schen StaHilisierungSanleihe, und zwar 22 MM. Dollar (561 638 000 Frank, von 100000 000 Doll, in Frankreich begeben. Abgesehen von der inneren Staatsschuld ist der größte Teil des französischen flüssigen Kapitals kurzfristig angelegt u. a. in Maklerdarlehen an der Reuyorker Börse. Schätzungen beziffern den kurzfristig angelegten Betrag auf 100 Md. Frank (4 Md. Dollar). Dabei strömt Frankreich dauernd neues Geld durch die Reparationszahlungen zu. Seit dem Inkrafttreten des Dawes-Plans hat Frankreich rund 90 Md. Frank erhalten, der jetzige Monatsdurchschnitt beträgt 550 Millionen Frank. Stellt man dem selbst die von französischer amtlicher Seite angegebenen Ziffern von 180 Md. Frank als Kriegskosten und 80 Md. Frank als Wiederaufbaukosten gegenüber, so sieht man, welch ungeheurer Äeoerschuß aus den Reparationszahlungen bleiben muh.
3m ganzen zeigt Frankreich das Bild des prosperierendsten Staates Europas, sein Geld beherrscht den europäischen Geldmarkt, sein Ka- vital ist führend in den Industrien der Staaten der lleinen Entente und des Balkans, und ständig fließen ihm, wie gesagt, noch neue Summen zu.
England.
England konnte nach dem Krieg keinen solchen Aufschwung nehmen wie Frankreich. Zwar ist die Einfuhr erheblich gestiegen, doch gerade in den Waren, in denen England früher führend war, ist die Ausfuhr erheblich gesunken. Doch hat es England verstanden, durch den Aufbau neuer Industrien diesen Ausfall wettzumachen, denn die Auhenhandelszisfern zeigen gegenüber 1913 eine starke Erhöhung (Ausfuhr um 34 Proz., Einfuhr um 56 Proz.). Dadurch stehen England noch immer ungeheure Kapitalien zur Verfügung. Die gesamten Investitionen im Ausland und den Kolonien im Iahre 1928 werden auf 170 Millionen Pfd. St. gegen 153 Millionen Pfd. St. im Iahre 1927 und 197 Millionen Pfd. St. im Iahre 1913 geschäht, und dies bei einem Einfuhrüber- schuh von 360 Millionen Pfd. St. So ist England noch immer trotz seiner hohen Arbeitslosenzahl ein Kapitalexportland größten Maßes und die stark gestiegenen Cinfuhrziffern lassen die Vermutung aufkommen, daß das Lebenshaltungsniveau in England sich nicht unwesentlich gegenüber der Vorkriegszeit gehoben hat.
Aus der provinzialhauptstadl.
Gießen, den 23. März 1929.
Oer Schritt ins Leben.
In diesen Frühlingstagen, wenn die Knospen schwellen und überall neues Leben hervorquillt, verlassen Lausende von Kindern die Schule und bas Elternhaus, um zum erstenmal allein einen Schritt in das Leben zu tun. Sie haben sich alle auf diesen Tag gefreut, denn er öffnet ihnen ja das goldene Tor des Lebens. Ihre Träume und Wünsche sollen nun in Erfüllung gehen. Sie sind erwachsen.
Beseelt von berauschendem Freiheitsgefühl treten sie die Wanderung in das Leben an, hoff- rrungsvoll, nur Sonne sehend, ihr Auge zukunftsfroh nach einem neuen Ziel gerichtet. Ein Rückwärtsblicken gibt es für sie nicht. Das ist natürlich. Sie schauen nur in die Zukunft, von der sie ja alles erwarten. Deshalb nehmen sie den Tag auch so leicht. Erst viel später kommt die Erinnerung, wenn sie Kameraden treffen, wenn ihnen in irgendeiner Lebenslage ein Wort ihres Lehrers einfällt. Ie älter die Menschen werden, desto schöner erscheint ihnen ihre Schulzeit. Sorgenlos verbrachten sie ihr Leben, unangenehme Geschehnisse verschwinden aus dem Gedächtnis, und nur die glücklichen Augenblicke treten wie glänzende Sterne hervor.
