Ausgabe 
23.5.1929
 
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der begeistert von seiner erfolgreichen Arbeit zur Wiedererweckung deutschen Volksbewußtseins in den U. S. A. sprach. Nach dem Vortrag zweier Heimat­lieder von Claus Groth durch einen Kinderchor gab Dr. Keller (Kiel) der Hoffnung Ausdruck, daß eine solche feierliche Stunde der Volksgemeinschaft, in der alles Trennende ausgeschlossen sei, alljährlich wiederkehren möge. Der Nachmittag brachte dann

die gewaltige Kundgebung des Zestzuges der 20000.

Lieber 2 Stunden lang marschierten sie vorbei, umbraust von Subei der Kieler Bevölkerung, die in dichten Reihen die Straßen säumte. Bauern, Fischer, Schiffer und Handwerker Schleswig-Hol­steins zeigten die Berufszweige des Landes und seine schönen Trachten. Sänger. Turner, Sport­ler aller Art, Schützen zogen in strammen Reihen vorüber, die Studentenschaft und viele andere Vereine, darunter solche der Marine, folgten. Viele Festwagen belebten das Bild, rauschende Musik erklang allerorten, und dann kam in schier endlosem Zuge die V.D.A.-Jugend mit ihren vielen Schülerkapellen. 14 000 Jugendliche ohne die vielen Kieler Buben und Mädels, die den Abschluß bildeten. Lleberall wehte der blaue Wimpel, und zahlreich waren die Symbole hei­mischen Gewerbes und Handwerks, die mitge­führt wurden. Tiroler, Oesterreicher, Kärntner, Steirer, Sudetendeutsche, Siebenbürger, Schwa­ben, Elsaß-Lothringer, Danziger, Rordschleswi- ger, Balten, Memelländer, alle waren sie da. Rheinländer, Saarländer, Pfälzer folgten; dann kam der Osten: Ost- und Westpreußen. Schlesier, Schleswig-Holsteiner, dann Bayern, Badener, Württemberger, unsere 1000 Hessen, die Han­seaten, Brandenburger, Westfalen, Hannoveraner, Sachsen, Thüringer. Braunschweiger. Oldenbur­ger, Mecklenburger, Pommern, Hessen-Rassauer, und zuletzt die vielen, vielen Kieler. Eine mäch­tige Kundgebung deutscher. Einigkeit, ein flam­mendes Symbol der deutschen Volksgemeinschaft, ein Erlebnis von größtem Ausmaß. Ergreifend war es, .als Bomben die Gefallenenehrung an- kündigten und in der weiten Runde das Lied vom guten Kameraden erklang. Auf dem riesigen Festplah herrschte frohes Treiben. Bei Einbruch der Dunkelheit zog man, teilweise mit Fackeln, zurück zur Stadt, in die Quartiere, in denen kurze Schlußfeiern das Pfingsterlebnis zum Ausklingen brachten.

Der Rest der Pfingstwoche ist. wie alljährlich, frohen Wanderfahrten gewidmet: Die Holsteiner Schweiz mit ihren Seen, Lübeck und andere schöne Orte bilden zunächst das Ziel der hessischen Gruppen. Am Donnerstag vereinigen sich dann die Hessen zu gemeinsamer Fahrt nach Wester­land auf Sylt. Von da bringt sie ein Dampfer über Helgoland nach Hamburg. Ein eintägiger Aufenthalt in Deutschlands größtem Seehafen wird vielen neue Belehrung und neue Eindrücke vermitteln. Am Samstag wird dann der Sonder­zug die Hessen in die Heimat zurückftihren. Sie werden heimkehren mit übervollem Herzen, er­füllt von unauslöschlichen Eindrücken und vom Erleben der Schicksalsgemeinschaft deutschen Volkstums auf der ganzen Welt.

Moskau geißelt die Genfer Abrüsiungskomödie.

