Felix Turnau las:
„Mein liebes Käthchen!
Ich habe mit großer Freude aus Deinen Briefen erfahren daß Ihr beide so sehr, sehr glücklich seid, und immer wieder bitte ich Go.t, Daß er Euch dieses Glück erhalten möge. Ich freue mich unbeschreiblich, Dich wiederzusehen: doch daraus werde ich wohl noch einige Zeit warten müssen. Deshalb fahre ich einstweilen nach Nonnenwerth, obwohl es dort sehr einsam sein wird.
Heute aber möchte ich Dich warnen, mein liebes Kind. Du hast eine heimliche Feindin: Isolde von Kletten. Ich sagte Dir früher einmal, daß man eine Zeitlang überzeugt war, Felix würde sie heiraten. Cs ist zwar ein Irrtum gewesen, aber immerhin muß etwas zwischen den beiden bestanden haben — vielleicht nur ein Flirt von ihrer, ein kleiner Leichtsinn von seiner Seite. Jedenfalls ist sehr wahrscheinlich, daß Isolde sich allerhand Hoffnungen gemacht hat. Da diese nun durch Eure Heirat enttäuscht worden sind, scheint sie sich rächen zu wollen. Sie hat aus- spioniert, daß du in jenem Cafe warst und hat sich, allerdings vergeblich, bemüht, von der Wirtin e twas über Dich zu erfahren. Sie ist auch bei Herrn von Dodenstein gewesen, der mir das alles mitgeteilt hat Iedensalls warne ich Dich, Kind! Laß kein Geheimnis zwischen Dir und Felix fein---“
Weiter las Felix nicht.
„Glaubst du wirklich, Kind, daß diese Isolde uns trennen oder auch nur veruneinigen könnte?"
daß du ohne dein Verschulden Schweres erlebt haben mußtest ..."
„Ohne mein Verschulden, Felix?"
Da streichelte er ihre Wangen und küßte sie, und bann fuhr er fort:
„Ia, ohne dein Verschulden! Denn, Käthe, ein Gesicht wie das deine kann nicht lügen. Man kann auf ihm alles lesen, was in dir ist. ilnb was dir auch immer geschehen fein mochte, es war dir zugestoßen ohne dein Verschulden. Weil du es aber so tapfer trugst, weil bu niemand hattest, dem du dich anvertrauen konntest, deswegen folgte ich dir dann nach der Landung, und deshalb fuhr ich dir nach.
Ich fand dich nicht, Käthe, und ich war deshalb sehr traurig. Doch ich gab die Hoffnung noch nicht auf. Als ich dich bann in Nonnenwerth toiebersah, ba wußte ich, baß bu es seist..."
„Du hattest mich vorher schon wiebergesehen, Felix!" unterbrach sie ihn.
„Daraus wollte ich eben kommen, Schah. Damals wußte ich, baß nur bu meine Reisebekanntschaft und jenes Mädchen sein konntest, bas ich in dem Casö traf. Ich staunte, als Tante Dctlrup mir später sagte, du seist direkt aus Iava gekommen, aber ich habe “fein Wort gesprochen. Jetzt indessen sollst du hören, daß ich doch überzeugt war, bu seist jene Unbekannte unb jene Kellnerin gewesen."
Unb trotzdem hast bu um mich geworben?
„Ich liebte bich ja, Käthe. Ich sagte bir schon, baß ich bich auch geheiratet hält?, wärest bu nur ein armes Mädchen gewesen!"
Da schlang Käthe beibe Arme um seinen Hals und küßte ihn stürmisch.
„Du bist so gut, Felix!" rief sie. „Nun toctß rch, baß du mich immer lieben unb mir immer vertrauen wirst!"
Immer unb unter allen Umständen, Käthe. Ich habe es bir boch auch geschworen!"
Da erst war Käthe ganz ruhig. Nun glaubte sie, baß sie ber Zukunft ruhig unb getrost entgegensehen könne, unb brauchte sich nicht mehr vor dem zu fürchten, ber wie ein Schreckgespenst so plötzlich wieder vor ihr aufgetaucht war.
