Derbandstag der hessischen Reichssieuerbeamten.
Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".
• Dad-Rauheim, 21. April.
Der Dezirksverband Hessen im Bunde Deutscher Reichs st euerbeam- t e n hielt gestern und heute hier seinen diesjährigen Berbandstag ab. der sehr stark besucht war. besonders aus den Ortsgruppen der oberhessischen Finanzämter.
Einer Sitzung des Gesamtvvrstandes folgte gestern nachmittag die erste Vollversammlung, die öffentlich war. Der Derbandsvor- sihende, Steuerpraktikant Stromberger «Darmstadt), eröffnete die Tagung mit herzlicher Begrüßung, die den zahlreichen Gästen galt, vor allem den Vertretern der Behörden, der Organisationen und der Presse. Es begrüßten dann den Derbandstag Staatsrat Dr. $) eilte i g (Darmstadt) als Stellvertreter des Chefpräsidenten des Landesfinanzamts Darmstadt. Kreisdirektor Rechthien (Friedberg) als Re- gierungsvertreter : Bürgermeister Dr. Ahl für die Stadt Dad-Rauheim, Stadtverordneter Adler als Vertreter des Bürgermeisters der Stadt Friedberg, Rektor Dr. Clah (Darmstadt) für das Landeskartell Hessen des Deutschen Beamtenbundes. Regierungsrat Blankenhorn (Darmstadt) für den Reichsverband der akademischen Reichssteuerbeamten, Landtagsabgeordneter L u je (Ried.-Florstadt). Steuerinspekt. Schreyer (Nürnberg) im Auftrag der außerhessischen De- zirksverbände. Als Verhandlungsleiter wurde einstimmig Steuerinspektor P l a a g (Dad- Rauheim) gewählt. Lebhaftem Interesse begegnete der Geschäftsbericht für 1 9 2 8. Der Verbandsvorsitzende verbreitete sich in mehr als einstündigen Ausführungen über die Tätigkeit desDezirksverbandesHes- f en, der an den 37 hessischen Finanzämtern zur Zeit insgesamt 1400 Mitglieder zählt. Eingehend behandelte der Redner wichtige Standes- und Organisationsfragen, dabei das Verhältnis der Reichssteuerbeamtenschaft zum Staate klar herausstellend. Den Kampf um das Derufsbeamten- tum könne der Beamte nur dann erfolgreich bestehen, wenn er sich voll und ganz in das Staatsganze einfüge. Bundesschriftführer Müller (BerUn) erstattete dann ein grohangelegtes Referat über „Die Dundespolitik seit 1 9 2 7". Einleitend behandelte er die Frage des Beamtenrechts. An dessen Schaffung sei die Reichssteuerbeamtenschaft in hervorragendem Maße interessiert. Der Redner ging weiter auf wichtige beamtenpolitische Fragen ein, um zum Schluß sich von staatspolitischen Gesichtspunkten aus über die Bedeutung der Steuerbeamten im Dolksganzen zu verbreiten. Die Reichssteuerbeam- tenschaft müsse Schuh und Anerkennung ihrer Arbeit in allen Devölkerungskreisen fordern, sei andererseits aber auch gern bereit, den Weg der Verständigung mit dem steuerzahlenden Publikum zu suchen und zu gehen. Die Ausführungen des Redners ernteten lebhaften Beifall.
Ein von der Friedberg-Bad-Rauheimer Ortsgruppe im Sprudelhotel veranstalteter Begrüßungsabend, dem auch Beamte anderer Verbände in größerer Zahl beiwohnten, beschloß den ersten Verhandlungstag.