Der Rätekongrctz fordert Wchrhaftmachüng Rußlands. Moskau, 22. Mai. (W.T.B.-Funkspruch.) Der Rätekongreß der Sowjetunion hat eine Ent­schließung angenommen, in der es heißt: Der Rätekongreß billigt ohne Einschränkung die Poli­tik der Regierung und ihren scharfen Kampf um den Frieden, der eine unmittelbare Kriegs­gefahr einigermaßen in die Ferne gerückt und dank dem Abschluß einer Reihe neuer internatio­naler Verträge die friedliche Stellung der Sow­jetunion befestigt hat. Der Kongreß stellt fest: Die Ablehnung des Abrüstungsvor­schlages der Sowjetunion durch die vorberei­tende Abrüstungskommission und die Weigerung der-in der Kommission vertretenen Staaten, auch nur den kleinsten Schritt in Richtung auf eine Herabsetzung der Rüstungen zu unter­nehmen, betätigen wieder einmal, daß diese Staaten ungeachtet der auf Grund des Kellogg- paltes übernommenen Verpflichtungen zum Qkr» zieht auf Krieg in Wirklichkeit ihre gesamte Po­litik auf die Vorbereitung eines neuen Weltkrieges aufbauen. Der Kon­greß fordert die Regierung auf, neben unermüd­licher Arbeit zur Wahrung friedlicher Beziehun­gen mit sämtlichen Staaten auch Maßnahmen zur Festigung der Wehrhaftigkeit des Landes zu treffen.

Ein kommunistischer Viirgermeister von Straßburg.

Tcr-lutonomistenführer Dr.Roos verzichtet

Straßburg, 22.Mai. (WB.) Der neue Muni­zipalrat hat heute die Bürgermeisterwahl vorge- nommen. Dr. Roos, der von den Autonomisten und Kommunisten für diesen Posten in Vorschlag gebracht war, hatte durch einen aus dem Gefängnis in Besan^on gerichteten Brief vom 20. Mai darauf verzichtet. Daraufhin wurde der frühere kommu­nistische Abgeordnete Hubert mit 18 Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Sieben Stimmen ent­fielen auf den der Gruppe Marin angehörenden Generalsekretär der Handelskammer, Haug, vier auf den früheren Bürgermeister, den sozialistischen Abgeordneten P e i r o t e s ; unbeschrieben waren drei Stimmzettel. Zu stellvertretenden Bürger­meistern wurden gewählt der Abgeordnete Michel Walther, der Autonomist Heil, von der Ka­tholischen Volkspartei Kocßler, der autonomisti- sche Rechtsanwalt Klein sowie zwei Kommunisten. Die sozialistischen Stadtratsmitglieder und die Mit­glieder der Gruppe Marin gaben dabei unbeschrie­bene Stimmzettel ab.

Die Reform der Arbeitslosenversicherung.

Das Problem der Saisonarbeiter.

Berlin, 23. Mai. Der Vorstand der Reichs­anstalt für Arbeitsvermittlung imd Arbeitslosenver­sicherung hat sich am Mittwoch erneut mit der Frage der Arbeitslosenoersicherungsreform befaßt. Bei den Beratungen spielte insbesondere die Saison- arb eit erfrage eine Rolle. Von verschiedenen Seiten wurde bei den Beratungen darauf hingewie­sen, daß die Vorschläge, die Saisonarbeiter ganz aus

Graf Zeppelin" wieder startbereit.

Or. Eckener aus -er ZReife nach Toulon. Rückflug vermutlich am Freitag.

Friedrichshafen, 22. Mai. (MTB.) Dr. Eckener teilte heute abend mit, daß er sich auf ein Telegramm aus Evers von Kapitän Lehmann hin entschlossen habe, nach Luers zu reifen. Dr. Eckener wird sich unverzüglich in Begleitung von Graf Soden von Friedrichshafen im Kraftwagen nach Zürich begeben und von dort aus den Jladjf- schnellzug nach Toulon benutzen. Dr. Eckener wird also denGraf Zeppelin" s e l b st nach Friedrichs­hafen zurückführen. Die Abfahrt des Zeppelin-Luft­schiffes wird frühestens am Freitagvormit- f a g erfolgen. Die französische Marine hat für das LuftschiffGraf Zeppelin" die notwendige Menge TBafferftoffgas zur Verfügung gestellt, heute sind 500 Mann Truppen aus Toulon und h y ö r e s sowie Marineinfanterie nach dem Flug­hafen Luers abgesandt worden, um beim Start des Luftschiffes zu helfen. Gendarmerie zu Fuß und zu Pferde versieht einen strengen Absper­rung s d l e n ft um den Flughafen. Das Probe­läufen der beiden neuen Zeppelinmotoren ist befriedigend ausgefallen. Der dritte neue Motor wurde im Laufe des vormittags durchge­prüft. Das Luftschiff wird mit drei neuen und zwei alten Motoren den Rückflug nach Friedrichshafen antreten.