Richt so leicht ist der Tag für die Eltern. Schweren Herzens schicken sie ihre Kinder hinaus ins Leben, in die Fabrik, in die Werkstatt, in den Laden, oder in ein Geschäft, und viele Wünsche und Hoffnungen umschweben die jungen Menschenkinder auf ihrem neuen Wege. Vater und Mutter fühlen, daß auch sie nun ein gut Teil älter geworden sind, ihre Blicke gehen rückwärts. Sie sehen ihre Kinder als hilflose, Heine Wesen im ersten Bettchen liegen, sehen, wie sie
Dankbare Herzen.
Don Alexander von Gleichen-Rußtvurm.
Einer der häufigsten Vorwürfe, die wir der Mensch- heit im allgemeinen machen, und einzelnen Menschen im besonderen, ist der Vorwurf der Undank, barkeit. Mit glühenden Worten haben große Dichter geschildert, wie Undankbarkeit in das Herz des Menschenfreundes frißt und ihn zum Menschenfeind macht. Eine liebenswürdige Dichterin unserer Tage hat mit wehmütiger Ironie ein Märchen erzählt, in dem es sich begibt, daß die Tugenden ein großes Fest feiern und daß sich bei dieser Gelegenheit Wohltat und Dankbarkeit zum erstenmal in ihrem Leben begegnen. Staunend betrachten sich die einander vorgestellten Damen.
Trotzdem möchte ich heute dankbar der menschlichen Dankbarkeit gedenken, der weit- und tief verbreiteten Fähigkeit, Dank zu empfinden und aus- zudrücken. Ich glaube, daß der Vorwurf der Undankbarkeit oft vorschnell erhoben wird. Wenn sich jeder von uns angewöhnte, gute Erfahrungen nach dieser Richtung in seinem Kontobuch für psychischen Fortschritt zu notieren, würden gute Erfahrungen die schlimmen aufheben, viellcicbt sogar überwiegen.
Wer sich einmal klar wird, daß der Begriff der Dankbarkeit vielfach ganz falsch verstanden und angewendet ist, vergegenwärtigt sich leicht, daß überhaupt die besten Dinge nur symbolisch zu kaufen und zu lohnen sind und daß Erkenntlichkeit niemals durch Geld richtig ausgedrückt werden kann. Sehr oft empfangen wir selbst Wohltaten, indem wir meinen, Wohltäter zu sein, und nicht umsonst legt buddhistische Weisheit Wert darauf, daß der Almosenspcnder dem Empfänger zu danken habe. Auch die katholische Kirche gebietet mit tiefem Verständnis der menschlichen Seele, für die Gelegenheit zu danken, ein gutes Werk zu tun.
Wenn nach unserer Meinung Liebenswürdigkeit, Güte oder Wohltat nicht genügend Anerkennung finden oder gar übel belohnt werden, soll man nicht allzu schnell erbittert sein, sondern untersuchen, in wieweit man sich wirklich um die Undankbaren verdient gemacht hat. Ein aufrichtiges Urteil ergibt in vielen Fällen, daß wir uns selbst um den Lohn brachten und mit Unrecht auf Dank pochen. Wie oft spielte eigne Selbstgefälligkeit mit Protzerei, Her- ablassung, Eilfertigkeit, Ungeduld, Rechthaberei! Auch die geringste Plumpheit oder Zudringlichkeit vprwirkt, was wir vielleicht mühsam wirken woll
strampeln und sich ihre- Dasein- freuen, hören, wie sie die ersten Laute stammeln, denken daran, tote sie versuchen, sich auf ihre eigenen Füßchen zu stellen ... der erste Schultag, von den Kindern mit Spannung erwartet, denn er sollte ja beweisen, daß sie nun „groß" sind, steht vor ihren Augen. ...
Run sind die Iahre dahingegangen. AuS den Kindern wurden junge Mädchen und Burschen, die an der Schwelle stehen und sehnsüchtigen Auges in das neue Leben schauen.
Sie wollen sich nun ihr eigenes Leben zimmern, wollen die ersten Grundsteine legen für eine glückliche Zukunft. Wohl ihnen, wenn sie auf den Rat ihrer Eltern hören, wenn sie nicht leichtfertig und leichtsinnig ihre eigenen Wege gehen und die „Alten" verachten. Ein gut Tell von „der Rot der Iugend", von der man so gerne spricht, könnte unS fremd sein, wenn unsere Heranwachsende Iugend ihren Eltern vertraute und bei wichtigen Entscheidungen ihren Rat einholte.