Der heutige Vormittag war ausgefüllt mit den Ausschuhsihungen, denen am Rachmittag die zweite Vollversammlung folgte, die sich vorwiegend mit internen Verbandsangelegenheiten befaßte. Die von den Ausschüssen vorgelegten Berichte und Entschließungen fanden fast ausnahmslos die Zustimmung des Verbands- togs. Unter anderem wurde eingehend über die Schaffung eines neuen Deamtenrechts gesprochen. Die Beratung dieser Materie führte zur Annahme folgender Entschließung: DieReichs- steuerbeamtenschaft empsindet es als eine durch nichts gerechtfertigte Zurücksetzung, wenn ihr nunmehr seit zehn Jahren die verfassungsmäßig gewährleistete Regelung der Beamtenvertretungen vorenthalten wird, und erwartet, daß das Beamten - Vertretungsgesetz baldigst verabschiedet wird." Als Ort des nächstjährigen Verbandstages wurde Darmstadt gewählt.
Besichtigungen der Dadestadt beschlossen die Verbandstagung.
Oberheffen.
Motorradler-Tagung in Schotten.
c Schotten, 22. April. Hunderte von Autos und Motorrädern trafen gestern im Laufe des Vormittags bei uns ein. Die Landes- gruppe Hessen -Rassau desDeutschen Motorradclubs hatte ihre Sternfahrt hierher gelegt und zugleich auch ihre Jahres- hauptversaminlung damit verbunden. Eine Kontrolle und Prüfung der Fahrzeiten der einzelnen Landesgruppen fand am Ludwigsplah statt. Es schloß sich daran in der „Schühenhalle" die Versammlung an. Ramens der Ortsgruppe Schotten begrüßte Dr. Dambmann die Gaste, namens des Kreisamts Reg.-Rat Dr. Helm» reich und namens der Stadt Bürgermeister Mengel. Der Vorsitzende der Landesgruppe. C W D e ck e r. Frankfurt, leitetete die Versammlung, dankte für die freundliche Begrüßung. Er gedachte der im letzten Jahr auf so tragische Weise abgeschiedenen Sportskameraden, der Her» ren Fr. Wilh. Engler. Schotten, und Würhle. Die Landesgruppe hat un letzten Jahr eine erfreuliche Entwicklung genommen, es gehören dem Verband 20 Ortsgruppen an. Der Sportleiter, Fr. Zu t ter, Worms, erstattete den ausführlichen Sportbericht, der von lebhaftem sportlichen Betrieb innerhalb der Landesgruppe ein gutes Zeugnis ablegte. Für dieses Iayr ist wieder eine Reihe größerer Veranstaltungen geplant: u. a. das große Motorradrennen „Rund um Schotten" am 15. und 16. Ium. Es folgte die Rechnungsablage und die Wiederwahl des alten Vorstandes. An eine Reihe verdienstvoller Sportkameraden wurden Ehrennadeln verliehen, an die besonders verdienten Herren Becker, Zutter und L i n ck die goldene Ehrennadel des Verbandes. Cs soll versucht werden, mit den zuständigen Polizeiorganen über, die Frage der Verkehrspolizei, mit den Strahen- verwaltungen über die Straßenherstellung, Sperrung der Straßen usw. . Fühlung zu nehmen. Auch soll bei den zuständigen Stellen angeregt werden, Unterricht in den Schulen über Verkehrsfragen und Verhalten auf den Straßen zu veranlassen. Eine gemütliche Rachsitzung schloß sich an die offizielle Tagung an.
Noikundgebung des Grundbesitzes
Ein Appell der Landwirtschaft und oes städtischen Hausbesiheel.
WSR. Frankfurt a. M., 21. April. Die Bezirksbauernschaft für Rassau und den Kreis Wetzlar, der Bezirksverband der H a u s - und Grundbesitzer - Vereine Hessen- Rassau-Süd, der Hausbesitzer-Verein Frankfurt a. M., die Kreis-Bauern- und Gärtnerschaft Frankfurt a. M., der Kurhessische Landbund Kassel, der Hessische Landbund Friedberg und die Vereinigte Freie Bauernschaft Mainz-Rhein veranstalteten am Sonntagvormittag im Schumann-Theater eine gemeinsame, stark besuchte Kundgebung.
