Dienstag, 25. Juli 1929
179. Jahrgang
Nr. 170 Erstes Blatt
Oie Operation -es Reichskanzlers
über die
selbst bei 400 Ml-
die letzte veröffentlichte Lieberficht Reichseinnahmen im Sinti 1929.
Insgesamt zeigen diese Zahlen, daß sparsamster Ainanzwirtschast mit den
planes, das sich auf 154 Millionen beläuft, beseitigt wird. Mehreinnahmen sind nur durch die erhöhten Zölle zu erwarten. Diese Summe ist aber sehr niedrig. Sie wird in diesem Sahre auf etwa 25 Millionen Mark geschäht. Daß mit erheblichen Mindereinnahmen zu rechnen ist, zeigt
Reparationsschulden decken igtt> den Dienst der in dem Abkommen von London vorgesehenen Annuitäten sicherstellen: 2. daß, die französische Re. gierung, falls Deutschlaitd seine Zahlungen einstellen oder beträchtlich verringern sollte, das Recht hätte, den ganzen oder teilweisen Aufschub der französischen Zahlui^gen um drei Sahre zu fordern.
Der schwere Rückschlag im Befinden des Reichskanzlers Müller hat in allen politischen und parlamentarischen Kreisen nicht nur tiefes Bedauern, sondern auch eine allgemeine lieber- raschung ausgelöst, da noch vor wenigen Tagen die Berichte aus Mergentheim recht zufriedenstellend lauteten und mit einem guten Erfolg der Kur gerechnet werden durfte. Die Verschlechterung in seinem Befinden trat so plötzlich auf, daß sich die Aerzte von einer Stunde zur anderen zu einem operativen Eingriff entschließen mußten. Sie haben offenbar geahnt, daß sein Leben nur noch an einem Faden hing, denn sonst hätten sie sicherlich davon Abstand genommen, zum Messer zu greifen, nachdem der Gesundungsprozeh bisher recht zufriedenstellend verlaufen war. Die Operation ist gut verlaufen: Jie hat allerdings ergeben, daß bereits eine Bereiterung an der Gallenblase eingetreten war, man darf aber hoffen, daß es der ärzllichen Kunst gelingen wird, der Krankheit Herr zu werden und den Kanzler wiederherzustellen.
Das Leiden des Kanzlers ist nicht neueren Datums. Er hat in den letzten Monaten dauernd mit der Galle zu tun gehabt. Sein Leiden verschlimmerte sich zusehends infolge der aufregenden und aufreibenden Kämpfe mit dem Parlament und auch mit seiner eigenen Partei. Die Folgen dieser Aufregungen und vor allem auch des Aergers, der mit seinem Amte verbunden ist, blieben nicht aus. Man konnte schon in den letzten Wochen die Feststellung machen, daß der Kanzler körperlich nicht mehr auf der Höhe war und infolgedessen auch den Parteien gegenüber nicht mehr die erforderliche Energie an den Tag legte. Er wollte jetzt die Pause bis zur Londoner Konferenz benutzen, um sich gründlich auszukurieren, wird aber nun längere Zeit das Krankenlager hüten müssen. An den bevorstehenden großen politischen Kämpfen wird er sich vorläufig aktiv nicht beteiligen können.
Honen Ersparnissen in diesem Jahre die geplante Steuersenkung wohl kaum durchzuführen sein wird. Als frühester Termin einer solchen Steuersenkungsaktion wird der 1. April 1930 genannt.
Auch In den finanzpolitischen Kreisen des Reichst tages ist man sich darüber klar, daß eine Steuersenkung nur bann erfolgen kann, wenn eine Summe zur Verfügung steht, die mindestens 400 bis 500 Millionen beträgt. Die Ersparnisse des Vvung-Planes bringen diese Summen aber nicht auf, da durch Reichsbahn, Sn* buftrieobligationen und durch das Defizit des Haushaltsplanes diese Summe so vermindert Werden wird, daß neue CinnahmequeLs lrrr gesucht werde« müssen
schickt genug sein, sich vorher in der Kammer eine genügend breite Ausnahmestellung für diese außenpolitische Rotwendigkeit zu sichern?
Unveränderte Verabschiedung im Senat in Sicht.