Auch die Eltern müssen den Kindern vertrauen und nicht immer nörgeln und etwas aussetzen. Es ist heute manches anders als früher. Rur eins sollen sie immer wieder tun: Den jungen Menschen ein Ziel zeigen. Wenn sie müde werden, oder gar ihren erwählten Beruf wechseln wollen, dann sollen die Eltern helfen und stützen, neue Hoffnung geben, damit das junge Geschlecht zielbewuht seine Arbeit tut. Es wird bald erkennen, daß auf dem Lebensweg nicht immer die Sonne scheint, daß gar oft Wolken den Himmel verdecken und starke Stürme brausen. Da heißt es, aushalten! Seien es nun Arbeiter, Kaufleute, Landwirte, Angestellte oder Beamte. Eins müssen alle lernen: Arbeiten. Vergnügen und Feiertage sind erst dann für uns Menschen eine Erholung, wenn wir unsere Arbeit geleistet haben. Änd nirgends hat Goethe mehr recht als in jenem Vers des Schatzgräbers, wo es heißt:
Tages Arbeit — abends Gäste, Saure Wochen — frohe Feste. Sei dein künftig Zauberwort! B.
Daten für Sonntag, 24. März.
Sonnenaufgang 5.55 Uhr, Sonnenuntergang 18.19 Uhr. — Mondaufgang 17.17 Uhr, Monduntergang 6.05 Uhr.
1830: der Dichter Robert Hamerling zu Kirchberg am Wald geboren (gestorben 1889); — 1844: der dänische Bildhauer Albert Thorwaldsen in Kopenhagen gestorben; — 1882: der amerikanische Dichter Henry Wadsworth in Longfellow in Cambridge geworben (aeboren 1807); —1905: der französische Schriftsteller Jules Berne in Amiens gestorben.
Daten für Montag, 25. Marz.
Sonnenaufgang 5.53 Uhr, Sonnenuntergang 18.21 Uhr. — Mondaufgang 18.33 Uhr, Monduntergang 6.18 Uhr.
1860: der Politiker F. Naumann in Störzthal geboren (gestorben 1919).
Gießener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 180 bis 190; Kochbutter von 140 an; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 40 bis 45; Weißkraut 30; Rotkraut 35 bis 40; gelbe Rüben 25 bis 30; rote Rüben 25 bis 30; Spinat 90; Unter-Kohlrabi 10 bis 15; Rosenkohl 80 bis 90; Feldsalat 250 bis 300; Endivien 150; Tomaten 80 bis 100; Zwiebeln 25 bis 30; Meerrettich 50 bis 150; Schwarzwurzeln 90; Kartoffeln 61/2; ausländische Aepsel 60 bis 90; inländische Aepsel 30 bis 40; Dörrobst 35 bis 40; Honig 40 bis 50; junge Hähne 100 bis 110 Suppenhühner 100 bis 120; Tauben 80 bis 85; Rüsse 70 bis 80; das Stück: Eier 13 bis 15; Blumenkohl 80 bis 160; Salat 40 bis 45; Salatgurken 140 bis 150; Lauch 25 bis 50; Rettich 20 bis 30; Sellerie 20 bis 100; das Bund. Radieschen 40 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 6 Mark.
"Die K'r aftomnibuslinie Gieße n— Flugplatz wird von morgen. Sonntag, ab von der Kraftverkehrsgesellschaft „Hessen" m. b. H. betrieben.
•* D^r s Gewerbeaufsichtsamt Gießen befindet sich vom 1. April ab in dem. vor einiger Zeit vom Hessischen Staate für dieses Amt erworbenen Haufe Goethestrahe 63, Ecke Henselstrahe.
ten. Verstehen wir nicht, unsere Schützlinge mit aus» I gesuchter Herzenshöflichkeit zu behandeln, so sind wir I in Gefahr, sie eher zu verletzen und zu beleidigen | als zu erfreuen. Statt Dankbarkeit zu empfinden, wird etwas wie Groll in ihnen auffteigen, ein Brennen darauf, den ungeschickten „Wohltäter" bei nächster Gelegenheit zu treffen.
Eine der größten Gefahren gerade für warmherzige Menschen, die sich eifrig dem Wohl anderer widmen, ist noch nicht genügend ergründet. Sie nimmt ihren Ursprung in einer der erfreulichsten Eigenschaften, die darin besteht, solchen, denen wir Gutes erwiesen oder zu erweisen glaubten, eine fast zärtliche Anhänglichkeit zu bewahren. Je wärmer das Gemüt, desto fester wird diese Anhänglichkeit fein. Sie kann bei exaltierten Naturen zur Liebe werden und neigt wie diese zur Eifersucht. Eine kleine Untreue, Vergeßlichkeit oder Verständnislosigkeit macht dann leicht den Eindruck von Undank, kränkt und' verwundet.
