Ausgabe 
23.3.1929
 
Einzelbild herunterladen

Gießener Anzeiger

Nr.ro Zweites Blatt

^ilüngerTnüT

W 'Ssn5 2 rlpnhn« * *

tckolion IM

«Ul

nWü!OWVVlll!ll t Huioillche Romäöie $ DonÜernatbSbaro. rt btuilcb v. LtegttNd

rt

D

gemacht würoe, Derartige ^oeen augenurinKE hi» fn

fficltuna au bringen Die Franzosen sind Dinge m die Erinnerung zurucknifen, die so khr Huge3 und geschickte Diplomaten: sie haben leicht in Lergessenheit geraten. Haben wir denn ganz genau erkannt, welch äußerste Wichtigkeit l den Dawes-Plan W^Nich^ganz^f^e^w^N^a^

an»

e.

ziehmann.

P

iuf.

>L

ab dbl.

it-

IfH tfr 4

>97 411. A er"

ip f, -k.

29 !N

Trama fa / con Uto Ä MW- Tirustas2LL!än

Dinge sein Haupt.

Wie findet sich nun Stalin, ein Georgier von Geburt, ein Mann von gewaltiger Willens»

Es wäre kaum etwas dagegen zu sagen, wenn die Gesamtsumme der Reparationen schon feststünde. denn dann hieße jährlich mehr zahlen, die Schuld rascher abtragen. Damit kann man einverstanden sein, denn es erscheint nicht ge­recht künftige Generationen mit den Reparatio­nen für den seit zehn Jahren vergangenen Krieg mehr als irgend nötig zu belasten. Aber es war bisher nicht davon die Rede, den Wohlstands- Index aus diesem Grunde anzuwenden. Das war auch nicht möglich wegen der fehlen­den Gesamtsumme der Verpflichtungen. Wir sollen also gegebenenfalls, d. h. wenn der Dawes-Index nach 1929 so anzeigt, noch mehr zahlen, weil es uns besser geht als 1924. Geht es uns wirklich gut? Ober etwa annähernd so gut wie den früheren europäischen Kriegs­gegnern? 3a, da müssen wir uns doch einige

In Paris hat man sich also jüngst zusammen­gesetzt, teilweise auf Betreiben Parker Gilberts, um nun den Krieg womöglich gänzlich zu liqui­dieren. Ober gibt es doch nur eine Teil­lösung? Cs scheint so. Es hat wenig Zweck, hier das zu wiederholen, was der Wißbegierige jeden Tag in den Zeitungen lesen kann.

Wird wirklich eine Liquidation des Krieges angestrebt, so dürfte der Zeitpunkt der Beratun­gen verfrüht sein. Das Rormaljahr unter dem Dawes-Plan hat erst am 1. September 1928 begonnen. In einem Iahre von jetzt hätte man vielleicht eher gewußt, wie es wenigstens im ersten Rormaljahre um dieTransf erie- tun g der 2,5 Milliarden Mark bestellt ist. Oder gibt es gar keine Transfersrage, wie gewisse Bollswirtschaftler behaupten?! So z.B. Robert Crozier Gong in seinem im Frühjahr 1928 ver­öffentlichten Buche. Der muh es ja wissen, da er auf die Kenntnisse so mancher als volks­wirtschaftliche Großen bekannter Männer mit Spott herabsieht. Wahrscheinlich verstehe ich sein Buch nicht, denn mir scheint, daß es nach ihm auch keine Transferfrage geben würde, wenn der jährliche Transfer eines Mehrfachen von 2,5 Mil­liarden Mark verlangt worden wäre.

Cs verlohnte sich nicht, auf die Ausführungen jenes Schriftstellers heute noch zurückzukommen, wenn es nicht möglich wäre, dah der Versuch gemacht würde, derartige Ideen allgemeiner zur

mb

'S

|

öl' neS M

Landstreicher.

Don Eugen Klöpfer.

Nachdruck verboten.

Zeigt mir den Künstler, der nicht gerne reift und noch viel, viel lieber ungebunden dahin- walzt, einem unbestimmten Ziele, neuen Ein­drücken entgegen! Den gibt s nicht! Reue Menschen, neue Gegenden, neue Gedanken? llnb ewig neue Reugierde!

