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Ur. 94 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für lvberheffen)

Dienstag. 25. April 1929

Turnen, Sport und Spiel.

Keldbergfest-Turntag.

Der 88. Feldbergfest»Turntag fand am Sonn­tag unter dem Vorsitz von PH. Röbig, Rödel­heim, in Eschborn statt. Ehrend gedachte die Versammlung der kürzlich verstorbenen Turner- sührer Münch, Hachenburg, und Engel, Wies­baden, die sich beide um dos Feldbergfest be­sonders verdient gemacht haben.

Eine lebhafte Aussprache entstand über die Vorschläge zur Neugestaltung der Wettkämpfe. Abgelehnt wurde mit großer Mehrheit der An­trag, die Freiübungen fallen zu lassen. Dagegen ist auf Beschluß des Turntages die ^Beteiligung an den Mannschaftskämpfen fürderhin an keine besonderen Bedingungen mehr geknüpft. Es ist weder ein Sieg noch eine Teilnahme an den Mehrkämpfen erforderlich. Als Mannschasts- kämpfe finden statt: der Kampf um das historische Völsungenhorn (100-Meter-Lauf, Weitsprung mit Anlauf, Kugelstoßen 7,25 Kilogramm, Schleuderball, 4xlOO-Meter-Pendelstaffel), die 5X100-Meter-Staffel um den Iahnschild, die Schmuck-Stasfel und die 4X75-Meter-Staffel um den Vrunhildenschild für Turnerinnen.

Als Wettkampfübungen für die üblichen Vier« kämpfe wurden festgesetzt: Turner: Kugelstoßen 7i < Kilo. Weitsprung, 100-Meter-Lauf, Frei­übung; für die Jugend dasselbe (Kugel 5 Kilo); ältere Turner: 75-Meter-Lauf, Weitsprung, Steinstoß, Freiübung; Turnerinnen: 75-Meter- Lauf, Kugelstoßen 4 Kilo, Hochsprung, Frei­übung. Bei den Turnern berechtigen 54, bei den Turnerinnen 50 Punkte zum Sieg.

Ein Antrag des Tv. Dieber, die Durchführung des Feldbergfestes in die Hände des Kreis-Volks- turnausschusses zu legen, wurde abgelehnt.

Handball.

To. Großenvuseck

schlägt den Offenbarer Gaumeister 3:1 (0:1).

Mit diesem Spiel hat Grohen-Buseck end­gültig bewiesen, daß es den Gaumeistertitel zu Recht führt. Der Mainmeister stellt beste Klaffe feines Heimatbezirkes dar und ließ in Grohen- Vuseck alle Register seines Könnens spielen. Aber zum Schlüsse fehlte immer etwas, das war die Wucht, um die auf eignem Platze gut ein­gespielte, stabile einheimische Hintermannschaft zu überwinden. Zudem hatte Znderthal im Tor einen ausgezeichneten Tag und hielt einige ganz unmögliche Sachen. 3n der ersten Halbzeit hat­ten die Gäste etwas mehr vom Spiel und gaben ihre Kräfte in sehr schnellem Tempo stark aus. Die einheimische Stürmerreihe kam oft über­raschend schnell vor, aber ohne Erfolg. 3n der zweiten Spielhälfte hatte Grohen-Vuseck die bes­sere Plahseite. Die Gäste konnten, tote erwartet, ihr gezwungenes Tempo nicht durchhalten und liehen stark nach. In regelmäßigen Abständen fielen drei Tore. Grohen-Vuseck gewann ver­dient. Wenn Offenbach auch das schönere Spiel zeigte, so spielten die Einheimischen rationeller und hatten den besseren Schuh.

Handball im Lahn - Dünsberg - Gau.

Tv. Garbenkeich 1 Tv. Wieseck I 3:0 (1:0).

Am Sonntag trafen sich obige Gegner zum fälli­gen Verbandsspiel auf dem Garbenteicher Platz. Wieseck konnte trotz Ueberlegenheit in der ersten Hälfte nichts erreichen und vergab sich durch Da­nebenschießen die schönsten Chancen, während Gar­benteich gleich dm Anfang durch einen Strafstoß in Führung fielen konnte und mit diesem Erfolg die

Nachdruck verboten.

