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Arz 1929

Samstag, 25

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbethessen)

Er. ZO Drittes Blatt

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Für den Büchertisch

Politik und Geschichte

Recht und Wirtschaft

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und Rechtsprechung sowie neu erlassener Gesetze vollständig ergänzt worden.

Frauen suchen ihr Recht. Dos Ge­setzbuch der Frau in Beruf, Familie und Gesell­schaft. Don Aug. Fr. Heus,. Franck,hlchc Ver­lagsbuchhandlung. Stuttgart. Geb. Ganzleinen 5.20 Mk. (116) 2ede Frau, mag sie allein­stehend oder verheiratet sein, wird heute weit häufiger als früher vor die Aufgabe gestellt, selbständig Entscheidungen zu treffen, bei denen es sich unter Ll'nständen um nicht geringe Geld­beträge handelt. Das; sich aber die vielfachen Streitfälle des Lebens nicht einfach nach Gut, dünken und noch ganz persönlichem Aechtsempsin- den entscheiden lassen, ist ohne weiteres klart in mand en Fällen würde Geseheskenntnis aus einer Lage Helsen, die schon unrettbar verfahren er­scheint. Natürlich kann man einer Frau nicht zumuten, die Gesetze selbst zu studieren. Auch ist ja die Auslegung der Paragraphen gar nicht so einfach. 3n dem vorliegenden Ruche liegt end­lich ein Hausbuch des häuslichen Rechts vor, wie es besser kaum sein könnte. Hier werden alle wichtigen Fragen, in denen Frauen zu entschei­den oder ihr Recht zu suchen haben, an Bei­spielen erläutert und ihre Lösung in leicht ver­ständlicher Weise dargestellt. Der Interessenten­kreis für das Buch ist groß: neben der Hausfrau und der berufstätigen Frau werden vor allen Dingen Behörden, Mülterb^ratungs- und Für­sorgestellen und nicht zuletzt unsere Hausfrauen- vercine das praktische und preiswerte Werk nicht entbehren können.

gestatteten Bändchen ein wahres Geschenk ge­macht. Denn wie oft kommt es vor, daß so ein munterer Sänger plötzlich die Flügel hängen läht und trübselig und bekümmert dreinschaut, ohne daß sein Beschützer ihm zu helfen weih. An Hand dieses Buches wird es ihm ein Leichtes sein, die Ursache eines solchen Umschwunges zu erkennen und für Abhilfe zu sorgen. Darüber hinaus regt das Buch, das mit prächtigen Far­bentafeln geschmückt ist, in feinsinniger Weise dazu an, mit warmem Herzen unsere gefiederten Freunde im Käfig und in der Bogelstube zu beobachten und dasSeelenleben" dieser kleinen Kameraden auf unserem Lebenswege zu ver-

Römische Charakterköpfe. Ein Weltbild in Biographien. Bon Geh. Reg.-Rat Professor Gr. Dirt. 8. verbesserte Auflage. Mit 24 Kupferdrucktafeln. In Le.nenband 8 QHT. Ver­lag von Quelle & Metzer in Leipzig (37). Es ist nicht überraschend, dah Birts Römische Eha- rakterköpfe bereits eine Auflage von 29 000 Exern- plaren erreicht haben. Ist doch gerade dieser Teil der römischen Geschichte besonders fes.elnd. Die Scipionen und Gracchen, die Kämpfer um Roms Freiheit, Marius, Pompesus und Sulla, der Begründer des Imperiums Julius Caesar und die Reihe der Kaiser von Augustus bis Mark-Aurel bilden den Inhalt des Bandes. Sie leben in ihrer Umwelt und in ihnen spiegelt sich das Leben dieses einzigartigen Volkes. So kann dieses Weltbild in Biographien, das die römische Geschichte lebendig und plastisch an­schaulich macht, empfohlen werden als wert­volles Geschenk für jeden, der Sinn hat für geschichtliches Werden und für die großen Führer­gestalten, die einst die Welt beherrschten.