Oer Motorendefett des Graf Zeppelin".

Dr. Eckener antwortet seinen Kritikern.

Friedrichshafen, 22. Mai. (TU.) Zu den imBerliner Tageblatt" erschienenen Ausfüh- rungen des Prof. Dr.-Jng. h. c. Otto Krell (Berlin) über die Motorendefekte desGraf Zeppelin" äußerte sich Dr. Eckener gegenüber dem Friedrichshafener Sonderberichterstatter der TU. etwa folgendermaßen:

Es ist völlig irrig, daß wir nach Aus­fall des ersten Motors die Drehzahl er­höht haben. Die Drehzahl der Motoren geht in diesem Fall von selbst herunter, wie es auch ge­schehen ist. Wenn Prof. Krell davon spricht, daß wir vom Motorenbau Maybach keine ge­nügenden Informationen mitbekommen haben, so kann ich nur erklären, daß wir ganz genau über die Dauerleistung der Motoren, die 1400 bis 1420 Umdrehungen beträgt, unter­richtet waren. Diese Leistung ist nie über­schritten worden, mit Ausnahme ganz ver­einzelter Fälle. Hier handelte es sich nur um wenige Stunden, wo wir mit äußerster Kraft fuhren und die Tourenzahl auf etwa 1500 er­höhten."

OerKampf derMarschälle in China.

Die Einigkeit in China hat nicht allzu lange vorgehalten. Die Ranking-Regierung ist nur vorübergehend wieder wirklich Herr des ein­heitlichen Reiches gewesen. Kaum war mit dem Frühling die technische Voraussetzung für die Kriegsführung gegeben, da regte sich die Kriegs­last der Marschälle von neuem, und der Bürger­krieg fing wieder von vorne an. Das war zu erwarten. China hatte sich ja in den letzten Jahren mehr und mehr in eine Reihe von selb st an bi gen Provinzen ober mehr von Machtbereichen selbständiger Marschälle aufgelöst, bie sich als kleine Könige fühlten unb keine Reigung verspürten, ihre Unabhängigkeit wieber aufzugeben. Sie haben sich nur murrend der Herrschaft der Kuomintang unterworfen, alle sicher mit dem stillschweigenden Vorbehalt, bei der ersten besten Gelegenheit wieder abzuspringen; wobei um der Gerechtigkeit willen hinzugefügt werden muh, daß selbstverständlich auch die Ran­king-Regierung die Absicht hatte, diese unbe­quemen Untergebenen kaltzustellen, sobald sie sich stark genug fühlte.

Die Liquidation des Bürgerkrieges mußte also noch einmal von vorn beginnen. Bisher aber hat sich Tschiangkaischek, der zweifellos das stärkste militärische und organisatorische Talent unter den chinesischen Heerführern ist, seiner Auf­gabe gewachsen gezeigt. Es ist ihm gelungen, eine Ringbilbung gegen bie Ranking-Regierung zu verhindern unb einen Teil der unbotmäßigen Marschälle zu unterwerfen, ehe die letzte Ent­scheidung erzwungen werben /;'e, So hat er den Rücken frei bekommen uiiu kann jetzt ben Waffengang gegen feinen gefährlichsten Gegner, den vielgewandtenchristlichen" General Feng antreten. Auch Feng hatte sich vorübergehend in die Einheitsfront eingegliedert, er war sogar Kriegs mini st er der Ranking-Regie­rung; aber nur in partibus infidelium; bas heißt, er traute sich nicht, seinen Sitz im Kabinett einzunehmen, weil er befürchtete, baß er nicht lebenb wieder nach Hause käme. Er hat sich also dem Befehl der Regierung, aus seinem Haupt­quartier in Honan nach Ranking zu kommen, nicht gefügt, sondern mit ein er verkappten Kriegserklärung geantwortet, indem er Brücken unb Bahnen sprengen ließ, um seinen Aufmarsch zu sichern. Allzu günstig sinb seine Aussichten freilich nicht, zahlenmäßig ist fein Heer- unterlegen, dafür freilich gut diszipliniert. Und

wenn es ihm gelingt, sich Rückendeckung auch in der Waffenlieferung bei Rußland zu schaffen, bann kann er minbestens der Ranking-Regierung noch sehr unbequem werden.