10. Fortsetzung.

Roman einer Nachi

Von Paul Rosenhayn.

.Hoffen wir, daß es gut geht", sagte Marcelle fröstelnd.Sie bringt ein Opfer, Fedor. Em Opfer, wie es nur eine Frau bringen kann."

Für ihre Schwester", sagte Sokolosf achsel­zuckend. 4

Marcelle ging auf ihn zu und packte ihn am Handgelenk.

Nein", sagte sie mit harter Stimme.Für dich!" Ä

Lind du?" wandte sich einer der Herren an Sokoloss. t _

Er muß bierbleiben", entschied Marcelle.

2lh sch verstehe: du möchtest ihn nicht "'^Redet keinen Llnsinn! Was soll Linda Ander­sen denken, wenn er plötzlich verschwindet?"

Was kann sie ihm tun, wenn er einfach nicht wiederkommt?"

Lind ich?" fragte Marcelle.Glaubt ihr. sie gibt sich einfach damit zufrieden, daß er Der- schwanden ist? Sie wird das ganze Haus auf den Kopf stellen, lind ich konime m den furcht- barsten Verdacht. Ich habe Muhe genug gehabt, den Staatsrat dahin zu bringen, daß er ihr den Hof macht. Ich habe ihm unausgesetzt er» zählt, wie häßlich ich sie finde, in einerflam menden Antwort hat er nur auseinandergeseht ich fei eine neidische Pute; daraus ift er f>rn- streichs zu Linda hinübergegangen und hat ihr ei^SeÄ ?Ä Qlubfignal durch &'aKarcdle ging ans Fenster Sie S^b nnt der Hand ein Zeichen; dann wandte sie sich herum.

Ihr geht den Korridor hinunter, dort drüben am Ende ist die kleine Tur; ste fuhrt über !^n Hof zum Gartenausgang. Ihr braucht mit dem Chauffeur kein Wort zu fprechen. Wer fahrt mit?

"Ihr beiöe bleibt im Auto sitzen; der Chauffeur ist "von allem unterrichtet."

Lind wenn es mißglückt?" fragte

Dera Ermolieff maß ihn mit einem feindseligen ^In Ihrem Interesse will ich hoffen, daß es nicht mißglückt." *

Fedor Sokolosf kehrte, wie von einem lang­weiligen Spaziergang durch die Räume eines fremden und gleichgültigen Hauses, in den Saal zurück. Eben ging ein Dlus zu Ende; Linda verabschiedete eben einen Tänzer; mit einer -wer»

Halbzeit erreichte. Nach der Pause versuchte Garben­teich durch hartes Spiel die Torzahl zu erhöhen und konnte auch noch zwei Tore schießen, während Wie­seck das verdiente Ehrentor versagt blieb. Durch das harte Spiel von Garbenteich sah sich der Schieds- richter gezwungen, zwei Leute von dessen Mann­schaft vom Platz zu stellen, indessen von Wieseck zwei Leute durch Verletzung freiwillig ausschieden.

Tv. Kinzenbach I Tv. Allendorf a. d. £ba. I 8:1 (2:1).

Mit einem überraschend hohen Resultat mußte sich Allendorf in Kinzenbach geschlagen bekennen. Das Spiel, das in der ersten Hälfte noch ziem­lich offen war, sah Kinzenbach in Führung gehen, dem Allendorf kurz darauf den Ausgleich folgen ließ. Kurz vor Halbzeit konnte Kinzenbach fein zweites Tor erzielen, und mit 2:1 wurde ge­wechselt. Rach der Pause spielte Kinzenbach stark überlegen und konnte in regelmäßigen Ab­ständen noch 6 Tore erzielen, so das Endresultat her stellend.