Meine erste größere Reise machte ich als Iunge von sieben Iahren mit einem Wander­zirkus sie dauerte drei Tage. Große Eindrücke. Roch großer die Eindrücke, die ich bei meiner Heimkehr rückseitig entgegennahm! Ieden Mi­men zog es von jeher gewaltig hinaus in die freie Ferne, auch heute noch, wo es. wandernde Schmieren nicht mehr gibt, hat ein jederfeine Sehnsucht".

Meistens zieht diese Sehnsucht die Kollegen von heute dorthin, wo zufällig ein großer Büh­nenleiter sich auszuruhen wünscht. So erzählte mir Max Reinhardt einmal, wie er ah­nungslos und glücklich allein am Strande und im Sande sich behaglich ausstreckte, da tauchte der Komiker G. auf (es war nicht Gülstorff). Da hörte er ein Husten in seiner Rahe. Der

der Transferschuh des Dawes-Plan^ für Deutschland hat und wie stark dieses Schild ist, mit dem sich Deutsch'.anb decken kann. Um dieses Schild entzwei zu schlagen, drohen sie mit her Waffe des Wohlstand - 2 n d e x des Dawes-Plans, vielleicht desjenigen Stricks dieses Plans das am rohesten zurechtgezimmert ist und darum in der Hand des Gegners eine grobe Waffe bildet, die böse Löcher schlagt. Wer die deutschen Derhandler werden sich hossentlich nicht irre machen lassen, bas Schild ist gut und gemacht, uns zu schützen. 3mmerbin, bie an­dere Seite kann mit dem Wohlstands-Index ope­rieren. Was bedeutet das? Doch nur, daß wir unter Umftänben mehr als 2,5 Milliarden Mari zahlen sollen. Warum? Weil es uns angeblich viel besser geht.

Der Verfasser ist der maßgebende Teil­haber der bekannten Bankhäuser Lazard Speyer Ellissen, Frantfurt/Berlin, und Speyer & Co., Reuyork.

I.

kommt man nicht hinaus. Es bedarf erst einer weiteren InstrultionSstunde, bis auch diese beiden Tugendbolde den richtigen Dreh finden.

Das heitere, anspruchslose Stück war von Karl Volck mit viel Liebe und gutem Blick für die sich bietenden Möglichkeiten in Szene gesetzt. Iulius Baste stellte als trotteliger Mustergatte an die Lachmuskeln eines dankbaren Publikums die höchsten Anforderungen: sehr apart, sehr gut angezogen Trude Heß als munteres, unbefrie­digtes Eheweiblein: sehr lustig auch Ingeborg Scherer als kleines Musterfrauchen, deren erste Bekanntschaft mit Coctails und Sekt verhee­rende Wirkungen zeitigt: Fraiiz Arzdorf als vierter im Bunde, der weise Ehemann, dem schließlich selbst noch genug Rätsel aufgegeben werden. Bleiben noch zu nennen Eduard Wesener, der Hausfreund, Ilse I a h n, das appetitliche und hilfsbereite Kammerkätzchen, und Ludwig Linkmann, ein stimmgewaltiger Um-

Zwischen Trotzki und Stalin.

Außenpolitische Umschau.

Don Dr. Otto Hoehsch, o.ö.prof. der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d.D.

genommen? Gab e« 1924 einen anderen Aus­weg, als ihn anzunehmen? Warum ist der Dawes-Plan entstanden? Doch infolge der Un­möglichkeit, die unsinnigen Forderungen der Geg­ner unter dem Friedensdiktat und unter dem 1921er Zahlungsplan zu erfüllen, sowie infolge der Besetzung des Ruhrgebiets.

Die Leistungen des Dawes-KomiteeS waren glänzend. Das Komitee brachte die Reparations. frage ziemlich herunter Dom politischen Gebiet und führte sie auf daS wirtschaftliche. Die auf­geregte französische Politik fing an, sich be­ruhigen und einzusehen, dah es sinnlos toar. irgendwelche phantastischen Summen von Deutsch land zu fordern, die öfters von verantwortlicher oder unverantwortlicher Seite ihrem Volke ge­nannt worden waren. Man stimmte in Frant reich dem Dawes-Plan zu. Aber e i nP f l aft e r chen hatte der kluge Dawes-Plan für alle bc der Bevölkerung der Alliierten mit den Zahlen Unzufriedenen. Dieses Pflästerchen oder viel­mehr ein recht dickes Pflaster war der W o hl- st ands-2ndex, bet bei uns an manchen Stellen eben etwas unbeachtet geblieben ist. da er ja bis jetzt noch nicht zur Anwendung kom­men konnte. (Von dem sog. kleinen Desserungs- schein ist hier nicht die Rede.)