Deutsche Verfassungsgeschichte vom 15. Jahrhundert bis zur Gegen­wart. Von Prof. Dr. F. Hartung. 3. bis zur Gegenwart fortgef. Aufl. Geb. 9 Mk. Verlag von D. G. Teubner in Leipzig. (66) In ge­schickter, übersichtlicher, knapper und dabei alles Wesentliche scharf erfassender Darstellung bietet das Buch die wichtigsten, entscheidenden Tat­sachen der deutschen Verfassungsgeschichte vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Es betrach­tet die Entwicklung des alten Reiches bis zu seiner Auflösung, das im 19. Jahrhundert ein­sehende Streben nach Verfassungen in den Eti^el- staoten und nach entscheidender Lösung der Ein- heitsfrage. Don besoirderem Interesse ist die Schilderung der staatlichen Entwicklung seit 1919. die praktische Auswirkung der Weimarer Ver­fassung, vor allem im Verhältnis von Reich und Ländern. Ein letzter Abschnitt behandelt kurz die neuen Länderverfassungen. Zahlreiche Litera­tur- und Quellenangaben sowie ein Sachregister erhöhen noch die praktische Benutzbarkeit des Werkes.

Zwölf Jahre Ruhrbergbau, 1914 bis 1925. Don Dr. Hans Spethmann, Band II. Aufstand und Ausstand vor und nach dem Kapp- Picksch bis zur Ruhrbesetzung. Mit einer Karte, 11 Tafeln und 22 Textabbildungen. Verlag von Rei­mar Hobbing, Berlin SW 61. (10) Der uns vorlie­gende umfangreiche zweite Band dieses ausgezeich­neten Quellenwerkes zur modernen deutschen Wirt­schaftsgeschichte schildert die furchtbare Leidenszeit, die das Ruhrrevier, die Herzkammer der deutschen Industrie unter dem roten Terror des Kommuni- stenaufstands durchzumachen hatte. Bilder werden hier entrollt, so grausig, so unmenschlich, wie sie sich unsere blühendste Phantasie nicht vorstellen konnte. Es ist gut, daß hier einmal an Hand authentischer Dokumente vergeßlichen Zeitgenossen vor Augen geführt wird, welches Martyrium, welche Hölle

stehen.

Anleitung zu zoologischen Be­obachtungen. Von Professor Dr. Friedrich Dahl. 2. verbesserte Auflage (Sammlung Wissen­schaft und Bildung Band 61). Gebunden 1,80 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (105) Der Verfasser weih in geschickter Weise und gestützt auf langjährige praktische Unterweisung den Raturfreund dazu anzuleiten, alles was da kreucht und fleucht in seinen Eigenheiten aufzu­spüren und zu erkennen. Roch einem einführenden Kapitel, das der Dionornie im allgemeinen ge- widmet ist, gibt er im zweiten Teil eine äußerst | beschrewung.

instruktive Anleitung in die schwierige Kunst des richtigen zoologischen Beobachtens: der dritte Teil zeigt, was man beobachten soll und wie man die gewonnenen Einblicke unter allgemeine Gesichts­punkte bringen kann. _

Die Landschaftsgürtel der Erde. RaturundKultur. Don Dr. Siegfried Pas­sarge, o. Professor an der Hamburgischen Uni­versität. Mit 1 Karte und 31 Bildern, 2., durch- gesehene und erweiterte Auflage. In Halbleinen gebunden 3,50 Mk. Verlag Ferd. Hirt in Bres­lau. (112) Passarges Buch über dieLand­schaftsgürtel der Erde" hat sich seit seinem Er­scheinen unter Geographen und allen geographisch Interessierten ganz besonderer Beliebtheit erfreut. Es ist soeben in zweiter Auflage herausgekommen. Die beigegebene Karte über die Einteilung der Erde in Landschastsaürtel ist wesentlich verbessert worden, auch der Text hat Veränderungen er­fahren. Das Buch faßt in außerordentlich klarer Gliederung die Eigenart der charakteristischen Landschaften in kurzen und doch inhaltreichen Schilderungen zusammen neben vortrefflich aus­gewählten erläuternden Tabellenbildern erhalten I die Ausführungen durch die fesselnde Schreib­weise des Verfassers das Spannende einer Reise­beschreibung.