Handball der Sp.-Dg. 1900.

o. Die am Sonntag von der ersten aktiven Mannschaft (in Höchst a. M.) und der ersten Iugendmannfchaft (in Londorf) ausgetragenen Spiele standen unter keinem günstigen Stern. Wenn auch von vornherein mit Riederlagen ge­rechnet werden mußte, so hatte man doch nicht einen Unterschied von 6 Toren erwartet.

Dei den Aktiven war dem Spielverlauf nach die 8:2-Riederlage auch nicht gerechtfertigt. Sie ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß die in letzter Stunde eingestellten Ersatzleute sich schlecht in das Mannschaftsgefüge einpassen konnten, hin­gegen die Höchster Dewegungsspieler, deren gute Form schon in den letzten Spielen überrascht hatte, wie aus einem Guß spielten. Dazu kam, daß die Plahbesiher einen Hüter im Tor hatten, der verschiedene Male sogenannte totsichere Sachen vereiteln konnte. Sein Gießener Gegenüber zeigte sich nicht gerade von der besten Seite und muh für zwei bis drei Tore verantwortlich gemacht werden. Ein Versager war auch Gießens Halb­linker. der später außen spielte. Das Spiel ver­lies äußerst fair und durch das starke Tempo spannend. Vis zur Pause lagen die Höchster mit 4:0 in Front. Rachdem der Vorsprung auf 6:0 erhöht worden war. kam Gießen durch feinen Halbrechten, den gleichzeitig besten Mann, zu zwei Gegentoren. Dis zum Schluß verstanden es jedoch die Gastgeber, 1900s Schlußmann noch zweimal zu schlagen.

Die erste Jugend, auch nicht in stärkster Desetzung, hatte sich gegen die erste aktive Mann­schaft des Tv. Londorf, den derzeitigen Tabellen­zweiten im Lahn-Dünsberg-Gau der A. D. T., doch etwas zuviel zugemutet. Dis zum Wechsel hielt sie sich, nicht zuletzt durch die gute Arbeit des Torhüters, mit 2:3 recht gut. In der zweiten Halbzeit konnte die Hintermannschaft jedoch den ungestümen Angriffen der Londorfer auf deren Trainingstor nicht mehr recht standhalten und mußte so eine 9:3-Riederlaae hinnehmen. Der Schiedsrichter, ein Herr vom Plahverein, gab sich zwar viel Mühe, stand jedoch nicht immer über den Parteien.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

ö. Das Gastspiel der Mudersbacher Ger­manen auf dem 1900-Sportplatz hinterließ spiele­risch und sportlich den besten Eindruck. AußerBo­russia" Fulda gastierte in diesem Jahre noch keine Elf mit solchem Können in Gießen. Die Gaste waren

mich

sie ihm.

Linda", sagte er leise.

In ihren Augen schimmerte es auf.

Ich möchte fort", sagte sie brüsk.

Ehrlich erschrocken antwortete er:

Warum?" .

Ditte, beordern Sie mein Auto.

Sie müssen mir sagen, was Sie gegen

Hape nichts gegen Sie. Meine Selbst­achtung verbietet es mir, mich von Ihnen ver­nachlässigen zu lassen."

Er schüttelte den Kopf. t ..

Glauben Sie, ich wüßte nicht, daß Die die Zeit über in Gesellschaft einer anderen Frau waren?"

Sie irren. Linda."

O nein. Ich habe genau beobachtet, daß Mar­celle Krenh, die schöne, pikante Herrin des Hauses, gleich nach ihnen in den Wintergarten trat und daß sie genau solange fortblieb wie Sie und daß sie kurz vor Ihnen wieder im Saal erschien." r ..

Was kann ich tun, um Ihnen zu beweisen, daß Sie sich irren?

Nichts", sagte sie. _ _ ., .

Daß ich Frau Krenh nicht kenne? Daß ich nie ein Wort mit ihr gesprochen habe? Lind daß fie ein TYP ist, der mich nicht interessiert?"

Ich glaube Ihnen kein Wort. Was für ein Typ könnte Sie intereffieren, wenn nicht der Marcelles?"

Der Ihre, Linda.