Paris. 22. Suli. (WB.) Sm Senat hat Snnenminifter Tardieu heute das von der Kammer in der Rächt zum Sonntag verabschiedete Gesetz betreffend die Ratifizierung der Schuldenabkommen mit Amerika und England, sowie die Entschließung über die Vorbehalte eingebracht.
Rach Entgegennahme des Berichts des Senators Charles Dumont hat der Finanzausschuß des Senats mit 21 gegen eine Stimme beschlossen, die unveränderte Verabschiedung der von der Kammer angenommenen Gesetzentwürfe über die Ratifizierung der Schul- denabkommen zu empfehlen. Der Ausschuß hat ferner einstimmig folgenden Antrag angenommen, der dem Senat nach Annahme der Ratifizierung sgesetze unterbreitet werden wird: Der Senat stellt fest: 1. daß die internationalen Vereinbarungen Deutschland zu Zahlungen verpflichte^ die gleichzeitig einen Leit der Lasten de»
Oer Streit um -en Konferenzort -anert noch an
Deutschland erhebt Einspruch gegen Brüssel.
Llin die «Sanierung derAeichskasse.
Berlin , 23. Sulu. (Priv.-Tel.) Aus Reichstagskreisen wird dem „Demokratischen Zeitungsdienst" u. a. mitgeteilt: Die Vorbereitungen des Haushaltsplanes für das nächste Jahr im Schoß der Ministerien haben bereits begonnen. Die für dieses Sahr ersparten 400 Millionen Dawes-Zahlungen werden voraussichtlich in erster Linie dazu verwendet werden, um die Kassenlage des Re iches zu bessern. Weiterhin wird mit dieser Summe das voraussichtliche Defizit des laufenden Haushaltsplanes beseitigt werden müssen, das von Finanzkennern aus 250 Millionen geschätzt wird. Es bleibt alsdann zu überlegen, bi welcher Weise das De- tiäU dss vor jährig«-« HavsbaUSs
Normale Nacht.
Heidelberg. 23. Suli. (WTD. Funkspruch.) Der Reichskanzler verbrachte eine den Umständen entsprechende normale Nacht.
Keine Gallensteine.
Berlin. 23. Suli. (Priv.-Tel.) Lieber die Operation des Kanzlers melden die Blätter aus Heideloerg, daß keine Gallensteine vorgefunden wurden, daß vielmehr lediglich eine Snfcttion der Gallenblase vorlag. Sn* folgedessen war eine Beseitigung der Gallenblase nicht erforderlich. Die Aerzte beschränkten sich lediglich auf Oeffnung des Abszesses, um den Krankheitsstoffen einen Abfluß zu verschaffen. Ob eine neuerliche Operation notwendig sein wird, hängt von dem Verlauf des Heilungsprozesses ab.
Oie Gattin am Krankenbett.
Heidelberg, 22.Suli. (WTB.) Das Befinden des Reichskanzlers wurde heute abend 8 Uhr als unverändert bezeichnet. Die Gattin be$ Reichskanzlers verweilt am Krankenbett,
Beste Wünsche des Reichs- Präsidenten und des Kabinetts.
Berlin, 22. Suli. (Priv.-Tel.) Staatssekretär Meißner hat, laut „B. Z.", im Auftrage des Reichspräsidenten v. Hindenburg dem Kauz- I e r telegraphisch die besten Wünsche Hindenburgs für einen günstigen Verlauf der Krankheit und für eine möglichst baldige Genesung ausgesprochen. Ebenso hat Reichswehrminister G r ö n e r im Namen desKabinetts dem Kanzler die Wünsche der Reichsregierung telegraphisch übermittelt.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 23. Suli. Obwohl die Frage der politischen Konferenz, materiell gesehen, doch völlig klar liegt, weih man in Anbetracht der formalen Auseinandersetzungen selbst heute noch nicht genau, w o die Konferenz stattfinden wird. Man hofft jedoch, daß die Lösung in diesen Tagen gefunden werden wird. Das genügt aber noch nicht, um die Situation nach jeder Richtung hin zu klären. Auf der einen Seite steht noch nicht fest, ob die Organisationskomitees noch vorher zusammentreten können. Eine Ernennung der Mitglieder derselben ist noch nicht erfolgt. Da Frankreich und England den Standpunkt vertreten, daß die Organisation der Ratifizierung des Boungplanes folgen müsse, nimmt man im allgemeinen an, daß die Organisationskomitees parallel mit der politischen Konferenz tagen werden. Die Ratifizierung der französischen Schuldenabkommen hat gewiß eine Erleichterung gebracht,denn dadurch mühten eigentlich die Wege für die Behandlung der politischen Frage frei sein. Sn den einzelnen Ministerien der interessierten Staaten sind die Vorarbeiten für die Konferenz im wesentlichen abgeschlossen. Auch die Reichsregierung hat das Material zusammen, das ihr bei der Konferenz zur Grundlage dienen soll.