Stadtrat Weber,
der Vorsitzende des Dezirksverbandes der Haus- und Grundbesitzer-Vereine Hessen-Rassau-Süd. begrüßte in seiner Eröffnungsansprache die zahlreich erschienenen Vertreter der Reichs-, Staatsund Kommunalbehörden, der verschiedenen Verbände aus Handel. Handwerk und Gewerbe, der Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Landwirtschaftskammer usw. Die gemeinsame Kundgebung im Schumann-Theater solle ein äußeres Zeichen für die
enge Zusammenarbeit zwischen landwirtschaftlichen und haus- und Grundbesiher- organisalionen
darstellen. Eine neue Zeit breche für den Mittelstand an, welcher, gestützt auf die zahlreichen und stark organisierten mittelständischen Verbände, sich seine Selbstbehauptung und seine Rechte im heutigen Staat allein erkämpfen wolle und erkämpfen könne. Darauf erteilte Stadtrat Weber dem
Landtagsabgeordneten Dr. Mode das Wort, der sich in längeren Ausführungen mit den Fragen des Kommunismus und Staatssozialismus befaßte. Er verglich die heutigen Verhältnisse mit denen von 1919. Die breiten Schichten der Arbeitnehmer liefen heute genau wie damals hinter der Regierung her und verlangten von ihr das Erforderliche zum Leben. Wenn nun einmal dec Zeitpunkt eintrete, und der Zeitpunkt müsse eintreten, wenn nicht vorher eine Abkehr von dem falschen Wege erfolge, daß die Regierung nicht mehr in der Lage sei, die gemachten Versprechungen und Zu- sic^rungen zu erfüllen, dann würden die breiten Massen sich enttäuscht von der Regierung abwenden und es würde eine Bewegung auf kommen, die an die Revolution von 1919 erinnere. Wer diese Bewegung auffängt, der würde bestimmend sein, unserem ganzen Wirtschaftsleben, unserer ganzen Einstellung eine andere Richtung zu geben. Der Redner propagierte die von der Wirtschaftspartei befürwortete
Arbeitsdienstpflicht zur Beschäftigung der Erwerbslosen und zum Zwecke einer Gesundung der wirtschaft.
Er richtete den Appell an die Versammlung, auf entbehrliche Auslandware zu verzichten und dadurch eine aktive Handelsbilanz zu schaffen. Weiter wandte er sich gegen die Auslandanleihen, die das deutsche Volk mehr und mehr zu Schuldsklaven seiner ehemaligen Kriegsgegner machen würden. Dann sprach D r. Rhode von den aktuellen Fragen des Bodenrechts, insbesondere den Enteignungsgesehen, und erwähnte hier die Verordnung zur Behebung der dringlichsten Wohnungsnot, welche in Widerspruch stehe zu der Reichsversassung. Das Bodenreformgeseh, das W o h n - heimstättengeseh und das Städtebau- g e s e h seien Gesetze, die auf die Ueberfüh- rung des privaten Eigentums in die iHffentliche Hand, insbesondere der Gemeinden, in stärkerem Umfange hinstreben würden. Dr. Rhode sprach noch über die Wohnungszwangswirtschaft, welche endlich fallen müsse, da sie überlebt fei, und berührte dann die Steuerbelastungen des Haus- und Grundbesitzes, der beispielsweise im Iahre 1927 mehr wie 25 Prozent des gesamten deutschen Steueraufkommens überhaupt von sich aus aufgebracht habe. Cs sei auf die Dauer in einem parlamentarischen Staatswesen nicht zu
Landkreis Gießen.
OO Klein - Linden, 22. April. In einer Mitgliederversammlung des hiesigen Gewerbevereins im Gasthaus „Zur Deutschen Eiche" sprach am Freitagabend Dr. Rottenbacher vom Arbeitsamt Gießen über Lehrlingseignung. Der Vorsitzende. Weißbindermeister Vieh mann, sprach dem Redner für seine interessanten und sehr anregenden Ausführungen den Dank der Versammlung aus.