Oie Aussichten der Parteien.

Schanghai, 22. Mai. (WTB.) Der Nanking­regierung nahestehende Kreise melden einen ent­scheidenden Sieg der Regierungs­truppen. Durch diesen Sieg soll Kanton end­gültig gegen die Eroberung durch die Kwangsi- truppen gesichert sein. Diese Truppen fluten, so sagt man, überall zurück unter Aufgabe der wich­tigen Stützpunkte Swatau und Kueilin. Die nahe bevorstehende Ankunft zweier weiterer Nanking- divisionen von Schanghai sichere die baldige end­gültige Erledigung der Kwangsirevo- lution. Nanking erwarte davon eine entscheidende Rückwirkung auf die militärische und politische Ent­wicklung in Nordchina, da die Erfolgsaussich- ten Fengjuhsiangs gegen das geeinigte Zen­tral- und Südchina gering seien.

Demgegenüber verlautet aus anderen Quellen, daß die Lage Kantons durchaus unentschie­den sei, da die Kwangsitruppen nur wegen Munitionsmangels zeitweise zurückgewichen seien und innerhalb weniger Tage sicher in dem Besitz Kantons sein würden. Jedenfalls find die Aussichten einer anderen als militärischen Erledi­gung der Streitigkeiten zwischen Fengjuhsiang und Tschiangkaischeck endgültig geschwunden. Fengjuh- fiang hat in einem Rundtelegramm an die Pekinger Gesandtschaften und an die Schanghaier Konsulate erklärt, die jetzige Nankingregierung sei illegal seitdem Tschiangkaischeck die Opposition von dem großen März-Parteikongreß ausgeschlossen habe.

Demgemäß warne die neue revolutionäre Regie­rung die fremden Mächte und Staatsangehörigen vor Anleihen, Waffenlieferungen und sonstiger Un­terstützungen Nankings, die als feindliche 2( 11 e gegenüber der neuen Regierung und als diese nicht verpflichtend angesehen würden. Andererseits verspreche die revolutionäre Regierung den Fremden voll st en Schutz. Der Beginn des Kampfes zwischen Fengjuhsiang und Tschiang­kaischeck wird unmittelbar nach Sunjatsens Bei­setzung erwartet, die ungestört bleiben dürfte. Man nimmt an, daß der erste Vorstoß Fengjuhsiangs gegen fjanfau gehen wird und daß vielleicht gleichzeitig ein Vorstoß in der Richtung Tientsin gegen die Puckau-Eisenbahn erfolgt.

ber Arbeitslosenversicherung herauszunehmen, abgelehnt werden müßten, da sonst die Saison­arbeiter zu einem sehr großen Teil der Wohl­fahrtspflege anheimfielen. Es wurde weiter darauf aufmerksam gemacht, daß eine ungünstige Behandlung der Saisonarbeiter eine Flucht aus diesen Berufen zur Folge haben würde. Es sei aber insbesondere für die Landwirtschaft, bie schon ohnehin mit Arbeiterschwierigkeiten zu kämpfen habe, eine weitere Verringerung «der At- beitsträfte nicht tragbar.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident von Hindenburg empfing den Reichskanzler Müller und ben Reichsminister bes Auswärtigen Dr. Stress- mann zu einer gemeinsamen Besprechung ber außenpolitischen Lage.

Der Reichspräsibent hat bem amerika­nischen Botschafter Shurman zu dessen 75. Geburtstag seine Glückwünsche aussprechen las­sen unb ihm sein Dilb mit Unterschrift im Rah­men übersandt. Der Reichsaußenminister rich­tete an den Botschafter ein Handschreiben unb ließ ein Blumenarrangement überreichen. Der Reichskanzler sandte telegraphisch seine Glück­wünsche.

Der Präsident des HesfischenLondtages teilte den Mitgliedern des Landtages mit, baß er auf Wunsch verschiedener Fraktionen ben Land­tag nicht auf ben 5. Juni, fonbem erst auf Dienstag, ben 11. Juni, einberufen werbe. Hie Besichtigungsreise nach Rheinhessen (Worms, Oppenheim) ist für Freitag, den 14. 3uni, vor­gesehen. Die Tagesordnung der Landtagssihung liegt endgültig noch nicht vor.