Das sagen Sie, um mich umzustimmen.

Er sah ihr voll ins Gesicht, schweigend und nachdenklich. Plötzlich ernst werdend sagte er:

Wir wollen ehrlich und aufrichtig über diese Dinge sprechen. Welchen Grund sollte ich haben. Sie umstimmen zu wollen, wenn ich mich für Frau Krenh interessierte? Es gibt doch "ur zweierlei^ entweder habe ich den Wunsch, von Ihnen ge

Beugung nahm Fedor Sokolosf ihren Arm und führte sie in den Wintergarten.

Was ist Ihnen?" fragte er, während sie sich in die Korbsessel niederliehen.

Sie sah an ihm vorüber ins Leere; er bemerkte, daß sie ein wenig bleicher geworden war.

Ich sah, daß Sie sich mit dem Staatsrat angelegentlich unterhielten", log er.Da wollte ich nicht stören."

Sie wandte sich herum. Mit einem Ruck.

Wollen Sie mich verhöhnen?"

Er sah ihr ins Gesicht.

Sie wissen selbst am besten, daß ich das nicht will." . . c

Haben Sie alle Ihre Liebenswürdigkeit auf- geboten. um mir dann Plötzlich zu zeigen, daß das alles billige Phrasen waren? J9ie Ihnen jeder Frau gegenüber geläufig find?"

Er legte ihre Hand auf die feine; sie entzog

die Besseren, ihp 2:0-Sieg verdient, wenn sie auch schwer darum kämpfen mußten, da 1900 starken Widerstand leistete. Ausgezeichnet spielten die Flü- gelstürmer der Siegerländer, die oft heikle Si­tuationen vor dem Gießener Tor schufen, besonders der Linksaußen mit seinen wuchtigen Torschüssen, durch die er auch indirekt die beiden Treffer ein- leitete. Beide Bälle waren so scharf placiert geschos­sen, daß der 1900-Torwart im Werfen nur schwach abwehren konnte. Die Nachschüsse führten beidemal zum Erfolg. Der Gießener Ersatztorwart Sack zeigte prächtige Leistungen und nahm damit dem Gegner jede weitere Chance. In der Gießener Ver­teidigung spielte Hohmann schwächer als sonst. Die Läuferreihe hatte gegen das gute Zusammen, spiel Mudersbachs einen besonders schweren Stand. Sie löste die Aufgabe zur Zufriedenheit, wenn auch H e i l m a n n nicht so hervorstach, wie in den letz­ten Spielen. Der Sturm zeigte Formverbesserung, wenn auch nicht in dem Maße, daß man mit den Leistungen zufrieden sein könnte. Er hatte auch ziemlich viel sichere Torchancen, die er aber ausließ, bis auf einen Treffer des Mittelstürmers gleich zu Beginn, den der Schiedsrichter aber annullierte, an­geblich wegen Abseits eines anderen Spielers. Ge­schossen wurde mehr, aber zu unplaciert. Einmal rettete bei den Gästen die Latte. Der Gastgeber 1900 hatte anfangs trotz heftigen Gegenwindes mehr vom Spiel. Erst gegen die Pause hin kamen die Ger- manen mehr auf und erzielten dabei auch die beiden Tore, nachdem das 1900s nicht anerkannt worden war. Nach dem Seitenwechsel hatte Mudersbach leicht Oberwasser, scheiterte jedoch an der Gießener Abwehr, ebenso wußte auch die Gießener Angriffs­reihe mit guten Vorlagen die Verteidigung und den vorzüglichen Torwart der Gäste nicht zu schlagen.

1900s Reserven besiegten Cappels erste Mannschaft 5:2. Bei Halbzeit führte 1900 3:0. Der letzte Treffer war allerdings anzuzweifeln. Kurz nach Wiederbeginn war Cappel zweimal erfolgreich, ließ aber dann etwas nach; die Gießener erreichten im Endspurt noch zwei weitere Tore. Die Gäste, die Meister der -V-Klasse sind, spielten ein sehr schönes Spiel. Die Mannschaft des Platzvereins war, trotz mehrfachen Ersatzes, in recht guter Form.