Prof. D r. Leo Rosenberg, Lehr­buch des Deutschen Zivilprozeß- rechts, 2. neubearbeitete und erweiterte Oluf» läge. Berlin (Otto Liebmann) 1929, 748 Seiten, qe'b 3150 Mk., für Abonnenten der Deutschen Juristenzeitung 28,50 Mk. (102) Rach kaum 13 Monaten war die erste Auflage des Rosen- bergschen Lehrbuches vergriffen. Dieser Erfolg ist doppelt erfreulich, wenn man bedenkt, wie selten er seinesgleichen findet. Es erklärt sich daraus, daß das Lehrbuch das gebracht hat, wonach ein langempfundenes Bedürfnis bestand: eine Dar­stellung des Zivilprozesses, die systematisch in lehrhafter Form das umfangreiche Material bis in seine Einzelheiten hinein unter Auseinander­setzung mit der Literatur und weitestgehender Berücksichtigung der Praxis übersichtlich verarbei­tet. So hat das Werk in allen Juristenkreisen Aufnahme und Derbreitung gefunden: Der Stu­dent benützt es zur Aneignung des Stoffes und Bearbeitung der Uebungsfülle, der Prak­tiker sieht die Fragen, die an ihn herantreten, in herangezogenen Entscheidungen beantwortet und zugleich in den gehörigen Zusammenhang gestellt, dem Dozenten sind neue Gesichtspunkte gegeben und mancher, der Prozeß nurnebenher" zu lesen hat, wird das System dankbar als Grundlage für seine Vorlesungen benutzen. Die zweite Auflage hat gegenüber der ersten einige Verbesserungen erfahren. Daher gehört nament­lich auch die im Interesse der vielbesprochenen Rechtsangleichung geschehene Einarbeitung des österreichischen Prozeßrechts. Im übrigen ist das Buch hinsichtlich inzwischen erschienener Literatur

Bücher zur- Kunst.

Musik des Orients. Don Dr. Robert Lachmann, Bibliothekar' an der Preußischen Staatsbibliothek, Musikab^eilung, Berlin. Mit 12 Bildern und 14 Rotenbckllpielen. In Halbleinen gebunden 3,50 Mk. De/lag Ferdinand Hirt in Breslau. (113) Der /außereuropäische Einfluß, der sich in neuerer Zeit/im abendländischen Musik­schaffen geltend macht, hat die Aufmerksamkeit in erhöhtem Maße -mf die exotische Musik ge­lenkt, nicht allein aujf gewisse Aeuherlichkeiten des Stils, sondern auch auf die Grundfragen ihrer Melodik und Rhy/hmik. Das vorliegende Buch geht auf alle diese »Fragen ein. Reben literarischen Zeugnissen neratlfeüet es vor allem die musika­lischen Leistungen 'selbst, und zwar in ihrer wah­ren Gestalt, die u/-s erst durch den Phonographen greifbar gewordst» ist. Auf dieser Grundlage wird die Musik OfpkLtenS, Hinterindiens und Indo­nesiens, Jndi/ns und des arabisch-islamischen Kulturkreises sowohl auf ihre Sondermerkmale wie auch zu/n erstenmal vergleichend untersucht.

Deetlhoven. Von Professor Dr. Frhr. v. d. Pford^en. Im Sammlung Wissenschaft und Bildung. S. durchgesehene Auslage. Gebunden 1,80 Mk. QZerlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (106) Mas die vorliegende Schrift vor manchen anderen yeraushebt, ist die durchaus selbständige, unschema/ifche Art, mit der Pfordten es versteht, uns ein, Bild des Titanen zu zeichnen. Er will uns m^t sagenso ist Beethoven", sondern Jo sehe ich ihn", der Verfasser will also niemanden! sagen, .'was er von Beethoven zu halten habe, sondern ihn nur zu eigenem Denken über die behandelten Fragen anregen. Dieser Gesichts- punk/. ist in dem ganzen Buch durchgeführt, über­all -zeigt Verfasser nur die großen Linien auf, die. zum Verständnis 'Beethovens führen können, ohue sich in Einzelheiten zu verlieren. Reben einer vollendeten Charakteristik des Menschen Beetho­ven geht eine feinsinnige Würdigung der So­naten und Kammermusik, der Oper Fidelio u. a. /inher. Besonders eingehend ist die eben wieder in Gießen aufgeführte missa solemnis besprochen, L gerade dieser Abschnitt ist ein Meisterstück fach- I kundiger Einführung in die Schönheit eine« Kunst­

werkes.