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Der Ausschuß des Gesamtverbandes der Christ­lichen Gewerkschaften betraute den bisherigen Generalsekretär des Verbandes Otte mit bem Vorsitz im Gesamtverband ber Christlichen Ge­werkschaften a l s Rachfolger Steger- w a l b s , der 28 Jahre lang an der Spitze ber christlichen Gewerkschaften gestanden hat. Die Reuregelung der Führung im Deutschen Gewerk- schaftsbund wird erst später erfolgen.

Präsident der 12. Internationalen A r- beitskonferenz, deren Beratungen am 30. Mai in Genf beginnen, wirb ber frühere lang­jährige Reichsarbeitsminister Dr. Brauns wer­ben. Damit wirb zum ersten Male seit Bestehen biefer Einrichtung des Völkerbundes ein Ver­treter Deutschlands diese internationale Tagung leiten.

Der Bürgermeister ber Stabt Mailand, Mar­chese d'Arzago, Senator des Königreichs Italien, hat dem Berliner Oberbürgermeister einen Besuch im Rathaus abgestattet. Hierbei überreichte der Mailänder Bürgermeister a l s Geschenk der Stadt Mailand an die Stadt Berlin eine kunstvolle silberne Schale. Eine Widmung in dieser Schale weist auf die Be­ziehungen der beiden Städte Mailand und Berlin auf dem Gebiete ber Musik hin. Im Ramen der Stadt Berlin übergab Oberbürgermeister Böß dem Podesta ein Werk des Berliner Malers Ernst ReuschulAn ber Staatsoper Unter ben Linben".

In Reuen bürg (Schweiz) starb im Alter von 72 Jahren Scan be C u rch, früherer Finanz­direktor der Stadt Reuenburg/Jean de Curh war 1916 von Bundesrat Hoffmann ersucht worden, während des Krieges die Interessen der Deutschen in Paris zu vertreten. Dieses Amt übte er bis zum Waffenstillstand aus.

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Mittwochfrüh fand in Belgrad die letzte Sitzung der Konferenz der Außenminister ber Kleinen Entente statt. Die Verlängerung bes Dünbnisses zwischen Südslawien, Rumänien unb der Tschechoslowakei auf fünf Jahre mit einer Kündigungsfrist von einem Jahr wurde auf der Sitzung beschlossen.

Aus aller Welt.

Die deutschen Lhemiker in Breslau.

Die 42. Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker nahm in Breslau ihren Anfang. Rach einer Reihe von Besichti­gungen Breslauer Jndustrieunternehmungen be­gannen die Fachgruppensitzungen. Prof. Dr. Ruff, Breslau, behandelte bie Hochtemperatur­technik. Die neuen Arbeiten auf bem Gebiet der

hochfeuerfesten Stoffe haben die Herstellung vv« Zirkon als Grundlage. Professor Ruff arbeitet in seinem Laboratorium mit Oefen, welche in das Temperaturgebiet bis 3000 Grad hinaufführen. Professor Dr. E. Ehrlich, Breslau, machte interessante Mitteilungen über Pektinstoffe. Diese spielen als wesentliche Bestandteile des Ge­rüstes der Pflanzen und vieler technischen Vor­gänge eine wesentliche Rolle, z. B. in der Zucker­industrie, bei der Flachsröste und bef der Ta­baksgärung. Dr. A. Stettbacher, Schwa­nendingen bei Zürich, berichtete über neue Sprengstoffe. Es handelt sich dabei um Ritro- glyzerinsprengstoffe, die ben Ramen Penthrit und Penthrinit erhielten, die zu den allerstärk- sten Sprengmitteln der Gegenwart gehören. Sie dürften sich zunächst bei der Ftirgzeug- unb Tankabwehr auswirken. Dr. Griesbach- Wolfen behandelte bie Verteilung und ben Kreis­lauf des Jods in ihrer Bedeutung für den Acker­boden. Er zeigte, daß das Jod zu den verbrei­tetesten Elementen ber Erde zähle unb einem ständigen Kreislauf unterworfen sei. Da ber jähr­liche Entzug durch die Ernte im allgemeinen nicht mcljr als etwa ein Tausendstel ber im Boden vorhandenen Jodvorräte ausmache und der Pflanze aus Riederschlägen unb Luft erhebliche Jobmengen zur Verfügung stünden, sei die De- sürchtung, daß unseren landwirtschaftlichen Ge­wächsen nicht ausreichende Jobmengen aus natür­lichen Quellen zur Verfügung stünden und daß sie infolgedessen jobärmer geworben seien als früher, unbegründet. Am Abend gab die Stadt Breslau den Kongreßteilnehmern im Konzerthaus einen Cmpfangsabend.