1924 war dieses Pflaster politisch notwendig, eben weil man sich in törichten Zahlengroßen bewegt hatte. Heute foHtc man stch fragen, warum denn eigentlich dieser Wohlstands- index angewendet werden soll.

Wie sieht es in Frankreich ans?

^naerwaöen

Komiker stand da, begeistert auf den Meister blickend. Reinhardt wollte sich retten und sprang entschlossen in die Flut und schwannn davon! Juhu! Der Komiker ihm nach. Reinhardt von jeher ein guter Schwimmer, behielt die Vor­hand, aber der Komiker, auch ein hartnäckiger Schwimmer, ihm immer hinter den Fußzehen, bis ihm der Atem ausging, und er anfing zu pusten und Wasser zu schlucken. Da wendete Rein­hardt sich um, und der Komiker stöhnte: »Herr Professor welcher Zufall! 3ft die Rolle des Guck' inGuck und Gau" schon beseht?" Dann sank er, und Reinhardt ruderte dem Land zu. Der Komiker, hartnäckig, tauchte wieder lang­sam auf und kam schachmatt ans Ufer. Die Rolle hat er aber trotzdem nicht bekommen. Vor 3ahren bekam ich hohen Besuch in Gestalt meines Freundes Ferdinand Bonn, eines der letzten genialen Reisenden unserer Branche. Er kam damals direkt von Wien und brachte einen Wäschefack mit. Darin lag seine Geige. Und ist lag zu Bett, weil ich überarbeitet war und nur der Arzt strengste Ruhe verordnet hatte. Also holte Bonn seine Geige aus dem Sack und spielte mir eins auf und dann noch eins, und bann erklärte ich ihm:Der Arzt hat mir strengste Ruhe verordnet!"Die Aerzte sind Rind- Viecher und der deine ist ein Ochse , sprach Ferdinand.Ich werde dir mein neues Stück borkfen steh' auf oder bleib liegen ist vielleicht besser!" Und er begann. Rach dem ersten Akt weckte er mich auf und sprach:Wenn du diese Rolle hinter dir hast, bist du ein ge­machter Mann! Roch fünfzig Jahre nach meinem Tvde wirst du mit Stolz sagen:Bonn hat nur diese Rolle an&ertraut! Was ist Shakespeare, was ist Hollaender gegen mich?" Und er las den zweiten Akt, und ich konnte nicht mehr em- schlafen. Als er aber mit dem dritten Akt be­ginnen wollte, sagte ist:Einen Moment" und sprang munter aus dem Bett, ging zur Küche und sprach: .Anna! Herr Bomi bleibt hier ich reife! Sorgen Sie für ihn!" Bonn regierte in meinem Haufe und las der ausgezeichneten Köchin Anna den dritten Akt vor, und dann das ganze Stück von vorne sie kann es heute auswendig und blieb bis zum heutigen Tage eine begeisterte Verehrerin des Dichters...

In C., dem wundervollen elsässischen St pichen, war ich engagiert mit meinem Freuille Hellmuth, der aus München stammte und ein Hetdenvater

Gießener Gtadttheater.

Hopwood:Ter Mustergatte."

