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Die Liebe derBrigitta Hollermann

Vornan von Elisabeth Tley.

Copyright by Martin Feuchtwanger. Halle (Saale).

14. Fortsetzung Nachdruck verboten.

Ms die beiden alten Geschwister dann nach dem Abendessen auf der großen Hausterrasse allein beieinander sahen, sprachen sie erst lange nicht zusammen, dachten aber wohl beide an das gleiche, an Brigitta Hollermann.

Sie gefällt mir nicht, Christiane." unterbrach Lührmann endlich die Stille.3ft sie bisher immer so bleich und elend gewesen? Ich dachte, die frische Seebrise würde sie sehr schnell gesund machen."

Brigitta ist erst seit dem Brief, den sie An­fang dieses Monats erhielt, so elend. Sie hatte sich gesundheitlich herausgemacht. Ich habe umsonst nach dem Grund der Veränderung geforscht, bin aber nicht dahinter gekommen."

Vielleicht war es die Andeutung in meinem Brief, daß ich diesen Eggenbrecht nirgends finden könne. Sie muhte damit Wohl die Hoffnung, ihm jemals wieder zu begegnen, begraben. Ich selbst glaube nun beinah auch, dah der junge Arzt nicht mehr lebt. Ja, ja, die Liebe ist ein eigen Ding, Christiane: ich vergleiche sie mit einer schleichenden Krankheit, gegen die selbst ein so alter, erprobter Mediziner, wie ich, nicht helfen kann. Gott sei Dank: ich habe diese Krankheit nie kennengelernt."

Die Schwester nickte seufzend, und entgegnete dann:

Oft denke ich auch, dah sie unter der still- ergebenen, hoffnungslos werbenden Liebe un­seres Ortsgeistlichen leidet."

Wer? Brigitta? Wie kommst du darauf, Christiane?"

«Pastor Wendelin ist jung und ein ernster, tüchtiger Mann. Lieber 2llter, ich habe doch auch Augen im Kopf."

Hat sie ihn etwa ablehnend beschieden? Neben­bei bemerkt, ich traute es ihr zu, in ihrem krank­haften Ehrbegriff jemandem, dem sie ohne Schuld unrecht tat, die Treue auf ewig zu halten, die dieser gar nicht von ihr fordert."

Gesprochen hat Pastor Wendelin sicherlich noch nicht, dies wäre mir nicht entgangen. Mir tut der arme Mensch entsetzlich leid: Brigittas Nein wird ein harter Schlag für ihn werden."

Demnach bereitet sich so ein neues, kleines Drama vor?"

Wenn du es so nennen willst, lieber Bruder, doch hoffe ich, dah es nicht ein wirkliches Drama werden wird."

Weiht du, Christiane, vielleicht ist eS am besten, Brigitta geht von hier fort."

Fort? Das wäre sehr schlimm für mich. Sie hat aller Herzen erobert. Zumal die Kleinen lieben ihre Tante Gitta zärtlich, und ich glaube auch gar nicht, dah sie von hier fort möchte."

So, so, dann habe ich mich eben geirrt. Ich sah einen so seltsamen Ausdruck in ihren Augen, als wenn in ihr ein Hunger nach Leben brenne. Vielleicht quält sie die Einsamkeit hier. Sie kann hier zu viel grübeln, und mühte nach meiner Ansicht Abwechslung haben."

|ych gebe Brigitta ungern her, aber wenn du eS für richtig hältst, muh eS wohl stimmen. Wo­hin aber? Hast du schon darüber nachgedacht?"

Es muh ja nicht gleich heute und morgen sein, liebe Christiane. Vielleicht bietet sich einmal eine günstige Gelegenheit. Was wissen wir, was mor­gen ist? Halte die Augen offen, und gib dem Pastor vielleicht gelegentlich einen Wink: wie, wirst du gewiß selbst am besten wissen. Am Ende denkt Brigitta auch schon in einem Jahr anders, und wird doch noch Frau Pastor. Mich sollte es freuen."

Lange sahen Bruder und Schwester noch an diesem Abend zusammen, und besprachen das Wohl und Wehe ihres Schützlings.

Zu dieser Zeit weinte sich Brigitta leise in den Schlaf.

Schanghai!

In Lubling Well, im Europäerviertel, war bas große, elegante Klubhaus festlich beleuchtet.

Man gab ein Fest zum Empfang der Gemahlin des kürzlich nach hier versetzten deutschen Ge­sandten, Erich von Salden.

Das Ehepaar war noch nicht erschienen.

Man munkelte bereits, dah die junge Deutsche eine äußerst pikante Schönheit fei.

Einige Herren hatten sie bei der Ankunft des Dampfers am Morgen für einen Moment zu Gesicht bekommen. Rein zufällig, beteuerten sie. Aber man kannte diesen sogenannten Zufall, und belächelte ihn gutmütig.