Die 3. Mannschaft 1900s rang Cappels 2. E l f knapp mit 3:2 Toren nieder. Einen gegebenen Handelfmeter konnte Gießen nicht verwandeln, wäh­rend ein ebensolcher -en Gälten zum zweiten Treffer verhalf.

Die erste Jugend kehrte von Laub ach mit einem knappen 4:3-Sieg heim, der erst nach wechfelvollem Kampfe über die recht gute Elf des Gastgebers errungen werden konnte.

Die zweite Jugend blieb ohne triftigen Grund dem vereinbarten Spiel in Heuchelheim fern und wurde demgemäß auf zwei Sonntage von der Iugendleitung gesperrt.

Die 3a Jugend trug gegen Eappels 1. Ju­gend auf eigenem Platz ein Spiel aus und blieb mit 3:2 Treffern über die körperlich weit besser disponierte Elf Cappels Sieger, obwohl der Gegner mehr Torgelegenheiten hatte.

Vor dem Ligafpiel hatten die 1. Schüler- mannschaften 1900s und die gleiche vom V. f. D. ihr Lokaltref f en. In schöner und fairer Weise wurde da« Spiel durchgeführt. Es endete 0:0. Beiden Mannschaften und dem Schiedsrichter gebührt für die mustergültige Durchführung ein besonderes Lob.

1900s 2. S ch ii I e r e I f unterlag, wie nicht anders zu erwarten war, ihrem Gegner, einer Mannschaft derTeutonia" Steinberg 0:2.

V. f. B.

Die ß i g a m a n n f d) a f t schlugTura" Kas - fei mit 4:0 und hat mit diesem Sieg die amDor- jonntag erlittene Schlappe wieder mettgemacht, um so mehr, als geradeIura" die Marburger V. f. B er vor kurzem noch mit 5:2 abfertigte. V. s. B. bewies durch den Verlauf und das Resultat des Treffens erneut, daß seine Leistungskurve sich langsam, aber stetig nach oben bewegt. Spielkulturell, also im syste­matischen Aufbau des Spiels, in der flachen Kom­bination, im Stellungsspiel und in der Ballbehand­lung war die Platzmannschaft um ein bedeutendes besser als die Gäste. Lediglich in der körperlichen Fertigkeit stand sie diesen etwas nach. Wenn es sich auch gegenIura" nicht so stark bemerkbar machte wie gegenBorussia" Fulda, so ist doch offenbar, daß fast allen Spielern in punkto Start- und Lauf­vermögen, Wendigkeit u. dgl., noch manches fehlt. Nach Behebung dieser und einiger anderer kleinerer Mängel darf die D.s.B.-Elf es ruhig wagen, gegen die besten Mannschaften des Bezirkes anzutreten. Kassel enttäuschte insofern etwas, als sein Spiel ein bestimmtes System vermissen ließ. Sein großer Eifer reichte nicht hin, die technische Ueberlegenheit des V. f. B. auszugleichen. Der beste Mann der Elf war der Torhüter, dessen Können bewundernswert ist. Nicht unerwähnt soll die lobenswerte Fairnis und Ruhe bleiben, mit der beide Gegner das Spiel durchführten und dem sicher und korrekt leitenden Schiedsrichter Köhler (Spielvereinigung 1900 Gießen), das Amt leicht machten. Der Spielverlauf war kurz folgender: D. f. B. hat gegen Wind und Sonne zu spielen, findet sich aber trotzdeni eher zu­recht alsIura" und kann schon nach knapp zehn Minuten zum Führungstore einsenden. Langsam kommt auch Kassel etwas auf und liefert Gießen bis zur Pause eine größtenteils gleichwertige Partie. Nach dem Wechsel übernimmt die Platz-Elf das Kommando. Ihre Ueberlegenheit wird deutlicher; während die Gäste nur in einigen Durchbrüchen Vor­kommen, geht der D.f.B.-Siurm in planmäßigem Angriff immer wieder nach vorne, findet aber in dem vorzüglichen Torwart S ch w e r d t l e ein kaum zu überwindendes Hindernis. Daß der Kafselaner trotz seiner vorzüglichen Abwehr sich noch dreimal ge­schlagen bekennen muß, spricht für das Können der von "der Verteidigung und Läuferreihe gut unter­stützten V. f. B.-Stürmer. Beim Stand von 4 0 läßt Gießen etwas nach. Etwas mehr Eifer und Energie, und es hätte die Torzahl unter Umständen noch erhöhen können. Bei wechselnden Angriffen bleibt bas Spiel bis zum Schluß verteilt. In die vier Tore, die sämtlich prächtige Leistungen darstellten, teilten sich der Mittelstürmer und Halbrechte zu gleichen Teilen. V. f.B. darf auf diesen neuen Erfolg feinet Ligamannschaft mit Recht stolz fein.