Isolde von Kletten hatte, Haß und Neid im Herzen, alles aufgeboten, um hinter das Geheimnis zu kommen, das nach ihrer festen Ueber- zeugung mit ber Person Käthes verbunden war. Sie merkte wohl, baß hier etwas nicht stimmte. Frau Dottrup hatte gesagt, ihre Nichte fei unmittelbar aus Duitenzorg gekommen. Das war eine Lüge! .
Isolde Kletten wußte, baß jene Kellneren tn dem Casö unb bie jetzige Gattin Felix von Tur- naus dieselbe Person war. Die Augen ber Liebe sehen scharf, die Augen ber Eifersucht sehen noch schärfer!
und von den alten Zeiten. Außer Knapp leben noch weitere drei Altvetevanen, der 86jährige> Landwirt Georg Schmidt, der 84jährige Landwirt Philipp Iung IX., und ber 83jährige Eisenbahnbremser im Ruhestände August Sieger!. in unserer Gemeinde.
* Mainzlar 22. Oft. Am Samstag sprach in einer öffentlichen, stark besuchten Bruderversammlung des Jungbeutschen Ordens Mainzlar der Großkomtur für Hessen-Nassau unb Waldeck, Bruder Stößner, über Ziele und Richtung der Volksnationalen Aktion und über das Volksbegehren. Bruder Stößner, der über eine glänzende Rednergabe verfügt, fand mit feinem überzeugenden Vortrag starken Beifall. Lieder- unb Mufikoorträge der Bruderschaft Mainzlar verschonten den Abend. Da die Bruderschaft stark gewachsen ist, sind für den kommenden Winter zur eigenen Belehrung eine Reihe weiterer Vorträge, die auch wieder als öffentliche Vorträge anzusehen sind, vorgesehen. Die Gründung einer Iungdeutschen Schwesternschaft ist im Gange.
t Treis a. d. Lda., 22. Oft. Am Sonntagvormittag wurde in unserer Kirche das diesjährige Erntedankfest gefeiert. Die Konfirmanden trugen in feierlichem Zuge bie Erntegaben in bie Kirche unb legten sie unter Aufsagen von passenben Strophen aus Gerocks Erntebanklied auf ben Altar. An ber feierlichen Ausgestaltung bes Gottesbienstes wirkten noch ber Kirchengesangverein, ber Posaunenchor unb bie Schüler ber 1. Klasse bahier mit. Abenbs hatte der Musikschüler vom Hochschen Konservatorium Heinrich ©rau von hier unter Mitwirkung von Drei weiteren Künstlern ein Instrumentalkonzert veranstaltet, bas von gutem Geschmack bei Auswahl ber Stücke und hoher künstlerischer Auffassung und Kunstfertigkeit zeugte. Cs kamen Stücke für Klavier, Violine, Cello unb Klarinette von M. v. Weber, Urbach, Chopin, Beethoven. Offenbach unb ©rünfelb xum Vortrag, bie bei ben Zuhörern großen Beifall fanben. — Gegenwärtig wird die Hauptstraße unseres Dorfes mit einem Teerüberzug gegen die Staubplage versehen. — Die Erbarbeiten für bie Anlage ber W a s s e r - lei tun g in ber neuen Weiherstraße sind bem Maurermeister Gotthard A m e n d bahier übertragen worben, ber auch sofort mit ber Arbeit begonnen hat.
4 Rüddingshausen, 22.Oft. In der Nacht auf Montag wurden hier und in dem benachbarten Deckenbach drei Einbruchsdieb stähle vet- übt. Die Tatsache, daß der oder die Einbrecher genaue Ortskenntnis besessen haben müssen, läßt dar- auf schließen, daß kein Fremder in Betracht kommt. Die Diebstähle wurden in Rüddingshausen bei Gastwirt Wißner und bei Anselm Simon, in Deckenbach in der Gastwirtschaft Müller verübt. In der Gastwirtschaft Wißner soll ein größerer Geldbetrag dem Spitzbuben in die Hände gefallen sein. Bei Simon revidierte der Einbrecher die Ladenkasse, fand dabei aber nur einige Groschen Wechselgeld. In der Gastwirtschaft Mülle r-Dcckcn- bach wurde die Schublade, in der die Postwertsachen, Briefmarken u. dgl. aufbewahrt wurden, erbrochen und ein größerer Geldbetrag gestohlen.