Es wäre gut, wenn sich edle Menschen dieser Herzensgefahr bewußt würden und anstatt selbstquälerisch darüber zu grübeln, ein herzliches Verzeihen wallen ließen. Eifersucht Schutzbefohlenen ober Armen gegenüber kann qualvoll werden wie jede andere Eifersucht, die so manches Dasein vergiftet. Liebe gibt kein unbedingtes Recht auf Gegenliebe in keinem Verhältnis des menschlichen Lebens, und das einzige, was wir tun können, um sie zu erringen, ist, unsere Liebe möglichst zartfühlend, un- ermüdlich und aufmerksam zu beweisen.
Wie es schöne und häßliche Menschen gibt, schöne, deren Anblick gleichsam zu Dank auffordert, und häßliche, an die man sich nur mühsam gewöhnt, so gibt es Wesen, die so sympathisch sind, daß ihre geringste Freundlichkeit erfreut und zu Dank auffordert, indes andere, möglicherweise sehr tüchtige, trotz großer Opferfreudigkeit keine frohe Erkenntlichkeit Hervorrufen. Die Ursachen sind meist so tief verwurzelt, daß sich der Unsympathische schwerlich durchgreifend ändern kann. Er muß and) mit geringen Beweisen der Dankbarkeit vorliebnehmen unö feinen Lohn vor allem in der eigenen Brust suchen.
Pflicht ist es, gerabe ben weniger sympathischen Menschen gegenüber nicht mit Anerkennung zu geizen, benn in der Sonne empfundenen Wohlwollens kann sich mancher Verkümmerte noch überraschend entwickeln.
Kindlich ist es, wenn wir vom Unpersönlichen Dank erwarten ober Unbank verabscheuen, nämlich von verbänden, Vereinen, Behörden und anderen
* Städtische Holzdersteigerung. Bet der gestrigen Drennholzverfteigerung auS den Waldungen der Stadt Gießen (Hangelstein). Bezirk des Försters Lotz, wurden im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Duchenscheiter 18,60 Mö, Eichenscheiter 11 Wk., Duchenknüppel 14 Mk.. Eichenknüppel 10 OHL, Eichenknüppel 9 Mk.. Fichtenknüppel 9 Mk.. Duchenstöcke 11 Mk. je Raummeter; Duchenreisig 36 Mk. je 100 Wellen.
•• D.H. E., Dreßen. Infolge eines Versehens sind nachstehende Herren bei der Erwähnung der Ausgezeichneten anläßlich des Stis- tungSfefteS in dem mitgeteilten Bericht nicht angeführt worden: mit der Radel 25 Hch. Metzer und W. Wadenpfuhl; mit der Radel 100 K. Währum.
Französische Fliegerlandung in Oberheffen.
WSN. Büdingen, 22.Mörz. Bei Nieder- Mockstadt beobachteten am Donnerstagnachmittag Bauern, die auf dem Felde arbeiteten, einen Doppeldecker, ber längere Zeit über der Gegend kreiste. Der Führer des Flugzeuges batte bei dem dunstigen und unsichtigen Wetter anscheinend die Orientierung verloren. Um 2.30 Uhr landete das Flugzeug auf freiem Felde. Es handelte sich um ein französisches M i - (i t ä r f l u g 3 e u g. Die Besatzung bestand aus einem französischen Sergeanten als Piloten und einem Soldaten als Beobachter. Der Sergeant begab sich sofort zum Bürgermeister von Nieder- Mockstadt und bat um Schutz für sich und sein Flugzeug. Der Bürgermeister traf die erforderlichen Maßnahmen. Er benachrichtigte die Kreisdirektion in Büdingen, das Polizeikommando in Butzbach, ebenso auf Bitte des Piloten die Polizeidirektion in Mainz, die die Flugkommandantur Wackernheim in Kenntnis fetzte. Die Hessische Regierung setzte sich sofort mit der französischen Besatzungsbehörde in Verbindung.