Im Alrobi-Musikverlag in Berlin ist unter dem Titel100 0 Takte Tanz" ein gut au8- gestattetes Sammelwerk erschienen, in dem 24 populäre neue Tanz- und Gesangsschlager ent­halten sind: darunter befinden sich neben den jüngsten amerikanischen Produkten Kompositionen von Kollo. Gilbert und Relson. Der Preis beträgt fest kartoniert 4 Mk.

Schriften zur Philosophie und Pädagogik.

K I. Grau, Grundriß der Logik, Aus Ratur und Geisteswelt, Rr. 1008, 3. Aufl-, 1929, 3 Mk. Der vorliegende Grundriß leistet gerade das, was der Laie, für den er bestimmt ist, fordert: er orientiert. Er behandelt nicht die Probleme vom einseitigen Standpunkt auS, son­dern zeigt, worin die Ausgabe der Logik besteht, welcher Art ihre Probleme sind, wie diese von verschiedenen Seiten angepackt werden und zu welchen Resultaten man im Verlauf der Ge­schichte gelangt ist. Er bietet eine treffliche Ein­führung. Ich möchte wünschen, daß sich jeder, der wissenschaftlich arbeitet, vor allem auch der Stu­dent, hier Belehrung holt.

Richard Wilhelm, Chinesische Philosophie, Jedermanns Bücherei, 128 S., 15 Abbildungen, Breslau (Ferdinand Hirt), 1929. 3.50 Mk. Unser zur ßeit wohl am meisten bekannter und geschätzter Sinologe gibt hier eine auf Grund der Originalquellen gearbeitete Dar­stellung der chinesischen Philosophie, die um so mehr willkommen geheißen werden darf, als an gleichartigen Werken starker Mangel herrscht. Der weite Blick des Verfassers, die unbedingte Beherrschung des Stoffes, die elegante Schreib­weise machen die Lektüre zu einem Genuß. Bei dem Interesse, das uns die geheimnisvolle chine- fische Seele und Kultur abnötigt, dürfen wir hoffen, daß das Büchlein viels Freunde findet.

Verschiedenes.

Frauen von heute. Don Luise Scheffen- Döring. 265 Seiten. Geheftet 5,40 Mk. In Leinen» band 6,80 Ml. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig (110) Das übersteigerte Tempo un­serer Tage läßt uns kaum zum Bewußtsein kom­men. was alles dem Stürmen und Drängen dieser Zeit zum Opfer gefallen ist. Eins aber ist deut­sch spürbar, daß mit so mancher überalterten Einrichtung auch die Schranken endgültig nieder­gelegt sind, die die Frauen seit Jahrhunderten einengten. Ihnen fiel eine Freiheit zu, wie sie das freiheitdurstende Revolutionsjahrhundert kaum zu ahnen wagte, und wie sie selbst unsere Eltern nicht für möglich gehalten hätten. Kein Wunder, daß viele diese plötzlich eroberte Freiheit zunächst nicht richtig auszuwerten wußten. Mit den alten Bindungen verloren sie den sittlichen Hall, und das Fehlen jedes wahren Sexualethos lieh uns Tragödien und Frauenschicksale erleben, die uns an einer Aufwärtsbewegung ernstlich zweifeln ließen. Es scheint, als ob sexuelle Un- gebundenheit das Ideal der Frau von heute bildet. Daß dies alles aber nur ilebergangs- erscheinungen sind, und dah die Frau von heute bereits gewillt und in der Lage ist, mit ihren neuen Rechten auch neue Pflichten in Kauf zu nehmen und diese mit dem nur ihr eigenen Ver­antwortungsbewußtsein zu tragen, das zeigt uns Frau Scheffen-Döring in diesem Buche, das als ein ehrliches Bekenntnis an das sittlich Gute in der Frau von heute begrüßt werden muß. Ein solches Werk war nach all den pessimistischen oder sogar niederschmetternden Urteilen über unsere heutigen Frauen notwendig. Dennoch ist es nicht als eine Entgegnung auf die vielfachen Angriffe zu werten, vielmehr verrät jeder Abschnitt, daß eine tief innerliche Ueberzeuaung und ein fest gegründeter Glaube an die Hohe Berufung der Frauen von heute der Verfasserin die Feder gc führt hat. So stellt sie denn auch nicht die Morel oder die geschlechtliche Sittlichkeit in den Mittel punkt ihres Werkes, sondern die Volksverant- wortung, das Derantwortungsbewuhrsein der Ge­meinschaft. .