Die Weltöffentlichkeit macht sich im allgemeinen darauf gefaßt, daß die Konferenz die erwarteten Entscheidungen bringen wird. Der Gedanke der Totalität sieht im Vordergründe, wenn er allerdings auch durch mancherlei Machinationen noch zu erschüttern ist.
Der Beginn der Konferenz ist auf den 6. August festgesetzt. Das heißt, in 14 Tagen sollen die Entscheidungen fallen.
Schon diese kurze Aufzählung der einzelnen Situationen dürfte zeigen, wie verworren die ganze Lage noch ist. Run ist das selbstverständlich noch kein Grund, zu verzweifeln. W>nn man in der Geschichte zurückblickt, wird man immer finden, daß berarfig große Konferenzen von so weittragender Bedeutung ihr Resultat beinahe immer in der Krisis gefunden haben. Da es sich aber bei den gegenwärtigen Problemen um Fragen handelt, die in Anbetracht ihrer finanziellen Bestimmungen neben den politischen Begleitumständen auch der sachlichsten Durchführung bedürfen, ist es zu bedauern, daß man die beste Zeit für die formellen Auseinandersetzungen verschwendet hat, um
nun in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum Finanzen und Politik der Lösung entgegenzuführen.
Der Versuchsballon des ,,Ternps", der, wie auch das „Soumal des Debats" bereits von einer Verlegung der Konferenz berichtete, oder besser gesagt, einer Verlegung der Völkerbundversammlung, erscheint undurchführbar. Denn dadurch würde am 1. September ein Vacuum entstehen, das sich für alle interessierten Staaten zum größten Rach teil auswirken müßte. Lim so drängender ist es erforderlich, schon in diesen Tagen, da die offizielle Arbeit der Komitees noch nicht ausgenommen werden farm, auf inoffiziellem Wege diese Fragen vorzubereiten. Andererseits kann nicht eindringlich genug darauf hingewiesen werden, daß den kommenden Wochen nur mit der größten Sachlichkeit entgegengesehen werden kann. Die offenen Probleme lassen sich nur mit der größten Sachlichkeit lösen. Lind man darf deshalb nur hoffen, daß nach dem Dilemma der vergangenen Tage überall sich der gesunde Wille durchsetzen kann, mit der größten Objektivität an die Arbeit heranzutreten.
Brüssel im Vordergrund.
Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".
B e r l i n, 23. Suli. Zwischen London und Paris schien in den letzten Tagen die Einigung über eine holländische Stadt, der Ha a g stand
verstärkten Grenzschutzes Eindruck gemacht hat. OHle diese Symptome sind nicht günstig für Brüssel, aber es besteht die Gefahr, daß ein wirkungsvoller Widerstand gegen diese Stadt schon aus Zeitmangel schwierig werden wird. Parker Gilbert hat bereits in seinem Zwischenbericht mit dem Wohlstandsindex gedroht, für den Fall, daß der Dawesplan über den 1. September hinaus in Kraft bleibt. .Die Zeit, die uns von diesem Termin trennt, ist aber leider nicht allzu groß.
Or. Stresemann Führer der -eutschen Oelegation.
Berlin, 23. Suli. (Priv.-Tel.) Snfolge seine» Erkrankung wird Reichskanzler Müller an de» geplanten großen Konferenz zur Snkraft- sehung des llK>ung-Planes nicht teilnehmen können. Die deutsche Abordnung wird somit lediglich nur aus den Reichsministern Stresemann, Hilserding, Curtius und Wirtg bestehen. Da Dr. Stresemann der älteste unter diesen Ministern ist, dürste er, wie die „Germania" schreibt, an Stelle des Rcichskanzi lers die Leitung der deutschen 21b ordnung übernehmen. Eine besondere Kabi- nettssihung in dieser Angelegenheit scheint nicht erforderlich zu sein, da das Kabinett bekanntlich über die Frage der deutschen Abordnung b« reits seine Beschlüsse gefaßt hat.