: Ausdem DuseckerTal.22. April. Die Frühjahrsaussaat ist in unserem Tal beendet. Die Felder waren gut zu bearbeiten: der Boden war genügend ausgetrocknet und vor allem gut durchgefroren. Dadurch zerfielen dre Schollen wie Äsche. Wenn auch die Aussaat vier Wochen später als in sonstigen Jahren stattfand, so wird ein warmes Frühjahr leicht ben Ausgleich schaffen. Hier und da wird sogar bei den Landwirten der Wunsch nach einem warmen Regen laut. Die Wintersaat weist einen prächtigen Stand auf. Don Auswinterungen ist in diesem Jahr nichts zu spüren. _ Roggen und Weizen fangen schon an in die Höhe zu Reiben. Bei dem trockenen Wetter gehen manche Landwirte daran, den Weizen mit der Egge zu lockern, um der Bodenluft Zugang zu verschaffemEbenso schön und regelmäßig steht der Klee. Er muß allerdings noch gutes Wachswetter haben, toenn bis zum 10. Mac der erste Schnitt beginnen soll.
* Garbenteich, 22. April. Am Samstag- abend fand die diesjährige Generalversammlung der hiesigen Spar- und Dar- lehnskasse statt. Direktor Kissel gedachte eingangs in warmen Worten des am 24. Dezember verstorbenen Rechners Lehrer Weisel, ber der Grünber, Förderer und Erhalter der Kasse war und sie 30 Iahre lang mit Aufopferung und Treue führte. Rach seinem Tode übernahm Zehrer Stumpf die Vertretung, der die Kasse, wie der anwesende Oberrevisor Hartmann betonte, mustergültig verwaltete. Rechner Stumpf erstattete sodann den Geschäftsbericht von 1928, aus dem folgendes erwähnenswert ist: Die Der- mögensbilanz zeigt in der Aktiva 182 412,76 Mk. und in der Passiva 180159,19 Mk., so daß em Gewinn von 2253,57 Mk. verbleibt. Es sollen 10 Prozent Dividende verteilt werden. Die Srche-
umgehen, dieser Gruppe von Staatsbürgern einen entsprechenden Cinsluß auf die Gestaltung der Steuergesetze einzuräumen.
Rach diesen mit starkem Beifall ausgenommenen Ausführungen des Vertreters des Haus- und Grundbesitzes sprach als Führer der Landwirtschaft
ReichStageabgeordneter Sepp-Seelbach
über die Rotlage des Deutfchen Bauern, der genau so wie der Haus- und Grundbesitz schwer um seine Existenz ringen müs,e. Cr brachte insbesondere zum Äusdruck, daß die Steuer- und Sozial, o llik der Rachlriegszeit pral- tisch direkt auf eine Enteignungspolitik bezüglich des Besitzes hinauslaufe. Angesichts der jetzigen Lage forderte der Dauernsührer eine geschlossene Front des Mittelstandes, insbesondere oller Kreise, die zu der mit eigenem Kapital und eigener Verantwortung arbeitenden Wirtschaft gehören.
Genau so wie der städtische Haus- und Grundbesitz nehme auch die Landwirtschaft Stellung gegen das wohnheimstättengeseh und dos
Städtebaugesetz.
Hier kritisierte Reichstagsabg. Hepp die Politik der Großstädte und den Ehrgeiz ihrer Oberbürgermeister. Im weiteren Verlaus seiner Rede ging er auch aus die Reparationsverhandlungen ein und warnte davor, Verpflichtungen einzugehen, resp. Angebote zu machen, die doch nicht gehalten werden könnten. Der Redner schloß seine Ausführungen mit der Aufforderung an die Versammlung, den größten Feind, die Gleichgültigkeit, zu bekämpfen, und
eine gemeinsame prioatwirlschafttiche Front bewußt herzustellen.
Das Ziel müsse ein Abbau der Steuern sein, besonders der Grundvermögenssteuer, die als mittelalterlich anzusehen sei. „Wenn wir das Gemeinschaftliche, das uns in Stadt und Land verbindet, erkennen, und wenn wir verstehen, jene Gegensätze zu beseitigen, die man künstlich in die Kreise von Stadt und Land hineinträgt, dann sind wir eine Macht, an der die heutige Reichsregierung nicht vorübergehen kann. Diese Macht zu schaffen ist unsere Aufgabe."