ganz Deutschland erwartet hätte, wenn es damals nicht gelungen wäre, den Bolschewismus auf der Erde Rheinland-Westfalens in feinem Keim zu er­sticken.

Maurice Pal 6 ologue: Vertrau­liche Gespräche mit der Kaiserin Eu° gönie. Mit 15 Lichtdrucktafeln. Verlag Paul Aretz in Dresden. (760) Es gibt besonders nach dem großen historischen Ereignis des Weltkrieges viele Diplomaten, die Bücher schreiben, aber wenige, die über einen so brillanten, auch in der llebersetzung noch faszinierenden Stil schreiben, wie Palöologue, I der ehemalige französische Botschafter am Zarenhof, als Direktor am Quai d'Orsay einst vertrauter Mit- I arbeitet Delcassss. Durch die Prinzessin Mathilde Bonaparte wird er mit der damals um die Jahr- | Hundertwende schon an der Schwelle des Greisem alters stehenden Kaiserin Eugenie bekannt und iAt seitdem ständiger Gast der Kaiserin bei den häich-, gen aber immer nur kurzen Besuchen, die die Enh thronte von ihrem englischen Asyl aus ober gm» gentlich einer ihrer vielen Reisen dem ihr utyj<r- geßlichen Paris abstattet. Mit größter Delik^ckesse wird sie von den Machthabern Des demokrat/ischen Frankreich behandelt, und dies allseits äußerst takt­voll gepflegte Verhältnis zwischen der entti)tr)nten Monarchin und den Staatsmännern der dritten Republik, wie wir es aus diesem Buche kennen lernen, könnte lehrreich und vorbildlich f/tn. Die Kaiserin unterläßt nicht, ihre große poli^che Er­fahrung und politisch wertvolle Eindrücke 'von ihren Reisen,' auch jetzt noch ihrem Vaterland«-, nun also der französischen Republik nutzbar zu n/.achen, und die leitenden Staatsmänner eben dies ar Republik, Staatsoberhaupt und Minister bezeugen der klugen, patriotischen Frau gern und willig ihre Dankbarkeit für manch guten Rat und rechtzeitige/, Fingerzeig. In die glänzende Epoche unserer 23äti»r und Groß­väter, die Zeit der Einigungskriege, s/chren uns zu­meist diese Gespräche mit einer der,' hervorragend­sten und politisch tätigsten FrcmNi des vorigen Jahrhunderts, Magenta und Solsjrino, aber auch der Unglückstag von Oueretaro, Königgrätz und Ledan tauchen aus der CrinncXung der greifen Kaiserin auf, die namentlich zu bf.r Katastrophe des 70er Krieges viel Interessantes yeizutragen vermag. Aber darüber hinaus wenden sich die Gespräche ost der Tagespolitik zu, die dis Kaiserin mit größ­ter Aufmerksamkeit versolgt. fjier treffen sich der Diplomat der Republik und die entthronte Mon­archin in ihrer patriotischen Sorge um Frankreich und der sorgsamen Pflege der Allianzen, wozu die Kaiserin dank ihrer ausgezeichneten Beziehungen zum britischen Königshause nicht Geringes beiträgt. So geben diese Gespräche auch neuen aufschlußreichen Einblick in die unmittelbare Vorgeschichte des Welt­kriegs und gewinnen dadurch für uns fast aktuelles Interesse. Die vielen, me/st unbekannten zeitgenössi­schen Bilder, mit denen der Verlag auch dieses Buch geschmückt hat, sind eine wertvolle Ergänzung der Aufzeichnungen.