Deutscher Geographenlag.

In Magdeburg wurde der 23. Deutsche Geo- graphentag von Geheimrat Meinardus (Gök» tingen) eröffnet. Professor Dr. T r i n k l e r (Berlin) berichtete über die geographischen Ergebnisse seiner Zentralasienexpedition 1927/28. Großes Interesse wurde dem Vortrag des Professors Dr. Wegener (Berlin) überDie Pläne zur Erforschung der Arktis mit dem Luftschiff ;,(9raf Zeppelin" im Jahre 1930" entgegengebracht. Die Leitung der Expedition liegt in den Händen von Fridtjof Nansen;' geführt wird das Luftschiff von Dr. Eckener. Die Fahrt soll im April/Mai n.J. stattfinden.

Die Tagung bes Deutschen Lehrervereins.

Die Dresdner Tagung des Deutschen Lehrer­vereins im Zirkus Sarassani, an der etwa 8000 Lehrer teilnahmen, gestaltete sich zu einer ein­drucksvollen Kundgebung. Unter ben Ehrengästen befanben sich Vertreter ber Reichs- unb ber sächsischen Staatsregierung, ber Regierungen von Preußen, Braunschweig, Thüringen unb Ham­burg. bes Deutschen Städte- unb Lanbgemeinde- tages, zahlreicher in- unb auslänbischer Lehrer­vereinigungen. Der Vorsitzende des Deutschen Lehrervereins, Wolff, Berlin, sprach über Zweck und Ziele des Deutschen Lehrervereins. Oberlehrer Dr. Riese, Berlin, überbrachte der Versammlung im Ramen ber Reichsregierung, Volksbilbungsminister Dr. Dünger im Ramen ber sächsischen Staatsregierung Grüße und Wünsche. Rach einigen weiteren Begrüßungs­ansprachen wurde in die sachlichen Verhandlun­gen eingetreten.

Mit dem Ruderboot von Havanna nach Reuyork.

Der Deutsche Paul M ü 11 e r, ber, wie ge­meldet, den Atlantischen Ozean in einem mit einem Hilfsscgel ausgestatjeten Ruderboot überquert hat, ist von Havanna nach Reuyork weitergesegelt. Die Dampfbarkasse des Kreuzers Cuba" schleppte das Boot Müllers bis zum Hafenausgang.

Vier Schiffsheizer bei einer Explosion getötet.

Der holländische DampferBarendrecht" gab durch Funkspruch bekannt, daß bei einer KesselexplosionvierHeizer ums Le­ben gekommen seien und einer verw "det worben sei.

Oie Wetterlage.

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Owoixenfos. o neuer. ®nafb bedeckt. ® woifug, oedeext eHegtn, * Sehnet a Graupeln, e Nebel K Gewitter.^)wind$tiiieO^ sehr 'eichtet Osi massiger Südsüdwest. X stürmischer nordwesl oie Pfene wiegen mit dem wmde. Die beiden Stationen stenenden Zah;. ten geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleichen? «uf Meeresniveau umoerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Der hohe Druck im Nordosten hat sich neuerdings wieder verstärkt und an Ausdehnung gewonnen. Sein Einfluß setzt dem westlichen Tief Widerstand entgegen, so daß zunächst die Wetterlage wenig Aen« derung erfährt. Auch die Störung über Frankreich dürfte keinen stärkeren Einfluß gewinnen, sondern nur zum Auftreten von Bewölkung führen.

Wettervoraussage für Freitag: Teils heiter, teils wolkig, warm, trocken.

Wettervoraussage für Samstag: Wenig Aenderung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 22. Mai: mittags 22,8 Grad Celsius, abends 17,3 Grad; am 23. Mai: morgens 15 Grad. Maximum 23 Grad, Minimum 7,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. Mai: abends 23,8 Grad; am 23. Mai: morgens 15,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 1354 Stunden.

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