Lleberzeugend gewann die Ligareserve ihr Rückspiel gegen die Erste Niederschelds mit 4:1. V.f.V. war in jeder Weise besser als die eifrig kämpfenden Gäste und gewann verdient.

Die D r i 11 e hatte Mühe und Not, in G r ü n - berg ein mageres 1:1 herauszuholen. Aller­dings ist zu berücksichtigen, daß sie mit nur neun Mann spielte.

Die erste Jugend kam von Düdels­heim mit einem beachtenswerten Erfolg zurück. In überlegen durchgeführtem Kampf fertigte fie den spielstarken Gegner glatt mit 6:2 ab. Don den sechs Toren schoß der gut aufgelegte Halb­rechte allein vier. Die Mannschaft verdient für ihre Leistung ein ©efamtlob.

Eine unerwartete 0:2-Niederlage mußte die zweite Jugend in Leihgestern ein­

liebt zu werden oder ich habe es darauf ab­gesehen, die Liebe der Frau Krentz zu erringen. Beides zu vereinen, ist nicht möglich denn Sie sind Freundinnen, und dieser schmähliche Verrat würde auf alle Fälle herauskommen. Angenom­men, ich interessierte mich für Frau Krentz und Frau Krenh erwiderte, wie Sie anzunehmen scheinen, meine Gefühle weshalb um alles in der Welt sollte ich mich in diesem Falle zu einer andern Frau bekennen, die ich nicht liebe?"

Vielleicht aus Freude an der Intrige?"

Er nahm ihre Hand.Liebesintrige ist Sache der Frauen nicht der Männer. Wir sind viel zu unkompliziert, das dürfen Sie mir glauben. Oder doch zum mindesten: ich bin viel zu ich darf wohl sagen: zu ehrlich. Sie kennen mich noch nicht, sonst würden Sie begreifen, wie schwer das Llnrecht ist, das Sie mir tun."

Halb versöhnt wandte sie ihm das Gesicht zu.

Darf ich Ihnen Sekt bringen?"

Er ging in den Saal; sie blickte ihm nach; erst jetzt, da die Furcht des Verlierens zwischen ihnen stand, begriff sie, wie sehr fie ihm verfallen war. Heiß stieg es ihr zum Herzen. Diese Nacht würde zu Ende gehen wie alles zu Ende ging und dieses Erlebnis, dieser glühende, alles erschüt­ternde Rausch würde ersterben im Licht des dämmernden Tages. Das Einerlei des Alltags erwartete sie, das ewig gleiche Spiel der Tage, die sich aneinanderreihten die zu Jahren wurden; immer kühler würden die Dinge um sie herum werden, immer mehr mündete das heiße Wünschen des Vlutes in die graue Resignation des Alterns. Sie fühlte, wie sich ihre Gedanken aufbäumten gegen diese unentrinnbare Konsequenz wie der Wille, der heiße Wille in ihr erwachte: das Glück, das an ihre Tür pochte, diesen seli­gen, süßen und sündigen Rausch mit fiebernden Sinnen zu schlürfen. Dort war die weite, lachende, in tausend Farben flammende Welt hier war nichts als Rücksicht, 'Bescheidung. Verzicht.