Wie wir von unterrichtoter Seite noch hören, mußten die Flieger wegen Wassermangels notlanden. Sie flogen nach Erledigung aller Formalitäten in Gegenwart der zuständigen Behörden am Freitagnachmittag wieder ab nach Mainz.
Schwere Erkrankung .
-es Bischofs von Limburg.
WSN. Limburg, 22. März. Der Bischof von Limburg, Dr. Augustinus Kilian, ist in der vorletzten Nacht an einem Herzleiden schwer erkrankt. Heute morgen stellte sich noch eine Lungenentzündung ein, so daß sein Zustand sehr ernst ist. Der Bischof steht im 71. Lebens- fahr und ist seit 15 Jahren Bischof der Diözese Limburg.
Spielplan der Frankfurter Theater.
Opernhaus.
Sonntag, 24. März, 19.30 bis nach 22 Uhr: Intermezzo. Montag, 25. März, 19.30 bis gegen 22.30 AÜjr: Die verkaufte Braut. Dienstag, 26. März, 20 bis 21.30 Uhr: Elektra. Mittwoch, 27. März, 19.30 bis nach 22 30 Uhr: Pulcinella. Hierauf: Der Iahrmarkt von Sorotschintzi. Donnerstag, 28. März, 19.30 bis nach 22 Uhr: Der Freischütz. Freitag, 29. März, 17.30 bis gegen 22.30 Ahr: Parsifal. Samstag. 30. März, 19.30 bis 22.45 Uhr: Die Fledermaus. Sonntag, 31. März, 19.30 bis nach 22 Uhr: Aida. Montag, 1. Aprll, 17.30 bis gegen 22.30 Uhr: Parsifal.
Schauspielhaus.
Sonntag, 24. März, 15 bis 17.30 Ähr: All- Heidelberg. 20 bis gegen 22.15 Uhr: Katharina Knie. Montag, 25. März, 20 bis nach 22 Uhr: Stein unter Steinen. Dienstag, 26. März, 20 bis 22.30 Uhr: Paulus unter den Iuden. Mittwoch, 27. März, 20 bis gegen 22.15 Uhr: Katharina Knie. Donnerstag, 28. März, 20 bis nach 22 Uhr: Karl und Anna. Freitag, 29. März, 20 bis 22.30 Ähr: Paulus unter den Iuden. Samstag, 30. März, 20 bis 22.30 Ähr: Die schwarze Kugel. Sonntag, 31. März, 20 bis gegen 22.15 Ähr: Katharina Knie. Montag, 1. April, 15 bis 17.30 Ähr: Der brave Soldat Dchwejk. 20 bis gegen 22.30 Ähr: Die schwarze Kugel.
„Stellen". Ein Unpersönliches ist leicht undankbar, weil die zarten Ansätze zur Erkenntlichkeit nur in wertvollen Menschen zur Reise gelangen. Masten- Vereinigungen können schwärmen, können Hosianna rufen und Palmen streuen. Streng genommen ist es aber nicht zu verwundern, wenn sie mit derselben Einmütigkeit bald darauf ,Kreuzige!" rufen. Nur einzelne bleiben einem Christus treu und beweisen unerschütterlich ihre Dankbarkeit. Wenn man die Massenpsychologie bedenkt, die Ansteckung der Furcht, so ist das schon viel, sehr viel zu nennen.
Es scheint mir auch kindlich, obgleich tief im menschlichen Herzen begründet, daß der Drang unausrottbar ist, gerne Dank und Anerkennung hinzu- nehmen, ja Dank und Anerkennung sehnlich zu erwarten von solchen, die vielleicht ihrem Wesen nach gar nicht berechtigt sind zum Erteilen von Auszeich- nuna und Lob und, wenn sie es tun, dies nur gleichgültig, schematisch besorgen.
Derartige Gepflogenheiten beweisen aber immerhin die Solidarität, den instinktiven Zusammenhang aller Menschen, und sind deshalb zu achten. Naive Freude an diesem äußerlichen Dank ist rührend und natürlich. Doch wenn er ausbleibt, sollte philosophische Betrachtungsweise leichter darüber hinweghelfen.
Denn wirkliche Dankbarkell ist nur von Herz zu Herz lebendig, von Persönlichkeit zu Persönlichkeit. Ja, sie verlangt geradezu Persönlichkeit, setzt eine solche voraus und beweist, daß Persönlichkeit höchster Wert sei. Der Dank z. B., der einem Schaffenden gespendet wird, ehrt in gleicher Weife die Dankenden, und der Gefeierte darf nicht nur Genugtuung empfinden, sondern muß fein Herz an dem Bewußtsein erquicken, daß er echten Persönlichkellen begegnet sei, und sich in idealem Sinn unendlich bereichert fühlen, während ein Verkehr mit armseligen Halbmenschen leicht verarmen läßt und her- ab^ieht.