Die Ankunft einer jungen Dame ist in jeder Auslandniederlassung immer eine Sensation. Von den Herren mit Enthusiasmus begrüht, vielleicht heimlich hoffend auf einen kleinen, unschuldigen Flirt, von den Damen mit etwas unsicher-feind­licher Abwehr, aus der Furcht heraus, durch die Neue verdrängt zu werden.

Fast hundert Damen und Herren des Settle­ments, Deutsche, Engländer, Franzosen und einige Japaner, erwarteten die feierliche Einführung der jungen Gesandtengattin.

Die Flügeltüren des eleganten Klubsaals waren zu der rings um das Gebäude führenden Ve­randa hinaus weit geöffnet, doch die einströmende Abendluft brachte den danach lechzenden Men­schen keine Kühlung in der heißen Augustnacht.

In einem bequemen Klubsessel vor der mitt­leren Verandatür saß ein junger, eleganter Mann. -x

Sein Gesicht war hager und bartlos. Hm den etwas kleinen, aber energischen Mund zogen sich tiefe Falten, die den markanten, durchgeistigten Zügen etwas Herbes, Verbittertes verliehen.

Seine große, schlanke Gestalt etwas vorgeneigt, starrte er düster aus grauen, durchdringenden Augen in die Dunkelheit des Parks hinaus.

Na, lieber Doktor, wieder einsam?" erklang es da dicht hinter ihm, und der Herr, der soeben noch unter der Tür gestanden hatte, trat jetzt rasch auf ihn zu.Interessiert Sie fctrm nicht auch die frisch importierte, junge Frau von Sal­den? Llpropos, sie soll eine Schönheit sein und außerdem eine Landsmännin von Ihnen."

Mister Amerh, Sie sind es?" entgegnete der Angeredete müde.

Gewiß, Doktor, ich suchte Sie bereits in allen Ecken. Ihre Gesellschaft ist mir immer die ange­nehmste, denn mit Ihnen kann man sich doch wenigstens auch einmal über schöngeistige Themen unterhalten: am Tage gehen mir doch leider nur

Hunderte von Teesorten und die damit verbun­denen Geschäfte durch den Kopf. Außerdem wollte ich Ihnen noch sagen, dah sich meine Frau nicht wohl fühlt. Vielleicht ist auch diese verdammte Hitze daran schuld. Na, Sie machen Ellen am besten morgen Ihre Visite^

Ich werde kommen, Mister Amerh. Aber setzen Sie sich doch ein wenig zu mir, wenn Sie Lust haben. Ich meide solange wie möglich die drückende Atmosphäre des Saals. Freilich werden Sie heute nicht den gewünschten Gesell­schafter in mir finden: ich leide wieder einmal an der mich so leicht überfallenden Melancholie."

Sie sollten sich endlich einmal nach etwas Weiblichem umsehen, bester Doktor. Meiner An­sicht nach liegt Ihnen das Iunagesellenleben ab­solut nicht. Sie sind zum Ehemann wie ge­schaffen."

Der junge Arzt antwortete nicht, und für einen Moment vertieften sich die Falten in seinen Mundwinkeln.

Doktor, seien Sie einmal ehrlich. Ich hoffe, unsere Freundschaft ist so weit gediehen, daß ich mir die Frage schon gestatten darf, obwohl ich nicht gern indiskret bin. Weshalb hassen Sie eigentlich die Frauen so sehr, und gehen jedem weiblichen Wesen wie dem gelben Fieber aus dem Weg? Sollte da nicht irgendeine bittere Enttäuschung dahinter stecken? War dies viel­leicht der Grund, daß Sie Deutschland verließen?"

Der Gefragte sah still vor sich hin, und Mister Amerh erschrak über die plötzliche, fahle Blässe, die das Gesicht seines Gegenübers bedeckte.

Lassen wir das Thema lieber fallen", ent­gegnete der Arzt jetzt ablenkend.Jeder Mensch sammelt seine Erfahrungen auf dem Gebiete der Liebe. Ich zum Beispiel spüre stets einen unange­nehmen Geschmack auf der Zunge."

Mister Amerh entgegnete nichts, und zog nach­denklich an seiner Zigarette.

Drinnen im Saal entstand jetzt eine erregte Bewegung.

Man erhob sich und tuschelte heimlich, die Blicke zum Saaleingang gewandt.

Hallo, so hatte Mister Tarn doch recht, als er Frau von Salden nicht allein von Bord kommen sah. Er wußte von einer entzückenden blonden Dame zu berichten, die in ihrer Beglei­tung die Landungsbrücke passierte, und von Herrn von Salden aufs herzlichste begrüßt wurde."

Vielleicht die Schwester Frau von SaldenS", entgegnete der Doktor uninteressiert.