Auch das Theater trägt in löblicher Meise ber sich endlich nahenden wärmeren Jahres­zeit Rechnung und bietet einem stimmungsfrohen Publikum die für den Frühling besonders be­kömmliche leichte Kost. HopwoodsMustergatte verrät allen denen, die es noch nicht wissen sollten, das probate Rezept, eine Ehe Irisch und jung zu erhalten. Langeweile ist der Tod alles Sichverbundenfühlens. Also tagt Hop" Wood, man erhalte sich seiner Frau mtcreffant, man gebe ihr Rätsel auf, man fae Mißtrauen und Eifersucht, man spiele gelegentlich den Herrn im Hause und die Frau wird zur liebevollen, innigbesorgten Gattin, die vor lauter Befcha- tigung mit dem eigenen Manne nicht Seit fm bet, fremden den Kops zu verdrehen. Richt gerade immer wird die so empflchlene Pferde­kur die rechte fein, aber die Buhne rst gedul- dig, hier wenigstens gluckt sie. Bittie Dartlett ist so ein Mustergatte, der vom Morgen bis zum Abend feinen Bureauschemel druckt und nach des TageS Last und Müh nur no<ß den einzigen Ehrgeiz hat. nach einem Blick in dw Times möglichst umgehend im Bett ZU verschwin­den, während die fesche, lebenslustige Frau Mar­garet, angeödet von so viel Bravheit ihres tu­gendhaften Ehemannes, mit einem der t>er- lockenden Situation durchaus gewachsenen Iu- gendsreunde ein kleines Techtelmechtel beginnt lieber ihnen, eine Treppe hoher ist es umgekehrt. Der flotte Herr Mheeler hat sich unter dem Deck­mantel eines Klubabends plein pouvoir über den Hausschlüssel verschafft und die niedliche kleine Blanche träumt derweil daheim von dem interessanten Ehegatten, für den sie auch m spa­tester Rachtstunde noch ein liebes Willkomm bereit hält. Wheeler ist Menschenfreund, er gönnt auch seinem Bekannten Bartlett die Segnungen einer so vortrefflich eingerichteten Ehe, wie der eigenem Aber an der gänzlichen Talentlosigkeit des Mustergatten scheitert der erste Anlauß: der flotte Mann und die flotte Frau machen ihren ausgedehnten Abendbummel, die schmählich Zu- rückgelassenen, zur Unzeit aufgeklärt, beschließen zwar, währenddes gerne infam einen furchtbaren Skandal zu inszenieren, doch über einen tuch- kgen Schwips mit nachfolgendem Katzenjammer

und sich satt ißt. Dann aber kann ein solcher Zustand ziemlich lange dauern, wie die Er- sahrung gelehrt hat. Denn diese Krise dauert ja nun schon eine ganze Reihe von haaren.

Der Parteikampf in Rußland berührt Deut sch- land insosern, als Stalin seinen ihm geistig weit überlegenen Gegner T r o tz k i b e s L a n- des verwiesen und als dieser den Wunsch hat, seine gesundheitliche Wiederherstellung in Deutschland zu betreiben und in Deutschland Aufenthalt zu nehmen. Wir können uns nicht davon überzeugen lassen, dah eine Gene hm i - gung des Ei nr eis e gesuch e s tm deut chen Interesse und im Interesse der deutsch-russischen Beziehungen erwünscht lei. Dieser Standpunkt bedarf eigentlich keiner Begründung. Wir haben es nicht nötig, in den schwierigen Zeiten, in denen Deutschland augenblicklich ist, noch einen Mittelpunkt des Kommunismus ins Land zu lassen, der Trotzki unter allen Umständen ist, weil er geistig bedeutend und weil er energisch und willenskräftig ist.

Die Entscheidung über diese ötage, die doch eine Einzelfrage ist, ist ungebührlich und un­begründet lange hingezögert worden. Dabei wird selbstverständlich eine solche Frage Gegenstand des inneren Streites und in ihrer Bedeutung übertrieben. Qlber wie will man kurzerhand außenpolitische Entscheidung fassen, wenn man eine dafür nötige stabile Regierung nicht hat? Damit sind wir bei dem heutigen tro - lofen Zustande der innenpolitischen Verhältnisse Deutschlands angelangt, der an sich in einen außenpolitischen Artikel nicht gehört. Aber es ist so geworden, daß er tatsächlich Außenpolitik, außenpolitisches Auftreten, außenpolitisches ®nt- schließen und Wollen unmöglich macht. Der Primat der Außenpolitik, das ist eine Lehre der wir immer anhängen. Aber andererseits kann man ohne eine emigermaßer stabile Re- flientng auch keine wirkliche Außenpolitik treiben, llnb in dieser Lage i st heute Deutschland!