Ein geläufiger Irrtum aber, den in bezug auf Dankbarkeit fast alle durchmachen, ist die Verwechslung von Güte und Schwäche. Durch eine Anekdote wurde mir dies deutlich, die von einer geistvollen Frau herrührt. Eines Tages erzählte sie, ihr Köchin habe sie in Hoffnung auf „Verbesserung" nach ihrer Meinung recht undankbar verlosten. Und als sie ihr darob Vorwürfe rttadjte mit der Bemerkung: „Sie sind undankbar. Ich war doch immer gut mit Ihnen", entfernte sich der dienstbare Geist mit dem verächtlichen Wort: „Gut? — schwach waren Siel"
Rundfunkprogramm.
Sonntag, 24. März.
8.30 bis 9.30 Ähr: Morgenfeier, veranstaltet von Prediger Wächter. — 11 bis 11.30: Stunde der 3ugcnbbetoegung: „Die sittliche Rot unserer Brüder", Vortrag von Wllli Wolfermann. — 11.30 bis 12: Elternstunde. — 12: Dortragsstunde Daisy TorrenS. — 13.10 bis 13.40: Vom Zoologischen Garten: Affen und Halbaffen. — 14.30 vis 15.30: Stunde der Iugend: Kindertheater „Die Spitzbubenkomödie", von Margarete Cordes. — 15.30 bis 17: Konzert des Rundfunkorchesters: Klassische Operetten. — 17 bis 18: Stunde des Landes. — 18 bis 18.45: Don Königswuster- hausen: Gedanken zur Zeit, Zwiegespräch zwischen H. Sollmann und Dr. Heuß über 2llkohol- mißbrauch. — 18.45 bis 19: Stunde pes Dhein- Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Mö- tile**, Vortrag mit Vorlesung aus feinen Dichtungen von Alfred Auerbach. — 19 bis 19.30: Sportnachrichten. — 20.30: Orchesterkonzert.
Montag, 25. März.
6.30 Ähr: Morgengymnastik. — 12.30: Schallplattenkonzert: Aus Opern. — 15.05 bis 15.35: Stunde der Lügend. — 15.55 bis 16.05: Hausfrauendienst. — 16.35 bis 18.05: Rach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters: Beethoven. — 18.10 bis 18.30: Lesestunde. — 18.30 bis 18.50: Dortrag: „Die Reichstagung für Arbeiterwohlfahrt". — 18.50 biS 19.10: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). — 19.10 bis 19.40: Kurt Tucholsskh, Vortrag aus eigenen Dichtungen. — 19.40 bis 1950: Englische Literaturproben. — 19.50 bis 20.15: Englischer Sprachunterricht. -r- 20.15: Von Stuttgart: „Das Mädchen von Davarra", lyrische Episode in zwei Akten von Iules Clare tie und Henri Catn, Deutsch von Max Kahlbeck, Musik von I. Masse- net — Anschließend: Rach Stuttgart: „Freies Amerika", drei Hörbilder aus der Geschichte der Losreißung Amerikas von England, Entstehung der amerikanischen und der Bundesverfassung, mit einer Einleitung und kurzen Erläuterung von Historicus. — Darauf: Schallplattenkonzert
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinden.
Sonntag, den 24. März. Palmarum.
Landes-Buß- und Bettag.
Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Mahr; 11: Kinder- kirche für die Matthäusgemeinde; Pfarrer Mahr; 6: Pfarrer Becker. — Iohanneskirche. 9.30: Pfarrer Bechtolsheimer; 11: Kinderkirche für die Lukas- aemeinde; Pfarrer Bechtolsheimer; 6: Pfarrer Aus- feld; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Johannes^meinde; 8: Bibelbefprecyung im Johan- nesfaal; Pfarrer Ausfeld. — Kapelle de. Alten Zriedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz; 10.45: Kinderkirche; Pfarrer Lenz. — Llifabeth-Kleinklnderlchule. 9.45: Pfarrer Becker. — Klein-Linden. 10: Hauptgottes- dienst; 11: Kindergottesdienst. — wieseck. 9.45; 11: Kinderkirche; Kollekte; 7.30: Lichtbilderandacht. -- Allen-Vuseck. 10; 6: Passionsgottesdienst. — Sirch- berg. 10: Kirchberg (Kollekte); 11: hl. Abendmahl für die jungen Männer und Frauen von Lollar: 1.30: Kirchberg (Kollekte). — Haufen-Garbenleich. 10: Garbenteich; 1: Haufen. — Watzenborn-Steinberg. 10: Kinderkirche; 1: Hauptgottesdienst (Kollekte). — Lich. 9.30: Sttstsdechant Kahn; 12.45: Kindergottes, dienst; 8: Stiftspfarrer llic. Schorlemmer.