Romane.

LucDurtain:ImvierzigstenStock. Drei Novellen. Uebertragen von Efraim F r i sch. Sm Insel-Verlag, Leipzig 1928. 713. In den ausgezeichneten Novellen des jungen Franzosen ver­ficht ein Europäer die amerikanische Seele zu ge- ililtcn. Der Europäer von alter Kultur setzt sich mit ö'?r äußerlich blendenden und fortreißenden Zivili- ! iction auseinander, d. h. er durchschaut sie und sieht ! hinter der Maske des moneymachenden, erfolg« jäheren, immer lächelnden Amerikaners jenes Typs, den mir aus F.lmen kennen den unsicheren, i iinahe schüchternen Menschen. Denn so ist er, wenn Um der Halt der Masse fehlt. Diesen Eindruck ver- n iltclt am stärksten die erste und beste Novelle des buches. Sie gibt die Geschichte eines jungen Ameri- I« ners, Typs und Dutzendmenschen, den das erste £iebeserleben aus der Bahn wirft; Durtain benutzt Das, um mit den verlogenen Sexualbegrifsen Ame- I ritas abzurechnen, die, nach außen ehrbar bis zur Prüderie, im Geheimen den freien Verkehr der Ge- fcfjlerfjter dulden und sogar begünstigen, solange der schein gewahrt bleibt. Wehe aber, wenn einer um ein «chrittchen von dieser Norm abweicht und den "Instand" verletzt. Ohne Erbarmen bleibt er für sein

I Heben geächtet, ohne Möglichkeit, ein neues Leben I u ufbauen zu können. Die zweite und dritte No­velle des Bandes sind thematisch verwandt insofern, a ls sie beide eine Flucht in die Romantik darstellen,

I ine Romantik, die aber, echt amerikanisch, nicht als I 'üldje erkannt und gewertet, sondern sofort als Ge- idjäft und sachliche Erwägung aufgemacht und vor sich selbst gerechtfertigt wird. Das Buch Durtains i»i ausgezeichnet: eine Fülle von Motiven spiegelt des amerikanische Leben, Einsichten werden gewon- iten, die den meisten der Amerikabegeisterten ab-

I Händen gekommen sind. Dazu gesellt sich der glän- l«nöe Stil Durtains, der spannend und gestaltend, nie seine ironische Leichtigkeit verliert, die aus der Ucberlegcnbeit des Kulturbewußten geboren ist. | Die Uebcitragung von Efraim Frisch ist gut; man hört die fremde Sprache nicht mehr mit.

- Paul Keller: 11 lrichshof, Roman. Cln Ganzleinenband 6 Mk. Bergstadtverlag Wilh. Tockl. Korn, Breslau. (99) Paul Keller zeichnet in diesem Roman die Entwicklung eines jungen Mannes, der durch die Schuld seines leichtlebigen Daterd die Mutter verloren hat und nun öi'efem 1 Haler, dem er zudem, wie er sich einbildet, ; eine schwere heimliche Krankheit zu verdanken I bat, mit all der Hemmungslosigkeit haßt, deren nur die Jugend fähig ist. Auf notvollen Wegen ' kämpft der Jüngling sich schließlich zum Frieden feines Herzens und zur glücklichen Vereinigung i mit dem von ihm geliebten Mädchen durch. Ein köstliches Buch, voll von dem milden Glanz eines i gütigen Herzens.

Aus fremden Literaturen.