Rachdem sich der demonstrative Beifall gelegt hatte, der den Ausführungen des Dauernführers gefolgt war, nahm die Versammlung einstimmig- eine
Enisckli ß:ng
an, die sich mit den Forderungen der Landwirtschaft, des Haus- und Grundbesitzes und des Mittelstandes überhaupt befaßt und an deren Schluß es heißt: „Die Versammlung erwartet zuversichtlich, daß der Schrei dieser Massen durch die Rot geeinigter Staatsbürger nach gleichen Rechten bei Regierung und Parlament noch rechtzeitig ein warnendes Echo findet. Ganz besonders notig ist dies im gegenwärtigen Zeitpunkt, nachdem die in Paris schwebenden Reparationsverhandlungen zu scheitern drohen und nunmehr wohl auch den unverbesserlichsten Optimisten in Deutschland die Augen darüber aufgegangen sind, welche vernichtenden Fol- ge n die Kriegsschuldlüge, der Dawes- p l a n und die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln für unser deutsches Bolk haben. Der deutsche Mittelstand erwartet von der Reichsregierung, daß sie unverzüglich eine aufs äußerste gesteigerte Propaganda gegen die Kriegsschuldlüge einleitet. Cs ist eines Volkes mit Ehrgefühl nicht würdig, jahrzehnte hindurch im Kreise der übrigen zivilisierten Völker nur eine scheinbare Souveränität zu genießen."
Zum Schluß erhielt das Wort Bürgermeister G u ck e s , Dreithardt, Mitglied des Kommunallandtages und Führer der nassauischen Dauern, der Dauern und Bürger in Stadt und Land zum gemeinsamen Zusammengehen und zur Derteidigung des Besitzes aufrief. Mit einem Hoch auf den deutschen Mittelstand und das deutsche Vaterland schloß Bürgermeister Guckes die große Kundgebung.
rungsstöcke betragen nunmehr rund 5700 Mk. An Aufwertungssorderungen hat die Kasse 40 115 Mark. Sie konnte die alten Spareinlagen bereits mit 10 Prozent aufw'erten. Da noch ein Auf- wertungssonds von 9568,48 Mk. zur Verfügung steht, sollen die alten Geschäftsguthaben auch unter die Aufwertung fallen und die Spareinlagen um weitere 2,5 Prozent aufgewertet werden. Die Kasse hatte am Schlüsse des Geschäftsjahres 219 Mitglieder. Da der Rechner Stumpf danlle, wurde Otto Lang einstimmig zum Rechner gewählt. Oberrevisor Hartmann machte im Laufe des Abends sehr interessante Ausführungen über die heutige Wirtschaftslage, die Währung und die Bedeutung des Geldes in Zukunft. Die Kasse konnte am 14. Dezember 1928 auf ihr 30jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß fand eine Heine Feier statt, in deren Verlauf der Rechner einen Heberblick über die Entwicklung der Kasse und der Oberrevisor einen solchen über die Geschichte der genossenschaftlichen Bewegung gab. Änschließend wurden drei Mitglieder des Vorstandes und der Erheber von feiten des Vorstandes durch Geschenke und von dem Vorstand der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften durch Diplome für langjährige treue Dienste geehrt. Die Versammlung beschloß, der Schule und Kirche in Garbenteich und Hausen eine Iublläumsgabe in Gestalt von Stiftungen von insgesamt 300 Mk. zu machen.
Kreis Friedberg.
WSN. Friedberg. 22.April. Auf dem hiesigen Schweinemarkt waren 645 Tiere aufgetrieben. Es wurden bezahlt für sechs Wochen alte Tiere 30 bis 35 Mark, für sechs bis acht Wochen alte 35 bis 40 Mark, für acht bis zwölf Wochen alte 40 bis 50 Mark. Das Geschäft war sehr gut.