Ah, da ist sie wahrhaftig!" rief Mister Amerh aufspringend.Doktor, alter Weibersresfer, können Sie da noch den Blick fortwenden, wenn zwei so holde Erscheinungen vor Ihnen auftauchen? Aber ich bitte Sie, so sehen Sie doch nur ge­radeaus: das ist doch wohl wahrhaftig nicht zuviel verlangt. Die große dunkelhaarige ist Mistreß Salden, denn das Komitee begrüht sie zuerst. Aber die andere! Doktor! Man möchte glauben, sie ist eine. Pariserin. Sahen Sie je so schönes rotgoldenes Haar? Hnd das Näschen, der Teint, die Figur! Verzeihen Sie, Doktor, aber ich kann nicht länger widerstehen, ich muß hinein, die Damen zu begrüßen."

Damit war Mister Amerh davongestürmt, und bemerkte nicht, daß auch die Augen des Doktors plötzlich wie fasziniert in den Saal starrten.

Er hatte sich halb aus seinem Sessel erhoben. Jede Muskel seines Gesichts war gespannt, und

die Hände umkrampften fest die Lehne de« Sessels.

Dann sprang er auf und taumelte wie ein Trunkener in den Saal.

Haha, hat es Sie doch hereingezogen, Doktor- chen?" rief ihm Mister Amerh lachend entgegen. Kommen Sie, ich will Sie sofort vorstellen, denn ich hatte schon die Ehre. Ich sage Ihnen^ in der Nähe einfach fabelhaft! Wäre ich jung und unverheiratet, wie Sie, so sagte ich jetzt: diese oder keine!"

Mister Amerh zoa den Widerstrebenden zu der Gruppe, die sich um die Neuankömmlinge geschart hatte.

Gestatten Sie, meine Damen, ich bringe Ihnen hier eine höchst wichtige Persönlichkeit unserer Kolonie!" rief Mister Amerh, sich lebhaft durch das Gewühl drängend.Doktor Eggenbrecht, unser aller Retter, wenn es unS irgendwo zwackt. Darf ich bekannt machen, Frau Ri von Salden, und ihre Freundin und Gesellschafterin, Fräulein Isa Hollermann."

Bei diesen Wvrten erklang ein leiser Schrei, und die blonde junge Deutsche, deren Entzücken Mister Amerh galt, wich, jäh erbleichend, einen Schritt zurück.

Der Arzt sah sie mit brennenden, unverständ­lichen Blicken an.

Isa Hollermann, ist eS möglich?" fragte er dann, schnell gefaßt, da er die erstaunten Ge­sichter der Hmstehenden bemerkte.

Aber die junge Dame vermochte zücht fo schnell Herr der Situation zu weroen.

Eggenbrecht, Sie, Sie leben. Sie verbrannten damals nicht!" rief sie "bestürzt auS.

Hans-Jörg Eggenbrecht gewann dadurch fein« Fassung wieder.

Nicht jetzt, später!" flüsterte er schnell, sich zum Kuß über die Hand Isa Hollermann« beugend.

Man überging den lleinen Zwischenfall. Die Damen wurden auch soeben von anderen Klub­mitgliedern mit Beschlag belegt.

Doktor Eggenbrecht gewann also Zeit, ftch zu sammeln.

Mister Amerh hatte den Arm unter den feinen geschoben, und führte den fast Willenlosen auf die Veranda zurück, wo er. ihn in einen Sessel nieöerdrückend, sagte:

Eggenbrecht, ich will mich nicht in Ihr« Ge­heimnisse drängen, aber ist meine Annahme richtig, wenn ich glaube, daß daS Schicksal hier in der Fremde Ihnen die Frau wieder zuführte, um derentwillen Sie vielleicht vor einem Jahr die Heimat verließen?"

Sie irren, Mister Amerh", antwortet«

brecht gepreßt.Weshalb aber soll ich Ihnen gegenüber ein Geheimnis aus meinem Erlebnis machen?! Isa Hollermann ist mir tatsächlich au« Hamburg sehr gut bekannt. Sie ist die jüngste Tochter meines früheren Chefarztes. Dor einem Jahr war sie noch ein frecher, koketter Backfisch. Sie hat sich sehr verändert. Ihre ältere Schwe­ster aber war es, die mich über Nacht auS der Heimat trieb."

Armer Kerl! Aber schließlich vernarbt jede Wunde. Ja, vielleicht hat Ihnen da« Schicksal die Jüngere zugedacht und nun gerade rech^eitig in den Weg geschickt. Glauben Sie mir, Doktor, sie ist ein Sonnenmädel, so recht dazu geeignet, das Herz eines ManneS zu beglückend

(Fortsetzung folgt.)

Mutter hat so fein gekocht, und ich habe das Besteck mit Ata geputzt. Seht nur, wie es funkelt! Mutter meint es geht nichts über Ata, das macht alles appetit­lich und frisch und ist besonders billig. Das sage ich auch. Nur 20 Pfennig kostet die sparsame Sireuflasche.

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