SeutscherEinfpruchgegenVrüffel
(Berlin, 23. Suli. (TLl. Funkspruch.) Wie der „Vorwärts" meldet, wurde von deutscher Seite gegen den Vorschlag, Brüssel als Kon-
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Das Schönheitspflästerchen. I
Driand hat seinem gefährlichsten innerpolitischen Gegner, dem Ministerpräsidenten Poin- care, einen knappen, aber sicheren Sieg erfochten, indem er mit der Gewalt seiner Beredsamkeit und feiner taktischen Gewandtheit der französischen Kammer eine wenn auch geringe Mehrheit für die Ratifizierung der Schuldenabkommen mit den Vereinigten Staaten und England abnötigte. Der „große Magier", wie der französische Außenminister von seinen Freunden gern genannt wird, erwies sich in der entscheidungsschweren Stunde stärker als Poincare, der sich grollend zurückzog und Krankheit vortäuschte, um nicht wieder vor dem Parlament erscheinen zu müssen, das ihm die Ratifizierung des Schuldenarrangements nicht bewilligen wollte. Seiner nüchternen Art liegt wohl auch der parlamentarische Krieg im Dunkel der Llnklarheit nicht so wie seinem Gegen- fpieler Driand, der es verstanden hat, in das häßliche Gesicht der Schuldenabkommen, die Amerika und England kategorisch von Frankreich forderten, das Schönheitspflästerchen einer Vorbehaltsentschließung zu Heben, durch die gewissermaßen Deutschland für die pünktliche Erfüllung gegenüber London und Washington verantwortlich gemacht wird. Daß diese Entschließung gegenüber den Gläubigern Frankreichs natürlich in keiner Weise rechtsverbindlich ist, verschlägt Herrn (Brioni) wenig. Das Pathos seiner Reden, die Pathetik des Ent- schliehungstextes genügten, um eine hinreichende Kammermehrheit für die heihumstrittenen Schuldenverträge zu schaffen.
Es hat nun fast den Anschein, als habe sich hiermit eine innerpolitis che Wende in Frankreich vorbereitet. Es dürfte zwar verfrüht sein, wenn in Paris bereits von Driand, als dem Rachfolger Poincarös im Amte des französischen Ministerpräsidenten gesprochen wird. Daß aber mit der jetzigen parlamentarischen Konstellation in Frankreich nicht die europäische Politik betrieben werden kann, die die bevorstehende internationale Konferenz erfordert, liegt auf der Hand. Wir halten es deshalb sehr wohl für möglich, daß noch vor dem Beginn der Konferenz oder während ihres Verlaufes eine politische Llmgruppierung i n Paris eintritt, durch die mindestens die nationalistische Gruppe des Herrn M a r i n aus der Regierungskoalition ausgebootet wird. Sieht man die Vorgänge in der französischen Kammer aus dieser Perspektive, dann bekommt auch das Verhalten Driands ein anderes Gesicht. Er hätte dann den Ratifizierungssieg über die Kammer nicht für Poincarö, sondern für sich selbst und seine eigene Politik erfochten.
Daß Bckand stets nur als Franzose politisch denkt und fühlt, daß er stets nur französische Sn- teressenpolitik treibt, versteht sich von selbst. Sm Grundsätzlichen unterscheidet er sich von seinem innerpotilischen Gegner Poincarö absolut nicht, wohl ober in der Taktik und in den Methoden. Der französische Außenminister hat recht gut begriffen, daß das Zustandekommen einer endgültigen Regelung der Reparationsfrage auf der Basis des Young-Plans für Frankreich ein gutes Geschäft bedeutet. Er weiß aber auch, daß das Geschäft nur zu machen ist, wenn Frankreich sich vorher zur bindenden Anerkennung seiner eigenen Schuldenverpslichtung versteht. Und es dürfte ihm endlich genau so klar sein, daß für Deutschland die völlige und bedingungslose Rheinlandräumung eine unerläßliche Doraussetzung für die Annahme des Pariser Sachverständigengutachtens ist. So stellt also der Ratifizierungsbeschluß der französischen Kammer, den ihr Briand mit allen Schlichen und Pfiffen abgelistet hat, nur ein erstes großes Manöver zur Sicherung eines guten Geschäfts dar. Das erforderliche zweite Manöver, nämlich die Rheinlandräumung, wird Frankreichs Außenminister aber nur durchführen können, wenn er sich gleichzeitig eine neue innerpolitische Plattform schasst. Wobei wir freilich noch nicht wissen, ob er seine Versuche, mit Hilfe der berüchtigten „Dersöhnungskommls- sion" auch die jetzige Kammermehrheit für die Rheinlandräumung zu gewinnen, schon aufgegeben hat. Sollte das nicht der Fall sein, so kann ihm von Deutschland aus nur bedeutet werden, daß er dann Versuche am untauglichen Objekt macht, da die deutsche Oeffentlichkeit gemäß den wiederholten Erklärungen Dr. Stresemanns unter gar keinen Umständen bereit ist, die offene militärische Besatzung gegen die zivile Schikane einer überflüssigen Kommission einzutauschen.