Katholische Gemeinden.
Samstag, den 23. März.
Gießen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte.
Sonntag, den 24. März. Palmfonntag.
Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Pre- digt; 11: Messe mit Predigt; 5: Christenlehre und Andacht. — Grünberg. 9.30: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt und Palmweihe. — Llch. 7.30: Hochamt und Palmweihe. — Nidda. 8.30: Hochamt. — Echzell. 11: Hochamt.
Dienstag, den 26. März.
Gießen. Abends 8 Uhr: Fastenandacht.
Loumtaasvientt o.'Heute u. Apotheken am24.3.29 Dr. S. Klein. Dr. Ploch. Htrfchavolhete
Zabnarzt: Dr. Metz. ,eD
Diese Ueberzeugung hegen gewiß sehr viele Untergebene, Familienmitglieder und andere Leute, mit denen wir im täglichen Leben zusammenhängen. Diese Meinung haben auch viele Kinder, die von ihren Eltern undankbar gescholten werden. Wahrscheinlich oft mit Recht. Schwäche in allen Schattierungen als Nachgiebigkeit, Rachlässigkeit, als ewiges Ungefähr, wird nie mit Dank hingenommen, sondern reizt zur Verachtung und Ausbeutung. Es ist ganz falsch, jemals Dank dafür ernten zu wollen.
Wenn der Dank aber scheinbar kommt, dann ist er nicht echt und wirkt als gefährliche Schmeichelei. Findet im öffentlichen Leben ein charakterlos Ab- schwenkender auch anfangs Erfolg und Jubel, e» kommt unerbittlich der Tag, an Dem er die höhnische Antwort erfahrt: „Nicht gut — nur schwach!"
Ernste Dankbarkeit wird viel eher, obgleich es zunächst anders scheint, gerechte Strenge finden, ein milder, aber heilsamer Verweis. Charakterlose Nach- giebigteü Kindern ober Untergebenen gegenüber sowie in jedem Zweig des öffentlichen Lebens erzeugt fast selbstverständlich Undankbarkell. Allerdings darf man ebensowenig wie die pedantisch Strengen von einst durch grundsätzliche Unduldsamkeit, durch beständiges Kritisieren und Nörgeln die Umgebung bedrücken und von dieser auch noch ein „Vergelts gott" erwarten.
Kluge Tyrannen sind zwar immer beliebter als Schwachköpfe; doch diese Auslese der Besten, deren Dank wirklich erstrebenswert ist, widmet ihn am liebsten der selbstbeherrschten Persönlichkeit, die Anmut mit Würde zu verbinden weiß. Manche Men schen empfinden Dankbarkeit, aber eine gewiße Steifheit hindert sie daran, chre Gefühle richtig auszudrücken. Wie man die kleinen Kinder lehrt, freundlich „Danke" zu sagen, müßten sich die großen Kinder selbst dazu anhalten und nie außer Hebung kommen. Ist es nicht ohnedies möglich, jenen, die opfervoll unser Leben betreuen, entsprechend erkenntlich zu fein? Wie könnte je Geld ober Selbes- wert ben aufmerksamen Arzt wirklich belohnen, die Sorge ber nächsten Hausgenossen, ber hingehenden Dienerschaft, ber pflichttreuen Beamten voll vergüten? Wir bleiben immer Dank schuldig, doch müssen die, benen wir verpflichtet ftnb, wenigstens den guten Willen merken, nicht undankbar zu fein.
Wie man in den Wald hinejnruft, so tont es heraus, und selbst ein böser Zauberwald muß die Der- wunschenheit schließlich verlieren und freunbüdjes Echo wiedergeben, wenn einer das rechte Dorf hin- •inruft