Im Anschluß an die Ratstagung hat in Genf noch der Iuristen-Ausschuß für die Revision desStatusdesInter Nation alenGe- richtshoses (im Haag) getagt. Von diesen Verhandlungen ist etwas sehr wichtig, nämlich die Erörterung mit dem amerikanischen Senator Elihu R o o t über den Beitritt Amerikas zu dem Weltgerichtshof. Die Einzelheiten mögen hier nicht interessieren und auch nicht die Ge- chichte dieser Frage. Allgemein wichtig ist ,edenfalls, daß Amerika dem Gerichtshof im Haag beitreten wird, und das ist die erste Auswir­kung oder Fortwirkung des Kellogg-Paktes. Der Schritt ist gewiß nicht übermäßig groß und auch nicht übermäßig wichtig. Aber ohne Bedeutung ist er nicht und zu begrüßen, wie alles, was die Vereinigten Staaten näher an die Fragen und Konflikte Europas heranbringt. In diesem gro­ßen Zusammenhänge sind darum auch die sehr speziellen Iuristenverhandlungen über die Sache im Haag von Bedeutung.

Rußland wieder, das soeben die Ratifika­tion seines ^stpaktes durch Polen und den Bei­tritt der Türkei zu ihm registriert, wird im April die Arbeit in Genf wieder aufnehmen, und zwar sehr energisch in der Teil«ahme an der vorbereitenden Abrüstungskom- Mission, die am 15. April beginnt. Cs be­findet sich in einem sehr tiefgehenden Partei- kanipf, in dem sich die Wirtschaftsschwierigkeiten, die Wirtschaftskrise, spiegelt. Es ist immer das alte Bild, daß der Sozialismus der agrarischen Verhältnisse nicht Herr wird und andererseits mit seiner Organisation nicht einmal die indu­striellen Bedürfnisse des Landes zu befriedigen in der Lage ist. So ist von einer Wirtschafts- entwicklung, wenn man darunter eine Vorwärts- Bewegung versteht, gar keine Rede. Das Rad dieser Wirtschaft dreht sich so langsam, daß man manchmal meint, es müsse still stehen, ober baß man ein Tempo in ber Bewegung über­haupt nicht merkt. In feinem hochindustriellen Lande würde dergleichen längere Zeit andauern können. Aber man vergesse nicht, daß bas rus­sische Volk zu 90 Prozent auf dem Lande wohnt, oder mit dem Lande eng verbunden ist! llnb auf dem Lande hat mau trotz einer mäßigen und selbst bei einer schlechten Ernte m jedem Falle genug zu essen. Die rein wirtschaftliche Schwierigkeit für bie Sowjetregierung ist, wie die Städte, die Armee und vor allem die Arbeiter­schaft zu versorgen seien. Mit Zwang und Druck auf die Bauern ist es nicht gegangen. Man hat in letzter Zeit sogar die landwirtschaftliche Em- Heilssteuer für die Dauern günstiger gestalten müssen, um fie zur Lieferung an die Städte zu veranlassen. Gegen diese sogenannte Steuerpolitil richtet sich die Bewegung, die in Trotzki ihren Mittelpunkt findet ober gefunden hat.

Dieser weist mit Recht darauf hin, daß Zu­geständnisse an die Dauern vom Sozialismus wegführen, und wirst Stalin, dem eigenllichen Herrn in Rußland, vor. daß er eigentlich schon mitten in der Gegenrevolution sei,bourgeoise' und kapitalistische Politik mache. Die sogenannte Rechtsopposition wieder verlangt noch größere Zugeständnisse an die Dau­ern, weist von ihrem Standpunkt aus eben­falls' mit Recht darauf hin, baß ein noch so grundsahtreuer und reiner Sozialismus, der sich gegen die Dauern richte, keinen Sinn hat, toenn darüber bie Städte verhungern, die Dauern nichts liefern und die Industriepoliti? auch nicht vor­wärts geht, weil es am nötigen Kapital und an den nötigen Ausfuhrartikeln fehlt. Wie man sich auch dreht in diesem Kreise: immer wieder erhebt das Gespenst des Kapitalismus und bannt bann einer Umwälzung ober Umgestaltung der