Das Bemühen gewisser französischer Brunnen- Vergifter. wie etwa des Herrn Pertinax, Parker Gilbert und seinen Zwischenbericht gegen Deutschland auszuspielen, um zu erreichen, daß erst der Voung-Plan angenommen werde und erst danach Verhandlungen über die Rheinlandräumung eingeleitet würden, darf man nach dem jetzt vorliegenden Rapport des Reparationsagenten als gescheitert ansehen. Diesmal bietet Parker Gilbert seinen Auftraggebern keine Gelegenheit, Deutschland politischen Schaden zu- zusüg_en. Lind wenn sich auch Herr Driand vor seinem Parlament noch so gewandt um eine klare Stellungnahme zur Frage der Rheinlan^ räumung herumgedrückt hat, und wenn er auch noch so schlau mit HUfe des Schönheitspflästerchens einer Vorbehaltsentschliehung Deutschland die Verantwortung für die französischen Echul- denarrangements zuzuschieben gedachte — auf der internationalen Konferenz wird ihm nichts anderes übrig bleiben als klipp und klar zu sa- L9N, wohin seine Reise gehen foU. Wird sr ge.
im Vordergrund, als Konferenzort so gut . wie sichergestellt zu sein. Allerdings war schon | damals von den zu erwartenden belgischen Einwänden die Rede, die nun so intensiv gewesen sind, daß auf einmal wieder eine belgische Stadt, und zwar in erster Linie Brüssel, genannt wird. Trotz des deutsch-belgischen Markabkommens, das gewiß zur Entlastung der Atmosphäre in bezug auf Deutschland und Belgien beiträgt, erscheint aber Brüssel als ein gänz - l i ch ungeeigneter Ort, um die große politische Konferenz dort abzuhalten.
Wie wenig wett man in Belgien mit der psychologischen Liquidierung des Krieges gekommen ist, zeigen die gestrigen großen Kundgebungen in Löwen,
die „der fhsteniatischen deutschen Lüge", so hieß das Schlagwort/ „über die Zerstörung Löwens" galt. Es war nicht etwa die Demonstration irgend einer radikalisierten Studentengruppe, sondern eine Veranstaltung, bei der Stadt und Ll n i- v e r s i t ä t durch ihre offiziellen Vertreter witwirkten, und die sich wahrlich nicht durch Deutschfreundlichkeit auszeichnete. Auch Berichte über ein besonderes Gutachten des belgischen Außenministers über den Zustand der deutschen Rüstungen und der Einstellung Deutschlands gegenüber seinen früheren Feinden, sind bezeichnend für die belgische Stimmung. Sn hiesigen unterrichteten Kreisen ist zwar über die Angelegenheit näheres noch nicht bekannt, was aber nur der Statur der Sache entspricht, da es sich angeblich um einen
Geheimbericht des Ministers Hymans handelt, mit dem man auf das belgische Kabinett anscheinend Im Sinne der Rotwendigkeit eines
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer big zum Nachmittag vorhe»
Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20% mehÄ Chefredakteur-
Dr. Friedr. Wilh. Cang*. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; füt Feuilleton Dr.H.THyriotz für den Übrigen Teil Ernst Blumschein und für dry Anzeigenteil Max Filt«k sämtlich in Gießen.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
vnick und Verlag: vrLHI'lche llniverfiiätr-vuch- und Stettiöniderel B. Lange in Sietzen. Schristleitung und S-schästrftelle: Schulftratze 7.