Tristan Bernard: Die Fahrt ins Ungewisse. Roman. Deutsch von Margarete Zimmermann. 162 Seiten 8°. Brosch. 3, Ganz leinen 4,50 Mark. G. Spcidelsche Verlagsbuchhand­lung, Wien und Leipzig, 1929.119 Dies ist die jüngste Slrbeit des bekannten Franzosen: llnterhal- tungsroman mit kriminellem Einschlag. Nicht schlecht lxcschrieben, aber auch auf keiner «eite den an- ftmbigen Durchschnitt überragend. Eine mäßige llebersetzung, in hölzernem Deutsch. In einem Augen- bOicf, man in Deutschland sogar öffentlich und I non Reichswegen um Wohl und Wehe des guten Buches sich zu' bemühen anfängt, gibt es nach der tiettüre nur eine Frage: war die llebersetzung des Womans notwendig oder auch nur durch besondere literarische Qualität zu rechtfertigen? Diese, unserer Meinung nach entscheidende Frage muß leiben- jchaftlos verneint werden.

Olav Duun: Die Iuwikinger. Odin, fjeräusgegeben von I. Sanbmeier. 584 Seiten

Geh. 7,50, geb. 10 Mark. Rücken & Loening Verlag, Frankfurt a. M., 1929. 104. Mit die­sem Buche, das sich an den ersten BandPer Anders nab fein Geschlecht" anschließt, findet die Geschichte teer Iuwikinger Fortsetzung und Abschluß. Im Mit- l.dpunft steht Odin, Sproß der Iuwikinger, beladen mit dem Seelenerbe eines alten Geschlechts, aber teennod) ein neuer, mutiger Mensch. Eine Kämpser- umb Führernatur und dem Fortschritt zugetan, wirkt m mit ber ganzen Kraft seines Wesens auf die Menschen rings um sich ein. Aber seine letzte und größte Tat, sein vollkommener Sieg über sich selbst, ; j ft die Hingabe des eigenen Lebens, um das Leben j änes ärgsten Feindes und Widersachers zu retten. Was dem Dichter Zweck und Ziel dieses Werkes i wr, läßt er Odin selbst aussprechen.Ich will bie Menschen so zeigen, wie sie durch die alten Zeiten itnb durch die Dunkelheit bis hierher gekommen find... Und zum Schluß sollt ihr den Kampf ! ,hen, den großen Kampf, in dem alle gegen einen -inb einer gegen alle ist. Ihn, der alles verliert und ^otzbem gewinnt. Unb vieles andere."

Natur unb Technik.

LehrbuchderallgemeinenPflan- lenaeographie nach enlwicklungsgeschicht- Lchen und physioivgisch-ölologischen Z^stchkspunk- 1m. Bearbeitet'von Ptw e'sor Dr. Paul Graeb» mcr. Mit 24 Tafeln und 130 Textabbildungen. In Leinenband 14.80 Mk. Verlag bon_Quelle 5 Meyer in Leipzig. (31.) - Dw Entwicklung unb Verbreitung der Pflanzenwe.t zeigt so mter- Eifante Erscheinungen, daß sich das Interesse ^er Raturfreunde von jeher gern den Erg^mssen L'er Pslanzengeographic zugewandt hat. Für |te unb die jungen Studenten der Botanik ist dre Allgemeine Pflanzengeographie in erster Linie Eeftimmt. Das Werk ist für ihre Zwecke schon dadurch ganz besonders geeignet, daß es eine Zarstellung der Entwicklung der Pflanzenwelt, cer Florenreiche der Erd2 unb der sie letzt noch umgestaltend wirkenden Kräfte in sich vereinigt. Lo wird hier zum erstenmal eine Gesamtuoer- sicht über die Ergebnisse der Pflanzengevgraphie geboten, die sonst nur in den weit verstreuten Fachschriften zu finden sind. r _

D i e Pflege der Stubcnvogel. Von Professor Fritz Braun. In Sammlung Vatur- ilssenscha't'iche Diblwthek für Jugend und Volk, »erausgcgeben von Konrad Höller unb Georg Lilmcr mit 11 Abbildungen im Text und Mer i ürbiaen Tafeln. In Leinenband 3Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig (28). Allen Vogellihbhobern wird mit djesem hübsch aus-