kraft, der aber auch nichts von der Welt draußen kennt, durch dieses Hin und Her durch? Keiner kann genau lagen, was derStalin-Kurs" eigent­lich will. Er entledigt sich seiner Gegner, hat im Dezember 1927 die Trotzki-Opposition nieder­geschlagen und namentlich deren Führer aus Moskau verbannt, hat bann bie sogenannte Rechtsopposition gleichfalls niedergeschlagen und jetzt Trotzki des Landes verwiesen. Die Svwjet- regierung hat ja die Möglichkeit,Bürger ihres eigenen Staates auszuweisen wie lästige Aus­länder. Aber was Stalin selbst nun Plant, ob er nach rechts ober links gehen will, das weiß niemand. Iedenfalls haben die Maßnahmen der Sowjetregierung in den letzten Monaten irgendeine feste Linie nicht erkennen lassen. Man stelle sich die Sache so vor, daß Stalin an sich die Rotwendigkeit von Zugeständnissen an die Bauern und an das kapitalistische System für notwendig hält, aber zu diesem Zwecke das Lenin-Gelichi", die reine Lehre, die Orthodoxie des Sozialismus wahren muß. In solcher Si­tuation haben sich schon manche politische Führer verfangen, und die Gefahr ist bann immer, daß man mit den Kompromissen zwischen beiden Polen, mit der Fahrt zwilchen Scylla und Charybdis keine praktischen Ergebnisse erreicht. Die sind aber in ber heutigen Wirtschaftskrise für die Sowjetregierung absolut notwendig!

Rach wie vor lehnen wir es ab, zu prophezeien, wann und wie dieses Regime zusammenbrechen oder zu Ende sein müsse. Aber es ist in einer schleichenden, schweren wirtschaftlichen Krisis, aus der es einen Ausweg bisher nicht gesunden hat. Und es fei wiederholt: wenn die Krise nicht schon längst zur Katastrophe geworden ist, so hat das seinen Grund in dem Charakter dieses Landes, der eben zu einem gewaltigen Teile noch die R a t u r a 1 w i r t s ch a f t ist. die Wirtschaft des Dauern, der schlecht und recht, mit mangelnden oder schlechten technischen Hilfs­mitteln, höchst extensiv und auf niedriger Stufe ber landwirtschaftlichen Technik, eben doch lebt

Wtz »W

war, nebenbei der beste WeinVenner, den ich bi« dato Earl Wallauer ausgenommen tennengelemt hatte. Aber Hellmuth war auch ein besessener Wanderer. War die Probe zu Ende, dann hieß es:Ieht wollen wir die Umgegend inspizieren, um die Eingeborenen in ihren Sitten und Gebräuchen kennen zu leyicn." Und wir zogen zum Dahnhof, traten an den Schalter und sagten:Zwei Fahrkarten für eine Mark zwan­zig!"Wohin?" sagte der Beamte.Eine Mark und zwanzig weit wohin ist wurscht!' sagte Hellmuth. Und so geschah's. Der nächst­fällige Zug wurde benutzt, und los ging die Fahrt, bis die 1,20 Mari abgelaufen war. Und bann stiegen wir aus und schon war's Reue Gegend, neue Menschen, alles unbekannt. Und zogen eines Tages in eine Ortschaft ein und gingen ins nächste Wirtshaus. Cs war bisher ein stilles, nettes Dorf gewesen. An dem Tage aber entpuppte es sich. Denn in dem ersten Wirtshaus stand ein Grammovhonapparat, den ließen wir spielen. Cs war aber da auch noch ein elektrisches Klavier, und das ließen wir gegen Einwurf von 10 Pfennig auch spielen. Der Lärm war schon sehr hübsch, wurde aber mächtig übertroffen, als wir entdeckten, daß gegenüber noch ein Wirtshaus stand, das ein entzückendes Orcheftrion befaß. Einwurf 10 Pfennig. Dieses Orcheftrion bediente ich, während Hellmuth Grammophon und Klavier antreten ließ. Beider­seits bei geöffneten Fenstern. Ich siegte mit meinem Orcheftrion. Mittlerwelle hatte sich außen mancherlei an Bevölkerung angesammelt, und ein Iunge sagte:3m Adler an der Ecke gibt's noch eines." Richtig, im benachbarten Adler war noch ein Orcheftrion, nicht ganz so neu wie das erste, aber viel deutlicher. Ich hatte natürlich mächtig zu tun, um hin und her zu rennen und die beiden Instrumente mit Zehnpfennigstücken zu versorgen, aber es ging. Und doch wurde ich geschlagen von diesem Burschen Hellmuth, der ein altes Waldhorn in seinem Anwesen ent­deckt hatte und nun zu Grammophon und elek­trischem Klavier mächtig durchs Waldhorn blles.