Konnte es da ein Zögern geben? Zum ersten Male stand ihr eigenes Wünschen, stand ihr Hoffen, ihr Glück im Gegensatz zu dem Glück des Mannes, dem sie angetrant war. Er oder sie! Entschied sie sich für ihre Pflicht dann war alles, was ihr diese Nacht geschenkt hatte, zer­ronnen, als ob es nie gewesen wäre...

Eben füllte Fedor Sokolosf zwei Gläser mit Pommery, als sich ihm eine Hand auf die Schulter legte. Er wandte sich herum und blickte in das lächelnde Gesicht der Frau Marcelle

Krenh.

Gehört das aUes zu Ihrer Mission? Dieses kleine Sekt-tete-a-tete mit Linda Andersen?"

Ein wenig ungeduldig antwortete er:

Cs gehört zur Höflichkeit."

Ich habe eben, fuhr fie fort, stärker lächelnd, in meinem Disitenkartentäschchen ein Bild ge­

funden. Die Photographie eines dunkelhaarigen Herrn. Mit der Llnterfchrist: Fedor Sokolosf. Glauben Sie nicht, daß es Frau Andersen inter­essieren würde, dieses Bild einmal zu sehen? Auf diese Weise würde sie doch endlich erfahren, wer der interessante Herr ist. mit dem sie sich den ganzen Abend so angeregt unterhält."

Einige Paare gingen vorüber; er erwiderte mit einer Verneigung:

Das ist zweifellos ein ausgezeichneter Gedanke von Ihnen, gnädige Frau."

Damit ließ er sie stehen.

Drüben stand der Staatsrat.

Das heißt: eigentlich stand er nicht. Er lehnte.

Er lehnte an der Wand. Mit dem zufriedenen Lächeln des Epikureers, den Ausdruck eines un­endlichen Glücks in seinen kleinen hellblauen Aeuglein.

Der Tanz wogte an ihm vorüber; ein paar Frauen lächelten ihm zu; geschmeichelt lächelte er zurück. Dann ging er behutsam durch die Tischreihen hindurch, Grüße tauschend, hier und da ein vertrauliches Wort in das Stimmen­gewirr werfend hum Büfett, wo ein original amerikanischer Mixer eine blitzende Silberkugel schüttelte, sie in zwei Hülsten zerlegte und einen zähflüssigen Trank feierlich in ein Gläschen goß.

Einen Black and White!" sagte der Staatsrat und unterdrückte mühsam ein Gähnen.

Der Mixer füllte das Doppelglas und griff nach der Sodaflasche.

Lassen (Sie. Unter den bewundernden Blicken der Llmstehenden trank der Staatsrat das slüssig- feurige Getränk in einem Zuge aus; dann grüßte er leicht und setzte feinen Weg fort.

Dort stand Marcelle Krenh, feine schöne junge Frau. Im Gespräch mit dem dunkelhaarigen Fremden.

Der große Ball.

Der Staatsrat machte eine kurze entschuldi­gende Verbeugung und wollte vorübergehen; Marcelle fegte die Hand auf seinen Arm.

Diskret trat der Fremde zurück.

Ole," sagte Marcelle sie sprach das Wort Ole" aus wie ein Staatsanwalt das WortAn­geklagter".du wirst eine kleine Rede halten."

Ich? fragte der Staatsrat entsetzt zurück.

Du, Ole."

Herr Krentz warf einen hilflosen Blick um sich. Zwei Schritte von ihnen, an der Dianenstatue. stand Peter, der Diener, in der Hand die 3m- portentiste, die er wie einen Schatz hütete. Peter, der Diener, sah aufmerksam hinüber auf den frem­den. dunkelhaarigen Herrn, den eben der Licht- reflet der Girandole traf. Peter hielt die 3m- portenkiste auf der fachen Hand; eben winkte ihn einer der Gäste heran; aber der Diener schien es zu übersehen.

.V (Fortsetzung folgt.)