s. Trais-Horloff, 22. Ott Am Sonntag wurde in unserem Kirchspiel, zu bem noch Jnhei- ben unb Utphe gehört, bas Crntebankfest gefeiert. Die Feier war stark besucht und nahm einen schönen Verlauf. Die Kinder hatten das Gotteshaus mit Blumen und den verschiedensten Früchten von Feld und Garten hübsch ausgeschmückt. Pfarrer Weber wies in seiner Predigt auf die Bedeutung von Same und Ernte im menschlichen Leben hin, die hier ebenso unlöslich wie in Der Natur in Zusammenhang stünden. Es wurde eine Kollekte für die Beschaffung neuer ©locken erhoben, die einen ansehnlichen Betrag ergab.
„Felix, sie liebt dich!" entgegnete Käthe zitternd. „Sie hat vielleicht geglaubt, ein Recht auf dich zu haben!"
„Dann hat sie sich bas eingebildet", versicherte er. „Och habe mich eine Zeitlang wohl von Isolde blenden laßen. Du wirst ja zugeben, daß sie einen Mann durch ihre Erscheinung zu blenden vermag. Doch als ich Einblick in ihren Charakter tun konnte, habe ich mich sogleich zurückgezogen. Und vor allem mußt du mir glauben, Schah, baß ich nie ein Wort von Liebe zu ihr gesprochen habe.
Ich habe", fuhr er lächelnd fort, während seine Augen strahlten, „bie wahre Liebe erst kennengelernt, als ich bich sah. Aber bann packte sie mich auch gleich so, baß ich nicht toieber loskommen konnte. Es war wie ein Rausch, baß ich an nichts mehr benlen konnte als an bich. Niemals hätte Ifolbes Schönheit eine solche Wir- lung auf mich auszuüben vermocht, niemals ein anderes Mäbchen: unb bu wirst begreifen, Liebste, was ich empfanb, als ich bich wiedersah, als bu meine Werbung abwiesest. Ich Hatte bis dahiw wohl viel von Männern gehört, die infolge verschmähter Liebe tiefunglücklich geworden, ja sogar zum Selbstmord getrieben worden waren. Nun lernte i ch das kennen. Ich war ber Verzweiflung nahe..."
Da kam Käthe ein fdjredenerregenbcr ©e- banfe. Sie faßte beibe Hänbe ihres Mannes, schaute ihm angstvoll ins Gesicht unb fließ hervor:
„Dann war bas Unglück mit dem Motorrade kein Zufall, Felix? Du hast sterben wollen?"
Zärtlich lächelnd befreite er feine Hände und (egte sie an beide Wangen Käthes. So zog ec ihren Kopf dicht vor sein Gesicht, schaute ihr lange in die großen blauen Augen und atmete tief.
„Liebste," flüsterte er dann, als spräche er ein köstliches Geheimnis aus. das niemand sonst erfahren dürste, „Liebste, wenn doch einmal ein Tag kommen sollte, wo trübe Wolken unser Glück beschatten möchten, bann erinnere mich an diese Minuten, und sie werden sogleich weichen. Ich habe immer gewußt, daß dein Herz und deine Liebe mir allein gehören, aber noch nie habe ich es so klar erkannt wie jetzt, wo ich in deinen
, Augen lesen kann!
Käthe, du, mein Weib, mein höchster Schatz, sorge dich nicht, fürchte nicht, baß meine Liebe zu bir je erkalten könnte! Mein Herz schlägt nur für bich! All mein Sinnen umkreist nur bich! Ich bin kein Freund von Eiben, bie leichtfertig abgelegt werden, ich will bir nicht toieber schwören. 2lber ich habe es schon einmal getan, unb dieser Schwur wird gelten, bis einst mein Leben zu Ende geht. Mein letzter Herzschlag wirb noch bir gelten, bu Süße! Du weißt ja nicht, wie glücklich bu mich burch Deine Liebe alle Tage von neuem machst!" (Forts, folgt.)