Und dann wurden wir verhaftet, und am Abend mußte in E. die Vorstellung ausfallen und wir waren entlassen wurden aber (bic Berliner Direktoren mögen sich ein Beispiel daran I nehmen) nach vier Tagen wieder in Gnaden cu.- genmmnen»

Reparationen und Liquidation desKrieges

Von Kommerzienrat E. Beit von Speyer.

Frankreich hat seit dem Waffenstillstand einen ungeheuren Aufstieg erlebt Richt nur die volle Wirtschaftskapazität ist wieder errmcht, sondern wie ein Bericht der englischen Bot schäft in Paris, also einer gewiß tm Urteil un­abhängigen Quelle, feststellt - die Kapazita gerade der zerstörten und wieder auf gebauten Gebiete ist darüber hinan, um 25 bis 40 Proz. gesteigert und im volle. Aufschwung. Frankreichs Ausfuhr weist 1927 den Iahre 1913 gegenüber eine Steigerung um 54 Proz., die Einfuhr eine um 30 Proz. an.. Diese Einfuhrsteigerung umfaßt aber nur Roh­stoffe, die Fertigwareneinfuhr ist stark zurückgegangen. Sie beträgt z. D. dem Gewicht nach bei Textilien 25 Proz., bei chemiHen Pro­dukten 30 Proz. der entsprechenden Vorinegs- zahlen. Die Ausfuhr von Fertigfabrikaten ist dem Gewichte nach etwa 2VrMal so groß wie vor dem Krieg. Aber auch die P r o d u k t i o n d e r lebenswichtigen Rohstoffe ist in Frank­reich erheblich gesteigert. Die Kohlenförde­rung stieg um ein Sechstel, die Koksproduktion auf das Doppelte; die Stahlerzeugung ist heute größer als die englische, während sie vor dem Krieg nur ein Drittel davon toar; Die Maschinenauss uhp stieg von 313 000 Tonnen 1913 auf 1 469 000 Tonnen ISN, wah­rend die Einfuhr auf die Hälfte fank, die Elek - trizitätserzeugung ist verdreifacht, kurz, Frankreichs Industrie hat einen ungeheuren Auf­schwung genommen und befindet sich noch in vollem Aufstieg. Auch die Landwirtschaft hat sich ihre traditionelle Intensität und Quali­tät bewahrt und ist volllommen konkurrenzfähig.

Dabei ist der französische Geldmarkt heute von einer sonst nirgends vorhandenen Leichtig­keit, die Dankrate mit 3V- Proz. liegt 2 Proz. unter der Londoner, IV. Proz. unter der Reu- yorker und ist nur unwesentlich hoher als die Vor­kriegs,ätze. Die Banque de France ist heute die reichste Notenbank der Welt, ihr Gold­bestand übertrifft mit 34 Milliarden Frank (6,5 Md. Goldfrank) weitaus alle anderen Roten­banken: durch ihre riesigen Goldreserven in Lon­don ist sie ein nicht zu unterschätzender, wenn nicht der wichtigste Faktor auf dem Londoner Geld­markt geworden, der manchmal mehr vom Ver­halten der Banane de France als von dem der Bank of England bestimmt zu werden scheint.

Frankreich war bisher wohl infolge der un- stabilisierten Währung nur im bescheidenen Maße Anleihegeber; das scheint sich aber jetzt zu ändern und als erste größere Anleihe wurde vor kurzem der Löwenanteil der rnmäni-

[Verschiedenes]

18 bis

20 Mille m. bODoiWniltbe ettatbeit ö.eelbft- (über gesucht. Lür. Angeb. unter MI) Q. d. Gleh. Anzeiger. Rad-Club Germania Sonntag, A. 8. Mi. Hii

bei Peter Gaub. m» Ein aller Germane. Stadttheater eolmtaa.2t.Mri ßremdenvoilielluny Mer Abonnement) v°nl8'/,b.M,Uhr Einmalige

Wiederholung

Illiffclris

"""rirbitlch.

Mitttvoch27.Mätt Mltltoo«»» von 2U bis 2 Uhr.

Lustspiel m 3 WJ Säg bearM.il** aÄffi *.S

"

GeGMk x,

Ȁ

I sK-ndenAS

t