Kreis Schotten.
Eichelsdorf, 20. April. Die Junker- mühte, zwischen E i ch e l s d o r f und Ober- Schmitten gelegen, eine neuzeitlich pingerichtete Grohmühle. die vor zwei Jahren durch Konkurs den Besitzer wechselte, soll wiederum veräußert werden. In diesem Verkaufe spiegelt sich die gedrückte Lage der Kundenmüllerei wider, die zum großen Tell noch gezwungen ist, mit Dorkriegspreisen zu rechnen.
Kreis «lsscld.
T Alsfeld, 23 Arril. «S gcner Drahtbericht.) Don dem seit 'Freitagnachmittag vermißten Ober» studiendircktor Gr aeber von hier fehlt bis heute noch jede Spur. Eifrigste Rachforschungen der hiesigen Bevölkerung und von Bewohnern aus den benachbarten Dörfern, die Tag und Rächt die umliegenden Wälder nach dem Dermißten absuchten, hatten bisher nicht den geringsten Ersolg. Man ist hier über das Schicksal des außerordentlich beliebten Herrn allgemein sehr besorgt, und unsere Stadt ist wegen dieses Dorfalles in großer Erregung. Ob ein Unglücksfall vorliegt, oder ob der Vermißte freiwillig aus dem Leben geschieden ist, weiß man bisher noch nicht.
Kunst und Wissenschaft.
1000 Archäologen im Pergamon-Museum.
Etwa 1000 Archäologen, die als Delegierte und Teilnehmer der Jahrhundertfeier des Archäologischen Institutes des Deutschen Reiches in Berlin wellen, besuchten am Montag das Pergamon-Museum, das, wie der Generaldirektor der staatlichen Museen. Prof. Wilhelm W a e h o l d t, in seiner Begrüßungsansprache hervorhob, als bedeutsamsten Schah das pergamenische Altarwerk bewahrt, bas nach dem genialen Plan Alfred Messels zugleich den künstlerischen Mittelpunkt bildet. Dec Direktor der staatlichen Antikensammlungen, Geheimrat Dr. Wiegand, der darauf das Wort ergriff, dankte der türkischen Regierung, unter) deren Schuh und Förderung die Ausgrabungen zu Pergamon erfolgt seien, und ferner dem preußischen Kultusdminister und dem Finai^minister dafür, daß sie dem pergamenischen Schatz eine würdige Heimstätte bereitet hätten. Diese sei zugleich das schönste Denkmal für den Entdecker des Altars, Karl Humann. Die Bergung der großen Reliefs habe es Deutschland zur Pflicht gemacht, das Gesamtbild der pergamenischen Stadt und Landschaft zu klären. Auch jetzt noch werde in Pergamon dank der Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft gearbeitet. Schon seien auch von den Ausgrabungen in Magnesia, Priene, Milet und Didyma wertvolle Fundstücke, insbesondere Architekturen, nach Berlin gelangt, die mit den pergamenischen vereint seien. In drei Sälen könne nun die Entwicklung der an- tiken Baukunst vom sechsten Jahrhundert vor Christus bis zum Beginn der christlichen Epoche gezeigt werden.
Hierauf erfolgte ein Rundgang durch die Räume. Die Größe des Altars, dessen Front 38 Meter und dessen Höhe mehr als 10 Meter beträgt, erforderte einen Saal von ganz gewaltigen Ausmaßen. Zu seinen beiden Seiten schließen sich große Säle an, die es gestatten, daß die Reste antiker Bauwerke nicht wie im früherer, Pergamon-Museum nur in verkleinertem Maßstabe gezeigt werden können. Das neue Per- gamon-Museum wird im August 1930 endgültig seine Pforten öffnen.
Rückkehr der Deutschen Indien-Expedition.
Die im Herbst 1926 vom Staatlichen Forschungs- Institut für Völkerkunde in Leipzig ausgejanbte „e r ft e DeutscheJndien-Expedition" hat im April 1929 mit der Rückkehr von Dr. Freiherr von Eickftedt — dem Leiter und geistigen Urheber dieses ersten größeren Versuchs zur Erfor- schung der alten südasiatischen Rassen- und Völker- schichten — ihren Abschluß gefunden. Die Expedition hat neben Ausgrabungsresultaten, Familienforschun- gen, Blutuntersuchungen, Studien über das Aussterben, das Sexualleben, über Kulturbesitz, Psychologie und Schichtungen der Urvölker sowie ihre Zusammenhänge mit den höheren Rassengruppen auch Mehr als 2000 Sammlungsgegenstände, an 12000 wissenschaftliche Photographien und über 100 000 menschliche Proportionsmaße heimgebracht. Die an Frauen verschiedener exotischer Völker gewonnenen anthropologischen Untersuchungsergebniffe übertreffen um ein Vielfaches das gesamte bisher vorliegende Material. Die Expedition, die dem verstorbenen Völkerforscher Professor Karl W e u l e ihre Verwirklichung verdankt, ift nicht nur das erste mehr- jährige von deutscher Seit nach Indien entsandte Forschungsunternehmen, sondern auch überhaupt die erste größere Expedition mit vorwiegend der Menschenkunde dienenden Aufgaben. Die indische Regierung zeigte großes Entgegenkommen und tatkräftiges Interesse. Angesichts des reichen Materials, das die Expedition als Beweis und Stütze für zahlreiche neue Feststellungen und Entdeckungen gewann, darf sie als eine der erfolgreichsten wissenschaftlichen Unternehmungen Deutschlands in der Nachkriegszeit angesehen werden.
Rundfunkprogromm.
Mittwoch, 24. April.
6,30: Morgengymnastik. 12,45 bis 13,15: Schulfunk: Musik, vorgetragen von Studienrätin C. Geis: „Rhythmische Grundbegriffe, b) Der Takt". 13,15: Schallplatten-Konzcrt: Eine halbe Stunde Studienmusik. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend: Aus dem Buch der Sage und Geschichte, vorgetragen von Rektor Wehrhan: „Das Schützenfest und andere Freuden des früheren Stadtlebens", für Kinder vom 10. Jahre ab. 15,55 bis 16,05, Hausfrauendienst. 16,35 bis 18,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30: Dücherstunde. 18,30 bis 18,50: „Reiseerlebnisse", Vortrag von Otto Ernst Sutter. 18,50 bis 19,10: „Beginn der Ausfahrt Fausts in die große Welt in der Staatsrats- und der Lustgarten-Szene in Goethes Faust II, erster Akt", Vortrag von Pfarrer Clemens Taesler. 19,10 bis 19,25: Senckenberg-Viertelstunde: „Aktuelle Ra» turtri se sch f , Dortr g on Prof. D . R Dichtcr. 19,25 vis 19,45: Schulstunde. 19,45 bis 19,55: Französische Literaturproben. 19,55 bis 20,15: Französischer Sprachunterricht. 20,15 bis 21,15: Rach Stuttgart: Opern-Konzert. 21,15: Von Kassel: Musikalisches über und aus Spanien.
Kirchliche Nachrichten.
Israelitische Religionsgesellfchafi.
Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Donnerstag, den 25., und Freitag, den 26. April: Passahfest. Donnerstag: Vorabend 7.30 Uhr: morgens 8.30; Predigt. — Freitag: Vorabend 7.30; morgens 8.30.
Israelitische Religionsgemeinde.
Mittwoch, den 24. Aprll, morgens 6 Uhr.
Donnerstag, den 25. Aprll, und Freitag, den 26. Aprll: Passahfest. 1. Tag: Dorabend 7.25 Uhr, morgens 8; Predigt; nachmittags 4. — 2. Tag: Vorabend 8.25; morgens 8.
Sabbatfeier den 27. April. Vorabend 7.15 Uhr; morgens 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 8.30; Wochengottesdienst morgens 6.30; abends 7.


